Autor: Fredy

Tag 55: (07.12.14) Deming – Lordsburg

Distanz: 101.7 km / Gesamt: 4354.4 km / Fahrzeit: 4 Std. 12 Min. / Durchschnitt 24.2 km/h 🙂

ganzer Tag etwa 22 Grad, mittlerer Rückenwind, sonnig

Über die Wasserscheide!

Die heutige Etappe von Deming nach Lordsburg war eine gemütliche Sonntagsfahrt über Land. Ich liess es gemütlich angehen und genehmigte mir im Restaurant zuerst mal ein Frühstück. Zwei Eier „easy over“, die regelmässigen Blogleser kennen den Ausdruck ja schon. Das ist wie beschrieben ein Spiegelei das in der Hälfte des Kochvorgangs so kunstvoll um 180 Grad gedreht wird, dass das Eigelb nicht ausläuft und das Eiweiss von beiden Seiten gebraten wird. Ihr könnt das ja zu Hause mal ausprobieren und ich bin gespannt wieviel ausgelaufenes Eigelb ihr produziert 🙂
Dazu in Butter gebackene Tostbrotscheiben und Bratspeck. Nicht das was man zu sich nehmen soll wenn man den ganzen Tag im Büro sitzt, aber wer anschliessend 100 Kilometer radelt kann es kalorienmässig mit gutem Gewissen tun. Der Radler den ich gestern Abend getroffen habe, er heisst Carl und ist etwa 25 Jahre alt, war um diese Zeit schon startklar. Er sagte, dass er nicht so schnell fahre und ich ihn im Verlauf des Tages sicher einholen werde. Also fuhr er schon mal los. Ich packte gemütlich meine Sachen und war um halb zehn auch startklar. Die Sonne hatte die Luft schon soweit aufgewärmt das ich in kurzen Hose starten konnte. Ein gutes Gefühl das ich in letzter Zeit etwas vermisste. Die Fahrt raus aus Deming führte durch eine lange Strasse mit Tankstellen, Motels und Einkaufszentren. Es ist offenbar ein Zentrum in dieser abgeschiedenen Gegend, in dem sich die Leute aus einem weiten Umkreis für den alltäglichen Bedarf eindecken.

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Sonntagmorgen in Deming. Die älteren Herren sitzen, beobachten das Geschehen und plaudern zusammen, fast wie in Italien.

 

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Die Hauptstrasse in Deming ist typische für diese Regionalen Zentren.

Die ersten Kilometer konnte ich auf einer guten Parallelstrasse zur Autobahn fahren.

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So blau kann ein schöner Sonntag sein.

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Amis am „zügeln“. Man mietet einen „Kleinlaster“, hängt das Auto an und fährt los. Oft ziehen sie tausende Kilometer für eine neue Arbeitsstelle um.

 

Google Maps hat mir im Modus „Fahrrad“ eine Route bis Lordsburg errechnet auf der ich nie auf der Autobahn fahren müsste. Ich traute der Sache nicht und habe mir die Strassen noch in der Ansicht „Satellitenaufnahme“ angeschaut und festgestellt, dass dieser Weg über Schotterstrassen führte. Nicht mit mir! Also war nach 30 Kilometern für den Rest des Tages Autobahn angesagt.

Ich hatte keine Lust auf Schotterstrasse, also auf die Autobahn.

Ich hatte keine Lust auf Schotterstrasse, also auf die Autobahn.

Vorher machte ich noch eine Pause und plauderte mit meinen Lieben zu Hause via Skype, da ich gerade mal wieder ein gutes Handysignal hatte, was hier nicht immer der Fall ist. Auf der Autobahn, die auf dem ganzen Weg neben der Eisenbahnlinie her führt, konnte ich dank schönem Rückenwind so richtig Gas geben. Noch immer stieg die Strasse leicht an und trotzdem lagen 32 -35 Kilometer drin. So kommt man gut voran. Der Verkehr war mässig, der Belag meist gut wenn auch mit vielen holprigen Querrillen, welche durch die Hitze hier entstehen. Ab und zu fuhr ein langer Güterzug an mir vorbei.

Immer wieder faszinierend. Endlose Güterzüge mit beeindruckenden Lok's.

Immer wieder faszinierend. Endlose Güterzüge mit beeindruckenden Lok’s.

Es lief gut und ich fühlte mich richtig wohl. Sonne, endlose Weite, Rückenwind, prima Geschwindigkeit. Da würde ich das Motel wohl früh erreichen und freute mich schon noch ein Footballspiel am Nachmittag sehen zu können. Um halb zwei Uhr erreichte ich einen weiteren Meilenstein auf meiner Tour: „The Continental Divide!“ (Die kontinentale Wasserscheide). Ab diesem Punkt fliesst das Wasser nicht mehr in den Golf von Mexiko und somit in den Atlantik sondern in den Colorado. Jenes Wasser das dem Colorado im Verlauf seines Weges nicht zu Bewässerung bzw. als Trinkwasser entnommen wird mündet dann in den Pazifik. Genau dahin will ich auch.

Jetzt gehts Richtung Pazifik!

Jetzt geht s Richtung Pazifik!

Kurz darauf holte ich Carl ein. Wir stopten kurz an und redeten miteinander. Er hatte heute schon wieder einen Platten gehabt. Es war so ungefähr Nummer 40 auf seiner Reise. Ihr könnt es euch ja denken, er hat zwar einen „Schwalbe Marathon“ aufgezogen aber eben nicht den stabileren „Marathon plus“ und er hat auch auf die Dichtungsflüssigkeit im Schlauch verzichtet. Naja, wer gerne Reifen flickt kann das so machen. Als wir losfuhren merkte ich rasch, das unsere Geschwindigkeiten nicht harmonierten. „Der alte Mann“ fuhr voraus und schon nach kurzer Zeit war er in meinem Rückspiegel nur noch ein kleiner Punkt. Ich hielt an und wir beschlossen, dass jeder in seinem Tempo weiterfahren soll, tauschten die Telefonnummern aus und verabschiedeten uns. Da wir die nächsten Tage auf der gleichen Strecke unterwegs sind werden wir uns wohl wieder begegnen. Ich geniesse es im Moment sowieso wieder etwas alleine unterwegs zu sein. Die Fahrten mit Kyle waren super, aber ein Radpartner muss eben zu einem passen und das ist nicht immer der Fall.

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Heute änderte sich die Landschaft auf über 100 km kaum.

Eine riesige Hochebene und Gebirgsketten im Hintergrund.

Eine riesige Hochebene und Gebirgsketten im Hintergrund.

Ansonsten war die Fahrt ereignislos und eher vom Ziel bestimmt bald im Motel zu sein, zu duschen und den Nachmittag entspannt zu geniessen. Schon um halb drei Uhr kam ich in Lordsburg an. Der Ort besteht vorwiegend aus Motels und einigen kleineren Läden. Die Einwohner leben offenbar von der nahen Autobahn und den Bedürfnissen der hier vorbeifahrenden Reisenden.

So leben die Arbeiter in Lordsburg.

So leben die Arbeiter in Lordsburg. Mobilhome und Blechhütte.

Ich konnte mein „Sonntagszimmer“ beziehen und war froh das es um Welten besser war als letzte Nacht.  Dies war einem ziemlich in die Jahre gekommenen Zimmer das, obwohl „Nichtraucher“, stark nach kaltem Rauch stank. Zuerst „kochte“ mir in der Mikrowelle mal eine Portion gefrorene „Fertigspaghetti“ um die Kolenhydratspeicher wieder aufzufüllen. Hat sogar ganz gut geschmeckt und für 1.50 Dollar war es eine preiswerte Verpflegung.

Mein "Sonntagszimmer". Viel Platz für mich und das Pferdchen.

Mein „Sonntagszimmer“. Viel Platz für mich und das Pferdchen.

Heute Abend freue ich mich auf das Footballspiel „meiner San Diego Chargers“ und hoffe natürlich auf einen Sieg, was nicht ganz einfach werden wird. Ihr seht, eine solche Radreise kann ganz schön entspannt sein. Auch bei 100 Kilometern, sofern das Wetter mitmacht. Euch allen einen guten Start in die neue Woche!

Tage 53 + 54: (05.+06.12.14) Ruhetag in Las Cruces und La Cruces- Deming

Distanz: 96 km / Gesamt: 4252.7 km / Fahrzeit: 4 Std. 16 Min. / Durchschnitt 22.4 km/h

ganzer Tag etwa 22 Grad, mittlerer Rückenwind, bedeckt

on the road again

Gestern genoss ich also meinen Ruhetag in Las Cruces. Eine schmucke Stadt in New Mexiko. So hatte ich Zeit mich in der Stadt etwas mit dem unbeladenen Velo umzusehen. An dieses Fahrgefühl könnte man sich gewöhnen. Dank Internetrecherchen wurde ich auf ein gutes mexikanisches Restaurant im Stadtzentrum aufmerksam, wo ich beim Mittagessen gleich mal die hoch gelobte Kochqualität testen konnte. Ich sage euch: Volltreffer!!! Es hat so gut geschmeckt das ich meinen Reisepartner Kyle, der den ganzen Tag im Motel mit dem aktualisieren seines Blogs verbrachte, zum Abendessen gleich nochmals ins gleiche Lokal führte. Auch da wieder: fantastisch. Autentisch mexikanische Küche zu Superpreisen (Nachtessen = 8.99 Dolar), nette Bedienung und gemütliches Ambiente. Was will man mehr. Am Nachmittag nutzte ich meine freie Zeit für einen Besuch im Nachbarort Mesilla wo es ein schön erhaltenes Quartier gibt. Es war die richtige Entscheidung den Ruhetag erst in Las Cruces und nicht schon in El Paso zu nehmen. Hier war es viel gemütlicher und hatte wirklich viele schöne Ecken. Wer einmal in dieser Gegend unterwegs ist um sich zum Beispiel die grossartigen Tropfsteinhöhlen „Carlsbad Caverns“ oder die fantastischen weisen Sanddünen von „Withe Sands“ anzuschauen, darf sich ruhig auch etwas Zeit für Las Cruces nehmen. Hier einige Impressionen:

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Auf jeden Fall ein Besuch wert: Las Casitas Cafe

Hervorragende mexikanische Küche in gemütlicher atmosphäre.

Hervorragende mexikanische Küche in gemütlicher Atmosphäre.

Im Zentrum von Las Cruces

Im Zentrum von Las Cruces

Das Eisenbahnmuseum war eher mässig. Dieser "Schlusswagen" war das Prunkstück.

Das Eisenbahnmuseum war eher mässig. Dieser „Schlusswagen“ war das Prunkstück.

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Cafe in Mesilla

Irgendwie scheint hier ein Weihnachtsbaum "deplaziert".

Irgendwie scheint hier ein Weihnachtsbaum „deplaziert“.

In diesem Gebäude wurde "Billy the Kid" zum Tode verurteilt.

In diesem Gebäude wurde „Billy the Kid“ zum Tode verurteilt, als der wilde Westen noch richtig „wild“ war.

Sogar die Wohnüberbauungen sind im Stiel der Landschaft angepasst.

Sogar die Wohnüberbauungen sind im Stil der Landschaft angepasst.

Der heutige Tag versprach keine grossen Besonderheiten. Am Morgen verabschiedete ich mich von meinem Reisepartner Kyle, der Richtung Norden zum Emroy Pass fuhr. Wenn alles klappt, treffen wir uns in einer Woche in Phoenix wieder. Im Moment gilt es vor allem Meilen Richtung Westen zu machen. Nach wie vor ist das Gebiet schwach besiedelt und so geben die Ortschaften mit Unterkunftsmöglichkeiten die Etappenlänge vor. Heute knapp 100 kilometer bis Deming. Die Fahrt führte teilweise auf Paralellstrassen zur Autobahn aber auch etwa 30 Kilometer auf dem Pannenstreifen der Autobahn entlang, da es keine andere Strasse gibt. So ist es Radfahrern trotz Verbot auf der Autobahn zu fahren gestattet den Pannenstreifen zu benutzen, wie dieses Bild beweist.

Das kleine Schild ganz unten erlaubte mir dan doch auf der Interstaate zu fahren.

Das kleine Schild ganz unten erlaubte mir dann doch auf der Interstaate zu fahren.

 

Da fühle ich mich ja bekanntlich ziemlich sicher.

Da fühle ich mich ja auch mit den grossen Brummern bekanntlich ziemlich sicher.

Werbung an der Autobahn. Kinderspielzeug: Gewehr, Pfeil und Bogen, Wilkommen in Amerika!

Werbung an der Autobahn. Kinderspielzeug: Gewehr, Pfeil und Bogen, Willkommen in Amerika!

Später fand ich dann eine Nebenstrasse die durch Farmland führte. Weiterhin riesige, endlose Graslandschaft und dazwischen immer wieder Farmen mit Pecannussplantagen oder nun auch Mastbetrieben, wo die Rinder auf grossen Flächen gehalten und gemästet werden, damit sie möglichst rasch als Steak’s in den Supermärkten verkauft werden können. Ein trauriger Anblick angesichts dieser riesigen Weiden, aber der Profit zählt mehr als das Tierwohl.

So wird billiges Fleich "produziert".

So wird billiges Fleisch „produziert“.

Dank dem guten Rückenwind war ich schon um halb drei Uhr in Deming und konnte mich im Motel ausruhen, Kleider waschen und den Blog bearbeiten. Später sah ich noch einen anderen Tourenfahrer im Motel ankommen. Ich plauderte etwas mit ihm. Er ist im Norden an der Ostküste gestartet, die ganze Küste nach Süden heruntergefahren und nun auf dem Weg nach Los Angeles. Er will anschliessend weiter durch Mexiko nach Panama. Da wir die nächsten Tage die selbe Route fahren werden wir morgen voraussichtlich gemeinsam nach Lordsburg radeln. Mal sehen wie das zusammenpasst. Auf jeden Fall spannend, so immer wieder auf neue Menschen und ihre Geschichten zu treffen.

Tag 52: (04.12.14) El Paso – Las Cruces

Distanz: 96.9 km / Gesamt: 4156.7 km / Fahrzeit: 4 Std. 52 Min. / Durchschnitt 19.9 km/h

ganzer Tag etwa 18 Grad, kein Wind, ab und zu Regentropfen, bedeckt

Raus aus Texas!

Heute liessen es Kyle und ich wieder gemütlich angehen. Im Motel war ein Frühstück inbegriffen und so haben wir uns zuerst mal mit Toastbrot und frisch gebackenen Waffeln gestärkt. Die Fahrt raus aus El Paso würde heute wohl die grösste Herausforderung sein und so gewährten wir dem Berufsverkehr grosszügig den Vortritt und machten uns erst gegen halb zehn auf die Reise.

Lockerer Start in El Paso.

Lockerer Start in El Paso. Kyle mit seinem Anhänger.

El Paso, eine Stadt mit immerhin gut 900’000 Einwohnern und kaum Hochhäusern ist flächenmässig sehr gross. Zudem erwies sich die Stadt viel hügeliger als ich es erwartet hatte. Also war es nötig, immer mal wieder kräftig in die Pedale zu treten.

Im Stadtzentrum von El Paso.

Im Stadtzentrum von El Paso hatten wir eine ruhige Fahrt. Der späte Start hat sich ausbezahlt.

Ich hatte meine drei verschiedenen Blinklichter in Betrieb, so dass ich von hinten gut gesehen wurde. Wenn ich dann noch meinen „Warnblinker“ an der Kopfstütze einschaltete, getraute sich erst recht keiner mehr knapp zu überholen. Prima wie dieses Blinkspektakel hier funktioniert! So fühlte ich mich heute sehr sicher und kurz nach Mittag hatten wir El Paso hinter uns. Endlich war nun nach 19 Fahrtagen und gut 1570 Kilometer wieder einmal eine Staatsgrenze angesagt. Texas war geschafft und New Mexiko lag vor mir.
Wir überquerten die Staatsgrenze leider auf einer Nebenstrasse und da reichte das Geld offenbar nicht um eine Tafel aufzustellen. Also muss ich mir die „Wilkommenstafel“ vorstellen und für euch aus dem Internet „klauen“.

So hätte die Tafel ausgesehen, wenn es eine gehabt hätte.

So hätte die Tafel ausgesehen, wenn es eine gehabt hätte.

Naja, ich kann’s verschmerzen, denn gerade heute ist eine Statistik über die Wirtschaftsdaten der verschiedenen US Staaten erschienen. Da erscheint New Mexiko nach Illinois an zweitletzter Stelle. Die Armutsrate beträgt 21.9% und fast 7% der Erwerbsfähigen sind arbeitslos. Da haben sie weiss Gott besseres zu tun als für Touristen „Wilkommenstafeln“ aufzustellen. So habe ich das „Grenzfoto“ halt vor dem Baumwollfeld gemacht.

Staat Nr. 6 wartet darauf durchradelt zu werden.

Staat Nr. 6 wartet darauf  von mir durchradelt zu werden.

Wir fuhren auch heute wieder durch grosse Baumwollfelder und Nussbaumplantagen. Die kleinen Ortschaften die an der Strasse auftauchen gleichen sich. Ab und zu ist ein schönes Farmhaus in der Ferne auszumachen. Dort wohnen offensichtlich die Landbesitzer.

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Die Ortschaften heissen hier San Miguel, Santo Tomas oder San Pablo. Nicht sehr amerikanisch.

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Schmucke kleine Häuser mit scharfem Chilli vor der Türe.

Ein Teil unserer Reise führte auch über den Rio Grand und während etwa 15 Kilometer auf einem schönen Radweg direkt dem Fluss(bett) entlang.

Schöner Radweg entlang des Rio Grande.

Schöner Radweg entlang des Rio Grande. Auch hier ist der Herbst angekommen, die Blätter verfärben sich.

Der Fluss, durch den in den Westernfilmen schon so mancher Schurke nur mit Mühe und Not durch die reissenden Fluten nach Mexiko flüchten und sich so vor dem Sheriff verstecken konnte, ist heute: trocken! Nur eine Tafel gibt einen Hinweis darauf, dass wir uns am Rio Grande befinden. Das Flussbett ist eine Wüste aus Sand, da die Farmer dem Fluss mit ihren wasserintensiven Plantagen von Baumwolle und Pecannüssen den letzten Tropfen Wasser entziehen. Eigentlich sollte der Rio Grande, der in Colorado entspringt, in den Golf von Mexiko münden, aber da kommt nichts mehr an.

Staubtrockener Rio Grande. Ein trauriger Anblick.

Staubtrockener Rio Grande. Ein trauriger Anblick.

Kurz nach vier Uhr fuhren Kyle und ich dann von Süden her in der Stadt Las Cruces ein, wo wir Morgen einen gemeinsamen Ruhetag einschalten werden, bevor sich unsere Wege trennen. Der erste Eindruck ist schon mal vielversprechend.

Die Bankomaten sind "velofreundlich" angelegt, so dass ich nicht mal absteigen muss. (... oder war das eher für Autos gedacht?)

Die Bankomaten sind „velofreundlich“ angelegt, so dass ich nicht mal absteigen muss. (… oder war das eher für Autos gedacht?)

Wir freuen uns auf die morgige Touristentour in Las Cruces. Kyle will übermorgen dann auf seinem Weg nach San Diego in die Berge und den 2500 Meter hohen Emroy Pass überqueren. Auf diese Höhenmeter verzichte ich und habe mich für die südliche Route via Tucson entschieden. Also Morgen gibt es keinen Blog.

Tag 51: (03.12.14) Fort Hancock – El Paso

Distanz: 78.8 km / Gesamt: 4059.8 km / Fahrzeit: 4 Std. 16 Min. / Durchschnitt 18.4 km/h

Morgens 14, Mittags 25 Grad, ganzer Tag Gegenwind, leicht bis mittel, sonnig mit Wolkenfeldern

4000 Km und Wanderlust

Der heutige Tag war ja gemäss unserem Programm recht einfach. Vom Motel auf die Hauptstrasse von Fort Hancock, runter bis zur Strasse „20“, dort rechts abbiegen und dann gut 40 Kilometer geradeaus. In Fabes kurz rechts und links auf die „76“ und nochmals etwa 35 Kilometer geradeaus bis in den Ostteil von El Paso. Dort rechts zum Motel. Das ist es! So einfach kann eine Routenplanung aussehen. Wir liessen uns also heute etwas Zeit beim Aufstehen, dann die Etappe war nicht allzu lange und je später man losfährt, desto weniger muss man anziehen. Im Moment ist vor allem bei schönem Wettert der Morgen noch recht kühl, es wärmt dann aber so zwischen neun und zehn Uhr rasch auf. Also hatte ich Zeit für einige Fotos rund um unser Motel. Fort Hancock ist ein Nest, das in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung verloren hat, womit auch die Einwohnerzahl immer mehr sank, weil es hier schlicht keine Arbeit mehr gibt.

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Der wartet wohl schon lange. Die Tankstelle ist ausser Betrieb.

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Unser Motel, das einzige im Ort, erinnert an längst vergangene Zeiten.

 

Gestern Abend waren wir in Angi’s Restaurant gleich vis a vis und plauderten etwas mit der Besitzerin. Ich schätze sie auf etwa 70 Jahre und sie ist noch immer täglich vor Ort. Sie erzählte, das sie hier geboren sei und schon immer hier gelebt habe, aber das es leider immer weniger Arbeit gebe und die Jungen nun in die Ölfelder im Süden und Westen von Texas ziehen, um dort ihr Auskommen zu finden. Angie ist eine lokale Berühmtheit, denn sie hat es mit ihrer prima Chillisauce sogar zu einem Artikel im berühmten Magazin „National Geografic“ geschafft. Das mussten wir natürlich probieren und auch ihre Burittos haben prima geschmeckt.

Angi's Burittos haben prima geschmeckt!

Angi’s Burittos haben prima geschmeckt!

Auf unserer Fahrt auf der „20“ ging es immer geradeaus. Kaum Verkehr und etwas Gegenwind. Wir nahmen es gelassen. Schon bald kam ein wichtiger Augenblick: Kilometer 4000 war geschafft!!!

4000 Kilometer und kein bisschen "reisemüde"!

4000 Kilometer und kein bisschen „reisemüde“!

Ich habe heute Abend mal auf Google Maps nachgeschaut. Von Tomsö im Norden Norwegens ist es bis Rom 4123 Kilometer. Unglaublich, diese Strecke nun schon auf dem Rad geschafft zu haben. Bis zum Ziel San Diego sind es noch gut 1200 Kilometer, also in etwa die Strecke Zürich bis Lecce in Süditalien. Auch die werde ich noch schaffen, wenn ich mit dem Wetter, der Gesundheit und den Autofahrern weiterhin soviel Glück habe.
Links und rechts der Strasse war die Baumwollernte in vollem Gange. Die Felder werden mit einem Kanalsystem bewässert, wozu auch grosse Wasserreservoirs gehören. Ohne diese künstliche Bewässerung würde im heissen Sommer hier wohl kaum etwas wachsen. Auch Baumplantagen mit Pecannüssen sind hier viele zu sehen. Die kostbaren Nüsse werden aber gut geschützt und es ist streng verboten, die Nüsse auch nur vom Boden aufzulesen.

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Hier ein Baumwollstrauch vor der Ernte.

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So werden die Baumwollbüschel geerntet und zu grossen Ballen gepresst.

Selbs das Auflesen der Nüsse ist per Gesetz verboten.

Selbs das Auflesen der Nüsse ist per Gesetz verboten. Barbara, ich habe trotzdem eine dabei;.-)

Plötzlich sahen wir in der Ferne zwei Wanderer auf uns zukommen. Wir hielten an und plauderten etwas mit ihnen. Es war Joshua und seine Mutter, die gemeinsam zu Fuss unterwegs sind. Sie wollen nach Galvestone Texas, wo ich vor gut 3 Wochen war und dann weiter nach Key West: zu Fuss!!!
Die beiden sind nun schon fünf Monate gemeinsam unterwegs und sie schlafen in ihrem Zelt oft im „Nirgendwo“. Die Mutter von Joshua ist schon seit 2011 auf Wanderschaft, unglaublich. Wer Facebooke hat, etwas englisch versteht und an dieser Reise interessiert ist kann diese verfolgen. Gebt einfach „Crannberry Joshua Paul Hager“ ein und ihr werdet ihn finden.

Joshua und seine Mutter auf Wanderschaft durch die USA.

Joshua und seine Mutter auf Wanderschaft durch die USA.

Kyle und ich waren von den beiden beeindruckt. Dieser Mut, diese Ausdauer und diese Zuversicht die eine solche Reise braucht ist einfach bewundernswert. Ich wünsche den beiden von Herzen eine sichere Reise!
Etwas später trafen wir noch ein junges Paar auf der Strasse mit einem Hund an der Leine. Beide auch mit Rucksack und offensichtlich auf „Tour“. Sie waren gerade auf einem Güterzug erwischt worden, mit dem sie seit gestern von Kalifornien Richtung Osten unterwegs waren. Man hat sie dann kurzerhand auf die Strasse gestellt und sie fragten uns nach dem besten Weg zu einem Geschäft, wo sie etwas zu Essen kaufen könnten. Sie waren in die falsche Richtung unterwegs und wir konnten ihnen den Weg zum nächsten Shop beschreiben, der nur einen Kilometer entfernt war. Offensichtlich war also heute ein „Wandertag“.
Im kleinen Nest Fabes hatten wir das Gefühl nicht mehr wirklich in den USA unterwegs zu sein. Irgend ein Ort in Zentralamerika hätte besser zur Szenerie gepasst und Kyle, mein Reisepartner und Rechtsanwalt aus der Ostküste, war einmal mehr erstaunt, wieviel Armut es in seinem Land gebe. „Weisst du, ich bin so froh diese Reise zu machen und all das zu sehen, denn zu Hause hat man vom Ausmass der Armut in unserem Land keine Ahnung.“ Ich denke, es würde vielen gut tun, die USA einmal aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Es ist eben nicht immer alles „Hollywood“.

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Die Szene erinnert wohl eher an …

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… Mittelamerika als an Texas. Aber auch das ist die USA, knapp an der Grenze zu Mexiko.

Die Fahrt hinein nach El Paso auf der „76“ verlief dann sehr ruhig und es hatte sogar meist einen guten Seitenstreifen für Radfahrer. Wenn wir Morgen ebenso stressfrei die Stadt Richtung Las Cruzes verlassen können, sind wir sehr zufrieden. Warten wir ab.

Tag 50: (02.12.14) Van Horn – Fort Hancock

Distanz: 119.3 km / Gesamt: 3981 km / Fahrzeit: 5 Std. 42 Min. / Durchschnitt 20.1 km/h

Morgens 8, Mittags 22 Grad, ganzer Tag Rückenwind 🙂 ganzer Tag sonnig,

Durch New York’s „Klo“

Heute starteten Kyle und ich wieder gemeinsam kurz nach acht Uhr in Van Horn. Der erste Teil der Strecke mussten wir mangels Alternative auf der Autobahn „Interstaate 10“ zurücklegen. Es war nicht mehr so kühl wie gestern und vor allen hatten wir den Wind nun im Rücken, was sich trotz Anstieg sehr positiv auf die Geschwindigkeit auswirkte. Schon bald hatten wir die nächste Zeitzone erreicht und konnten die Uhren auf „Mountain Time Zone“ um eine Stunde zurück stellen.

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Kurz nach dem Start auf der „Interstaate 10“

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Ab jetzt sind wir gegenüber der Schweizerzeit 8 Stunden zurück.

 

Der Anstieg über die Berge sowie der Verkehr war moderat, so dass ich es auf dem Pannenstreifen ganz entspannt fand. Mein Reisepartner Kyle ist nicht so gerne auf der Autobahn unterwegs und so wechselten wir bei der ersten Gelegenheit auf die parallel verlaufende „Frontage Road“. Kein Verkehr, guter Belag, da konnte ich nicht meckern.
Wir kamen mit Rückenwind auf dieser endlosen Ebene gut voran und waren am Mittag in Sierra Blanca. Ein kleines Nest das in den vergangenen Jahren in den USA nationale Berühmtheit erlangte. Die Geschichte begann damit, dass das Parlament in New York im Jahre 1992 verbot, die Toilettenabwässer der Millionenstadt weiterhin in den Atlantik zu pumpen. Da nicht genügend Kläranlagen vorhanden waren, musste für dieses übelriechende Problem eine Lösung her. Eine Firma in Texas kaufte in Sierra Blanca eine Fläche 320 Quadratkilometer und schloss mit der Stadt New York einen Vertrag über die Abnahme von täglich 250 Tonnen Fäkalien ab. Die übelriechende Ladung wurde dann mit dem Zug quer durch die USA geschickt und auf dem riesigen Gelände verteilt. Die Firma ging davon aus, dass sich die Sache dann im Boden zersetzten werde. Leider war das trockene und heisse Klima hier nicht geeignet den Abbauvorgang zu beschleunigen. So begann es in und um Sierra Blanka immer mehr zu stinken und bei gewissen Windsituationen bekamen die Einwohner sogar rote Augen. Die Proteste über diese Umweltverschmutzung nahmen zu und der letzte Zug lieferte seine Ladung 2001 ab. Aber noch heute kann man es riechen, was diesen landschaftlich reizvollen Ort nun fast zu einer Geisterstadt macht. Wer lebt schon gerne „im Klo von New York?“

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Am alten Bahnhof in Sierra Blanca.

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Heute gleicht der einst wohl schmucke Ort …

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… eher einer „Geisterstadt“.

 

Sogar die Rettungsfahrzeuge haben keine eigene Garage.

Sogar die Rettungsfahrzeuge haben keine eigene Garage.

Wir fuhren heute die offizielle Fahrradroute der „Southern Tier“ Karte. Diese führte uns auf eine Frontage Road (Parallellstrasse) zu Autobahn, die aber plötzlich vor einem Hügel aus Sand und Steinen endete. Die Karte empfahl, dort die Autobahn zu Fuss zu  überqueren und auf dem Pannenstreifen auf der anderen fahrbahnseite Richtung Westen einige Meilen bis zur nächsten Nebenstrasse zu fahren. Zum Glück hatte es ja nicht so viel Verkehr, aber in der Mitte leider einen Zaun. Wir waren froh zu zweit zu sein um uns so unterstützen zu können, die Velos und Kyle’s Anhänger über den Zaun zu hieven. Ein seltsamer Routenvorschlag wie ich finde.

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Wäre in der Schweiz wohl mit Problemen verbunden, denn …

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wir überqueren gerade die Mittelabschrankung der Autobahn „I10“.

Etwas später konnten wir von der Autobahn wieder auf eine ruhigen Landstrasse ausweichen und kamen so durch Farmland auf dem Kühe, Pferde und Ziegen gehalten wurden.

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Auf ruhiger Strasse über Land.

 

Für Robyn: Pferde wohnen hier natürlich auch.

Für Robyn: Pferde wohnen hier natürlich auch.

Wer will kann hier auch ein Stück Land kaufen.  178'000 Quadratmeter zu 16 Rappen. Nicht schlecht oder? Ruft einfach die Nummer an :-)

Wer will kann hier auch ein Stück Land kaufen.
178’000 Quadratmeter zu 16 Rappen. Nicht schlecht oder? Ruft einfach die Nummer an 🙂  (Vorwahl +1 nicht vergessen)

Vor allem waren wir aber in einem grossen Baumwollanbaugebiet, in dem gerade die Ernte im Gang war und so hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, mir die Pflanze, die für viele meiner Kleider so wichtig ist, mal genauer anschauen zu können.

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Die einzelne Baumwollknospe kurz bevor sie aufplatzt.

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Baumwollfelde

Dank der Zeitumstellung, die uns eine Stunde schenkte, kamen wir früh im einzigen Motel im kleinen Nest Fort Hancock. ganz nahe der mexikanischen Grenze,  an.

Kurz vor Fort Hancock: alt, verlassen, fast schon wieder Kult

Kurz vor Fort Hancock: alt, verlassen, fast schon wieder Kult

Morgen geht’s nach El Paso, der Kilometer 4000 steht auf dem Programm und von dort ist es nur noch ein Katzensprung nach New Mexiko! Bald liegt Texas hinter mir.

Tag 49: (01.12.14) Marfa – Van Horn

Distanz: 122.1 km / Gesamt: 3861.7 km / Fahrzeit: 6 Std. 43 Min. / Durchschnitt 18.2 km/h

Morgens 5, Mittags 10 – 12 Grad, fühlte sich viel kälter an, starker Gegenwind, ganzer Tag sonnig,

Auf der weissen Linie

Der heutige Tag begann vielversprechend. Blauer Himmel und noch kühl, aber ich war mir sicher, es würde bald wärmer werden. Es war acht Uhr als ich startete, denn es stand ein langes Stück einsame Strasse auf dem Programm. Zwischen Marfa und dem Ziel Van Horn gibt es 120 Kilometer Einsamkeit. Nur unterbrochen vom kleinen Nest Valentine, in dem es aber weder ein Geschäft noch eine Tankstelle gibt. Also musste das Getränk und die Verpflegung gut geplant sein. Als ich losfahren wollte erblickte ich Richtung Paisano Pass ein seltsames Wetterphänomen. Die grüne, mit Steppengras bewachsene Hügelkette über die ich gestern gekommen war, schien wie dick verschneit. Es waren jedoch nur Wolken, die sich wie ein Bettlaken über die Berge legten. Ein ganz spezieller Anblick.

Schneeberge? Nein nur eine Wolkendecke.

Schneeberge? Nein nur eine Wolkendecke. (Kontrast auf dem Foto zum besseren Erkennen erhöht)

Blick zurück bei der Ausfahrt aus Marfa.

Blick zurück bei der Ausfahrt aus Marfa.

Bei der Ausfahrt aus Marfa dann nochmals ein Hinweisschild, das es auf einer sehr langen Strecke ganz sicher keine Versorgungsmöglichkeit gebe.

Alles klar? Es gibt ..... NICHTS!

Alles klar? Es gibt ….. NICHTS!

Die Strasse war leider nicht mehr so gut wie gestern und der Rollwiderstand und der kühle Gegenwind machten mir zu schaffen. Nur nicht nervös werden, die Trittfrequenz möglichst hoch halten und Meile für Meile zurücklegen, ich hatte ja genug Zeit. Es war aber bald klar, dass dies ein harter Tag werden würde. Die weisse Linie zwischen Fahrbahn und Pannenstreifen erwies sich als die Stelle auf der Strasse, wo der Rollwiderstand am geringsten war. Also versuchte ich heute wenn immer möglich genau dort zu fahren. Dabei natürlich auch immer einen Blick im Rückspiegel um weiter rechts zu fahren, sobald ein Fahrzeug auftauchte.

Eine echte Herausforderung bei dem Wind immer auf der Linie zu bleiben.

Eine echte Herausforderung bei dem Wind immer auf der Linie zu bleiben.

Nach etwa 25 Kilometer wartete ein Zug auf den Gleisen, die fast den ganzen Tag parallel zur Strasse verliefen. Ich hielt an, machte einige Fotos und plauderte etwas mit dem Lokführer, der hier einen Kreuzungszug abwarten musste. Er heisst Chris und erzählte mir das er jeweils einen Streckenabschnitt von 200 – 300 Meilen befahre ( 320 – 480 km). Heute würde er noch bis Alpine fahren und dort übernachten. Morgen dann wieder zurück nach El Paso. Die Strecke ist nicht sonderlich weit, aber die Güterzüge müssen oft lange an den Kreuzungsstationen warten, so das die Durchschnittsgeschwindigkeit recht tief ist. Eigentlich wollte ich ja ein Foto von ihm machen aber als ich heute im Motel die Fotos für den Blog aussortierte, war keines auf der Speicherkarte. Das ging wohl im Gespräch und im kalten Wind vergessen. Ich schrieb Chris noch die Blogadresse auf, damit es sich zumindest das Foto anschauen könnte. Sorry, ich hab’s vermasselt.

Der Zug von Chris mit seinen 74 Wagen. Die meisten doppelstöckig mit grossen Containern beladen. Sorry Chris, i did not take a picture with you :-(

Der Zug von Chris mit seinen 74 Wagen. Die meisten doppelstöckig mit grossen Containern beladen. Sorry Chris, i did not take a picture with you 😦

Ich fuhr weiter und musste mir bald eingestehen, das die Sache mit wärmerem Wetter und weniger Wind wohl ein Wunschtraum bleiben würde. Also machte ich mich an die Arbeit und spulte Meile für Meile ab. Endlich kam ich an eine Bezirksgrenze. Da besteht immer eine Möglichkeit, das sich der Strassenbelag bessert, da die Bezirke (County) für die normalen Strassen zuständig sind. Hier hatte ich Glück und so wurde nach 30 Kilometer wurde der Belag wieder besser. Sofort zeigte mein Tacho bei gleichem Wind und Kraftanstrengung 5 -6 km/h pro Std. mehr an.

"Belagswechsel" an der County Line

„Belagswechsel“ an der County Line

Leider änderte sich das dann später wieder, so dass ich heute von den 120 Kilometer gut 80 Kilometer auf wirklich rauem Belag und somit möglichst auf der weissen Linie fuhr.

Valentine, das einzige Nest unterwegs. Naja, nicht wirklich attraktiv.

Valentine, das einzige Nest unterwegs. Naja, nicht wirklich attraktiv.

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Dieser Fesselballon, der zu einer Wetterstation gehört sehe ich seit gestern Mittag. Heute, rund 60 Kilometer später fahre ich endlich an ihm vorbei.

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In Sachen „Routenwahl“ war es heute einfach: Immer geradeaus!

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So sieht die Cowboyunterkunft 2014 aus.

 

Noch eine Unterkunftsform.

Noch eine Unterkunftsform.

In dieser Gegend hat es viel Tumbleweed. Das ist ein „runder“ Busch der vom Wind über die riesigen Grasflächen geblasen wird. Leider hat dieser Busch auch kräftige Dornen und ist somit bei Radfahrern nicht gerne gesehen. Ich hatte Glück und schaffte es heute ohne Platten durch diese Dornengegend.

Tumbleweed wird vom Zaun zurückgehalten, so dass es riesige Berge davon gibt. Bis der Wind dreht.

Tumbleweed wird vom Zaun zurückgehalten, so dass es hier eine riesige Wand davon gibt. Bis der Wind dreht.

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So sieht ein einzelner Büschel aus.

 

Der Wind nahm am Mittag eher noch zu und fühlte sich immer kühler an. Die Mittagspause fiel entsprechend kurz und kalt aus. Einfach Flüssigkeit und Kalorien rein und weiter.

Die Suche nach Windschatten bei der Mittagsrast.

Die Suche nach Windschatten bei der Mittagspause.

Es war wirklich hart und ich war froh, als ich in der Ferne vor der Bergkette kurz nach drei Uhr endlich das Ziel Van Horn ausmachen konnte. Ich stiess einen Freudenschrei aus, auch wenn ich wusste, das es noch immer 16 Kilometer waren. Aber das Ziel war in Sicht. Es dauerte noch gut eine Stunde und kostete viel Kraft, bis ich mich gegen den immer stärkeren Wind wirklich bis nach Van Horn gekämpft hatte.

Blick auf Van Horn aus 16 km Entfernung!

Blick auf Van Horn aus 16 km Entfernung!

In Van Horn traf ich nur wenige Minuten nach meinem Reisepartner Kyle ein, der ja die letzten zwei Tage eine andere Route genommen hatte. Wir teilten uns heute wieder ein Motelzimmer und waren beide froh, nach diesem anstrengenden und kalten Tag eine warme Dusche nehmen zu können. Voraussichtlich bis Las Cruzes fahren wir wieder zusammen.

Tag 48: (30.11.14) Alpine- Marfa

Distanz: 48.6 km / Gesamt: 3739.6 km / Fahrzeit: 3 Std. 8 Min. / Durchschnitt 15.5 km/h

Morgens 18, Mittags 25 Grad, starker Gegenwind, ganzer Tag sonnig,

Schweizer Schokolade!

Heute stand wieder eine kurze Etappe auf dem Programm. Kyle machte sich gleich nach dem guten Frühstück im „Diner“ auf den Weg, denn er hatte heute einige Höhenmeter mehr als ich auf dem Programm. Morgen Abend wollen wir uns in Van Horn wieder treffen um noch einige Etappen gemeinsam weiter zu fahren. Ich nahm mir etwas mehr Zeit, denn ich musste meine Wäsche waschen, was gestern nach der späten Rückkehr vom Big Bend nicht mehr klappte. So fuhr ich erst gegen 11 Uhr los und war damit schon auf den ersten Metern mit einem kräftigen Gegenwind konfrontiert. Naja, solange die Etappen nicht länger sind ist das zu verschmerzen.

Die Uni in Marathon. Einsam aber weit und breit die günstigste im Land. Ein Studienjahr kann die Eltern in den USA bis zu 100`000 Dollar kosten. Da kommen günstige Alternativen vielen gelegen.

Die Uni in Marathon. Einsam aber weit und breit die günstigste im Land. Ein Studienjahr kann die Eltern in den USA bis zu 100`000 Dollar kosten. Da kommen günstige Alternativen vielen gelegen.

Bei der Ausfahrt aus Marathon kam ich an dieser Brauerei vorbei.... Für ein Bier war es aber definitiv noch zu früh.

Bei der Ausfahrt aus Marathon kam ich an dieser Brauerei vorbei…. Für ein Bier war es aber definitiv noch zu früh.

Wiederum fuhr ich fast 30 Kilometer immer auf einer ansteigenden Strasse. Es ging über den Paisano Pass. Dann hinunter auf die riesige Ebene von Marfa. Wegen des Windes musste ich aber weiterhin kräftig in die Pedale steigen und in der Ebene waren die Böen teils so kräftig, dass ich konzentriert steuern musste, um nicht von der Linie abzukommen.

Alleine im Kampf gegen den Wind.

Alleine im Kampf gegen den Wind.

Zum Glück hatte ich den ganzen Tag einen prima Belag und weiten Seitenstreifen. Ich schaute immer wieder auf die Uhr, denn ich wollte kurz nach zwei Uhr in Marfa eintreffen. Wie ich in einem Radlerblog gelesen habe, gibt es dort ein „Swiss Cafe“, das aber um 3 Uhr Nachmittags schliesst. Meine Recherchen ergaben, das dieses von Verena Zbinden aus Winterthur geführt wird. Ihre Schwester und ihr Bruder betreiben dort das bekannte Cafe Vollenweider und diese prima Schokolade wird auch hier in der Einsamkeit von Westtexas angeboten. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen! Auch sonst sah die im Internet veröffentlichte Speisekarte verlockend aus, also der richtige Ort um etwas zu Essen. (Website: http://www.squeezemarfa.com)
Vor diesem kulinarischen Genuss genoss ich aber noch die Fahrt durch diese riesige Ebene mit goldgelbem Grass. Fahrten durch diese Landschaften sind für mich wie ein „Road Movie“. Viele Filme gehen mir durch den Kopf, wenn ich in diese endlose Weite schaue und in meinem eigenen Rhythmus Meile für Meile zurücklege.
Wer die Landschaftsszenen aus dem Film „No county for old man“ kennt, weiss wovon ich spreche. Der Film wurde in dieser Gegend gedreht.

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Mein ganz persönliches „Road Movie“

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„No country for old man“? Mir gefällts!

Kurz nach zwei Uhr traf ich im schönen Städtchen Marfa ein. Es hat 2121 Einwohner wie das Schild am Ortseingang verkündet und ist Sitz diverser regionaler Verwaltungsstellen und des Gerichts.

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Schmuckes Gebäude in Marfa

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Das ist für Kyle der heute nicht dabei war 🙂 Als Rechtsanwalt liebt er Gerichtsgebäude so wie wir „Bähnler“ tolle Züge.

Ich fand das Cafe dank der Beschreibung auf der Website rasch und habe Verena Zbinden dort angetroffen. Im schönen Garten genoss ich ein prima Sandwich und plauderte etwas mit den Gästen am Nebentisch.

Gemütliches Gartencafe

Gemütliches Gartencafe

Der Herr war sehr an meiner Reise und dem Liegerad interessiert. Er ist selber ab und zu auf mehrtägigen Fahrten mit dem Rad unterwegs und klagte über die Beschwerden die ihn nach langen Etappen jeweils plagen. Schmerzen im Nacken, Handgelenk, Hintern etc. Wer kennt das nicht, der sich auf einem „normalen Fahrrad“ länger bewegt. Ich erklärte ihm die unbestrittenen Vorteile eines Liegerades und das tolle Gefühl, auch nach sechs oder sieben Stunden Fahrt schmerzfrei aus dem Sattel zu steigen. Nun wollte er alles genau wissen und ich glaube, der Mann besucht nächstens ein gutes Fahrradgeschäft 🙂
Später kam Frau Zbinden noch zu mir erzählte, das sie schon dreissig Jahre in den USA lebt. Früher in Austin (Texas) und nun schon seit 2004 hier in Marfa. Es war schön wiedereinmal mit jemanden auf „züritütsch“ zu plaudern und zum Abschied spendierte sie mir noch einen hervorragenden Espresso und feinste Vollenweider Schokolade. Herzlichen Dank, daran könnte ich mich in den USA gewöhnen!

Verena Zbinden in ihrem Cafe. Erkennt ihr die Verpackung im Hintergrund? Beste schweizer Schokolade!

Verena Zbinden in ihrem Cafe. Erkennt ihr die Verpackung im Hintergrund? Beste schweizer Schokolade!

Sie gab mir noch einen Moteltip und so fand ich heute eine gute Unterkunft in der ich mich für die lange Etappe Morgen ausruhen kann. Die junge Frau an der Rezeption freute sich über meinen Besuch, da ich bis zu der Zeit der einzige Gast war. Nachdem das Motel in den vergangenen Tagen immer voll gebucht war, mussten die Gäste nach dem langen Thanksgiving Weekend wieder nach Hause und für mich heisst das, mehr freie Motelbetten und somit weniger Stress bei der Suche nach einer Unterkunft.

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Abendstimmungen …

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… aufgenommen rund um mein Motel.

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Was für ein Licht!

Drückt mir die Daumen, das der Wind nachlässt, den Morgen gilt es wieder ein langes Stück „Niemandsland“ zu durchqueren. Bis zum nächsten Motel sind es 120 Kilometer. Van Horn ich komme!

Tag 47: (29.11.14) Marathon – Alpine

Distanz: 47.8 km / Gesamt: 3691 km / Fahrzeit: 2 Std. 37 Min. / Durchschnitt 18.2 km/h

Morgens 5, Mittags 25 Grad, etwa 1 Std. Gegenwind bis 25 km/h, ganzer Tag sonnig,

Autotour in den Big Bend NP

Heute starteten Kyle und ich mit unterschiedlichen Zielen. Ich wollte bis Marfa und Kyle nach Fort Davis fahren, um dort ein Observatorium zu besuchen. Somit hatten wir für knapp 50 Kilometer die gleiche Strecke und würden uns dann trennen. Nach dem Start im „Hippicamp“ kauften wir uns in Marathon in einem Geschäft etwas zum Frühstück, verdrückten Bananen und Riegel auf der Strasse und wollten los.

Staubige Strasse aus dem "Hippicamp"

Staubige Strasse aus dem „Hippicamp“

Wir wussten das uns heute der Wind zu schaffen machen würde und in der Regel wird er am Nachmittag stärker. Also nicht zuviel Zeit verlieren. Trotzdem wurde es spät, denn wir schauten uns am Morgen die verschiedenen Gebäude im „Camp“ noch etwas genauer an und ein „Langzeitbewohner“, der sich offensichtlich etwas einsam fühlte, wollte noch plaudern und uns alles genau zeigen. Es war nach 10 Uhr bis wir wirklich starteten und der Wind begann sich schon bemerkbar zu machen. Zudem ging es stetig bergauf und die Strasse war nach wie vor sehr unruhig. Es brauchte viel Kraft das Tempo einigermassen hoch zu halten.

Immer geradeaus, go west!

Immer geradeaus, go west!

Der Gegenwind nahm konstant zu und es war klar, das dies bis Marfa eine zähe Angelegenheit werden würde. Im Kopf ging ich die nächsten Tagesetappen durch und entschied, wie ursprünglich einmal geplant, schon in Alpine eine Übernachtung einzulegen.

So begrüsst man "Langstreckenreiter".

So begrüsst man „Langstreckenreiter“.

Ich wollte versuchen dort ein Auto zu mieten um den Big Bend Nationalpark zu besuchen. Dieser liegt etwas abgelegen und war deshalb bei meinen bisherigen Reisen im Südwesten der USA immer etwas zu weit weg. Nun fuhr ich mit dem Rad praktisch am „Eingangstor“ vorbei und wollte die Gelegenheit nicht verpassen. In Alpine gingen Kyle und ich noch zu einem gemeinsamen Essen in einen „Diner“ (Restaurant).

Es hat prima geschmeckt!

Es hat prima geschmeckt!

Im Gespräch entschied sich Kyle, auch in Alpine zu bleiben und mit mir den Park zu besuchen. Zum Restaurant gehörte auch ein Motel und so konnten wir gleich ein Zimmer reservieren. Glück das etwas frei war, den im Moment ist diese Gegend wegen Thanksgiving immer noch gut ausgebucht. Gleich nebenan war der einzige, lokale Autovermieter wo wir auch ein Auto mieten konnten.
Somit hatten wir einen lockeren Nachmittag vor uns. Strecken für die wir mit dem Rad einen ganzen Tag brauchen waren nun in einer Stunde zurückgelegt. So fuhren wir von Alpine bis zum Big Bend inkl. Fahrten im Park und zurück etwas über 300 Kilometer weit. Es war Kyle’s erster Besuch in einem Nationalpark. Im Park selber haben wir dann das „kurze Touristenprogramm“ abgespult. Fahrten zu verschiedenen Aussichtspunkten und ganz kurze „Wanderstrecken“.

Echte Touristen

Echte Touristen

Einmal mehr hatten wir einen strahlend blauen Tag und tolles Licht, so dass das ich einige schöne Fotoaufnahmen im Park machen konnte.

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Auf dem Rückweg wurden wir von der Border Patrol (Grenzwache) angehalten und sie wollten wiederum meinen Pass sehen. Sie nahmen es sehr genau und ich war froh den Pass nicht im Motel gelassen zu haben. Der Abend wäre wohl ungemütlich geworden.
Tipp: Wenn ihr nahe der südlichen Grenze der USA einmal unterwegs seit, den Pass immer dabei haben, man kann nie wissen!

Tag 46: (28.11.14) Sanderson – Marathon

Distanz: 91.6 km / Gesamt: 3643.2 km / Fahrzeit: 6 Std. 33 Min. / Durchschnitt 14 km/h

Morgens 5, Mittags 25 Grad, ab ca 11 Uhr starker Gegenwind, ganzer Tag sonnig,

„wüste“ Wüstenwinde

Heute Morgen wurden wir von unserem „Motelbesitzer“ mit einem „Frühstück zum mitnehmen“ überrascht. Er brachte ein Tablett mit Nachos, Salzbretzel und andern „gesunden Sachen“ auf das Zimmer und erklärte, das sei das in der Webseite angekündigte „Breakfast to go“.

Unser Frühstück, wir haben es dort gelassen.

Unser Frühstück, wir haben es dort gelassen.

Wir staunten nicht schlecht und uns war klar, dass er und wir nicht nur in dieser Beziehung eine etwas andere Vorstellung hatten. Er bat uns noch eine gute Bewertung im Internet für sein Hotel abzugeben. Den Gefallen können wir ihm beim besten Willen nicht erfüllen. Das Beste was wir für ihn tun können, ist keine Bewertung zu schreiben! Bei der Toilettenspülung mussten wir die Wasserhahn zuerst öffnen, bevor wir spülen konnten, nachts aber wieder schliessen, damit das Wasser nicht immer durch die Toilette floss. Die Badezimmertüre liess sich nicht schliessen und alles in allem war es eng und alt. Der Mann war ein Inder und setzte offensichtlich noch Qualitätsmassstäbe aus seiner alten Heimat an. Wir machten uns bei schönem, aber noch kühlen Wetter auf den Weg. Bei der Ortsausfahrt besorgten wir uns an der Tankstelle noch ein richtiges Frühstück und stockten den Proviant auf, schliesslich zwischen dem Start und Ziel keine Möglichkeit sich etwas zu besorgen. 90 Kilometer „Nichts“ lagen vor uns und wir machten uns auf den Weg.

Kampf gegen den Wind.

Der Kampf gegen den Wind ist zu zweit etwas leichter.

Die Strasse stieg immer leicht an, der Belag war nach wie vor rauh und je später der Morgen desto mehr nahm der Wind zu. Gegen Mittag war der Wind bereits so stark, das wir oft nur noch 10-12 km schafften.
In einem Anstieg sahen wir eine Gruppe von drei Personen am Strassenrand und hielten an. Es stellte sich heraus, das einer ein „professioneller Wanderer“ war, der darüber Bücher schrieb und im Moment auf dem Weg von El Paso an den Golf von Mexiko ist. Er wurde heute von einem Mann ein Stück auf der Wanderung begleitet und über diese Wanderung wird von einem Produzenten der University of Mississippi ein Dokumentarfilm erstellt. (Website: southdocs.org)

Treffpunkt der "Nomaden"

Treffpunkt der „Nomaden“

Wir plauderten kurz mit dem Team über unsere Reisen und machten uns nach einem „Teamfoto“ mit Mark, dem Wanderer, wieder auf den Weg. Am Picknickplatz wo wir Mittagspause machten, mussten wir aufpassen, dass die Velos nicht vom Wind umgeworfen wurden und wir waren froh schon ein gutes Stück gefahren zu sein.

Kalorienbunkern!

Kalorienbunkern!

Noch gut 40 Kilometer bis nach Marathon lagen vor uns. Der Wind wurde immer stärker und wir mussten kräftig in die Pedale treten, damit wir das Ziel noch vor fünf Uhr erreichten. Wir wussten nur das dort die Hotels ausgebucht waren und es im Ort ein „alternatives Hostel“ (Jugendherberge) hatte, bei dem Radler sogar eine Nacht umsonst schlafen dürfen.

Auch das noch! Kurz vor dem Ziel hatte Kyle seinen ersten Platten auf der Reise. Nicht schlecht mit vier Rädern. Er fährt: Schwalbe Marathon plus, Kenner wissen das zu schätzen.

Auch das noch! Kurz vor dem Ziel hatte Kyle seinen ersten Platten auf der Reise. Nicht schlecht mit vier Rädern. Er fährt: „Schwalbe Marathon plus“, Kenner wissen das zu schätzen.

Als wir in Marathon ankamen mussten wir etwas suchen, fanden den Ort dann aber am Ortsrand in einem einfachen Quartier.
Der Ort gehört einem pensionierten Piloten, der neben der Fliegerei auch sonst viel gereist ist und der einfach Freude an Experimenten hat. Er baut nun auf dem Grundstück zusammen mit freiwilligen Helfern verschiedene Gebäude und bietet unterschiedliche Übernachtungsmöglichkeiten an.

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Unsere Unterkunft heute Nacht.

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In wärmeren Nächten sicher ein begehrter Schlafplatz auf dem Dach.

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Toilette und Dusche im kleinen „Schloss“.

Am besten hat uns natürlich das Bett unter freiem Himmel gefallen, da die Nacht hier abseits störender Lichter sehr dunkel und der Sternenhimmel dank der trockenen Luft einfach atemberaubend ist. Die Temperatur sinkt hier in der Nacht aber im Moment auch auf etwa 3-5 Grad, so dass wir eine Unterkunft im Haus bevorzugten. Der Ganze Ort ist etwas chaotisch, hat aber auch viele schöne Details und ist wohl ein perfekter Platz für eine Goa-Party.

Wir waren jedoch müde von einem anstrengenden Tag. Kochten in der offenen Küche einen Topf Teigwaren und waren froh, dass es nur wenige Gäste hatte und der Abend sehr ruhig war.

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Unsere „Freiluftküche“

Kyle lag schon um halb acht, noch in den Kleidern auf dem Bett und schlief tief. Offensichtlich sind solche Tage nicht nur für „ältere Herren“ wie mich anstrengend.

Es wurde bald dunkel und ruhig in der Wüste.

Es wurde bald dunkel und ruhig in der Wüste. Gute Nacht!

Tag 45: 27.11.14) Langtry – Sanderson

Distanz: 101 km / Gesamt: 3551.6 km / Fahrzeit: 6 Std. 15 Min. / Durchschnitt 16.1 km/h

Morgens 5, Mittags 25 Grad, kein Wind, ganzer Tag sonnig,

going west

Die Nacht im Trailer war ziemlich kalt. So habe ich nicht wirklich gut geschlafen aber immerhin, besser als draussen. Der Wohnwagen war gut eingerichtet und es ist wirklich erstaunlich, das der Besitzer das gute Stück unverschlossen hier stehen lassen kann und die Tourenfahren hier ein und ausgehen dürfen. Die Spende, deren Höhe jeder selber bestimmt, legt man in den Eiskasten und der Besitzer kommt von seinem Wohnort, immerhin etwa 150 Kilometer entfernt, alle paar Tage vorbei, schaut nach dem Rechten, wechselt Tücher, Bettwäsche oder was nötig ist. Einmal mehr ein tolles Beispiel texanischer Gastfreundschaft. Kyle und ich machten uns in der kalten Morgenluft startklar und genossen das tolle Licht in der Wüste, das uns die aufgehende Sonne bescherte.

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Stand gleich neben unserem Wohnwagen und hätte wohl einiges zu erzählen.

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Es ist dieses Licht warum ich Wüsten so liebe.

Die ersten Kilometer mussten wir uns noch gut einpacken um nicht zu frieren, aber so im 30 Minutentakt konnten wir Schicht um Schicht ausziehen. Die Vegetation nahm immer mehr ab und die Kakteen zu. Ansonsten viele gelbliche Steine und Hügel, was sich auch beim Fahren bemerkbar machte. Ein ständiges rauf und runter, wobei der Teerbelag noch immer nicht wirklich gut ist. Nach wie vor bremst der grobe Belag. Aber wir wollen nicht klagen.

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Zum Glück haben sie ab und zu etwas Fels abgesprengt, das ersparte uns ein paar Höhenmeter.

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Ein Plauerstündchen mit Kyle macht das Fahren kurzweiliger.

Es ist kaum Verkehr und wir haben einen sicheren und breiten Streifen an der Seite, so dass wir oft lange gemütlich nebeneinander herfahren und plaudern können. Es ist schön nach so vielen Kilometern wieder mal einen Reisepartner an der Seite zu haben und in dieser einsamen und abgelegenen Gegend kam das für uns beide wie gerufen. Zudem fahren wir die exakt gleichen Geschwindigkeiten und so muss keiner dauernd auf den anderen warten. Nach gut 65 Kilometern erreichten wir Dryden, der einzige Ort zwischen unserem Start und Zielort. Dort wohnen sicher auch nur eine handvoll Leute, aber es hat imerhin einen Laden. Wir hatten genügend Proviant dabei, aber etwas kühles zu Trinken wäre schon schön, denn in der Zwischenzeit begann die Sonne ihre Arbeit zu verrichten. Am einzigen Laden im Ort dann das Schild „Closed“. Klar, es war ja „Thanksgiving“. Also setzten wir uns im Schatten vor dem Laden hin und packten den Proviant aus.

Der "geschlossene" Shop in Dryden.

Der „geschlossene“ Shop in Dryden.

Ich sagte zu Kyle: „Ein kühles Mountain Dew würde mir aber jetzt schon schmecken.“ Kurz darauf öffnete ein Mann die Türe des Geschäfts, „wollt ihr was zum trinken kaufen?“ fragte er, „ich mache für euch kurz auf.“ Super, er hatte sogar Mountain Dew im Kühlschrank und eine Cola dazu. Exakt was ich brauchte. Wir bedankten uns und der Mann schloss das Geschäft hinter uns wieder ab. Kurz darauf tauchte er wieder auf: „Wir möchten euch einladen mit uns das Thanksgiving Mittagessen zu geniessen. Wollt ihr kommen?“ Kyle und ich schauten uns verdutzt an, damit hatten wir nicht gerechnet. Das ist ungefähr so, wie wenn wir zu Hause Fremde von der Strasse zum Weihnachtsessen hereinbitten würden. Da wir aber noch einige zu leisten hatten und wussten das vor allem noch einige Hügel auf uns warteten, könnten wir diese nette Einladung nicht annehmen. Wir entschuldigten uns, bedankten uns gleichzeitig und sagten, wie nett wir diese Einladung finden, aber wir müssten weiter. Wir wünschten ein „happy thanksgiving“ und machten uns auf den Weg.

Unsere Teerpiste durch die Wüste.

Unsere Teerpiste durch die Wüste.

Mal kein "selfi", Kyle hat auf den Auslöser gedrückt.

Mal kein „selfi“, Kyle hat auf den Auslöser gedrückt.

Oft verläuft die Eisenbahn parallel zur Strasse, so das der Eisenbahner in mir ab und zu an die Arbeit erinnert wird, aber nur ganz kurz.

Oft verläuft die Eisenbahn parallel zur Strasse, so dass der Eisenbahner in mir ab und zu an die Arbeit erinnert wird, aber nur ganz kurz.

Es wurde immer einsamer und in der Mitte des Nirgendwo tauchte plötzlich ein Schild auf, das hier ein Schulbus stoppen würde. Das bedeutete, in der Nähe musste eine einsame Farm sein, in der schulpflichtige Kinder lebten. Ich gehe mal davon aus, das die pro Weg mindestens eineinhalb Stunden mit dem Bus unterwegs sind.

Hier wartet ein Kind auf den Schulbus. Ziemlich einsam, nicht?

Hier wartet ein Kind auf den Schulbus. Ziemlich einsam, nicht?

Später passierten wir ein Fahrzeug der Grenzwache, welche hier mit viel Aufwand die illegale Einwanderung über die grüne Grenze aus Mexiko, die in Sichtweite liegt, verhindern will. Sie Fahren mit ihren Autos neben der Strasse her und ziehen Lastwagenreifen hinter sich, um die Spuren im Sand zu verwischen. So können sie bei neuen Fussspuren darauf schliessen, das Einwanderer unterwegs sind, denn sonst ist hier niemand zu Fuss unterwegs.

Die Border Partol verwischt die alten Spuren im Sand.

Die Border Partol verwischt die alten Spuren im Sand.

Wir erreichten unser Motel in Sanderson kurz nach vier Uhr und fuhren noch quer durch die Ortschaft, um uns in der einzigen offenen Tankstelle noch ein verdientes Feierabendbier zu besorgen.

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Hauptstrasse in Sanderson.

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Kleines Haus im Abendlicht.

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So lebt man hier im wilden Westen heute.

Hart verdient schmeckt es am besten!

Hart verdient schmeckt es am besten!

Morgen wird es noch einsamer. Zwischen dem Start hier in Sanderson und dem Ziel in Marathon gibt es auf 89 Kilometer: NICHTS!

Tag 44: (26.11.14) Del Rio – Langtry

Distanz: 97.8 km / Gesamt: 3450.6 km / Fahrzeit: 6 Std. 05 Min. / Durchschnitt 16.0 km/h , es wird hügelig

Morgens 3, Mittags 24 Grad, kein Wind, ganzer Tag sonnig,

Willkommen in der Wüste

Heute habe ich mit dem Überqueren des Amistad Reservoirs, eines riesigen Sees der vom Rio Grand gespiesen wird, nun entgültig die Wüste im Westen von Texas erreicht.

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Amistad: Dieser Name hatte ich in den letzten eineinhalb Jahren unzählige Male in Blogs gelesen und mir vorgestellt, wie es sein würde hier mit dem Rad vorbei zu fahren. Nun war ich da! Mir rollten ein paar Tränen über die Wangen. Glücksgefühle!

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Die Eisenbahnbrücke über das Amistad Reservoir.

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Ich war am „Eingangstor“ zur Wüste:

Die Vegetation nahm weiter ab und links und rechts der Strasse sind nur noch Büsche und Sträucher auszumachen. Dazwischen viele Steine und Sand. Ich fahre nun auch nahe der mexikanischen Grenze und so ist die Grenzwache überall präsent, um die illegale Einwanderung in die USA wo möglich zu verhindern. Auf der Strasse gibt es Checkpoints, bei denen alle Fahrzeuge angehalten werden. Auch ich musste stoppen und mit dem Pass beweisen, das ich mich legal hier aufhalte. Die Grenzwächter waren freundlich und wünschten eine gute Weiterreise. Kurz darauf kam ich in Comstok an. Das war etwa die Mitte der heutigen Etappe und der einzige Ort weit und breit wo es etwas zu kaufen gibt.

Das einzige Geschäft in Comstock.

Das einzige Geschäft in Comstock.

Zwei Jugendlich sprachen mich vor dem Geschäft an, wollten wissen woher ich komme, wohin ich reise und waren ganz begeistert. Sie schüttelten mir die Hand zum Abschied und wünschten mir eine gute Reise. Ich freute mich über soviel Begeisterung bei diesen beiden Jugendlichen. Nachdem ich im Laden eingekauft hatte, stoppte ein Motorradfahrer vor dem Geschäft. Er ist ein Franzose der zwischen dem Süden der USA und Norden von Mexiko auf seiner Reise Richtung Westen hin und her pendelte. Wir plauderten etwas und er erzählte mir, das ein Radfahrer hinter mir unterwegs sei, der auch nach Westen fahre. Ich könne ja kurz warten, er werde sicher in 10 Minuten hier sein.
Ich wartete, ass mein Sandwich und schon tauchte Kyle auf. Er ist Rechtsanwalt, 28 Jahre alt und wohnt in Washington. Nun hat er sich nach Jahren des Studiums und dem Rennen nach Erfolg eine Auszeit gegönnt und möchte sich auf dieser Reise klar darüber werden, wie er sein Leben zukünftig gestalten möchte. Er scheint ein recht netter Typ zu sein und als wir feststellen, das wir beide im gleichen Trailer übernachten werden, beschlossen wir die Fahrt gemeinsam fortzuführen. Das hat prima geklappt, unsere Geschwindigkeit harmoniert gut und so habe ich seit langen wieder einmal einen Reisepartner auf dem Weg gehabt.

Wieder mal ein Reisepartner. Kyle hat sein Gepäck im Anhänger.

Wieder mal ein Reisepartner. Kyle hat sein Gepäck im Anhänger.

In Langtry suchten wir zuerst den Trailer, den wir ja zum Schlafen benützen können. Es ist ein prima ausgestatteter Wohnwagen mit Doppelbett und Stockbetten, Küche, WC inkl. Dusche. Einfach super das Keith Mann, so heisst der Besitzer, diesen Wohnwagen hier Radreisenden zur Verfügung stellt. Er bitte einfach um eine Spende.

Hier dürfen wir heute Nacht schlafen: Danke Keith Mann, du bist ein Supertyp diese Möglichkeit zur Verfügung zu stellen!

Hier dürfen wir heute Nacht schlafen: Danke Keith Mann, du bist ein Supertyp diese Möglichkeit zur Verfügung zu stellen!

Wir besuchten noch das Museum von „Judge Roy Bean“, einem legendären Richter hier in der Gegend, der um 1870 hier wohnte und oft im Salon „Recht sprach“. Westlich des Flusses „Pecos“ war sein Wort Gesetz.

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Im Salon von Richter Roy Bean.

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Aussenansicht des Salons und gleichzeitig „Gerichtsgebäudes“, als der wilde Westen noch richtig wild war.

Heute leben noch 12 Personen hier. Die Hälfte der Einwohner haben wir kennengelernt. Entweder arbeiteten sie im Museum, waren für einen Schwatz gerade dort oder sie sind im einzigen kleinen Laden, wo wir und das verdiente kühle Feierabendbier besorgten.

Langtry, irgendwo im Nirgendwo.

Langtry, irgendwo im Nirgendwo. Wir sind auf dem Weg Bier zu besorgen 🙂 Nur 2 Kilometer, immerhin hat das Dorf 12 Bewohner.

Die Dame im Museum erzählte, das es hier noch bis 1976 eine Schule gab, aber da die Eisenbahn mit den modernen Zügen hier nicht mehr anhalte und die Farmen immer mehr zu reinen „Jagtfarmen“ umgestaltet wurden, gebe es halt keine Arbeit mehr und viele seien ausgezogen. Sie sei aber hier auf einer Farm geboren und es gefalle ihr  gut. Ja zum Einkaufen müsse sie nach Del Rio, also knapp 100 km. Ich hoffe nur, das sie nicht zu oft etwas auf dem Einkaufszettel vergisst.

Es war ein prima Tag und ich bin endlich in dem Gebiet angekommen, auf das ich mich schon zu Hause so gefreut habe und das ich, in den vielen Blogs die ich gelesen habe, zumindest in Gedanken schon viele Nächte durchfahren habe: Willkommen in der Wüste!  I love it!!!

Tag 43: (25.11.14) Brackettville – Del Rio

Distanz: 53.5 km / Gesamt: 3352.2 km / Fahrzeit: 3 Std. 13 Min. / Durchschnitt 16.3 km/h 😦

Morgens 7, Mittags 12 Grad, aufkommender Wind, gegen Mittag starker Gegenwind, sonnig,

Vorbereitung

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Vorbereitung für die kommende Woche. Die nächsten knapp 500 Kilometer auf der Strasse „90“ von Del Rio bis Van Horn sind nur schwach besiedelt und nicht überall wo ein paar Häuser und vielleicht ein kleiner „Foodstore“ steht, hat es auch Übernachtungsmöglichkeiten. Zudem ist am Donnerstag wohl der höchste Feiertag in den USA: „Thanksgiving“. Ein Fest an dem man sich traditionell mit seiner Familie trifft und gemeinsam einen, möglichst grossen, Truthahn verspeist. Da nun aber viele Familien oft über das ganze Land verstreut leben, ist es auch die Woche mit dem grössten Reiseverkehr. Ob mit dem Flugzeug oder dem Auto, halb USA ist unterwegs. Die Nachrichten sprechen von 5 Milionen mit dem Flugzeug und 51 Milionen mit dem Auto. Dazu ist an der Ostküste nach wie vor ein Wintersturm aktiv, was wohl viele Reisepläne durcheinander bringt und ein entsprechend grosses Thema in den Newssendungen ist. Viele nehmen sich den Freitag zusätzlich frei und kommen so zu einem verlängerten Wochenende. Da ein Angestellter hier in der Regel nur einige Tag bezahlter Urlaub im Jahr hat, ist das für viele wie Ferien. Also sind auch die Unterkünfte gut gebucht.
Ich habe also heute die nächsten paar Tage so gut es ging fix geplant.

Das Wetter sollte stabil bleiben und ich hoffe die Etappen wie vorgesehen fahren zu können. Morgen werde ich in Langtry übernachten. Dort habe ich über die „Warmshowers“ Website einen Gastgeber gefunden, der seinen Trailer für Radfahrer zum Übernachten zur Verfügung stellt. Ich habe ihn heute angerufen und er sagte: „Ich bin nicht da, aber der Trailer ist offen, du kannst ruhig dort schlaffen. Du kannst mir eine Spende dort lassen, soviel wie dir richtig erscheint.“ Tönt ziemlich unkompliziert, ich bin gespannt. Für Donnerstagabend konnte ich in Sanderson ein Motel reservieren und für Freitag waren die Unterkünfte in Marathon alle ausgebucht. Aber zum Glück gibt es auch dort eine Alternative. Ich werde euch berichten wie es war.

Apropos berichten: Die Blogs werden in den nächsten Tagen wohl eher mal ausfallen bzw. erst mit ein zwei Tagen Verzögerung publiziert werden, da ich wohl nur sehr eingeschränkt Zugang zu WLAN haben werde.

Hier habe ich heute übernachtet. Ehemalige Soldatenunterkunft in "Fort Clark Springs". Schöne sielvolle Zimmer.

Hier habe ich heute übernachtet. Ehemalige Soldatenunterkunft in „Fort Clark Springs“. Schöne stilvolle Zimmer.

Das Areal wird gut gepflegt.

Das Areal aus den 1840er Jahren wird gut gepflegt. 

In den ehemaligen Offiziershäusern wohnen nun Privatpersonen. Viele Gebäude auf dem Areal sind in Privathäuser und Wohnungen umgewandelt.

In den ehemaligen Offiziershäusern wohnen nun Privatpersonen. Viele Gebäude auf dem Areal sind in Privathäuser und Wohnungen umgewandelt. 

Die heutige Fahrt war bis auf eine nette Begegnung am Strassenrand ähnlich wie gestern.

Die beiden Radler aus Austin (TX)

Die beiden Radler aus Austin (TX)

Das radfahrende Paar war unterwegs von El Paso nach Austin Texas. „Nur eine kurze Tour“ sagten sie. Immerhin gut 1200 Kilometer! Das ist doch schon ein ganzes Stück. Und die beiden waren auf ungefederten Rädern unterwegs! 😦 Ja es sei manchmal ziemlich schlimm gewesen, berichteten sie. Da kann ich mich ja noch auf etwas gefasst machen. Sie haben übrigens in Langtry auch im Trailer übernachtet und es hat ihnen gefallen.
Nach einem kurzen „Schwatz“ am Strassenrand ging es weiter, Rüttelpiste, stetig bergauf und gegen Mittag immer stärkerer Gegenwind. Da ich nicht viele Kilometer vor mir hatte, nahm ich es gelassen, was die Geschwindigkeit fallen lies.

Verlassene Tankstelle am Strassenrand. Ob er durch die günstigen Benzinpreise ruiniert wurde?

Verlassene Tankstelle am Strassenrand. Ob er durch die günstigen Benzinpreise ruiniert wurde?

Ich fahre also auf einer historischen Strasse, wie diese Tafel erzählt.

Ich fahre also auf einer historischen Strasse, wie diese Tafel erzählt. Bis die Eisenbahn 1877  gebaut wurde, waren die Güter und Menschen hier mit verschiedenen Arten von Planwagen und Kutschen unterwegs. Ich bin immer wieder fasziniert wenn ich diese Landschaften sehe und mir vorstelle, wie das Reisen hier noch vor 150 Jahren gewesen sein muss.(Das ist nur 3 x mein meine Lebenszeit, verrückt!)

Kurz vor Del Rio fuhr ich an der „Laughlin Air Force Base“ vorbei. Dort drehten etwa acht Propellermaschinen ununterbrochen ihre Kreise: Landeanflug – Pisteberühren – Durchstarten – Kurve fliegen – Landeanflug usw. Die Piloten übten offensichtlich das punktgenaue Landen mit ihren Maschinen. So hatte ich etwas zu sehen während ich mich gegen den Wind stemmte und bald das Ortschild von Del Rio passierte.

Sie kreisten lange über mir.

Sie kreisten lange über mir.

Bald am Ziel :-)  ... und es ist erst Mittag.

Bald am Ziel 🙂
… und es ist erst Mittag.

Kurz vor ein Uhr war ich im Motel und konnte meine Vorbereitungen starten. Wäsche waschen, Etappenplanung, Verpflegung für die nächsten zwei Tage einkaufen etc.
Da mein Motel ganz in der Nähe eines grossen Einkaufskomplexes steht, konnte ich das gut zu Fuss erledigen und mich zwischen all den „Thanksgivingshopers“ durchschleichen und das Geschäft möglichst rasch wieder verlassen. Fast ein bischen so wie bei uns kurz vor Weihnachten im Migros- oder Coopzenter. Nicht wirklich das was ich suche.

Tag 42: (24.11.14) Hondo – Brackettville

Distanz: 134.3km / Gesamt: 3297.7 km (2049 Meilen) / Fahrzeit: 7 Std. 23 Min. / Durchschnitt 18.3 km/h

Morgens 17, Nachmittags 23 Grad, kaum Wind, ganzer Tag sonnig, keine Wolke 🙂

geschüttelt, nicht gerührt

Das war einfach ein harter Tag. Ich fühlte mich so wie der Martini von James Bond. Geschüttelt nicht gerührt! Von den 134 km die ich heute zurückgelegt habe, waren mehr als 100 auf einem sehr rauen Seitenstreifen. „Texas Chip Seal“ sagt den regelmässigen Bloglesern ja schon was. Heute war es mit wenigen Ausnahmen im Gebiet um Uvalde dauernd sehr unruhig auf dem Seitenstreifen und jede Schraube an meinem Fahrrad wurde einem intensiven Rütteltest unterzogen. Ich war froh, dass mein Rad sowohl vorne als auch hinten gut gefedert ist. Trotzdem hatte ich die ganze Rüttlerei im Verlauf des Nachmittags ziemlich satt. Selbst in meinem bequemen „Liegestuhl“ fühlte ich mich nicht mehr so entspannt und war froh, diese Strecke nicht auf einem „normalen Velo“ fahren zu müssen. Wie muss es hier jenen Radlern ergehen, die auf einem harten Sattel ohne Federung diese Strecke fahren „müssen“.

Morgengruss in Hondo bei der Abfahrt.

Morgengruss in Hondo bei der Abfahrt.

Zudem bin ich nun in einer Gegend, in der die Entscheidung, zum nächsten Ort weiterzufahren oder hier die Nacht zu verbringen, nur so alle 60 km gefällt werden kann, da es dazwischen schlicht kaum Orte und vor allem keine Motels gibt.

Ich bin im "wilden Westen" angekommen. Sanibal  "Downtown"

Ich bin im „wilden Westen“ angekommen. Sanibal „Downtown“

Hier wurde ich gewarnt, Autostopper mitzunehmen, es könnten "Ausbrecher" im nahen Gefängniss sein. Kein Problem für mich, ich habe sowieso keinen Platz.

Hier wurde ich davor gewarnt keine Autostopper mitzunehmen, es könnten „Ausbrecher“ im nahen Gefängnis sein. Kein Problem für mich, ich habe sowieso keinen Platz 🙂

Heute schlafe ich im „Fort Clark Springs Motel“. Das ist in einem alten Fort aus dem Jahr 1852, das heute neben einem Museum in den alten Gebäuden auch ein Motel und ein Campingplatz bietet. Es ist hier weit und breit keine weiter Unterkunft vorhanden. Der nächste Ort ist Del Rio.
Ich bin froh mich entschieden zu haben, heute bis Brackettville durchzufahren. So habe ich Morgen je nach Wettersituation verschiedene Optionen. Del Rio ist schon sehr nahe und kann auch bei viel Gegenwind erreicht werden, vielleicht fahre ich auch bis Comstock weiter.
Die Fahrt heute war, neben dem Erreichen der Meile 2’000, die ja für alle MILES4KOKOU Sponsoren von „Bedeutung“ ist, nicht sehr aufregend.

Meile 2000 geschafft!

Meile 2000 geschafft!

Es ging, abgesehen von der Region Uvalde nach etwa 65 km, immer über Land; weit und breit kaum Häuser und stetig etwas Bergauf. Es war also eher eine mentale Herausforderung, trotz der sehr bremsenden Unterlage und der nicht endenden Hügeln, den Druck in den Pedalen aufrecht zu erhalten und dem Ziel entgegen zu strampeln.

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Die Farmer hier haben ein lukratives Zusatzgeschäft entdeckt. Auf ihren riesigen Farmen züchten sie Tiere für die „Jagt“, die dann von „Jägern“ gegen gutes Geld geschossen werden können. Diese Ranch bietet eine Vielfalt von Tieren zur Jagt an, wie das Tor beweist.

Das Licht und die weite Landschaft, die ich so liebe, entschädigte mich für die Anstrengung. In solchem Momenten kann Radfahren auch was meditatives haben.

Die Bilder mögen sich gleichen, aber es ist diese Landschaft, dieses Licht, das mich hier so fasziniert und motiviert immer weiter zu fahren: go west!

Die Bilder mögen sich gleichen, aber es ist diese Landschaft, dieses Licht, das mich hier so fasziniert und motiviert immer weiter zu fahren: go west!

Du, die Landschaft, dein Rhythmus und immer weiter. Mehr braucht es nicht. Ich bin froh diese Momente der Entspannung geniessen zu dürfen und den ganzen Ballast der einem im Alltag oft belastet, einfach vergessen zu können. In diesem Sinne war es bei aller Anstrengung und mehr als 7 Std. und 20 Minuten im Sattel „just a good day“.

Tage 40 + 41 (22+23.11.14) Ruhetag in New Braunfels und New Braunfels – Hondo

Distanz: 124.4km / Gesamt: 3163.4 km / Fahrzeit: 7 Std. 26 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h

Morgens 17, Nachmittags 28 Grad, kräftiger Wind aus Westen, ganzer Tag sonnig, keine Wolke 🙂

a long day

Der Samstag präsentierte sich wie angekündigt sehr regnerisch, immer wieder Gewitterzellen über uns und die kurzen Regenpausen nutzte ich, mir in der Nähe das Wichtigste zu besorgen. Essen, neue Sonnencreme für die kommenden Tage, Batterien für meine Blinklichter etc. Ansonsten war ich viel im Zimmer, habe diverse E-mails erledigt und mich einfach ausgeruht.

So werden hier Fussgänger "behandelt". Man kann zwar über einen Fussgängerstreiffen, aber am anderen Ende steht man im .... Nichts!

So werden hier Fussgänger „behandelt“. Man kann zwar über einen Fussgängerstreifen, aber am anderen Ende steht man im …. Nichts!

Am Samstagabend gegen acht Uhr am Abend schlug in der Nähe dann ein Blitz ein. Es war kurz laut, dann etwa 5 Sekunden stockdunkel und anschliessende funktionierten weder Internet noch TV. Also konnte ich früh das Licht löschen und einige Stunden schlafen. Ich wusste das mir der heutige Tag ein hartes Programm vorbereitet hatte. Viele Kilometer bei schönem Wetter aber Gegenwind und Hügeln.
Also stand ich früh auf. Ein kurzes Frühstück. Der Toaster funktionierte wegen dem Gewitter immer noch nicht, also gab es weiches Toastbrot und ein hartes Ei. Um acht Uhr sass ich im Sattel und machte mich auf den Weg.

Früher Start auf leeren Strassen.

Früher Start auf leeren Strassen.

Ich hatte am Samstag viel Zeit in die Routenwahl durch die 1.2 Millionenstadt San Antonio investiert und war gespannt wie das ausgehen würde. Ich hatte noch gut die Beschreibung der San Antonio Durchquerung eines anderen Fernradfahrers aus München im Ohr, der es in seinem Bolg wie folgt beschrieb:

„Stellt euch vor, ihr müsst von Landsberg am Lech nach Hohenlinden. Wer die Strecke nicht kennt, möge kurz googeln. Also: ihr steigt in Landsberg ins Auto und fahrt auf der A-96 nach München. Am Autobahnende in Sendling biegt ihr wider besseres Wissen dennoch rechts auf dem Mittleren Ring (Süd) ab, quält euch über den unseligen Luise-Kiesselbach-Platz (für den man auch Futur III einführen müsste), fahrt dann durch das Brudermühltunnel, folgt der Candidstraße, die zur Chiemgauer Straße und schließlich dem Innsbrucker Ring wird. So geht’s um die komplette Stadt rum. Beim ehemaligen Stahlgruber (den kennt jeder Münchner meiner Generation; für alle anderen: Einsteinstraße-Ecke-Mittlerer Ring) biegt ihr dann rechts in die Töginger Straße (A94) ein und bleibt auf der A94 bis zur Ausfahrt „Mühldorf / Passau“. Dort verlasst ihr die Autobahn und fahrt auf der B-12 nach Hohenlinden.

So – und jetzt nochmal zurück zum Ausgangspunkt „Landsberg“. Ihr nehmt diesmal nicht das Auto, sondern das Fahrrad. Ansonsten bleibt alles unverändert; ihr fahrt denselben Weg bis Hohenlinden, nur eben auf dem Fahrrad. Damit wißt ihr so ziemlich alles über unseren heutigen Tag, nur dass unser Landsberg „Hondo“ hieß, München „San Antonio“ und Hohenlinden „Converse“. Nun, nicht ganz! Mit dem Fahrrad gibt es ein paar Besonderheiten. In den USA wird die rechte Spur bei Ausfahrten zur zwingenden Rechtsabbiegerspur. Als Radler fährt man auf dem Pannenstreifen also rechts von der Ausfahrtsspur. Diese gilt es dann aber zu überqueren, weil wir ja die Autobahn nicht verlassen möchten sondern weiter auf dem Pannenstreifen radeln wollen, der auf einmal aber eine Spur weiter links ist. Also eine Lücke im dichten Großstadtverkehr abwarten, dann über die Ausfahrtsspur huschen und auf der Hauptautobahn (teilweise 4-spurig) wieder auf dem Pannenstreifen weiterfahren. Ungefähr 700 – 900 Meter. Dann folgt die nächsten EINfahrt von rechts. Wieder eine Lücke abwahrten, über die Einfahrtsspur huschen und auf dem Pannenstreifen der rechten Spur weiterradeln, bis in ca. 500 – 700 Meter die nächste Ausfahrtsspur kommt. Das Ganze wird so richtig lustig, wenn ZWEI Spuren zur Ausfahrtsspur und ZWEI Spuren werden und ZWEI Spuren in die Autobahn münden. Bei dichtem Großstadtverkehr ist die Corrida der Dämonen eine Wellnesspackung dagegen. „(C) Herman Plasa

Ich war also gewarnt! Aber heute, kein Verkehr!!! Ich fuhr völlig entspannt immer auf der Frontage Road der I 35, das sind Parallelstrassen zu den Autobahnen, auf denen die diversen Seitenstrassen angefahren werden können, Richtung San Antonio. Dort wählte ich Nebenstrassen und auch das zahlte sich aus. Ich fuhr den ganzen Tag auf Strassen mit sehr wenig Verkehr.

"Bad Hair Day", heute mal der Bart ohne Zopf im Fahrtwind.

„Bad Hair Day“, heute mal der Bart ohne Zopf im Fahrtwind.

Diese Stadt am Sonntag zu durchqueren war wohl die perfekte Entscheidung. Ich fuhr etwas südlich des Stadtzentrums und nutzte Strassen durch Quartiere, in denen offensichtlich Menschen mit einem tiefen Einkommen in einfachen Häusern wohnen. Seit bereits einigen Tagen ist es offensichtlich, dass hier viele Einwanderer aus Mexiko oder Zentralamerika wohnen. Ich bin immer wieder erstaunt zu sehen, wie hier beste Wohnlagen, sehr nahe am Stadtzentrum offensichtlich nicht wirklich begehrt sind. Hier stehen auf riesigen Flächen alte, einfache und sehr kleine Häuser, während weit draussen vor den Städten exklusive Siedlungen für die Besserverdienenden entstehen, deren Bewohner dann jeden Tag einen sehr langen Arbeitsweg im Stau in kauf nehmen. Ich mag es den Bewohner in ihren einfachen Häusern ja gönnen, habe aber das Gefühl, dass die Städte so von innen heraus „aussterben“. Zudem ist mit dieser Siedlungspolitik schlicht kein effizientes öV System aufzuziehen, da die Menschen viel zu verstreut wohnen. Somit ist jeder, egal wie alt, auf ein Auto angewiesen. Wer keines fahren kann, muss zu Hause bleiben.

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In San Antonio …

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… war meine Sicht auf die Stadt nicht die aus dem Touristenprospekt.

Süss, aber sehr einfach.

Süss, aber sehr einfach.

Aber wie gesagt, es war Sonntag und ich kam problemlos durch die Stadt. Es war aber wie immer. In Städten braucht das ständige Anhalten und Abfahren sowie die Navigation viel Energie und senkt die Durchschnittsgescheindigkeit dramatisch. Obwohl ich also früh losgefahren war, war es bereits 14 Uhr bis ich die Ausfallstrasse erreichte und es waren erst 70 Kilometer geschafft.

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Kleines Coiffeurgeschäfft in „Castroville“. Gute Preise 🙂 Männer 7, Frauen 10 Dollar.

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Kirche in Castroville, das von französischen Einwanderern gegründet wurde.

Ich hatte bewusst kein Motel reserviert, weil ich unsicher war, wie der Tag laufen würde. Es ging weiter über viele weitere Hügel und gegen den Wind. Etwa zwei Kilometer fuhr ich neben einem lokalen Rennradfahrer und plauderte etwas mit ihm, bis es abbiegen musste. Das war eine schöne Abwechslung in einer sonst eher monotonen Fahrt. Gegen Abend nahm der Wind dann zum Glück ab und die tiefstehende Sonne bescherte mir schöne Bilder in dieser Landschaft.

Ausgetrockneter Rio Hondo

Ausgetrockneter Rio Hondo

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Kurz vor Hondo stand die Sonne tief und bescherte ein fantastisches Licht.

Nun wird es immer einsamer und morgen steht nochmals eine lange Etappe an. Also heute Muskeln gut einmassieren und rechtzeitig ins Bett, sowie früh raus. Ich hoffe auf einen windstillen Tag! Mindestens sind für die nächsten Tage kein Regen und in meiner Region ziemlich angenehme Temperaturen angesagt.

Tag 39: ( 21.11.14) Luling – New Braunfels

Distanz: 53.7 km / Gesamt: 3039.2 km / Fahrzeit: 3 Std. 0 Min. / Durchschnitt 17.9 km/h

Morgens 16, Nachmittags 20 Grad, schwacher Wind aus Westen, ganzer Tag stark bedeckt, nach Mittag Regenschauer

3000 Kilometer geschafft!

Heute stand ja, wie geplant, nur eine kurze Etappe nach New Braunfels auf dem Programm. Ich will hier ja den angekündigten Regen- Gewittertag am Samstag abwarten um dann am Sonntag die Fahrt durch San Antonio machen zu können.
Nachdem es gestern Abend mit den beiden Landvermessern John und Fernando spät geworden war, fühlte ich mich heute Morgen nicht wirklich fit und war froh, eine kurze Etappe vor mir zu haben. Obwohl ich noch gerne etwas länger geschlafen hätte, machte ich mich schon kurz vor acht Uhr auf den Weg.

Tagesmotto: grau in grau

Tagesmotto: grau in grau …

Grauer Start auf gutem Asphalt.

… aber Start auf gutem Asphalt. Leider nur kurz 😦

Bei diesen Wetterprognosen wollte ich nicht riskieren am Nachmittag noch im Regen fahren zu müssen. Die ersten acht Kilometer liefen perfekt und ich konnte auf feinstem Asphalt die Hügel, die sich hier endlos aneinanderreihen, in Angriff nehmen. Doch leider war der guten Strassenbelag nur von kurzer Dauer und ich musste Bekanntschaft mit dem unter Velofahrern verpönten „Texas Chip Seal“ machen. Dieser Belag besteht aus sehr groben Steinen, welche ca 8 – 10 mm dick sind. Sie werden auf eine feine Asphaltmasse gestreut und mit der Zeit von den Autos dann „flachgefahren“. Aber eben leider nur dort, wo auch Autos fahren. An der Seite ist das ganze sehr rauh und beschert dem Velofahrer viel Rollwiderstand und eine dauernde Rüttelpiste.

Der "Bremsbelag"

Der „Bremsbelag“

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Wenn kein Auto im Rückspiegel war, fuhr ich auf der plattgewalzten Fahrbahnspur.

 

Kommen dann noch Hügel dazu, verschlechtert sich das Verhältnis „Kraftaufwand / Geschwindigkeit“ dramatisch. So war es zeitweise ziemlich ernüchternd, wenn der Blick über den Tacho schweifte und dort oft nur noch eine einstellige Zahl stand, obwohl ich kräftig in die Pedale trat.
Wenigstens konnte ich nach 14.5 Kilometer ein besonderes Ereignis „feiern“.

Er gratulierte mit einem lauten Hupkonzert.

Die 3000 sind geschafft!

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Er gratulierte mit einem lauten Hupkonzert. Das freut den Eisenbahner.

 

Also liegen nun 60 Prozent der Strecke hinter mir. Ich fühle mich nach wie vor motiviert, fit und gesund. Wenn das Wetter in den nächsten Wochen nicht allzu sehr gegen mich arbeitet, sollte aus heutiger Sicht einem erfolgreichen Abschluss der Reise in San Diego nichts im Wege stehen, aber ich muss es nehmen wie es kommt.
Ansonsten gibt es heute nicht’s besonders zu berichten. Im Motel war Kleiderwäsche und faulenzen angesagt. Leider ist man an solchen Orten ohne Auto doch recht eingeschränkt, da vieles weit auseinander liegt, oder es für Fussgänger schlicht keinen Platz hat, und man auf der Fahrbahn gehen müsste. Das Velo lasse ich bei dem Regenwetter auch lieber stehen. Also viel Zeit für Erholung.
Morgen ist Ruhetag und somit „Blogfrei“. Ich wünsche euch ein gutes Wochenende und den SBB Kollegen die das neue Stellwerk Marthalen und andere Stellwerkänderungen in Betrieb nehmen „eine pannenfreie IBN“.

Tag 38: (20.11.14) Columbus – Luling

Distanz: 113.5 km / Gesamt: 2985.5 km / Fahrzeit: 5 Std. 22 Min. / Durchschnitt 21.4 km/h

Morgens 18, Nachmittags 20 Grad, schwacher Wind aus Westen, Morgen sonnig, später bewölkt mit Regenschauer

Leute treffen

Heute fuhr ich fast die ganze Strecke auf der „I10“, die Autobahn die Texas von Ost nach West durchquert. Soweit also nicht spektakuläres aber für mich gut, denn hier konnte ich einen entspannten Fahrtag hinter mich bringen. Die Sonne am Morgen liess auch auf einen schönen Tag hoffen und so fuhr ich locker los. Eine Wegweiser mit dem Namen „Weimar“ weckte mein Interesse und so fuhr ich kurz von der Autobahn ab, um dieses Städtchen zu besuchen.

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Dieses Schild lockte mich von der Strasse.

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Kirche in Weimar

Von Weitem schon sah ich den Kirchturm der so gar nicht amerikanisch wirkte. Das Städtchen selber sah dann, abgesehen von der 1913 erbauten Kirche, wie so viele Kleinstädt in der Gegend aus.

In Weimar. Die "Aufhängung" der Vordächer ist etwas speziell.

In Weimar. Die „Aufhängung“ der Vordächer hat mir gut gefallen.

Zurück auf der Autobahn zogen bald dunkle Wolken auf und es begann immer wieder zu Regnen. Also Regenjacke anziehen (=schwitzen) und kurz darauf hörte es auch wieder auf. So ging es den ganzen Tag. Plötzlich stand da ein Auto auf dem Pannenstreifen und der Fahrer winkte mir. Ich hielt an und der Mann erzählte mir, das er selber schon mehrere grosse Radtouren in den USA gemacht hätte. Letztes Jahr sei er von Jacksonville nach San Diego gefahren. Er wolle sich nur mein Velo ansehen und fragte mich nach meiner Reise. Ja in Europa war er auch schon unterwegs. Von Düsseldorf den Rhein hinauf bis zum Bodensee und nach Lichtenstein. Wir plauderten noch etwas am Strassenrand, machten gegenseitig Fotos und dann fuhr ich weiter.

John, der mir auf der Autobahn von seinen Radreisen erzählte.

John, der mir auf der Autobahn von seinen Radreisen erzählte.

Am Mittag hatte ich das Gefühl, nicht wirklich gut vorwärts zu kommen. Ich war erst um neun Uhr losgefahren, den Umweg über Weimar und nun kam auch noch Wind auf. Also musste ich etwas stärker in die Pedale treten. Die Landschaft hier ist hügelig und immer wieder hat es längere Anstiege, die das Tempo verlangsamen.

Es zogen dunkle Wolken auf.

Es zogen dunkle Wolken auf.

Kurz vor Luling stoppten mich zwei Polizisten. „Was mache Sie hier?“ fragte der älter von ihnen. „Ich fahre mit meinem Fahrrad.“ antwortete ich. Wohin ich den wolle, fragte er nach und mit der Antwort das ich nach San Diego fahre konnte er nicht wirklich etwas anfangen. „Sie können nicht auf der Autobahn fahren.“ sagte er bestimmt und verwies mich auf die Strasse „90“ die in der Nähe vorbeiführte. Ich erklärte ihm, dass ich gestern einen Sheriff gefragt hätte, ob das Fahren auf der Autobahn ok sei und er mir das gestattet habe. Zudem sei die „90“ viel gefährlicher als die Autobahn, da es da keinen Seitenstreifen gebe. Wir diskutierten noch eine Weile und am Schluss liess er mich weiterfahren. „Ich habe sie zu ihrer eigenen Sicherheit gewarnt.“ beendete er das Gespräch. Ich bedankte mich und fuhr weiter, im Wissen, dass ich wohl eher eine Ahnung davon hatte, wo es gefährlich war für Velofahrer und wo weniger.

Heute auf einem Rastplatz entdeckt. Er hat immer genug "Ersatzfahrzeuge" :-)

Heute auf einem Rastplatz entdeckt. Er hat immer genug „Ersatzfahrzeuge“ 🙂

In Luling, einer weiteren Kleinstadt, wurde ich ein weiteres Mal von einem Velofahrer angesprochen. Er war begeistert und erzählte mir, dass er vor ein paar Jahren eine Veloreise in Europa geplant habe. Er wäre bereit gewesen und habe bereits die Karten gehabt, aber dann habe er seinen Job verloren und konnte nicht starten. „Aber eines Tages werde ich es tun“ versicherte er zum Abschied.

Öl Museum in Luling.

Öl Museum in Luling.

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Der Herr mit dem Fahrrad erzählte von seinen Reiseträumen.

Ich traf in meinem Motel ein. Naja, das hat auch schon bessere Tage gesehen, aber was soll’s, hier ist die Auswahl nicht gross und wenigstens habe ich einen Platz zum schlafen. Auf der Suche nach etwas zum Essen kam ich gleich neben dem Motel an einer Leuchtreklame vorbei. „Mexican Food“ stand da und im Fenster leuchtet ein Schild „open“. Also öffnete ich die Türe und ging hinein. Ich stand jedoch nicht in einem Restaurant, sondern wohl in einem Wohnzimmer. Ein Mann sass auf dem Sofa und schaute etwas im Fernseher. „Suchst du das Mexikanische Restaurant“ fragte er gelassen, „die sind umgezogen, etwa 200 Meter die Strasse runter“. Ich war etwas verdutzt, bedankte mich und ging. Dabei kam ich an einem Lebensmittelgeschäft vorbei und besorgte mir da was zu essen.
Zurück im Motel stand mein „Zimmernachbar“ vor der Türe. Wir kamen ins Gespräch und der fragt was ich mache. „Ah“, sagte er, „bist du der Typ den wir heute mit dem Liegerad auf der Autobahn gesehen haben?“ Er fand die ganze Sache sehr spannend und wollte alles zu meiner Reise wissen. Als ich ihm vom Miles4Kokou Projekt erzählte, war es ganz begeistert. Spontan griff er in seine Brieftasche und gab mir 100 Dollar. „Das ist für dich, gönne dir damit etwas auf deiner Reise“ sagte er. „Ich verdiene hier so viel gutes Geld, dass es mir Freude macht dich zu unterstützen“. Er holte noch seinen Arbeitskollegen hinzu und wir plauderten über Gott und die Welt, über Texas, unsere Jobs etc. Die Jungs arbeiten für die Firma Esso und machen Planaufnahmen der verschiedenen Pipelines. Sie sind Landvermesser und er hat ausdrücklich die guten Instrumente aus der Schweiz gelobt, die er bei seiner Arbeit einsetzt. „Gute Qualität, wirklich, schreib das in deinen Blog und erzähl den Leuten zu Hause, das wir Texaner wirklich gute Leute sind.“ Er erzählte viel über Texas, warum es ihm hier so gut gefällt und mir lief fast die Zeit davon noch den Blog zu schreiben. Ich gab ihm eine Visitenkarte vom Blog und er meinte: „Also, schreib schnell und stelle das Foto auf den Blog, ich schreibe meiner Freundin ein Mail, damit sie sehen was du hier machst.“

John, der grosszügige Sponsor in der Mitte, sein Kollege Fernando und ich.

John, der grosszügige Sponsor in der Mitte, sein Kollege Fernando und ich.

So ist es ist spät geworden und gegessen habe ich auch noch nichts.
Morgen geht’s nach „New Braunfels“, nicht wirklich weit, aber ein Ort um den angekündigten „Sturm“ am Samstag abzuwarten.

Tag 37: (19.11.14) West Columbia – Columbus

Distanz: 121.3 km / Gesamt: 2872. km / Fahrzeit: 5 Std. 57 Min. / Durchschnitt 20.4 km/h

Morgens 6, Nachmittags 18 Grad, zunehmender Wind aus Nordwest, ganzer Tag sonnig

just a hard day

Der Start heute Morgen war wirklich gut. Endlich schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, es war zwar noch kühl, aber der Wind schwach, so dass ich die winddichte Regenjacke einpacken konnte.

So sehen meine Motels in der Regel aus. Viel Platz für die Autos und oft ausgebucht, da die "Wanderarbeiter" hier wochenweise in grösseren Gruppen wohnen.

So sehen meine Motels in der Regel aus. Viel Platz für die Autos und oft ausgebucht, da die „Wanderarbeiter“ hier wochenweise in grösseren Gruppen wohnen.

Am Anfang noch leichter Wind von hinten und so begann der Tag sehr entspannt.

Entspannter Start am Morgen.

Entspannter Start am Morgen.

Kurz hinter West Columbia wurden die Felder und abgeernteten Äcker immer grösser, das Land topfeben und es waren nur weiter weg einzelne Farmhäuser zu sehen. Perfekte Strassen mit wenig Verkehr machte die Fahrt richtig entspannt. Ich fuhr auf der „36“ bis Needville. Eine Kleinstadt mit knapp 2300 Einwohnern aber einem selbstbewussten Slogan am Ortseingang: „Hier leben Tausende wo Millionen leben möchten.“ Ziemlich gewagte Aussage für ein Nest irgendwo zwischen grossen Feldern, mit einer Tankstelle und einem Fastfoodgeschäft. Gut, gegenüber den einsamen Häusern die ich in den Sümpfen von Louisiana gesehen habe, ist das wirklich noch besser, aber warum will man hier leben? Ich weiss es nicht.

Needville: ganz süss, aber hier leben?

Needville: ganz süss, aber hier leben?

Von Needville ging es über die „FR 360“ Richtung Beasly, noch etwas weiter nördlich und dann auf die „Alt.90“. Tönte nach grosser Strasse und ich freute mich schon auf einen guten Seitenstreifen.
Aber weit gefehlt. Es war neben der weissen Linie nur etwa 30 cm lausiger Teer und dann ein Graben. Der Verkehr aber wie die Strassenbezeichnung vermuten liess, sehr dicht. Vor allem viele Lastwagen die mit gut 110 – 120 die Strasse entlang rasten. Es waren etwa 8 Kilometer bis East Bernhard und ich hatte zum ersten Mal richtig Schiss. Der Windsog den diese Laster verursachten war so gross, dass ich das Rad kaum gerade halten konnte. Ich fuhr sehr angespannt und immer den Blick im Rückspiegel. Wenn ein grosser heranbrauste hielt ich oft kurz an und machte mich so dünn als möglich. Ich wusste, dass ich noch etwa 45 Kilometer auf dieser Strasse fahren musste und war vorerst einmal froh, als ich East Bernhard erreichte. Ich stärkte mich an einem Tankstellenshop und machte mir so meine Gedanken. Wie soll es weitergehen? 45 Kilometer bei solchen Strassen würde ich auf keinen Fall wagen. Da kam ein lokaler Polizist daher und ich fragte ihn, wie es weiter westlich auf der „Alt.90“ aussehe. Ob der Seitenstreifen auch so schmal sei. Er schaute mich an, überlegte und sagte dann, „Ja ich glaube schon, nur sehr schmal“ und ging ins Geschäft. Ich überlegte hin und her. Sollte ich einen Pick-Up Fahrer fragen, ob er mich mitnimmt. Ich hatte Routenmässig keine Alternative.

 

Ich hätte, wie der Wegweiser ankündigt, auch in's Wallis abbiegen können, aber da wollte ich ja nicht hin.

Ich hätte, wie der Wegweiser ankündigt, auch in’s Wallis abbiegen können, aber da wollte ich ja nicht hin.

Ich entschied, mir mal selber ein Bild davon zu machen. Als ich mich startklar machte, kam ein Lastwagenfahrer. „Wohin fährst du?“ „Auf der 90 Richtung Westen“ antwortete ich. „Pass nur auf die Lastwagen auf. Die sind gefährlich.“ „Ja ich weiss, aber die Fahrer müssten ja auch auf mich aufpassen.“ „Ich weiss, das mache ich auch, aber da sind Verrückte auf der Strasse“ sagte er. Danke, genau das habe ich als Motivation gebraucht. Ich fuhr also mit einem mulmigen Gefühl los. An der Ortsausfahrt hatte es einen sicheren und breiten Seitenstreifen. Wenn das so bleibt, dachte ich, kein Problem.

Als der Seitenstreifen noch schmal war, wagte ich es nicht auch noch Fotos zu machen. Hier ist wieder alles ok.

Als der Seitenstreifen noch schmal war, wagte ich es nicht auch noch Fotos zu machen. Hier ist wieder alles ok.

Und tatsächlich, ich hatte einen prima Seitenstreifen bis „Eagle Lake“ wo ich beschloss, dem starken Gegenwind etwas auszuweichen und auf einer Nebenstrasse Richtung Norden nach Alleyton abzubiegen. Soviel also zum Thema: „Wie gut kennt ein Polizist sein Revier“. Der Wind hatte ab Mittag immer stärker zugenommen und es kostete viel Kraft, wenigstens 18 km/h zu fahren, oft schaffte ich sogar nur knappe 15. Dazu wurde es nun hügelig, was zusätzlich Energie kostete.

Eagle Lake, eine weitere Kleinstadt auf dem Land.

Eagle Lake, eine weitere Kleinstadt auf dem Land.

Ich war schon ziemlich k.o. als ich auf die Kreuzung mit der Autobahn „I10″ kam. Ich sah auf dem Navi, dass mir die Fahrt auf der Autobahn gut 2 Kilometer Umweg sparen würde und spielte mit dem Gedanken es zu wagen. Ich war mir aber nicht sicher, ob man hier schon mit dem Velo auf die Autobahn darf. Da standen zufällig bei der Auffahrt zwei Streifenwagen. Ich fuhr zu den Polizisten hin und fragte, ob es erlaubt sei hier die Autobahn mit dem Velo zu benützen. Der Polizist schaute mich verdutzt an: “ Kein Problem, solange du auf dem Pannenstreifen fährst.“ Prima, mehr wollte ich nicht hören. Ich setzte mich also auf mein Pferdchen, gab ihm die Sporen und lenkte es auf die „Interstatae 10“.

Auf der Autobahn!

Auf der Autobahn!

Schon etwas seltsam auf der Autobahn mit dem Velo zu fahren aber ich fühlte mich wirklich sicher, auch wenn die Autos und Laster an mir vorbeidonnerten. Hier ist der Pannenstreifen so breit, das ich wirklich keine Angst haben musste. So erreichte ich bald Columbus und war froh, als ich im Motelzimmer war und die Füsse, nach einem anstrengenden Tag, hoch legen konnte.
Ich schaltete den Fernseher ein und musste leider schlechte Wetterprognosen zur Kenntnis nehmen. Donnerstag und Freitag sollen noch ganz ok sein, am Samstag sind dann schwere Stürme angesagt und es wurde auch eine Tornadowarnung herausgegeben. Grundsätzlich kommen in der nächten Zeit die Winde immer aus Westen, also Gegenwind, am nächsten Dienstag sogar „sehr starke Winde“, wie der Moderator ankündigte. Ich muss mich also mal wieder mit dem Thema „Routenplanung“ auseinandersetzen und möchte es bis am Freitag bis nach New Braunfels zu schaffen, um dort den Sturm am Samstag abzuwarten und am Sonntag den Grossraum San Antonio umfahren zu können. Ihr wisst ja, Sonntage sind perfekt für Grossstädte, da der Verkehr nicht so stark ist.

Tag 36: (18.11.14) Galveston – West Columbia

Distanz: 107.3 km / Gesamt: 2750.7 km / Fahrzeit: 4 Std. 48 Min. / Durchschnitt 22.3 km/h 🙂

Morgens 7, Nachmittags 10 Grad, kräftiger Wind aus Osten, im Verlauf des Tages abnehmend. ganzer Tag sonnig

Abschied vom Atlantik

Heute fuhr ich die letzten 60 Kilometer nochmals dem Golf von Mexiko entlang. Er hat mich jetzt seit dem Tag 16 (am 29.10.) mehr oder weniger begleitet. Ich liebe diesen Blick über’s Meer und eine Fahrt der Küste entlang ist vor allem bei Rückenwind einfach wunderbar. Dank der Zusatzpause gestern hatte der Wind auch Zeit, sich wie vorausgesagt, zu drehen und mir heute den Start mit einem kräftigen Schub von hinten zu versüssen.

Galveston zeigte zum Abschid sein schönes Gesicht.

Galveston zeigte zum Abschied sein schönes Gesicht und mein Rad um die Tasche auf dem Gepäckträger erleichtert.

Auch wenn er etwas wärmer hätte sein können, so genoss ich es doch, nochmals auf endlosen Strassen, oft sehr nahe am Wasser, zu fahren. Wenn ich das nächste mal Salzwasser sehe ist es der Pazifik und ich bin am Ziel. Bis dahin ist es zwar noch ein ganzes Stück, aber man muss Ziele haben. Auf die einsamen Etappen in der Weite von Westtexas, die in ein paar Tagen beginnen, bin ich auch gespannt und auf die Wüste um Tucson freue ich mich jetzt schon. Aber jetzt ist Schluss mit Träumen. Ich fahre es „Umdrehung um Umdrehung“.
Also wie gesagt, heute konnte ich lange von den Windverhältnissen, die mich gestern noch gestoppt hatten profitieren. Eine gute Routenplanung und Taktik zahlt sich eben aus. An dieser Stelle herzlichen Dank an Peter Schäuble, meinen Skipperausbildner, der mich in die Geheimnisse einer guten Törnplanung eingeweiht hat. Dabei immer einen „Plan B“ bereit haben und genauso ist es aufgegangen. Man kann diese Fähigkeiten also auch zum Radfahren und nicht nur auf hoher See einsetzen.
So konnte ich während den ersten drei Stunden meinen Schnitt bei knapp 26 km/h halten. Dabei ein letztes mal die Stelzenhäuser bestaunen und in Surfside Beach ging es dann rechts Richtung Freeport.

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Es gibt offenbar auch Alternativen zum Stelzenbau. Dieses „Haus“ scheint schon manchen Sturm überstanden zu haben.

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Der Blick von der Veranda auf’s Meer ist sicher schön, solange kein Hurrikan heraufzieht.

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Abschied vom Atlantik.

 

In Freeport fuhr ich lange einer riesige Ansammlung an von Raffinerien und anderen Fabriken welche im Zusammenhang mit der hier starken Öl- und Gasförderung zu tun haben entlang.

Mitten im Industriegebiet.

Mitten im Industriegebiet.

Die Strassen weiterhin perfekt, meist sauber und mit einen sichern Platz für Radfahrer. Etwas ausserhalb von Freeport lockte mich nach knapp 70 km ein Plakat vom Highway 332 weg. „Griechisches Buffet und Seefood“, das tönte schon mal vielversprechend. Buffet bedeutet hier ja, essen soviel man mag und das ist auf Radtouren manchmal ganz schön viel. Die Preise sind vor allem am Mittag oft unglaublich günstig. Heute 9.99 Dollar. Da bekommt man bei uns ja nicht gerade viel und wer noch 2 Dollar zusätzlich investiert bekommt Softdrinks wie Cola, Sprite etc. soviel man will.

Heute mal beim "Griechen".

Heute mal beim „Griechen“.

Ok, so richtig griechisch war da nicht viel, höchstens die vergilbten Bilder an der Wand, aber ein gutes, frisches Salatbuffet, verschiedene Gemüse und Fisch, Roastbeef etc. Auf jeden Fall mal keine panierten Hühner, Hamburger und Pommes Frittes, dass kann ich nun wirklich bald nicht mehr sehen.
Nach dem Essen war es mit knapp 40 km nur noch ein „Katzensprung“ bis zum Motel.

Kurz vor "Brazoria" diese alte Brücke über den Brazos River.

Kurz vor „Brazoria“ diese alte Brücke über den Brazos River.

Es ging entlang einer mittelmässig befahrenen Strasse. Im Moment bevorzuge ich diese grösseren Strassen, gegenüber den kleinen „Countyroads“. Der Grund sind meine „Freunde“ die Hofhunde. An grösseren Strassen gibt es nämlich nur die drei Kategorien A, B und C von Hunden:
A = „Anständig erzogene“, die sich von einem vorbeifahrenden Radfahrer nicht im Mittagsschlaf stören lassen.
B = „Blöde Kläffer“, die aber angebunden oder hinter einem Zaun eingesperrt sind.
Achtung: Hundeliebhaber Kategorie C „überspringen“
C = „Crash Dogs“, die liegen ruhig am Strassenrand und sehen meist nicht so gut aus.
Die Kategorie D = „Doffe Hetzhunde“ ist an solchen Strassen praktisch ausgestorben.

Also konnte ich die Fahrt über Land entspannt geniessen und sah zum ersten Mal eine Herde schöner texanischen „Longhorns“. Beeindruckend, wie sie mit ihren mächtigen Hörnern so auf der Weide stehen.

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Das sieht man kaum auf schweizer Weiden.

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Bei diesen Hörnern müssten die Kuhboxen in den Ställen bei uns wohl etwas breiter gebaut werden.

 

Etwas später dann, bei einer Schule, hat mir ein Pickup, der vom Parkplatz auf die Strasse fahren wollte, sehr grosszügig Platz zum Vorbeifahren gelassen. Wie immer bedankte ich mich in solchen Fällen mit einem Gruss und schaute ins Auto. Da sassen drei Knaben, wohl alle um 16 Jahre, kurbelten die Scheibe hinunter und riefen „we love your bike!“. Ich winkte nochmals freundlich zurück und wurde mir bewusst, das hier ja die „Kinder“ bereits mit 16 Jahren Autofahren dürfen, da die Distanzen einfach so gross sind und es keinen öffentlichen Transport gibt. Es ist aber doch ein ungewohnter Anblick.

Kurz vor west Columbus sah ich dieses Firmenschild. Wer hat da wohl was mit der Schweiz zu tun?

Kurz vor West Columbus sah ich dieses Firmenschild. Wer hat da wohl was mit der Schweiz zu tun?

Später bei einer Tankstelle kamen nochmals drei Arbeiter auf mich zu, wollten genau wissen, wie man dieses Bike den fahre, wo der Motor sei, ob es nicht schwierig sei die Balance zu halten etc. Als ich ihnen erklärte das sei mit Muskelkraft betrieben und ich komme von „Key West“, schaute ich in verdutzte Gesichter. Ja das etwas andere Velo ist eben auch immer wieder Gesprächsthema und hat mir schon so manche kurze Unterhaltung geschenkt. Übrigens, mit 7 Kilo weniger fährt es sich einiges entspannter.
Morgen sollte es wärmer werden und als Ziel habe ich mir Columbus, gut 120 Kilometer von hier, vorgenommen.

Tag 34 + 35: (16.+17.11.14) Ruhetage in Galveston

Ruhetag und Zwangspause

Stand by

Eigentlich wollte ich euch ja heute von meiner Weiterfahrt berichten, aber diese Pläne musste ich in der Nacht, als der Wind kräftig an meiner Zimmertüre rüttelte, begraben. Heute loszufahren war für mich ausgeschlossen. Ein sehr starker, eisiger Wind direkt aus Norden, wo die USA im Moment unter der Eiseskälte erstarrt, hat mich heute hier zu einem weiteren Pausentag gezwungen. Trotzdem kann ich euch ja kurz erzählen wie das hier die letzen zwei Tage so war.
Der Sonntag stand ganz im Zeichen von ausschlafen und relaxen. So habe ich mir das zumindest gedacht. Kurz nach sechs Uhr am Morgen war Schluss mit schlafen. Dass hier ja ab und zu die Sirenen der Feuerwehr oder Polizei heulen, kennt wohl jeder der schon in den USA unterwegs war, aber diesmal kamen die Sirenen näher und näher und bald schon konnte ich vor der Zimmertüre, die direkt auf den Parkplatz führt, das Brummen eines grossen Lastwagens hören. „Da steht wohl nicht die Feuerwehr gerade 5 Meter neben meinem Bett, oder?“ Ich schob den Vorhang etwas zur Seite und sah ein Feuerwehrauto mit blinkenden Lichtern vor dem Zimmer stehen.

Mein "Wecker" am Sonntagmorgen.

Mein „Wecker“ am Sonntagmorgen.

Bald wurden die Geräusche im Nebenzimmer lauter und die Rettungskräfte waren offensichtlich dort im Einsatz. Da die Feuerwehr hier auch bei medizinischen Notfällen ausrückt und die Krankenwagen der privaten Spitäler meist erst später eintreffen, hatte ich wenigstens nicht gleich das Gefühl, dass ich nun wegen einem Brand bald das Zimmer verlassen müsste. Kurz darauf traf auch noch ein Krankenwagen ein und es wurde langsam wieder ruhiger im Nebenzimmer. Offensichtlich war die Situation nun unter Kontrolle, aber ich hell wach. Bald machte ich mich daran, die möglichen Tagesetappen bis San Diego genau zu planen. Ich habe einfach ein ungutes Gefühl, nach wie vor ziemlich viel Gewicht am Rad zu haben und westlich von San Antonio wird es dann langsam hügeliger. Auf der Ebene machen ja ein paar Kilo’s mehr oder weniger nicht soviel aus, aber sobald es bergauf geht, sieht das ganz anders aus. Mein Ziel war, Etappen zu finden, bei denen ich in jedem Fall Motels zum schlafen erreichen kann, damit ich Zelt, Schlafsack etc. nach Hause schicken kann.
Diese Routenplanung beschäftigte mich ziemlich lange, aber am Schluss stand ein Konzept, wie es ohne Zelt klappen sollte. Also habe ich alles Gepäck sortiert, mich von Überflüssigen getrennt und die Tasche, die im am Montag verschicken wollte, gepackt. Dann musste nach so vielen Kilometern mal meine Fahrradkette gründlich gereinigt und neu geschmiert werden und ich habe noch meinen Schlauch im Vorderrad mit einer Flüssigkeit gefüllt, die im Falle kleiner Löcher den Schlauch abdichtet. Dies hat bis jetzt überraschenderweise bei Barbara und mir schon drei mal geklappt. Wenn das Loch nur durch einen spitzen Gegenstand entstand und nicht allzu gross ist, kann dae platte Reiffen einfach einfach wieder aufgepumpt werden und die Flüssigkeit hält das Loch dicht.
Dann ging ich noch kurz an den Strand um mir die Wellen anzuschauen. Ausser mir und einigen hart gesottenen Wellenreiter_innen im dicken Neoprenanzug waren nicht viele unterwegs.

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Auf dem Weg zum Strand stand dieser auf einem Parkplatz bei einer Tankstelle. Auch damit wird hier noch gefahren!

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Auf dem Rückweg sah ich noch einen „Barber Shop“ der offen hatte. Also lies ich mir auch die Haare noch schneiden. Mal sehen ob das bis San Diego reicht.
Und nach all dieser Arbeit hatte ich gegen Abend dann doch noch Zeit etwas Football zu schauen.
In der Nacht wie gesagt die Entscheidung, heute hier zu bleiben. Zum Glück bin ich ja hier in Galvestone an einem „Touristenort“ und nicht in der Mitte von Nirgendwo. Am Morgen habe ich dann mit dem Taxi meine Tasche zu einer „Speditionsfirma“ gebracht. Viel Schreibkram, denn die Sache ging ja nach Europa. Die Leute waren sehr hilfsbereit, freuten sich regelrecht über diesen „speziellen Auftrag“ und ich war 7 kg los. Ich hoffe, das macht sich bemerkbar. Danach lies ich mich vom Taxi gleich in den Freizeitpark „Moody Gardens“ fahren.

Tropenhaus im "Moody Gardens".

Tropenhaus im „Moody Gardens“.

Dort gibt es ein Aquarium, ein Tropenhaus, zwei Kinos etc. denn für Aktivitäten draussen war es zu kalt. Also Zeit für alle die es mögen ein paar Tierfotos zu machen (gäll Robyn).

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In einem Zelt zeigten sie Ausstellung von Eisskulpturen. Typisch amerikanisch, kitschig. Das Thema „SpongeBob“ war nicht gerade das was ich erwartet hatte und es war, wer hätte es gedacht, mit minus 13 Grad sehr kalt, so dass ich die Sache rasch gesehen hatte.

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Ziemlich gross das Ganze.

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Etwas seltsames „Weihnachtsthema“.

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Wohl ziemlich viel Aufwand bis das Eis eingefärbt war.

 

Mit dieser Figur konnte ich mich am besten identifizieren, ich fühlte mich auch so.

Mit dieser Figur konnte ich mich am besten identifizieren, ich fühlte mich auch so.

Es war nicht allzuweit bis zum Motel und ich ging zu Fuss zurück. Nein da gab es keine vernünftige Bussverbindung, schliesslich haben hier alle ein Auto. Auf dem Heimweg fuhr plötzlich ein Auto im Schritttempo neben mir her. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass es ein Polizeiauto war und der Fahrer musterte mich. Er fand dann aber wohl, das ich soweit vertrauenerweckend aussehe und gab wieder Gas. Offenbar ist man hier als Fussgänger schon mal suspekt.

Heute konnten sie wieder mal "Flagge zeigen".

Heute konnten sie wieder mal „Flagge zeigen“.

Ich hoffe nun das die Windprognosen für morgen stimmen. Es soll immer noch kräftige Winde geben, aber eher aus Osten, damit Seitenwind und bis die Temperaturen richtig ansteigen wird es auch Mittwoch werden. Mal sehen, drückt mir die Daumen.

 

 

 

Tag 33: (15.11.14) Winnie – Galvestone

Distanz: 87.66 km / Gesamt: 2643.4 km / Fahrzeit: 3 Std. 52 Min. / Durchschnitt 22.7 km/h 🙂

Morgens 7, Nachmittags 10 Grad (es fühlte sich deutlich kälter an), starker Wind aus Osten. (45, später bis 60 km/h) ganzer Tag bedeckt, ab Mittag Regen

Rückenwind

Heute bin ich früh gestartet. Auf allen Wetterkanälen wurde gestern über das kalte Wetter in den USA berichtet und wie unerwartet und früh es auch im Süden kalt wird. Dazu ab heute Nachmittag in meiner Gegend Regen und Morgen dann Strakregen und Sturm. Schon am Morgen hatte der Wind kräftig zugelegt. Zum Glück war es auf den ersten 30 km „nur Seitenwind“. Für den Rest der Reise entlang der Golfküste sollte es dann Rückenwind werden. Zum Glück! Gegen den Wind hätte ich das wohl heute nicht machen können.
Also keine Zeit verlieren und auf’s Rad. Rasch hinter Winnie wurde es „einsam“. Der Verkehr nahm rasch ab und es waren immer weniger Autos unterwegs.

So sieht Seitenwind aus.

So sieht Seitenwind aus. 

Ich hatte einen guten Start und war motiviert, denn nach den ersten 30 Kilometer konnte ich eine 45 Grad Kurve fahren und war so perfekt im Rückenwind. Alles geradeaus bis zur Fähre die mich von „Port Bolivar“ nach „Galvestone“ bringen würde.

Die Golfküste begrüsste mich diesmal wesentlich kühler als letztes mal in Florida.

Die Golfküste begrüsste mich diesmal wesentlich kühler als letztes mal in Florida.

Mit dem Regen im Nacken fuhr ich so rasch ich konnte um das Motel möglichst vor dem Regen erreichen zu können. Wieder fühlte es sich frisch an auf dem Rad und je länger ich fuhr, umso stärker blies der Wind. Etwa eine Stunde war ich im Rückenwind konstant mit 30 km/h unterwegs und konnte so meinen Durchschnitt, der in den ersten Kilometern noch nicht so gut war, massiv verbessern. Bei der kleinsten Pause, in der ich in diesem offenen Gelände voll dem Wind ausgesetzt war, kühlte ich rasch aus. Also nur schnell ein paar Dehnungsübungen oder Fotos und rasch wieder auf’s Rad.

Sie hat sicher genug Platz auf der "Weide".

Sie hat sicher genug Platz auf der „Weide“.

 

Gleich nebenan wird Öl gefördert.

Gleich nebenan wird Öl gefördert.

In Waterways fuhr ich in den Windschatten eines Bürogebäudes, um die obligatorische Banane zu essen, die mir die extra Energie bis Port Bolivar geben würde. Eine Frau stand vor dem Gebäude und rauchte eine Zigarette. Sie fragte wohin in den fahre und bot mir an, mich bei ihr im Büro aufzuwärmen. Sie hätte auch eine Toilette und etwas zu Trinken. Ich bedankte mich aber erklärte ihr, dass ich wirklich rasch weiterfahren wolle, da mir der Regen schon im Genick sass. Es ist immer wieder schön, solche Gesten der Gastfreundschaft zu erleben.

Kurz vorher hatte ich wieder einmal einen Kanal auf einer Brücke überquert. Auf dieser Zufahrt fahren viele Schiffe in die „Galveston Bay“ und damit in Richtung des Hafens von Houston. Er ist einer der bedeutendsten der ganzen USA und auf diesem Weg werden Unmengen von Gütern umgeschlagen.

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Ziemlich Verkehr auf der Zufahrt.

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Es sieht aus, als ob die Schiffe durch ein Meer von Gras fahren würden.

 

Der Zugang zum Hafen für grössere Schiffe führt durch die Enge zwischen Port Bolivar und Galveston, womit Durchgang einer der am meisten befahrenen Wasserstrassen der Welt ist.

Ich konnte diese Stelle mit der Fähre passieren. Die Fähren sind Teil der „Strassensystems“ und somit umsonst. Vor der Fährstelle sah ich noch einen schönen Leuchtturm, der leider kein Lichtsignal mehr ausstrahlt.

Leuchtturm in Port Bolivar.

Leuchtturm in Port Bolivar.

Durch diesen Fotostop verpasste ich eine Fähre um Sekunden und musste bei zunehmenden Wind gut 25 Minuten auf die nächste Überfahrt warten.

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Das Pferdchen wartet auf die Fähre …

 

... und füht sich ich dor wohl zhen all den "Grosen

… und füht sich ich dort zwischen all den „Grossen“ wohl.

Auf der Fähre sprach mich eine Frau an: „Ich habe nur ein Wort: unglaublich!“ sagte sie. „Bei dem Wetter mit dem Rad unterwegs?“ Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie auch schon in Europa und ein kurzes Stück in der Schweiz war. Sie erinnerte sich an gute Zugverbindungen in Europa und beklagte, das sie von Houston bis New Orleans mit dem Zug 16 Stunden brauchte, mit dem Auto das aber in 6 Stunden schaffe. Die Passagierzüge müssten eben immer den Güterzügen Platz machen und würden so dauernd herumstehen. Und an die Autobahnvignette die sie für einige Kilometer in der Schweiz kaufen musste, erinnerte sie sich auch noch.
So war es eine kurzweilige Überfahrt und danach raste ich im Regen und mit Rückenwind die letzten 8 Kilometer zum Hotel. Schon um halb zwei am Mittag kam ich an und war froh es geschafft zu haben. Kurz danach begann es immer stärker zu Regnen und der Wind nahm so stark zu, dass ich mich später auf dem Weg zum Supermarkt in der Nähe wirklich gegen den Wind stemmen musste. Im Supermarkt hatte ich schon fast das Gefühl, mein Kalender sei nicht aktuell. Die Verkäufer_innen trugen alle rote „Samichlauskappen“ und aus den Lautsprechern schepperte es Weihnachtslieder. Ich hoffe, bei euch zu Hause ist es noch nicht ganz so schlimm.
Gut nun an einem warmen und trockenen Ort zu sein. Morgen ist ein Ruhetag an dem ich die nächste Woche planen werde. Also gibt es auch keinen Blogbeitrag. Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche und am Dienstagmorgen könnt ihr hoffentlich einen Bericht mit vielen „Sonnenfotos“ lesen 🙂
Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 32: (14.11.14) Orange – Winnie

Distanz: 86.74 km / Gesamt: 2555.74 km / Fahrzeit: 4 Std. 34 Min. / Durchschnitt 19.0 km/h

Morgens 6, Nachmittags 10 Grad (es fühlte sich deutlich kälter an), ganzer Tag bedeckt,

Die Hälfte der Strecke ist geschafft 🙂

Heute habe ich nun also etwa die Hälfte der errechneten Strecke zurückglegt. Ein gutes Gefühl, auch wenn die letzten drei Tage auf Grund der Wettersituation schon ziemlich an die Substanz gingen. Die Kälte und der Wind rauben ungemein Energie und jeder zusätzliche Effort der wegen starken Windböen oder „doofen Hunderennen“ nötig wird, scheint die Muskeln leer zu saugen. Zudem muss ich bei dem Wetter extrem aufpassen, mich nicht zu erkälten. Dann wäre eine Zwangspause unumgänglich. So freue ich mich jeweils schon kurz nach dem Start auf die warme Dusche am Ziel. Im Moment ist die Reise vor allem eine Sache der eigenen Einstellung. Sich nur nicht verrückt machen lassen von Wind, Kälte und Hunden, die mich nach wie vor täglich mehrmals zu einem Sprint herausfordern.
Zudem muss ich in der Planung Tag für Tag vorgehen und das Wetter im Auge behalten. Morgen will ich nach Galveston an der Küste. Am Samstag soll es noch bis am Nachmittag trocken sein und für Sonntag ist der ganze Tag Regen angesagt. Also Zeit für einen Ruhetag und dann kann ich ja in aller Ruhe die diversen Footballgames live am TV verfolgen (gäll Kaufi) und mir einen gemütlichen Tag im warmen Zimmer machen. Zum Glück haben die Klimageräte auch ein Heizfunktion!!!

Heute ging es erst um 9 Uhr auf die Strasse. Es war mir vorher einfach zu kalt und im Bett war es sooo angenehm.

Da es im Motel nicht's gab, heute das Frühstüch an der Tankstelle.

Da es im Motel nicht’s gab, heute das Frühstück an der Tankstelle.

Eigentlich wäre die Sache ja einfach gewesen: Einfach ab Orange auf die Strasse 73 und über Port Arthur nach Winnie fahren. Das Navi hat mir aber im „Radfahrermodus“ einen Umweg angezeigt und Port Arthur umfahren. Vermutlich wegen der Brücke in Port Arthur, dachte ich mir und folgte der vorgeschlagenen Route. Aber schon nach wenigen Kilometern musste ich feststellen, dass die Route wohl für Mountenbikes ohne Gepäck gedacht war, denn sie wollte mich auf eine Kies-Lehmpiste lotsen. Also habe ich umgekehrt und bin auf dem Seitenstreifen der „73“ Richtung Port Arthur gefahren.

Port Arthur: Viele grosse Fabriken für da Öl- und Gasgeschäft der Gegend.

Port Arthur: Viele grosse Fabriken für das Öl- und Gasgeschäft der Gegend.

In „Bridge City“, ja sie haben den Namen nicht einfach so gewählt, kam ich zu einer ersten Brücke bei der der Seitenstreifen aufhörte zu existieren und die beiden Fahrspuren zusätzlich verengt waren. Es war klar, das hier nicht genug Platz für zwei Autos (oder gar ein Lastwagen) und ein Velo am Rand vorhanden war. Ich wartete eine Lücke ab, stieg kräftig in die Pedale und plazierte mich selbstbewusst in der Mitte der rechten Fahrspur, so dass sicher keiner auf den Gedanken kam, sich an mir vorbeizuquetschen. Die Pulsfrequenz stieg an und das war gut so, denn ich brauchte diese zusätzliche Energie um die Trittfrequenz möglichst hoch zu halten. Ich wollte die Brücke, die zum Glück nur etwa 300 Meter lang war, rasch hinter mich bringen. Geschafft, ein Stossgebet und Dank an die Schutzengel! Kurz darauf fuhr ich auf den Parkplatz eines Walmart und wollte mir die kommende, lange Brücke nochmals auf „google earth“ anschauen. Es sah nicht gut aus und eine junge Frau die an einem Verkaufsstand auf dem Parkplatz arbeitet bestätigte mir, „Da gibt es keinen Seitenstreifen, höchstens 10 cm.“ Als Aufmunterung fügte sie noch hinzu: „Ich habe jeweils schon mit dem Auto Angst auf dieser Brücke, denn die fahren da wie verrückt. Speedlimit 75 Miles“. (=120 km/h)
Das sah wirklich nicht gut aus, aber gab aber keinen anderen Weg. Also fuhr ich auf dem Parkplatz herum und als ich einen älteren Herrn zu seinem Pick-Up mit grosser Ladefläche gehen sah, sprach ich ihn an. „Fahren sie nach Port Arthur? Ich suche jemand der mich über die Brücke mitnimmt. Es ist wohl zu gefährlich an der Seite mit dem Velo zu fahren.“ „Nein“, antwortet er, „ich gehe nur zur Bank, aber es hat schon einen Seitenstreifen, man kann da sicher auch mit dem Velo fahren.“

Ich war hin und her gerissen, wem ich nun glauben sollte und beschloss die 2 km bis zur Brücke zu fahren. Dort angekommen stellte ich fest: Das ist nun definitiv zu gefährlich! Die Brücke ist lang, extrem steil, höchsten 40 cm Seitenstreifen und alle rasen wie verrückt darüber.
Also musste ich hier jemanden finden der mich mitnimmt. Ich stellte an den Strassenrand und hielt den Daumen in die Luft. Bei den vielen Pick-Up’s würde sich sicher jemand finden. Schon nach gut 5 Minuten hatte ich Erfolg. Ein junger Mann in einem alten Pick-Up fuhr rechts ran und fragte, „Willst du über die Brücke?“ „Ja, das ist mir zu gefährlich.“ „Ok, lad auf.“ sagte er trocken. Er war nicht sehr gesprächig aber immerhin konnte ich meine Sachen verladen. „Du musst auf die Ladefläche, der Beifahrersitz ist belegt.“ Kein Problem. Ich kauerte mich neben mein Pferdchen und schon ging die Fahrt los.

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Seht ihr links den kleinen weissen Seitenstreifen? Das passte nicht.! Also mussten das Pferdchen …

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… und ich auf die Ladefläche.

 

Er beschleunigte in einem Affentempo und raste über die Brücke, fuhr dort rechts ran und lies mich abladen. „Danke, du hast meinen Tag gerettet“ sagte ich zu ihm und schon war er weg. Ich jubelte innerlich es so doch geschafft zu haben und schaute nochmals auf die Brücke zurück.

Es war die richtige Entscheidung!

Es war die richtige Entscheidung!

Später lotste mich das Navi nochmals von der „73“ weg, da es aber immer Strassen mit mind. 3 Ziffern waren hoffte ich auf durchgehenden Teerbelag. So war es auch und ich wieder einmal auf einer Reise „über Land“.

Idylle am Strassenrand.

Idylle am Strassenrand.

In Fannette ass ich bei einem Asiaten dann eine prima Reisplatte mit Huhn, so das für den Rest der Fahrt wieder genug Energie vorhanden war. Im Motel das übliche Ritual: warme Dusche und Wäsche waschen, damit für morgen auch wieder eine Garnitur warme Ersatzkleider vorhanden ist, falls gegen Mittag mal trockene Kleider nötig werden. Wie gesagt: Eine Erkältung kann ich mir im Moment nicht leisten!

Tag 31: (13.11.14) Lake Charles – Orange (TX)

Distanz: 99 km / Gesamt: 2469 km / Fahrzeit: 5 Std. 29 Min. / Durchschnitt 18.01 km/h

Morgens 5, Nachmittags 4 Grad, morgen Regen, später bedeckt, ganzer Tag kräftiger, kalter Wind aus Norden (heute hatte ich alles, Gegen- Seiten und zum Schluss noch etwas Rückenwind)

Texas!!!

Nummer 5 ist der grösste!

Nummer 5 ist der Grösste!

Texas, auf diese Grenze habe ich mich lange gefreut. Schon in der Vorbereitung zur Tour war klar, das Texas für die Reise zu einem „Schlüsselstaat“ werden wird. Irgendwo in der Mitte und riesengross. Er wird mich die nächsten drei Wochen „beschäftigen“, denn es gilt je nach Routenwahl zwischen 1500 – 1700 Kilometer zurückzulegen bevor ich das nächste „Grenzfoto“ in New Mexiko machen kann.
Der heutige Tag war wettermässig wieder eher einer der Kategorie „darauf kann man verzichten“. Wenigstens war’s angekündigt und so konnte ich mich mental darauf einstellen. Trotzdem, wenn man sich dann am Morgen bei 5 Grad und Regen startklar macht, kann man sich schöneres vorstellen. Dazu der Wind der frontal auf mich zukam. Zum Glück war es verkehrsmässig ganz gut. In der Gegenrichtung stauten sich die Autos auf drei Spuren, aber in meine Richtung war nicht viel los. Auch heute wieder, danke Louisiana, gute Strassen und aufmerksame Autofahrer die hinter mir warteten bis Platz zum überholen war. Nach gut 10 Kilometern überholte mich ein Auto, fuhr rechts ran. Der Fahrer öffnete die Seitenscheibe und grüsste mich. Es war offenkundig, dass ich sein Interesse geweckt hatte. Also hielt ich neben ihm an und der rief entzückt herüber: „Mann, was für ein Fahrrad. So etwas habe ich noch nie gesehen. Fantastisch!“ Er stieg aus und wir plauderten etwas. Er wollte genau wissen woher, wohin und warum ich das mache. Warum ich nicht mit dem Auto fahre. Ich erklärte ihm, das ich das Glück hätte „Zeit“ zu haben und man mit dieser Reiseform das Land ganz anderes und intensiver erlebe. Er war so begeistert und sagte immer wieder „That’s great man!“ Als ich ihm anbot für ein Foto auf’s Velo zu sitzen hat er sich fast überschlagen vor Freude. Er machte auch von mir Fotos und ich glaube, er hat heute Abend zu Hause was zu erzählen.

a happy man

A happy man!

Mich freute seine Freude und ich sagte mir, auch wenn es ein „sch.. Wetter“ ist hat es sich gelohnt aufzustehen. Ich habe ihm mit meiner Vorbeifahrt eine Freude gemacht. Was will man mehr.
Dann ein kleines Frühstück bei „Wendys“, aber so richtig essen mochte ich nicht. Offenbar schlug mir das Wetter und die doch knapp 100 km lange Etappe etwas auf den Magen. Zum Glück hörte es bald auf zu Regnen und als ich die Regenhose ausziehen konnte, stieg die Motivation und langsam fand ich den Rhytmus.
Oft führte die Route durch lange gerade Waldschneisen, bei denen links und rechts verstreut immer wieder einzelne Häuser mit bellenden und manchmal jagenden Hunden auftauchten. Zum Glück liefen die zwei „Verfolgungsjagten“ die ich heute mit den Hunden „spielen“ musste problemlos ab. Der Pfefferspray war aber schon entsichert. Hier sehe ich keine kompakten Siedlungen wie wir es gewohnt sind sondern einfach hier und dort ein einsames Haus und dann lange NICHTS.

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So sieht die „Quartierstrasse“ aus.

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Das nächste Ziel sieht man schon lange im Voraus.

 

Es blüht wieder nach dem letzten Waldbrand.

Es blüht wieder nach dem letzten Waldbrand.

Idylle am Strassenrand.

Idylle am Strassenrand.

Die Leute müssen wohl einen guten Einkaufszettel schreiben, denn da gibt es keinen Laden um die Ecke und die Schulbusfahrten der Kinder dürften auch etwas länger dauern als bei uns. Bei Strassenkreuzungen dann oft eine kleine Ansammlung von Gebäuden: Tankstelle und Kirchen. Bei einer Baptistenkirche sah ich heute folgenden „Werbeslogan“: „Werde Organspender, spende dein Herz Jesus“. Ich bin definitiv im „Bibelgürtel“ der USA angekommen!

Wer kennt noch die "Gulf" Tankstellen die es früher auch bei uns gab?

Wer kennt noch die „Gulf“ Tankstellen die es früher auch bei uns gab?

Wegen der fehlenden Möglichkeit auf direktem Weg nach Orange zu fahren, musste ich Richtung Norden bis Deweyville ausweichen um eine Strasse zu finden, auf der ich mit dem Velo fahren durfte.
So überquerte ich um halb zwei den „Sabine River“ und somit die Staatsgrenze zu Texas.

Auf der Grenzbrücke musste ich mich dünn machen, als er hier vorbeidonnerte.

Auf der Grenzbrücke musste ich mich dünn machen, als der hier vorbei donnerte.

Was für eine Begrüssung: Der Seitenstreifen frisch geteert und sehr breit. Wenn das so weitergeht bin ich zufrieden mit Texas.

Mein Pferdchen und ich hatten einen grossen Streifen nur für uns :-)

Mein Pferdchen und ich hatten einen grossen Streifen nur für uns 🙂

Da gab mir nochmals richtig Kraft und ich beschloss das Mittagessen sausen zu lassen, den bald führte mein Weg Richtung Süden und das war bei dem Wind genau das Richtige. Zudem wollte ich nicht riskieren, nochmals in den Regen zu kommen. Also mit „Powerade“ etwas Energie nachschütten und kräftig in die Pedale treten. Mit manchmal über 25 km/h „flog“ ich meinem heutigen Ziel entgegen. Ich hatte am Morgen via Handy ein Motel in Orange gebucht. Also sah ich mich schon fast unter der warmen Dusche als ich dort vorfuhr. Das gleich gegenüber ein grosser Truckstop mit Restaurant war, machte die Sache für mich noch komfortabler, da sich die Verpflegungsbedürfnisse von Lastwagenfahrern und mir im Moment ziemlich gleichen. So musste ich für die Verpflegung nicht weit gehen.

Hier werden in 10 Reihen die Laster betankt.

Hier werden in 10 Reihen die Laster betankt.

Die Dame an der Rezeption erklärte mir dann, das meine Buchung für ein Einzelzimmer trotz Buchungsbestätigung die ich per Mail erhalten hatte, nicht geklappt habe. Sie seinen ausgebucht und das Internetportal hätte das „Überbucht“. In diesen Motels wohnen vor allem Arbeiter für ein paar Tage oder Wochen, bis siezum nächsten Auftrag weiterziehen. Sie bemühte sich eine Lösung zu finden und konnte mir ein Doppelzimmer anbieten. Dies war sogar noch günstiger als mein gebuchtes über’s Internet. Am Abend konnte ich nach einigen Telefonaten diese Buchung zum Glück wieder stornieren.
Die Dame an der Rezeption interessierte sich sehr für meine Reise. Sie fand es auch komisch, das ich zu Hause kein eigenes Auto hätte. Hier ist das unvorstellbar. Klar bei dieser Siedlungspolitik, wo alle verstreut leben. Wir plauderten noch etwas und sie war erstaunt, das man in der Schweiz nicht auch englisch sprach. Soviel zum Thema „Allgemeinbildung in den USA“. Immer wieder erschreckend!
Das Internet im Motel läuft auch nicht, so dass ich die wichtigen Recherchen bezüglich Wetter und Routenwahl nur eingeschränkt mit dem Handy machen kann. Den Blog sende ich aus dem „Deny’s“. Leider sieht es wettermässig noch einige Tage kalt aus und am Wochenende soll es Regnen.
Mal sehen wohin mich das führt.

Tag 30: (12.11.14) Lafayette – Lake Charles

Distanz: 122.7 km / Gesamt: 2370 km / Fahrzeit: 6 Std. 39 Min. / Durchschnitt 18.5 km/h

Morgens 7, Nachmittags 10 Grad, morgen Regen, später bedeckt, ganzer Tag kräftiger, kalter Wind aus Norden (meist Seitenwind)

Kälteeinbruch

Liebe Blogleser_innen ich habe es gewusst: Die NSA oder sonst ein Geheimdienst der USA liest diesen Blog mit. Ich habe mich ja gestern ziemlich über die Strassenzustände hier beschwert. Das muss jemand hier mitbekommen haben, denn heute war alles anders. Die müssen über Nacht die Strassen in Stand gestellt und gereinigt haben. Heute habe ich zum Thema Strassen, Sauberkeit und Belag aber auch rein gar nicht’s auszusetzen. Ich bin bis auf wenige Abschnitte den ganzen Tag auf feinstem, sauberen Teerbelag gefahren. War mal kein Seitenstreifen vorhanden, haben die Autos hinter mir gewartet, bis es auf der Gegenfahrbahn Platz zum Überholen gab. Kein Drängeln oder knappes Vorbeifahren wie gestern. Die Hunde welche mich anbellten waren entwender hinter einem Zaun, an einer Kette angebunden oder wussten wo die Grundstücksgrenze war und blieben auf ihrem Land. Es wäre fast schon idyllisch gewesen, wäre nicht der Wetterumsturz gekommen. Schon gestern Abend kündigten kalte Windböen an, das etwas im Gang ist und heute Morgen war der Herbst, oder eben fast schon Winter da. Den ganzen Tag kalter, starker Wind aus Norden. Die USA erleben in diesem Jahr einen extrem frühen Wintereinbruch. Im Norden des Landes liegt schon Schnee und das vier Wochen früher als normal. Genau diese kalte Luft h at nun leider auch den Weg zu uns nach Louisiana gefunden und machen mir das Fahren nicht wirklich einfacher. Dass dann heute kurz nach meiner Abfahrt auch noch Regen einsetzte hätte ich nicht wirklich gebraucht. Also Regenzeug hervorkramen, montieren und weiter. Jeder der in dieser Ausrüstung und bei solchen Temperaturen schon mal länger mit dem Rad unterwegs war weiss, was das bedeutet. Egal wie angeblich „atmungsaktiv“ deine Jacke auch ist, irgendwann ist die Körpertemperatur zu hoch und die produzierte Feuchtigkeit kann nicht mehr entweichen. Folglich setzt sich diese in deinen Kleidern fest und du wirst langsam von innen her nass. Dazu die Kälte und Wind und schon ist man weit davon entfernt zu sagen, dass man sich wohl fühlt.
Trotzdem musste ich weiter und war froh unter diesen Umständen wenigstens gute Strassen zu haben. Nach gut einer Stunde lies dann der Regen zum Glück nach. Ich begegnete einer Gruppe Fernradfahrern aus Montreal. Sie sind zu dritt und schon einige Monate unterwegs. Wir plauderten am nur kurz am Strassenrand, da wir alle fanden, wenn man herumsteht ist es noch viel kälter. Sie wollen weiter bis nach Südamerika.
Die Fahrt führte heute wieder an grossen Feldern und kleinen Ortschaften vorbei.

Auf dem Land sieht mal viele sehr einfache Häuser.

Auf dem Land sieht mal viele sehr einfache Häuser.

Ob die eine gute Heizung haben?

Ob die eine gute Heizung haben?

Das alte Haus von ...

Das alte Haus von …

Geerntet wird mit grossen Maschinen.

Geerntet wird mit grossen Maschinen.

Plötzlich tauchte eine Brücke auf. Ich dachte, das diese wie hier sonst üblich über eine Strasse oder Eisenbahnlinie führen würde. Oben angekommen sah ich, dass ein grosser Fluss darunter durchfloss und genau in diesem Moment kam ein Schubschiff angefahren. Die Eisenbahnbrücke, die viel niedriger parallel zu Strasse war, wurde kurzerhand weggedreht und dasRiesenschiff milimetergenau duch die Lücke. Beeindruckend wie das passte.

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Da blieb nicht viel Platz ….

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… für ein ziemlich grosses Schiff.

Am Flussufer

Am Flussufer

Ansonsten gibt es heute nicht wirklich viel Spannendes zu berichten. Kalte Velofahrten wollen einfach erledigt werden. So auch diese und ich war froh, bei Einbruch der Dunkelheit endlich das Motel erreicht zu haben und eine warme Dusche nehmen zu können. Mit meinem Plastiksack voll verschwitzter Wäsche suchte ich dann die in Motels übliche „Gästewaschmaschine“. Heute leider Fehlanzeige: „Nein, das haben wir nicht.“ sagte die Dame an der Rezeption. Also dann, Handwäsche gibt ja auch warm. Ich hoffe mal das alles bis Morgen trocken wird, denn die Sachen brauche ich sicher die nächsten paar Tage und wärmeres Wetter ist im Moment nicht in Sicht.

Für Morgen wollte ich mal eine entspannte 60 – 70 km Etappe planen. Aber auch das klappt nicht. Da hier in Lake Charles für Velofahrer kein Weg über den Fluss führt (nur Autobahnen und da darf ich nicht fahren) muss ich einen grösseren Umweg in Kauf nehmen. Also wieder ein hunderter vor mir. Ich hoffe mal der Wind und die Temperaturen werden nicht noch schlechter, aber die Vorhersagen stehen nicht gut. Naja, ich kann’s nicht ändern. Also dann, rasch ins Bett, gut schlafen und morgen möglichst fit wieder an den Start.

Tag 29: (11.11.14) Morgan City – Lafayette

Distanz: 128.5 km / Gesamt: 2247.3 km / Fahrzeit: 6 Std. 36 Min. / Durchschnitt 19.5 km/h

Morgens 21, Nachmittags 27 Grad, bedeckt, hohe Luftfeuchtigkeit, zum Teil kräftiger Seitenwind

Just a hard day!

Das war nun einer dieser Tage, wie sie auf einer solchen Tour eben auch vorkommen. Kurz: Es hat keinen Spass gemacht! Es war einfach nur harte Arbeit und ein dauernder Kampf. Ich wusste im Vorfeld, dass es auch solche Tage geben wird und ein Kollege hat mir geraten in solchen Momenten einfach zu denken, „auch das ist noch besser als im Büro“. Er lag falsch! Heute wäre es auch bei einem harten Tag im Büro definitiv entspannter gewesen. Der Grund lag vor allem in den katastrophalen Strassenverhältnissen auf der heutigen Etappe. Das es keine „Topetappe“ werden würde, war mir schon bei der Routenwahl klar, aber irgendwie musste ich einfach mal nach Norden kommen um ab Lafayette dann wieder Kurs Richtung Westen einschlagen zu können.
Den Start habe ich mir selber etwas vermasselt. Am Morgen habe ich den Wecker zwei mal abgestellt und schon war ich erst um 8 Uhr fahrbereit. Ich wollte möglichst auf dem Seitenstreifen des „Hwy 90“ fahren, was gestern ja mehrheitlich recht gut geklappt hat.

Heute war das anders. Schon die Fahrt aus „Morgan City“ hatte es in sich. Eine grosse Brücke, sehr schmaler und extrem verschmutzter Seitenstreifen mit viel Verkehr. Also habe ich alle verfügbaren Blinklichter eingeschaltet und bin kräftig in die Pedale getreten um den Abschnitt rasch hinter mich zu bringen. Immer in der Hoffnung, dass der Zustand der Verschmutzung abnimmt, fuhr ich weiter. Leider kam es noch schlimmer. Ich war mitten im „Kerngebiet“ derZuckerrohrernte unterwegs. Heute sah ich drei grosse Zuckerfabriken die beliefert werden müssen. Nein da ist nichts mit „Zuckerrohrzügen“ wie bei uns nach Frauenfeld.

 

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Vom Feld ….

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… über die Ernte …

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… bis zur Fabrik. Ich war heute mitten im „Zuckerrohrland“.

Hier wird alles auf Lastwagen geladen und diese rasen dann in einem „Affentempo“ zur Fabrik. Dass sie dabei einen Teil ihrer Ladung verlieren ist klar. Also sieht der Seitenstreifen in etwa so aus:

Zuerst nimmt man einen sehr rauen Teerbelag, gräbt viel Löcher bis zu 30 cm Tiefe hinein, lässt den Belag aufplatzen und die Risse durch Gras bewachsen, anschliessend werden zerstückelte Autoreifenteile in allen Grössen und möglichst mit viel Drahtgeflecht verteilt und grosszügig Glasscherben darüber gestreut. Nun fährt man mit einem Kieslaster mit halb offener Ladeklappe darüber und verteilt grossflächig Kies im Durchmesser von plus 1 cm und garniert das ganze mit 3 cm dicken Zuckerrohrstengeln. Schon hat man den Mix, der heute oft meine Unterlage war.

Das war nicht der schlimmste Teil!

Das war nicht der schlimmste Teil!

Jetzt ist der Moment gekommen der Firma „Schwalbe“ zu danken, dass sie mit ihrem Modell „Schwalbe Marathon plus“, den ich montiert habe, einen Reifen produzierte, der das alles ohne Platten überstanden hat. Ich habe es nicht zu träumen gewagt und die Reifen immer wieder abgesucht und den Reifendruck geprüft. Tadellos!
Markus von „Fateba“: Wenn je einer deiner Kunden auf diese Reise geht, lass ihn nicht ohne den „Marathon plus“ losfahren!

Ich wollte dieser Unterlage entkommen und suchte mir einen Weg auf einer Nebenstrasse. Schön ruhig und idyllisch, bis zur ersten Siedlung.

Diese Szene erinnerte mich etwas an "Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn"

Diese Szene erinnerte mich etwas an „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“.

Da wurde das Thema „wer ist schneller, Velofahrer oder Hund“ wieder topaktuell. Ich habe das Duell gewonnen und der Jäger gab nach etwa 300 Meter auf. Mein Puls erreichte aber eine Frequenz, die nicht über zu lange Zeit so gefahren werden kann, schliesslich bevorzuge ich die „fettverbrennungs Pulszone“, die ganze Reise soll ja auch noch einen Nebeneffekt haben.
Also wieder zurück auf die 90. Den Blick konzentriert immer etwa 30 – 40 Meter vor mir auf die Strasse gerichtet, um einen möglichst guten Weg durch all diesen Unrat zu finden. Wenn es keinen Ausweg gab, Blick in den Rückspiegel, kann ich auf die Fahrbahn ausweichen? Wenn nicht, Augen zu und durch. Ich habe gestern Nachmittag als es so richtig gut lief, der Tacho über 23 km anzeigte und die Musik im Kopfhörer im Takt mit der Trittfrequenz harmonierte einige Freudenschreie ausgestossen, um meinem guten Gefühl, diese Reise erleben zu dürfen, Luft zu machen. Auch heute habe ich oft geschrien, die Wörter fingen auch mit „F“ an, endeten aber nie mit „reude“.
Ich habe dies Strassenzustände wirklich verflucht. Der Hammer kam, als aus dem Seitenstreifen unvermittelt ein Kiesbett wurde. Für mich nicht mehr fahrbar. Die Fahrspuren mit dichtem Verkehr belegt, also umkehren und eine Stelle suchen, wo ich über’s Gras auf die Nebenstrasse kam.

Irgendwo hat der Seitenstreifen einfach aufgehört zu exisieren.

Irgendwo hat der Seitenstreifen einfach aufgehört zu exisieren.

Irgendwie, mit viel Kraftaufwand und mental durch die dauernd hohe Konzentration ziemlich erledigt, schaffte ich es um halb 5, froh ohne Panne durchgekommen zu sein, ins reservierte Motel.

Mit der netten Dame an der Anmeldung habe ich noch kurz über die Strassenzustände in Louisiana gesprochen. „Ja, ich weiss, schon die Autofahrspur ist schrecklich, aber erst der Nebenstreifen. Im Moment ist halt auch noch Zuckerrohrernte, dann ist es besonders schlimm. Aber das Schlimmste hast du nun wohl hinter dir.“
Ich hoffe das sie recht behält. Morgen nochmals ein langer Tag Louisiana. Es ist viel Wind und kühlere Temperatur angesagt. Ich offe trotzdem es bis „Lake Charles“ zu schaffen. Dann ist die Grenze zu Texas schon fast in Reichweite. Mal sehen wie sie dort ihre Strassen im Schuss halten.

Wenn auch kein "Haldengut, Lager, kallt aus der Zapfsäule im "Paddy's". Diese Bier hat heute besonders gut geschmeckt.

Wenn auch kein „Haldengut, Lager kalt“, aus der Zapfsäule im „Paddy’s“. Diese Bier hat heute besonders gut geschmeckt.

Fazit: Darauf kann man getrost verzichten!

Tag 28: (10.11.14) New Orleans – Morgan City

Distanz: 137.3 km / Gesamt: 2118.8 km / Fahrzeit: 6 Std. 55 Min. / Durchschnitt 19.87 km/h

Morgens 17, Nachmittags 25 Grad, Wind aus Nord (= teils Gegenwind, zum Teil böig).

Solofahrt

Heute war also mein erster Tag an dem ich alleine unterwegs war. Ich habe mir nach drei Ruhetagen ein weiteres Ziel gesetzt. Wenn alles klappt, wollte ich es bis „Morgan City“ schaffen.
Also war klar, das ich früh starten müsste. So war der Wecker auf 05.30 Uhr gestellt. Trotzdem schaffte ich es mit duschen, packen und alles klarmachen erst um 07.15 Uhr auf das Rad. Die Fahrt aus New Orleans sollte gemäss „Google Maps“ locker auf dem Damm am Mississippi starten. Leider war es schon nach 4 Kilometer mit dem super Teerbelag zu Ende und ein tiefer Kiesweg machte die Weiterfahrt mit einem schwer beladenen Tourenrad unmöglich.

Solostart auf dem noch gut geteerten "River Trail".

Solostart auf dem noch gut geteerten „River Trail“.

Abschied von New Orleans unter den beeindruckenden Brücken.

Abschied von New Orleans unter den beeindruckenden Brücken.

Also musste ich auf die lokalen Strassen ausweichen. Viel Verkehr und noch mehr Lastwagen machte die Fahrt nicht einfach. Nach einer Stunde standen erst 14 Kilometer auf dem Tacho. Ich begann zu zweifeln, ob ich es bis zum geplanten Ziel schaffen würde. Um 17.30 Uhr ist es hier schon richtig dunkel und dann sollte man definitiv am Ziel sein.
Ich suchte eine neue Route auf dem Handy und entschied mich rasch möglichst auf den „Hwy 90“ zu kommen und hoffte auf einen guten Seitenstreifen. Die Entscheidung hat sich zum Glück als richtig erwiesen. Fast den ganzen Tag fuhr ich heute wieder auf der „90 West“. Das ist genau die Richtung in die ich will. Der Seitenstreifen war von unterschiedlicher Qualität und oft musste ich mir im Zentimetebereich einen Weg durch all den Abfall, die Unebenheiten, Glasscherben etc. suchen. Es hat geklappt. Keinen platten Reifen heute!

Auf solchen Seitenstreifen ist es nicht immer einfach zügig und pannenfrei vorwärts zu kommen.

Auf solchen Seitenstreifen ist es nicht immer einfach zügig und pannenfrei vorwärts zu kommen.

Sicher gibt es idyllischer Strassen aber im Moment zählt für mich eher „Meilen machen“. Ein weiterer Vorteil auf diesen Strassen: NO DOGS!
Das macht das Fahren doch einigens entspannter, wenn man nicht dauernd von Hunden angebellt oder gar verfolgt wird.
So war heute mal Zeit die Kopfhörer zu montieren und etwas Musik zu hören. Es wurde ein „Swiss Day“. Von „Patent Ochsner“, „Züri West“, „Sina“ bis zu „Stefan Eicher“ haben mich alle auf der Reise begleitet und ich konnte laut und falsch mitsingen, den es war ja niemand da der hätte reklamieren können. Es war ein anderes Fahren ohne Barbara im Rückspiegel, aber daran werde ich mich in den nächsten Tagen gewöhnen.
Ich fuhr durch ein riesiges Gebiet mit grossen Zuckerrohrfeldern und Sümpfen.

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Die Strassen müssen hier kilometerlang auf Stelzen gebaut werden. Ich habe mal 16 km gemessen.

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Links und recht der Strasse viel Wasser.

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Oft erinnert es ein bischen an einen „Märchenwald“.

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Viele Brücken und oft war die Strasse kilometerlang auf „Stelzen“ gebaut.

Heute habe ich neben den leider üblichen toten Tieren am Strassenrand auch einige tote Eulen gesehen. Es macht einem auch nach mehr als 2000 km immer wieder traurig, wieviele Tiere hier dem Verkehr zum Opfer fallen. Zum Glück gibt es auch positive Erlebnisse. Ein süsser Waschbär am Strassenrand, der sich von meiner Vorbeifahrt nicht stören liess.
Ansonsten war es das was ich erwartet habe und wie es auch die nächsten Tage weitergehen wird. Meilen machen und eine gute Route zu finden steht für die nächsten Tage im Vordergrund.

Hier ein "Röhrenlager" in amerikanischen Dimensionen. Es gibt viel zu verlegen.

Hier ein „Röhrenlager“ in amerikanischen Dimensionen. Es gibt viel zu verlegen.

Im Moment plane ich so zwei, drei Tage voraus und beobachte das Wetter um zu sehen, was möglich ist. Zuviel Gegenwind kann die Pläne schnell unmöglich machen. Für Morgen ist Lafayette das Ziel. Es wird wieder mehrheitlich auf dem „Hwy 90“ nach Norden gehen. Leider ist kein Südwind in Sicht. Ok, dann muss ich mich auf dem Rad halt etwas mehr hinlegen und in die Pedale treten.
Apropos Unterkunft: War heute wieder keine Frage: 46 Fr. inkl. Pool zum Abkühlen und die Muskeln zu entspannen sowie WLAN für den Blog und ein Frühstück. Da bleibt das Zelt sauber verpackt in der Tasche.

Und die paar Kilometer die Barbara zu 2000er fehlten habe ich heute auch noch zurückgelegt. Also noch gut 3000 vor mir.

Tage 25 – 27: (07. – 09.11.14) Rückflug und Ruhetage in New Orlenas

keine Bikekilometer, der Mietwagen war im Einsatz 😉

Die letzten 3 Tage waren vor allem vom Thema „Abschiednehmen“ geprägt.

Wir hätten beide nicht gedacht, dass uns die Trennung hier so schwer fallen würde. Wir konnten in den letzten vier Wochen, in einer für uns neune Situation, wieder einmal so viele Erlebnisse auf unserem gemeinsamen Lebensweg machen, wie wir es uns in der Hektik des Alltags zu Hause nicht vorstellen konnten. Es waren vier Wochen gemeinsames Abtauchen in eine neue Erfahrungswelt. Alles um uns hat sich auf simple Sachen reduziert. Gute Routenwahl, oder wenn es mal nicht so optimal war, sich damit abzufinden. Auf den Körper achten, die Belastungen richtig einteilen. Verpflegung, wenn sie auch nicht immer unseren Wünschen entsprach. Das Wetter, der Wind. Dabei aufeinander acht geben, rücksichtnehmen, sich unterstützen.
Wir durften einmal mehr erleben, dass wir uns auch in solchen Situationen gegenseitig gut unterstützen und gemeinsam ein Ziel verfolgen können. Dafür sind wir sehr dankbar.
Umso schwerer war es dann zu akzeptieren, dass Barbara hier an diesem Punkt die Reise beenden muss. Sie wäre bereit und sicher bestens in der Lage gewesen, diese bis nach San Diego weiter zu führen, aber beruflich war das nicht möglich.
So haben wir uns ein Mietwagen genommen um die nötigen Sachen zu besorgen, damit Barbara’s „Pferdchen“ möglichst ohne Transportschaden zurück nach Hause kommt.

Barbara's Pferdchen wird für die Reise gut verpackt.

Barbara’s Pferdchen wird für die Reise gut verpackt.

Bereits unser erster Versuch bei einem Veloladen einen stabilen Transportkarton zu bekommen war erfolgreich. Dort konnte ich mir gleich noch Ersatzschläuche und einen Blinker, der auf dem Helm montiert wird, besorgen. Denn die Reise geht ja noch weit und ich will von den Autofahrern möglichst früh gesehen werden.
Am Freitagabend gingen wir dann noch gemeinsam in’s French Quarter, an die berühmte Burbon Street.

Canal Street in New Orleans.

Canal Street in New Orleans.

Naja, wer den Trubel und viele angeheiterte Partygänger mag, dem dürfte es gefallen. Wir haben dann etwas abseits in einem ruhigeren Lokal noch die kulinarischen Spezialitäten der kreolischen Küche genossen. Eine Band spielt guten, traditionellen Jazz. Doch so ganz unbeschwert geniessen, das schafften wir dann doch nicht.

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Burbon Street. Wer’s mag. Es gibt aber gemütlichere Plätze in New Orleans.

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Letzter gemeinsamer Abend auf der Reise. Wir waren nicht wirklich „entspannt“.

Nachdem wir uns am Flughafen verabschiedet hatten und ich allein ins Motel zurückgekehrt war, konnte ich mich endlich wieder dem Blogschreiben widmen. Eine gute Ablenkung.
Am Sonntag dann ein Moment auf den ich mich schon lange gefreut hatte. Ich konnte ein Footballspiel der „New Orleans Saints“ gegen die „San Francisco 49er“ im Superdom besuchen.

Vor dem Station.

Vor dem Station.

Das Station und die Atmosphäre waren wirklich beeindruckend. Hühnerhaut!

Ich habe mich in den "Saints Farben" schwarz-gold ins Stadion begeben. (na Max, zufrieden?)

Ich habe mich in den „Saints Farben“ schwarz-gold ins Stadion begeben. (na Max, zufrieden?)

Mit gut 70 000 anderen Fans in einer beeindruckenden Halle. Obwohl so viele Leute dort waren lief alles sehr gesittet ab, kein Schieben und Drücken, breite Wege und alles bestens organisiert. Dazu eine Fankultur wie ich sie mir bei uns auch wünsche. Alle stehen für ihr Team ein, aber die „gegnerischen Fans“ werden mit Respekt und freundschaftlich behandelt. Keine Hooligans, keine Situation wo man sich unwohl fühlte. Einfach Spass am Sport und dem gemeinsamen Erlebnis. Viel Patriotismus, der uns etwas fremd ist, aber dieser Spieltag stand unter dem Motto „Danke an all unsere Militärs, die mit ihrem Einsatz die Freiheit der USA und der Welt verteidigen.“ So sieht man das hier und da ist die Wahrnehmung und der Stellenwert der Militärs nicht mit derjenigen in Europa zu vergleichen.

Salute to the military

Salute to the military

Das Spiel verloren die lokalen „New Orleans Saints“ dann in der Nachspielzeit.

Dieser Spielzug brachte die "Saints" in die Nachspielzeit.

Dieser Spielzug brachte die „Saints“ in die Nachspielzeit.

Zum Glück gab es einige Punkte, da ein Sponsor, ich vermute mal er wäre gerne selber im Stadion gewesen, nicht die Meilen, sondern das Resultat diese Spiels als „Einsatz“ bekannt gab. So sind von diesem nun knapp 90 US Dollar fällig :-)) Heute also mal „Punkte für KOKOU“.
Auf dem Rückweg genoss ich noch einmal die Fahrt über den Mississippi und bestaunte die verschieden grossen Schiffe auf dem Fluss. Vor allem die „Schubverbände“ sind beeindruckend. Da werden bis zu 8 motorlose Lastbarken „zusammengebunden“ und von einem Schubschiff wird dann das „Paket“ auf dem Fluss manövriert.

Schubverband unterwegs flussabwärts.

Schubverband unterwegs flussabwärts. (das kleine weisse Schiff schiebt alle Barken)

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Auch grosse Kreuzfahrtschiffe fahren bis New Orleans.

Morgen geht es nun endlich wieder auf’s Rad. Ich bin froh, den es kribbelt in den Oberschenkeln und es ist immer noch ein langer Weg bis an den Pazifik.

Tag 24: (06.11.14) Bay St. Louis – New Orleans

Distanz: 122.5 km / Gesamt: 1981,5 km / Fahrzeit: 7 Std. 32 Min. / Durchschnitt 16.29 km/h

Morgens 22, Nachmittags 28 Grad, Wind aus Nord – Osten, zum Teil böig. hohe Luftfeuchtigkeit

New Orleans erreicht!

Heute stand also noch Barbara’s Abschlussetappe auf dem Programm. Das diese dann nochmals alle Register zog, hätten wir am Morgen noch nicht gedacht. Gut gelaunt machten wir uns schon um halb acht auf die Räder. Da wir knapp 100 km vor uns hatten, mussten wir rechtzeitig losfahren. Im Moment wird es hier so um halb sechs Uhr dunkel, und dann wollten wir nicht noch in New Orleans unterwegs sein. Wir wussten das die Fahrt in die Stadt nicht ganz so einfach sein würde.
Zudem war klar, das diese Etappe in Sachen Verpflegung so geplant werden muss, wie eine Wanderung in den „bündner Alpen“. Man muss immer davon ausgehen, das die Restaurants und Läden geschlossen haben oder weit und breit keine vorhanden sind und man so alles für den Tagesbedarf dabei haben muss.

Zum Mittagessen einen "Dreigänger": Sandwich mit Huhn, Thon und Schinken "Kunststoffkäse"

Zum Mittagessen ein „Dreigänger“: Ein Sandwich mit Huhn, eines mit Thon und eines mit Schinken „Kunststoffkäse“

Wir fuhren dem Strand entlang los und hielten uns an die aus anderen Blog’s bekommen Tipps.
In dieser Gegend wird einem immer wieder bewusst, dass die Menschen hier dauernd mit der Gefahr eines Hurrikans rechnen müssen. Trotzdem wundern wir uns über die teilweise leichten Holzkonstruktionen, mit denen hier den Kräften der Natur getrotzt werden soll.

Schaut nicht wirklich hurrikansicher aus.

Schaut nicht wirklich hurrikansicher aus.

Ob dieses Bauform dem  nächsten Wirbelsturm tretzten kann?

Ob diese Bauform dem nächsten Wirbelsturm wiederstehen kann?

Auf ruhigen Nebenstrassen durchquerten wir so eine weite Sumpflandschaft. An der Strasse fast immer ein Wasserlauf, Hecken, Wald und zwischendrin Wassertümpel. Einmal konnte ich gerade einer Schildkröte zuschauen, die sich im Gras sonnte und bei unserem Näherkommen rasch im Wasser untertauchte.

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Mississippi und Louisiana sind hier von vielen Flüssen und Sümpfen durchzogen…

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Viele Häuser stehen einsam in einer kleinen Lichtung hinter Bäumen. Die nächsten Nachbarn sind meist ausser Sichtweite. Die Häuser selber sehen oft sehr einfach aus. Wenn ich mir vorstelle, wie man sich in einer dunklen Nacht an einem so abgelegenen Ort fühlen muss, kann ich mir plötzlich vorstellen, dass auch ich gerne eine geladene „Winchester“ an der Wand hätte. Auf jeden Fall wäre diese „ländlich, ruhige Wohnlage“ nichts für mich.
Ansonsten verlief die Fahrt recht ereignislos und die Kilometer bis zur Grenze nach Louisiana, irgendwo im Niemandsland nach einer Brücke,  konnten wir recht zügig hinter uns bringen.

Tatsächlich, wir stehen an der Grenze zu Louisiana!

Tatsächlich, wir stehen an der Grenze zu Louisiana!

Bereits um 12.15 Uhr hatten wir 60 km geschafft. Noch 40 bis ins Ziel, da würden wir noch vor 4 Uhr im Motel eintreffen.

Das ländliche Gebiet liegt hinter uns.

Das ländliche Gebiet liegt hinter uns.

Es sollte anders kommen. Je näher wir New Orleans kamen, desto öfter schaute ich auf’s Navi. Wir wollten einfach einen guten und sicheren Weg in diese Stadt finden, von der viele Blogschreiber raten, man soll sie velomässig am besten „links liegen lassen“. Wir haben es nicht getan, unter anderem auch weil Barbara ab hier am Samstag nach Hause fliegt. Nach der heutigen Erfahrung können wir dem Rat aber nur zustimmen: Lasst die Finger von New Orleans, wenn ihr mit dem Velo unterwegs seid!
Es würde zu weit führen alles im Detail zu erklären, nur soviel: Wir haben uns sowohl in Sachen Strassenbelag als auch in puncto Fahrzeuge oft an jenen  Teil unserer Hochzeitsreise zurückgesetzt gefühlt, als wir im rauen Belutschistan (Pakistan) unterwegs waren. Schlaglöcher, aufgerissene Strassen, kilometerlange Abfalldeponien usw. Sicher, vieles sind noch immer Zeugnisse aus der Zeit der Zerstörung durch den Hurrikan Kathrina im Jahr 2005, trotzdem haben uns diese Strassenverhältnisse und die wenigen Zugänge zur Stadt zu schaffen gemacht. Wir haben uns versucht mit dem Navi den besten Weg zur Unterkunft zu suchen, leider zeigt aber auch „Google Earth“ manchmal nur die halbe Wahrheit. So mussten wir zum Beispiel einmal umkehren, weil die Brücke über die wir fahren sollten, für Velos schlicht zu gefährlich war und schon waren wieder 15 Zusatzkilometer auf dem Tacho.

So etwas war uns schlicht zu gefährlich. Also wieder umkehren. (es gibt wieder Zusatzmeilen für Kokou, wenigstens das.)

So etwas war uns zu gefährlich. Also wieder umkehren. (Das gibt wenigstens Zusatzmeilen für Kokou)

Irgendwie, nachdem wir die Räder bei gewissen Brücken auch geschoben haben, haben wir es dann zur Fähranlegestelle am Mississippi bei der Canal Street geschafft. Unser Motel liegt auf der anderen Seite des Flusses in Algiers und wir müssen vom „French Quarter“ mit einer alten, engen und nicht „liegeradtauglichern“ Fähre übersetzen.
Wir waren , von der langen Fahrt, dem vielen Verkehr und den Umwegen nach mehr als 7 Stunden auf dem Rad, schon ziemlich müde. Da treffen wir zum ersten mal auf wenig hilfsbereite und eher mürrische Amis, die für die Fähre arbeiten. „Nein ihr könnt die Räder hier nicht einladen, sondern müssten um das Gebäude und die Rampe nehmen.“ Also alles wieder zurück, die beladenen Räder wieder Treppen hinunter tragen und den Weg zur Rampe suchen. Bis wir das geschafft hatten, legte die Fähre gerade ab. Also noch einmal 30 Minuten warten. Wir waren schlicht sauer und konnten nicht verstehen, warum wir nicht den anderen Zugang nehmen konnten. Aber so sind die Angestellten nun mal gedrillt und dann gibt es keine Ausnahmen. Punkt!

Schade, nach so vielen freundlichen und hilfsbereiten Begegnungen setzte die Fährcrew auf Barbara’s letzten Metern einen negativen Schlusspunkt. Es war bereits dunkel als wir uns den Weg durch die nur sehr spärlich beleuchteten Strassen zum Motel suchten und dieses müde, aber glücklich es doch gesund geschafft zu haben, erreichten. Zum Glück konnte ich in der Nähe noch etwas zu essen auftreiben, denn heute haben wir mangels Möglichkeiten und später wegen Zeitdruck sehr spartanisch gelebt.
Morgen heisst es dann, Barbara’s Rückflug vorzubereiten, zu packen und das Velo flugbereit zu machen. Aber vorher einfach noch etwas ausruhen, nach einer letzten, gemeinsamen Etappe!
Nach 1981.5 km in 21 Fahrtagen haben wir per Rad das Motel in New Orleans, das bereits vor Monaten gebucht wurde, punktgenau und gesund erreicht. Ehrlich, ich hatte meine Zweifel ob das mit dem Startpunkt Key West bis New Orleans in dieser Zeit und ohne Radtourenerfahrung wirklich klappt.
Barbara, du hast mich mächtig überrascht. DANKE das du mich auf diesem Weg begleitet hast!!! Ich werde dich im Rückspiegel vermissen!!!

Tag 23: (05.11.14) Biloxi – Bay St. Louis

Distanz: 57 km / Gesamt: 1859 km / Fahrzeit: 3 Std. 57 Min. / Durchschnitt 14.46 km/h

Morgens 25, Nachmittags 28 Grad, leichter Wind aus Osten, hohe Luftfeuchtigkeit, ganzer Tag bedeckt

ride the bordwalk

Das war's heute auch fast schon. Immer dem Strand entlang.

Das war’s heute auch fast schon. Immer dem Strand entlang.

Wie ihr schon an den Fakten oben gesehen habt, war heute ein lockerer Tag. Nicht wirklich viel Distanz, nicht wirklich schnell, nicht sonderlich aufregend. Genauso war’s. Wir haben uns nach dem gestrigen gemütlichen Abend zum Starten etwas Zeit gelassen. In Ruhe aufstehen, alles bereit machen, mit Anja telefonieren, etc.

Start im Casino Parkhaus.

Start im Casino Parkhaus.

Die Routentipps auf dem Blog „Cracyguyonabike“, auf dem ich schon viele Infos bekommen habe, haben dringend davon abgeraten, ab Biloxi auf dem Hyw 90 zu fahren. Zu viel Verkehr, kein Platz an der Seite und durchgehend ein hoher Randstein, der für Velofahrer jeden Fluchtversuch vor aggressiven oder unaufmerksamen Autofahrern verhindert. Wir haben den Rat befolgt und uns auf dem Fussgängerweg ganz dem Strand entlang Richtung „Bay St. Louis“ auf den Weg gemacht.

Wie auf der Skipiste. Die "Pistenfahrzeuge" im Einsatz.

Wie auf der Skipiste. Die „Pistenfahrzeuge“ im Einsatz.

Im Blog war noch von vielen Löchern und schiefen Betonplatten auf dem „Bordwalk“ die Rede. Wir haben aber heute fast durchgehend einen tadellosen Belag vorgefunden. Es geht halt mal immer etwas rauf und runter und schlängelt sich um jedes Hindernis, aber mehrheitlich war er so breit, dass wir heute gemütlich nebeneinander herfahren konnten. Barbara bemerkte so gegen Mittag, dass sie nun während der Fahrt gerne ein Nickerchen machen würde, es sei gerade so entspannt. Naja, wie entspannt das Fahren auf dem Lieger ist, wenn die Fahrerin schläft wollten wir nicht testen und machten einen „Powernap-Stop“ am Jachthafen von Gulfport.

Am Hafen von Gulfport.

Am Hafen von Gulfport.

Danach weiter dem weissen Strand entlang. Wir sind heute tatsächlich unglaubliche 44 Kilometer auf dem Trottoir einen weissen Sandstrand entlang geradelt. Der Strand fast durchgehend menschenleer. Ab und zu Vögel und ganz vereinzelt Menschan am Wasser.

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Auch sie nahmen es heute gelassen.

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Noch einer, nur für Robyn.

Wir hatten sogar Zeit um uns für ein Foto langsam anzuschleichen.

Wir hatten sogar Zeit um uns für ein Foto langsam anzuschleichen.

Diese Fahrt entspricht einer Strecke die etwas länger ist als von Winterthur nach Weinfelden, immer einen weissen Strand neben sich, immer auf dem Trottoir. Könnt ihr euch das wirklich vorstellen?
Als Abschluss noch die wunderschöne Brücke über die „Bay St. Louis“ mit guten Radweg und sehr moderater Steigung. Also so wie gewünscht.

Die elegant geschwungene Brücke über die "Bay St. Louis".

Die elegant geschwungene Brücke über die „Bay St. Louis“.

Parallel dazu verläuft die Eisenbahnbrücke und für ein Foto haben sie sogar einen Zug darüber fahrenlassen.

Parallel dazu verläuft die Eisenbahnbrücke und für ein Foto haben sie sogar einen Zug darüber fahren lassen.

Wir haben diesen lockeren Tag genossen und uns mental schon mal auf Barbara’s morgige Schlussetappe eingestellt. Es stehen uns nochmals knapp 100 gemeinsame Kilometer bevor, aber näher an New Orleans haben wir auf unserer geplanten Route kein Motel mehr gefunden. Also sind wir hier in den Startlöchern um Morgen früh loszufahren damit wir New Orleans möglichst vor dem Abendverkehr erreichen.

Wir genossen diese gemeinsame Fahrt. Bald geht's alleine weiter.

Wir genossen diese gemeinsame Fahrt. Bald geht’s alleine weiter.

Wie gesagt, von einer Fahrt auf dem Trottoir einem weissen Stand entlang gibt es nicht wirklich aufregendes zu berichten. Deshalb mache ich auch schon Schluss.

Fazit: Wir fühlten uns wie Strandtouristen an der Adria, die mit dem Mietvelo von „Giovanni“ etwas der Beach entlang „cruisen“. Mit einer Langstreckenfahrt hatte das heute nichts zu tun!

Tag 22: (04.11.14) Dauphine Island – Biloxi

Distanz: 105.2 km / Gesamt: 1802 km / Fahrzeit: 5 Std. 47 Min. / Durchschnitt 18.1 km/h

Morgens 16, Nachmittags 25 Grad, Wind aus allen Richtungen, nicht stark

Let’s play

Zuerst ein Nachtrag zu Gestern:
Wir haben heute mit Schrecken festgestellt, dass wir euch gestern ja die 1000. Meile unterschlagen haben! Also etwa ein Drittel der Reise nach San Diego ist geschafft! Wir haben es selber nicht bemerkt und erst heute erkannt, dass wir kurz vor der Grenze zu Alabama bei Km 1609.34 die 1000 Meilenmarke erreicht haben. Also liebe Sponsoren, pro zugesagtem Rappen wären das jetzt genau 10 Franken die ihr schon mal auf die Seite legen könnt 🙂

Heute ist „Spieltag“. Wir haben wiederum über 100 km in die Pedalen getreten, nur um uns hier in Biloxi, einem Ort in dem Spielcasinos in den USA erlaubt sind,  in einem solchen zu vergnügen und eine richtig harte Runde Poker zu spielen!
Nein, natürlich nicht! Wer uns kennt weiss, dass wir Realisten genug sind zu wissen, das wir mit unseren bescheidenen Spielerfähigkeiten hier nur verlieren würden. Eine ganz andere, pragmatische Überlegung hat uns heute ins „Harrah’s“ nach Biloxi geführt. In Casinohotels kann man in den USA bekanntlich gut und günstig übernachten, da die Casinos hoffen, die Gäste dann beim Spieltisch abzocken zu können. Wer hier übernachtet und nicht spielt hat fast immer gewonnen. Wir zogen heute sogar noch den Jackpot, doch dazu später.

Wir hatten eine ruhige und erholsame Nacht im „Gulf Breeze Motel“ in Dauphine Island, so dass wir am Morgen bereits recht früh fit waren und um 07.20 Uhr mit frische geölten Ketten in den neuen Tag gestartet sind.

Ein Bootshaus. (typisch Amerika: Hauptsache die Fasade stimmt)

Bootshäuser in Dauphine Island. (typisch Amerika: Hauptsache die Fasade stimmt)

Bereits bei der ersten Brücke die kurz nach dem Start zu passieren war, wurden unsere Muskeln und Herzfrequenz auf „Betriebstemperatur“ gebracht. Das war gut so, denn wir hatten am Morgen noch etwas Gegenwind und gut 100 km vor uns. Da sollte man rasch in die Gänge kommen.

Unsere heutige Aufwärmrunde.

Unsere heutige Aufwärmrunde.

Die drei warten an der Brücke.

Die Drei warten an der Brücke. Die Pelikane segelten neben der Brücke nur etwa 5 Meter an uns vorbei.

Ich hatte in den diversen Radfaherblog’s immer wieder von fiesen „Hundeattacken“ vor allem in den Südstaaten gelesen. Alabama gehört dazu und ist seinem Ruf gerecht geworden. Heute haben wir bereits einige Situationen erlebt, in denen die Hunde, oft zu zweit, bellend auf uns zugerannt kamen. Ja wir sind keine Hundeflüsterer und stehen sowieso eher auf Katzen, aber das kümmert die Hunde gar nicht. Trotzdem haben wir uns auf diese Situation vorbereitet:

Phase 1: Hund laut anrufen: „Stopp!“  „go home!“
(Mit Vorteil in der Landessprache rufen, vielleicht versteht er das ja)

Phase 2: Sollten die Hunde nicht reagieren und den Angriff fortsetzen kommen unsere „Waffen“ zum Einsatz.
Seit beginn der Reise hängt an unseren Bremshebeln immer griffbereit ein Pfefferspray. Dieser würde die Hunde hoffentlich im letzten Moment noch abschrecken. So jedenfalls wird es empfohlen und diverse Radler schreiben häufige über so erfolgreich abgewehrte Attacken. Wichtig: Immer Reserve dabei haben, denn schon nach der nächsten Kurve lauert vielleicht ein neuer Angreifer und wenn dann dein Spray leer ist ….
Wir haben uns das zu Herzen genommen und sind auch mit Reserve ausgerüstet. Man kauft den Pfefferspray übrigens am einfachsten in einem grossen Sportgeschäft in der Abteilung „Outdoor“.
Heute mussten wir den Spray nicht einsetzen, da unsere Kommandos offenbar überzeugend waren. Einmal haben sich mir zwei recht grosse Hunde, ohne zu bellen von schräg hinten genähert. Zum Glück hat sie Barbara, die hinter mir fuhr, gesehen und konnte mich warnen. Ein lautes „STOP“ zeigte seine Wirkung und sie blieben stehen. Wir waren erleichtert, denn mit den beiden hätte es ungemütlich werden können. Sorry, davon gibt es leider keine Fotos, irgendwie kamen wir nicht dazu 😉

Dafür ein ruhiges Landschaftsbild aus der Gegend der bellenden Hunde.

Dafür ein ruhiges Landschaftsbild aus der Gegend der bellenden Hunde.

Schon um 11 Uhr waren wir an der Staatsgrenze zu Mississippi. Also anhalten und Beweisfoto machen.

Das ging aber schnell. Alabama's Südgrenze in 24 Std. durchradelt.

Das ging aber schnell.
Alabama’s Südgrenze in 24 Std. durchradelt.

Dann weiter auf Hyw 90 Richtung Pascagoula. Der Seitenstreifen war grauenvoll. Überall aufgerissen, wellig und es fuhr sich wie auf einer Testpiste für Stossdämpfer. Wir entdeckten zum Glück eine Parallelstarsse und suchten uns auf dieser den Weg bis zur Brücke über den Pascagoula River.

Heute mal Bilder die zeigen, dass auch hier nicht alle in Palästen wohnen.

Heute mal Bilder die zeigen, dass auch hier nicht alle in Palästen wohnen.

Aber auch bei einfachen Häusern hat das Auto seinen Platz.

Aber auch bei einfachen Häusern hat das Auto seinen Platz.

Auf den Nebenstrassen ist ein Grossteil der Häuser einfach.

Auf den Nebenstrassen ist ein Grossteil der Häuser oft klein und „zusammengeflickt“.

Bei unserem Mittagsrast in einem grossen „Buffet Restaurant“, das gut besetzt war, waren wir wieder einmal die Attraktion. „Was, ihr seit von Key West bis hier mit dem Fahrrad gefahren?“ Ungläubig schaute uns der Besitzer an und erzählte das er diese Strecke bis Miami letztes Jahr mit dem Auto gefahren sei, da er eine Kreuzfahrt machte. Das sei wirklich weit und er hätte einige hundert Dollar alleine für Benzin gebraucht. „Ja das haben wir auch“, sagte ich, „an Plätzen wie diesen. Das sind unsere Tankstellen“. Er bedankte sich noch das wir bei ihm gegessen haben und zum Abschied kamen noch zwei Mitarbeiterinnen vor die Tür um uns eine sichere Reise zu wünschen.

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Die Fischerei ist in der Gegend ein wichtiger Erwerbszweig.

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Achtung: jetzt Lücke im Verkehr abwarten, Anlauf nehmen und links halten, schliesslich müssen wir nach Biloxi und dahin geht es nur auf den beiden linken Spuren!

Nach der Brücke wurde der Hyw 90 richtig gut fahrbar. Feiner Teerbelag und genügend Platz auf der Seite machten das Fahren zum Vergnügen. Wir lehnten uns in den Sitzen zurück und nahmen die Sonnebrillen ab, um mit einer intensiven Phase „Kampfsünnelä“ den weissen Ringen in unseren Gesichtern etwas die „Bläse“ zu nehmen. Unser aktueller Look „Model Waschbär“ gefällt uns nämlich nicht so recht.
Kurz vor dem Ziel dann noch die Anfahrt zur „Biloxi Bay Bridge“. Auch dies hat dank guter Recherche  in anderen Radlerblogs prima geklappt. Man kann die Brücke per Rad in Fahrtrichtung „Ost – West“ nämlich nur auf der linken Seite befahren. Da die Strasse in der Mitte mit einer Betonmauer getrennt ist, muss man schon einige Strassen vorher nach links in die Seitenstrassen von „Ocean Springs“ abbiegen und die Brücke dann von dort aus anfahren. Dies hat uns wiedereinmal durch unerwartet schöne Strassen geführt.

Strasse in Ocean City

Strasse in Ocean City

Ein Bestattungsunternehmen. Wohl für gehobenere Ansprüche.

Ein Bestattungsunternehmen. Wohl für gehobenere Ansprüche.

Die Brücke selbst: 1A! Genauso müssen Brücken gebaut sein. Ein sicherer, breiter und sauberer Weg für Fussgänger und Velofahrer. Die alte Brücke wurde beim Wirbelsturm „Kathrina“ zerstört und so haben wir nun das Vergnügen auf dieser neuen Brücke nach Biloxi zu fahren.

 

So sollte es immer sein.

So sollte es immer sein.

Beim Hotel stellte sich die Frage: Wo ist die Rezeption? Es schien nur einen Eingang via das Parkhaus zu geben. Also sind wir mit den Rädern mal da reingefahren. Zum Glück kam uns ein Mitarbeiter des technischen Dienstes auf seinem kleinen Fahrzeug entgegen. Wir fragten ihn, wie wir denn zur Anmeldung kommen. Er schaute uns an, fand die Velos sehr speziell und bat uns ihm zu folgen. „Ich fahre euch voraus.“ Er führte uns durch das Parkhaus direkt vor die Anmeldung. Danke, das hätten wir so nie gefunden, denn die Autorampe war uns zu steil. Nach der Anmeldung schoben wir wie üblich die Velos Richtung Lift. Da plötzlich kam die ältere Dame die mir die Zimmerkarte ausgestellt hatte ziemlich aufgeregt auf uns zu: „Ihr könnt die Räder nicht auf’s Zimmer nehmen! Ihr müsst die draussen im Parkhaus abgeben.“ Ok, dass hat uns ja niemand gesagt. Da mischte sich schon ein zufällig vorhergehender Gast ein. „Das ist doch kein Problem. Wieso sollen die Räder nicht auf’s Zimmer?“ „Nein das geht nicht!“ sagte die Dame nochmals in bestimmten Ton. Wir wollten uns nicht auf eine Diskussion einlassen und drehten die Räder Richtung Parkhaus als ein Mann in schwarzem T-Shirt auf uns zu: „Kein Problem, ihr könnt mit den Rädern auf’s Zimmer.“ sagte er. Ich erklärte ihm, die Dame sei dagegen. „Nein, wirklich, wir erledigen das.“ entgegnete er, „Darf ich ihnen helfen“. Nun dämmerte mir, das er und der Herr neben ihm, der schon etwas in sein Funkgerät sagte, wohl zur Security des Hotels gehörten. Also wieder umgedreht und zurück zum Lift. Der Herr war behilflich beim platzieren der Räder , entschuldigte sich nochmals und gab Barbara zwei Karten für ein Gratisessen am Buffet.

Entschuldigung angenommen ;-)

Entschuldigung angenommen 😉

Also wenn sich diese Nacht für uns nicht lohnt: Hotelpreis: 36.95 Fr. für beide, dazu gesponsortes Abendbuffet inkl. gratis Wein und Bier.!
Nach dem guten Essen führte der Weg zurück zum Hotelzimmerf natürlich wie in solchen Häusern üblich durch das Spielcasino mit unzähligen blinkenden und klingelnden Automaten. Wenn wir schon so günstig schlafen und gratis essen können, so können wir doch mal 10 Dollar in die Maschine schieben. Also spielten wir mit 40 Cent Einsätzen eine Weile und plötzlich begann die Kiste zu Blinken und spuckte doch tatsächlich 55 Dollar aus. Abzüglich Einsatz war nun auch das Hotelzimmer bezahlt. Wir wollten das Glück nicht noch mehr strapazieren und lösten den Gewinn ein.

So sehen entspannte Radler aus, die es sich gut gehen lassen. ... und das alles umsonst!

So sehen entspannte Radler aus, die es sich gut gehen lassen. … und das alles umsonst!

Fazit: Wir „spielten“ heute mit Hunden, Rezeptionistinnen und Spielautomaten und haben immer gewonnen! Nur das Buffet hätte uns fast geschlagen! (Zum Glück können wir das Morgen wieder abstrampeln.)

Tag 21: (03.11.14) Pensacola – Dauphine Island

Distanz: 112.15 km / Gesamt: 1696.8 km / Fahrzeit: 5 Std. 49 Min. / Durchschnitt 19.27 km/h

Morgens 12, Nachmittags 25 Grad, Rückenwind 🙂

sweet home Alabama!

Nach 16 km Florida haben wir die erste Staatengrenze verdient!

Nach 1615 km quer durch Florida haben wir die erste Staatengrenze verdient!

Ja heute war es soweit: Wir haben Florida durchquert und nach gut 1615 Kilometer die Grenze zu Alabama erreicht! Zum Glück sind die kommenden Durchquerungen der Bundesstaaten, mit Ausnahme von Texas,  nicht mehr so lange. Nach einem kleinen Abschnitt Alabama werden wir schon Morgen Mississippi erreichen.

Heute starteten wir um halb acht, aber nur um bereits im nächsten IHOP (international house of pankakes) einen Frühstückstop einzulegen, denn in unserer Unterkunft gab es nur amerikanischen Kaffee (= mehr oder weniger braunes Wasser) und Tee. Das reicht für eine Tagestour als Startprogramm aber auf keine Weise und so besorgten wir uns die nötigen Kalorien halt an einem anderen Ort. Wiedereinmal musste ich beim Blick in die Speisekarte den Kopf schütteln. Da wird doch unter der Rubrik „Frühstück“ tatsächlich ein „T-Bone Steak“ mit „French Toast“ angeboten.
Ich versuchte es dann mit der Version 2 Eier, Modell „Sonnenseite oben“ (=Spiegelei) zwei Speckstreifen und zwei Pankakes. Diese waren aber so süss, dass ich nach dem ersten kapitulieren musste. Da hatte Barbara mit der Vegiomlette eindeutig besser gewählt. Dann habe ich noch telefonisch abgeklärt, ob die Fähre heute in Betrieb ist und nach der positiven Antwort das Motelzimmer in Dauphine Island gebucht. Da der Wind auch noch die Richtung gewechselt hatte und uns heute von hinten unterstützen würde, stand einer gemütlichen Sonntagsfahrt an einem Montag nichts mehr im Wege.

An diesem Platz hätten wir auch noch gerne gefrühstückt.

An diesem Platz hätten wir auch noch gerne gefrühstückt.

Die Fahrt aus Pensacola verlief erstaunlich ruhig und meist war ein Seitenstreifen vorhanden. Über zwei Brücken erreichten wir schliesslich „Cotton Bayou“ und konnten von nun an einfach noch geradeaus fahren.
Auf der Seite zum offenen Meer hin folgte ein riesiger Hotelbunker dem nächsten. Sie waren sich alle zum verwechseln ähnlich und irgendwie langweilig. Für alle die die Geschichte von „Asterix und Obelix“ gelesen haben wissen, wie eine „Trabantenstadt“ aussieht. Genauso sah es hier aus.

Wir genossen den Rückenwind, konnten einen Gang höher schalten und einfach ab in Richtung Südwesten radeln.

Gute Strasse, genug Platz, Rückenwind. Alles was wir brauchen.

Gute Strasse, genug Platz, Rückenwind. Alles was wir brauchen.

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Nicht nur auf Sand, auch auf Stelzen gebaut.

Nach und nach nahmen die Hotelbunker ab und machten schmucken Ferienhäusern Platz. Diese waren, wie überall an der Golfküste, mehrheitlich auf einem Holzgerüst gebaut, um im Falle einer Überflutung weniger Schaden zu nehmen. Der Verkehr wurde ebenfalls weniger und wir genossen die lockere Fahrt. Plötzlich wie aus dem Nichts tauchte eine Tafel mit der Aufschrift: „Dead End“ auf. „Nein, nicht schon wieder“ fuhr es mir durch den Kopf, als wir an einer Schranke standen, welche die letzte Siedlung hier Bewachte und jedem Fremden den Zutritt verwehrte. Das Navi kannte keine Gnade und zeigte mir, dass wir einen Abzweigung vor 10 km. verpasst hatten. Aller Ärger machte die Sache auch nicht besser und wir mussten gegen den starken Wind zurückfahren. Die nächsten gut 45 Minuten kosteten viel Kraft und wir waren froh, als wir den Abzweigpunkt erreicht hatten. Wir konnten uns wenigstens damit motivieren, wieder ein paar Zusatzmeilen für Kokou gefahren zu sein.

Nun liess ich die Karte auf dem „Handy-Navi“ kaum mehr aus den Augen. Wenn wir dieses Tempo durchhalten konnten, würden wir noch die Fähre um 16.15 Uhr erreichen. Wir hatten also ein klares Ziel und das spornt bekanntlich an. Plötzlich sah ich, wie Barbara im Rückspiegel immer weiter abfiel. Ich stopte und warten bis sie aufgeschlossen hatte. „Mein Vorderreifen ist platt.“ rief sie als sie in die Nähe kam. „Das darf doch nicht wahr sein, schon wieder. Uns war klar, dass so die Fähre nicht mehr sicher erreicht werden konnte. Da dies ein Reifen mit grünem „Wunderslime“ war, versuchten wir es einfach einmal mit aufpumpen. Das klappte prima und der Reifen blieb bis ins Hotel dicht, so dass wir die Fähre noch erreichten.
Euch allen zu Hause die uns für den heutigen Tag die Daumen gedrückt haben damit alles klappt ein herzliches DANKE. Das haben wir wirklich gebraucht!

Ziel erreicht

Ziel erreicht

 

Diese kleine Fähre erspart uns 130 km Umweg!

Diese kleine Fähre erspart uns 130 km Umweg!

Schon lange habe ich mir im Rahmen der Vorbereitung, beim Lesen der verschiedenen Blogs, diesen Moment auf der Fähre vorgestellt und nun waren wir „on board“!

Wir habens geschafft: auf der Fähre!

Wir habens geschafft: auf der Fähre!

Kein Nebel, kein Sturm, kein Motorschaden hat die Überfahrt für uns, im Gegensatz zu vielen „Vorausfahrern“ behindert. Wir waren auf dem Schiff und der Zeitplan bis New Orleans scheint perfekt aufzugehen.

Die zwei dürfen sich mal ausruhen!

Die zwei dürfen sich mal ausruhen!

Auf diesen Plattformen in der "Mobile Bay"  wird Erdgas gefördert.

Auf diesen Plattformen in der „Mobile Bay“ wird Erdgas gefördert.

just nice

just nice

In Dauphine Island sind wir im einfachen, aber sehr sauber und gut geführten „Gulf Breeze Motel“ untergekommen. Also beste Voraussetzungen um uns gut zu erholen um für die morgige Etappe nach Biloxi bereit zu sein. Dies wird die drittletzte Etappe für Barbara. Schade das die gemeinsame Fahrt bald zu Ende geht.