Tag 44: (26.11.14) Del Rio – Langtry

Distanz: 97.8 km / Gesamt: 3450.6 km / Fahrzeit: 6 Std. 05 Min. / Durchschnitt 16.0 km/h , es wird hügelig

Morgens 3, Mittags 24 Grad, kein Wind, ganzer Tag sonnig,

Willkommen in der Wüste

Heute habe ich mit dem Überqueren des Amistad Reservoirs, eines riesigen Sees der vom Rio Grand gespiesen wird, nun entgültig die Wüste im Westen von Texas erreicht.

image

Amistad: Dieser Name hatte ich in den letzten eineinhalb Jahren unzählige Male in Blogs gelesen und mir vorgestellt, wie es sein würde hier mit dem Rad vorbei zu fahren. Nun war ich da! Mir rollten ein paar Tränen über die Wangen. Glücksgefühle!

image

Die Eisenbahnbrücke über das Amistad Reservoir.

image

Ich war am „Eingangstor“ zur Wüste:

Die Vegetation nahm weiter ab und links und rechts der Strasse sind nur noch Büsche und Sträucher auszumachen. Dazwischen viele Steine und Sand. Ich fahre nun auch nahe der mexikanischen Grenze und so ist die Grenzwache überall präsent, um die illegale Einwanderung in die USA wo möglich zu verhindern. Auf der Strasse gibt es Checkpoints, bei denen alle Fahrzeuge angehalten werden. Auch ich musste stoppen und mit dem Pass beweisen, das ich mich legal hier aufhalte. Die Grenzwächter waren freundlich und wünschten eine gute Weiterreise. Kurz darauf kam ich in Comstok an. Das war etwa die Mitte der heutigen Etappe und der einzige Ort weit und breit wo es etwas zu kaufen gibt.

Das einzige Geschäft in Comstock.

Das einzige Geschäft in Comstock.

Zwei Jugendlich sprachen mich vor dem Geschäft an, wollten wissen woher ich komme, wohin ich reise und waren ganz begeistert. Sie schüttelten mir die Hand zum Abschied und wünschten mir eine gute Reise. Ich freute mich über soviel Begeisterung bei diesen beiden Jugendlichen. Nachdem ich im Laden eingekauft hatte, stoppte ein Motorradfahrer vor dem Geschäft. Er ist ein Franzose der zwischen dem Süden der USA und Norden von Mexiko auf seiner Reise Richtung Westen hin und her pendelte. Wir plauderten etwas und er erzählte mir, das ein Radfahrer hinter mir unterwegs sei, der auch nach Westen fahre. Ich könne ja kurz warten, er werde sicher in 10 Minuten hier sein.
Ich wartete, ass mein Sandwich und schon tauchte Kyle auf. Er ist Rechtsanwalt, 28 Jahre alt und wohnt in Washington. Nun hat er sich nach Jahren des Studiums und dem Rennen nach Erfolg eine Auszeit gegönnt und möchte sich auf dieser Reise klar darüber werden, wie er sein Leben zukünftig gestalten möchte. Er scheint ein recht netter Typ zu sein und als wir feststellen, das wir beide im gleichen Trailer übernachten werden, beschlossen wir die Fahrt gemeinsam fortzuführen. Das hat prima geklappt, unsere Geschwindigkeit harmoniert gut und so habe ich seit langen wieder einmal einen Reisepartner auf dem Weg gehabt.

Wieder mal ein Reisepartner. Kyle hat sein Gepäck im Anhänger.

Wieder mal ein Reisepartner. Kyle hat sein Gepäck im Anhänger.

In Langtry suchten wir zuerst den Trailer, den wir ja zum Schlafen benützen können. Es ist ein prima ausgestatteter Wohnwagen mit Doppelbett und Stockbetten, Küche, WC inkl. Dusche. Einfach super das Keith Mann, so heisst der Besitzer, diesen Wohnwagen hier Radreisenden zur Verfügung stellt. Er bitte einfach um eine Spende.

Hier dürfen wir heute Nacht schlafen: Danke Keith Mann, du bist ein Supertyp diese Möglichkeit zur Verfügung zu stellen!

Hier dürfen wir heute Nacht schlafen: Danke Keith Mann, du bist ein Supertyp diese Möglichkeit zur Verfügung zu stellen!

Wir besuchten noch das Museum von „Judge Roy Bean“, einem legendären Richter hier in der Gegend, der um 1870 hier wohnte und oft im Salon „Recht sprach“. Westlich des Flusses „Pecos“ war sein Wort Gesetz.

image

Im Salon von Richter Roy Bean.

image

Aussenansicht des Salons und gleichzeitig „Gerichtsgebäudes“, als der wilde Westen noch richtig wild war.

Heute leben noch 12 Personen hier. Die Hälfte der Einwohner haben wir kennengelernt. Entweder arbeiteten sie im Museum, waren für einen Schwatz gerade dort oder sie sind im einzigen kleinen Laden, wo wir und das verdiente kühle Feierabendbier besorgten.

Langtry, irgendwo im Nirgendwo.

Langtry, irgendwo im Nirgendwo. Wir sind auf dem Weg Bier zu besorgen 🙂 Nur 2 Kilometer, immerhin hat das Dorf 12 Bewohner.

Die Dame im Museum erzählte, das es hier noch bis 1976 eine Schule gab, aber da die Eisenbahn mit den modernen Zügen hier nicht mehr anhalte und die Farmen immer mehr zu reinen „Jagtfarmen“ umgestaltet wurden, gebe es halt keine Arbeit mehr und viele seien ausgezogen. Sie sei aber hier auf einer Farm geboren und es gefalle ihr  gut. Ja zum Einkaufen müsse sie nach Del Rio, also knapp 100 km. Ich hoffe nur, das sie nicht zu oft etwas auf dem Einkaufszettel vergisst.

Es war ein prima Tag und ich bin endlich in dem Gebiet angekommen, auf das ich mich schon zu Hause so gefreut habe und das ich, in den vielen Blogs die ich gelesen habe, zumindest in Gedanken schon viele Nächte durchfahren habe: Willkommen in der Wüste!  I love it!!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.