Autor: Fredy

8 Etappe: 10.06.2021 Porto Tolle – Lido di Spina

Routendarstellung und GPS Daten: (Bilder und Kommentare im Link sind von anderen Komoot Nutzern)

Tagesetappe: 63 km / Gesamtstrecke: 460 km

Ihr wisst ja sicher das ich kaum je Empfehlungen zu Übernachtungsplätzen abgebe. Zu unterschiedlich sind die Erwartungen und zu vielfältig das Angebot der verschiedenen Internetanbieter, die dir beim Buchen helfen. Nichts desto trotz mache ich heute eine Ausnahmen.
Die Unterkunft „Albergo Italia, via Metteotti 471, 45018 Porto Tolle“ die wir letzte Nacht hatten kann ich allen empfehlen, die mal hier in der Gegend unterwegs sind. Einfach, klein aber zweckmässig und sauber, dazu ein Frühstück dass bei der Auswahl weit über den Standart italienischer Morgenessen hinausgeht. Klar gibt es auch Biscotti und Brioche, aber auch frischer Salami, Schinken, Yoghurt, Brötchen, frische Früchte und Saft. Kaffe oder Tee nach eurem Geschmack. Was das kostet? 48 Euro für zwei Personen! Fast nicht zu glauben, dass das rentiert.


Gestern Abend haben wir hier zusammen mit vielen Italienern zu Abend gegessen. Auch das war sehr gut. Viele lokale Speisen aus der Region und alles gut zubereitet. Wie gesagt: Unser Tipp im Po Delta

Als wir heute Morgen losfuhren waren dunkle Wolken am Himmel aufgezogen und ein kräftiger Wind aus Nordosten versprach Rückenwind. Also nichts wie los und den dunkeln Regenwolken davon fahren.


Wieder waren wir auf einsamen Landstrassen unterwegs und genossen die Stille und das besondere Licht.
Immer wieder beeindruckte die weite Ebene und ihre Farben. Getreide und Reisfelder in den unterscheidlichen Entwicklungsstadien.


Dazu immer wieder ein Blick auf den Po. Ab und zu mussten wir die Wasserläufe auch auf Pontonbrücken überqueren.
Kurz fielen einige Regentropfen, aber die waren kein Grund Regenkleider anzuziehen, sondern eher eine willkommene Abkühlung, denn auch heute stieg das Thermometer wieder gegen die 27 Grad Marke. Dazu ab Mittag Sonne pur.

Suchbild: Wo ist Barbara?

Wer mehr erwartet ist unverschämt. Einfach traumhaft hier unterwegs zu sein.

Wer genau hinschaut entdeckt Spannendes. Ein Grasshopper, also ein Namensvetter unserer Räder, stärkt sich mit Pollen.

In Lido di Volano machten wir an einer Strandbar eine kurze Pause für eine Mittagsverpflegung.

Anschliessend wurde die Strecke wieder einmal eine echte fahrerische Herausforderung. Enge Pfade in Kombination mit weichem Sand sind nicht gerade das, was die Durchschnittsgeschwindigkeit steigert. So ging es halt gemächlich voran und immer wieder war Schieben angesagt.

Nach einigen Tagen fast perfekter Asphaltwegen gab es heute kurz vor Schluss der Tour also nochmals eine kleine Herausforderung. Es waren einige andere Radler hier unterwegs. Leute die offenbar hier wohnen, aber auch Touristen aus einem Tagesausflug per Rad.

Zwischen den sandigen Passagen immer wieder auch gut zu fahrende Abschnitte. Der Schatten war sehr willkommen.

Da und dort ergaben sich auch kurze Gespräche. Ein älterer Mann auf dem Mountenbike war sehr interessiert an unseren Rädern und dem Woher und Wohin? Er erzählte mir, dass er diese Küste vor Jahren zu Fuss mit einem kleinen Gepäckwagen durchwandert hatte. „Es ist wirklich sehr schön hier, nicht?“ fragte er mit leutenden Augen. Ich konnte das nur bestätigen und er wünschte mir eine gute Reise.
Es sind auch solche, flüchtige Begegnungen, die für mich den Charme einer Radreise ausmachen. Man ist einfach näher bei den Leuten, im Wohnmobil passiert uns das nie.

Seltsame Wesen hier am Strand.

Für heute Abend haben wir uns ein Campingvillage ausgesucht, denn hier wollen wir nun noch drei Nächte bleiben. Etwas faulenzen, mit dem Rad einmal Comacchio besuchen und das Meer geniessen.

Jetzt gilt es den Kampf gegen die Mücken zu gewinnen.
Am Sonnntag fahren wir noch die letzten gut 22 km nach Ravenna, um von dort mit Regionalzügen via Bologna nach Mailand zu reisen. Mit Fahrrädern ist man leider in italienischen Zügen immer noch stark eingeschränkt, was Schnellzüge betrifft. Vor allem wenn man die Räder nicht zusammenklappen will.
Am Montag soll es dann von Milano mit einem Eurocity nach Zürich gehen, sofern wir die nötige Fahhrradreservation in Mailand am Sonntag erledigen können. Vor unserer Abreise in der Schweiz war das leider noch nicht möglich! Der Zug wurde im SBB Fahrplan zwar angezeigt, aber da die italienischen Staatsbahnen noch einen Sommerfahrplanwechsel geplant hatten, der noch nicht online war, war eine Reservation auch zwei Wochen vor Abfahrt noch nicht möglich.
Ja, ihr lieben Bahnunternehmungen, da gilt es noch diverse Hausaufgaben zu erledigen, bis ihr euch wirklich „kundenfreundlich“ nennen könnt.

Das war es nun fast von dieser Reise. Am Montag werde ich wohl noch ein Update von der Heimreise und ein kurzes Fazit veröffentlichen.

7 Etappe: 09.06.2021 Chioggia – Porto Tolle

Routendarstellung und GPS Daten: (Bilder und Kommentare im Link sind von anderen Komoot Nutzern)

Tagesetappe: 64 km / Gesamtstrecke: 397 km

Heute stand die Etappe unter dem Motto „Kreuz und quer durchs Po-Delta“.
Die Ausfahrt aus Chioggia war noch etwas chaotisch und errinerte uns eher an eine asiatische Metropole. Auf der Hauptstrasse ein wildes Durcheinander von Lieferwagen, Autos, Motorroller und viele Fahrräder. Wovon die meisten die Bezeichnung Fahrräder zu unrecht trugen, den es waren in der Mehrzahl gut motorisierte Elektrofahrräder, welche die Pedale einfach so als „modisches Assesoir“ montiert hatten. Den meisten genügten die Pedalen als Fussstütze.
Als hiess es aufpassen, Augen hinten und vorne, links und rechts und sich nicht vom geplanten Weg abbringen lassen.
Kurz nach dem Stadtzentrum fanden wir uns auf einen Radweg. Noch immer galt es auf die vielen, zum Teil sehr schnellen E-Bikes zu achten.
Dann wurde es allmählich ruhiger und als wir in eine der kleinen Nebenstrassen ins Gebiet des Po Deltas abgebogen waren, war es perfekt.

Wir folgten heute, wie so oft in den letzten Tagen, der Eurovelo 8.

Wieder gemütliches radeln und dabei weniger die Geschwindigkeit sondern mehr die Umgebung im Auge behalten. Links und rechts des Weges immer wieder kleinere und grössere Lagunen, viele schöne Blumen am Wegrand, Vögel die am Himmel kreisen, flattern, segeln. Einfach schön und entspannt.

Wir sind ja keine Vogelkundler, aber die hätten hier ihre helle Freude gehabt. Scheint ein „Kindergarten“ zu sein.

Auch das Wetter war wieder traumhaft. Fast keine Wolken am Himmel und die Temperaturen kletterten schnell auf über 27 Grad. Weit und breit kein Schatten. Also musste der Sonnenschutz wieder frisch aufgetragen werden und unter dem Helm kann einen Kopfbedekung zum Einsatz.

Ich stellte bereits heute Morgen fest, dass unsere Sonnencreme so langsam zur Neige geht. Es gibt wohl kein besseres Zeichen, dass das Wetter bis jetzt einfach perfekt war.

Sogar entspanntes nebeneinanderer Fahren war heute problemlos möglich. Nach gut zwei Drittel des Weges mussten wir mit einem kleinen Pontonboot einen Nebenarm des Po überqueren. Man ruft dort an und vereinbart mit dem Fährman eine Zeit. Die Telefonnummer steht am Strassenrand. Hat prima geklappt und in ein paar Minuten waren wir am anderen Ufer.

Die Suche nach einem Schattenplatz war erfolglos, so dass wir halt an der Sonne eine kurze Rast einlegten um etwas zu essen und den Flüssigkeitsspeicher wieder aufzufüllen.
Dann waren es noch gut 25 Kilometer bis zum kleinen Etappenort „Porto Tolle“. Nochmals sahen wir verschiedene Vögel im Wasser stehen. Auch eine Gruppe Flamingos war dabei.


Kurz vor Schluss mussten wir die Räder und das Gepäck noch eine steile Treppe zu einer Brücke hochtragen, um einen längeren Umweg zur Brückenauffahrt zu vermeiden.

Nun geniessen wir ein kühles Getränk am Zielort und machen uns einen entspannten Abend, denn hier ist so gut wie nichts los, aber um die Etappen wie gewünscht kurz zu halten, war dieser Ort die richtige Wahl.
Sauberes Doppelzimmer mit eigenem WC /Dusche inkl. Frühstück für 45 Euro für zwei Personen. Da gibt es nichts zu klagen.

6 Etappe: 08.06.2021 Lido di Venezia – Chioggia

Routendarstellung und GPS Daten: (Bilder und Kommentare im Link sind von anderen Komoot Nutzern)

Tagesetappe: 22 km / Gesamtstrecke: 333km

Zuerst ein kleiner Rückblick auf Gestern. Unser Besuch in Venedig war in etwa so, wie man sich einen solchen Besuch wünscht. Gutes Wetter aber dank der Wolken nicht zu heiss und vor allem, keine Menschanansammlungen und Gedränge in den Gassen. Abgesehen davon, dass COVID der Grund für die wenigen Touristen war und dies viele Geschäfte und Hotels sowie Restaurants sehr hart getroffen hat, ist es als Tourist ein Segen.
Noch nie waren wir so entspannt in den Gassen unterwegs. Ja wir standen sogar kurz an, um einmal auf den Glockenturm auf dem Markusplatz hochzufahren. Die Schlangen waren uns bei früheren Besuchen immer zu lange und wir waren oft eher etwas abseits der ganz grossen Touristenmagnete unterwegs. Gestern waren diese kein Thema.
Wir haben uns ein 24 Stunden Schiffsticket gekauft und uns so die Freiheit gegönnt, immer mal wieder einfach in ein vorbeifahrendes Schiff zu sitzen und uns etwas durch die Stadt fahren zu lassen. Natürlich, die Schiffe waren schon gut belegt, aber eben halt nicht übervoll. Sogar Sitzplätze im Heck konnten wir ergattern. Einfach traumhaft.
Am Abend ging es wieder zurück auf den Lido und wir liessen den Tag bei einem feinen Essen ausklingen.

Hier ein paar Bilder aus Venedig.

Heute Morgen hiess es dann wieder alles in die Packtaschen verstauen. Es ist jedesmal erstaunlich, was da alles eingepckt werden muss.

Dann ging es gemütlich los. Es war ja heute keine eigentliche Etappe, den es waren nur gut 20 Kilometer zu radeln. Dazwischen zwei Fährüberfahrten. Wir nahmen es also gemütlich, stoppten oft und genossen die Aussicht.

Als wir in Alberone, am Ende des Lido eintraffen, sah ich gerade wie die grosse Fähren anlegte. Also nochmals rasch in die Pedalen tretten, uns vergewissern, dass sie auch sicher nach Pellestrina übersetzte und schon waren wir an Bord. Wir hatten die Räder noch nicht abgestellt, als das Schiff schon ablegte. Sogar unsere Fahrkarten von Gestern waren noch gültig, da die 24 Stunden noch nicht abgelaufen waren. So kostet die Überfahrt für die Räder je 2 Euro.

Anschliessend ging es noch gemütlicher weiter als auf dem Lido. Ab und zu ein kleines Dorf mit farbigen, niedrigen Häusern und immer dem Wasser entlang. Die Menschen hier machten einen entspannten Eindruck und viel grüssten und freuten sich über diese speziellen Fahrräder.

Schon vor 12 Uhr waren wir an der nächsten Fähranlegestelle, von wo wir nach Chioggia übersetzten wollten. Es war uns aber noch zu früh und so fragten wir, wo wir am besten an den Strand kommen. Mitlerweile war es richtig heiss geworden und die Badehosen wurden heute Morgen in der Hoffnung einen schönen Badeplatz zu finden, ganz zuoberst verstaut.
Den anschliessenden Strandspaziergang nutzen wir, um unsere Sachen etwas trocknen zu lassen und dabei den Abschnitt vom gröbsten Plastikmüll zu befreien. Sogar die Styroporboxen und den Plastiksack um den Müll einzusammeln fanden wir am Strand. Immer wie der traurig zu sehen, wie achtlos mit der Natur umgegangen wird.
Gleich neben unseren Fahrrädern war eine grosse Mülltonne, so dass wir den Abfall dort gut entsorgen konnten.

Wir radelten gerade auf die Fähranlegestelle zu, als bereits wieder ein Schiff ankam. Es warteten schon einige Leute und sicher etwa 8 davon mit Fahrrädern. „Ja, das Schiff fährt nacg Chioggia“ wurde unsere Frage beantwortet. Nocheinmal also perfektes Timing.

Nach der kurzen Überfahrt konnten wir gleich unser Hotelzimmer bei der Anlegstelle beziehen. Für die Fahrräder haben sie sogar einen extra Raum, so dass diese über Nacht sicher verstaut sind.

Wir schlenderten noch etwas durch den kleinen Ort. Sehr viele Souvenierläden, Restaurants aber nicht so charmant wie ich mir das erhofft habe. Sicher, es gibt schöne Ecken hier, aber so richtig gefallen hat es uns nicht.

Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass das Abendessen eher ein kulinarischer Reinfall war und wenn man mir das Bier lauwarm und abgestanden serviert, hat man sowieso kaum mehr Chancen sein Image als Wirt aufzupollieren. Dass sie dann auch noch meinen Hauptgang vergassen zu servieren setzte dem ganzen die Krone auf.
Aber vielleicht haben sie mir ja damit einen Gefallen getan, denn mit dem sonst hier meist sehr guten Essen wird das sonst nichts mit etwas abnehmen auf der Radtour!

5 Etappe: 06.06.2021 Caorle – Lido di Venezia

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Tagesetappe: 56 km / Gesamtstrecke: 311 km

Gesten Abend waren wir noch etwas in Caorle unterwegs. Was wir da zu sehen bekamen hat uns schon sehr erstaunt. Da darf man in Österreich ohne FFP2 Maske in kein einziges Geschäfft, aber hier tummeln sich die Touristen aus Österreich maskenlos in überfüllten Gassen, als wäre Corona noch ein Spuk aus einer anderen Welt. Wir hoffen mal. dass das nicht schief geht und wir uns in wenigen Wochen infolge steigender Fallzahlen wieder einmal mit einschneidenden Massnahmen konfrontiert sehen. Es ist ja voll ok, nun nicht gleich wieder in Panik zu verfallen und alles etwas entspannter zu sehen, ob man es aber gleich so übertreiben soll?

Plätze für ein Abendessen waren bereits wieder Mangelware und wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie das hier in gut 5 Wochen aussieht.

Dafür war am Strand am Abend genug Platz.


In der Nacht weckte uns lautes Donnergrollen einige male auf. Kurze, heftige Regenschauer gingen nieder und ich begann geistig bereits die Regenklamotten für die kommende Etappe bereit zu machen.
Zum Glück konnten wir am Morgen schon wieder bei aufklarendem Himmel starten. Es war auch wieder so warm, dass der Start in T-Shirt und kurzer Hose angemessen war. Wegen des nächtlichen Regens wollte ich die gut 16 Kilometer Schotterwege lieber umfahren und so plante ich die Route kurzfristig um. Warum nicht durch „Lido die Jesolo“ fahren und einmal schauen, wie es da so aussieht.
Heute war also fast ausnahmslos Asphalt angesagt. Das hat natürlich einen positiven Einfluss auf die Geschwindigkeit, auch wenn wie hier üblich, bei Einmündungen oft abgebremst werden muss, da die Radwege einen „Schickanenstop“ eingebaut haben.

Ausfahrt aus Caorle.


So kamen wir gut voran und begegneten auf dem Weg vielen Familien und kleinen Gruppen, die auf einer kleinen Sonntagsradtour waren.

Ob an der Hauptstrasse oder entlang von Kanälen, heute war über den Untergrund nicht zu klagen.

Einen Teil der Strecke kannten wir schon von unserer Kroatienreise 2016, als wir diesen Abschnitt in entgegengesetzter Richtung unterwegs waren. Bereits damals wie heute haben wir diesen Abschnitt genossen. Die private Pontonbrücke hatten wir damals aber im Gegensatz zu heute, ziemlich einsam befahren.

Für Fahrräder ist die Überfahrt sogar umsonst.

Bald darauf fuhren wir durch „Lido di Jesolo“. Upps, da waren wir doch sehr überrascht und hatten uns das niemals so vorgestellt.

Schaut eher nach internationaler Metropole aus!

Auf der Hauptstrasse kilometerlang Bar an Bar, Restaurant neben Restaurant. Alle gut besetzt und alle Geschäffte geöffnet. Auch hier war von coronabedingten Einschränkungen nichts zu sehen. Gut waren wir nur auf Durchreise! Aber eigendlich sind wir auch froh gibt es so viele Leute, die diese Art von Urlaub lieben. So konzentrieren sich viele an einem Ort und lassen den Individualisten etwas mehr Platz ausserhalb der „Hotspots“.

Hinter Jesolo wurde es rasch wieder ruhig und wir konnten einen guten Rythmus finden. Das Wetter blieb nach wie vor warm und trocken, auch wenn sich am Horizont grosse Gewitterwolken zusammenbrauten.
Bei der Ankunft in Punto Sabbiani sahen wir, wie gerade ein Schiff Richtung Anlegestelle unterwegs war. Das war ein gutes Zeichen. Schnell die Tickets für uns und die Fahrräder gekauft und schon waren wir an Bord. Das Timing passte perfekt.

Kurz vor Punto Sabbiani ist ein neuer Radweg in Bau. Wir hoffen diesen bei einem nächsten Besuch in der Gegend nutzen zu können.

Der Matrose achtete peinlich genau darauf, dass die Räder auch ja in der gelb markierten Fläche abgestellt wurden.

Immer wieder schön, Venedig oder das Lido mit dem Schiff anzufahren.

In Lido die Venezia war es nicht mehr weit bis zu unserem Hotel. Trotz dunkler Wolken gingen wir noch an den Strand und spazierten etwas der Küste entlang. In einer kleinen Strandbar rundeten wir die Etappe mit einem erfrischenden Getränk ab.
Morgen ist Ruhetag. Wir sind gespannt wieviele Leute ausser uns schon wieder einen Besuch in Venedig machen. Einen Blog gibt es dann wieder von der Etappe am Dienstag.

4 Etappe: 05.06.2021 Lignano Sabbiadoro – Caorle

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Tagesetappe: 58 km / Gesamtstrecke: 255

Heute war der Start also sehr entspannt. Zum abgesprochenen Abholplatz für den Bootstransfer waren es vom Hotel max. 5 Minuten mit dem Rad. Da war also genug Zeit um alles bis 10 Uhr einzupacken.

An der Mole warteten noch zwei andere Radfahren. Sie beobachteten uns und kamen auf uns zu: „Sucht ihr auch eine Möglichkeit nach Lignano Sabbiadoro zu fahren? Die Linenenschiffe fahren erst ab Mitte Juni.“ „Ja, wir haben mit einem Boot einen Termin, wenn ihr wollt könnt ihr ja auch mitkommen. Das Boot hat sicher genug Platz.“ Sie freuten sich sichtlich und als der Kapitän pünktlich anlegte hatte auch er nichts gegen einen Zusatzverdienst einzuwenden, schliesslich war seine letzte Saison buchstäblich ins Wasser gefallen.
Wir schipperten gemütlich duch die Lagune und auch der Kapitän hatte sein Freude an unseren Rädern. Er machte ein Foto „Für die Werbung!“ sagte er. Uns solls recht sein, solange es ihm hilft.

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Das andere Radlerpaar kam aus der Gegenden von Wien. Sie sind mit dem Auto hier, machen aber täglich grössere Radtouren hier in der Gegend. Die Frau war vor allem früher auch oft mit dem Rad auf Tour und so hatten wir rasch ein gemeinsames Gesprächsthema. Für die Menschen aus Wien ist diese Gegend, was für Zürcher das Tessin. Da am Donnerstag „Christi Himmelfahrt“ in Österreich ein Feiertag war, hatten die Österreicher also ein verlängertes Wochenende. Nun war der Stau auf der Autobahn am Donnerstag und die vielen Radler auf der Alpe-Adria erklärt.

Lignano Sabbiadoro mit seinen gesichtslosen Hottelbunker liesen wir nach der Ankunft gleich hinter uns. Der Radweg führte der Lagune entlang und war am Anfang noch gut von den Touristen genutzt, aber mit jedem Kilometer wurde es einsamer. Die Fahrt führte heute über viele Nebenstrassen, oft auf Kieswegen und grundsätzlich duch eine grosse, von unzähligen Kanälen durchzogenen Ebenen.

Ja, so idyllisch waren wir heute unterwegs. Seht ihr Barbara auf der Brücke?

Meist wurde Mais oder Trauben angebaut. Ab und zu kleine Dörfer mit manchmal erstaunlich schönen Häusern. In kleinen Orten die schönsten Radwege, obwohl kaum Verkehr war. Wir genossen diesen Tag, der uns auch heute wieder perfektes Fahrradwetter lieferte. Beim Start um 10 Uhr 23 Grad, Tendenz steigende und blauer Himmel.

Kleine Auswahl unserer heutigen Radwege.

Wenn du unterwegs auf einer Etappe deinen Sonnenschutz 50 erneuern musst weisst du, das ist exakt das Wetter das ich zum Radeln liebe.

Immer wieder traumhafte Ausblicke und viel flaches Land. Ihr wisst es sicher, ich liebe es einfach meditativ dem Horizont entgegen zu radeln.

In einem kleinen Ort machten wir Mittagspause und genossen einmal mehr einen hervorragenden Teller Pasta. Damit war der Tank für den Rest der Etappe aufgefüllt.

Wer radelt geniesst doppelt! Mit einem Wort: bella Italya!

Die letzten 20 Kilometer waren leider einmal mehr eher mühsam. Die Hauptstrasse hatte zu viel Verkehr. Die Nebenstrassen generierten einige Zusatzkilometer und leider waren es oft tiefe Kieswege. Da war Balance vor Geschwindigkeit gefragt, was unsere Durchschnittsgeschwindigkeit in den Keller rauschen lies.
Nichts desto trotz, safty first! Also geduldig bleiben und den einen oder anderen Umweg in Kauf nehmen und sich langsam, aber sicher dem Ziel nähern.
Gegen 16 Uhr kamen wir im Hotel an.

Einfahrt in Caorle. Fast ein bischen „Miami Beach“!

Kurz einchecken und dann rasch an den Strand. Sich den Schweiss des Tages im Meer abzuwaschen ist ein besonders schönes Gefühl. Ziel Erreicht! Fredy hat Meer!

3 Etappe: 04.06.2021 Udine – Marano Lagunare

Routendarstellung und GPS Daten: (Bilder und Kommentare im Link sind von anderen Komoot Nutzern)

Tagesetappe: 59 km / Gesamtstrecke: 197

Der Tag heute begann, wie es bei uns die Tourtage immer tun. Das Chaos im Zimmer muss wieder geordnet und exakt in die Packtaschen verstaut werden. Ansonsten geht das mit dem Platz nicht auf. Check, ob alles eingepackt ist, Frühstücken, Räderbeladen, Routen aus der Stadt nocheinmal auf dem Navi anschauen und los.

Auch heute wieder fanden wir mühelos aus der Stadt und die Strassen die ich dafür im Vorfeld ausgewählt hatte, erwiesen sich als ganz gut.


Bald waren wir wieder auf dem Alpe-Adria-Radweg, den wir ja gestern Nachmittag zeitweise verlassen hatten, um unseren eigenen Wegen zu folgen. Wir mekten sehr bald, dass wir uns wieder auf der „E-Bike-Autobahn“ befanden. Einige Radler hatten wir bereits vor drei Tagen in Tarvesio gesehen. Normalerweise plaudern Radler, die auf längeren Touren unterwegs sind ein paar Worte miteinander, aber die Leute die hier unterwegs waren, kannten diese Benimmregeln wohl nicht.
Unglaublich wie rasch sich die Atmosphäre und der Charm einer Strecke verändern kann, wenn die Massen auf geführten Touren und motorunterstützten Rädern auftauchen. Für alle Puristen unter den Langstreckenradlern ist diese Strecke, trotz all ihrer Schönheit, wohl bald nur noch ein Abschnitt der gemieden wird.

Die Strecke verlief heute erstaunlich oft auf staubigen Kiestrassen. Oft wurde die groben Steine etwas gar grosszügig verteilt, was mit unseren kleinen 20 Zoll Rädern und viel Gepck zu einem schwammigen Fahrgefühl führte. Also Tempo reduzieren und Klickpeddale vorsorglich auslösen, damit die Füsse rasch am Boden sind, falls mal ein Rad im losen Kies wegrutscht.
@ Stefanie: Also nicht vergessen: Übe das Fahren auf losem Untergrund!

Hier war es natürlich ganz ok, sonst hätte ich kein Foto machen können 😉

Wieder einmal mussten wir einem Bautrupp ausweichen. Hier wird gerade am Radweg gebaut.

Bald waren wir in Palmanova, dieser sternförmigen „Wehrstadt“ die mich wegen ihrer Form schon so lange fasziniert, seit ich sie vor Jahren zum ersten mal auf einer Karte entdeckte. Leider sind ja dann die Erwartungen oft zu hoch. Vor Ort entpuppte sich die Stadt als ziemlich eintönig. Keine kleinen Läden, die mit tollen Produkten aus der Region einem das Wasser im Minde zusammen laufen lassen. Kein kleiner Markt, nichts was uns angesprochen hätte.
Ein grosser, karger Zentrumsplatz, darum herum diverse Bar’s und Restaurants, vor denen überall Fahrräder der Velotouristen standen und das war es auch schon.

Die Einfahrt in die Stadt versprach ziemlich viel.

Schön anzusehn, aber irgendwie leblos.

Als ich bei der Ausfahrt in einer Bäckerei noch ein feines Brot für die Mittagspause kaufen wollte, waren alle Regale schon leer. Immerhin, sie mussten kein übrig gebliebenes Brot wegschmeissen.

Ein paar Kilometer nach Palmanova machten wir in einem schattigen Park eine Pause, denn auch heute wurde es mit jeder Stunde wärmer. Ich liebe es!

Dann verliessen wir den Alpe-Adria Radweg und bogen Richtung Westen ab. Bald darauf gab es bei einem grossen Verkehrskreisel etwas Verwirrung. Navi, Strassenschilder, eigene Eindrücke, alles gab eine gegenteilige Botschaft ab. Wir versuchten verschiedene Varianten und entschieden uns dann doch, für etwa einen Kilometer der stärker befahrenen Strasse zu folgen. Immerhin, es hatte einen kleinen Seitenstreifen. (Im Moment sind wir auf Grund der guten Radinfrastruktur etwas verwöhnt.)

Der ausgeschilderte Radweg war irgendwann nur noch ein überwuchertes Feld. Also zurück auf die Hauptstrasse.

Bald waren wir aber wieder auf Nebenstrassen und genossen es zu wissen, dass uns nicht bald eine Gruppe Radler überholen würde. Es wurde zunehmend ruhiger und in einer Ortschaft fragte Barbara: Haben die hier noch Quarantänemassnahmen? Hier scheint es , Corona hin oder her, immer so auszusehen.
Kleine Kanäle durchzogen die Felder und überall wurde bereits das erste Getreide geerntet. Die Rebstöcke wurden grosszügig mit Pestiziden behandelt. Manchmall kreisten bereits Seemöwen über die Felder, ein untrügliches Zeichen, dass das Meer nicht mehr weit sein konnte.

Der venezianische Löwe freut sich, schon bald wieder einmal „Daheim“ zu sein.

Das sind Wege und Landschaften die wir lieben.

Um halb fünf fuhren wir vor der heutigen Unterkunft vor. Es war wie immer. Egal wie lange oder eben auch kurz eine Etappe ist, der Kopf stellt sich irgendwie darauf ein und meldet dann am Zielort: Jetzt reichts.
Dann folgt jeweils die Ankunftsroutine: Räder abladen, Einchecken, verschwitzte Kleider ausziehen, duschen, kühle Getränke geniessen und anfangen den Text für den Blog zu erstellen. Später geht es noch etwas in den kleinen Ort, denn wir müssen uns noch schlau machen, wann uns Morgen eine Schiff nach Ligiano Sabbiadoro bringt.

Am Abend gingen wir dann noch in das kleine, schmucke Städtchen. Am Freitagabend scheint das ganze Dorf unterwegs zu sein und wir können uns kaum vorstellen wie das hier ohne coronabedingte Touristenflaute aussieht. Dann wird es wohl eng in den Gassen und Restaurants. Höchstens 10% der Besucher scheinen keine Italiener zu sein.

Die Suche nach einem fahrplanmässigen Schiff nach Ligniano Sabbiadoro verlief ergebnislos und ich machte mich während des Apéro an der Bar schon an die Planung einer Ersatzroute, so dass wir unser Ziel auch auf dem Landweg erreichen könnten. Aber ein kleiner Bootstrip wäre schon schön.

Zum Essen suchten wir uns das Restaurant „il Molo“ aus, das direkt am Kanal lag. Während dem Essen legte ein Pontonboot an, das offenbar einen Taxidienst anbot und genau unserem Bedürfniss entsprach. Ich unterbrach das Essen und fragte den Kapitän, ob er uns Morgen Vormittag mit zwei Rädern übersetzen könnte? Nach kurzem überlegen und konsultieren der Agenda willigte er ein. Um 10 Uhr sollen wir genau hier auf ihn warten.
Ziel also erfüllt: gut gegessen und die Weiterfahrt für Morgen ist organisiert.

2 Etappe: 03.06.2021 San Leopoldo – Udine

Routendarstellung und GPS Daten: (Bilder und Kommentare im Link sind von anderen Komoot Nutzern)

Tagesdistanz: 83 km/ Total 138 km

Nach einer ruhigen Nacht waren wir kurz nach neun Uhr startklar. Heute war das Wetter noch besser als Gestern schon. Kaum Wolken am Himmel und um 9 Uhr schon so warm, das ich mit kurzen Hosen und T-Shirt starten konnte. Ein Gefühl das ich in diesem Jahr noch kaum je hatte. Kurz nachdem wir von unsrer Unterkunft losgefahren waren, versperrte uns eine Baustelle den Übergang über die Brücke auf der wir gestern ins Dorf fuhren. Obwohl die Arbeiten noch nicht begonnen hatte, wollte uns der anwesende Bauarbeiter einfach nicht über die Brücke lassen. Diese sei heute gesperrt und darüber sei schon lange in der Gemeinde informiert worden! Er zeigte uns den entsprechhenden Zettel. Es würde auch für uns keine Ausnahme geben. Wir sollten halt einfach das Tal hinunter und den Umweg über die nächste Brücke nehmen.
Das schien uns gar keine gute Idee weil wir befürchteten, dass das sehr weit werden könnte und möglicherweise würden wir dann das alte Bahntrasse, das nun als Radweg umgebaut ist und kurz hinter der gesperrten Brücke vorbeiführt, nicht mehr erreichen. Ich packte mein bestes Italienisch aus und versuchte es mit der Mitleidsnummer. Wir würden ja nur zu Fuss über die Brücke und wir wissen nicht wo der Umweg ist. Bitte, bitte, lassen sie uns doch passiere. Er blieb hart und da kam schon ein zweiter Arbeiter hinzu. Auch er gab uns zu verstehen, hier geht niemand mehr über die Brücke. Doch wir gaben nicht auf und fragten nochmal mit einem flehendem Gesicht. Wir wollten den beiden die Gelegenheit geben, heute eine gute Tat zu tun. Plötzlich machte der jüngere der beiden eine Handbewegung die bedeuten sollte, „geht rüber, aber rasch!“
Das liesen wir uns nicht zweimal sagen, wir bedankten uns herzlich, sagten dass sie sehr nett seinen und halfen die Absperrung soweit zu öffen, das wir durch kamen.

GgG

Kurz darauf waren wir glücklich auf dem alten Bahntrasse und konnten die gemütliche Fahrt bergab geniessen. Nach gut 3 km machten wir in Pontebba noch eine kurze Pause, da wir noch kein Frühstück hatten. Nach Cappucino Tee, Brioche und Apfelstrudel waren wir bereit für die nächsten Kilometer auf dem traumhaften Radweg. Immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die umliegenden Berge. Tunneldurchfahrten, mal länger mal kürzer. Immer aber eine erfrischende Angelegenheit. Kühles Wasser tropfte oft von der Decke und mit etwas Glück gleich durch die Lüftungsschlitze im Helm auf den Kopf. In den langen Tunnels gab es sogar eine Deckenbeleuchtung, die mit Bewegungsmeldern immer den nächsten Abschnitt einschaltete.
Wir hatten heute definitiv den schönsten „Liegestuhl“ der Welt.

Auch die Ausblicke von den verschiedenen Brücken auf den Fluss Fella, mit seinem türkisfarbenen Wasser, waren toll.

Auf diesem Abschnitt waren viele Radler unterwegs. Viele mit wenig Gepäck, was darauf hindeutete, dass sie nicht allzu lange Strecken fuhren und vielleicht am Ende des Tages von einem der vielen Shutteltaxis gebrauch machten, die hier ihre Dienste anboten.

Etwa 7 Kilometer vor Venzone endete dann der Traum vom Bahnwegradeln. Ein netter Herr erklärte uns, dass das Trasse hier leider ende und am weiteren Verlauf noch gearbeitet werde. Weiter unten sein ein Abschnitt, der wegen Steinschlag noch zuerst gesichert werden müsse. Wir müssten nun gut 7 km auf der Bundesstrasse fahren, dann geht der Radweg wieder weiter. „Wenn ihr etwas Zeit habt besucht doch Venzone.“ sagte er. “ Der Ort wurde vor 40 Jahren durch ein schlimmes Erdbeben vollständig zerstört und ist nun wieder aufgebaut. Ich wünsche euch ein gute Reise.“

Die Fahrt auf der Bundesstrasse war trotz einigem Verkehr ganz gut, da doch die meiste Zeit ein angenehm breiter Seitenstreifen zur Verfügung stand.

In Venzone fuhren wir durch das Dorf, jedoch ohne eine Pause einzulegen. Es war uns noch zu früh und wir mussten noch weit.

Ab da führte uns die von mir erstellte Route über viele kleine Nebenstrassen, Feldwege und kleine Dörfer. Das Tal wurde nun weiter und machten einer Ebene Platz. Die Hügel verschwanden bald in unserem Rückspiegel.

Es war zwar trotz Navi nicht immer einfach den richtigen Weg zu finden, denn oft waren die Pfade sehr schmal, aber immer gut zu fahren. Nur ein paar Kilometer auf einer Hauptsrasse war der Verkehr etwas dichter und unangenehm. Leider genau da, wo es auch noch steil bergauf ging. Eine ungemütliche Kombination. Nichts desto trotz war es jammern auf hohem Niveau. Nach diesem kurzen Intermezzo wurde es wieder ruhiger und wir genossen die Fahrt auf kleinen Wegen und an Kanälen entlang.

Wir staunten nicht schlecht als plötzlich das Ortschild „Udine“ auftauchte. So ländlich kann man also eine Grosstadt anfahren. Selbst in Udine erwies sich die Streckenwahl zum Hotel als ganz gut und so kamen wir gegen 5 Uhr, zwar müde, aber doch stressfrei im Hotel an.

Jetzt gehts noch etwas in die Stadt und natürlich freuen wir und nach einem lagen Tag ganz besonders auf das feine Abdenessen.

Kleiner Nachtrag zum Thema Essen:
Gestern Abend haben wir in dieser kleinen Trattoria im Ort gegessen.

Keine Speisekarte, aber die Besitzerin erzählt, was es heute gibt. Wir entschieden uns für je eine Teller Pasta, einmal an Tomaten – Käsesauce, einmal mit Knoblauch, Olivenöl und Chilli, dazu zwei gemischte Salate, ein Rindsbisteca, einmal gebratener Mais mit Käse, eine Flasche Mineralwasser, zwei Gläser Rotwein, ein Espresso. Hat alles prima und frisch geschmeckt. Die Türe zur Küche war offen und man konnte zusehen wie da alles frisch gekocht wurde. Gekostet hat alles 23 Euro. Wie das rentiert? Für uns ein Rätsel!

1 Etappe: 02.06.2021 Villach – Laglesie San Leopoldo

Routendarstellung und GPS Daten: (Bilder und Kommentare im Link sind von anderen Komoot Nutzern)

Tagesetappe: 56 km / Gesamtstrecke: 56 km

Heute war es also wieder einmal soweit. Am sehr reichhaltigen Frühstücksbuffet des Hotels tankten wir die Kalorien, welche wir im Verlauf des Tages wieder in die Pedalen drücken würden. Die Pferdchen wurden gesattelt und kurz nach neun Uhr Morgens fuhren wir los. Zuerst gönnte uns das Navi noch eine Zusatzschlaufe durch Villach, denn ich hatte die Etappe mit Startpunkt Bahnhof Villach programiert. Folglich wollte uns das Navi auch dort hinführen. Das wäre zwar nicht nötig gewesen, war aber auch nicht weiter schlimm. Bei wenig Verkehr fanden wir den Weg gut aus der Stadt und waren schon bald am gut ausgeschilderten „Alpe-Adria Radweg“, dem wir bis Udine treu bleiben werden.

Mit einer Zusatzrunde verliessen wir Villach.
Bald hatten wir den radweg gefunden. Von nun an ging es verkehrsfrei Richtung Tarvisio.

Gut 500 Höhenmeter galt es heute zu erklimmen und diese wurde moderat verteilt. Wir folgten zuerst dem Fluss Gail und bogen später Richtun Tarvisio ab. Wir genossen die Fahrt auf tollen Radwegen. Meist waren wir alleine unterwegs. Ab und zu andere Radfahrer. Oft mit E-Bikes oder ohne Gepäck, da dieses für sie von Hotel zu Hotel geschickt wird. Noch ist nicht viel los auf dieser Strecke, die sich mit der Verbreitung von motorenunterstütztem Fahrradfahren zu einer Art „Pilgerroute der E-Biker“ verwandelt hat. Als Fahrer die ihr eigenes Gepäck nur mit Muskelkraft über den Hügel transportierten waren wir heute wirklich die Exoten.

Traumhafte Radwege
Bei tollem Wetter war sogar etwas Schatten ganz angenehm.
Umgeben von hohen Bergen ging es zum Glück moderat bergauf.

Wir hatten unser Impf- und Grenzanmeldungsdokumente heute Morgen extra so verstaut, dass sie rasch griffbereit waren. An der Grenze dann wie schon bei der Einreise in Österreich, kein Mensch! Niemand interessierte sich für unseren130 Fr. treuren PCR Tests oder die Reiseanmeldung. Hätten wir uns das sparen können?

Kurz nach der Grenze dann ein paar kurze aber sehr steile Anstiege mit bis zu 15%. Da war mit Gepäck definitiv Schieben angesagt. Ein paar Kilometer vor Tarvisio wurden wir dann nochmal über einen zusätzlichen Anstieg umgeleitet. Auf dem alten Bahntrasse, welches heute als Radweg dient, fanden Filmaufnahmen statt, weshalb uns die Durchfahrt untersagt wurde. Dabei hätten unser Lieger sicher das Filmset bereichert.

Manchmal war es heute einfach zusteil.
Ab und zu war auch für Abkühlung gesorgt.

Nach ein paar zusätzlichen Höhenmeter erreichten wir Tarvisio kurz nach 13 Uhr. Zeit für eine Pause und einen feinen Teller Pasta! Danach hatten wir noch einige weiter Höhenmeter zu erklimmen, bevor wir die lange und entspannte Abfahrt zu unserem heutigen Etappenort „San Leopoldo“ geniessen konnten. Alles abseits des Verkehrs auf einer ehemaligen Bahnlinie.Durch alte Tunnels, über Brücken und immer wieder an verlassenen Bahnhöfen entlang.

Kirche im Ortskern von Tarvisio.
An diesem Bahnsteig hat schon länger kein Zug mehr angehalten.
Aber die alten Tunnel dienen auch den Radfahrern ganz gut.
Wir lieben Bahntrassenfahren!

Nach kurzem Suchen fanden wir auch unsere heutige Unterkunft. Ein nettes Ehepaar hat im Garten ein kleines Häuschen gebaut das sie vermieten. Schön gelegen mit wunderbarer Aussicht auf die umliegenden Berge. Einen Sitzplatz zum entspannen und die Wäscheleine ist auch schon installiert.
Sie scheinen zu wissen, was Radler suchen.

Blogarbeit und Wäschetrocknen, so sehen meine Radlerabende oft aus.

Morgen gehts weiter nach Udine.

Anreise: 01.06.2021 Mit dem Zug nach Villach

Heute konnten wir also endlich mal wieder zu einer Radreise starten. Letztes Jahr hat uns, wie allen anderen auch, Corona einen Strich durch die Planung gemacht. Gerade rechtzeitig zu unserem Ferienbeginn hat sich die Situation in der Schweiz und den umliegenden Ländern etwas entspannt, so dass nun wieder an’s Reisen zu denken ist.
Wir haben zwei Wochen Zeit, ich will an’s Meer und die Anreisemöglichkeiten mit dem Zug bestimmen die Routenplanung. Wir fahren also mit dem Zug nach Villach und ab dort
mit dem Rad in neun gemütlichen Etappen der Adria entlang nach Ravenna.
Noch ist das Reisen wegen der Coronapandemie lange nicht so, wie es einmal war, aber wir sind froh und dankbar an einem Ort zu wohnen, wo wir die Impfungen bekommen und uns den Luxus zu Reisen leisten können.
Trotz Impfung war für die Einreise nach Österreich ein negativer Test und eine digitale Reiseanmeldung nötig. Sehen wollte dies auf der ganzen Fahrt aber niemand. Nicht einmal eine Zollkontrolle haben wir gesehen.

Der Start verlief recht entspannt. Noch ein letztes mal die Pflanzen giessen und dann diese Arbeit den netten Nachbarn überlassen. Besten Dank dafür!
Dann radelten wir vollbepackt zum Bahnhof.

Winterthur – Zürich, an einem Dienstag hat es auch für uns genügend Platz.
Mit genügend Zeit geht es auch mit vollbepackten Liegern ganz entspannt.

Beim Umsteigen in Zürich hatte ich beim Verladen der Räder eine kurze Disskusion mit dem Schaffner der mir erklärte, in internationalen Zügen würden nur noch normale Räder transportiert! Liegeräder würden eigentlich nicht gehen, da man diese nicht an die Velohaken hängen könne. Er mache aber für uns heute eine Ausnahme. Ich erklärte ihm, dass das zwar sehr nett von ihm sei, unsere Räder aber wie normale Fahrräder aufgehängt werden können. Es sei also keine Sonderbehandlung nötig.
Ich durfte in den Gepäckwagen einsteigen und die Lieger am Hinterrad aufhängen. Da staunte er nicht schlecht.
Gute zu wissen, dass wir unsere Grasshoper im Notfall auch zusammenklappen und in eine Tragtasche verpacken könnten, denn die Transportbedingungen in internationalen Zügen werden wohl zunehmend restriktiver. Heute hat es zum Glück aber noch mal bis nach Villach ohne Räder zusammenklappen funktioniert.

Wir genossen eine schöne Fahrt bei prächtigem Frühsommerwetter. Gerade rechtzeitig zu unseren Ferien scheint der Sommer nun doch auch in Mitteleuropa anzukommen.

Das nenn ich mal einen „Panoramawagen“. Schneebedeckte Glarner Alpen im schönen Morgenlicht.
Am Arlberg
Zell am See
Zwischenverpflegung mit Aussicht. Zugbistros sind wieder geöffnet 🙂

Nach sechs Stunden Fahrt mussten wir in Schwarzach-St Veit umsteigen. Der Anschlusszug fuhr gleich am gegenüberliegenden Gleis am selben Bahnsteig. Da reichten 19 Minuten Umsteigezeit locker. Trotzdem wollte uns die DB nicht stressen und veranlasste, dass unser Zug nach Villach schon mit 30 Minuten Verspätung ab München losfuhr. Das wäre nicht nötig gewesen!
So warteten wir gut 50 Minuten bei warmem Wetter auf dem Perron. Die Suche nach einem Kiosk oder kleinen Laden um ein Eis oder etwas zu kaufen war erfolglos. Man glaubt es kaum, an diesem Bahnhof wo internationale Züge anhalten und der als Umsteigeknoten dient, gibt es kein einziges Geschäft! Hier gibt es also von Seite Immobilienbewirtschaftung noch Entwicklungspotential.

Das lange warten auf den Anschlusszug. Nicht viel los in Schwarzach St. Veit!
Im Zug nach Villach wieder genug Platz für die Räder. Gepäckwagen wie es für Radler sein sollte.

In Villach war es nicht mehr weit bis zum Hotel und wir hatten noch etwas Zeit um durch die Altstadt zu bummeln. Wir genossen die Abendsonne mit einem Getränk an der Drau und machten uns mit den hiesigen Coronaregeln vertraut. Geschäffte dürfen nur mit FFP2 Masken betreten werden. Im Restaurant ist der Impfausweis mit bestätigter Covid Impfung, ein Coronatest oder die Bestätigung einer überstandenen Coronaerkrankung Pflicht. Ohne Belege gibt es nichts zu Essen oder zu Trinken. Die Frage nach den 3G ist allgegenwärtige : geimpt, getestet, genessen?

Am Ziel! Übrigens, E-Scooter können im eigenen Parkplatz auch geordnet abgestellt werden!
Unsere Pferdchen fühlen sich im alten Pferdestall sichtlich wohl.
Hoffentlich brauchen wir die Regenschirme in den nächsten Tagen nicht. Gasse in Villach.
An der Drau die Abendsonne geniessen, endlich!

Nach einem guten Abendessen heisst es jetzt, früh ins Bette und erholen, denn Morgen gilt es dann ernst. Wegen schlechtem Wetter haben wir kaum Trainigskilometer in den Beinen, wir werden also früh los, um genügend Zeit zu haben. Wir sind gespannt, wie sich die Beine in 24 Stunden anfühlen.

Tag 14: 29.08.2019 Dorking – London

60 km, Total 978 km,

Am Morgen wieder strahlender Sonnenschein. Wettermässig ist das wirklich eine Sommerreise und wir können uns über die paar Regenkilometer nicht beklagen.
Also packen wir ein letztes Mal die Sachen, tragen genug Sonnencreme auf und starten in die letzte Etappe.

 

Bereit für die letzte Etappe

Wie gehabt führte uns der Radweg zuerst entlang einer lauten Schnellstrasse Richtung Norden. Der Weg war meist nicht wirklich gut gepflegt und die Sträucher und vor allem Brennesselstauden wucherten in den Weg und so mussten wir uns oft „ganz dünn“ machen um all diesen auszuweichen. Aber das war immer noch besser als auf der Strasse zu fahren, denn da gab es kaum Platz und der Verkehr wurde zunehmend dichter. Nein, wir hatten uns nicht einfach eine unpassende Route ausgesucht, wir folgten oft offiziellen „nationalen Radwegen“. Hier scheint der Standart einfach noch etwas anders zu sein. Selbst Treppenstufen gehen hier schon mal als Radweg durch.

Wenn man so die Tafelgrösse beachtet, scheint die Geschwindigkeitsbegrenzung eine untergeordnete Rolle zu spielen. Wer findet die Tafel?

Links unter den Stauden wäre etwas asphaltierter Radweg, mit Betonung auf „wäre“!

Vor allem an gewissen Kreuzungen war es uns einfach zu eng und unübersichtlich. Also immer wieder absteigen, eine Lücke erspähen, irgendwie auf die andere Strassenseite und weiter.
So ging es recht mühsam voran und wir waren froh, als wir in Richmond zum ersten mal die Themse erblickten und ein paar Kilometer auf einem gemischten Fuss/Radweg dem Fluss entlang radeln konnten. Lieber langsam um die vielen flanierenden Touristen fahren als diese „elenden“ Strassen.

Auch in Kingston genossen die Leute den schönen Sommertag.

Einfahrt in Richmont und dann endlich wieder mal dem Wasser entlang.

Auch die Räder hatten eine Pause verdient.

 

Nach einer Stärkung in einem gemütlichen Pub am Fluss ging es weiter und wurde leider nicht besser. Viel auf Gehsteigen mit dauernden Einmündungen und Bodenwellen. Je näher am Zentrum desto mehr Verkehr, Baustellen mit gesperrten Fahrspuren, noch mehr Gedränge etc. Die Strassensperrung zwang uns wieder zu einem Kurswechsel und ohne Navi wären wir wohl etwas verloren gewesen. Es zeigte uns zum Glück den Weg durch nur wenig befahrene Quartierstrassen zur Chelseabridg.

Von dort noch etwas der Themse entlang. Gewisse Abschnitte mit breiten blauen Radstreifen waren richtig gut. Nun mussten wir noch quer durchs Zentrum via Westminster in die Nähe des Bahnhofs Pancras, wo wir unsere Unterkunft hatten. Manchmal waren wir zwischen den sich stauenden Autos und Bussen eingeklemmt, manchmal gab es wieder ein paar Meter Radstreiffen.

So entspannt war es selten, aber nur dann war Zeit ein Foto zu machen.

Hinter einem Bus in der Mitte der Fahrspur geht auch.

Jetz aber los, es ist schön grün!

Hier protestierten sie gegen den Brexit und wohl auch gegen den sehr speziellen Boris J.

Irgendwie haben wir es geschafft und waren froh, die Räder in die Unterkunft stellen zu können.
Es gibt sicher geschicktere Radroutender rund um und in London, aber die haben wir offenbar nicht gefunden und es ist eben auch etwas anderes, mit einem voll beladenen Lieger oder einem wendigen Citybike unterwegs zu sein.
Wir gönnten uns zum Abschluss der Tour ein feines Essen bei einem Italiener und haben die Reise nochmal Revue passieren lassen.

Fazit:
War es das wert? Ja, denn irgendwie ist nur schon die Idee von zu Hause aus über Paris nach London zu fahren spannend.
Würden wir es nochmals fahren? Jein. Der Abschnitt bis Paris würden wir wieder fahren. Landschaftlich sehr schön und mit vielen guten Radwegen war es recht entspannt. Zu beachten ist aber, dass die Infrastruktur in Sachen Einkaufen, Restaurant oder Übernachtungen unterwegs manchmal etwas schwach ist. Der Abschnitt in der Champagne war routenmässig am schlechtesten, weil einige Strecken auf gut befahrenen Strassen zurückzulegen waren, trotzdem ganz ok.
Die Einfahrt nach Paris entlang den Kanälen war grandios und auch in Paris selber ging es auf unseren Abschnitten ganz gut. Die Strecke bis Dieppe war hügeliger als erwartet, aber ebenfalls mit wenig Verkehr gut zu fahren.
England hat uns zwar von der Ortschaften und auch der Landschafft sehr gefallen und wir werden gerne wieder kommen, dann lassen wir aber das Rad zu Hause und reisen mit Zug und Bus durchs Land, denn ein Fahrradmekka ist es für uns nicht.
Das war’s diesmal und nach einem Tag London geht es dann am Samstag mit dem Eurostar und TGV via Paris zurück nach Hause.

Tag 13: 28.08.2019: Brighton – Dorking

Distanz 60 km, Total 918km,

Heute morgen wollten uns die Engländer beweisen, dass die Geschichte mit dem dauernden Regen nicht erfunden ist. Also beschlossen wir dem Wetterbericht zu glauben, dass es um etwa halb zehn Uhr aufhören würde und genossen erst einmal das Frühstück.
Die Regenklamotten machten wir aber bereit, nicht dass wir diese bei Bedarf unterwegs lange suchen mussten.
Als wir losfuhren tauchte die Sonne auf und alles sah schon viel freundlicher aus. Vor allem auf nassem Kopfsteinpflaster, dass hier in der Stadt noch häufig vorkommt, sind wir bei Regen gar nicht gerne unterwegs, da dies einfach zu rutschig wird.
Wir wollten gerade losfahren, als uns ein Herr mit einem Fahrrad T-Shirt ansprach. Wie es uns so gefalle in England mit dem Rad, wollte er wissen. Ich war ehrlich und sagte, das der erste Eindruck noch nicht überzeugend war. Zu viele Löcher im Strassenbelag, drängelnde Autofahrer und kaum gute Radstreiffen. „Ja ich weiss“, sagte er, „ich arbeite schon einige Jahre in der Region für eine bessere Veloinfrastruktur, aber es ist leider schwierig hier.“
Wir plauderten noch eine Weile über Fahrradtouren und er bestätigte uns, das unsere Routenwahl nicht direkt, sondern via Dorking und Richmond nach London zu fahren, eine gute Wahl sei.

Strassenszene in Brighton heue Morgen.

Wir machten uns auf den Weg und die Route aus der Stadt forderte schon unsere volle Aufmerksamkeit. Da und dort waren wegen Baustellen die wenigen Radwege noch gesperrt, was es nicht einfacher machte. Eine junge Tourenfahrerin stand an einer Kreuzung und suchte ebenfalls nach dem besten Weg nach London. Dank dem Navi konnten wir ihr einen Tip geben, schliesslich waren wir auf den ersten 30 Kilometer auf der gleichen Strecke unterwegs.

Nebenstrassen heute morgen. Sieht ja noch ganz farbenfroh aus.

Der Weg raus aus der Stadt war unangenehm, denn es war viel Verkehr und für Radfahrer oft nur am Rand ein schmaler Streiffen Platz. Ausserhalb der Ortschaft ging es dann parallel zur Schnellstrasse. Zwar war der Weg sicher, aber nicht wirklich attraktiv. Der Radweg war oft sehr zugewachsen, manchmal mit Brenesseln oder Brombeeren, so dass wir uns sehr „schmal“ machen mussten, um ohne Blesuren davon zu kommen.

Schön ist anders, aber wenigstes sicher.

In Crawley verliessen wir die laute Hauptstrasse und fuhren auf kleineren Landstrassen über weitere Hügel Richtung Dorking. Erstaunlicherweise waren die Autofahrer auf den Landstrassen viel geduldiger als in den Städten. Zum Glück, denn es war oft sehr eng und an ein Kreuzen von zwei Autos plus Platz für Velos war nicht zu denken.

Oft wird der Enge Strassenraum noch zusätzlich durch parkierte Autos verengt.

Die Strassenbreite wurde wahrscheinlich mit der Verbreitung des Autos vor gut 100 Jahren festgelegt, und niemand hat bedacht, das die Autos heute einiges mehr an Platz beanspruchen, von Lastwagen ganz zu schweigen. Hügel gab es auch genug und so war die Strecke heute zwar nicht so lang, aber trotzdem anspruchsvoll.

Manche Hügel waren wieder ziemlich steil.

Nein, das ist kein Radweg, sondern eine „normale kleine Landstrasse“.

Erkennt ihr die Geschwindigkeitstafel „40“ ?

 

Kurz vor dem Ziel liessen die Wolken doch noch einige Tropfen fallen, so dass wir die Regenjacken überstreiften. Blöd nur, dass uns noch ein letzter, steiler Hügel vom Ziel trennte. So waren wir wohl in der Jacke feuchter als ohne.
Nun ja, es war nicht mehr weit zu unserer Unterkunft, wo auch im über 700 jährigen Gebäude die Dusche vorzüglich funktionierte. Heute sind wir im „White Horse Pub and Hotel“ untergebracht, dass seine Tore schon vor dem Rütlischwur als Rastplatz und Unterkunft für Reiter mit Pferden öffnete und auch für unsere Pferdchen heute einen besonders geschichtsträchtigen Platz bereit hatte.

Morgen nun noch die letzte Etappe. Wir freuen uns auf London.

Tag 12: 27.08.2019: Dieppe – Brighton

Distanz: 20 km, Total 858 km,

Heute Morgen hatte sich der Nebel etwas gelichtet, so dass wir noch einen kurzen Spaziergang am Strand machen konnten. Die Füsse streckten wir zwar noch ins kühle Wasser, aber für einen Schwumm am Morgen war es uns definitiv zu kalt.

Es war sowieso Zeit uns bereit zu machen, den für das Einchecken bei der Fähre sollten wir etwa 90 Min. Zeit einrechnen. Es war auch so, denn die ganze Kontrolle und der Verlad dauerte seine Zeit. Wir mussten bis ganz am Schluss warten, bevor wir auf die Fähre konnten und kaum hatten wir die Räder abgestellt, begann sich die Lucke um 12.30 Uhr pünktlich zu schliessen.

Warten auf das Verladen. Übrigens Barbara hat vor zwei Tagen ihre Fahne am Rad verloren. Jetzt macht eine gelbe Biene die Autofahrer auf sie aufmerksam.

Es war eine ruhige Überfahrt, kein Wind, flaches Meer und durch den Dunst schien die Sonne, so dass es auf Deck richtig angenehm, aber nicht zu heiss war.

Relaxen auf dem Weg nach England.

In England angekommen noch einmal Zollkontrolle und dann könnte das Radeln wieder los gehen.
Gleich nach der Abfahrt ging es mit einem heftigen Hügel los. Auch das Linksfahren ist noch gewöhnungsbedürftig und so gingen wir die Sache ziemlich vorsichtig an.

An der Küste hing ein leichter Nebel und da die Fahrt gegen die untergehende Sonne blendete es auch noch. Da mussten wir gut aufpassen, alle Schlaglöcher und sonstigen Hindernisse rechtzeitig zu erkennen.

Den weissen Klippen entlang zum Tagesziel.

Die Engländer haben in Sachen „Rücksichtnahme gegenüber Fahrradfahrern“ bereits auf den ersten Kilometern viele Punkte verspielt. Drängeln scheint ein „Volkssport“ zu sein. So fuhren wir auf Nebenstrassen so gut es ging. Als wir dann mangels Alternative die Hauptstrasse an der Küste entlang nehmen mussten, war es zum Glück erlaubt auf dem Gehweg zu fahren. Viel Verkehr schlängelte sich der Strasse entlang und so waren wir froh, endlich in Brighton an der Strandpromenade fahren zu können. Auch hier war zwar viel los, aber vor allem Fussgänger und Velofahrer aber keine Autos.

Endlich wieder autofrei.

Ein Foto vom Brighton Pier in der Abendsonne musste natürlich auch noch sein und dann bogen wir ab zu unserem Hotel. Wir waren erstaunt wieviele Touristen hier unterwegs waren. Die Engländer scheinen noch Ferien zu haben.

Durch schmale Gassen schoben wir die Räder dem Hotel entgegen und waren trotz wenigen Radkilometern von der ganzen Reise müde und froh im Hotel angekommen zu sein.

Morgen haben also die Engländer die Möglichkeit zu zeigen, dass es auch rücksichtsvoller geht.

Tag 11: 26.08.2019: Gourmay en Bray – Dieppe

Distanz: 83 km, Total 838 km,

Heute planten wir einen etwas früheren Start, denn wir wollten so viel Kilometer wie möglich gemacht haben, bevor die Sonnen am Nachmittag alles total aufgeheizt haben würde.

Bereit für eine weitere „Sonnenfahrt“.

 

Fahrt durch das morgendliche Gourmay en Bray

Es war eine gute Entscheidung denn auch heute wieder Sonnenschein pur und gegen 34 Grad am Nachmittag. Der Start gestaltete sich wie in den letzten Tagen üblich mit dem bekannten „Hügel hoch und wieder runter“. Zum Glück war es noch nicht so heiss. Dank der Nachrüstung könnte auch Barbara vorne das kleinere Kettenblatt nutzen, so dass auch die steileren Anstiege noch fahrbar waren.

Noch einmal etwas „Hügelprogramm“ zum aufwärmen.

Langsam begann sich die Landwirtschaft etwas zu verändern. Wo gestern noch fast ausschliesslich riesige Getreidefelder waren, wichen diese zunehmend Weiden, auf denen viele Rinder grasten.

Die Mutter wachte gut über ihr frisch geborenes Kalb und war wohl froh, als wir weiter fuhren.

In den Dörfern sah man vermehrt auch Backsteinhäuser, die uns schon etwas an England erinnerten.

Nach gut 40 Kilometer trafen wir auf ein altes Bahntrasse, dass zu einem tollen Radweg umgebaut wurde.

So sollten die Zufahrten zu Radwegen gestaltet sein. Wir passen da auch mit Gepäck durch.

Fast 35 Kilometer ging es nun auf verkehrsfreien Radweg dem Meer entgegen. Wie gut das Eisenbahnen steile Anstiege nicht gut bewältigen, so dass die alten Bahntrassen immer ein sehr moderates Gefälle aufweisen. Für uns hiess das nun, meist etwa 3 % hinunter und einfach geniessen. Ab und zu ging es durch Wälder mit einem geschlossenen Blätterdach, so dass wir in einem Schattentunel dem Meer entgegen radelten.
Die alten Schrankenwärterhäuser waren meistens zu gepflegten Privathäuser umgebaut worden und ab und zu hatte sich in den verlassenen Bahnhöfen ein Geschäfft eingemietet.

Die alten Häuschen sind gut in Stand gehalten.

Bahnhof und Perronanlage sind immer noch da. Nur die Schienen fehlen. Uns soll“s recht sein.

Genau zur richtigen Zeit tauchte eine alte Haltestelle auf, die zu einem Fahrradrastplatz mit gedeckten Tischen und Bänken, kaltem Wasser und sauberen Toiletten umgebaut worden war.

Toller Rastplatz

Sogar kühles Wasser zur Erfrischung war vorhanden.

Hier machten wir Rast und es blieb sogar noch Zeit für ein kurzes Nickerchen. Dann weiter, schliesslich wollten wir am Meer noch Baden.

Für dieses tolle Schloss direkt am Radweg haben wir natürlich noch einen kurzen Fotostop eingelegt.  Mesnères-en-Bray

Die Einfahrt in Dieppe verlief ganz gut, nur den dichten Verkehr waren wir fast nicht mehr gewohnt.
Als wir noch bei blauem Himmel zum Strand zu unserem Hotel fuhren, tauchte plötzlich eine dichte Nebelbank auf und hüllte den Strand in kalten, feuchten Nebel, der im Verlauf des Abends immer dichter wurde.

Bei der Ankunft am Hafen noch blauer Himmel.

Nur Minuten später senkte sich der graue Nebel über die Kreidefelsen im Hintergrund und schon bald sah man sie nicht mehr.

Das mit dem Bad im Meer liessen wir so bleiben. Aber wir waren froh, ein weiters wichtiges Etappenziel erreicht zu haben.
Morgen Mittag dann mit der Fähre in gut 4 Stunden über den Kanal nach Newhaven in England. Also fast etwas Kreuzfahrt.

Tag 10: 25.08.2019: Cergy – Gourmay en Bray

Distanz: 82 km, Total 755 km,

Heute wieder ein strahlender Sommertag und die Durchschnittstemperatur betrug über 30 Grad. Ich hätte nie gedacht, dass wir auf dieser Route Ende August mit solchen Temperaturen rechnen können. Die ganzen warmen Sachen die wir eingepackt haben, sind nicht mehr als unnötiger Belast.
Auch heute mussten wir dieses Zusatzgewicht wieder unzählige Hügel hinaufpedalen. Meist ging es dann wieder mehr oder weniger steil hinunter, um gleich wieder anzusteigen. Aus der Ferne betrachtet mag die Landschaft hier flach wirken, aber auf dem Rad ist das ganz anders.

Sieht zwar nicht so aus, aber die Landschaft hatte heute für uns gut 800 Höhenmeter parat.

Nur sehr selten gab es neben Grün und Braun noch andere Farben in der Landschaft



Bei zunehmender Hitze und meist ohne Schatten waren die Aufstiege recht kräftezehrend und haben vor allem die Durchschnittsgeschwindigkeit massiv reduziert was bedeutet, du sitzt noch länger an der Sonne und strampelst dem Ziel entgegen.

So sind Aufstiege bei mehr als 30 Grad besonders kräftezehrend.

Wenn dann die folgende Abfahrt wegen rollendem Kiesuntergrund ebenfalls kaum fahrbar ist, muss man das mit viel positivem Denken angehen.

Zumindest mental waren wir heute um einiges besser auf diese Etappe eingestellt, was sich trotz Anstrengung stimmungsmässig positiv auswirkte. Ansonsten nichts Neues. Ab und zu die immer ähnlich aussehenden Dörfer, in denen nichts los und noch weniger geöffnet ist. Die meist abgeernteten Felder, die bis zum Horizont reichen, ab und zu ein Auto das uns auf den schmalen Strassen meist sehr rücksichtsvoll überholt, bellende Hunde hinter gut verschlossenen Gartenzäunen und dann das Ganze wieder von vorn.

Dorfimpressionen:



Nach gut 50 Kilometer erreichten wir die grössere Ortschaft Gisors, wo wenigstens zwei Restaurants geöffnet waren. Endlich ein kühle Cola, dazu ein Becher Eis und die Körpertemperatur war wieder etwas abgesenkt.

Zum Glück lockte diese Kathedrale genug Besucher an, so dass zwei Restaurants geöffnet hatten.

Dann weiter, auf und ab, immer dem Ziel entgegen. Vor meinem inneren Auge wartet im Hotel ein kühles Bier auf mich und das war Motivation genug, nochmals vollen Einsatz zu zeigen.
Leider war im Hotel, ihr ahnt es schon, das Restaurant geschlossen. So musste das kühle Getränk noch etwas warten.
Zuerst die erfrischende Dusche und dann nochmals gut 2 Kilometer zurück ins Städtchen radeln. Dort fanden wir zum Glück alles was wir suchten. Kühle Getränke, feinen frischen Salat, einen Teller Pasta und Wasser sowie etwas Verpflegung für den morgigen Tag konnten wir auch noch besorgen. Somit ist alles bereit für die letzte Etappe auf französischem Boden. Diepp wir kommen!

Tag 9: 24.08.2019: Paris – Cergy

Distanz: 69 km, Total 673 km,

Gestern war also unser „Ruhetag“ in Paris. Hier einige Bilder dazu.

In Paris liessen wir die Räder im Hotel. Das war eindeutig entspannter als sich mit den vielen Rollerfahren um den knappen Platz auf der Strasse zu streiten.

Vom Doppeldecker aus genossen wir auch belebte Strassen sehr entspannt.

Auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kann man so einfach, wenigstens im Vorbeifahren, ansehen.

Ab und zu zu Fuss gehen eröffnet ebenfalls neue Perspektiven.

Heute wollten wir eigentlich nur etwas aus Paris hinausfahren und haben uns eine lockere Etappe vorgestellt. Ursprünglich war geplant, an diesem Tag noch gut 20 Kilometer weiter bis Banthelu zu fahren, aber vor einigen Tagen hat uns das dort reservierte B+B gebeten, die Nacht zu stornieren, da sie keinen Platz hätten. Bingo! Gerade in dieser Gegend sind bezahlbare Unterkünfte sehr selten. Es gibt wunderschöne Unterkünfte in alten Schlössern, aber da kostet die Nacht gut 350 Franken, was uns verschwitzten Raddlern, die nur eine Dusche und ein bequemes Bett suchen, definitiv zu viel ist.
Also musste ich nach einer bezahlbaren Alternative suchen und bin in Cergy fündig geworden. Da befriedigt man unsere Bedürfnisse für zwei Personen schon für 69 Euro, was für uns genau richtig ist.

Die Hebebrücke haben wir nur Sekunden vorher verlassen, bevor sie sich zu heben begann. Haben wir da vielleicht eine Ampel übersehen?

Ansonsten war es im Zentrum meist ganz entspannt, …

… fast so wie bei dieser Gruppe an der Morgengymnastik.


Das es aus der Stadt heraus dann doch so anstrengend wird, haben wir etwas unterschätzt. Viel „Stop and Go“, anhalten um das Navi genauer zu konsultieren, da wieder einmal ein eher abenteuerliche Routenwahl mit losem Untergrund, einige Steigungen und dazu gut 30 Grad.
Es waren schöne Abschnitte dabei, aber auch solche auf die wir gerne verzichtet hätten und wer schon mal auf Tour war kennt das vielleicht: Genau die Etappen die vermeintlich einfach sind, fühlen sich oft am mühsamsten an.

Da ging es noch ganz zügig vorwärts.

Aber leider wurde der Weg immer mühsamer.

Auch einige Hindernisse wurden eingebaut. Auf dem Foto schlecht zu sehen, aber die Gepäcktaschen passten nicht durch, da nochmals eine Verengung eingebaut war. Wer denkt sich den sowas aus?

Immerhin, wir sind auf dem richtigen Weg.

Ach ja, falls jemand den Konstrukteur dieser Treppe kennt, das nächste mal die Stossrampe bitt dreimal so breit bauen, das würde das hochschieben erleichtern.

Auch ausserhalb von Paris können die Ortschaften mit altem Glanz punkten.

Einige Orte sind so schön herausgeputzt, dass die sicher einen Sponsorenvertrag mit „Kärcher“ haben.

So erging es uns heute auch und wir waren froh, als wir endlich im Motel ankamen.
Dann wollten wir noch schnell in einem Sportgeschäfft für Barbara eine neue Sonnenbrille kaufen, da Ihre in den letzten Tagen zu Bruch ging und natürlich noch etwas Getränke einkaufen.
Morgen ist Sonntag und in der Nähe gibt es einen Lebensmittelgeschäfft, dass auch am Sonntag Vormittag geöffnet ist. So können wir morgen vor der Weiterfahrt noch etwas Proviant einkaufen, denn an einem Sonntag erwarten wir natürlich unterwegs keine offenen Geschäffte.
Und dann hoffen wir, dass es uns etwas „lockerer“ läuft als heute.

Tag 7: 22.08.2019: La Feret sous Jouarre – Paris

Distanz: 74 km, Total 604 km,

Heute stand also unsere Etappe nach Paris auf dem Programm. Wir waren gespannt, wie das sein würde, in diese hektische Milionenstadt mit dem Velo einzufahren.
Der Start um neun Uhr war noch ganz entspannt. Um dem hektischen Verkehr aus der Ausfallstrase im Ort auszuweichen fuhren wir dem Kanal der Marne entlang, der uns sehr viel ruhiger vorkam. Nach einigen hundert Metern merkten wir aber, warum uns das Navi hier nicht durchlotsen wollte, denn aus dem anfänglich guten Weg wurde ein schmaler Trampelpfad und zum Schluss war es nur noch eine vom Morgentau feuchte Wiese, auf der es mit den Liegern fast unmöglich war zu fahren.
Der Untergrund war holprig und das nasse Grass machte das Forwärtskommen noch etwas anspruchsvoller und so dass wir ein Stück sogar „schieben“ mussten.

Da war es mit vollbepackten Rädern einfach zu rutschig.

Dann ging es wieder auf Nebenstrassen, die heute aber wirklich nur sehr wenig befahren wurden, so dass auch dort das Fahren ganz entspannt war. Immer mal wieder krochen wir zum Teil recht steile Hügel hoch und rollten anschliessend gleich wieder runter. Auch so kann man Höhenmeter machen.

Wiedereinmal fragten wir uns heute, wie wir solch verkehrsarme Nebenstrassen und Wege wohl ohne Navi gefunden hätten?

Nur die wenigen alten Strassenschilder hätten uns wahrscheinlich als Wegweiser nicht gereicht.

Die Dörfer durch die wir heute radelten waren zunehmend besser herausgeputzt. Zwar gab es auch hier kaum offene Geschäffte aber überall sahen wir Baustellen, wo neue Apartmenthäuser gebaut wurden. Wir waren nun definitiv in „Pendlerdistanz“ zu Paris angekommen, wo sich die gestressten Grosstädter wohl den Traum vom Wohneigentum auf dem Land erfüllen konnten.

 

Letzte grössere Stadt vor Paris; Meaux

Die alten Bauerndörfer werden in den kommenden Jahren ihren Charakter ziemlich verändern und zu „Schlaffdörfern“ mutieren.
Etwa 30 Kilometer vor Paris trafen wir wieder auf einen Kanal, der uns bis ins Zentrum der Milionenstadt begleiten sollte.

Am Anfang ging es noch durch Wälder oder auch mal einen alten Park. Je näher wir dem Zentrum kamen, desto mehr ragten moderne Apartmenthäuser links und rechts des Kanal’s in den Himmel. Es scheint eine bevorzugte Wohnlage hier zu sein und wir können das verstehen.

Die nächsten Bilder zeigen wie man sich dem Zentrum von Paris mit dem Rad annähert. Einfach perfekt!!!


Auch die Pariser genossen den warmen Sommertag. Übrigens hatten wir bis jetzt auf der ganzen Tour perfektes Radlerwetter. Ganze 20 Minuten Regen.

Immer mehr Radfahrer, Fussgänger aber leider auch diese unsäglichen Elektroroller bevölkerten den Weg, so dass wir nun auch auf dem Radweg sehr aufmerksam fahren mussten. Die letzten gut 1500 Meter durch den Stadtverkehr zum Hotel forderten nochmals unsere volle Aufmerksamkeit und wir waren einmal mehr froh, mit dem Navi einen guten Helfer an Bord zu haben.
Im Hotel angekommen war der Herr an der Reception sehr hilfsbereit einen Platz für unsere Räder zu finden. Er zeigte uns in seinem kleinen Büro einen Platz, wo wir die Räder bis zur Abreise abstellen konnten.
Wer die kleinen Pariser Hotels kennt, weiss dass das keine Selbstverstädnlichkeit ist.
Vielen Dank dafür und die Wäsche flattert auch auf unserem Balkon und geniesst die Aussicht.

Bei dem Wetter wird die Wäsche wohl bald trocken sein.

Wir sind bereit für Teil zwei der Reise. Morgen ist aber Ruhetag in Paris und somit auch kein Blog.

Tag 6: 21.08.2019: Dizy – La Feret sous Jouarre

Distanz: 82 km, Total 530 km,

Heute ging es also den ganzen Tag durch das Tal der „Marne“ entlang der Rebhängen der Champagne Region. Landschaftlich zwar sehr schön, aber eben auch nicht sehr abwechslungsreich.
Gleich nach dem Start am Morgen genossen wir zuerst noch einmal gut 25 Kilometer besten Flussradweg. Immer auf dem Dam, feiner Teerbelag und ausser ein paar Fischern und ab und zu einigen Velofahrern waren wir ungestört unterwegs.

 

Hier haben sie auch noch ein spezielles Fitnessprogramm eingebaut.

Bald könnten wir nur noch von solchen verkehrsfreien Wegen träumen.

Bis heute sind uns auf der ganze Tour vielleicht 4 mal ander Tourenradler begegnet, meist sind es Velofahrer, die in der Gegend wohnen oder Ferien machen und einige Kilometer dem Fluss entlang radeln.
Leider wurde aus dem tollen Belag bald ein verwachsener Trampelpfad, so dass wir gezwungen waren, den Rest der Etappe auf Nebenstrassen zu fahren.

Bevor wir den Kanal verlassen mussten noch einmal ein tolles Schiff in der Schleuse.

Dieser Kapitän ermöglicht seinen Gästen eine exklusive Kreuzfahrt.

Zwar hatte es nicht allzu viel Verkehr, da aber die Strasse zu eng war um bei Gegenverkehr zu überholen, waren wir doch immer recht aufmerksam, ob sich auch alle daran hielten.
Wir können sagen, die Allermeisten haben ruhig hinter uns gewartet und nicht versucht sich irgendwie ganz knapp vorbei zu quetschen, wie wir das zu Hause auf Überlandstrassen oft erleben.

Die per Gesetz festgelegten 1.5 Meter Abstand wurden fast ausnahmslos eingehalten.

Die Strasse war natürlich um einiges hügeliger als der Flussradweg und so war immer mal wieder ein Anstieg zum nächsten Dorf zu bewältigen, aber nur um die gemachten Höhenmeter gleich wieder zu vernichten.
Die Dörfer glichen sich sehr. Viele mit schön herausgeputzten Häusern denen man ansah, das hier mit dem Champagner offenbar gutes Geld zu verdienen war. Sie unterschieden sich lediglich in den Namen der Weingüter, die hier fast überall zum Verkauf ihrer Erzeugnisse Werbung machten.
Leider scheint Champagner das einzige zu sein, was es in den Dörfern zu kaufen gibt. Nirgens ein Laden mit kühlen Getränken oder einem frischen Sandwich. Wenn wir ganz selten mal einen Laden erblickten, war er sicher geschlossen. Wir fragten uns, wo den die Leute die kein Auto hatten einkaufen gingen?

Die Dörfer zwar schön anzusehen, aber einfach nichts los und austauschbar.

Gab es im Ort einmal ein Geschäft, so war es sicher geschlossen.

Ob Kirche …..

… oder Strassenzüge. Sie glichen sich wie eineiige Zwillinge.

Sowieso ist die Nahrungbeschaffung auf dieser Reise nicht ganz einfach. Auch am Abend müssen wir jeweils froh sein, in der Nähe oder im Hotel ein offenes Restaurant zu finden.
Wir wären nicht erstaunt, wenn die Engländer am Ende der Reise in Sachen Verpflegung die Franzosen schlagen würden. Schade, das Land scheint wirklich einige Probleme zu haben.

Ach ja, der Pannenteufel schlug heute auch noch zu. Auf der Strasse war ein so langer und starker Nagel deponiert, dass dieser sogar meinen guten „Schwalbe Marathon plus“ in die Knie zwang.

Dann müsste ich doch noch mein Hinterrad ausbauen …

… denn er war zuviel auch für einen „Schwalbe Marathon plus“.

Das schwablige Gefühl bemerkte ich zum Glück gleich eingangs eines Dorfes, wo es einen prima schattigen Platz zum Radwechsel gab. Nach gut 15 Minuten waren wir wieder startklar und waren froh, nach einem anstrengenden Tag die Hoteldusche geniessen zu können.

Kurz vor dem Etappenziel führen wir noch in eine neue Region. Paris ist nicht mehr weit.

Morgen also dann in Paris. Wir freuen uns darauf.

Tag 5: 20.08.2019: Vitry le François – Dizy

Distanz: 71 km, Total 448 km,

Für heute war wieder eine etwas moderatere Etappe geplant. Mehr oder weniger dem „Marne-Kanal“ entlang und nur gut 70 Kilometer. So etwas kann einem fast schon etwas übermütig machen. Man startet am Morgen ganz gemächlich, nimmt sich immer genügend Zeit für kleine Stop’s und Fotopausen, tritt nicht ganz so stark in die Pedalen und merkt erst gegen Mittag, dass man nun doch auch etwas auf die noch vor einem liegenden Kilometer schauen sollte.
So ist es auch uns heute ergangen. Die Ausfahrt aus der Stadt im Morgenverkehr um 9 Uhr war noch etwas mühsam. Gute vier Kilometer mussten wir an einer stark befahrenen Hauptstrasse fahren und waren froh, als wir auf die ruhigen Nebenwege abbiegen konnten.

Leider waren die Hügel heute nicht ganz so moderat wie gestern und so mussten wir sogar einmal absteigen und schieben, um die vollbepackten Räder den Berg hoch zu bringen. Dafür waren die Aussichten umso beeindruckender. Felder und Hügel, wohin man schaute und auch heute wieder ein ganz spezielles Licht.

Noch ist es kühl am Morgen, aber Barbara ist bereit für die nächste Etappe.

Beim kräftezehrenden Aufstieg vergisst man manchmal fast die tolle Aussicht.

Als wir am Kanal ankamen genossen wir einfach das ruhige dahinradeln, die Spiegelbilder im Wasser und konnten einem Frachtschiffskapitän zuschauen, wie er sein grosses Schiff, das vielleicht 20 cm schmaler als die Schleuse war, ohne zu touchieren, zwischen die Schleusenmauern manöverierte.

Massarbeit. Irgendwie hat er es ohne touchieren in die Schleuse geschafft. Bravo!

Wir lieben das Kanalradeln, denn wer aufmerksam ist sieht immer etwas Neues.

Auch heute wieder etwas dem Kanal entlang und ab und zu auf den Nebenstrassen, wenn die Wegqualität entlang des Kanals ein zügiges Vorwärtskommen verunmöglichte.

Velobegeisterung in vielen kleinen Dörfern.

„Le Tour“ grüsst an allen Ecken.

 

Wir merkten, dass wir uns langsam einer touristisch etwas besser erschlossenen Region näherten, denn nun gab es immer mehr Radfahrer, die offensichtlich auf einem kurzen Ausflug dem Kanal entlang radelten.

Eine häufige Freizeitbeschäftigung. Ob da etwas anbeisst?

Meditation!

 

Wir sind im Gebiet der Champagne angekommen und der edle Tropfen zieht offensichtlich einige Champagnerliebhaber an, die hier die Rebberge und wohl auch die Kellereien besuchen.

Spiegelbilder in Bar-Le-Duc.

Da wir uns nicht wirklich zu den Kennern des perligen Weins zählen, nehmen wir das ganz entspannt. Aber ein Glas aus der Gegend wird es heute beim Nachtessen sicher geben.

Hier beginnt also die Geschichte der edlen Tropfen.



Angekommen im Mekka der Champagnerfreunde.

Tag 4: 19.08.2019: Pagny sur Meuse – Vitry le Francois

Distanz: 105.5 km, Total 377 km,

Heute hatten wir also unsere längste Etappe auf der diesjährigen Tour auf dem Programm. Knapp über 100 Kilometer sollten es werden. Da wir auf diese Tour körperlich so schlecht wie noch nie vorbereitet waren wussten wir, dass das ein langer Tag werden könnte. Also musste heute der Wecker früh gestellt werden, damit wir rechtzeitig auf der Strasse waren, um doch noch zu einer vernünftigen Zeit anzukommen. Gestern haben wir in der Nähe gelegenen Ortschaft noch die Möglichkeiten ausgekundschaftet, wo wir Getränke und Esswaren besorgen konnten, was hier besonders wichtig ist. Diese Gegend von Frankreich scheint uns in Bezug auf Einkaufsmöglichkeiten fast wie eine Wüste. Viele Dörfer in denen wir schlicht kein offenes Geschäfft finden können, was für Radler welche die Hauptverkehrsrouten meiden, nicht immer ganz einfach ist. Zum Glück gibt es hier eine Autobahnausfahrt und wo die motorisierten Reisenden ihre Fahrzeuge auftanken, gibt es zum Glück auch für Radler die Möglichkeit, in dem angeschlossenen Shop etwas einzukaufen.

So machten wir uns also bereits um 7.30 Uhr gut ausgerüstet auf den Weg. Die Nebelbänke hingen noch zwischen den Hügeln und die Landschaft schien eher wie ein Gemälde eines französischen Malers als die Wirklichkeit.

Startklar!

Das Licht zauberte ein ganz besonderes Bild bei der Abfahrt am Morgen.

Liegeradträume

Bis zum Horizont erstreckten sich sanfte Hügel und so pedalten wir leicht Bergauf, um die gewonnenen Höhenmeter gleich wieder in einer Abfahrt zu „verschenken“. Also wieder bergaufkurbeln und runter sausen. So ging das gut 20 Kilometer, bis wir einen ersten Frühstückshalt einlegten.

Danach nochmals fast 30 Kilometer oft parallel zur Autobahn, aber zum Glück immer auf einer fast verkehrsfreien Nebenstrasse.

 

Entlang der Autobahn. Wenn auch nicht immer die beste Teerstrasse, so doch wenigstens sicher.

Es fühlte sich fast etwas wie in den USA an. Kilometerlang entlang der Autobahn.

In Bar-le-Duc kamen wir wieder an den Kanals der „Marne“, dem wir nun folgten. Die Qualität des Radwegs war unterschiedlich und ab und zu wichen wir auch auf die Paralellstrassen aus, wenn auf dem Kanalweg kaum mehr als 10 km/h gefahren werden konnte.

Beeindruckendes Haus in Bar-le-Duc.

… und dann wieder entlang des Kanals.

Genau solche Ausblicke machen eine Reise aus.

Dieses deutsche Paar befährt mit einem selbstgebauten Flosboot den Kanal.

Es geht auch etwas luxuriöser. Ob das besser ist?

Diese Herde zeigte uns voller Stolz ihr jüngstes Mitglied. Das Fohlen war wohl erst ein paar Stunden alt.

Traumhafte Hochebene.

Gut 15 Kilometer vor dem Ziel hat uns dann noch eine Baustelle zu einem Umweg gezwungen, so dass nochmals Schotterstrasse angesagt war, um nicht die ganz grosse Umleitung fahren zu müssen, die für Autos vorgesehen war.

Einfahrt am Ziel auf einem tollen Radweg in der Stadt.

Einfach ein toller Ort um den Tag ausklingen zu lassen.

Kurz vor 16.00 Uhr war die Etappe geschafft und wir standen vor dem gebuchten Gasthaus, das in einer alten Villa untergebracht war. Da kein Internet vorhanden war, konnte ich das Blogschreiben auch gleich sein lassen und mich dafür im Pool entspannen. Nach einem wolkenreichen Tag kam am Abend die Sonne heraus und wir konnten den anstrengenden Tag gemütlich und mit einem feinen Teller Pasta ausklingen lassen.

Tag 3: 18.08.2019: Vinceny – Pagny sur Meuse

Distanz: 76 km, Total 271.5 km,

Heute Morgen habe ich einmal eine „Aufwachübung“ der besonderen Arth hingelegt. Beim Versuch Einstellungen an meinem Navi Gerät anzupassen habe ich einmal zu viel auf „ok“ gedrückt mit dem Resultat, dass all meine gespeicherten Tagesetappen und Routenpläne für den Weg nach London gelöscht waren. Als mir das bewusst wurde war ich mit einem Schlag hellwach. Zwar habe ich alle Etappen im Internet gespeichert, aber diese müssen mit einer USB Verbindung auf das Gerät kopiert werden. Zum Glück waren die Hotelbesitzer sehr nett und haben mir sofort erlaubt, mein Navi mit ihrem PC zu verbinden und die Dateien wieder auf das Gerät zu kopieren. Nach einigen Versuchen habe ich das sogar mit der französischen PC Einstellung geschafft und mir viel ein Stein vom Herzen als ich feststellen konnte, dass alle Tagesetappen nun wieder im Gerät gespeichert waren.
Nach einem guten Frühstück radelten wir kurz vor 9 Uhr los.
Zuerst wieder auf einem prima geteerten Radweg einem Kanal entlang und wir genossen es mit gut 25 km/h leicht Bergab dahinzuradeln.

Tolle Morgenstimmung am Kanal

Auch mit Boot oder Wohnmobil lässt es sich hier gut entspannen.

Auch heute gab es leider keine „Schleusenaktion“.

Leider endete der gute Weg schon bald und machte einem idyllischen, aber dafür umso langsameren Feldweg platz. Also war es Zeit die Routenoptionen anzuschauen und wir fanden parallel zum Kanal eine Hauptstrasse, welche an einem Sonntagmorgen nur schwach befahren war. Genau was wir suchten.

Idyllisch aber mit beladenen Liegern nich gut fahrbar. Vor allem wenn’s pressiert.

Am Sonntagmorgen war es auch in den kleinen Ortschaften noch sehr ruhig.

 

Der Wetterbericht sagte auf 14 Uhr ein heftiges Gewitter voraus und wir wollten bis dahin so weit wie möglich kommen. Als beschlossen wir die ersten 50 km ohne grosse Pause durch zu fahren. Was für ein Motivator doch so eine schlechte Wetterprognose sein kann. Leider führte die Hauptstrasse nicht immer dem Kanal entlang und so kamen wir doch noch zu einigen ungeplanten Höhenmeter, die mit voller Tourenpackung sich einfach immer doppelt so anstrengend sind.

Und wenn es auf der Strasse etwas rasanter zu und her ging, klappte Barbara selbstbewusst ihren neuen „Abstandswimpel“ herunter und beim Überholen liessen die Autos sofort mehr Platz.

Kurz vor Toul sahen wir die dunklen Wolken am Horizont vorbei ziehen. Wir hatten Glück und wurden heute vom Regen verschont.

In der Ferne noch die letzten Gewitterwolken über Toul.

Das nenn ich mal effiziente Pause. Stechen und Verpflegung in einem, sitzen können wir ja dann wieder beim radeln 😉

Ein letzter Blick auf die Mosel, die sich hier in Toul Richtung Norden wendet. Du bist ganz schön gewachsen seid wir dich vorgestern an der Quelle zum ersten Mal sahen.

Nur der teilweise heftige Gegenwind machte uns am Nachmittag zu schaffen und so waren wir doch froh, als wir am Motel eintrafen.

 

Der Wind nahm am Mittag kräftig zu und sorgte wieder dafür, dass wir nicht zu früh Feierabend machen konnten.

In solchen Orten scheint die Langeweile zu wohnen. Niemand zu sehen, nichts zu hören. Keine Ahnung was die Leute hier machen.

Dort die nächste Überraschung: Die Rezeption war geschlossen, die Bar machte Betriebsferien und der Check-In Automat kannte unsere Buchung nicht. Auf dem Handy hatte ich einen Anruf aus Frankreich und gerade als ich die Nummer zurück rufen wollte tauchte der „Hauswart“ des Hotels auf. „Ja ich habe versucht euch anzurufen“ sagte er. „Der Schlüssel liegt im Zimmer Nr. 2 für euch bereit.“ Aktuell sei wegen Ferien der Betrieb etwas reduziert, aber wenn wir etwas brauchten sollten wir ihn einfach anrufen. Er gab uns noch einen Extraschlüssel für eine kleine Scheune, wo wir die Räder unterstellen konnten und gab uns den Tip, das es in ca. 600 Meter Entfernung eine Tankstelle mit kleinem Bistro und Laden gibt, wo wir etwas zu Essen und Trinken besorgen könnten. Sonst sei hier halt nicht viel los.

Auch am Motel blies der Wind kräftig. Zum Glück schaute der Hausmeister vorbei, sonst wären wir in dieser Gegend ganz schön aufgeschmissen gewesen.

Das habe ich ja schon bei der Routenplanung festgestellt und nun scheint sich das auch zu bestätigen, hier ist wirklich „tote Hose“.

Tag 2: 17.08.2019: Ramonchamp – Vinceny

Distanz: 78 km, Total 195.5 km,

Heute starteten wir den Tag ganz entspann bei einem gemütlichen Frühstück in unserer Pension. Der Himmel war bewölkt aber die Temperartur schon sehr angenehm. Unsere Gastgeberin Nancy machte uns beim Abschied aber darauf aufmerksam, das es im Verlauf des Tages noch regnen werde.

Die Gastgeberin verabschiedete uns und wünschte eine gute Reise.

So machten wir uns auf den Weg und wollten die Gunst der Stunde nutzen. Kaum Wind und immer leicht bergab, dazu wieder auf dem tollen Radweg, was kann man sich mehr wünschen.

Wenn drei Radwege aufeinandertreffen wir sogar ein Kreisel gebaut.

„Tour de France“ Fan direkt am Radweg.

Auch sie genossen den warmen und trockenen Morgen.

 

Das beste was mit einem verlassenen Eisenbahntrasse gemacht werden kann, ein Radweg! Die stabilen Brücken sind Zeugen der früheren Nutzung

Wir staunen immer wieder wie gut hier die Radinfrastruktur ausgebaut ist. Es ist für die Region zu hoffen, dass diese Investition sich auch für die lokale Bevölkerung auszahlt und die Touristen den einen oder andern Arbeitsplatz sichern, denn hier scheint es sonst nicht wirklich viel Job’s zu geben. An vielen Häusern stehen Schilder „zu verkaufen“ und für den Quadratmeter Bauland zahlt man hier gemäss einem Schild gerade mal 32 Euro. Es scheint also wirklich keinen grossen Käufermarkt zu geben.
Als der Radweg nach ca. 20 Kilometer zu Ende war, ging es auf Nebenstrassen weiter nach Epinal.

 

Auf Feldwegen …

oder auf Nebenstrassen wo der Bauer grüsst ging es Epilan entgegen.

Hier machten wir auf einer Brücke an einer überdachten Bank einen Mittagsrast. Direkt über der Mosel, die sich nun schon zu einem stattlichen Flüsschen entwickelt hat.

Perfekter Platz für eine Mittagsrast bei Regen.

 

Der angekündigte Regen setzte ein, lies wieder nach aber nur um kurz darauf wieder anzufangen. So ging es die letzten gut 25 Kilometer bis zu unserem Tagesziel weiter. Ab Epinal wieder auf einem schönen Radweg immer einem kleinen Kanal entlang, wo alle paar Kilometer eine Schläuse auftauchte, welche es den Lastschiffen ermöglichten, die nötige Höhe zu überwinden. Leider sahen wir heute keine fahrenden Schiffe und Schläusen in Betrieb. Offensichtlich machen auch die Kapttäne der hier liegenden Steinfrachter am Wochenende eine Pause.

 

Leider hatten auch die Schleusen „Wochenende“.

 

Ein „Wasserkanal“ über die Mosel und der Radweg gleich nebenan.

Idylle pur

10 Kilometer vor dem Ziel entdeckten wir einen grossen Einkaufsmarkt, der geöffnet war. Die ideale Gelegenheit etwas Proviant für Morgen einzukaufen, da am Sonntag sicher alles geschlossen ist und wir sowieso unterwegs kaum eine Möglichkeit sahen, wo man Lebensmittel einkaufen kann.

Nach dem Einkaufsstop hatte sich der Regen nun wirklich eingelassen und Barbara schlüpfte in die Regenklamotten. Ich begnügte mich mit einer leichten Regenjacke und drückte dafür etwas auf’s Tempo, so das wir heute kurz vor vier Uhr am Ziel waren.

Sogar eine verlassene Fabrik macht sich hier am Kanal ganz gut und in der Regenpause gibt es sogar einrollen Spiegelbild.

Hier gibt es ebenfalls kaum etwas zu sehen. Das Hotel verfügt aber zum Glück über ein Restaurant, so dass wir heute auf eine abendliche Autofahrt verzichten können.

Tag 1: 16. Aug. 2019: Mulhouse – Ramonchamp

Distanz: 68,5 km, Total 117.5 km,

Heute haben wir unser 2019 Sommertour definitiv gestartet. Nachdem gestern im Büro noch alles „ferienklar“ gemacht werden musste und am Nachmittag / Abend noch ein Teamanlass stattfand war ich froh, dass wir am Morgen erst um 08.30 Uhr am Bahnhof sein mussten. Wie üblich bei der Einfahrt des Zuges ein kurzer Sprint zur richtigen Einstiegstür. Glück gehabt, es hängen noch keine Velos an den Hacken, so dass unsere Lieger prima Platz finden.

Zum Glück waren noch zwei Fahrradhaken frei.                                                                              Ohne umsteigen geht es so entspannt nach Basel. Eigentlich wollten wir die spätere Verbindung nach Mulhouse nehmen, aber in Basel angekommen packte mich doch der sportliche Ehrgeiz und ich motivierte Barbara, es mit einem Zwischensprint zu versuchen. Auch hier hat es knapp gereicht und wir erwischten den schnelleren Zug nach Mulhouse und konnten so schon einmal 30 wertvolle Minuten früher starten als geplant.

Auch im TER prima Platz für unsere Räder

Jetzt noch genügend gute Sonnencreme und es kann losgehen.

Ausfahrt aus Mulhouse

Dank Navi fanden wir einen guten Weg entweder auf ruhigen Nebenstrassen oder in den Orten etwas ausserhalb von Mulhouse waren wenigstens Radwege vorhanden, so dass wir uns trotz einigem Verkehr sicher fühlten.

Hier konnte sich der neue, breitere Vorderreifen an Barbara’s Lieger schon mal bewähren.

Dann mussten wir ein kurzes Stück einen etwas holprigen Feldweg nehmen. Ohne Tourenpackung sind die ja gar nicht schlimm, aber voll bepackt ist das dann doch etwas anders. Bald trafen wir auf den Fluss „La Thur“ an dem ein schöner Radweg entlang führte. Diesem folgten wir und kamen so durch verschiedene kleiner Ortschaften und immer weiter in die Hügel der Vogesen hinein.

Erst gut 8 Kilometer vor der Passhöhe mussten wir mangels Alternative auf die Hauptstrasse wechseln, welche uns mit moderater Steigung auf den geografischen „Höhepunkt“ der Tour, den Col de Bussang führte.

Blick zurück in’s Tal der Thur.                                                                                                 Spätestens im Aufstieg mit Gepäck wurde uns aber klar, so untrainiert sind wir wohl noch nie auf eine Tour gestartet. Was solls, einfach die Trittfrequenz anpassen und geduldig hochradeln. Zum Glück war der Verkehr moderat, wenn auch einige grosse Lastwagen und ein ganzer Zirkus mit langsamen, stinkenden Zugfahrzeugen und bis zu drei Anhängern an uns vorbei krochen. 

Jede Radumdrehung bringt dich näher zum Ziel.

Kurz nach der „Passhöhe“ bogen wir rechts ab und machten an der Quellfassung der Mosel einen kurzen Fotostop. Schliesslich begleitet uns der Fluss die nächsten Tage und wir werden sehen, was sich aus diesem kleinen Rinsal entwickelt.

So sieht also der „Geburtsort“ der Mosel aus.

Bald begann auch hier wieder ein fantastisch ausgebauter Radweg. Dazu immer leicht bergab, so dass die müden Beine sich etwas erholen konnten.

Sogar die Sicherheitsbarrieren vor einer Strassenquerung sind so montiert, dass man mit reduziertem Tempo auch ohne Absteigen mit beladenem Fahrrad durchfahren kann. DANKE!

Am Ziel leuchtet die Dorfkirche im schönsten Abendlicht.

Später als geplant trafen wir in unserer Herberge ein, wo uns die freundliche Gastgeberin Nancy schon erwartet. Sie hat zusammen das kleine alte Hotel toll renoviert und bietet nun etwa 8 Gästezimmer an. Die Bar im gleichen Haus ist leider mangels Gäste geschlossen worden.
Auch die Frage, ob es hier ein Restaurant gäbe verneinte sie. „Das nächste ist gut 2,5 Kilometer entfernt. Hier ist mein Autoschlüssel. Ihr könnt gerne mein Auto benützen und wenn ihr wollt, reserviere ich für euch.“ Wau, was für ein Service. Wir überlegten nur kurz, ob wir nicht mit dem Rad zum Essen fahren wollten, entschieden uns dann aber doch für das Auto und waren auf dem Heimweg froh die müden Knochen nicht mehr in der Dunkelheit und aufziehenden Kälte strapazieren zu müssen.

Prolog 04.08.2019: Basel – Mulhouse

Distanz: 49 km / Total 49 km / Fahrzeit 3 Std 46 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h / Wetter: sonnig 28 Grad

Optimale Route (ohne Umwege und Besichtigung in Mulhouse)

Wer uns kennt weiss ja, dass wir es auf unseren Radreisen gerne etwas gemütlich angehen. Es müssen nicht immer über 100 km am Tag sein und ab und zu ein Ruhetag um etwas anzuschauen sollte auch drin liegen.
Ich habe jedoch beim Planen der Tour rasch festgestellt, dass wir mit den zwei Wochen die uns für die geplante Tour von Winterthur via Paris nach London zu Verfügung stehen, etwas zu lange Tagesetappen fahren müssten. Den Ruhetag in Paris und etwas Zeit um uns London anzuschauen sollte ja auch noch möglich sein.

Die Lösung fand ich in der Etappierung der Anreise. Die Fahrt von Winterthur nach Basel habe ich letztes Jahr einmal bei einem Besuch von Julia und ihrer Familie absolviert. Der Abschnitt kann also abgehakt werden. Eine erste „Halbetappe“ von Basel nach Mulhouse fuhren wir also sozusagen als „Aufwärmrunde“ gute zwei Wochen vor dem eigentlichen Tourstart. Wir planten wieder einmal ein Besuch in Basel und konnten dort auch gleich übernachten. Ideale Voraussetzungen also um uns auf die Tour einzustimmen. Zudem konnten wir so in Basel auch gleich noch die nötigen Fahrkarten für den Abschnitt Basel Mulhouse lösen, so dass wir uns am Anreisetag mit kurzen Umsteigezeiten nicht auch noch darum kümmern müssen. Leider können ja in Frankreich nur noch in den TER Zügen die Fahrräder ohne „Verpackung“ mitgenommen werden und die Fahrscheine für diese Züge lassen sich nur noch an den Grenzbahnhöfen kaufen.
So diente dieser „Prolog“ also nicht nur einem letzten Fahrradtest, sondern auch der logistischen Vorbereitung.
Wie zu erwarten war, dauerte das gemeinsame Frühstück mit der ganzen Familie doch etwas länger und genossen es einfach dass wir endlich wieder einmal die Gelegenheit hatten mit allen zusammen zu sein und auch unseren jüngsten Enkel zu „knuddeln“. So war die Abfahrt etwas später als geplant, aber da wir nicht allzu viel vorhatten passte das schon.

Dieses Jahr starten wir vor Julia’s Wohnung.

Wir hätten einfach auf dieser Promenade bleiben sollen.

Eigentlich war die Route ja ganz einfach. Einfach von Julia’s Wohnung 200 Meter an’s Rheinufer und diesem bis „Weil am Rhein“ folgen. Dort den Rhein überqueren und die Wegweiser „Eurovelo 6“ beachten. Fertig!
Jedoch wurde mir mein Pflichtbewusstsein wieder einmal zum Verhängnis, denn ich befolgte eine Verbotstafel und habe mich in der Folge prompt verfahren. Ich wollte meinem inneren Kompass folgen, der mich sonst meist zielsicher führt, aber das musste ich dann nach gut 4 Kilometer aufgegeben, als wir in einer nicht sehr attraktiven Gegend entlang einer Schnellstrasse radelten.
Also alles nochmal zurück und auf der rechten Rheinseite bleiben. Dadurch fuhren wir so etwa 8 zusätzliche Trainingskilometer, die können wir sicher brauchen. Es hat dan mit der Route doch noch geklappt und wir haben den Rhein beim „Dreiländereck“ überquert.

Hier treffen die Schweiz, Deutschland und Frankreich zusammen.

Ab da folgte wir den idyllischen Kanälen auf meist guten, asphaltierten oder festgefahrenen Kieswegen.
Wir waren nicht alleine unterwegs. Viele „Sonntagsfahrer“, aber immer auch wieder mit Gepäck beladene Tourenradler kreuzten unseren Weg. Bei einer solchen Begegnung wurde es einmal etwas eng, so dass wir auf die Seite ausweichen mussten.

Einiger Sonntagsverkehr auf dem Radweg.

Nur das Sandoz Hochhaus im Dunst lässt die Grosstadt noch erahnen.

Schöne und gut besuchte Rastplätze entlang des Radwegs.

Leider war dort der Weg vom letzten Regen noch etwas aufgeweicht und die weiche Stelle überraschte Barbara so, dass sie einen Sturz nicht mehr vermeiden konnte. Zum Glück ist dieser ausser einem grossen blauen Fleck glimpflich abgelaufen. Mir wurde jedoch klar, dass der schmale Vorderreifen der seit der Dänemarkreise an Barbaras Rad montiert ist, auf solchen Wegen einfach zu wenig Halt bietet und dieser vor der Abreise noch ausgewechselt werden muss.

Schon kurz vor 15 Uhr kamen wir in Mulhouse an und waren froh, auf der Rückreise in den Zügen unsere Fahrräder noch verstauen zu können, denn es waren noch einige andere auf die Idee gekommen, ihre Radtour mit einem Zugtransfer beenden zu können.

Ob das kleine Haus noch grösser wird.

Unser Ziel haben wir aber erreicht und freuen uns nun am 16.08.2019 in Mulhouse unsere diesjährige Radtour wirklich starten zu können.

Etappe 14: 15.05.2018 Carlsbad – San Diego


Distanz: 57 km, Total 986. km, Durchschnitt 16.2 km/h, Fahrzeit 3 Std. 30 Min.

Heute stand also die letzte Etappe auf dem Programm. Zum Abschluss dieser tollen und abwechslungsreichen Rundfahrt war nochmals, ihr ahnt es schon, „Beachcruisen“ angesagt. Ich lies es aber ganz gemütlich angehen, dann es war nicht mehr weit bis zum Ferienhaus für die nächsten Tage in Mission Bay am Strand in San Diego. Meine Gastgeber mussten schon früh los und obwohl sie mir versicherten, es sei kein Problem, sie liessen den Schlüssel hier und ich könne gehen wann es mir passt, machte ich mich doch auch schon frühzeitig bereit. Die fünfzehnjährige Tochter war die Letzte im Haus und kurz nach sieben Uhr verliessen wir fast zeitgleich das Haus.

Mein letzter Warmshowerplatz für diese Reise. Die Idee und wie es funktioniert, einfach einmalig!

Auch hier erlebte ich nochmals die schöne Gastfreundschaft und mein Entschluss auf dieser Reise bei einigen Warmshowergastgebern zu übernachten hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Ich wurde nicht enttäuscht und konnte einige spannende, aufgeschlossene Amerikaner kennen lernen und einen kleinen Einblick in ihren Alltag bekommen. Ein Erlebniss das den Kontakt zu den Menschen im Reiseland nochmals vertiefte. An dieser Stelle herzlichen Dank nochmals an alle und ich freue mich, die einen oder anderen vielleicht einmal in der Schweiz als Tourenradler bei uns beherbergen zu dürfen.
Ich fuhr gemütlich durch Carlsbad und entdeckte ein schönes kleines Café. Genau der richtige Ort für einen Café und ein Schockoladengipfel. Ich setzte mich in das Gartenkaffe und schon bald kam ich mit einem Gast ins Gespräch. Er war sehr interessiert am Fahrrad und meiner Tour. Ich erzählte ihm von meiner Reise und meinen Erlebnissen bei der Warmshowergastgeber. Er lies sich den Link zur Homepage geben und war begeistert von der Idee zukünftig auch Gäste zu beherbergen. „Das werde ich machen. Ich habe ein grosses Haus, zwei Zimmer die niemand bewohnt und zwei extra Badezimmer. Das ist doch toll so mit anderen in Kontakt zu kommen“ begann er zu schwärmen. Er ist Lehrer an derselben Schule, wo ich vor über 30 Jahren in San Diego die Sprachschule besuchte. Was für ein Zufall.  Er hat schon einige kürzere Touren gemacht und es scheint fast so, als ob ich ihn mit dem Virus nun infiziert habe. Dazu gab ich ihm noch einige Tipps zu guten Webseiten zum Thema Radreisen. Ein Probesitzen auf meinem Liger war für ihn dann die Krönung und ich würde mich nicht wundern wenn er bald mal bei einem Liegeradhändler auftauchen würde.

James P. Vielleicht ein zukünftiger Tourenfahrer und Warmshowergastgeber mehr. Die Zeichen stehen gut.

Nicht alle Pick Up die mich überholten waren so „knuffig“.

Wir plauderten gut eine Stunde und dann machte ich mich auf den Weg. Wie gewohnt ging es wieder auf Radwegen der Küste entlang. Dazu immer ein bisschen Rückenwind und der Himmel klarte wie üblich gegen elf Uhr auf. Ich fuhr an verschiedenen Stateparks vorbei mit öffentlichen Stränden und teilweise auch Campingplätzen.

Carlsbad State Beach

Vor 18 Jahren war ich das erste mal mit der Familie hier. Noch immer ein toller Platz.

Auch durch die vielen schmucken Ort war es heute sehr entspannt.

Kleine Abstecher in die Parks, Fotostops usw. verlangsamten mein Fortkommen natürlich. In einem kleinen Lebensmittelgeschäfft kaufte ich ein frisch zubereitetes Sandwich, suchte den nächsten schönen Platz am Strand und genoss es einfach hier unterwegs sein zu dürfen.

San Elijo State Beach, traumhafte Stellplätze

Sie segelten ohne Flügelschlag den Sandklippen entlang.

Was für ein schöner Platz für eine Mittagspause.

Im Kopf lies ich meine Reise, dies sich nun dem Ende zuneigte, nochmals Revue passieren. Ich habe auf dieser Tour einen vielfältigen Einblick in Südkalifornien bekommen und obwohl ich in der Gegend schon öfter unterwegs war, habe ich auch dank der Reise mit dem Rad, viel Neues entdeckt. Die kleinen schmucken Dörfer auf der ersten Etappe über die Berge nach Borego Springs, die heftigen Winde die den Einsatz meines „Rettungswagen“ nötig machten, die Übernachtung bei Craig in seinem „Wüstenparadis“, die tolle Landschaft in Big Bear Lakes, die Fahrt durch die Wüste bei zum Teil kräftigen Winden, die vielen Erlebnisse bei meinen Gastgebern und zum Schluss die paradiesische Fahrt entlang der Küste. Ein bunter Mix von anstrengenden aber auch entspannten und schönen Etappen.

Kalifornische Strände ohne Ende. Nur noch der Hügel im Hintergrund trennt mich von San Diego.

Ganz nach dem Motto: Ein Auto bewegt den Köper, ein Fahrrad bewegt die Seele.

Ich konnte die Reise zwar nicht genau wie geplant umsetzen, aber manchmal ist es eben auch nötig das man an einen Plan rechtzeitig die nötigen Korrekturen vornimmt, bevor man sich „verrennt“, um trotzdem ein gutes Ergebniss zu erzielen. So ist die Reise für mich eine Erfahrung mehr auf meinem Lebensweg und hat mir gezeigt das manchmal gerade die rechtzeitige Anpassung vorgefertigter Ideen und Meinungen der richtige Weg zum Erfolg sein kann.
Mit diesen Gedanken und viel Dankbarkeit darüber, dass auch diese Reise wieder unfallfrei verlief, genoss ich die letzten Kilometer und kam mit leichter Verspätung am vereinbarten Treffpunkt mit Susi und Max am Bellmont Park an.

Ein bisschen „Griechenland“ bei der Einfahrt in San Diego. Appartementsanlage „Santorini“

Noch 300 Meter bis zum Ziel entlang der Promenade in Mission Beach.

Auch diesmal herzlichen Dank an alle Blogleser. Es hat mir wieder Spass gemacht zu sehen wie viele von euch ein Stück mit mir auf Reise gegangen sind und ich freute mich über die verschiedenen Reaktionen.  Einen herzlichen Dank auch an Susi und Max die mit ihren „Rettungseinsätzen“ auf den ersten Etappe massgeblich zum Gelingen der Tour beigetragen haben. Es war toll euch in der Nähe zu wissen. DANKE!

Bis zum nächsten mal: Safe travel’s

Etappe 13: 14.05.2018 San Clemente – Carlsbad CA

Distanz: 59 km, Total 929 km, Durchschnitt 16.5 km/h, Fahrzeit 3 Std. 38 Min.

Einfach ein weiterer toller Tag an der Beach. Am Morgen verabschiedete mich von meinen fantastischen Warmshowergastgebern, die mich mit ihrer Offenheit und Gastfreundschafft einmal mehr überraschten. All meine Gastgeber haben mir eine in Europa leider zu wenig wahrgenommene Seite der Amerikaner gezeigt. Offene freundliche Leute die mit Freude andere Menschen und Kulturen kennenlernen wollen, sehr gastfreundlich sind und die nicht Trump gewählt haben.

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Chris und James ziehen ihr eigenes Gemüse im kleinen Garten.

So langsam nähere ich mich San Diego und ich habe noch zwei Etappen vor mir. Man könnte das in einem Tag locker schaffen, aber warum nicht gemütlich nehmen wenn Zeit da ist. So war es wieder eine lockere Fahrt der Küste entlang. Wiederum viele schöne und verkehrsfreie Radwege. Diese führten mich immer mal wieder durch die verschiedenen Staate Parks an der Küste, die sowohl von Tagesausflüglern als auch wo vorhanden von Campern genutzt werden. Fahrräder und Fussgänger haben jeweils freien Eintritt. Das Gute für Radfahrer, da gibt es immer Sanitäre Anlagen und gedeckte Rastplätze, die sich hervorragend für eine Pause eignen.

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Öffentliches Schwimmbad in San Clemente

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San Clemente Hauptstrasse; nicht nur der Name klingt mexikanisch, auch die Architektur erinnert an den Süden

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Rastplatz im San ClementeLong State Beach

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Heute verlor ich das „Rennen“ gegen den Surfliner.

Heute hatte ich noch den Abschnitt durch die Militäsbasis „Camp Pendelton“ vor mir. Ein grosses Gebiet direkt an der Küste, das von der US Navi für die Ausbildung ihrer Truppen genutzt wird. Die Radroute führt quer durch das Gelände und bis vor ein paar Jahren konnte das von allen Radlern mit gültigem Pass auch genutzt werden. Meine Internetrecherche hatte ergeben, dass das nun nur noch für US Amerikaner und Kanadier möglich ist. Auf Anraten meine Gastgebers fuhr ich trotzdem zum Eingangtor um einen Versuch zu starten, doch  ich wurde freundlich aber bestimmt abgewiesen, „Sorry, only für US Citizien“ sagte die Wache. Also blieb nichts anderes übrig als auf die Autobahn Interstate 5, was auf diesem Abschnitt für Radfahrer auf dem Pannenstreiffen erlaubt ist. So kam ich also doch noch zu einigen Autobahnkilometer, aber ich war froh diese stark befahrene, vierspurige Strasse in Oceanside wieder verlassen zu können.

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Ab auf die Autobahn

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Ein weiteres Symbol für die riesigen, sozialen Unterschiede hier. Einerseits ein Truck der Superlative …

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Andererseits eine alte Karre, die wohl ausrangierte Waschmaschienen nach Mexiko bringt.

Ich hatte noch etwas Zeit, da mein Gastgeber heute Abend erst gegen sechs Uhr zu Hause ist. Also bin ich in Oceanside noch etwas an den Strand, habe die Sonne genossen und im Schatten schon mal mit Blogschreiben angefangen.

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Wie schon so oft gesehen, hat auch Oceanside seinen „Romantikhafen“.

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Windiger Tag an der Beach, aber an der Sonne ganz angenehm.

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Heute genossen auch die Kitesurfer den Tag an der Beach.

So stelle ich mir einen Bürotag vor!

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Ich muss mal noch mit meinem Boss über das Thema „mobilen Arbeitsplatz“ reden.

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Kurz vor dem Ziel im schmucken Carlsbad.

Zum Schluss nur noch ein kurzes Stück zu meinem letzten Warmshowergastgeber Steve und seiner Familie. Er war mit den zwei Hunden alleine zu Hause, da die Frau und Tochter an einer Theaterprobe waren. Er kochte feie Lasagne und machte selber Eiscreme. Ich genoss es wieder mit ihm zu plaudern und von einem Lehrer etwas über seine Ansichten des amerikanischen Schulsystems zu hören. Solche Begegnungen machen diese Art zu Reisen für mich so spannend und wertvoll.

 

Etappe 12: 13.05.2018 Long Beach – San Clemente

Distanz: 70 km, Total 870. km, Durchschnitt 18.02 km/h, Fahrzeit 3 Std. 52. Min.

Wieder startet der Tag bedeckt und kühl. Kaum zu glauben das nur eine Stunde später die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint und es sich im T-Shirt und kurzen Hose richtig gut anfühlt. Ein guter Teil der heutigen Etappe darf wohl nicht mit dem Namen „Radtour“ bezeichnet werden. Das war eher gemütliches Strandfahren und ich war nicht allein.

Start in Long Beach zu einer 30 km langen Strandfahrt.

Hier können auch die Kleinen üben. Im Hintergrund einige der Ölförderplattformen die hier an der Küste stehen.

Überall waren die Leute am Strand unterwegs, ob mit Fahrrädern, Rollschuhen oder zu Fuss. So war zeitweise auf dem Radweg grosse Vorsicht geboten. Aber ich hatte ja nichts zu pressieren, denn die 70 km können nicht so anstrengend sein und mein Warmshowergastgeber hat mich gebeten nicht vor vier Uhr dort zu sein, da sie noch einen Ausflug machten.

So stoppte ich sobald die Sonne sich gegen die Wolken durchsetzte und diese rasch vertrieb. Ich schaute dem Treiben zu, fuhr ein paar hundert Meter, stoppte wieder, genoss die Sonne usw.

Einfach der perfekte Platz für eine kurze Pause.

In Huntington gib es einen Strandabschnitt, wo Hunde erlaubt sind. Davor ein grosser Parkplatz. Da in Kalifornien die Hunde nur in bestimmten Abschnitten an den Srand dürfen fahren die Hundebesitzer z.T. beachtliche Strecken, um ihren Liebling mal frei laufen zu lassen. Die ganze Meute spielte friedlich und es machte Spass ihnen zuzuschauen.

Unterwegs sprach mich heute ein Mann an der auch mit Radtaschen unterwegs war. Er fragte nach dem „Woher- und Wohin“ und erzählte, dass er nur auf einer Trainigsfahrt sei. In drei Wochen fliegt er nach Barcelona und wird sieben Wochen später ab Rom wieder zurückfliegen. Dazwischen plant er die Küste mit dem Fahrrad kennen zu lernen. Wir plauderte ein bisschen und tauschten einige Radlerinfos aus.
So verging die Zeit und bis 13.00 Uhr hatte ich erst 20 Kilometer zurückgelegt und merkte, dass ich nun doch ein bisschen Distanz machen sollte.

Es war es hilfreich das ich nach weiteren 10 Kilometer „Strandfahrt“ mal wieder auf einer richtigen Strasse fahren musste. Da fällt das Vorwärtskommen definitiv leichter. Doch auch hier gab es einiges zu sehen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. 20 Kilometer war die Strasse links und rechts, teilweise bis in die Hügel hinauf zugebaut mit millionenteuren Villen. In jedem Hafen oder an den Anlegestellen vor den Häusern schwammen Unmengen von teuren Jachten und die Autohändlern an der Strasse bieten Ferrari, Porsche und Benntly an. Ich frage mich woher so viele so reiche Leute kommen. Unglaublich.

 

 

Luxuseinkaufszenter vor Luxusvillen.

Und dann gab es noch die ganz exklusiven Wohnlagen.

Im Ort „Laguna Beach“ war dann so wirklich das Top an teuren Adressen erreicht. Die Stadt war von den Ausflüglern richtig überrannt. Die Autos kamen nur noch im Schrittempo voran. Zum Glück konnte ich meist rechts vorbei. Die Küstenstrasse hatte einige knackige Anstiege, aber belohnte diese mit toller Aussicht.

Zum Schluss gab es in Dana Point nochmal ein paar Kilometer Küstenradeln, bevor ich nach dem kurzen Aufstieg auf einen Hügel meinen nächsten Warmshowergastgeber Gastgeber James und seine Frau traf.

Zum Abschluss noch ein paar Meter im „Radlerparadis“.

Southern California, that’s it!

Sie wohnen in einem älteren, aber mit viel Charme ausgestattet Haus mit kleinem Gemüsegarten und vielen Pflanzen. Sehr tolle relaxte Leute und ich habe mich wieder sofort wohl und zu Hause gefühlt und mit ihnen einen tollen Abend genossen.

Etappe 11: 12.05.2018 Venice – Long Beach

Distanz: 51 km, Total 800. km, Durchschnitt 16.01 km/h, Fahrzeit 3 Std. 09. Min.

Für die heutige Etappe habe ich in der Planung ein gemütliches „beachcruisen“ geplant. Leider spielte das Wetter nicht so mit und aus der Fahrt an der Sonne wurde eine mehr oder weniger kühle, teilweise feuchte Etappe dem Strand entlang. Trotzdem war es gemütlich, denn dies war meine bisher kürzeste Etappe und so startete ich ganz entspannt. Mein Motel letzte Nacht erinnerte mich eher etwas an meine früheren Reisen in Indien oder Pakistan. Zwar war es gut gelegen, aber mit der Sauberkeit war es nicht wirklich weit her. Ich packte also meinen Schlafsack aus um zu vermeiden, in diesem etwas schmuddeligen Bettzeug schlaffen zu müssen. Immerhin war die Lage ganz gut, so dass ich gestern Abend zu Fuss bei einem guten Mexikaner etwas essen konnte. Wenn man mit dem Rad unterwegs ist, ist die Lage der Unterkunft eben auch ein wichtiger Faktor. Mit dem Auto zum Essen ein paar Kilometer zu fahren mag ja in Ordnung sein, mit dem Rad durch dunkle Quartierstrassen radel zu müssen ist aber nicht meine Sache.

Ich hätte es ahnen sollen, den es machte auch von Aussen einen sehr indischen Eindruck.

Es hielt mich also nichts an diesem Ort und ich machte mich am Morgen frühzeitig auf den Weg. In der Nacht hatte es geregnet und es war noch kühl, so dass wieder mal „Zwiebelschicht“ angesagt war. Die Route war heute wirklich perfekt. Kurz nach dem Hotel konnte ich auf einen Radweg einbiegen, der mich fern vom Verkehr immer den Stränden entlang bis in den Süden von Los Angeles führte.

Marina Del Rey. Retro „Hafenromantik“

Schöne Wohnlagen, direkt am Strand.

 

An der Dockwiler Beach machte ich eine längere Pause und bestaunte die vielen Flugzeuge die hier im Minutentakt vom Internationalen Flughafen LAX starteten. In einem Beachcafe genoss ich mein Frühstück und schaute etwas den Surfern zu die versuchten Ihre perfekte Welle zu finden.

Sie versuchen mit Planen die Errosion der Hügel aufzuhalten, denn sie haben buchstäblich „auf Sand gebaut“.

Logenplatz für Flugzeugenthusiasten. Leider spielte das Wetter zum fotografieren nicht mit.

Ich habe mich gesteigert. Heute beim Frühstück schon mal eine tolle Aussicht und einen richtigen Teller. Nur das Besteck bestand nach wie vor aus Plastik.

Auf dem Radweg waren viele Leute unterwegs. Familien wie auch Rennradclubs, die den freien Samstag für eine Fahrt entlang der Küste genossen. Ich machte immer wieder kleine Pausen, fuhr da und dort in die Hafenanlagen um die Boote zu bestaunen und genoss es, heute einfach mal gemütlich zu pedalen. Gut 30 Kilometer konnte ich heute so auf separaten Radwegen zurücklegen.

Bei den Fensterfronten können Sie des Ausblick wirklich geniessen.

Hier mal ein „Vorher – Nachher Bild“ zum Häuserbau in Kalifornien. So toll sie auch aussehen, es ist nichts als Holzlatten und Holzbeplankung. Alles schön verputz und fertig! Hier wird eben nicht für die „Ewigkeit“ gebaut.

Ein Stadtdurchquerung könnte schlimmer sein.

In der Gegend von Torance musste ich dann die Küste verlassen und quer durch die Stadt fahren. Auch das klappte ganz gut, denn am Samstag waren die drei Fahrbahnen nicht so stark mit Verkehr belastet, so dass ich die rechte Spur meist für mich in Anspruch nehmen konnte. Kurz vor dem Ziel durchquerte ich noch ein riesiges Industriegelände mit Raffinerien, Containerterminals und einigem Lastwagenverkehr.

Zuerst viel Industrie …

und schon bald wieder Einfamilenhausidylle.

Auch der Abschnitt in der Stadt verlief an diesem Samstag recht stressfrei. Am frühen Nachmittag hatte ich mein Ziel erreicht und machte zu Fuss noch einen Spaziergang an den Strand und zum Hafen. Hier findet morgen ein grosses Radrennen statt. So etwas wie die „Tour de Swiss“ von Kalifornien. Die Strassen sind schon abgesperrt und die Festzelte aufgebaut. Vielleicht schaue ich mir das Morgen noch kurz an, sofern es in meinen Tagesplan passt.


Die Queen Mary wird heute im Hafen von Long Beach als Hotel genutzt.

Nochmals kalifornischer „Hafencharme“. Sieht hier überall sehr ähnlich aus.

Auch grosse Büro- und Appartementsgebäude stehen mache am Strand.

Er bewachte heute die Bootsstege.

Das Ziel ist aufgebaut, die Strassen gesperrt und …

 

das Schweizer BMC-Team hoffentlich bereit.

Auch Morgen habe ich nicht allzu weit zu meinem nächsten Warmshower Gastgeben. Ich freue mich schon jetzt auf eine weiter, spannende Begegnung.

Etappe 10: 11.05.2018 Ventura – Venice (LA)

Distanz: 103 km, Total 749. km, Durchschnitt 18.9 km/h, Fahrzeit 5 Std. 25. Min.

Zuerst noch bunt gemischt ein paar Bilder von meinem Ruhetag in Ventura. Da habe ich übrigens einen anderen Tourenradler getroffen der sich ein Jahr „Radurlaub“ gönnt. Er plant im Sommer auch in Europa zu radeln und so habe ich ihm bei einem Kaffee einige Infos und Tipps gegeben, was bei Touren in Europa zu beachten ist. Leider habe ich kein Foto von Gabriel gemacht.

Blick an die Sanddünen; zumindest vom Parterre aus.

Klein aber fein

Irish Pub? Gibt’s da auch!

Miami Beach Art Deco District? Nein Kino in Ventura

Ventura Pier, das längste in Kalifornien. Die Wälder auf den Hügeln im Hintergrund sind beim verheerenden Waldbrand im Spätherbst 2017 abgebrannt, nun wächst wieder etwas Gras über die Sache.

Auch das gibt es im automobilen Amerika: tolle Radwege

Noch immer bestes „Flaggenwetter“

Die heutige Etappe war geprägt von eine Fahrt immer entlang der Küste auf dem bekannten Hwy 101. Leider zeigte sich schon am Morgen, dass das mit einem gemütlichen Cruiser entlang der Beach wohl nichts werden würde. In der Nacht sind die Wolken  aufgezogen und hingen den ganzen Tag dunkel über der Küste. Auch die Temperatur ist kräftig gefallen und am Morgen war es mit knapp 17 Grad recht kühl. Also wurden mal wieder die Windstopperjacke und wärmenden Armlinge hervorgekramt. Gleich hinter dem Motel führt die „Pacific Coast Bike Route“ vorbei. Eine Radroute die von der kanadischen Grenze immer dem Pazifik entlang bis zur mexikanischen Grenze in San Diego führt. Diese Route steht natürlich noch auf meiner „to do Liste“, aber ich kann ja den Abschnitt von Ventura bis San Diego im Rahmen dieser Reise schon mal „vorsondieren“. Zeitweise kam ich mir vor wie auf gut ausgeschilderten Radwegen in Europa. Jeder Abzweiger war gut ausgeschildert, so dass das Navi heute einen Ruhetag einziehen konnte.

Platz für Radfahrer, zum geniessen.

Wie so oft startete ich ohne Frühstück um zuerst schon mal ein paar Kilometer zu machen bevor es etwas zu essen gibt. Ich habe festgestellt, dass das ganz gut funktioniert, sofern man vor dem Start genügend trinkt.
Nach gut 20 km lockte mich in kleinen Ort Oxard ein kleines Restaurant mit dem Angebot „Breakfast for 5.99 USD“. Das Lokal war sehr einfach aber sauber und wurde offenbar von einer mexikanischen Familie geführt. Für knapp 6 Franken bekam ich zwei Spiegeleier, Tost, ein Stück „Rösti“ und zwei Scheiben Speck. Der Kaffe, soviel man will, kostete noch 2 Dollar extra. Nicht schlecht. Das der Patron des Hauses in der Kochschürze gerade dabei war seinem Laden einen neuen Anstrich zu verleihen, machte das ganze für mich nur noch sympathischer. Gute gestärkt machte ich mich auf den Weg.

In Oxard.

Sie haben ihren ganz speziellen Charme, die kleinen „Dinner“.

Der Boss als Maler im Einsatz. Was da wohl die Gesundheitsbehörde sagen würde, wenn sie es wüsste 😉

Bei uns wohl undenkbar: Frühstück im Restaurant auf Styroporteller und mit Plastikbesteck serviert.

Die Strasse verlief immer der Küste entlang und anfänglich hatte ich mit einem kräftigen Gegenwind zu kämpfen, der zum Glück immer schwächer wurde. Die Wolken sahen nach wie vor bedrohlich nach Regen aus, konnten sich zum Glück aber zurückhalten ihr Wasser auf mich niederzuprasseln zu lassen. Ich wurde unterwegs von einigen Gruppen Rennradfahrern überholt die offensichtlich ihre Trainingseinheiten für das am Sonntag in Huntingten Beach stattfindende AMGEN Radrennen absolvierten. Viele überholten mich freundlich grüssend und waren offensichtlich froh, auf ihren leichten Carbonrädern nicht auch noch mein Gepäck die Hügel hinauf transportieren zu müssen.

Zum Glück haben Sie hier eine Schneise gegraben.

Separater Radweg auf der Brücke bei Oxard

Delphine konnte ich heute auch beobachten. Leider tauchten sie nie ganz aus dem Wasser auf.

Point Muga State Beach

Im Gebiet um Oxard war nochmals viel Landwirtschaft zu sehen. Auch das Anbauen und verkaufen von Rasenflächen scheint ein gutes Geschäft zu sein.

Beachcruisen habe ich mir wärmer vorgestellt.

In Malibu bestaunte ich die vielen Villen, die meist verteckt hinter hohen Mauern oder dichtem Gebüsch, zwischen der Strasse und dem Strand erbaut waren. Andere Häuser standen buchstäblich im Meer.

Der Weg zum morgendlichen Schwimmen ist nicht weit.

Nach Malibu nahm der Verkehr immer mehr zu und ich war froh das es heute nicht ein sonniger Wochenendtag war, denn auf der rechten Strassenseite war auf der ganzen Strecke das Parkieren erlaubt. Bei geparkten Autos musste ich aber oft auf die Fahrbahn ausweichen, womit es ab und zu recht eng wurde. Ab Santa Monica stellte ich mich auf den Modus „take your line“ ein. Das bedeutet, dass man eher in der Mitte der Fahrbahn fähert um den Überholenden klar zu machen, dass sie bitte genügend Platz lassen sollten. Immerhin hatte die Strasse hier meist 2 – 3 Fahrbahnen. Es lief problemlos und so nach vier Uhr Nachmittags hatte ich mein Ziel erreicht.

Einfahrt in Santa Monica

Santa Monica Pier

Morgen ist Samstag und somit kein Berufsverkehr. Eine gute Voraussetzung um eine Grossstadt wie Los Angeles zu durchqueren. Ich habe nur knapp 50 Kilometer bis zu meinem nächsten Motel, aber Grossstädte sind in der Regel anstrengend und wegen der vielen Stopstrassen und Lichtsignale lässt sich meist keine vernünftige Durchschnittsgeschwindigkeit erzielen. Ich habe also in der Planug vorgesorgt und sollte morgen entspannt meinen nächsten Übernachtungsplatz erreichen.

Etappe 9: 09.05.2018 Castaic – Ventura

Distanz: 88 km, Total 646. km, Durchschnitt 17.3 km/h, Fahrzeit 5 Std. 02. Min.

Heute ging es also wieder zurück an die Küste. Für den ersten Teil der Route war auch die Wahl der richtigen Strasse ziemlich einfach. Nur der Hwy 126 führt durch das Tal in die Richtung, in die ich wollte. Also vom Hotel einfach zur Strasse und dann auf dem Seitenstreiffen lossausen. So dachte ich es mir, aber an der Auffahrt war eine Tafel: „Keine Fahhräder“ stand da. So ein Mist! Also habe ich nochmals die Karte auf den Handy angeschaut und gesehen, dass es von Castic noch einen Umweg gab und die Route etwas weiter unten auf die 126 führte. Also fuhr ich nochmals zurück und fuhr auf einer kleinen Nebenstrasse durch kleine Orte und traf in Del Valle wieder auf die 126. Dort war keine Tafel mehr die mir die Auffahrt verbot und ich war auf dem Weg.
Dieser führte bei immer mehr aufkommenden Gegenwind leicht bergab. Die Temperatur startete heute Morgen mit 26 Grad noch moderat, aber stieg im Verlauf des Tages wieder auf 37 Grad. Mit dem Gegenwind fühlte es sich aber nicht ganz so heiss an. Links und rechts der Strasse überall grosse Orangenplantagen. Ab und zu wurden auch andere Früchte oder Gemüse angebaut, aber die Orangen begleiteten mich heute auf fast 50 Kilometern. 

Orangenplantagen auf dem ganzen Weg


Ab und zu auch mal was anderes. Hier Artischocken


Überall blühte es


Alle Plantagen wurden natürlich künstliche bewässert, womit auch klar ist, warum hier alle Wasserreservoirs und Flüsse ausgetrocknet sind. Ab und zu waren kleine Ortschaften entlang der Strasse und da ich es heute gemütlich angehen lies, fuhr ich jeweils durch diese Orte und schaute mich etwas um. Viel schöne alte Hauptstrassen und ab und zu sogar etwas Eisenbahnromantik in Piru und Fillmore.



Nicht nur schöne alte Lok’s gab es zu entdecken.

In den Strassen von Fillmore


Ansonsten gibt es heute nicht viel besonderes zu berichten ausser das mich das „Google Auto“ etwa 30 Meilen vor Ventura auf der 126 aufgenommen hat. Mal sehen ob ich in ein paar Wochen dort auf Streetview zu sehen bin. Die Fahrt verlief ereignislos, dafür einfach etwas mehr Fotos von unterwegs. 

Dank der Routenplanung war auch die Fahrt durch Ventura hinunter an die Küste sehr entspannt. Ich fuhr meist auf kleinen Quartierstrassen und bestaunte die schmucken Strassen und Häuser. 

Quartierstrasse in Ventura


Im Motel freute ich mich schon auf das erfrischende Bad, aber so scheint das keinen Spass zu machen. 

Das wird wohl auch morgen nichts mit einem Bad im Pool 😦


Na ja, das Meer ist nur 5 Minuten zu Fuss entfernt und morgen an meinem Rasttag habe ich mir vorgenommen ein Bad im kühlen Pacific zu nehmen. Ich hoffe die Sonne wärmt mich genug auf, so dass ich die kalten Temperaturen aushalte. Heute hat es am Abend nur mal für ein Fussbad gereicht.

Ich bin definitiv in Südkalifornien an der Küste angekommen.


Morgen also Ruhetag und somit kein Blog. Übermorgen geht’s dann weiter nach Venice.   

Etappe 8: 08.05.2018 Palmdale – Castaic

Distanz: 75 km, Total 558 km, Durchschnitt 18.9 km/h, Fahrzeit 3 Std. 57. Min.

Heute machte ich mich auf den Weg zurück an die Küste. Nach einer erholsamen Nacht bei meinen wunderbaren Warmshowergastgebern gab mir Evelyn am Morgen noch eine gute Routenempfehlung, wie ich am besten über die Hügel fahren sollte. Sie hat mir eine etwas nördlichere Route vorgeschlagen, da dort weniger Verkehr sei. Den Rat befolgte ich gerne und fuhr bei wenig Verkehr los Richtung Westen. 

So schön kann man bei Warmshower Gastgebern schlafen. Leider habe ich vergessen von Evelyn ein Foto zu machen 😦

 

Der Weg führte vorbei an den fein herausgeputzten Häsusern der Menschen, die in der Regel zwei Stunden Autofahrt nach Los Angeles zur Arbeit in Kauf nehmen, um hier in diesen Siedlungen ihr Traum vom Eigenheim leben zu können.

Die Autos der Schüler der Highschool stehen im Schatten unter Dächern mit Solaranlagen. Nicht schlecht.

Der erfüllte Traum vom Eigenheim

 

Dann stieg die Strasse leicht an und links und rechts waren schöne Farmhäuser und viele Perdefarmen zu sehen. Kurz vor dem Gipfel gab es nochmals einen steileren Anstieg zu bewältigen, denn auch heute machte ich gut 700 Höhenmeter. Von da an ging es dann aber durch einen schönen Canyon immer bergab durch den „Los Angeles National Forest“. 

Noch einmal musste ich kräftig in die Pedalen treten, bevor ich die Abfahrt geniessen konnte.

Eine ganz andere Welt als in Palmdale

Idyllisches Farmerleben

Die etwas grösseren „Rinder“. Zum Glück muss ich die nicht in den Stall bringen.

Nicht schlecht, dieses Einfahrtstor.

Er darf sich weder über wenig Platz noch schlechte Aussicht beklagen.

 

In Green Valley legte ich bei einem kleinen Laden eine Pause ein um etwas Kühles zu trinken. Als ich wieder losfahren wollte stellte ich fest, das mein Vorderreifen total platt war und auf den Felgen lief. Seltsam, ich hatte ja auf der Fahrt überhaupt nichts bemerkt. Die Luft musste also während der kurzen Zeit in der ich im Shop war entwichen sein. Ich suchte den Reifen nach einem Nagel oder so etwas ähnlichem ab, konnte aber von Aussen nichts entdecken. Ich nahm den Reifen ab und da sah ich im Schlauch einen ca. 3-4 cm langen Riss. Da half auch kein Flickzeug mehr, der Schlauch landete im Abfall. Ich hatte wohl grosses Glück, dass mir das nicht während der Bergabfahrt bei Tempo 50 km/h passiert ist. Einen besseren Ort für so eine Panne konnte ich gar nicht finden. Im Schatten den Schlauch wechseln, im Laden die Hände waschen und noch ein kühles Getränk kaufen, einfach perfekt.

Heute war wieder einmal klar, warum ich das ganze Flickzeug immer mitschleppe

Da gibt es nichts zu reparieren.

 

Danach ging es problemlos weiter nach Santa Clarita. Dort steht der Achterbahnvergnügungspark „Six Flag Magic Mountain“, weshalb die Motelpreise höher sind. Da ich für die nächsten Tage keine Warmshowerplätze mehr gefunden habe, bin ich wieder auf Motel’s angewiesen. 

Ab jetzt ist wohl Schluss mit ruhigen Nebenstrassen.

Achterbahnen soweit man schaut. Aber alleine macht mir so ein Park keinen Spass, also weiterfahren.

 

Also fuhr ich ein paar Kilometer Richtung Norden, wo die Preise sich wieder im zweistelligen Bereich bewegen. Bei einer Autobahnausfahrt wurde ich fündig. Das Motel bot alles was Reisende, egal ob sie mit dem Auto oder Fahrrad unterwegs sind, so brauchen. Günstiges Zimmer, ein kleiner Pool zur Abkühlung, eine Gästewaschmaschine um die Wäsche zu waschen und in der Nachbarschaft Tankstellenshops und Verpflegungsstätten. Ich halte mich bei meinen USA Reisen oft an Autobahnausfahrten, denn dort ist diese Ansammlung meist garantiert.

Auch für Radfahrer als Servicestation geeignet.

 

So verging der Nachmittag mit Wäschewaschen, im Pool abkühlen und etwas ausruhen wie im Fluge. Nun ist es schon dunkel und höchste Zeit noch den Blog fertig zu stellen bevor ich schlafen gehe. Morgen werde ich in Ventura wieder die Küste erreichen um ihr dann in relativ kurzen Etappen bis San Diego folgen. Der Kreis beginnt sich zu schliessen.