Unsere Räder

Unser Weg zum eigenen Liegerad:

  1. Die Entscheidungsfindung: Zuerst ein ausgiebige Recherche im Internet. Dank den vielen Blogs und Foren konnte ich mir ein gutes Bild über die aktuellen Modelle verschaffen. In einer ersten Phase wurde dann anhand eines Kriterienkatalogs eine Vorentscheidung getroffen. Auf Grund von Testberichten und Recherchen im Netz haben wir uns schon früh für Modelle der Firma HP Velotechnik entschieden.
  2. Der Kriterienkatalog: Tourentauglichkeit / Nabenschaltung / Transportmass / Federung / Kundenzufriedenheit / möglichkeit für ausgiebige Testfahrten
  3. In die engere Auswahl kamen: HP – Streetmachine  / HP – Grasshopper fx
  4. Probefahrt am 2. + 3. März 2013:

Unsere ersten Eindrücke von den Probefahrten:

Fredy Probefahrt

03.03.2013: Erste Probefahrt auf dem Grasshopper fx

Barbara bei kaltem Wetter auf der Streetmachine

Barbara bei kaltem Wetter auf der Streetmachine

Wenn es kalt ist gibt es auf Grund der hochgelegten Beine bei einem Liegerad ganz neue Körperstellen die auskühlen können, z.B. zwischen den Beinen!

Die HP Streetmachine hat durch die Laufruhe überzeugt, war aber in der Sitzposition für unsere Körpergrösse (168 + 170 cm) im Stand fast etwas zu hoch. Zudem kann die Streetmachine nicht zusammengeklappt werden, was den Transport im Zug und Bus erschwert. Hinterrad = 28 Zoll, Vorderrad = 20 Zoll, das bedeutet auf einsamen Strecken zwei verschiedene Ersatzreifen und Schläuche. Dafür gab es in der Kategorie „reisetauglichkeit“ etwas Abzug.

Der Grasshopper fx erschien uns durch die beiden 20 Zoll Räder auf den ersten Blick etwas nervöser im Fahrverhalten. Bei den anderen Reisekriterien konnte er jedoch klar punkten. Die Entscheidung war nicht ganz einfach, aber am Schluss haben wir uns dann für den Grasshopper fx entschieden. Bis heute habe ich diesen Entscheid nicht bereut und freu mich jedes Mal wenn ich mich auf meinen Lieger setzten und losfahren kann.

(Zwischen-)Bilanz im Nov. 2017:

Nun haben wir schon weit über 10’000 Tourenkilometer auf unseren Grasshopper fx zurückgelegt und sind noch immer rundum zufrieden. Bis anhin sind wir, abgesehen von einem gebrochenen Gepäckträger dem eine lausige Asphaltrüttelstrecke in Kalifornien zu viel wurde, von Pannen verschont geblieben. Alle Komponenten der Räder funktionieren nach wie vor tadellos. Dank der Roloff Nabenschaltung die einen immer geraden Kettenzug ermöglicht ist offenbar auch der Verschleiss der Ketten und Zahnkränze reduziert, denn wir haben diese Teile noch nie ausgewechselt. Ausser neuen Bremsbelägen, einigen Reifen und vielen Schläuchen ist noch alles wie ausgeliefert. Ausnahme: „Barbara’s Frontlicht dass beim Umsteigen im Bahnhof Bregenz abgebrochen wurde.
Mit den 20 Zoll Rädern kann die Ersatzteilbeschaffung unterwegs manchmal kritisch sein und oft gibt es nur „Kinderreifen“ in dieser Grösse. Es ist also ratsam von zu Hause einen Ersatzreifen und ein paar Reserveschläuche einzupacken um sich auf der Tour nicht mit der Beschaffung dieser Teile abmühen zu müssen.
Gebrochene Speichen oder unrunde Laufräder kennen wir nicht, auch wenn mein Rad jeweils gute 100 Kilogramm tragen muss, wenn wir mit Gepäck unterwegs sind. Ob der kleinere Raddurchmesser sich auch hier positiv auswirkt ist zu vermuten.
Schlechte Wege sind, ob mit grossen oder kleinen Rädern, bei einem vollbepackten Rad nicht das was wir suchen, haben aber auch auf solchem Untergrund noch nie das Gefühl gehabt das es mit 28 Zoll einfacher wäre. Vielleich holpert es etwas mehr, dafür können wir als 170cm „kleine“ Radler die Füsse rascher abstellen und haben zum Beispiel auf Bergabfahrten im tiefen Schotter mit den Beinen am Boden eine stabile Position. (In Kroatien’s Hinterland erfolgreich angewendet)

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Zu steil und zu rutschig und es wurde immer schlimmer.

Reisen mit dem Grasshopper fx:
Das für uns absolut Beste ist, dass wir diese Räder mit wenigen Handgriffen verpacken und so problemlos und Zügen, Schiffen und Flugzeugen mitnehmen können. Das vergrössert unseren Tourenradius ungemein und „Einwegfahrten“ sind kein Problem, da man sich um den Radtransport kaum Sorgen machen muss. Mit normalen Rädern und erst recht mit „unfaltbaren“ Liegern kann gerade das Reisen in Zügen manchmal richtig mühsam werden. Auf immer mehr Zugsverbindungen sind Räder nicht zugelassen und uns Radlern bleiben nur langesame Verbindungen mit mehrmaligem Umsteigen. Mit einem Faltlieger ist das zum Glück etwas einfacher, wie wir in den letzten Jahren feststellen konnten. Wir haben im Herbst 17 in Sète einen gut besetzten TGV bestiegen, bei dem Fahrräder nur mit Reservation zugelassen waren. Da andere Radler schneller waren, waren keine Veloplätze mehr verfügbar. Also haben wir unser Lieger in die Radtaschen (Transzag) gesteckt und als Gepäck in den Zug genommen. Kein Problem. Für den Heimflug von unserer Donaureise im Sommer 17 haben wir die Räder ebenfalls nur im Tranzbag verpackt und mit Zurrgurten das Ganze kompakt und tragbar zusammengebunden. Die Spiegel und „aussenliegenden“ Pedale werden abgeschraubt und in die Reisetasche verpackt.  Die Sitze abmontiert und zusammen mit zwei Ortliebtaschen in eine grosse, zusammenfaltbare Reisetasche gesteckt und schon waren wir „flugklar“. Der Radtransport hat je 60 sFr. extra gekostet und sie sind unversehrt in Zürich angekommen. (Direktflug mit SWISS Belgrad – Zürich)

Alles verpackt! Die Fahrräder im „TransBag“, die Sitze sowie Fahrradtaschen in der grossen Tasche = 2 Fahrräder, 2 x Aufgabegepäck und 2 x Handgepäck.

Unverpackt passen die Räder an die üblichen Velohaken in den Zügen, wobei Barbara’s Tretlagerausleger wegen der längeren Beine etwas mehr ausgezogen ist und somit bei „tief montierten“ Haken manchmal fast am Boden aufsteht. Meist klappt das aber problemlos. So reisen wir auch in Zügen wie zum Beispiel dem RER in Frankreich in denen eigentlich nur „normale Velos“ zugelassen sind. Wir hängen die Lieger an den Haken und stellen manchmal den Unterlenker etwas quer, damit am Nachbarhaken ein weiteres Rad Platz findet und hatten so noch nie Ärger. Für Notfälle ist immer der gefaltete Tranzbag im Gepäck und wir würden einfach „falten“.
Kleiner Trick: Die Rückspiegel und deren Befestigung am Lenker nur so stark anziehen, dass sie zwar beim Fahren stabil sind, sich aber von Hand gut umklappen lassen. Bei Unterlenkern sind die Spiegel meist der Punkt, welcher gerade nicht durch Eisenbahn- oder Hoteltüren passt. Kurz von Hand einschwenken und schon passt es. Seit wir das so machen ist auch kein Spiegel mehr beim Transport oder im Zug kaputt gegangen.

 

Was ist anders mit einem Liegerad?

Erste Versuche: Zuerst einmal muss man sich eine verkehrsarme Strasse aussuchen und dann ganz beherzt die ersten Fahrversuche starten. Beim Losfahren ist es wichtig das die Pedale, mit der man den ersten Tritt macht, in einer optimalen „Antrittsposition“ ist.
Vor dem Losfahren nochmal einen Kontrollblick auf den eingelegten Gang, ist dieser zu  gross, dürfte der Versuch scheitern. Ich fahre mit meiner Rohloff Nabenschaltung in der Regel im 3-5 Gang los. Der erste Antritt soll kräftig erfolgen, so dass das Rad schon mal Geschwindigkeit aufnimmt. Die brauchst du nämlich weil du für einen kurzen Moment mit diesem Schwung rollen musst, bevor du deinen zweiten Fuss (ex Standfuss) auf der Pedale hast und nun in einen runden Tritt übergehen kannst. Rasch in den richtigen „Cruisinggang“ schalten, zurücklehnen und geniessen. Sobald du nämlich einmal fährst, offenbaren sich die Vorzüge eines Liegerads wie von selbst. Entspanntes Zurücklehnen, die Aussicht geniessen und fahren ohne Nacken-, Rücken-, Gesäss- oder Handgelenksschmerzen. Mit einem normalen Fahrrad bin ich seit einer Operation an den Halswirbelsäule jeweils spätestens nach einer Fahrstunde im Nacken so stark verkrampft, dass das Fahren zur Tortur wird. Mit dem Lieger gehört das der Vergangenheit an und wenn ich nach mehrstündigen Fahrten vom Rad steige merke ich höchstens an den Oberschenkeln, dass ich nicht nur rasch um die Ecke gefahren bin.

Wer mit dem Liegeradfahren beginnt sollte auf folgendes achten: Fahre eher in kleineren Gängen und einer höheren Trittfrequenz, so kannst du vermeiden das deine Knie zu stark belastet werden. Da du deinen Körper beim Liegerad nämlich zwischen Sitz und Kurbel praktisch „einspannst“ kannst du mit aller Kraft aus den Oberschenkeln in die Pedalen treten. Diese Kraft wird auch umgesetzt, denn es hebt dich nicht wie bei einem normalen Fahrrad aus dem Sattel, wenn die Trittkraft zu gross ist. Wer am Anfang nicht aufpasst kann sich also Kniebeschwerden einfangen. Zudem solltet ihr den Beinmuskeln und dem Knie genügend Zeit geben sich an den neuen Bewegungsablauf zu gewöhnen. Also am Anfang eher öfters, dafür kürzere Touren, so dass sich deine Muskulatur auf die neuen Belastungen einstellen kann. Auch ist es ratsam sich langsam an Hügelstrecken heranzutasten. Am Anfang fällt es nicht allen einfach Bergauf die richtige Trittfrequenz für einen runden Tritt zu finden. Zudem ist es bei abnehmender Geschwindigkeit anfangs etwas schwieriger die Balance zu halten. Aus diesem Grund eignen sich für die ersten Hügelfahrten wenig befahrene Strecken oder noch besser solche mit einem separaten Radweg.

Wer diese kleinen Startschwierigkeiten überwunden hat, erlebt ab sofort ein neues Fahrgefühl. Wenn du dich sicher genug fühlst wird es Zeit an Klickpedale zu denken. Wer noch keine Erfahrung hat soll sich beim Händler beraten lassen und die Pedale so einstellen, dass sie mit einer leichten seitlichen Bewegung sofort auslösen. Ich fahre Pedale welche nur auf einer Seite eine Klickerplatte haben, auf der anderen Seite eine normale „Tretfläche“. So ist das Rad für kurze Fahrten auch mit leichten Schuhen ohne Klicker bequem zu fahren. Grundsätzlich lässt sich ein Lieger mit der festen Verbindung Schuh / Pedale viel entspannter fahren, da die Füsse auch mal an den Pedalen „hängen“ können und natürlich kann durch ziehen an der Pedale die Kraftübertragung optimiert werden, was zu einem runderen Tritt führt und vor allem bergauf hilft, die Höhenmeter zu erklimmen. Falls du am Anfang unsicher bist einfach entspannt bleiben und einen weiteren Vorteil des Liegerads geniessen; man fällt nicht so weit herunter wenn man mal umkippt 😉
Sind die Startschwierigkeiten überwunden lehnst du dich im Lieger windschnittig zurück, trittst regelmässig in die Pedalen, dein Körper ist entspannt und du geniesst einen wunderbaren Panoramablick aus deinem „Liegestuhl“. So schön kann Fahrradfahren sein.

DCIM100GOPRO
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