Tag 29: (11.11.14) Morgan City – Lafayette

Distanz: 128.5 km / Gesamt: 2247.3 km / Fahrzeit: 6 Std. 36 Min. / Durchschnitt 19.5 km/h

Morgens 21, Nachmittags 27 Grad, bedeckt, hohe Luftfeuchtigkeit, zum Teil kräftiger Seitenwind

Just a hard day!

Das war nun einer dieser Tage, wie sie auf einer solchen Tour eben auch vorkommen. Kurz: Es hat keinen Spass gemacht! Es war einfach nur harte Arbeit und ein dauernder Kampf. Ich wusste im Vorfeld, dass es auch solche Tage geben wird und ein Kollege hat mir geraten in solchen Momenten einfach zu denken, „auch das ist noch besser als im Büro“. Er lag falsch! Heute wäre es auch bei einem harten Tag im Büro definitiv entspannter gewesen. Der Grund lag vor allem in den katastrophalen Strassenverhältnissen auf der heutigen Etappe. Das es keine „Topetappe“ werden würde, war mir schon bei der Routenwahl klar, aber irgendwie musste ich einfach mal nach Norden kommen um ab Lafayette dann wieder Kurs Richtung Westen einschlagen zu können.
Den Start habe ich mir selber etwas vermasselt. Am Morgen habe ich den Wecker zwei mal abgestellt und schon war ich erst um 8 Uhr fahrbereit. Ich wollte möglichst auf dem Seitenstreifen des „Hwy 90“ fahren, was gestern ja mehrheitlich recht gut geklappt hat.

Heute war das anders. Schon die Fahrt aus „Morgan City“ hatte es in sich. Eine grosse Brücke, sehr schmaler und extrem verschmutzter Seitenstreifen mit viel Verkehr. Also habe ich alle verfügbaren Blinklichter eingeschaltet und bin kräftig in die Pedale getreten um den Abschnitt rasch hinter mich zu bringen. Immer in der Hoffnung, dass der Zustand der Verschmutzung abnimmt, fuhr ich weiter. Leider kam es noch schlimmer. Ich war mitten im „Kerngebiet“ derZuckerrohrernte unterwegs. Heute sah ich drei grosse Zuckerfabriken die beliefert werden müssen. Nein da ist nichts mit „Zuckerrohrzügen“ wie bei uns nach Frauenfeld.

 

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Vom Feld ….

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… über die Ernte …

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… bis zur Fabrik. Ich war heute mitten im „Zuckerrohrland“.

Hier wird alles auf Lastwagen geladen und diese rasen dann in einem „Affentempo“ zur Fabrik. Dass sie dabei einen Teil ihrer Ladung verlieren ist klar. Also sieht der Seitenstreifen in etwa so aus:

Zuerst nimmt man einen sehr rauen Teerbelag, gräbt viel Löcher bis zu 30 cm Tiefe hinein, lässt den Belag aufplatzen und die Risse durch Gras bewachsen, anschliessend werden zerstückelte Autoreifenteile in allen Grössen und möglichst mit viel Drahtgeflecht verteilt und grosszügig Glasscherben darüber gestreut. Nun fährt man mit einem Kieslaster mit halb offener Ladeklappe darüber und verteilt grossflächig Kies im Durchmesser von plus 1 cm und garniert das ganze mit 3 cm dicken Zuckerrohrstengeln. Schon hat man den Mix, der heute oft meine Unterlage war.

Das war nicht der schlimmste Teil!

Das war nicht der schlimmste Teil!

Jetzt ist der Moment gekommen der Firma „Schwalbe“ zu danken, dass sie mit ihrem Modell „Schwalbe Marathon plus“, den ich montiert habe, einen Reifen produzierte, der das alles ohne Platten überstanden hat. Ich habe es nicht zu träumen gewagt und die Reifen immer wieder abgesucht und den Reifendruck geprüft. Tadellos!
Markus von „Fateba“: Wenn je einer deiner Kunden auf diese Reise geht, lass ihn nicht ohne den „Marathon plus“ losfahren!

Ich wollte dieser Unterlage entkommen und suchte mir einen Weg auf einer Nebenstrasse. Schön ruhig und idyllisch, bis zur ersten Siedlung.

Diese Szene erinnerte mich etwas an "Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn"

Diese Szene erinnerte mich etwas an „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“.

Da wurde das Thema „wer ist schneller, Velofahrer oder Hund“ wieder topaktuell. Ich habe das Duell gewonnen und der Jäger gab nach etwa 300 Meter auf. Mein Puls erreichte aber eine Frequenz, die nicht über zu lange Zeit so gefahren werden kann, schliesslich bevorzuge ich die „fettverbrennungs Pulszone“, die ganze Reise soll ja auch noch einen Nebeneffekt haben.
Also wieder zurück auf die 90. Den Blick konzentriert immer etwa 30 – 40 Meter vor mir auf die Strasse gerichtet, um einen möglichst guten Weg durch all diesen Unrat zu finden. Wenn es keinen Ausweg gab, Blick in den Rückspiegel, kann ich auf die Fahrbahn ausweichen? Wenn nicht, Augen zu und durch. Ich habe gestern Nachmittag als es so richtig gut lief, der Tacho über 23 km anzeigte und die Musik im Kopfhörer im Takt mit der Trittfrequenz harmonierte einige Freudenschreie ausgestossen, um meinem guten Gefühl, diese Reise erleben zu dürfen, Luft zu machen. Auch heute habe ich oft geschrien, die Wörter fingen auch mit „F“ an, endeten aber nie mit „reude“.
Ich habe dies Strassenzustände wirklich verflucht. Der Hammer kam, als aus dem Seitenstreifen unvermittelt ein Kiesbett wurde. Für mich nicht mehr fahrbar. Die Fahrspuren mit dichtem Verkehr belegt, also umkehren und eine Stelle suchen, wo ich über’s Gras auf die Nebenstrasse kam.

Irgendwo hat der Seitenstreifen einfach aufgehört zu exisieren.

Irgendwo hat der Seitenstreifen einfach aufgehört zu exisieren.

Irgendwie, mit viel Kraftaufwand und mental durch die dauernd hohe Konzentration ziemlich erledigt, schaffte ich es um halb 5, froh ohne Panne durchgekommen zu sein, ins reservierte Motel.

Mit der netten Dame an der Anmeldung habe ich noch kurz über die Strassenzustände in Louisiana gesprochen. „Ja, ich weiss, schon die Autofahrspur ist schrecklich, aber erst der Nebenstreifen. Im Moment ist halt auch noch Zuckerrohrernte, dann ist es besonders schlimm. Aber das Schlimmste hast du nun wohl hinter dir.“
Ich hoffe das sie recht behält. Morgen nochmals ein langer Tag Louisiana. Es ist viel Wind und kühlere Temperatur angesagt. Ich offe trotzdem es bis „Lake Charles“ zu schaffen. Dann ist die Grenze zu Texas schon fast in Reichweite. Mal sehen wie sie dort ihre Strassen im Schuss halten.

Wenn auch kein "Haldengut, Lager, kallt aus der Zapfsäule im "Paddy's". Diese Bier hat heute besonders gut geschmeckt.

Wenn auch kein „Haldengut, Lager kalt“, aus der Zapfsäule im „Paddy’s“. Diese Bier hat heute besonders gut geschmeckt.

Fazit: Darauf kann man getrost verzichten!

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