Autor: Fredy

Tag 31: (13.11.14) Lake Charles – Orange (TX)

Distanz: 99 km / Gesamt: 2469 km / Fahrzeit: 5 Std. 29 Min. / Durchschnitt 18.01 km/h

Morgens 5, Nachmittags 4 Grad, morgen Regen, später bedeckt, ganzer Tag kräftiger, kalter Wind aus Norden (heute hatte ich alles, Gegen- Seiten und zum Schluss noch etwas Rückenwind)

Texas!!!

Nummer 5 ist der grösste!

Nummer 5 ist der Grösste!

Texas, auf diese Grenze habe ich mich lange gefreut. Schon in der Vorbereitung zur Tour war klar, das Texas für die Reise zu einem „Schlüsselstaat“ werden wird. Irgendwo in der Mitte und riesengross. Er wird mich die nächsten drei Wochen „beschäftigen“, denn es gilt je nach Routenwahl zwischen 1500 – 1700 Kilometer zurückzulegen bevor ich das nächste „Grenzfoto“ in New Mexiko machen kann.
Der heutige Tag war wettermässig wieder eher einer der Kategorie „darauf kann man verzichten“. Wenigstens war’s angekündigt und so konnte ich mich mental darauf einstellen. Trotzdem, wenn man sich dann am Morgen bei 5 Grad und Regen startklar macht, kann man sich schöneres vorstellen. Dazu der Wind der frontal auf mich zukam. Zum Glück war es verkehrsmässig ganz gut. In der Gegenrichtung stauten sich die Autos auf drei Spuren, aber in meine Richtung war nicht viel los. Auch heute wieder, danke Louisiana, gute Strassen und aufmerksame Autofahrer die hinter mir warteten bis Platz zum überholen war. Nach gut 10 Kilometern überholte mich ein Auto, fuhr rechts ran. Der Fahrer öffnete die Seitenscheibe und grüsste mich. Es war offenkundig, dass ich sein Interesse geweckt hatte. Also hielt ich neben ihm an und der rief entzückt herüber: „Mann, was für ein Fahrrad. So etwas habe ich noch nie gesehen. Fantastisch!“ Er stieg aus und wir plauderten etwas. Er wollte genau wissen woher, wohin und warum ich das mache. Warum ich nicht mit dem Auto fahre. Ich erklärte ihm, das ich das Glück hätte „Zeit“ zu haben und man mit dieser Reiseform das Land ganz anderes und intensiver erlebe. Er war so begeistert und sagte immer wieder „That’s great man!“ Als ich ihm anbot für ein Foto auf’s Velo zu sitzen hat er sich fast überschlagen vor Freude. Er machte auch von mir Fotos und ich glaube, er hat heute Abend zu Hause was zu erzählen.

a happy man

A happy man!

Mich freute seine Freude und ich sagte mir, auch wenn es ein „sch.. Wetter“ ist hat es sich gelohnt aufzustehen. Ich habe ihm mit meiner Vorbeifahrt eine Freude gemacht. Was will man mehr.
Dann ein kleines Frühstück bei „Wendys“, aber so richtig essen mochte ich nicht. Offenbar schlug mir das Wetter und die doch knapp 100 km lange Etappe etwas auf den Magen. Zum Glück hörte es bald auf zu Regnen und als ich die Regenhose ausziehen konnte, stieg die Motivation und langsam fand ich den Rhytmus.
Oft führte die Route durch lange gerade Waldschneisen, bei denen links und rechts verstreut immer wieder einzelne Häuser mit bellenden und manchmal jagenden Hunden auftauchten. Zum Glück liefen die zwei „Verfolgungsjagten“ die ich heute mit den Hunden „spielen“ musste problemlos ab. Der Pfefferspray war aber schon entsichert. Hier sehe ich keine kompakten Siedlungen wie wir es gewohnt sind sondern einfach hier und dort ein einsames Haus und dann lange NICHTS.

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So sieht die „Quartierstrasse“ aus.

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Das nächste Ziel sieht man schon lange im Voraus.

 

Es blüht wieder nach dem letzten Waldbrand.

Es blüht wieder nach dem letzten Waldbrand.

Idylle am Strassenrand.

Idylle am Strassenrand.

Die Leute müssen wohl einen guten Einkaufszettel schreiben, denn da gibt es keinen Laden um die Ecke und die Schulbusfahrten der Kinder dürften auch etwas länger dauern als bei uns. Bei Strassenkreuzungen dann oft eine kleine Ansammlung von Gebäuden: Tankstelle und Kirchen. Bei einer Baptistenkirche sah ich heute folgenden „Werbeslogan“: „Werde Organspender, spende dein Herz Jesus“. Ich bin definitiv im „Bibelgürtel“ der USA angekommen!

Wer kennt noch die "Gulf" Tankstellen die es früher auch bei uns gab?

Wer kennt noch die „Gulf“ Tankstellen die es früher auch bei uns gab?

Wegen der fehlenden Möglichkeit auf direktem Weg nach Orange zu fahren, musste ich Richtung Norden bis Deweyville ausweichen um eine Strasse zu finden, auf der ich mit dem Velo fahren durfte.
So überquerte ich um halb zwei den „Sabine River“ und somit die Staatsgrenze zu Texas.

Auf der Grenzbrücke musste ich mich dünn machen, als er hier vorbeidonnerte.

Auf der Grenzbrücke musste ich mich dünn machen, als der hier vorbei donnerte.

Was für eine Begrüssung: Der Seitenstreifen frisch geteert und sehr breit. Wenn das so weitergeht bin ich zufrieden mit Texas.

Mein Pferdchen und ich hatten einen grossen Streifen nur für uns :-)

Mein Pferdchen und ich hatten einen grossen Streifen nur für uns :-)

Da gab mir nochmals richtig Kraft und ich beschloss das Mittagessen sausen zu lassen, den bald führte mein Weg Richtung Süden und das war bei dem Wind genau das Richtige. Zudem wollte ich nicht riskieren, nochmals in den Regen zu kommen. Also mit „Powerade“ etwas Energie nachschütten und kräftig in die Pedale treten. Mit manchmal über 25 km/h „flog“ ich meinem heutigen Ziel entgegen. Ich hatte am Morgen via Handy ein Motel in Orange gebucht. Also sah ich mich schon fast unter der warmen Dusche als ich dort vorfuhr. Das gleich gegenüber ein grosser Truckstop mit Restaurant war, machte die Sache für mich noch komfortabler, da sich die Verpflegungsbedürfnisse von Lastwagenfahrern und mir im Moment ziemlich gleichen. So musste ich für die Verpflegung nicht weit gehen.

Hier werden in 10 Reihen die Laster betankt.

Hier werden in 10 Reihen die Laster betankt.

Die Dame an der Rezeption erklärte mir dann, das meine Buchung für ein Einzelzimmer trotz Buchungsbestätigung die ich per Mail erhalten hatte, nicht geklappt habe. Sie seinen ausgebucht und das Internetportal hätte das „Überbucht“. In diesen Motels wohnen vor allem Arbeiter für ein paar Tage oder Wochen, bis siezum nächsten Auftrag weiterziehen. Sie bemühte sich eine Lösung zu finden und konnte mir ein Doppelzimmer anbieten. Dies war sogar noch günstiger als mein gebuchtes über’s Internet. Am Abend konnte ich nach einigen Telefonaten diese Buchung zum Glück wieder stornieren.
Die Dame an der Rezeption interessierte sich sehr für meine Reise. Sie fand es auch komisch, das ich zu Hause kein eigenes Auto hätte. Hier ist das unvorstellbar. Klar bei dieser Siedlungspolitik, wo alle verstreut leben. Wir plauderten noch etwas und sie war erstaunt, das man in der Schweiz nicht auch englisch sprach. Soviel zum Thema „Allgemeinbildung in den USA“. Immer wieder erschreckend!
Das Internet im Motel läuft auch nicht, so dass ich die wichtigen Recherchen bezüglich Wetter und Routenwahl nur eingeschränkt mit dem Handy machen kann. Den Blog sende ich aus dem „Deny’s“. Leider sieht es wettermässig noch einige Tage kalt aus und am Wochenende soll es Regnen.
Mal sehen wohin mich das führt.

Tag 30: (12.11.14) Lafayette – Lake Charles

Distanz: 122.7 km / Gesamt: 2370 km / Fahrzeit: 6 Std. 39 Min. / Durchschnitt 18.5 km/h

Morgens 7, Nachmittags 10 Grad, morgen Regen, später bedeckt, ganzer Tag kräftiger, kalter Wind aus Norden (meist Seitenwind)

Kälteeinbruch

Liebe Blogleser_innen ich habe es gewusst: Die NSA oder sonst ein Geheimdienst der USA liest diesen Blog mit. Ich habe mich ja gestern ziemlich über die Strassenzustände hier beschwert. Das muss jemand hier mitbekommen haben, denn heute war alles anders. Die müssen über Nacht die Strassen in Stand gestellt und gereinigt haben. Heute habe ich zum Thema Strassen, Sauberkeit und Belag aber auch rein gar nicht’s auszusetzen. Ich bin bis auf wenige Abschnitte den ganzen Tag auf feinstem, sauberen Teerbelag gefahren. War mal kein Seitenstreifen vorhanden, haben die Autos hinter mir gewartet, bis es auf der Gegenfahrbahn Platz zum Überholen gab. Kein Drängeln oder knappes Vorbeifahren wie gestern. Die Hunde welche mich anbellten waren entwender hinter einem Zaun, an einer Kette angebunden oder wussten wo die Grundstücksgrenze war und blieben auf ihrem Land. Es wäre fast schon idyllisch gewesen, wäre nicht der Wetterumsturz gekommen. Schon gestern Abend kündigten kalte Windböen an, das etwas im Gang ist und heute Morgen war der Herbst, oder eben fast schon Winter da. Den ganzen Tag kalter, starker Wind aus Norden. Die USA erleben in diesem Jahr einen extrem frühen Wintereinbruch. Im Norden des Landes liegt schon Schnee und das vier Wochen früher als normal. Genau diese kalte Luft h at nun leider auch den Weg zu uns nach Louisiana gefunden und machen mir das Fahren nicht wirklich einfacher. Dass dann heute kurz nach meiner Abfahrt auch noch Regen einsetzte hätte ich nicht wirklich gebraucht. Also Regenzeug hervorkramen, montieren und weiter. Jeder der in dieser Ausrüstung und bei solchen Temperaturen schon mal länger mit dem Rad unterwegs war weiss, was das bedeutet. Egal wie angeblich „atmungsaktiv“ deine Jacke auch ist, irgendwann ist die Körpertemperatur zu hoch und die produzierte Feuchtigkeit kann nicht mehr entweichen. Folglich setzt sich diese in deinen Kleidern fest und du wirst langsam von innen her nass. Dazu die Kälte und Wind und schon ist man weit davon entfernt zu sagen, dass man sich wohl fühlt.
Trotzdem musste ich weiter und war froh unter diesen Umständen wenigstens gute Strassen zu haben. Nach gut einer Stunde lies dann der Regen zum Glück nach. Ich begegnete einer Gruppe Fernradfahrern aus Montreal. Sie sind zu dritt und schon einige Monate unterwegs. Wir plauderten am nur kurz am Strassenrand, da wir alle fanden, wenn man herumsteht ist es noch viel kälter. Sie wollen weiter bis nach Südamerika.
Die Fahrt führte heute wieder an grossen Feldern und kleinen Ortschaften vorbei.

Auf dem Land sieht mal viele sehr einfache Häuser.

Auf dem Land sieht mal viele sehr einfache Häuser.

Ob die eine gute Heizung haben?

Ob die eine gute Heizung haben?

Das alte Haus von ...

Das alte Haus von …

Geerntet wird mit grossen Maschinen.

Geerntet wird mit grossen Maschinen.

Plötzlich tauchte eine Brücke auf. Ich dachte, das diese wie hier sonst üblich über eine Strasse oder Eisenbahnlinie führen würde. Oben angekommen sah ich, dass ein grosser Fluss darunter durchfloss und genau in diesem Moment kam ein Schubschiff angefahren. Die Eisenbahnbrücke, die viel niedriger parallel zu Strasse war, wurde kurzerhand weggedreht und dasRiesenschiff milimetergenau duch die Lücke. Beeindruckend wie das passte.

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Da blieb nicht viel Platz ….

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… für ein ziemlich grosses Schiff.

Am Flussufer

Am Flussufer

Ansonsten gibt es heute nicht wirklich viel Spannendes zu berichten. Kalte Velofahrten wollen einfach erledigt werden. So auch diese und ich war froh, bei Einbruch der Dunkelheit endlich das Motel erreicht zu haben und eine warme Dusche nehmen zu können. Mit meinem Plastiksack voll verschwitzter Wäsche suchte ich dann die in Motels übliche „Gästewaschmaschine“. Heute leider Fehlanzeige: „Nein, das haben wir nicht.“ sagte die Dame an der Rezeption. Also dann, Handwäsche gibt ja auch warm. Ich hoffe mal das alles bis Morgen trocken wird, denn die Sachen brauche ich sicher die nächsten paar Tage und wärmeres Wetter ist im Moment nicht in Sicht.

Für Morgen wollte ich mal eine entspannte 60 – 70 km Etappe planen. Aber auch das klappt nicht. Da hier in Lake Charles für Velofahrer kein Weg über den Fluss führt (nur Autobahnen und da darf ich nicht fahren) muss ich einen grösseren Umweg in Kauf nehmen. Also wieder ein hunderter vor mir. Ich hoffe mal der Wind und die Temperaturen werden nicht noch schlechter, aber die Vorhersagen stehen nicht gut. Naja, ich kann’s nicht ändern. Also dann, rasch ins Bett, gut schlafen und morgen möglichst fit wieder an den Start.

Tag 29: (11.11.14) Morgan City – Lafayette

Distanz: 128.5 km / Gesamt: 2247.3 km / Fahrzeit: 6 Std. 36 Min. / Durchschnitt 19.5 km/h

Morgens 21, Nachmittags 27 Grad, bedeckt, hohe Luftfeuchtigkeit, zum Teil kräftiger Seitenwind

Just a hard day!

Das war nun einer dieser Tage, wie sie auf einer solchen Tour eben auch vorkommen. Kurz: Es hat keinen Spass gemacht! Es war einfach nur harte Arbeit und ein dauernder Kampf. Ich wusste im Vorfeld, dass es auch solche Tage geben wird und ein Kollege hat mir geraten in solchen Momenten einfach zu denken, „auch das ist noch besser als im Büro“. Er lag falsch! Heute wäre es auch bei einem harten Tag im Büro definitiv entspannter gewesen. Der Grund lag vor allem in den katastrophalen Strassenverhältnissen auf der heutigen Etappe. Das es keine „Topetappe“ werden würde, war mir schon bei der Routenwahl klar, aber irgendwie musste ich einfach mal nach Norden kommen um ab Lafayette dann wieder Kurs Richtung Westen einschlagen zu können.
Den Start habe ich mir selber etwas vermasselt. Am Morgen habe ich den Wecker zwei mal abgestellt und schon war ich erst um 8 Uhr fahrbereit. Ich wollte möglichst auf dem Seitenstreifen des „Hwy 90“ fahren, was gestern ja mehrheitlich recht gut geklappt hat.

Heute war das anders. Schon die Fahrt aus „Morgan City“ hatte es in sich. Eine grosse Brücke, sehr schmaler und extrem verschmutzter Seitenstreifen mit viel Verkehr. Also habe ich alle verfügbaren Blinklichter eingeschaltet und bin kräftig in die Pedale getreten um den Abschnitt rasch hinter mich zu bringen. Immer in der Hoffnung, dass der Zustand der Verschmutzung abnimmt, fuhr ich weiter. Leider kam es noch schlimmer. Ich war mitten im „Kerngebiet“ derZuckerrohrernte unterwegs. Heute sah ich drei grosse Zuckerfabriken die beliefert werden müssen. Nein da ist nichts mit „Zuckerrohrzügen“ wie bei uns nach Frauenfeld.

 

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Vom Feld ….

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… über die Ernte …

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… bis zur Fabrik. Ich war heute mitten im „Zuckerrohrland“.

Hier wird alles auf Lastwagen geladen und diese rasen dann in einem „Affentempo“ zur Fabrik. Dass sie dabei einen Teil ihrer Ladung verlieren ist klar. Also sieht der Seitenstreifen in etwa so aus:

Zuerst nimmt man einen sehr rauen Teerbelag, gräbt viel Löcher bis zu 30 cm Tiefe hinein, lässt den Belag aufplatzen und die Risse durch Gras bewachsen, anschliessend werden zerstückelte Autoreifenteile in allen Grössen und möglichst mit viel Drahtgeflecht verteilt und grosszügig Glasscherben darüber gestreut. Nun fährt man mit einem Kieslaster mit halb offener Ladeklappe darüber und verteilt grossflächig Kies im Durchmesser von plus 1 cm und garniert das ganze mit 3 cm dicken Zuckerrohrstengeln. Schon hat man den Mix, der heute oft meine Unterlage war.

Das war nicht der schlimmste Teil!

Das war nicht der schlimmste Teil!

Jetzt ist der Moment gekommen der Firma „Schwalbe“ zu danken, dass sie mit ihrem Modell „Schwalbe Marathon plus“, den ich montiert habe, einen Reifen produzierte, der das alles ohne Platten überstanden hat. Ich habe es nicht zu träumen gewagt und die Reifen immer wieder abgesucht und den Reifendruck geprüft. Tadellos!
Markus von „Fateba“: Wenn je einer deiner Kunden auf diese Reise geht, lass ihn nicht ohne den „Marathon plus“ losfahren!

Ich wollte dieser Unterlage entkommen und suchte mir einen Weg auf einer Nebenstrasse. Schön ruhig und idyllisch, bis zur ersten Siedlung.

Diese Szene erinnerte mich etwas an "Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn"

Diese Szene erinnerte mich etwas an „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“.

Da wurde das Thema „wer ist schneller, Velofahrer oder Hund“ wieder topaktuell. Ich habe das Duell gewonnen und der Jäger gab nach etwa 300 Meter auf. Mein Puls erreichte aber eine Frequenz, die nicht über zu lange Zeit so gefahren werden kann, schliesslich bevorzuge ich die „fettverbrennungs Pulszone“, die ganze Reise soll ja auch noch einen Nebeneffekt haben.
Also wieder zurück auf die 90. Den Blick konzentriert immer etwa 30 – 40 Meter vor mir auf die Strasse gerichtet, um einen möglichst guten Weg durch all diesen Unrat zu finden. Wenn es keinen Ausweg gab, Blick in den Rückspiegel, kann ich auf die Fahrbahn ausweichen? Wenn nicht, Augen zu und durch. Ich habe gestern Nachmittag als es so richtig gut lief, der Tacho über 23 km anzeigte und die Musik im Kopfhörer im Takt mit der Trittfrequenz harmonierte einige Freudenschreie ausgestossen, um meinem guten Gefühl, diese Reise erleben zu dürfen, Luft zu machen. Auch heute habe ich oft geschrien, die Wörter fingen auch mit „F“ an, endeten aber nie mit „reude“.
Ich habe dies Strassenzustände wirklich verflucht. Der Hammer kam, als aus dem Seitenstreifen unvermittelt ein Kiesbett wurde. Für mich nicht mehr fahrbar. Die Fahrspuren mit dichtem Verkehr belegt, also umkehren und eine Stelle suchen, wo ich über’s Gras auf die Nebenstrasse kam.

Irgendwo hat der Seitenstreifen einfach aufgehört zu exisieren.

Irgendwo hat der Seitenstreifen einfach aufgehört zu exisieren.

Irgendwie, mit viel Kraftaufwand und mental durch die dauernd hohe Konzentration ziemlich erledigt, schaffte ich es um halb 5, froh ohne Panne durchgekommen zu sein, ins reservierte Motel.

Mit der netten Dame an der Anmeldung habe ich noch kurz über die Strassenzustände in Louisiana gesprochen. „Ja, ich weiss, schon die Autofahrspur ist schrecklich, aber erst der Nebenstreifen. Im Moment ist halt auch noch Zuckerrohrernte, dann ist es besonders schlimm. Aber das Schlimmste hast du nun wohl hinter dir.“
Ich hoffe das sie recht behält. Morgen nochmals ein langer Tag Louisiana. Es ist viel Wind und kühlere Temperatur angesagt. Ich offe trotzdem es bis „Lake Charles“ zu schaffen. Dann ist die Grenze zu Texas schon fast in Reichweite. Mal sehen wie sie dort ihre Strassen im Schuss halten.

Wenn auch kein "Haldengut, Lager, kallt aus der Zapfsäule im "Paddy's". Diese Bier hat heute besonders gut geschmeckt.

Wenn auch kein „Haldengut, Lager kalt“, aus der Zapfsäule im „Paddy’s“. Diese Bier hat heute besonders gut geschmeckt.

Fazit: Darauf kann man getrost verzichten!

Tag 28: (10.11.14) New Orleans – Morgan City

Distanz: 137.3 km / Gesamt: 2118.8 km / Fahrzeit: 6 Std. 55 Min. / Durchschnitt 19.87 km/h

Morgens 17, Nachmittags 25 Grad, Wind aus Nord (= teils Gegenwind, zum Teil böig).

Solofahrt

Heute war also mein erster Tag an dem ich alleine unterwegs war. Ich habe mir nach drei Ruhetagen ein weiteres Ziel gesetzt. Wenn alles klappt, wollte ich es bis „Morgan City“ schaffen.
Also war klar, das ich früh starten müsste. So war der Wecker auf 05.30 Uhr gestellt. Trotzdem schaffte ich es mit duschen, packen und alles klarmachen erst um 07.15 Uhr auf das Rad. Die Fahrt aus New Orleans sollte gemäss „Google Maps“ locker auf dem Damm am Mississippi starten. Leider war es schon nach 4 Kilometer mit dem super Teerbelag zu Ende und ein tiefer Kiesweg machte die Weiterfahrt mit einem schwer beladenen Tourenrad unmöglich.

Solostart auf dem noch gut geteerten "River Trail".

Solostart auf dem noch gut geteerten „River Trail“.

Abschied von New Orleans unter den beeindruckenden Brücken.

Abschied von New Orleans unter den beeindruckenden Brücken.

Also musste ich auf die lokalen Strassen ausweichen. Viel Verkehr und noch mehr Lastwagen machte die Fahrt nicht einfach. Nach einer Stunde standen erst 14 Kilometer auf dem Tacho. Ich begann zu zweifeln, ob ich es bis zum geplanten Ziel schaffen würde. Um 17.30 Uhr ist es hier schon richtig dunkel und dann sollte man definitiv am Ziel sein.
Ich suchte eine neue Route auf dem Handy und entschied mich rasch möglichst auf den „Hwy 90“ zu kommen und hoffte auf einen guten Seitenstreifen. Die Entscheidung hat sich zum Glück als richtig erwiesen. Fast den ganzen Tag fuhr ich heute wieder auf der „90 West“. Das ist genau die Richtung in die ich will. Der Seitenstreifen war von unterschiedlicher Qualität und oft musste ich mir im Zentimetebereich einen Weg durch all den Abfall, die Unebenheiten, Glasscherben etc. suchen. Es hat geklappt. Keinen platten Reifen heute!

Auf solchen Seitenstreifen ist es nicht immer einfach zügig und pannenfrei vorwärts zu kommen.

Auf solchen Seitenstreifen ist es nicht immer einfach zügig und pannenfrei vorwärts zu kommen.

Sicher gibt es idyllischer Strassen aber im Moment zählt für mich eher „Meilen machen“. Ein weiterer Vorteil auf diesen Strassen: NO DOGS!
Das macht das Fahren doch einigens entspannter, wenn man nicht dauernd von Hunden angebellt oder gar verfolgt wird.
So war heute mal Zeit die Kopfhörer zu montieren und etwas Musik zu hören. Es wurde ein „Swiss Day“. Von „Patent Ochsner“, „Züri West“, „Sina“ bis zu „Stefan Eicher“ haben mich alle auf der Reise begleitet und ich konnte laut und falsch mitsingen, den es war ja niemand da der hätte reklamieren können. Es war ein anderes Fahren ohne Barbara im Rückspiegel, aber daran werde ich mich in den nächsten Tagen gewöhnen.
Ich fuhr durch ein riesiges Gebiet mit grossen Zuckerrohrfeldern und Sümpfen.

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Die Strassen müssen hier kilometerlang auf Stelzen gebaut werden. Ich habe mal 16 km gemessen.

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Links und recht der Strasse viel Wasser.

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Oft erinnert es ein bischen an einen „Märchenwald“.

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Viele Brücken und oft war die Strasse kilometerlang auf „Stelzen“ gebaut.

Heute habe ich neben den leider üblichen toten Tieren am Strassenrand auch einige tote Eulen gesehen. Es macht einem auch nach mehr als 2000 km immer wieder traurig, wieviele Tiere hier dem Verkehr zum Opfer fallen. Zum Glück gibt es auch positive Erlebnisse. Ein süsser Waschbär am Strassenrand, der sich von meiner Vorbeifahrt nicht stören liess.
Ansonsten war es das was ich erwartet habe und wie es auch die nächsten Tage weitergehen wird. Meilen machen und eine gute Route zu finden steht für die nächsten Tage im Vordergrund.

Hier ein "Röhrenlager" in amerikanischen Dimensionen. Es gibt viel zu verlegen.

Hier ein „Röhrenlager“ in amerikanischen Dimensionen. Es gibt viel zu verlegen.

Im Moment plane ich so zwei, drei Tage voraus und beobachte das Wetter um zu sehen, was möglich ist. Zuviel Gegenwind kann die Pläne schnell unmöglich machen. Für Morgen ist Lafayette das Ziel. Es wird wieder mehrheitlich auf dem „Hwy 90“ nach Norden gehen. Leider ist kein Südwind in Sicht. Ok, dann muss ich mich auf dem Rad halt etwas mehr hinlegen und in die Pedale treten.
Apropos Unterkunft: War heute wieder keine Frage: 46 Fr. inkl. Pool zum Abkühlen und die Muskeln zu entspannen sowie WLAN für den Blog und ein Frühstück. Da bleibt das Zelt sauber verpackt in der Tasche.

Und die paar Kilometer die Barbara zu 2000er fehlten habe ich heute auch noch zurückgelegt. Also noch gut 3000 vor mir.

Tage 25 – 27: (07. – 09.11.14) Rückflug und Ruhetage in New Orlenas

keine Bikekilometer, der Mietwagen war im Einsatz ;-)

Die letzten 3 Tage waren vor allem vom Thema „Abschiednehmen“ geprägt.

Wir hätten beide nicht gedacht, dass uns die Trennung hier so schwer fallen würde. Wir konnten in den letzten vier Wochen, in einer für uns neune Situation, wieder einmal so viele Erlebnisse auf unserem gemeinsamen Lebensweg machen, wie wir es uns in der Hektik des Alltags zu Hause nicht vorstellen konnten. Es waren vier Wochen gemeinsames Abtauchen in eine neue Erfahrungswelt. Alles um uns hat sich auf simple Sachen reduziert. Gute Routenwahl, oder wenn es mal nicht so optimal war, sich damit abzufinden. Auf den Körper achten, die Belastungen richtig einteilen. Verpflegung, wenn sie auch nicht immer unseren Wünschen entsprach. Das Wetter, der Wind. Dabei aufeinander acht geben, rücksichtnehmen, sich unterstützen.
Wir durften einmal mehr erleben, dass wir uns auch in solchen Situationen gegenseitig gut unterstützen und gemeinsam ein Ziel verfolgen können. Dafür sind wir sehr dankbar.
Umso schwerer war es dann zu akzeptieren, dass Barbara hier an diesem Punkt die Reise beenden muss. Sie wäre bereit und sicher bestens in der Lage gewesen, diese bis nach San Diego weiter zu führen, aber beruflich war das nicht möglich.
So haben wir uns ein Mietwagen genommen um die nötigen Sachen zu besorgen, damit Barbara’s „Pferdchen“ möglichst ohne Transportschaden zurück nach Hause kommt.

Barbara's Pferdchen wird für die Reise gut verpackt.

Barbara’s Pferdchen wird für die Reise gut verpackt.

Bereits unser erster Versuch bei einem Veloladen einen stabilen Transportkarton zu bekommen war erfolgreich. Dort konnte ich mir gleich noch Ersatzschläuche und einen Blinker, der auf dem Helm montiert wird, besorgen. Denn die Reise geht ja noch weit und ich will von den Autofahrern möglichst früh gesehen werden.
Am Freitagabend gingen wir dann noch gemeinsam in’s French Quarter, an die berühmte Burbon Street.

Canal Street in New Orleans.

Canal Street in New Orleans.

Naja, wer den Trubel und viele angeheiterte Partygänger mag, dem dürfte es gefallen. Wir haben dann etwas abseits in einem ruhigeren Lokal noch die kulinarischen Spezialitäten der kreolischen Küche genossen. Eine Band spielt guten, traditionellen Jazz. Doch so ganz unbeschwert geniessen, das schafften wir dann doch nicht.

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Burbon Street. Wer’s mag. Es gibt aber gemütlichere Plätze in New Orleans.

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Letzter gemeinsamer Abend auf der Reise. Wir waren nicht wirklich „entspannt“.

Nachdem wir uns am Flughafen verabschiedet hatten und ich allein ins Motel zurückgekehrt war, konnte ich mich endlich wieder dem Blogschreiben widmen. Eine gute Ablenkung.
Am Sonntag dann ein Moment auf den ich mich schon lange gefreut hatte. Ich konnte ein Footballspiel der „New Orleans Saints“ gegen die „San Francisco 49er“ im Superdom besuchen.

Vor dem Station.

Vor dem Station.

Das Station und die Atmosphäre waren wirklich beeindruckend. Hühnerhaut!

Ich habe mich in den "Saints Farben" schwarz-gold ins Stadion begeben. (na Max, zufrieden?)

Ich habe mich in den „Saints Farben“ schwarz-gold ins Stadion begeben. (na Max, zufrieden?)

Mit gut 70 000 anderen Fans in einer beeindruckenden Halle. Obwohl so viele Leute dort waren lief alles sehr gesittet ab, kein Schieben und Drücken, breite Wege und alles bestens organisiert. Dazu eine Fankultur wie ich sie mir bei uns auch wünsche. Alle stehen für ihr Team ein, aber die „gegnerischen Fans“ werden mit Respekt und freundschaftlich behandelt. Keine Hooligans, keine Situation wo man sich unwohl fühlte. Einfach Spass am Sport und dem gemeinsamen Erlebnis. Viel Patriotismus, der uns etwas fremd ist, aber dieser Spieltag stand unter dem Motto „Danke an all unsere Militärs, die mit ihrem Einsatz die Freiheit der USA und der Welt verteidigen.“ So sieht man das hier und da ist die Wahrnehmung und der Stellenwert der Militärs nicht mit derjenigen in Europa zu vergleichen.

Salute to the military

Salute to the military

Das Spiel verloren die lokalen „New Orleans Saints“ dann in der Nachspielzeit.

Dieser Spielzug brachte die "Saints" in die Nachspielzeit.

Dieser Spielzug brachte die „Saints“ in die Nachspielzeit.

Zum Glück gab es einige Punkte, da ein Sponsor, ich vermute mal er wäre gerne selber im Stadion gewesen, nicht die Meilen, sondern das Resultat diese Spiels als „Einsatz“ bekannt gab. So sind von diesem nun knapp 90 US Dollar fällig :-)) Heute also mal „Punkte für KOKOU“.
Auf dem Rückweg genoss ich noch einmal die Fahrt über den Mississippi und bestaunte die verschieden grossen Schiffe auf dem Fluss. Vor allem die „Schubverbände“ sind beeindruckend. Da werden bis zu 8 motorlose Lastbarken „zusammengebunden“ und von einem Schubschiff wird dann das „Paket“ auf dem Fluss manövriert.

Schubverband unterwegs flussabwärts.

Schubverband unterwegs flussabwärts. (das kleine weisse Schiff schiebt alle Barken)

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Auch grosse Kreuzfahrtschiffe fahren bis New Orleans.

Morgen geht es nun endlich wieder auf’s Rad. Ich bin froh, den es kribbelt in den Oberschenkeln und es ist immer noch ein langer Weg bis an den Pazifik.

Tag 24: (06.11.14) Bay St. Louis – New Orleans

Distanz: 122.5 km / Gesamt: 1981,5 km / Fahrzeit: 7 Std. 32 Min. / Durchschnitt 16.29 km/h

Morgens 22, Nachmittags 28 Grad, Wind aus Nord – Osten, zum Teil böig. hohe Luftfeuchtigkeit

New Orleans erreicht!

Heute stand also noch Barbara’s Abschlussetappe auf dem Programm. Das diese dann nochmals alle Register zog, hätten wir am Morgen noch nicht gedacht. Gut gelaunt machten wir uns schon um halb acht auf die Räder. Da wir knapp 100 km vor uns hatten, mussten wir rechtzeitig losfahren. Im Moment wird es hier so um halb sechs Uhr dunkel, und dann wollten wir nicht noch in New Orleans unterwegs sein. Wir wussten das die Fahrt in die Stadt nicht ganz so einfach sein würde.
Zudem war klar, das diese Etappe in Sachen Verpflegung so geplant werden muss, wie eine Wanderung in den „bündner Alpen“. Man muss immer davon ausgehen, das die Restaurants und Läden geschlossen haben oder weit und breit keine vorhanden sind und man so alles für den Tagesbedarf dabei haben muss.

Zum Mittagessen einen "Dreigänger": Sandwich mit Huhn, Thon und Schinken "Kunststoffkäse"

Zum Mittagessen ein „Dreigänger“: Ein Sandwich mit Huhn, eines mit Thon und eines mit Schinken „Kunststoffkäse“

Wir fuhren dem Strand entlang los und hielten uns an die aus anderen Blog’s bekommen Tipps.
In dieser Gegend wird einem immer wieder bewusst, dass die Menschen hier dauernd mit der Gefahr eines Hurrikans rechnen müssen. Trotzdem wundern wir uns über die teilweise leichten Holzkonstruktionen, mit denen hier den Kräften der Natur getrotzt werden soll.

Schaut nicht wirklich hurrikansicher aus.

Schaut nicht wirklich hurrikansicher aus.

Ob dieses Bauform dem  nächsten Wirbelsturm tretzten kann?

Ob diese Bauform dem nächsten Wirbelsturm wiederstehen kann?

Auf ruhigen Nebenstrassen durchquerten wir so eine weite Sumpflandschaft. An der Strasse fast immer ein Wasserlauf, Hecken, Wald und zwischendrin Wassertümpel. Einmal konnte ich gerade einer Schildkröte zuschauen, die sich im Gras sonnte und bei unserem Näherkommen rasch im Wasser untertauchte.

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Mississippi und Louisiana sind hier von vielen Flüssen und Sümpfen durchzogen…

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Viele Häuser stehen einsam in einer kleinen Lichtung hinter Bäumen. Die nächsten Nachbarn sind meist ausser Sichtweite. Die Häuser selber sehen oft sehr einfach aus. Wenn ich mir vorstelle, wie man sich in einer dunklen Nacht an einem so abgelegenen Ort fühlen muss, kann ich mir plötzlich vorstellen, dass auch ich gerne eine geladene „Winchester“ an der Wand hätte. Auf jeden Fall wäre diese „ländlich, ruhige Wohnlage“ nichts für mich.
Ansonsten verlief die Fahrt recht ereignislos und die Kilometer bis zur Grenze nach Louisiana, irgendwo im Niemandsland nach einer Brücke,  konnten wir recht zügig hinter uns bringen.

Tatsächlich, wir stehen an der Grenze zu Louisiana!

Tatsächlich, wir stehen an der Grenze zu Louisiana!

Bereits um 12.15 Uhr hatten wir 60 km geschafft. Noch 40 bis ins Ziel, da würden wir noch vor 4 Uhr im Motel eintreffen.

Das ländliche Gebiet liegt hinter uns.

Das ländliche Gebiet liegt hinter uns.

Es sollte anders kommen. Je näher wir New Orleans kamen, desto öfter schaute ich auf’s Navi. Wir wollten einfach einen guten und sicheren Weg in diese Stadt finden, von der viele Blogschreiber raten, man soll sie velomässig am besten „links liegen lassen“. Wir haben es nicht getan, unter anderem auch weil Barbara ab hier am Samstag nach Hause fliegt. Nach der heutigen Erfahrung können wir dem Rat aber nur zustimmen: Lasst die Finger von New Orleans, wenn ihr mit dem Velo unterwegs seid!
Es würde zu weit führen alles im Detail zu erklären, nur soviel: Wir haben uns sowohl in Sachen Strassenbelag als auch in puncto Fahrzeuge oft an jenen  Teil unserer Hochzeitsreise zurückgesetzt gefühlt, als wir im rauen Belutschistan (Pakistan) unterwegs waren. Schlaglöcher, aufgerissene Strassen, kilometerlange Abfalldeponien usw. Sicher, vieles sind noch immer Zeugnisse aus der Zeit der Zerstörung durch den Hurrikan Kathrina im Jahr 2005, trotzdem haben uns diese Strassenverhältnisse und die wenigen Zugänge zur Stadt zu schaffen gemacht. Wir haben uns versucht mit dem Navi den besten Weg zur Unterkunft zu suchen, leider zeigt aber auch „Google Earth“ manchmal nur die halbe Wahrheit. So mussten wir zum Beispiel einmal umkehren, weil die Brücke über die wir fahren sollten, für Velos schlicht zu gefährlich war und schon waren wieder 15 Zusatzkilometer auf dem Tacho.

So etwas war uns schlicht zu gefährlich. Also wieder umkehren. (es gibt wieder Zusatzmeilen für Kokou, wenigstens das.)

So etwas war uns zu gefährlich. Also wieder umkehren. (Das gibt wenigstens Zusatzmeilen für Kokou)

Irgendwie, nachdem wir die Räder bei gewissen Brücken auch geschoben haben, haben wir es dann zur Fähranlegestelle am Mississippi bei der Canal Street geschafft. Unser Motel liegt auf der anderen Seite des Flusses in Algiers und wir müssen vom „French Quarter“ mit einer alten, engen und nicht „liegeradtauglichern“ Fähre übersetzen.
Wir waren , von der langen Fahrt, dem vielen Verkehr und den Umwegen nach mehr als 7 Stunden auf dem Rad, schon ziemlich müde. Da treffen wir zum ersten mal auf wenig hilfsbereite und eher mürrische Amis, die für die Fähre arbeiten. „Nein ihr könnt die Räder hier nicht einladen, sondern müssten um das Gebäude und die Rampe nehmen.“ Also alles wieder zurück, die beladenen Räder wieder Treppen hinunter tragen und den Weg zur Rampe suchen. Bis wir das geschafft hatten, legte die Fähre gerade ab. Also noch einmal 30 Minuten warten. Wir waren schlicht sauer und konnten nicht verstehen, warum wir nicht den anderen Zugang nehmen konnten. Aber so sind die Angestellten nun mal gedrillt und dann gibt es keine Ausnahmen. Punkt!

Schade, nach so vielen freundlichen und hilfsbereiten Begegnungen setzte die Fährcrew auf Barbara’s letzten Metern einen negativen Schlusspunkt. Es war bereits dunkel als wir uns den Weg durch die nur sehr spärlich beleuchteten Strassen zum Motel suchten und dieses müde, aber glücklich es doch gesund geschafft zu haben, erreichten. Zum Glück konnte ich in der Nähe noch etwas zu essen auftreiben, denn heute haben wir mangels Möglichkeiten und später wegen Zeitdruck sehr spartanisch gelebt.
Morgen heisst es dann, Barbara’s Rückflug vorzubereiten, zu packen und das Velo flugbereit zu machen. Aber vorher einfach noch etwas ausruhen, nach einer letzten, gemeinsamen Etappe!
Nach 1981.5 km in 21 Fahrtagen haben wir per Rad das Motel in New Orleans, das bereits vor Monaten gebucht wurde, punktgenau und gesund erreicht. Ehrlich, ich hatte meine Zweifel ob das mit dem Startpunkt Key West bis New Orleans in dieser Zeit und ohne Radtourenerfahrung wirklich klappt.
Barbara, du hast mich mächtig überrascht. DANKE das du mich auf diesem Weg begleitet hast!!! Ich werde dich im Rückspiegel vermissen!!!

Tag 23: (05.11.14) Biloxi – Bay St. Louis

Distanz: 57 km / Gesamt: 1859 km / Fahrzeit: 3 Std. 57 Min. / Durchschnitt 14.46 km/h

Morgens 25, Nachmittags 28 Grad, leichter Wind aus Osten, hohe Luftfeuchtigkeit, ganzer Tag bedeckt

ride the bordwalk

Das war's heute auch fast schon. Immer dem Strand entlang.

Das war’s heute auch fast schon. Immer dem Strand entlang.

Wie ihr schon an den Fakten oben gesehen habt, war heute ein lockerer Tag. Nicht wirklich viel Distanz, nicht wirklich schnell, nicht sonderlich aufregend. Genauso war’s. Wir haben uns nach dem gestrigen gemütlichen Abend zum Starten etwas Zeit gelassen. In Ruhe aufstehen, alles bereit machen, mit Anja telefonieren, etc.

Start im Casino Parkhaus.

Start im Casino Parkhaus.

Die Routentipps auf dem Blog „Cracyguyonabike“, auf dem ich schon viele Infos bekommen habe, haben dringend davon abgeraten, ab Biloxi auf dem Hyw 90 zu fahren. Zu viel Verkehr, kein Platz an der Seite und durchgehend ein hoher Randstein, der für Velofahrer jeden Fluchtversuch vor aggressiven oder unaufmerksamen Autofahrern verhindert. Wir haben den Rat befolgt und uns auf dem Fussgängerweg ganz dem Strand entlang Richtung „Bay St. Louis“ auf den Weg gemacht.

Wie auf der Skipiste. Die "Pistenfahrzeuge" im Einsatz.

Wie auf der Skipiste. Die „Pistenfahrzeuge“ im Einsatz.

Im Blog war noch von vielen Löchern und schiefen Betonplatten auf dem „Bordwalk“ die Rede. Wir haben aber heute fast durchgehend einen tadellosen Belag vorgefunden. Es geht halt mal immer etwas rauf und runter und schlängelt sich um jedes Hindernis, aber mehrheitlich war er so breit, dass wir heute gemütlich nebeneinander herfahren konnten. Barbara bemerkte so gegen Mittag, dass sie nun während der Fahrt gerne ein Nickerchen machen würde, es sei gerade so entspannt. Naja, wie entspannt das Fahren auf dem Lieger ist, wenn die Fahrerin schläft wollten wir nicht testen und machten einen „Powernap-Stop“ am Jachthafen von Gulfport.

Am Hafen von Gulfport.

Am Hafen von Gulfport.

Danach weiter dem weissen Strand entlang. Wir sind heute tatsächlich unglaubliche 44 Kilometer auf dem Trottoir einen weissen Sandstrand entlang geradelt. Der Strand fast durchgehend menschenleer. Ab und zu Vögel und ganz vereinzelt Menschan am Wasser.

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Auch sie nahmen es heute gelassen.

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Noch einer, nur für Robyn.

Wir hatten sogar Zeit um uns für ein Foto langsam anzuschleichen.

Wir hatten sogar Zeit um uns für ein Foto langsam anzuschleichen.

Diese Fahrt entspricht einer Strecke die etwas länger ist als von Winterthur nach Weinfelden, immer einen weissen Strand neben sich, immer auf dem Trottoir. Könnt ihr euch das wirklich vorstellen?
Als Abschluss noch die wunderschöne Brücke über die „Bay St. Louis“ mit guten Radweg und sehr moderater Steigung. Also so wie gewünscht.

Die elegant geschwungene Brücke über die "Bay St. Louis".

Die elegant geschwungene Brücke über die „Bay St. Louis“.

Parallel dazu verläuft die Eisenbahnbrücke und für ein Foto haben sie sogar einen Zug darüber fahrenlassen.

Parallel dazu verläuft die Eisenbahnbrücke und für ein Foto haben sie sogar einen Zug darüber fahren lassen.

Wir haben diesen lockeren Tag genossen und uns mental schon mal auf Barbara’s morgige Schlussetappe eingestellt. Es stehen uns nochmals knapp 100 gemeinsame Kilometer bevor, aber näher an New Orleans haben wir auf unserer geplanten Route kein Motel mehr gefunden. Also sind wir hier in den Startlöchern um Morgen früh loszufahren damit wir New Orleans möglichst vor dem Abendverkehr erreichen.

Wir genossen diese gemeinsame Fahrt. Bald geht's alleine weiter.

Wir genossen diese gemeinsame Fahrt. Bald geht’s alleine weiter.

Wie gesagt, von einer Fahrt auf dem Trottoir einem weissen Stand entlang gibt es nicht wirklich aufregendes zu berichten. Deshalb mache ich auch schon Schluss.

Fazit: Wir fühlten uns wie Strandtouristen an der Adria, die mit dem Mietvelo von „Giovanni“ etwas der Beach entlang „cruisen“. Mit einer Langstreckenfahrt hatte das heute nichts zu tun!

Tag 22: (04.11.14) Dauphine Island – Biloxi

Distanz: 105.2 km / Gesamt: 1802 km / Fahrzeit: 5 Std. 47 Min. / Durchschnitt 18.1 km/h

Morgens 16, Nachmittags 25 Grad, Wind aus allen Richtungen, nicht stark

Let’s play

Zuerst ein Nachtrag zu Gestern:
Wir haben heute mit Schrecken festgestellt, dass wir euch gestern ja die 1000. Meile unterschlagen haben! Also etwa ein Drittel der Reise nach San Diego ist geschafft! Wir haben es selber nicht bemerkt und erst heute erkannt, dass wir kurz vor der Grenze zu Alabama bei Km 1609.34 die 1000 Meilenmarke erreicht haben. Also liebe Sponsoren, pro zugesagtem Rappen wären das jetzt genau 10 Franken die ihr schon mal auf die Seite legen könnt :-)

Heute ist „Spieltag“. Wir haben wiederum über 100 km in die Pedalen getreten, nur um uns hier in Biloxi, einem Ort in dem Spielcasinos in den USA erlaubt sind,  in einem solchen zu vergnügen und eine richtig harte Runde Poker zu spielen!
Nein, natürlich nicht! Wer uns kennt weiss, dass wir Realisten genug sind zu wissen, das wir mit unseren bescheidenen Spielerfähigkeiten hier nur verlieren würden. Eine ganz andere, pragmatische Überlegung hat uns heute ins „Harrah’s“ nach Biloxi geführt. In Casinohotels kann man in den USA bekanntlich gut und günstig übernachten, da die Casinos hoffen, die Gäste dann beim Spieltisch abzocken zu können. Wer hier übernachtet und nicht spielt hat fast immer gewonnen. Wir zogen heute sogar noch den Jackpot, doch dazu später.

Wir hatten eine ruhige und erholsame Nacht im „Gulf Breeze Motel“ in Dauphine Island, so dass wir am Morgen bereits recht früh fit waren und um 07.20 Uhr mit frische geölten Ketten in den neuen Tag gestartet sind.

Ein Bootshaus. (typisch Amerika: Hauptsache die Fasade stimmt)

Bootshäuser in Dauphine Island. (typisch Amerika: Hauptsache die Fasade stimmt)

Bereits bei der ersten Brücke die kurz nach dem Start zu passieren war, wurden unsere Muskeln und Herzfrequenz auf „Betriebstemperatur“ gebracht. Das war gut so, denn wir hatten am Morgen noch etwas Gegenwind und gut 100 km vor uns. Da sollte man rasch in die Gänge kommen.

Unsere heutige Aufwärmrunde.

Unsere heutige Aufwärmrunde.

Die drei warten an der Brücke.

Die Drei warten an der Brücke. Die Pelikane segelten neben der Brücke nur etwa 5 Meter an uns vorbei.

Ich hatte in den diversen Radfaherblog’s immer wieder von fiesen „Hundeattacken“ vor allem in den Südstaaten gelesen. Alabama gehört dazu und ist seinem Ruf gerecht geworden. Heute haben wir bereits einige Situationen erlebt, in denen die Hunde, oft zu zweit, bellend auf uns zugerannt kamen. Ja wir sind keine Hundeflüsterer und stehen sowieso eher auf Katzen, aber das kümmert die Hunde gar nicht. Trotzdem haben wir uns auf diese Situation vorbereitet:

Phase 1: Hund laut anrufen: „Stopp!“  „go home!“
(Mit Vorteil in der Landessprache rufen, vielleicht versteht er das ja)

Phase 2: Sollten die Hunde nicht reagieren und den Angriff fortsetzen kommen unsere „Waffen“ zum Einsatz.
Seit beginn der Reise hängt an unseren Bremshebeln immer griffbereit ein Pfefferspray. Dieser würde die Hunde hoffentlich im letzten Moment noch abschrecken. So jedenfalls wird es empfohlen und diverse Radler schreiben häufige über so erfolgreich abgewehrte Attacken. Wichtig: Immer Reserve dabei haben, denn schon nach der nächsten Kurve lauert vielleicht ein neuer Angreifer und wenn dann dein Spray leer ist ….
Wir haben uns das zu Herzen genommen und sind auch mit Reserve ausgerüstet. Man kauft den Pfefferspray übrigens am einfachsten in einem grossen Sportgeschäft in der Abteilung „Outdoor“.
Heute mussten wir den Spray nicht einsetzen, da unsere Kommandos offenbar überzeugend waren. Einmal haben sich mir zwei recht grosse Hunde, ohne zu bellen von schräg hinten genähert. Zum Glück hat sie Barbara, die hinter mir fuhr, gesehen und konnte mich warnen. Ein lautes „STOP“ zeigte seine Wirkung und sie blieben stehen. Wir waren erleichtert, denn mit den beiden hätte es ungemütlich werden können. Sorry, davon gibt es leider keine Fotos, irgendwie kamen wir nicht dazu ;-)

Dafür ein ruhiges Landschaftsbild aus der Gegend der bellenden Hunde.

Dafür ein ruhiges Landschaftsbild aus der Gegend der bellenden Hunde.

Schon um 11 Uhr waren wir an der Staatsgrenze zu Mississippi. Also anhalten und Beweisfoto machen.

Das ging aber schnell. Alabama's Südgrenze in 24 Std. durchradelt.

Das ging aber schnell.
Alabama’s Südgrenze in 24 Std. durchradelt.

Dann weiter auf Hyw 90 Richtung Pascagoula. Der Seitenstreifen war grauenvoll. Überall aufgerissen, wellig und es fuhr sich wie auf einer Testpiste für Stossdämpfer. Wir entdeckten zum Glück eine Parallelstarsse und suchten uns auf dieser den Weg bis zur Brücke über den Pascagoula River.

Heute mal Bilder die zeigen, dass auch hier nicht alle in Palästen wohnen.

Heute mal Bilder die zeigen, dass auch hier nicht alle in Palästen wohnen.

Aber auch bei einfachen Häusern hat das Auto seinen Platz.

Aber auch bei einfachen Häusern hat das Auto seinen Platz.

Auf den Nebenstrassen ist ein Grossteil der Häuser einfach.

Auf den Nebenstrassen ist ein Grossteil der Häuser oft klein und „zusammengeflickt“.

Bei unserem Mittagsrast in einem grossen „Buffet Restaurant“, das gut besetzt war, waren wir wieder einmal die Attraktion. „Was, ihr seit von Key West bis hier mit dem Fahrrad gefahren?“ Ungläubig schaute uns der Besitzer an und erzählte das er diese Strecke bis Miami letztes Jahr mit dem Auto gefahren sei, da er eine Kreuzfahrt machte. Das sei wirklich weit und er hätte einige hundert Dollar alleine für Benzin gebraucht. „Ja das haben wir auch“, sagte ich, „an Plätzen wie diesen. Das sind unsere Tankstellen“. Er bedankte sich noch das wir bei ihm gegessen haben und zum Abschied kamen noch zwei Mitarbeiterinnen vor die Tür um uns eine sichere Reise zu wünschen.

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Die Fischerei ist in der Gegend ein wichtiger Erwerbszweig.

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Achtung: jetzt Lücke im Verkehr abwarten, Anlauf nehmen und links halten, schliesslich müssen wir nach Biloxi und dahin geht es nur auf den beiden linken Spuren!

Nach der Brücke wurde der Hyw 90 richtig gut fahrbar. Feiner Teerbelag und genügend Platz auf der Seite machten das Fahren zum Vergnügen. Wir lehnten uns in den Sitzen zurück und nahmen die Sonnebrillen ab, um mit einer intensiven Phase „Kampfsünnelä“ den weissen Ringen in unseren Gesichtern etwas die „Bläse“ zu nehmen. Unser aktueller Look „Model Waschbär“ gefällt uns nämlich nicht so recht.
Kurz vor dem Ziel dann noch die Anfahrt zur „Biloxi Bay Bridge“. Auch dies hat dank guter Recherche  in anderen Radlerblogs prima geklappt. Man kann die Brücke per Rad in Fahrtrichtung „Ost – West“ nämlich nur auf der linken Seite befahren. Da die Strasse in der Mitte mit einer Betonmauer getrennt ist, muss man schon einige Strassen vorher nach links in die Seitenstrassen von „Ocean Springs“ abbiegen und die Brücke dann von dort aus anfahren. Dies hat uns wiedereinmal durch unerwartet schöne Strassen geführt.

Strasse in Ocean City

Strasse in Ocean City

Ein Bestattungsunternehmen. Wohl für gehobenere Ansprüche.

Ein Bestattungsunternehmen. Wohl für gehobenere Ansprüche.

Die Brücke selbst: 1A! Genauso müssen Brücken gebaut sein. Ein sicherer, breiter und sauberer Weg für Fussgänger und Velofahrer. Die alte Brücke wurde beim Wirbelsturm „Kathrina“ zerstört und so haben wir nun das Vergnügen auf dieser neuen Brücke nach Biloxi zu fahren.

 

So sollte es immer sein.

So sollte es immer sein.

Beim Hotel stellte sich die Frage: Wo ist die Rezeption? Es schien nur einen Eingang via das Parkhaus zu geben. Also sind wir mit den Rädern mal da reingefahren. Zum Glück kam uns ein Mitarbeiter des technischen Dienstes auf seinem kleinen Fahrzeug entgegen. Wir fragten ihn, wie wir denn zur Anmeldung kommen. Er schaute uns an, fand die Velos sehr speziell und bat uns ihm zu folgen. „Ich fahre euch voraus.“ Er führte uns durch das Parkhaus direkt vor die Anmeldung. Danke, das hätten wir so nie gefunden, denn die Autorampe war uns zu steil. Nach der Anmeldung schoben wir wie üblich die Velos Richtung Lift. Da plötzlich kam die ältere Dame die mir die Zimmerkarte ausgestellt hatte ziemlich aufgeregt auf uns zu: „Ihr könnt die Räder nicht auf’s Zimmer nehmen! Ihr müsst die draussen im Parkhaus abgeben.“ Ok, dass hat uns ja niemand gesagt. Da mischte sich schon ein zufällig vorhergehender Gast ein. „Das ist doch kein Problem. Wieso sollen die Räder nicht auf’s Zimmer?“ „Nein das geht nicht!“ sagte die Dame nochmals in bestimmten Ton. Wir wollten uns nicht auf eine Diskussion einlassen und drehten die Räder Richtung Parkhaus als ein Mann in schwarzem T-Shirt auf uns zu: „Kein Problem, ihr könnt mit den Rädern auf’s Zimmer.“ sagte er. Ich erklärte ihm, die Dame sei dagegen. „Nein, wirklich, wir erledigen das.“ entgegnete er, „Darf ich ihnen helfen“. Nun dämmerte mir, das er und der Herr neben ihm, der schon etwas in sein Funkgerät sagte, wohl zur Security des Hotels gehörten. Also wieder umgedreht und zurück zum Lift. Der Herr war behilflich beim platzieren der Räder , entschuldigte sich nochmals und gab Barbara zwei Karten für ein Gratisessen am Buffet.

Entschuldigung angenommen ;-)

Entschuldigung angenommen ;-)

Also wenn sich diese Nacht für uns nicht lohnt: Hotelpreis: 36.95 Fr. für beide, dazu gesponsortes Abendbuffet inkl. gratis Wein und Bier.!
Nach dem guten Essen führte der Weg zurück zum Hotelzimmerf natürlich wie in solchen Häusern üblich durch das Spielcasino mit unzähligen blinkenden und klingelnden Automaten. Wenn wir schon so günstig schlafen und gratis essen können, so können wir doch mal 10 Dollar in die Maschine schieben. Also spielten wir mit 40 Cent Einsätzen eine Weile und plötzlich begann die Kiste zu Blinken und spuckte doch tatsächlich 55 Dollar aus. Abzüglich Einsatz war nun auch das Hotelzimmer bezahlt. Wir wollten das Glück nicht noch mehr strapazieren und lösten den Gewinn ein.

So sehen entspannte Radler aus, die es sich gut gehen lassen. ... und das alles umsonst!

So sehen entspannte Radler aus, die es sich gut gehen lassen. … und das alles umsonst!

Fazit: Wir „spielten“ heute mit Hunden, Rezeptionistinnen und Spielautomaten und haben immer gewonnen! Nur das Buffet hätte uns fast geschlagen! (Zum Glück können wir das Morgen wieder abstrampeln.)

Tag 21: (03.11.14) Pensacola – Dauphine Island

Distanz: 112.15 km / Gesamt: 1696.8 km / Fahrzeit: 5 Std. 49 Min. / Durchschnitt 19.27 km/h

Morgens 12, Nachmittags 25 Grad, Rückenwind :-)

sweet home Alabama!

Nach 16 km Florida haben wir die erste Staatengrenze verdient!

Nach 1615 km quer durch Florida haben wir die erste Staatengrenze verdient!

Ja heute war es soweit: Wir haben Florida durchquert und nach gut 1615 Kilometer die Grenze zu Alabama erreicht! Zum Glück sind die kommenden Durchquerungen der Bundesstaaten, mit Ausnahme von Texas,  nicht mehr so lange. Nach einem kleinen Abschnitt Alabama werden wir schon Morgen Mississippi erreichen.

Heute starteten wir um halb acht, aber nur um bereits im nächsten IHOP (international house of pankakes) einen Frühstückstop einzulegen, denn in unserer Unterkunft gab es nur amerikanischen Kaffee (= mehr oder weniger braunes Wasser) und Tee. Das reicht für eine Tagestour als Startprogramm aber auf keine Weise und so besorgten wir uns die nötigen Kalorien halt an einem anderen Ort. Wiedereinmal musste ich beim Blick in die Speisekarte den Kopf schütteln. Da wird doch unter der Rubrik „Frühstück“ tatsächlich ein „T-Bone Steak“ mit „French Toast“ angeboten.
Ich versuchte es dann mit der Version 2 Eier, Modell „Sonnenseite oben“ (=Spiegelei) zwei Speckstreifen und zwei Pankakes. Diese waren aber so süss, dass ich nach dem ersten kapitulieren musste. Da hatte Barbara mit der Vegiomlette eindeutig besser gewählt. Dann habe ich noch telefonisch abgeklärt, ob die Fähre heute in Betrieb ist und nach der positiven Antwort das Motelzimmer in Dauphine Island gebucht. Da der Wind auch noch die Richtung gewechselt hatte und uns heute von hinten unterstützen würde, stand einer gemütlichen Sonntagsfahrt an einem Montag nichts mehr im Wege.

An diesem Platz hätten wir auch noch gerne gefrühstückt.

An diesem Platz hätten wir auch noch gerne gefrühstückt.

Die Fahrt aus Pensacola verlief erstaunlich ruhig und meist war ein Seitenstreifen vorhanden. Über zwei Brücken erreichten wir schliesslich „Cotton Bayou“ und konnten von nun an einfach noch geradeaus fahren.
Auf der Seite zum offenen Meer hin folgte ein riesiger Hotelbunker dem nächsten. Sie waren sich alle zum verwechseln ähnlich und irgendwie langweilig. Für alle die die Geschichte von „Asterix und Obelix“ gelesen haben wissen, wie eine „Trabantenstadt“ aussieht. Genauso sah es hier aus.

Wir genossen den Rückenwind, konnten einen Gang höher schalten und einfach ab in Richtung Südwesten radeln.

Gute Strasse, genug Platz, Rückenwind. Alles was wir brauchen.

Gute Strasse, genug Platz, Rückenwind. Alles was wir brauchen.

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Nicht nur auf Sand, auch auf Stelzen gebaut.

Nach und nach nahmen die Hotelbunker ab und machten schmucken Ferienhäusern Platz. Diese waren, wie überall an der Golfküste, mehrheitlich auf einem Holzgerüst gebaut, um im Falle einer Überflutung weniger Schaden zu nehmen. Der Verkehr wurde ebenfalls weniger und wir genossen die lockere Fahrt. Plötzlich wie aus dem Nichts tauchte eine Tafel mit der Aufschrift: „Dead End“ auf. „Nein, nicht schon wieder“ fuhr es mir durch den Kopf, als wir an einer Schranke standen, welche die letzte Siedlung hier Bewachte und jedem Fremden den Zutritt verwehrte. Das Navi kannte keine Gnade und zeigte mir, dass wir einen Abzweigung vor 10 km. verpasst hatten. Aller Ärger machte die Sache auch nicht besser und wir mussten gegen den starken Wind zurückfahren. Die nächsten gut 45 Minuten kosteten viel Kraft und wir waren froh, als wir den Abzweigpunkt erreicht hatten. Wir konnten uns wenigstens damit motivieren, wieder ein paar Zusatzmeilen für Kokou gefahren zu sein.

Nun liess ich die Karte auf dem „Handy-Navi“ kaum mehr aus den Augen. Wenn wir dieses Tempo durchhalten konnten, würden wir noch die Fähre um 16.15 Uhr erreichen. Wir hatten also ein klares Ziel und das spornt bekanntlich an. Plötzlich sah ich, wie Barbara im Rückspiegel immer weiter abfiel. Ich stopte und warten bis sie aufgeschlossen hatte. „Mein Vorderreifen ist platt.“ rief sie als sie in die Nähe kam. „Das darf doch nicht wahr sein, schon wieder. Uns war klar, dass so die Fähre nicht mehr sicher erreicht werden konnte. Da dies ein Reifen mit grünem „Wunderslime“ war, versuchten wir es einfach einmal mit aufpumpen. Das klappte prima und der Reifen blieb bis ins Hotel dicht, so dass wir die Fähre noch erreichten.
Euch allen zu Hause die uns für den heutigen Tag die Daumen gedrückt haben damit alles klappt ein herzliches DANKE. Das haben wir wirklich gebraucht!

Ziel erreicht

Ziel erreicht

 

Diese kleine Fähre erspart uns 130 km Umweg!

Diese kleine Fähre erspart uns 130 km Umweg!

Schon lange habe ich mir im Rahmen der Vorbereitung, beim Lesen der verschiedenen Blogs, diesen Moment auf der Fähre vorgestellt und nun waren wir „on board“!

Wir habens geschafft: auf der Fähre!

Wir habens geschafft: auf der Fähre!

Kein Nebel, kein Sturm, kein Motorschaden hat die Überfahrt für uns, im Gegensatz zu vielen „Vorausfahrern“ behindert. Wir waren auf dem Schiff und der Zeitplan bis New Orleans scheint perfekt aufzugehen.

Die zwei dürfen sich mal ausruhen!

Die zwei dürfen sich mal ausruhen!

Auf diesen Plattformen in der "Mobile Bay"  wird Erdgas gefördert.

Auf diesen Plattformen in der „Mobile Bay“ wird Erdgas gefördert.

just nice

just nice

In Dauphine Island sind wir im einfachen, aber sehr sauber und gut geführten „Gulf Breeze Motel“ untergekommen. Also beste Voraussetzungen um uns gut zu erholen um für die morgige Etappe nach Biloxi bereit zu sein. Dies wird die drittletzte Etappe für Barbara. Schade das die gemeinsame Fahrt bald zu Ende geht.

Tag 20: (02.11.14) Fort Walton Beach – Pensacola

Distanz: 84 km / Gesamt: 1584.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 03 Min. / Durchschnitt 16.57 km/h

Morgens 11, Nachmittags 20 Grad, Wind im Verlauf des Tages nachlassend, schräg von vorn  GPS Track wie von uns gefahren    /  GPS Track empfohlene Variante

just miles

Heute startete der Tag wieder kalt und windig. Aber wir freuten uns auf eine lange Fahrt durch schneeweisse Sanddünen auf „Santa Rosa Island“. Zumindestens „Google Maps“ hatte uns diesen Weg vorgeschlagen.
Doch schon nach 4 Kilometern kam die Ernüchterung. Eine Warntafel, ein Gitterzaun und ein Wachhäuschen machten klar, das dieser Teil der Dünen für andere reserviert war. Nein hier besteht keine Gefahr, das deutsche Pauschaltouristen mit dem Strandtuch schon am Morgen alle guten Plätze besetzten, hier wird schweres Geschütz aufgefahren! Das ganze Gebiet wird von der „US Air Force“ beansprucht. Hier werden die Jungs offenbar auf Einsätze im Sand trainiert und dabei soll keiner zuschauen. Für uns bedeute das, wieder 4 Kilometer zurück und auf dem Highway 98 Richtung Pensacola. Nicht wirklich schön auf dieser Strasse, aber zumindest teilweise war ein Seitenstreifen vorhanden. Also etwas Sicherheit. Hier rasen die Autos mit 65 Meilen, also knapp 120 km/h (und oft schneller) an uns vorbei. Zum Glück war heute Sonntag und so war der Verkehr gegenüber der Woche doch weniger stark und vor allem waren kaum grosse Lastwagen unterwegs. Wer also eine Velotour in den USA plant, tut gut daran Samstage und Sonntage wenn immer möglich als „Fahr-“ und nicht als „Ruhetage“ zu planen.

Hallo Anja: Auf der eintönigen Fahrt auf dem Hwy 98 ist uns das aufgefallen: Liäbi Grüäss a Wohngruppä Andorra i dä EPI.

Hallo Anja: Auf der eintönigen Fahrt auf dem Hwy 98 ist uns das aufgefallen: Liäbi Grüäss ad Wohngruppä „Andorra“ i dä EPI.

Was uns in den letzten Wochen auch aufgefallen ist sind endlose Baustellen. Sie beginnen mit einer Tafel „road work ahead“, dann folgen oft grosse orange Pilonen, welche die Fahrbahn verengen, meist auf der Seite der Rad- und Pannenstreifen, dann eine Hinweistafel dass bei Anwesenheit der Bauarbeiter die Geschwindikeitsbussen doppelt so hoch ausfallen wie sonst und dann folgt Kilometerweit nichts! Kein Arbeiter, keine Baumaschine, nur halb aufgerissene Strassen. So auch heute. Mehr als 10 Kilometer fuhren wir an einer Baustelle entlang. Oft war der Seitenstreifen aufgeraut und mit unseren beladenen Fahrrädern kaum fahrbar. Wenn wir Glück hatten, war rechts noch ein Teil der Oberfläche intakt und wir hatten 40 bis 50 cm akzeptable Fahrbahn, aber leider nicht immer.

Da sind wir ja schn mal zufrieden. Oft war alles aufgeraut = unfahrbar!

Da sind wir ja schon mal zufrieden. Oft war alles aufgeraut = unfahrbar!

So war die Fahrt nicht sonderlich attraktiv und wir planten in Navarre über die Brücke auf den vorgelagerten Küstenstreifen zu fahren. Doch die Fahrbahn war einspurig, eng und erschien uns in Sachen Verkehr zu unsicher. Auf dem sehr schmalen Fussgängerweg kamen wir mit unseren Rädern auch nicht durch: zu eng!

Kein Platz für unsere Räder!

Kein Platz für unsere Räder! Hier hätten wir die Fahrbahn nehmen sollen um auf den Gulf Island National Seashore zu gelangen. Das haben wir leider verpasst. Danach kam keine Brücke mehr :-( 

Wir hatten den Eindruck, dass je wohlhabender eine Region war, desto schlechter war die Infrastruktur für Fahrradfahrer. Was wir seit Panama City bis hier an der Esmeralda Coast gesehen hatten, war bis jetzt der absolute Tiefpunkt in Sachen Fahrradstreifen oder fahrbaren Trottoirs.
Die Gegend rühmt sich zwar mit den schönen weissen Sandstränden und den vielen teuren Hotels als Top Feriendestination, aber ist offensichtlich nur für den Autofahrer gedacht.

Entlang der "Esmeralda Coast"

Entlang der „Esmeralda Coast“

Also blieben wir auf dem Hyw 98 und machten kurz vor der grossen Brücke, die uns nach Pensacola bringen würde, eine späte Mittagspause. Im Restaurant noch schnell ins Internet, eine Unterkunft für heute Abend gebucht, die letzten warmen Sachen ausgezogen da es nun angenehm warm wurde und so konnten wir die letzten Kilometer in sommerlichem Outfit entspannt zurücklegen. Die Brücke über die Pensacola Bay hatte zum Glück einen breiten Seitenstreifen auf dem wir sicher die lange Überfahrt machen konnten.

Bereit zur Überfahrt?

Bereit zur Überfahrt?

Der Schattenfahrer auf der Brücke.

Der Schattenfahrer auf der Brücke.

Die Tafel am Brückengeländer irritierte uns ein wenig: Wie sollten wir hier weiterkommen, falls wir einen Platten einfangen würden und das Flicken auf der Brücke offensichtlich unter Androhung von Busse nicht erlaubt war? Zum Glück hatten wir ja gestern das „Pannenkontingent“ schon ausgeschöpft und blieben heute davon verschont.

Was wäre wenn ....?

Was wäre wenn ….?

Die Fahrt durch die Altstadt von Pensacola brachte für uns eine angenehme Überraschung. Viele alte, sehr liebevoll gepflegte Häuser. Dazu perfektes Sonnenlicht, so dass alles in einem speziellen Glanz erschien. Die Stadt soll gemäss Wikipedia bereits 1559 gegründet worden sein und ist somit die erste Siedlung von Europäern auf dem Gebiet der heutigen USA.
Da wir das Hotel nur wenige Kilometer westlich der Altstadt gebucht hatten, konnten wir uns trotz tief stehender Sonne, wir haben ja seit heute auch Winterzeit, etwas Zeit für eine kleine Rundfahrt durch den „Historic District“ mit den Rädern nehmen. (Hier ein paar Bilder)

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Wir haben in Pensacola noch ein neues Strassenschild kennen gelernt.

Wir haben in Pensacola noch ein neues Strassenschild kennen gelernt.

Morgen wird dann ein „Schlüsseltag“, denn wir müssten bis um 5 Uhr die letzte Fähre von „Fort Morgan“ nach „Dauphin Island“ erreichen und zudem muss die Fähre auch noch fahren. Diese Fähre wird leider oft eingestellt, sei es wegen technischer Probleme oder wegen stärkeren Winden. Hoffen wir also das Morgen alles klappt. Sollte das aus irgend einem Grund nicht gehen, können wir New Orleans im geplanten Zeitraum nicht mehr erreichen und müssten die letzte Strecke per Mietwagen zurücklegen. Also drückt uns die Daumen und ich hoffe, dass ich euch morgen, Internetzugang vorausgesetzt, von unserer erfolgreichen Ankunft in „Dauphin Island“ berichten kann.
Euch allen einen guten Start in die neue Woche.

Fazit: Zuerst die Arbeit (Hyw98) und dann das Vergnügen (Altstadt Pensacola)

Übernachtung: Suburban Extendet Stay, Pensacola

Tag 19: (01.11.14) Panama City Beach – Fort Walton Beach

Distanz: 84 km / Gesamt: 1500.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 31 Min. / Durchschnitt 15.17 km/h

Ganzer Tag kalt (Morgen 9, Nachmittag 16 Grad, ), böiger Gegenwind mit 40 in Böen 60 km/h  GPS-Track

Gegenwind

Der heutige Tag lässt sich kurz in einem Wort zusammenfassen: Gegenwind.

– Tatsächlich viel Wind genau aus der Richtung, in die wir wollten
– Temperatursturz am Morgen nur 9 Grad (mit dem Wind fühlte es sich eher wie 3 Grad an)
– Heute hat uns der Pannenteufel eine Lektion erteilt.

Bereit den "Kampf" gegen Kälte und Wind aufzunehmen.

Bereit den „Kampf“ gegen Kälte und Wind aufzunehmen.

Wir sind heute extra früh aufgestanden, denn wir wussten aus dem Wetterbericht, nicht nur die Teilnehmer des IRONMAN Wettkampfs in Panama City Beach, sondern auch wir mussten uns auf sehr unangenehme Wetterverhältnisse einstellen. Schon die Kleiderauswahl erwies sich als nicht ganz einfach. Nach diversen Versuchen standen wir um 8 Uhr in der Montur „kurze Winterausfahrt an einem kühlen aber schönen Januartag“, startbereit vor dem Hotel.
Nun einfach alles ruhig angehen, Tritt für Tritt und sich mit dem Gegenwind langsam einpendeln. Der Start gelang gut und wir waren froh eine Trittkadenz gefunden zu haben, die uns nicht zu sehr anstrengte und trotzdem gegen den Wind 15 -17 km/h möglich machte. So fuhren wir auf der „98“ Richtung Westen. Kurz vor dem zweiten Stop entdeckten wir das Schild „Eden Garden State Park“. Das tönte für uns gut, konnten wir doch damit rechnen, zu mindestens eine warme Toilette und evtl. sogar einen kleinen Besucherraum zu finden, in dem wir uns aufwärmen konnten. Bei solchen Temperaturen unterwegs zu sein, empfinde ich als sehr anstrengend. Das grösste Problem für mich ist jedoch, dass ich trotz kalten Temperaturen durch die Anstrengung ins Schwitzen kommen, dadurch die Leibchen am Oberkörper feucht werden, was wiederum ein unangenehmes Kältegefühl auslöst.

In der Hoffnung uns aufwärmen zu können, haben wir am Parkeingang 4 Dollar Eintritt bezahlt.
Naja, so richtig toll war das dann nicht. Im Garten stand ein schönes Haus, draussen Bäume mit „spanisch Moos“ und viel Schatten im Park.

Haus im "Eden Garden SP"

Haus im „Eden Garden SP“

Nach einem kurzen Rundgang und Toilettenbesuch hatten wir genug gesehen und waren froh auf der „98“ zumindest nicht im Schatten fahren zu müssen.
Mittagspause legten wir in einem originellen Restaurant mit dem Namen „the caf“ ein. Wir genossen die besondere Atmosphäre und für einen Moment hatten wir fast das Gefühl, in Mexiko zu sein.

In Mexiko?

In Mexiko?

Frisch gestärkt ging es wieder auf die Strasse. Langsam hatte auch die Sonne ihre Kraft entfaltet und wir konnten immerhin gut 15 Grad messen.
Bald erreichten wir Destin. Ein hübsch herausgeputzter Ort, aber irgendwie unwirklich, nach all den vielen auch armen Gebieten die wir in den vergangenen Tagen gesehen hatten. Hier sah alles perfekt aus und zumindest die Fassaden machte einen tadellosen Eindruck.
Das ganze Gebiet das wir durchquerten schien erst einige Jahre alt zu sein. Da und dort wurde noch gebaut und die ermöglichte einen guten Einblick in die auch heute noch übliche „einfache Spanplattenbauweise“ mit der selbst im Jahr 2014 hier noch Häuser gebaut werden. Einfache Holzständerkonstruktionen, als Wände Pressholzplatten, darüber eine Plastikfolie als Schutz und zum Schluss einen schönen Putz aufgetragen. Fertig ist die (Alb-) Traumvilla. Wir wollen uns lieber nicht vorstellen, wie dieses Gebiet in 30-40 Jahren aussehen wird. „Minergie“ oder ähnliches ist hier mehr als nur ein Fremdwort.

Villen in allen Stielrichtungen

Villen in allen Stilrichtungen

Aber nur für "Auserwählte"

Aber nur für „Auserwählte“

Ohne Verputz ist die Bauweise sichtbar.

Ohne Verputz ist die Bauweise sichtbar.

Diese Parzelle ist noch zu haben. Intressenten können sich melden. Gegen Provision werden wir vermitteln. :-)

Diese Parzelle ist noch zu haben. Intressenten können sich melden. Gegen Provision werden wir vermitteln. :-)

Auch dies kann gefallen.

Auch dies kann gefallen.

Eigentlich waren wir mit unserem Vorwärtskommen ganz zufrieden und als wir in Destin die Brücke hinüber nach Fort Walton befuhren, freuten wir uns schon auf einen frühen Feierabend. Als ich nach der Brücke einen Blick in den Rückspiegel machte, war sofort klar,dass Barbara ein Problem hatte. Tatsächlich, ihr Hinterreifen war PLATT! So ein Ärger! Bereits die ersten Pumpversuche machten klar, hier würde der grüne Superslime nicht mehr helfen. Also Rad ausgebaute und den Reifen inspiziert. Tatsächlich, wieder so ein kleiner Metallspiess wie ich ihn vor einigen Tagen auch mal hatte. Pinzette hervorgeholt, Übeltäter empfernt, neuen Schlauch eingesetzt, Rad wieder montiert und Gepäck aufgeladen. Während dem Gepäckladen stopte ein Auto bei uns am Strassenrand. „Wie gehts euch? Habt ihr Probleme?“ fragte ein freundlicher Mann um die 30. „Nein, danke, es ist alles ok. Wir haben soeben einen Platten geflickt und fahren jetzt weiter“ antworteten wir. „Na dann ist ja gut“ sagte er, „ich hab euch gesehen und wollte nur nachschauen, ob alles ok ist. Eine gute Fahrt!“ Er stieg ins Auto und fuhr in die Gegenrichtung davon. Der muss uns also auf der gegenüberliegenden Strassenseite gesehen haben, ist mangels Wendepunkt über die Brücke gefahren, hat dort irgendwo gewendet nur um zu uns zurückzukommen und seine Hilfe anzubieten. Solche Erlebnisse freuen uns immer wieder und wir frage uns, wie würden denn wir zu Hause reagieren? Thank’s für diese netten Gesten.

Auf der Brücke im Wind. (kurz danach der erste Platten)

Auf der Brücke im Wind. (kurz danach der erste Platten): Fahnen sagen mehr als Worte!

Nur noch 6 km. bis zum Hotel. Da kommt Freude auf! Trotz kaltem und zum Teil sehr heftigem Wind haben wir also das Ziel vor Augen. Nach nur 600 Meter Fahrt ruft Barbara hinter mir schon wieder „Hinterreifen ist platt“. Das gibt s doch nicht, fuhr es mir durch den Kopf. Also das Ganze nochmal! Wir hatten beide wirklich keine Lust mehr zumal wir an dieser Stelle dem kalten Wind schutzlos ausgeliefert waren. Es half nichts, wir musste dies Schlauch nochmals wechseln. Bevor der neue eingesetzt wurde, habe ich den Pneu nochmals sorgfältig nach möglichen Ursachen abgesucht. Tatsächlich, ich konnte nochmals eine kleines Metallstück spüren und mit der Pinzette entfernen. Wir nahmen also den letzten Schlauch aus unserem Vorrat und setzten diesen erfolgreich ein, so dass wir das Hotel nach einem anstrengenden Tag um halb sechs Uhr Abends erreichten.
Morgen gibts Programm nach Ansage. Es soll etwas weniger Wind haben und so hoffen wir, zumindest bis Pensacola zu kommen.

Fazit: Ein Supertag zum Kiten, Windsurfen, Segeln, aber Fahrradfahren? Wer kommt auf diese Idee?

Übernachtung: Best Western, Fort Walton Beach

Tag 18: (31.10.14) Ruhetag in Panama City Beach

sonnig aber stärkerer Wind aus Westen, am Nachmittag 21 Grad

meet the boss

Eigentlich gibt es von einem Ruhetag an der Beach nicht wirklich viel zu berichten. So auch bei uns. Es hiess ausschlafen, ausspannen, Wäsche machen, nächste Tage planen, Lesen, noch fehlende Blogberichte schreiben, am Strand windschattensuchen und sich dort hinlegen, im Pool etwas schwimmen, im Sprudelbad die Muskeln lockern und das war’s auch fast schon.

Aber nur fast. Heute haben sich die Routen von uns und meinem Bereichsleiter der mit seiner Frau per Wohnmobil die USA in West – Ost Richtung durchquert, gekreuzt. Vor einigen Monaten haben wir im Gespräch festgestellt, dass wir ja im Herbst 2014 zur gleichen Zeit in den USA unterwegs sind und fast entgegengesetzte Routen fahren. Folglich mussten sich diese Wege ja kreuzen und so haben wir uns unsere Reisefortschritte  gegenseitig mitgeteilt und konnten uns so heute treffen. Wir haben bei einem gemeinsamen Mittagessen eine gemütliche Zeit zusammen verbracht und wünschen an dieser Stelle Brigitte und Hans weiterhin eine gute Fahrt und noch schöne Tage in Florida. „was nice meeting you“

 

meet the boss

meet the boss at the beach

Tag 17: (30.10.14) Port st. Joe – Panama City Beach

Distanz: 92 km / Gesamt: 1416.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 31 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h

Morgen bedeckt und kalt (16 Grad, Bise), nachmittags 24 Grad, böiger Gegenwind
GPS-Track

cool down

Der Tag startete heute bereits mit einer für uns in letzter Zeit unwichtigen Frage: Was müssen wir anziehen um uns nicht wie auf einer „Spätherbstvelotour bei Ostwindlage im Schweizer Mittelland“ zu fühlen. Barbara machte da schon mal vieles richtig und setzte auf das „Zwiebelprinzip“, bei mir dauerte es etwas länger.
Es war sowieso kein gelungener Start in den neuen Tag. Für Barbara’s Geschmack bin ich heute zu spät aufgestanden, das Frühstück war mässig und als ich ihr nach exakter Ortsbestimmung unseres Hotels verkünden musste, dass es statt der vorausgesagten 78 km auch heute wieder 90 km werden würden, da sackte bei ihr die Stimmung und Motivation in den Keller.

Auf einer so langen und anstrengenden Reise gehören auch solche Momente dazu. Die körperlichen wie auch psychischen Anstrengungen fordern ab und zu eine Pause um die Batterien aufladen zu können. Aber dieser Tag ist erst morgen und so „müssen“ wir halt auch heute die Taschen wieder anschnallen, uns auf die Lieger setzen und losradeln. In solchen Momenten wissen wir beide, warum wir nie mit einem Tandem auf lange Reise gehen würden! So fährt jeder für sich, macht sich so seine Gedanken und die Schönheiten der Landschaft treten mal für einen Moment in den Hintergrund.

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Wir haben auf dieser Reise einen eigenen bestimmten Rhythmus für Toiletten-, Trink- und Dehnungspausen und dieser wird auch heute eingehalten. Beim ersten Stop musste ich tief in meine Satteltasche greifen und die warmen „Beinüberzieher“ sowie eine Jacke hervorholen, die ich eigentlich erst weiter im Westen für nötig erachtete. Aber im Moment zieht gerade eine Kaltluftfront bis tief in den Süden der USA und wird uns die nächsten drei Tage kühlere Temperaturen und vor allem auch kräftige Gegenwinde bescheren. Offenbar wollen die Wettergötter Barbara auf den letzten Tagen doch noch zeigen das hier nicht immer eitel Sonnenschein herrscht.

Wir kommen in "Touristengebiet". Restaurant in "Mexico Beach".

Wir kommen ins „Touristengebiet“. Restaurant in „Mexico Beach“.

Die Fahrt verlief soweit ganz gut, dem kühleren Wetter und der Stimmung sowie dem Wind mussten wir aber tempomässig Tribut zollen. Wieder durch lange Waldpartien und dann während 8 Meilen absolutes Fotografier- und Anhalteverbot. Wir fuhren entlang der „Tyndall Air Force Base“ und über uns kurvten und dröhnten verschiedene, zum Teil riesige Kampfjets auf ihren Trainingsrunden. (Nein dazu gibt es auch für die Aviatikfans keine Fotos. Wir wollten uns nicht mit den Jungs auf eine Diskussion über das Fotografierverbot einlassen. Vermutlich wurden wir als suspekte Radler sowieso auf dem ganzen Abschnitt mit Drohnen überwacht.)
Gegen Mittag war Panama City erreicht und wir wurden velofahrtechnisch nochmals richtig auf die Probe gestellt. Kein Seitenstreifen und eine zweispurige Strasse mit ziemlich rücksichtslosen Autofahrern. Das Trottoir, welches uns in solchen Fällen jeweils als „Notausgang“ zur Verfügung steht, war schlicht „unfahrbar“. Es bestand aus zerbrochenen, schief und krumm verlegten Betonplatten und mittendrin standen immer wieder Stromleitungsmasten oder Verkehrsschilder, so dass wir mit den Liegern zu breit waren. Also war nochmals volle Konzentration, selbstbewusstes Auftreten und Nervenstärke gefragt. Wir haben’s irgendwie geschafft und uns dann bei KFC am Lunchbuffet gestärkt. Mit dem Essen stieg die Stimmung und draussen machte die Sonne ihre Arbeit, so dass wir nach einem kühlen Morgen die wärmenden Sachen wieder ausziehen konnten. Dazu fanden wir auf dem Navi ganz in der Nähe einen „Fluchtweg“ von der Strasse 98 die hier wirklich kaum fahrbar ist. Über kleinere Seitenstrassen haben wir uns durch Panama City durchgearbeitet und kurz vor der grossen Brücke, die rüber nach Panama City Beach führt, meldet Barbara: „Platten hinten!“

Nebenstrasse in Panama City

Nebenstrasse in Panama City mit eigenem Seitenstreifen: Erholung pur nach Verkehrsstress

Also haben wir die Satteltaschen abgeladen, das Rad optisch kontrolliert aber nichts gefunden. Sie fuhr aber buchstäblich auf den Felgen. Sollen wir den Schlauch wechseln oder auf das grüne Wundermittel vertrauen, ob das Loch nach dem Aufpumpen wieder dicht wird? Wir setzten auf die zweite Variante und hatten Erfolg. Tatsächlich scheint der Schlauch wieder ok und wir schafften es ohne Probleme bis zum Hotel.

Die Luft nach steiler Brückenauffahrt bei Barbara zwar drausen aber der Hinterreifen hält dicht.

Die Luft nach steiler Brückenauffahrt bei Barbara zwar draussen aber der Hinterreifen hält dicht.

Bei der Einfahrt an der Hotelmeile stellten wir bald fest das dies hier einer dieser Retortenorte ist, wie sie überall auf der Welt an schönen Stränden hingestellt werden. Riesige Hotels, viele Restaurants und Souvenierläden, Fahrrad- und Mofavermietungen, Vergnügungsparks, schlicht Auswechselbarkeit.

Es gibt Tage, an denen steht einiges "Kopf"

Es gibt Tage, an denen steht einiges „Kopf“ (an der Einfahrt zur „Front Beach Road“)

Es offenbarte sich auch, woher unsere zusätzlichen 10 km in der Routenplanung kamen. Die Hotels an der „Beach Front Rd“ erstrecken sich auf mindestens 10 km. Wenn nun in der Grobplanung nur mal die Strasse als Ziel eingegeben wird, unser Hotel aber ganz am anderen Ende liegt, so kommen da halt einige Kilometer dazu. Aber weil die Sonne schien, es wieder warm und wir auf der „Zielgeraden“ waren, liessen wir uns nicht mehr stressen und fuhren die letzten 40 Min. gemütlich zum Hotel. Immer wieder wurden wir von sportlichen Rennradfahrern überholt. Einmal rief einer sogar „Grüäzi“. Da wurde mir klar, es muss hier am Wochenende der „Ironman Florida“ stattfinden. Mein Arbeitskollege Roger Kern hatte sich ja genau hier vor einem Jahr für den Wettkampf in Hawaii qualifiziert. Diesmal ist er aber nicht dabei und bereitet sich schon auf den Wettkampf in Hawaii vor. Wir müssen dann nach dem morgigen Ruhetag am Samstagmorgen einfach schauen, wie wir trotz für den Wettkampf abgesperrter Strassen wieder gut von hier wegkommen. Aber zuerst ist jetzt mal Pause!

Hier ist Auftanken angesagt. Sollte wohl klappen .-)

Hier ist Auftanken angesagt. Sollte wohl klappen :-)

Ich weiss, ein weiteer kitschiger Sonnenuntergang. Schön finde ich es trotzdem.

Ich weiss, ein weiterer kitschiger Sonnenuntergang. Schön finde ich es trotzdem.

Übrigens: Weil wir heute trotz „kühlem Start“ wieder einen so guten gemeinsamen Rhythmus gefunden haben, haben uns die Amis doch tatsächlich die von mir „verpennte“ Stunde geschenkt! Ohne es zu bemerken sind wir in der „Central-Standard-Time-Zone“ angekommen und können so die Uhren um eine Stunde zurückstellen. (Aber nur bis Sonntag, dann endet auch hier die „Tageslichtsparzeit“ wie die Sommerzeit hier genannt wird.)
Übernachtung: Beachcomber by the Sea, Panama City Beach

Tag 16: (29.10.14) Panacea/Ochlockonee Bay – Port St. Joe

Distanz: 105 km / Gesamt: 1334.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 27 Min. / Durchschnitt 19.2 km/h

neblig, ganzer Tag bedeckt, feucht, morgens 24 nachmittags 27 Grad, kaum Wind
GPS – Track

A hard day

Die vergangen Nacht im doch kleinen Zelt war unruhig und der Schlaf bei weiten nicht so erholsam, wie man sich das nach einer anstrengenden Etappe wünscht. Wir übten uns heute Nacht also im „synchron-schlafseiten-wechseln“ und der Disziplin „nicht von der Schlafmatte rutschen“. Ich muss gestehen, wir waren nicht wirklich erfolgreich. Seit mehr als 26 Jahren schlafen wir auf Campingplätzen grundsätzlich in Campingbussen oder Wohnmobilen und wir können euch auch erklären warum: Es schläft sich dort 1000 mal besser als in einem kleinen Zelt auf einer zu schmalen Matte!
Da ich aber auf dem Fahrrad keinen Wohnwagen hinter mir herziehen kann und ich damit gerechnet habe, auf der Reise ab und zu mal auf einem Campingplatz übernachten zu müssen, habe ich mir ein kleines, leichtes „2-er Zelt“ gekauft. Grundsätzlich nicht schlecht und mit 1.7kg. auch nicht zu schwer, aber eben, ein Zelt und dazu ein kleines und damit werde ich nie richtig glücklich werden.

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Nebelmorgen am Campingplatz: Gemütlichkeit sieht anders aus:

Irgendwann zeigte dann die Uhr, dass es nun langsam Morgen. Trotz zu wenig Schlaf sehnt man sich in solchen Momenten den Morgen herbei! Wir krochen also aus dem Zelt, ab unter die Dusche und bereit machen für einen neuen Tag. Wieder lag dichter Nebel über uns und das Zelt und alles was draussen war, war in der Nacht durch die hohe Luftfeuchtigkeit richtig nass geworden. So gut es ging, haben wir versucht die Sachen abzutrocknen und sauber einzupacken. Um 9 Uhr noch immer dichter Nebel. Wie in den letzten Tagen also noch zu gefährlich um loszufahren. So haben wir eine gute Stunde bei einer Tankstelle auf der anderen Strassenseite gewartet, etwas gegessen, mit einem Einheimischen geplaudert und etwas getrunken.

Unsere "Startrampe" heute morgen: Brücke über die "Ochlockonee Bay"

Unsere „Startrampe“ heute morgen: Brücke über die „Ochlockonee Bay“

Als sich der Nebel endlich soweit lichtete, das wir losfahren konnten, war es bereits wieder 10 Uhr und heute waren ja nochmals 105 km auf dem Programm. Also wieder, hohe Kadenz und Windschattenfahren. Heute lief das weniger flüssig als gestern. Den anstrengenden Tag mit den vielen Kilometern und der Hitze sowie die schlechte Nachtruhe hinterliessen in unseren Muskeln ihre Spuren. Zum ersten mal auf der Reise hatten wir am Morgen richtig „schwere“ Beine. Trotzdem versuchten wir so gut es ging möglichst 20 – 25 km zu Fahren, eine kurze Trink- und Essenspause einzulegen, die Muskeln zu dehnen und weiter zu fahren.
Bald schon kamen wir, nach einigen Tagen im Landesinneren, wieder an die Küste. Diesmal an die „Gulf Coast“. Das ist einer dieser Orte wo Hurrikan’s regelmässig auf Land treffen und oft viel Wasser und Wind mit sich bringen. Das schlägt sich auch in der Bauart der Häuser hier nieder. Wer am Wasser baut, verzichtet schon mal auf Keller und Erdgeschoss, da man diese sonst nur alle Jahre wieder auspumpen und reinigen müsste. Man verwendet hier eine jahrtausende alte Baumethode, die schon die Pfahlbauer am Bodensee entwickelten.

 

Pfahlbauern auf amerikanisch.

Pfahlbauer auf amerikanisch.

 

Eine weiter Variante.

Eine weiter Variante. Hübsch oder?

Ihr seht, es gibt also auch einige Sachen, welche die Amis vom alten Europa gelernt haben.
Die Fahrt heute eher unspektakulär. Oft fuhren wir der Küste entlang, oder in Waldschneisen, wie gehabt.

Fast ein bischen Bodensee?

Fast ein bisschen Bodensee?

An der Apalachiacola Bay

An der Apalachiacola Bay

Wie gesagt, die Beine waren heute schwer und wir waren froh das es heute zum ersten Mal auf der Reise fast den ganzen Tag bedeckt war. Die Temperatur war mit 27 Grad schon hoch genug, die Luftfeuchtigkeit hatte schon bald das Nivau „Sauna mit zu vielen Aufgüssen“ erreicht. Da hätte uns eine herunterbrennende Sonne wohl den Rest gegeben. Aber wie gesagt, es blieb bedeckt und auf der ca. 9 km langen Brücke über die „East Bay“ vor Apalachicola begann es dann auch noch zu Regnen. Abkühlung wie bestellt!

 

Wieder mal auflangen Brücken.

Wieder mal auf langen Brücken (… und die Oberschenkel brennen).

Apalachicola entpuppte sich im Zentrum als schmucker kleiner Ort mit schönen alten Häusern. Der Ort war gerade dabei sich besonders festlich zu schmücken, denn am kommenden Wochenende findet hier das bedeutendste „Seafood Festival“ in Florida statt. Tja, so lange können wir leider nicht bleiben und ihr müsst die Fische, Krebse, Muscheln und was hier in der Gegend noch so aus dem Meer gefangen wird halt selber essen.

Schnucke Häuser

Schmucke Häuser

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Die Frau von der örtlichen Post wollte unbedingt ein Foto von uns machen:  Hier ist es!

Die Frau von der örtlichen Post wollte unbedingt ein Foto von uns machen:
Hier ist es!

Apropos Essen: Heute haben wir uns hier einmal ein richtig gediegenes „Spätmittagessen“ im „Eulenkaffee“ gegönnt. Nicht zu vergleichen mit den immer gleichen geschmacklosen Sandwiches von der Tankstelle. Nein, heute wurde weiss gedeckt, die Stoffserviette hervorgeholt und feine Pasta serviert.

Vor der Paste natürlich einen gesunden Salat.

So sieht eine gediegene Radlerpause aus.

Wir hatten das nötig und wohl auch verdient, damit wir die verbleibenden 35 km noch gut über die Runden brachten. Nun haben wir s geschafft, sind wieder auf Kurs und werden Morgen mit knapp 80 km wieder einen ruhigeren Tag haben. Und übermorgen? RUHETAG! Wir freuen uns darauf.

Macht übrigens Spass! Mit dem Liegerad auf dem Hotelflur zum Zimmer fahren :-)

Macht übrigens Spass!
Mit dem Liegerad auf dem Hotelflur zum Zimmer fahren :-)

Fazit: It was a hard day!

Übernachtung: Mainstay Suites, Port St. Joe

Tag 15: (28.10.14) Perry – Panacea /Ochlockonee Bay

Distanz: 137.8 km / Gesamt: 1229.65 km / Fahrzeit: 6 Std. 54 Min. / Durchschnitt 20.0 km/h :-))

sonnig, morgens 18 nachmittags 30 Grad, kaum Wind, GPS-Track inkl. Umweg!

Extra-MILES4KOKOU

Heute sind wir früh aufgestanden, denn gemäss Routenplanung stand uns heute eine Etappe von 105 km. bevor. Im Wissen das die Kilometer, die wir nach 13.00 Uhr abspulen, wegen der Hitze jeweils fast doppelt so anstrengend sind, wollten wir früh losfahren. Aber auch heute wieder NEBEL! Schlicht zu gefährlich bei diesen Bedingungen zu starten. Das wir gut gesehen werden ist für uns überlebenswichtig! Also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und uns nochmals für eine Stunde ins Bett gelegt. Energie auftanken kann ja nicht schaden. Um halb zehn schafft es die Sonne, den Nebel langsam zu „verbrennen“ und die Sicht ist so gut, dass wir starten können.

Der Wasserturm von Perry taucht aus dem Nebel auf. Zeit um loszufahren.

Der Wasserturm von Perry taucht aus dem Nebel auf. Zeit um loszufahren.

Routenwahl? Kein Problem, immer gerade aus! So sind wir aus Perry raus gefahren und nach etwa drei Kilometer kam mir noch der Gedanke, ob wir wohl auf der richtigen Strasse sind? Gedanken kommen und gehen. So auch dieser. Was soll an der Strasse schon falsch sein. Wir radelten unbekümmert weiter und schlugen ein gutes Tempo an. Der „A-Train“ (Artho – Zug) war in voller Fahrt. Im morgendlichen Übermut ständig 23 – 24 km auf dem Tacho, da kommt Freude auf.

The "A-Train"

The „A-Train“

Nach etwa 30 km legten wir einen ersten Verpflegungsstop ein. Trinken, was kleines Essen, Muskeln dehnen. Das übliche Programm. Spasseshalber frage ich Barbara, „soll ich mal auf dem Handy überprüfen, ob wir überhaupt auf der richtigen Strasse fahren?“ Nehme mein Handy hervor und: Schock! Wir fahren seit dem Start in Perry auf der Strasse nach Tallahassee, also zu weit nördlich. Genau in diese Gegend wollte ich nicht!

Nein, es darf doch nicht wahr sein!

Nein, es darf doch nicht wahr sein!

Erstens sind dort die Strassen für Radler schlecht und zweitens entgeht uns ein toller Teil der „Gulf Coast“. Es dauerte einen Moment bis ich begriff, dass ich bereits ein zweites mal auf der Tour navigatorisch einen „Riesenbock“ geschossen hatte. Recht schnell war klar, zurück ist keine Alternative. Da sowohl für heute und auch Morgen Etappen über 100 km geplant waren, konnte dieser Umweg das ganze Konzept durcheinander bringen und uns allenfalls gar den geplanten Ruhetag in Panama City Beach zunichte machen.
In Sekundenbruchteilen durchlief ich das ganze „SARAH-Prinzip“ das Psychologen für die Bewältigung von unerwarteten Ereignissen als Grundmuster definiert haben und das wohl jeder in einen Firmenkurs zum Thema „Umgang mit Veränderungen“ in den letzten Jahren mal gehört, wenn das Management der Belegschaft mal wieder einen Kurswechsel schmackhaft machen wollte.
Die Buchstaben SARAH stehen ja bekanntlich für die 5 Phasen, wie wir Menschen mit unerwarteten Ereignissen umgehen. Das war heute bei mir exemplarisch der Fall:
S = surprise = Überraschung = genau so war es!
A = anger = Wut = ja das hatte ich, und nicht zu wenig
R = resistance = Wiederstand, nicht wahr haben wollen = das wollte ich, aber GPS war gnadenlos
A = acceptance = Akzeptieren = was blieb mir anderes übrig
H = hope = Hoffnung = Die kam mit einem neuen Routenvorschlag auf den (Handy-) Navi

Also, wenn wir noch etwa 15 km weiterfuhren, dann auf kleinen Nebenstrassen nach Süden abbogen, konnten wir wieder auf die ursprünglich geplante Route stossen. Es würde die heuteige Etappe um etwa 30 zusätzliche Kilometer verlängern. Da haben wir an die vielen „Miles4Kokou“ Sponsor_innen gedacht und wie dringend Elisabeth und Kokou auf jeden Beitrag angewiesen sind und die Entscheidung war klar. Wir radeln heute unseren „Supertag“ und machen diesen Umweg, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.
Es ging auf kleinen sehr ruhigen Nebenstrassen Richtung Süden. Viel Farmland, das aus dem Waldgebiet gerodet wurde.

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Auf Umwegen: Fast ein bisschen wie bei uns „über Land“.

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Autofreier Sonntag!!! :-) Wer weiss noch wie das war?

Zum Glück kaum Verkehr und Barbara rief einmal: „Wie an einem Autofreien Sonntag“. (Sorry, alle die nach den 70er geboren sind, haben diese tolle Erfahrung leider nicht mehr machen können. Da konnte man am Sonntag auf der Autobahn mit den Velos fahren!!! Wär doch mal wieder Zeit für so was, oder?) Genauso wie damals fühlten wir uns. Die Strasse für uns, die Sonne von oben und noch viele Meilen vor uns.

Endlich: Zurück auf der 98. Von Perry kamen wir, nach Newport wollten wir.

Endlich: Zurück auf der 98.
Von Perry kamen wir, nach Newport wollten wir.

Der Rest des Tages, unspektakulär. Da wir soviele km machten, wollten wir uns heute statt des geplanten Campingplatzes ein Motel gönnen. Doch das einzige im Ort war voll besetzt, also nochmals 7 km bis zum Fluss und um 18.30h fuhren wir kurz vor Sonnenuntergang endlich auf den Campingplatz.

Das haben sie heute ganz schön gemacht.

Das haben sie heute ganz schön gemacht.

 

Die Rezeption war schon geschlossen. Schnell Moskitospray eingesetzt, das Zelt aufgestellt und noch etwas aus unserem Vorrat gegessen. Anschliessen einen ersten Blogentwurf ins iPad getippt, abschicken klappt mangels Internetzugeng heute nicht mehr. Also deshalb für euch liebe Blogleser-innen:

Morgen zwei auf einen Streich: Gute Nacht!

Fazit: Im Zeitalter von GPS Handys dem inneren Kompass zu vertrauen ist zumindest auf einem Fahrrad unvernünftig! Für Elisabeth und Kokou ist aber jede Zusatzmeile etwas wert :-)

Übertnachtung: Holiday Campground, Panacea

Tag 14: (27.10.14) Cross City – Perry

Distanz: 74.00 km / Gesamt: 1091.85 km / Fahrzeit: 3 Std. 33 Min. / Durchschnitt 20.8 km/h

sonnig, morgens 18 nachmittags 30 Grad, kaum Wind (GPS-Strecke)

Alte Zeiten

Heute lag wieder einmal Nebel über der Stadt, als wir uns langsam auf den Weg machen wollten.

Morgens um halb 9.

Morgens um halb 9.

Zum Glück hatten wir heute nur eine kürzere und flache Etappe vor uns, so dass wir mit der Abfahrt etwas warten konnten, bis sich der Nebel gelichtet hatte. Als wir so gemütlich die Räder startklar machten, kam ein Zimmernachbar und fragte wiedereinmal nach dem „woher und wohin“. Ich musste mich richtig konzentrieren ihn zu verstehen, denn in dieser Gegend wird die Aussprache, auch für geübte USA Reisende, langsam aber sicher schwierig zu verstehen. Als ich ihm sagte, wir seien unterwegs nach New Orleans entgegnete er: „Da müsst ihr zuerst einmal lernen, wie man das ausspricht. Das heisst nicht New Orleans sondern N’arlins“. Alles klar?
Die Fahrt begann verheissungsvoll auf einem separaten Fahrradtrail und als wir gerade  einen guten Rhythmus aufgenommen hatten, kam mitten im Nirgendwo das abrupte Ende. Bei der letzten Kreuzung kein Hinweis das wir nun in eine Sackgasse fahren würden.

Nicht wirklich motivierend am Morgen.

Nicht wirklich motivierend am Morgen.

Also Räder umgedreht und wieder einen Kilometer zurückgefahren. Von nun an ging es auf dem Seitenstreifen der Strasse 27 oder 19 oder 98 entlang. Es spielt keine Rollewelche Nr. man wählt, denn diese Strasse trägt alle drei Bezeichnungen gleichzeitig.

1 Strasse = 3 Bezeichnungen

1 Strasse = 3 Bezeichnungen

Die Fahrt war ziemlich ereignislos. Wie schon gestern fuhren wird durch eine grosse Waldschneise, in der Regel geradeaus, alle paar Kilometer mal eine kleine Richtungsänderung und das war’s denn auch schon. Nach gut 25 km sahen wir in Johnesboro eine kleine Ansammlung von Häusern im angrenzenden Wald verstreut, an der Strasse eine Tankstelle mit Shop.

Schmucke Kirche am Strassenrand

Schmucke Kirche am Strassenrand

Das war perfekt um die Getränke und Verpflegung aufzustocken. Auf dem Vorplatz trafen wir auf einen anderen Radfahrer. Er war mit einem Fahrrad mit Starrlauf und ohne Gangschaltung unterwegs, hatte auf dem Gepäckträger eine Kiste und am Rücken ein alter Rucksack mit Aluminiumgestell aus den 70er. Wir plauderten kurz zusammen und er erzählte, dass er von Alabama aus auf dem Weg nach Key West sei. Er arbeite dort im Winter jeweils auf Schiffen als Fischer oder auch in Bootswerkstätten. So pendelt er hin und her und fährt jeweils im Frühjahr mit dem Rad zurück nach Alabama zu seinem Sommerjob. Wir konnten nicht erfahren ob er dies aus purer Freude so machte oder aus finanziellen Überlegungen. Auf jeden Fall wirkte er sehr entspannt und mit sich und der Welt zufrieden. Ich habe ganz vergessen ihn um ein gemeinsames Foto zu bitten und schon war er weg. Ein Wanderarbeiter wie in alten Zeiten, der sich aufmacht, neue Arbeit zu suchen.

Da fährt er, auf der Suche nach Arbeit.

Da fährt er, auf der Suche nach Arbeit.

Wir fuhren weiter und kamen zügig voran. Nichts was uns ablenkte. Nichts als Wald links und rechts, Autos und Lastwagen die an uns vorbeirauschten und alle paar Minuten ein Holztransporter, die mit zum Teil abenteuerlich geladenen Holzstämmen an uns vorbei donnerten. In dieser Gegend hat die Forstwirtschaft eine grosse Bedeutung.

Laut, schnell und manchmal sehr nah!

Laut, schnell und manchmal sehr nah!

Wir warteten auf die nächste, in der Karte verzeichnete Ortschaft „Salem“. Dort wollten wir nochmals einen Halt einlegen und kühle Getränke nachladen. Doch nach dem Ortsschild sahen wir nicht mehr als verlassene Häuser und Motels. Offenbar hat dieser Ort in den letzten Jahren seine Existenzgrundlage verloren. Die Autos fahren heute oft weiter nördlich auf den schnelleren Autobahnen quer durch’s Land. Wer hier durchfährt sieht offenbar keinen Grund mehr anzuhalten. Die Autos sind in den letzten 30 Jahren immer besser und die Reichweite grösser geworden, warum also in Salem einen Stop einlegen?
Der Besitzer des Motels musste das wohl auch eines Tages einsehen. Als wir so durch das verlassene Motel streiften dachte ich mir, wie das wohl gewesen ist, als der Besitzer von hier fortging? Hat er die Zimmer damals überhaupt abgeschlossen? Es kam ja sowieso niemand mehr. Die Buchstaben mit denen früher ein besonderer Rabatt oder das Frühstück auf der „Stecktafel“ am Strassenrand angekündigt wurden, lagen nutzlos unter dem Vordach und langsam nahm die Natur diesen Platz wieder für sich ein.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

old times

old times

Hier einige Bilder des Motels welches seine guten Zeiten schon lange hinter sich hat.

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Ja vieles in dieser Gegend erinnert an längst vergangene Zeiten. Die alten Restaurants, sofern sie nicht zu den internationalen Fast Food Ketten gehören, die viele ärmlichen Häuser die oft etwas schief und mit Blechdächern bedeckt am Wegrand stehen, bis zu den Menschen, ihren Frisuren und der Kleidung. Hier im tiefen Süden der USA scheint die Zeit manchmal in den 70er stehen geblieben zu sein.

Perry, wo wir übernachten, ist ein regionales Zentrum in dem es wieder viele Geschäfte, Fast Food Restaurants, Motels etc gibt.

Perry: Willkommen im hier und jetzt.

Perry: Willkommen im hier und jetzt.

Die nächsten zwei Tage heisst es dann nochmals „Meilen machen“ um dann an der Golfküste in der Gegend von Port St. Joe wieder in dichter besiedeltes Gebiet zu kommen. Dann gibte es wieder mehr Übernachtungsmöglichkeiten um die Etappen flexibler gestalten zu können.

Fazit: Heute fuhren wir nicht nur fast ausschliesslich durch den Wald, sondern haben uns auch ein bisschen auf eine Zeitreise begeben.

Übernachtung: Days Inn, Perry

Tag 13: (26.10.14) Gainesville – Cross City

Distanz: 84.63 km / Gesamt: 1017.85 km / Fahrzeit: 4 Std. 39 Min. / Durchschnitt 18.1 km/h

sonnig, morgens kühl, 16 nachmittags 28 Grad, kaum Wind

Zum ersten Mal!

Heute haben wir viele „zum ersten Mal“ erlebt.
Zum ersten Mal sind wir heute bei Mc Donalds gewesen.
Zum ersten Mal haben wir unterwegs einen Reifenwechsel machen müssen.
Zum ersten Mal haben wir auf einer Fahrradtour die 1000 km Marke geknackt.

Bereits gestern auf dem Gainesville-Trail bemerkte ich, das bei meinem Vorderrad der Reifendruck nachgelassen hatte. Nicht weiter schlimm, das war schon mal in Miami Beach so und nach ein paar kräftigen Stössen mit der Pumpe hat der Reifen einige hundert Kilometer dicht gehalten. Aber heute Morgen war klar, die von uns in die Reifen eingefüllte grüne „Dichtungsflüssigkeit“ konnte diesmal den Luftverlust nicht mehr genügend unterbinden. Deshalb als Frühsport heute mal „plattenflicken“ im Hotelzimmer. Der Übeltäter war bald gefunden. Ein ganz fieses, dünnes aber sehr spitzes Drahtstück hatte sich durch den von der Firma „Schwalbe“ so hoch gelobten „unplattbaren“ Reifen gebohrt.

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Der Reifenkiller!

Dabei hatte er auch den Schlauch ziemlich grosszügig aufgeschnitten, so dass die Dichtungsmasse statt das Loch abzudichten, ausfloss. Ich war also schon am Morgen mit einer ziemlichen „Sauerei“ konfrontiert aber versuchte trotzdem den Schlauch am Leben zu erhalten, denn die Reise ist noch weit und Ersatzschläuche für meine Reifengrösse sind hier nicht einfach aufzutreiben.
@ Markus von „Fateba“: Ich hoffe du hast in der Zwischenzeit Nachschub bekommen, falls du mir welche rüberschicken musst ;-)
Also Flicken drauf, aufgepumpt, Satteltaschen auf die Pferde und los.

startklar

startklar

Ja, ohne Frühstück. Wir waren in einem dieser lausigen Motels, die dir am Morgen nur einen abgestandenen Kaffee aus einer Thermoskanne anbieten. Also liessen wir es gleich bleiben und besorgen uns beim nächsten „Food Store“ etwas für den Start in den neuen Radlertag. In Gainesville ist mit der „Universityt of Florida“ eine der grössten UNI’s der USA zu Hause. Das UNI Gelände ist riesig, wie eine eigene Stadt. Da heute Sonntag nicht viel los war hatten wir eine ruhige Fahrt auf den „UNI-Strassen“. Kaum Autos unterwegs, nur die „University Police“ fuhr mit ihrem Streiffenwagen eine Runde. Ja, sogar eine eigene Polizei gibt es auf dem Gelände. Wir hatten richtig spekuliert und einen schönen, sonnigen Platz entdeckt, wo wir an diesem sonnigen, aber noch kühlen morgen unser Frühstück geniessen konnten.

Hätten wir gewusst, was gerade auf uns wartete, wir hätten zusätzlich noch mindestens einen „Snickers“ verdrückt. Kaum waren wir auf der Ausfallstrasse, ging es los: Hügel rauf und wieder runter, Hügel rauf und wieder runter, ….. und diesmal reden wir nicht von „Bodenwellen“ sondern von diesen kurzen, aber knackigen Anstiegen die lange genug sind, dass du mit dem Schwung der vorangegangenen Abfahrt die Gegensteigung max zu einem Drittel schaffst. Der Rest ist pure Kraftanstrengung. Dies ging einige Kilometer so weiter und als es langsam weniger Hügel wurden, leuchtete uns ein gelbes „M“ entgegen. Barbara begann hinter mir mit ihrer „Papageienhupe“ wie wild zu quicken. Das ist für mich ein sicheres Zeichen, dass ich anhalten muss, da es sich offenbar um ein Notfall handelt. „Fahren wir zum Mäc?“ rief sie von hinten und das machte die Sache nur noch ernster. Wer sie kennt weiss, dass sie nicht unbedingt auf diese Kette mit dem gelben „M“ steht, aber wenn das ihr Wunsch war, so musste sie schon ziemlich am „Anschlag“ sein. Also rechts raus, bei „M“ rein und mal kühle Kalorien reinschütten. Es gab wirklich gute  Frappes, es hatte einen sauberen „Bathroom“ (so nennt man die Toilette, auch wenn man dort nicht wirklich badet) und die Fahrräder konnten wir durch die Scheiben im Blick behalten. „A perfect place.“

Rettung beim grossen M

Rettung beim grossen M

Danach wurde es zum Glück immer flacher und wir kamen in einen guten Rhythmus. In Newberry, einem kleinen verschlafenen Nest, entdeckten wir dann auch das Spielzeug der „Jungs“ in dieser Gegend. Da es hier offensichtlich genügend Schlamm und Matsch gibt, bauen sie Fahrzeuge um genau auf diesem Untergrund „Rennen“ durchführen zu können. Dies offenbar bevorzugt am Wochenende, denn heute kamen uns viele solcher Monster auf Anhängern entgegen.

Newberry hat sich für Halloween herausgeputzt.

Newberry hat sich für Halloween herausgeputzt.

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„Spielzeug“ für grosse Jungs

Ansonsten viel geradeaus, auf Stassen die in breiten Schneisen schnurgerade durch Wälder führten. Leider war der frische Duft von Baumharz nur allzuoft vom Verwesungsgestank der vielen überfahrenen Tiere überdeckt.

Immer geradeaus!

Immer geradeaus!

Kilometer um Kilometer spulten wir ab. Meist nach 20 km legen wir einen Stop ein, trinken oder essen etwas und dehnen unsere Muskeln, damit wir für die nächste Etappe wieder fit sind.

Für Robyn: Ich habe heute extra für dich nochmals einen Vogel aufgenommen: Einen "Sommervogel",

Für Robyn: Ich habe heute extra für dich nochmals einen Vogel aufgenommen: Einen „Sommervogel“,

Bald mussten wir jedoch einen unplanmässigen Stop einlegen. Mein Reifenflick vom Morgen hatte nicht gehalten. Ein schwammiges Fahrgefühl machte sich bemerkbar und bei der Kontrolle war klar, der Schlauch muss gewechselt werden.

Dauerte noch 15 Min. Das kann noch verbessert werden!

Dauerte noch 15 Min. Das kann noch verbessert werden!

Nach 975 km bin ich zufrieden. Wenn dies die Kadenz der Reiffenpannen ist, so kann ich nicht klagen.
Bald nach dem Reifenwechsel galt die besondere Aufmerksamkeit dem Gesammtkilometerzähler und kurz nach Überquerung des Suwannee River war es soweit. Die ersten 1000 km der Tour waren vollendet!

1000 km geschafft!!!

1000 km geschafft!!!

 

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Willkommen in der Heimat der „Dixy Music“.

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Also anhalten, Erinnerungsfoto machen und ein bischen stolz sein, dass es bis jetzt so gut geklappt hat. Während wir so am Strassenrand stehen und uns freuen stopt ein Auto gleich neben uns und ein Mann um die 60 steigt aus. „Seit ihr Langstreckenfahrer“ will er wissen? „Ja“ antworten wir und dass wir uns gerade über den ersten 1000er freuen. Er hätte sich das gedacht, sagte er. Er sei vorhin an uns vorbeigefahren und da er auf der Internetplatform „Warmshowers“ Übernachtungsmöglichkeiten für Radfahrer anbiete, sei er umgekehrt und wollte nun wissen, ob wir für heute Nacht schon ein Schlafplatz hätten, sonst könnten wir gerne zu ihm kommen und ob wir „Warmsohwers“ kennen? Wir erklärtem ihm, dass wir selber Gastgeber bei „Warmshowers“ sind, für heute aber ein Motel gebucht haben. Wir plauderten noch eine Weile zusammen am Strassenrand und er fragte nach unserer Adresse, falls er es doch einmal noch schaffe in die Schweiz zu kommen. Wir gaben ihm unsere Visitenkarte, so kann er uns auf „Warmsohwers“ finden. Er verabschiedete sich und wünschte uns, wie schon so viele zuvor, eine sichere Reise. Wir finden es wirklich bemerkenswert, das er extra umgekehrt und zu uns zurückgefahren ist, nur um uns bei sich einen Schlafplatz anbieten zu können.

Die letzten 17 km verliefen problemlos und wir checkten im „Carriage Inn“. Da unsere Pferdchen im Zimmer keinen Platz fanden, stellte uns das nette Besitzerpaar die abschliessbare Wäscherei und den Werkraum zur Verfügung.
Nebenan gab’s dann in einem urigen „Dixi Dinner“ noch etwas zu essen und jetzt heisst es: Gute Nacht!

"Gute Nacht John Boy" (wer von euch kennt noch die "Waltons" aus der Fernsehserie der späten 60er?)

„Gute Nacht John Boy“ (wer von euch kennt noch die „Waltons“ aus der Fernsehserie der späten 60er?)

Fazit: heute keines

Wichtiger Hinweis:
Liebe Arbeitskollegen, da ihr morgen Montag ohne mich ans Oktoberfest geht wünsche ich euch schon mal „Prost“ und passt auf euch auf. Es ist wichtig in allen Lebenslagen immer das richtige „Mass“ zu finden ;-)

Tag 12: (25.10.14) Silver Springs – Gainesville

Distanz: 78.95 km / Gesamt: 933.22 km / Fahrzeit: 4 Std. 52 Min. / Durchschnitt 16.2 km/h

sonnig, morgens kühl, 16 nachmittags 28 Grad, bereits am Vormittag zunehmende stärkerer Wind aus Norden, hat uns bis Hathrow zügig eingebremst (siehe Durchschnittsgeschwindigkeit)  GPS-Track

A green ride!

Da bei der gestrigen Hotelübernachtung kein Frühstück inbegriffen war, stärkten wir uns heute im „Denys“, einem in den ganzen USA weit verbreiteten „Family Restaurant“. Wer sich als Europäer denkt, ein Frühstück zu bestellen könne doch nicht so kompliziert sein, hat sich getäuscht. Was hier unter der Abteilung „Breakfast“ aufgelistet ist, ist schon erstaunlich. Steaks scheinen ein übliches Frühstück zu sein. Dazu natürlich Pancake’s, Omletts, Speck, Würstchen und Eier in allen möglichen und uns für uns oft auch etwas gewöhnungsbedürftigen Varianten. Wenn man sich dann mal für eine Frühstücksvariante entschieden hat und selbstbewusst darauf wartet das die Kellnerin die Bestellung aufnimmt, wird einem genau beim Bestellvorgang klar, das man die Ami’s noch immer nicht versteht. Die Frage der Kellnerin lautet nämlich: „Wie hätten sie die Eier den gerne gekocht?“ Was für eine Frage denkt sich der Europäer, auf dem Bild in der Speisekarte waren doch Spiegeleier abgebildet. Sagt jetzt einfach nicht „mirror eggs“, damit würdet ihr euch komplett unmöglich machen. Es stehen nämlich folgende Varianten zur Auswahl: „scrambled eggs“ kann man noch verstehen und sind Rühreier, „upside down“ bedeutet, das der Koch mit einem Spiegelei beginnt, das aber nach der halben Kochzeit in der Pfanne umdreht, also nur wenig bis kein flüssiges Eigelb mehr übrig bleibt das Ei dafür auf beiden Seiten von Eiweiss umhüllt ist. Dann gibt

Das Frühstück muss abgearbeitet werden!

Das Frühstück muss abgearbeitet werden!

es auch noch die Variante „sunny side up“, was unserem Spiegelei entspricht und wenn man „over easy“ bestellt, dann ist das wie ein Spiegelei, dass aber über dem Eigelb noch eine dünne Schicht Eiweiss hat. Das Eigelb dazwischen ist im Gegensatz zum „upside down“ noch flüssig. Alles klar? Wir wollten ja nur ein Frühstücksei bestellen.
Wenn man wie wir schon einige Tage in den USA unterwegs ist und sich auf die neuen Begebenheiten einlässt, kann man sich ein solche Frühstück durchaus schmecken lassen, vorausgesetzt, man hat an diesem Tag vor, durch gewisse sportliche Aktivitäten einige dieser Kalorien gleich wieder zu verbrennen. Wer das nicht vorhat und auf seine Figur achten will: Finger weg vom amerikanischen Breakfest!
Bei mir lag dann heute Morgen folgendes auf dem Teller: 2 Spiegeleier, zwei Stück Speck, 2 Würstchen, zwei in Butter gebratene, dicke Scheiben Toast die mit Traubenzucker bestreut waren und ein Topf Ahornsirup. Ich habe es gegessen, genossen und wieder abgestrampelt. Aber an abnehmen ist so aber sicher nicht zu denken :-(
Auch heute war unser Routenplan relativ einfach. Zuerst knapp 50 km genau Richtung Norden bis Hawthorne und dort links auf den „Hawthorne – Gainesville Trail“ einbiegen und die 26 km auf dem Trail geniessen.

Nach 870 km durch den "Orangensstaat" Florida konnten wir heute zum ertsen mal frisch gepressten Orangensaft genossen.

Nach 870 km durch den „Orangensstaat“ Florida konnten wir heute zum ersten mal frisch gepressten Orangensaft geniessen.

Bevor wir in den Trail abbogen, mussten wir uns zur Stärkung etwas zu Essen besorgen. Barbara wartete auf einem Parkplatz bei den Fahhrrädern, während ich mich auf im Tankstellenshop nebenan auf die Suche nach geeigneten Kalorien und Ballaststoffen machte. Als ich etwas später zum Parkplatz zurückkehrte, war Barbara schon im Gespräch mit einem Herrn, der ihr zum Abschied auch noch einen „Flyer“ seiner Kirche in die Hand drückte und sie herzlich zum nächsten Gottesdienst einlud. Marketing an jeder Ecke.

Robyn, du hast ja im Kommentar nach Vögeln gefragt. Diesen haben wir Heute nur für dich aufgenommen! Grüässli Götti und Gotti.

Robyn, du hast ja im Kommentar nach Vögeln gefragt. Diesen haben wir heute extra für dich aufgenommen! Grüässli Götti und Gotti.

Über den Trail nach Gainesville, der nur für Pferde, Fussgänger und Radfahrer geöffnet ist, habe ich schon im Vorfeld der Reise in verschiedenen Blog’s gelesen und freute mich auf diesen Abschnitt ganz besonders. 26 km ohne brummende Motoren die von hinten heranbrausen, nebeneinander fahren und plaudern, dazu durch einen „1000 Wunderwald“ mit Bäumen und Moorlandschaften wie aus einem Märchen radeln, was will man mehr. Wir haben diese Fahrt sehr genossen.

 

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Links und…

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rechts vom Trail. Fantastische Wasserlandschaft.

Fahrradfreude pur!

Fahrradfreude pur!

Bei jedem Stop bei dem wir diese wunderbare Landschaft, die sich uns auch noch im besten Licht präsentierte, bewunderten, bekamen wir auch Besuch von den Mücken. Also schnell den Mückenspray hervorgeholt, aufgetragen und festgestellt, dass die Mücken nicht wirklich verstanden haben, was auf der Spraydose versprochen wurde. Sie sollten uns in Ruhe lassen! Also sind die Stops bis auf die Foto und Filmaufnahmen eher kurz ausgefallen. Um euch aber einen Eindruck von diesem Trail zu geben, haben wir uns aber trotz Mückenattaken mit einem Lächeln in Pose gestellt! Wir hoffen ihr wisst das zu schätzen :-)

Sieht doch trotz Mückenangriffen recht entspannt aus, oder?

Sieht doch trotz Mückenangriffen recht entspannt aus, oder?

Das war`s dann auch schon fast für heute. Zum Glück war der Pool im Motel nicht geschlossen, obwohl er wahrscheinlich auch eine gründliche Reinigung vertragen könnte. Also nur ein kurzes Schwimmen, Dehnen und dann im Zimmer unter die Dusche.

Fazit: Der Abschnitt von Hawthorne bis Gainesville war wirklich besonders schön. Grün und Natur pur. Wir haben die Fahrt genossen und konnten unterwegs Barbara’s „Halbzeit“ feieren. Sie hat nun schon über die Hälfte auf dem Weg nach New Orleans hinter sich gebracht. SUPER!
Wir freuen uns auf die Zweite.

An dieser Stelle mal ein Wort zu euren Kommentaren bzw. privaten Mails an uns: Ihr wisst gar nicht wieviel diese uns bedeuten und wie motivierend es für uns ist zu lesen, dass euch unsere Geschichten aus der „neuen Welt“ unterhalten, Spass machen, den Alltag versüssen etc. Da wir bereits viel Zeit ins Radeln, Fotografieren und Blogschreiben investieren, können wir die einzelnen Kommentare nicht auch noch verdanken oder speziell beantworten. Deshalb hier mal an euch alle: DANKE, es macht echt Freude zu sehen, dass es euch gefällt. Bis Morgen!
Übernachtung: Gainesville Lodge, Gainesville

 

 

 

 

Tag 11: (24.10.14) Orange City – Silver Springs

Distanz: 102.29 km / Gesamt: 854.26 / Fahrzeit: 5 Std. 39 Min. / Durchschnitt 18.0 km/h

sonnig, morgens kühl, 16, nachmittags 30 Grad, leichter Wind, wechselnde Richtung
gps – Track

Kein Bad heute :-(

Wir hatten für heute Abend ein Motel in Silver Springs reserviert. Das heisst also, etwa 100 km bis zum Motel mit dem kühlen Pool. Schon am Morgen freuen wir uns darauf.
Die Fahrt aus Orange City heraus war nicht ganz einfach, aber wir fanden eine schöne Route, die uns über verschiedene Quartierstrassen aus der Stadt hinaus führte.

Rolling hills, da wir der Puls am Morgen schon mal auf  Betriebstemparatur gebracht.

Rolling Hills, da wird der Puls am Morgen schon mal auf Betriebstemperatur gebracht.

Hier macht "morgenradeln" Spass.

So macht „morgenradeln“ Spass.

Es war noch etwas kühl und so kamen zum ersten mal auf der Tour die Windstopperjacken und langen Ärmel zum Einsatz. Weiter ging es auf einer Parallelstrasse zum Highway, auf der kaum Verkehr herrschte und auf der wir die Fahrt richtig geniessen konnten. Nach den letzten Tagen an denen wir oft mit starkem Verkehr zu kämpfen hatten, war dies die reinste Erhohlungstour. Nach gut 38 km. hatten wir die letzte Kreuzung für den heutigen Tag erreicht. Jetzt hiess es nur noch links abbiegen und 62 km Geradeaus auf dem Highway 40 und schon sind wir am Ziel.
Genau an dieser letzten Kreuzung sind wir auf eine kuriose Verkaufsbude gestossen. Ein Chaos in dem sich wohl nicht einmal das Genie zurechtfindet. Tausende Tontöpfe, Skulpturen, Metallfiguren, dazu wurde auch Honig, Früchte und Gemüse verkauft. Er blieb uns ein Rätsel, nach welchem Konzept der Inhaber diesen Laden führte, aber irgendwie hatte das Ganze schon etwas faszinierendes.

Kuriositäten am Strasenrand.

Kuriositäten am Strassenrand.

Auf dem Hyw 40 fuhren wir dann nach Westen. Zum ersten Mal auf der Tour fuhren wir einen längeren Abschnitt in die Himmelsrichtung, in der unsere Ziele New Orleans bzw. San Diego liegen.
Nach eine Mittagspause bei einem der vielen Seen entlang der Strasse passierten wir bald den „Juniper Springs State Park“.

Idyllischer Rast an einem der unzähligen Seen entlang der Strasse.

Idyllischer Rast an einem der unzähligen Seen entlang der Strasse.

Wir hatten also bereits um 14.00 Uhr knapp 70 km hinter uns und wollten uns ein erfrischendes Bad, die Temperaturen waren wieder auf über 30 Grad geklettert, gönnen. Also rechts abbiegen, beim Eingangshäuschen die 10 Dollar Eintrittsgeld bezahlen und runter zur „Swimmarea“ bei den Quellen. Beim Autoparkplatz dann die Tafel das ab hier auch Fahrräder verboten waren. Wir wollten aber die Räder mit dem ganzen Gepäck nicht beim Parkplatz, ausserhalb unserer „Überwachungszone“ stehen lassen. Im Gegensatz zu einem Auto können wir nämlich unsere Sachen nicht wirklich abschliessen. Wir stiegen also vom Rad und schoben es auf dem breiten Weg zu der Badestelle hinunter. Dort war kaum Betrieb und wir erspähten bereits einen tollen Platz, wo wir unsere Räder an einen Baum binden könnten und sie dort vom Badebereich gut im Blick hatten. Kein Mensch weit und breit, also wen könnte das schon stören?
Wir haben die Rechnung ohne die Parkaufsicht gemacht. Eine Dame kam auf uns zu und machte uns klar, dass wir keine Fahrräder in diesem Bereich bringen könnten. „Ja, das haben wir schon gesehen, aber wir haben halt alle unsere Wertsachen drauf und deshalb schieben wir die Räder hier und würden sie gerne dort drüben an den Baum binden. Wir werden auch sicher niemanden stören.“ Es nütze alles Argumentieren nichts, Regeln sind Regeln und sind dazu da, nach dem Buchstaben eingehalten zu werden. Wir haben Fahrräder und die gehören nicht hierher. Punkt.
Wir regten uns über diese engstirnige Interpretation der Regel „keine Fahrräder hinter diesem Punkt“ ziemlich auf. Doch was soll`s? Ich habe Barbara gesagt, das die Dame höchstwahrscheinlich in der Vergangenheit mal in der US Army gedient hat. Dort hat sie dann vor allem eines gelernt: Setze jeden Befehl um, egal wie sinnlos und blöd er auch ist. Hirn ausschalten und dann geht’s dir gut! Das wirkte nach.

Also drehten wir unsere Fahrräder um und schoben sie wieder auf den Parkplatz zurück, setzten uns drauf und fuhren zum Eingang zurück. Dort legte ich der Dame mein Eintrittsticket, dass sie mir vor 5 Min. verkauft hatte, wieder auch die Theke und sagte ihr, ich hätte gerne das Geld zurück. Wir könnten nicht baden, da wir die voll beladenen Räder nicht nach unten schieben dürften. Alles abladen und tragen war klar keine Option. „Yes, no bikes behind the parkin lot“ sagte sie in stoischer Ruhe und gab mir problemlos die 10 Dollar zurück.
Halb so schlimm, in 30 km waren wir im Motel mit POOL :-)
Die heutige Etappe führte auch durch den „Ocala National Forest“ und wie es schien, sollten hier auch Bären unterwegs sein.

Ja wo sind sie denn?

Ja wo sind sie denn?

Bären in Florida? Wikipedia weiss dazu Genaueres. Auf jeden Fall tauchte tatsächlich etwa 200 Meter vor uns ein Bär aus dem Wald auf, schaut sich kurz um, keine Autos, nur weit entfernt zwei Radfahrer, so trottet die Bärenmutter gefolgt von zwei Jungtieren vor uns über die Strasse und verschwindet wieder im Wald. Ein wunderschöner Augenblick, zu kurz um ein Foto zu machen, aber lange genug um noch lange in Erinnerung zu bleiben.
Wir spulten die letzen Kilometer problemlos ab und konnten vor vier Uhr im Hotel einchecken.

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Genug Flüssigkeit ist ein Muss!

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Wir hassen diese „Gitterbrücken“. Darauf fährt es sich wie auf „Eiern“.

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Er lebt vom Verkauf von kühlem Bier und lebenden Fischködern. Das nenn ich mal „kundenorientiert“.

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Blick auf den St. Johns River.

Ab jetzt wieder das normale Ritual, absatteln, Pferdchen in den Stall stellen, kühles Bier und Wasser besorgen, Badehose anziehen und zum Motelpool gehen. Denn ein bisschen schwimmen und Dehnungsübungen im Pool haben sich als prima Regeneration bereits bewährt. Zwei Damen lagen in den Liegestühlen und versuchten ihre Sonnenbräune noch etwas zu intensivieren. Als wir den Poolbereich betraten und uns zum Schwimmen bereit machten, sagten sie zu uns, das wir den Pool nicht benutzen könnten. Die Angestellten hätten ein chemisches Reinigungsmittel in den Pool geschüttet und somit sei nun das Baden für die nächsten 24 Std. verboten. So ein Mist! Wir kochten nicht nur weil die Sonne noch ziemlich kräftig vom Himmel strahlte, nein es war heute bereits das zweite mal, das uns ein erfrischendes Bad kurz vor dem Eintauchen verwehrt wurde.

So sieht das verwehrte "Radlerparadies" nach 100 heissen Kilometern aus.

So sieht das verwehrte „Radlerparadies“ nach 100 heissen Kilometern aus.

Wir können euch sagen, dass wir das nicht wirklich lustig finden und hoffen, dass dies nun der negative Aussreisser in Sachen „Kundenfreundlichkeit“ war, die hier doch sonst doch immer so gross geschrieben wird. Wenn das so weitergeht, werde ich wohl nicht darum herumkommen mir einen amerikanischen Rechtsanwalt zu nehmen und eine exorbitante Schadenersatzklage wegen entgangener „Badefreuden“ anzustrengen. Sollte ich diese dann auch noch gewinnen, könnten wir ja wieder mal das Thema „frühzeitige Pensionierung“ genauer betrachten.

Fazit: Du sitzt erst im Bad, wenn dir das Wasser bis zum Hals steht!
(Radlerweisheit von F Fredy Artho Okt. 2014)

Übernachtung. Days Inn, Silver Springs / Ocala

Tag 10: (23.10.14) Orange City: Ruhetag

Distanz: 17.01 km / Gesamt: 751.9 km / Fahrzeit: 1 Std. 01 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h

sonnig, 27 Grad,

Ruhetag

Also meine Lieben, wie der Titel schon sagt war heute Ruhetag. Das gilt natürlich auch für den Blogschreiber. Ich halte mich also kurz.

Wir haben heute den Blue Springs State Park, gleich um die Ecke, besucht. Das ist ein Ort wie er in Florida oft vorkommt und bei dem unterirdische Quellen kristallklares Wasser in ein Becken pumpen, von wo aus es in die Sumpflandschaft abfliesst. An diesen Quellen ist das Wasser rund ums Jahr etwa 23 Grad warm, was die „Manatees“(Seekühe) dazu verleitet hier den Winter zu verbringen. Leider haben wir heute keine dieser besonderen Säugetiere gesehen. Aber wir haben kein Risiko gescheut, uns ins alligarorenverseuchte Wasser gewagt, sind mit dem Kanu in den Sumpf hinausgefahren, nur um euch diese Bilder bieten zu können!

Und das ist ein Teil der Ausbeute. Have a good one, und bis Morgen.

Spiegelbild

Spiegelbild

Relax, es hat noch genut Fische!

Relax, es hat noch genug Fische!

  

Zwillingsbäume

Zwillingsbäume

Floridas Sümpfe

Floridas Sümpfe

Halloween Deko? Nein Natur pur!

Halloween Deko?
Nein, Natur pur!

Die Warnung war da!

Die Warnung war da!

Wir habens doch gemach! Nein Spass, das war 300 Meter vom Schild entfernt an einer erlaubten Stelle. Wir hofften, das die Alligatoren auch lesen konnten.

Wir habens doch gemacht!
Nein Spass, das war 300 Meter vom Schild entfernt an einer erlaubten Stelle. Wir hofften, dass die Alligatoren auch lesen können.

Hier haben wir ihn vom Kanu aus erwischt. Distanz zum Tier unter 10 Meter.

Hier haben wir ihn vom Kanu aus erwischt. Distanz zum Tier unter 10 Meter.

So nah, ein echtes Erlebnis. Zum Glück waben wir das Kanu nich gekenntert.

So nah, ein echtes Erlebnis. Zum Glück haben wir das Kanu nicht gekentert! Viel spannender als das Augenzwinkern in den Everglades.

Tag 9: (22.10.14) Titusville – Orange City

Distanz: 94.25 km / Gesamt: 734.8 km / Fahrzeit: 5 Std. 33 Min. / Durchschnitt 16.9 km/h

sonnig, 30 Grad, Nachmittags böiger Gegenwind, gps-Track

Der Navigator entschuldigt sich.

Da habe ich gestern Abend Barbara bei der Routenplanung für heute eine etwas kürzere Etappe versprochen und nun stehen schon wieder über 94 km auf dem Tacho. Es ist mir noch immer ein Rätsel wie es zu dieser Fehleinschätzung kam und so etwas sollte einem ausgebildeten Skipper doch nicht passieren! In der Annahme, dass wir heute nur etwa 60 km. fahren würden, gönnten wir uns etwas längeren Schlaff. Das war auch gut so, denn an eine Abfahrt um 07.30 Uhr wie in den letzen Tagen war nicht zu denken. Dichter Nebel hatte sich über unsere Gegend gelegt und im Wetterbericht der TV- Morgenshow, die jeweils im Frühstücksraum ausgestrahlt wird, wurde den Autofahrern vorsichtiges Fahren und genügen Abstand ans Herz gelegt. Wir verzichteten darauf  auf der Strasse die Einhaltung dieser Empfehlung zu überprüfen, denn nach dem gestrigen Tag wünschten wir uns einfach eine etwas entspanntere Fahrt.
So warteten wir bis die Sonne den Nebel verbrannt hatte und machten uns um viertel nach neun, bei strahlendem Sonnenschein, auf die Reise. Zuerst direkt nach Westen.

Die Landschaft veränderte sich gegenüber den letzten Tagen dramatisch. Bald war links und rechts der Strasse viel Grün, Wassertümpel, kleine Flussläufe, Sumpfgebiet. Wir erwarteten jeden Augenblick, einen Alligator neben der Strasse zu entdecken, leider aber ohne Erfolg.

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Westlich von Titusville

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Wasserlandschaft

Dafür hatten wir heute einige Begegnungen mit Tieren, auf die wir gerne verzichtet hätten. Sie kündigten sich jeweils schon im voraus am Geruch an. Tote, überfahrene Tiere aller Art. Gürteltiere, Vögel, ein Waschbär, eine Katze und sogar eine Schildkröte. Sie alle wurden Opfer dieser Raserei durch ein lebendiges Ökosystem. Kein Zaun schützt die Tiere vor dem Verkehr und das macht schon nachdenklich.
Bald bemerkte Barbara, dass sie heute weniger schwitzte als üblich, jedoch gleich viel getrunken hatte wie immer und somit die Zeit für einen Toilettenbesuch gekommen war. Das traf sich gut, fuhren wir doch gerade im Ort „Christmas“ ein.

Das kann doch nur Gutes bedeuten, oder ...

Das kann doch nur Gutes bedeuten, oder …

In einem Ort mit diesem Namen mussten sicher viele hilfsbereite Menschen wohnen. Wir fuhren also beim lokalen Campingplatz vor und Barbara fragte, ob sie die Toilette benutzen dürfte. Die Antwort kam uns vor wie in der Weihnachtsgeschichte von Maria und Josef. Trotz grösster „Not“ wurden wir abgewiesen. „No, just for guests“ sagte die Dame. Upps, das kam uns aber gar nicht „weihnachtlich“ vor. Wir fanden zu Glück bald darauf eine Tankstelle und die Sache nahm ein gutes Ende.

In Christmas sind wir dann nach Norden abgebogen und haben beim „Christmas Fort State Park“ einen kurzen Besuch gemacht. Dort war ein altes Fort aus der Zeit um 1830 nachgebaut und mit anderen Gebäuden in einem Park mit wunderbaren, alten und mit viel „spanisch Moos“ behangen Bäumen platziert worden. Fast ein kleines „Ballenberg“. Wir bestaunten die schönen Bäume, gingen etwas umher und füllten unsere Energiespeicher mit einem zweiten Frühstück.

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Fort Christmas State Park

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„Ballenberg“ in Florida?

Vor der Abfahrt noch ein Blick auf die Routenplanung im Handy und die ernüchternde Erkenntnis, dass es bis zum Ziel nicht wie gedacht noch 40, sondern gut 70 km sein werden. Naja, das liess sich nun auch nicht mehr ändern und wir traten wieder in die Pedale. Auf einer sehr idyllischen, fast verkehrsfreien Strasse ging es nach Norden. Immer wieder kleinere und grössere Ansammlungen von Häusern, viel etwas vernachlässigt waren oder auch zum Verkauf standen. Offenbar kämpfen die Leute in dieser Gegend mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In solchen Situationen kann ja die Kirche Trost spenden, und das tut sie hier fast schon „inflationär“. Auf geschätzte 10 Häuser kam eine christliche Kirche, jede mit ihrem eigenen „Werbeslogan“. Eine bot am Sonntag „Gottesdienst – Essen – Spiel und Spass“ an, eine andere hatte das absolute Hammerangebot im Programm: „free ticket to have“ stand auf dem Schild und das man sich dafür nur bei ihnen einschreiben müsse. Wir verzichteten im Moment auf dieses Angebot, denn wir sind schon froh, wenn sich die Schutzengel hier auf der Erde um uns kümmern, ein Gratisticket in den Himmel erschien uns noch etwas zu früh.
Für die Schutzengel gab es am Nachmittag in einem Baustellenbereich dann nochmals etwas Arbeit, aber zum Glück fanden wir bald einen „Betonplattenweg“, der kilometerlang neben der Hauptstrasse verlief und auf dem wir zwar nicht so schnell, aber sicher dem Ziel entgegen fahren konnten.

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Auf dem Betonplattenweg: nicht schnell aber sicher!

Die letzten 10 km haben mich dann auch noch „Lügen gestrafft“. Ich hatte Barbara zu Hause vor der Reise in fester Überzeugung versprochen, dass es auf dem Weg von Key West bis New Orleans nur auf den Brücken Steigungen gebe, sonst sei alles flach. Seit heute weiss ich, das es im zentralen Florida auch kleine Hügel gibt. Zwar kein Vergleich mit dem Tösstal, aber wenn man schon 80 kam mit Gepäck in den Beinen hat, wird jede kleine Steigung zum Berg.

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Ok, Schnee können wir uns nur schlecht vorstellen, aber „Hill“? Zumindest für müde Radler geht das in Ordnung.

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Noch so ein unerwarteter Anstieg! Wenigstens das Licht hat gepasst.

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So fährt eine Langstreckenradlerin: selbstbewusst und immer das Ziel vor Augen!

Da Ganze noch mit schönem Gegenwind garniert und dann wird der Moment, wo man bei der Motelrezeption die Bremsen zieht und die Pferdchen abgesattelt werden doppelt schön.

Irgendwo unterwegs ein idyllisches Plätzchen.

Irgendwo unterwegs ein idyllisches Plätzchen.

Fazit: Ich habe Barbara mit falschen Distanzangaben (ungewollt) auf eine kurze Tour eingestellt und ihr am Schluss noch überraschenderweise Hügel serviert: Sorry, war nicht meine Absicht.
Und was hat sie gemacht? Kein Murren, kein Klagen sondern mit der stoischen Ruhe einer Langstreckenradlerin die Kilometer in die Pedalen gedrückt. Danke und Bravo, der Ruhetag morgen ist mehr als verdient!
Übernachtung: Days Inn Orange City Deland

Tag 8: (21.10.14) Sebastian – Titusville

Distanz: 95.6 km / Gesamt: 640.5 km / Fahrzeit: 5 Std. 20 Min. / Durchschnitt 17.9 km/h

bedeckt, 26 Grad, kaum Wind  GPS-Track

David gegen Goliath

Der heutige Tag hatte nur ein Ziel: Meilen machen! Wir wollten unbedingt bis Titusville kommen um uns für die nächsten paar Tage eine gute Ausgangslage zu verschaffen, den Weg nach Westen nun endlich einzuschlagen. Doch der Reihe nach.
Wir verstehen es mittlerweile meisterhaft, die amerikanischen Begrüssungsformeln zu erwidern und zu einem Anknüpfungspunkt von Gesprächen zu nutzen. Das freundliche „good morning, how are you“ der Dame im Frühstücksraum erwiderte ich mit einem ebenso netten, „wunderbar und vielen Dank das Sie uns ein so gutes Frühstück vorbereitet haben“. Sie freute sich und meine Antwort war ernst gemeint, denn wir hatten heute neben Müsli, Joghurt, Toast und Beagels auch die Auswahl von Rühreiern und Speck. Genau das Richtige um eine Grundlage für eine lange Tagesetappe zu legen. (Sorry lieber Veganer-innen, aber es gibt Tage, da tun einem solche Sachen einfach gut.) An dieser Stelle noch eine Bemerkung zum Preis: Wir übernachteten im „Best Western“ zu zweit inkl. Frühstück für 54.- sFr. Bei solchen Konditionen ist es klar, dass das Zelt eingepackt bleibt und nur im Notfall zum Einsatz kommt.

Also der Smalltalk im Frühstücksraum ging weiter und bald kam ein weiterer Motelgast dazu. Eine Frau um die 60. Ich fragte sie, wann den nun die Wahlen stattfinden würden, da wir am Strassenrand immer so viele Werbetafeln sehen.
(Ja wenn ich mir das Foto jetzt in Ruhe  ansehe, sehe ich das Datum auch, also verkneift euch die Kommentare.)

So sieht es im Moment am Strassenrand aus. Es gibt Sitze für alle möglichenund unmöglichen Behördentätigkeiten zu vergeben. Vom Senatorensitz, über Richter bis zur Schulpflege. Alles in einem Wahlgang. Ob alle wissen was sie tun?

So sieht es im Moment am Strassenrand aus. Es gibt Sitze für alle möglichenund unmöglichen Behördentätigkeiten zu vergeben. Vom Senatorensitz, über Richter bis zur Schulpflege. Alles in einem Wahlgang. Ob alle wissen was sie tun?

„Genau heute in 2 Wochen“ antwortete sie und holte zu einer längeren Erklärung aus. Es würden 50% der Mitglieder des Unterhauses neu bestimmt und 1/3 derSenatorensitze. Sie ging noch weiter in die Details und erklärte mir stolz, das diese Frage wohl viele Amerikaner nicht so genau hätten beantwortenkönnen. Da sie aber Lehrerin für Politik sei, kenne sie sich da gut aus. Sie machte noch weiter Erklärungen zum Thema Regierung, Verantwortung der einzelnen Bürger, zum obligatorischenKrankenversicherungsgesetz „Obamacare“ und vielem mehr. Es war schnell klar, das sie sicher die Republikaner wählen würde und für sie machte es sich bei Ihren Aussagen zu den verschiedenen Theman recht einfach. Vieles war schwarz / weiss, gut /böse und der wichtige Hinweis, das dieses Land ja gegründet worden sein, damit die Einzelnen die Freiheit finden könnten. Da müsse sich doch nun die Regierung nicht ins Leben der Bürger einmischen. In ihrem Denken gab es wohl wenig Platz um sich auf andere Meinungen einzulassen und irgendwie kam diese undifferenzierte Haltung auch aus der Schweizer Politlandschaft bekannt vor. Ich hielt mich mit meiner persönlichen Meinung vornehm zurück, denn ich hatte keine Lust mich schon beim Frühstück auf eine politische Grundsatzdiskussion einzulassen. Roger Federer fand sie aber super und da hatten wir schon eine Gemeinsamkeit.

Als wir unsere Räder vor dem Hotel gepackt hatten, kam die Dame vom Frühstücksraum vor die Türe. „Was und ihr habt all dieses Gepäck dabei? Ihr wollt wirklich bis New Orleans?“ Sie schaute uns ungläubig an. Als wir abfahren wollten frage sie noch: „Do you have a gun?“, „Nein“ sagte ich „aber ein gutes Herz, das wird uns schützen“. Wir wünschten ihr einen „wonderfull day“ winkten ihr zum Abschied fuhren los.
Es war uns schon im Vorfeld klar, das der heutige Tag kein „Zuckerschlecken“ werden würde. Einerseits standen knapp 100 km auf dem Etappenblatt und andererseits mussten wir fast die ganze Strecke die Strasse „1“ nehmen. Diese ist in diesem Abschnitt recht stark befahren und hat leider oft wenig Platz am Strassenrand. Wir fühlten uns oft in einem Kampf, „David gegen Goliath“ und versuchten uns so gut es ging mit unseren Fahnen und Blinklichtern bemerkbar zu machen.

"1 Nord" heute war es oft einfach mental anstrengend aauf dieser Strasse.

„1 Nord“: Heute war es oft einfach mental anstrengend auf dieser Strasse.

 

Zum Glück standen diese Monster nur am Strassenrand.

Zum Glück standen diese Monster nur am Strassenrand.

Konzentriert auf der Strasse. Wasserturm im Hintergrund beachten: Ja wir sind in Amerika!

Konzentriert auf der Strasse. Wasserturm im Hintergrund beachten: Ja wir sind in Amerika!

Bei einem Veloladen am Strassenrand kauften wir noch zwei zusätzliche Blinker, damit wir nun auch im hektischen, amerikanischen Rhythmus blinken konnten.

Wenigstens hatten wir ab und zu auf der rechten Seite schöne Ausblicke und Rastmöglichkeiten, um uns vom konzentrierten Fahren auf der „1“ etwas zu erholen.

Bilder direkt vom Strassenrand:

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Dabei sahen wir viele Tiere, dessen Namen wir nicht alle kennen. An zwei Stellen konnten wir heute von der Strasse aus sogar Delfine beobachten, die im Fluss miteinander spielten und uns ab und zu die Rückenflossen zeigten. Grosse Sprünge gab es natürlich nicht zu sehen, schliesslich waren wir in der freien Natur und nicht im „Sea World“.

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Delfine geniessen den ruhigen Nachmittag.

Wir genossen den Anblick wie diese Delfingruppe so ruhig miteinander umherschwamm. Die Idee, die Badehose anzuziehen um hier mit den Delfinen zu schwimmen, haben wir nach dem Studium des Warnschilds dann wieder verworfen.

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Die Frage: Schwimmen mit Delfinen ist damit geklärt!

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Pelikan im Landeanflug

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Seeadler ? Wer weiss es?

So ging die Fahrt gegen halb 4 Uhr zu Ende. Wir sind froh, wohlbehalten hier in Titusville angekommen zu sein. Ab Morgen erhoffen wir uns ruhigere Strassen und weniger Verkehr, denn wir werden die Küste nun verlassen und Richtung Nordwesten, etwas östlich an Orlando vorbei nach Deland fahren. Nun beginnt also die Durchquerung von Florida und wir sind gespannt, wie sich die Landschaft verändern wird. Wir hoffen, dass auch das Wetter weiterhin auf unserer Seite ist. Trocken, nicht zu heiss und einen anständigen Rückenwind, das würden wir die nächsten Tage mal bestellen.

Fazit: Wir hatten heute einen wirklich ungleichen Kampf auf der Strasse zu kämpfen und sind froh, dass es dank unserer Aufmerksamkeit, Geduld, sowie diversen Schutzengeln gut gelaufen ist. Den Spruch den ich heute vor einer Baptistenkirche am Strassenrand gelesen habe, hätte ich nämlich schon nur aus Gewichtsgründen nicht umsetzen können. Dort stand: „For every Goliath, there is a stone“. Soviele Steine hätte ich heute gar nicht transportieren können!

Übernachtung: Best Western, Titusville

Tag 7: (20.10.14) Port St. Lucie – Sebastian

Distanz: 73.3 km / Gesamt: 544.94 km / Fahrzeit: 4 Std. 6 Min. / Durchschnitt 17.6 km/h

Sonne pur, 31 Grad, am Nachmittag Seitenwind auffrischend, GPS-Track

kleine „heile Welten“

Heute sind wir etwas später gestartet, denn wir haben uns heute eine kürzere Strecke vorgenommen. Die ersten paar Kilometer mussten wir auf einer stark befahrenen Strasse zurücklegen und freuten uns nach ca. 7 km nach rechts an die Küstenstrasse abbiegen zu können. Doch irgendwie hatten wir uns das etwas anderes vorgestellt. Die Strasse war schmal und trotzdem noch häufig befahren. Wenn uns ein Auto entgegenkam, mussten diejenigen hinter uns warten, da es beim besten Willen keinen Platz zum überholen. Somit waren wir also schon früh gefordert, alle Sinne auf vollem Betriebsmodus zu halten. Wenn es mal für einige Moment ruhig war auf der Strasse,  konnten wir uns in dieser besonders feinen Gegend umsehen. Die Häuser und Gärten waren allesamt gross und gut gepflegt. In jedem zweiten Garten waren, vermutlich südamerikanische, Arbeiter damit beschäftigt den Rasen sowie die Bäume und Büsche zu pflegen.

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Also nicht vergessen: bald ist Halloween. Wer schmückt den Briefkasten am schönsten? Die Amis haben schon mal vorgelegt ;-)

 

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Ein fantastischer Baum (Stamm beachten) vor schmuckem Haus.

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Noch ein schönes Exemplar und Gärtner an der Arbeit.

Dann fielen uns plötzlich besondere Plakate in den Vorgärten auf. Ich habe ja schon erwähnt das hier bald Abstimmungen stattfinden. In dieser Gegend formierte sich offenbar der Widerstand gegen ein Eisenbahnprojekt. Die Anwohner fürchteten sich, wie es scheint, gewaltig vor den Folgen die ein stärkerer Bahnverkehr für ihre jetzt so ungestörte und idyllische Wohnlage hätte.

War hier ein "SVP Plakatmaler" am Werk?

War hier ein „SVP Plakatmaler“ am Werk?

Die Eisenbahnlinie führt etwa 300 Meter hinter den Häusern vorbei. Als später ein Güterzug die Strecke befuhr, begann er mit einem eindrücklichen Hupkonzert jeden in der Nähe der Bahnlinie auf sein Kommen aufmerksam zu machen. In den USA ist das korrekte Bedienen der lauten Signalhörnern offenbar ein ganz wichtiger Punkt im „Lokführerausbildungsprogramm“. Nur so ist es zu erklären, wie sie es schaffen, solche Lokkonzerte zu veranstalten. Ich glaube hier müssten auch mal gewisse „Signalhorn-bestätigungs-bestimmungen“ überprüft werden. So habe ja sogar ich als Bähnler gewisses Verständnis, wenn sich die Anwohner nicht gerade über mehr Züge freuen.

In der herausgeputzten Stadt Fort Pierce haben wir dann bei einer kleinen Bäckerei mit Cafe einen Halt gemacht und uns mir Süssigkeiten für die Weiterfahrt gestärkt. Barbara wollte ja nicht nochmals in einem solchen Hungerast wie gestern  „fahren“. Die Taktik hat sich bewährt. Sie fühlte sich den ganzen Tag fit und die Durchschnittsgeschwindigkeit konnten wir auch etwas anheben.

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Downtown Fort Pierce

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Downtown Fort Pierce

Nördlich der Stadt konnten wir dann endlich wieder über eine Brücke auf die vorgelagerten Inseln um dort auf guten und mit Radstreiffen ausgestatteten Strassen weiter zu fahren. Im „Avalon State Park“ haben wir über die Mittagszeit die Rad- gegen die Badehosen getauscht und uns im Atlantik etwas abgekühlt.

all you need ...

all you need …

Während ich mir von einem Pensionär, der mit drei langen Ruten vom Strand aus fischte,  erklären lies was man denn so alles fangen könne, tauchtem am Himmel plötzlich seltsame, weisse Punkte auf. Sie kamen immer näher und als ich den Fischer fragte, was das den sei, sagte er: „Das ist jetzt ganz neu. Ich habe das im Sommer hier bei einer Airshow zum ersten mal gesehen. Da fliegen einige Flugzeuge in einer bestimmten Formation und stossen in genau berechneten Abständen Rauch aus. Diese Punkte ergeben dann Buchstaben und Worte“. Wir sahen fünf Flugzeuge die nebeneinander her flogen und dieses Rauchwölklein ausstiesen und versuchten die Botschaft zu erkennen. Da der Wind aber bereits wieder etwas stark wehte, verblassten die Buchstaben bald. Was wir erkennen konnte war “ … SAVE MONEY“ Das ist doch wirklich verrückt oder?

5 Flugzeuge haben das in den Himmel geschriegen. (Kontrast im Bild für bessere Lesbarkeit erhöht)

5 Flugzeuge haben das in den Himmel geschriegen. (Kontrast im Bild für bessere Lesbarkeit erhöht)

Nach dem Bad lagen noch 34 km vor uns und die konnten wir zügig zurücklegen. Fast auf der ganzen Strecke fuhren wir dabei an Wohngebieten vorbei, die rundum eingezäunt und an der Zufahrt mit Schranken und Pförtnerhaus bewacht waren. Alles was nicht in die eigene, heile Welt passt, kann man so draussen lassen.

Zutritt nur für Bewohner und autorisierte Gäste.

Zutritt nur für Bewohner und autorisierte Gäste.

Um zum Festland zurückzukommen, mussten wir nochmals eine steile und schmale Brücke überqueren. Die Frage „fahren oder schieben“ wurde uns von höchster Stelle abgenommen.

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WALK BIKES ACROSS steht auf dem Schild im Gebüsch, na dann schieben wir halt.

Wir haben die Räder brav hoch geschoben, uns auf dem höchsten Punkt aber schnell drauf gesetzt und sind  mit Schwung hinuntergesaust. Liegeräder können nämlich konstruktionsbedingt nicht  hinuntergeschoben werden ;-)

tolle Aussicht von der Brücke

tolle Aussicht von der Brücke

Kurz vor der Ankunft in unserem Motel dann das übliche Ritual: kaltes Wasser und Bier einkaufen, damit man im Motel rasch in den „Relaxmodus“ wechseln kann. Vor dem Geschäft sind wir auf ein US Radlerpaar getroffen. Sie waren einiges jünger als wir und mit viel weniger Gepäck unterwegs. Echt „easy“ eben. Sie erzählten, dass sie Ende August in Washington gestartet sind und nun bald ihr Ziel Miami erreichen werden. Auch sie erzählten begeistert von vielen tollen Begegnungen mit wildfremden Menschen und das sie immer viel Hilfe bekommen hätten. Jetzt müssten sie aber noch runter zum Fluss. Sie zeigten uns ein kleines Fischernetz, das sie heute an der Strasse gefunden haben. Damit wollten sie noch etwas für heute Abend fangen und falls es dann nur kleine Fische seinen, so würden sie diese an einen dieser vielen Fischereigeschäfften in der Gegend als „Köderfische“ verkaufen. Wir wünschten ihnen viel Glück dabei und eine sichere Reise.

Fazit: Wir sind heute auf viele „heile Welten“ gestossen. Auf die mit den gepflegten Gärten und der Angst vor lauten Zügen, auf die vom Fischer, der schon den ganzen Tag am Strand verbringt, den Wellen zuschaut und mit sich zufrieden ist, auf die der eingeschlossenen Bewohner, die sich offenbar nur hinter Mauern sicher fühlen und auf die der beiden jungen Biker, die jede Nacht irgendwo in einer ruhigen Ecke ein Schlafplatz suchen und sich so über all die tollen Erlebnisse und Begegnungenauf ihrer Reise freuen.

Übernachtung: Best Western Plus, Sebastian

Tag 6: (19.10.14) Lake Worth – Port St. Lucie

Distanz: 90.91 / Gesammt: 472.62 km / Fahrzeit: 5 Std. 45 Min. / Durchschnitt 15.8 km/h

Sonne pur, 31 Grad, am Nachmittag Seitenwind auffrischend   GPS-Track

4 Füsse, tausende gemeinsame Kilometer, 23 Jahre Ehe und zwei wundervolle Töchter:
life is great!

Diese Füsse tragen uns schon 23 Jahre auf unserer gemeinsamen Reis durchs Leben.

Diese Füsse tragen uns schon 23 Jahre auf unserer gemeinsamen Reise durchs Leben.

Heute war ein ganz besonderer Tag. Barbara und ich durften uns über 23 Jahre gemeinsame Ehe freuen und wir taten dies wie in den vergangenen gemeinsamen Jahren auch. Die Etappe beinhaltete einiges vom Erfolgsrezept unserer vergangenen Ehejahre. Wir hatten ein gemeinsames Ziel vor Augen, im Wissen dass es nicht immer einfach sein wird und wir die gegenseitiger Aufmunterung brauchen würden wenn einer von uns mal Mühe hatte die notwendige Kadenz zu treten um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Auch haben wir uns vor herannahenden Gefahren gewarnt oder sind auf einigen Abschnitten mit etwas mehr Abstand gefahren, damit jeder sein Tempo fahren konnte und wir haben uns in der Führung abwechselten, damit der andere sich mal im Windschatten des Partners erholen konnte. Auf unserer Hochzeitskarte stand damals „Die Reise beginnt …“  Wir sind noch immer gemeinsam unterwegs, sowohl als Paar als auch im Sinne dieser physischen Reise durch die USA. Dafür sind wir beide dankbar und freuen uns auf die nächsten Jahre.

Wir sind wieder früh losgefahren um die Kühle des Morgens für die ersten Kilometer nutzen zu können. Das machte sich auch heute wieder bezahlt, denn so bis 10 Uhr bringt uns das Radeln kaum ins Schwitzen und an einem Sonntag wie heute sind die Strassen um diese Zeit noch recht leer, was uns gut vorankommen lies.

 

Oft teilten wir am Morgen die Strasse nur mit Rennradfahrern auf der Sonntagsrunde.

Oft teilten wir am Morgen die Strasse nur mit Rennradfahrern auf der Sonntagsrunde.

Bereits nach wenigen Fahrminuten hörte ich im noch fast menschenleeren Stadtzentrum in Lake Worth von der Parallelstrasse her ein lautes Reifenquitschen, ein Knall und sah im Augenwinkel, wie zwei Autos seitlich ineinander prallten. Stosssstangen und Blechteile lagen auf der Strasse. Da hatte wohl einer das Rotlicht missachtet. Ich beobachtete die Szene kurz und als ich sah wie beide Lenker offensichtlich unverletzt aus den Autos stiegen und auf einander zugingen, fuhr ich weiter. Es wurde uns aber wieder einmal klar wie schmal der Grad zwischen „gut ankommen“ und „verunglücken“ manchmal ist. Eine Sekunde abgelenkt und schon kann es zu spät sein. Wir stellten also all unsere Sensoren wieder auf volle Empfangsleistung und genossen trotzdem die ruhige Fahrt durch diese offensichtlich sehr reiche Gegend.

Schattentheater am Morgen.

Schattentheater am Morgen.

Wir sind heute oft nicht ganz an der Küste gefahren, da auf dieser Strasse der Rhythmus oft von „Stop“ Schildern unterbrochen wird. Da wir uns mit 90 Km die bisher längste Strecke vorgenommen hatten und im für heute vorgebuchten Motel eine schöne Poolanlage abgebildet war, wollten wir unbedingt frühzeitig ankommen, um auch den Rest des Körpers in der Badehose noch etwas „anbräunen“ zu können. Ihr könnt euch ja sicher selber ein Bild davon machen, mit welch unterschiedlichen Bräunungsgraden unsere Körper im Moment geschmückt sind.

Wir fuhren heute also oft auf der 2-3 Spurigen Schnellstrasse A1.

Warten auf "grün" und dann volleKraft in die Pedale.

Warten auf „grün“ und dann volle Kraft in die Pedale.

 

Meist war ein Radstreifen markiert und weil es Sonntag war, waren auch fast keine Trucks unterwegs. Die Mittagspause machten wir, wie im automobilen Amerika üblich, an einer Tankstelle. Diese sind nämlich, wie schon Dres Balmer in seinem Veloreisebuch „Route 66“ beschreibt, für uns Radler ein Segen. Hier hat es einen klimatisierten Raum um sich abzukühlen und erfrischende, gut gekühlte Getränke. Eines davon hat es Dres Balmer besonders angetan und auch wir sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen. Immer wenn sich die „Power“ in den Waden und Oberschenkeln verabschiedet, also „Ade“ gesagt hat, ist es höchste Zeit ein „Power-ade“ zu trinken. Ihr glaubt es kaum, aber es wirkt. Barbara hatte um die Mittagszeit einen ziemlichen Durchhänger. Sie fühlte sich kraftlos und es kam ihr vor, als würde sie dauernd gegen starken Wind ankämpfen, obwohl es zu dieser Zeit noch windstill war. Offenbar rächte es sich nun, dass wir sowohl gestern Abend als auch heute Morgen (kein Frühstück im Motel) mit dem Essen nicht genügend Energiereserven gebunkert haben. Diesem Thema müssen wir ab sofort mehr Aufmerksamkeit schenken! Nach einem Sandwich, Banane, Nüssen und dem super „Powerade“ sowie einem kurzen Mittagsschläfchen im Palmenschatten kehrten die Kräfte wieder zurück.

Auftanken!

Auftanken!

 

Diese Truppe brauchte kein "Power - ade"

Diese Truppe brauchte kein „Power – ade“

Während unserer Rast fuhr ein Mann in unserem Alter auf einem alten, aber soweit gepflegten Fahrrad zu uns hin. Obwohl er einen sauberen Eindruck machte war unschwer zu erkennen, dass er wohl in einer wirtschaftlich schwierigen Lage steckte. Vermutlich ohne Job und Arbeit. Er fragte ob ich ihm nicht 50 Cent’s geben könnte. Vermutlich dachte er, dass wir Radfahrer selber nicht allzu reich seien, sonst würden wir ja mit einem Auto unterwegs sein. Ich gab ihm ein paar Dollar und er freute sich riesig. Dann wieder die Frage nach dem „wohin“. Aber diesmal hörten wir eine verblüffend andere Antwort, die ich ihm auch sofort glauben konnte. „New Orleans, von da bin ich mit meinem Fahrrad auch hierher gefahren“ erzählte er. Ob wir Tipps bräuchten, er uns helfen könnte. Und ja in den verschiedenen Parks könne man prima wild Campen, man müsse halt einfach aufpassen und das Zelt erst im Dunkeln aufzustellen, damit einem die Ranger nicht sehen. Es sei auch sehr schmutzig auf der Strasse und wir würden viel Platten haben. Er habe sich ja extra spezielle Reifen und ein grünes Dichtmittel in den Schlauch gefüllt, das habe prima geholfen. Ich sagte ihm, wir hätten ebenfalls gute Reifen drauf und in Key West die Reifen mit derselben grünen Dichtmasse befüllt. Da huschte ein Lächeln über sein Gesicht: „That’s good man, god bless you and have a safe Trip“. Er drehte sich um und fuhr davon.
Auch wir machten uns wieder auf die Strasse und nahmen bei zunehmender Hitze und Wind von schräg Vorne die letzten 35 km in Angriff.

Viele Schilder künden Abstimmungen an, unter anderem zum Thema "Marihuana zu med. Zweck"

Viele Schilder künden Abstimmungen an, unter anderem zum Thema „Marijuana zu med. Zweck“

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Immer gelassener fährt Barbara auch die viel befahrenen Brücken. Respekt!

Im Motel angekommen war es Zeit für eine erfrischende Dusche, ein leichtes muskellockern im Sprudelbad und einigen Längen schwimmen im Pool. In die Sonne liegen, dösen und sich darüber freuen, dass unsere gemeinsame Reise bis jetzt so prima verlaufen ist.

Übernachtung: Best Western, Port St. Lucie

Tag 5: (18.10.14) Fort Lauderdale – Lake Worth

Distanz: 70.78 / Gesammt: 381.7 km / Fahrzeit: 4 Std. 13 Min. / Durchschnitt 16.8 km/h

blue sky , windstill :-)
GPS-Track

Masslosigkeit

Heute waren wir schon wieder früh „on the road“ und da man sich im Motel 6, mangels Angebot, nicht mit so läppischen Sachen wie „frühstücken“ herumschlagen muss, gelingt der frühe Start noch besser. Kurz nach Sonnenaufgang, das ist hier im Moment so um 07.15 Uhr, waren wir auf der Strasse.

imageBei beiden Velos haben wir zu den normalen Rücklichtern noch die „Blinklichter“ montiert. Die Amis stehen darauf! Es muss einfach etwas blinken, sonst wirst du übersehen, haben wir schon mehrmals gehört. Je wilder es flackert, umso besser. Also haben auch wir das Beste gegeben und den Blinkmodus so eingestellt, das du zu Hause schon von der ersten Polizeistreife an den Strassenrand zitiert werden würdest und du dir eine lange Rede anhören müsstest, dass in der Schweiz das Blinken an Fahrrädern verboten sei. Selbst an Barbaras Helm haben wir die Blinker eingeschaltet und sind so im Lichte der aufgehenden Sonne Richtung Norden gefahren. Zuerst mussten wir die Region um den Flughafen durchqueren. Wir waren auf 4-spurigen Strassen unterwegs und froh das heute Samstag ist und somit kein grosser Berufsverkehr unterwegs war. Unser Route führte gar in einem Tunnel unter der Rollbahn des Flughafens durch. Das genau in diesem Bereich noch Fahrspuren wegen Bauarbeiten gesperrt waren, gab uns die Möglichkeit hinter die Bauabschrankung zu fahren und so diesen Teil gut geschützt vom Verkehr zu befahren. Schon nach einer halben Stunde war verkehrstechnisch das „schlimmste“ überstanden und Barbara war froh, dass wir diesen Teil gestern mit dem etwas früheren Ende nicht auch noch fahren mussten.
Bald fuhren wir wieder auf der A1A, der Beach entlang durch Fort Lauderdale. Es war noch nicht ganz 9 Uhr und das Schaulaufen war bereits in vollem Gange.

Flagge zeigen am Beachwalk

Flagge zeigen am Beachwalk

Ein wahrer Riese

Ein wahrer Riese …

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… mit unglaublichem Stamm. (das Schild ist NICHT für den Baum gemeint)

Da wurden die mehr oder weniger natürlich gestählten, oder dann eben dank plastischer Chirurgie optimierten, jungen und auch ältern Körper in längeren oder kürzeren Leggins und (zu)eng sitzenden T-Shirt’s zur Schau gestellt. Auf dem Trottoir war vor lauter Jogger kaum mehr ein durchkommen. Aber die Ausrüstung immer „on the top“. Egal was einem im Sportgeschäft für unnötiges Zubehör angeboten wird, hier wird es getragen.
Viele Jogger und Walker grüssten uns im vorbeifahren freundlich und vor lauter Zurufen wie „that’s fantastic, have a safe trip, i love your bike“, „Daumen hoch“ (= „like“ Zeichen der Generation facebooke) etc. wussten wir manchmal kaum mehr, wohin wir zurückwinken sollten. Wir wollten ja nicht überheblich wirken, aber den einen oder anderen Gruss haben wir heute sicher nicht erwidert.

Ich habe es heute kurz mal wieder mit einem "normalen" Velo versucht: unbequem, ich bleibe beim "Lieger"

Ich habe es heute kurz mal wieder mit einem „normalen“ Velo versucht: unbequem, ich bleibe beim „Lieger“

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für „Strässe“: Ich hatte leider keine Zeit für einen fishingtrip

Je nördlicher wir kamen, desto ruhiger wurde es und je ruhiger es wurde, desto grösser wurden die Häuser und Boote um uns herum. Wir fuhren heute den ganzen Tag auf den der Küste vorgelagerten Inseln, welche durch Brücken mit dem Festland verbunden sind. Somit ist rechts von uns jeweils die endlos erscheinende Sandbeach, links der „Intracoastal Waterway“. Wer es sich nicht so genau vorstellen kann sucht am besten auf Google Earth nach „Fort Lauderdale Beach“ und schaut sich die (Wasser-) Landschaft mal von „oben“ an.
Also genau da sind wir heute durchgefahren und haben über die Dimensionen, welche die Villen und Boote hier annahmen, nur noch gestaunt und uns so unsere Gedanken gemacht. Dafür hat man auf dem Rad ja genügend Zeit und auch das macht den Reiz dieser Reiseform aus. Eines ist für uns aber klar: Gerechtigkeit sieht anders aus!
Hier einige Bilder von unserer Fahrt heute Morgen:

irgendwie "too much"

irgendwie „too much“ (Limosine hinter dem Tor beachten)

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Grundsätzlich haben wir die Fahrt aber genossen. Der Verkehr auf diesen Strassen war bereits viel ruhiger als gestern und mit jeder Meile Richtung Norden nahm es noch etwas ab. Es ging durch parkähnliche Gartenlandschaften und oft im Schatten von grossen Bäumen voran.
In „Del Ray“, in dem viele Wochenendausflügler unterwegs waren,  legten wir unsere Mittagspause ein. Wir hatten die Bikes noch nicht abgestellt fuhr eine Frau auf dem Rennrad zu uns hin: „Hy, are you travelling?“ fragte sie freundlich. Sie habe uns zusammen mit ihrem Mann vorher auf der Strasse gesehen und ihr Mann habe gesagt, „schau mal die beiden mit dem vielen Gepäck, die sind sicher auf einer Reise.“ Desshalb wollte sie es von uns nun genau wissen. „Wow! that’a great“ etwas Smalltalk und ein herzliches „safe travel“. Solche kurzen Gespräche gab es unterwegs auch heute wieder bei vielen Gelegenheiten. Eigentlich stehen wir kaum mehr als eine Minute an einem Ort und schon kommen Leute auf uns zu und bestaunen die Räder, fragen woher und wohin und finden die Reise allesamt „fantastic“.

Ja an dieser Beach legen die Meeresschildkröten ihre Eier ab, und die Amis schalten sogar die Strassenbeleuchtung aus, um die Tiere nicht zu stören. Wer hätte das gedacht?

Hier an der Beach legen die Meeresschildkröten ihre Eier ab, und die Amis schalten sogar die Strassenbeleuchtung aus, um die Tiere nicht zu stören. Wer hätte das gedacht?

Da wir heute um einiges flüssiger vorwärts kamen hatten wir bereits um zwei Uhr Nachmittags das Etappenziel fast erreicht. Also galt nun unsere volle Aufmerksamkeit der nächsten öffentlichen „Beach“. Dies sind tolle Orte mit so Sachen wie WC-Anlagen, Duschen, gutem Strandzugang und oft auch der Möglichkeit Snacks und kühle Getränke zu kaufen. Am „Ocean Ridge Hammock Park“ fanden wir all das. Die Dame bei der Zufahrt zum Gelände liess uns mit den Fahrrädern kostenlos einfahren, Autos zahlen 5 Dollar. Meine Frage ob wir die Bikes mit dem Gepäck nicht bei ihr neben dem Häuschen abstellen könnten, damit niemand was wegnimmt, verneinte sie. Sie könne wirklich dafür keine Verantwortung übernehmen, aber wir könnten die Räder einfach oben abschliessen und es werde sicher nichts wegkommen. Sie fürchtete sich vermutlich im Falle eines Diebstahls von exorbitanten Schadenersatzklagen die wir gegen sie führen könnten. Also nahmen wir die Pferdchen nach oben, stellten sie in den Schatten, nahmen die Satteltaschen mit den Wertsachen mit und machten sie mit unserem 5 Meter Stahlseil am Geländer fest.Nach zwei Stunden an der Beach, wir waren nur kurz im warmen Wasser (Jellyfish = Quallengefahr), trafen wir die Pferdchen und die Satteltaschen mit den Kleidern wohlbehalten und von einer kleinen Echse bewacht wieder.

unser Wächter

unser Wächter

Anschliessend nahmen wir noch die letzten 9 km zum Motel unter die Räder.
Übernachtung: Scandia Lodge, Lake Worth

Fazit: Wir haben heute viel Masslosigkeit gesehen:
Häuser, Boote, Auto’s, Brustimplantate und dann noch einen masslosnen Sommertag. Ihr müsst euch das so vorstellen: Das ist wie wenn die Wärmestrahlen des ganzen Schweizersommers 2014 an einem Tag über euch ausgeschüttet würde, dazu ein endloser Sandstrand, blauer Himmel und am Abend empfindet man eine Dusche bei der nur der kalte Wasserhahn aufgedreht wird nicht als kalt sondern erfrischend. Ja so ist das hier!
Ich weiss, auch ich bin masslos gemein es euch so genau mitzuteilen, aber ich freue mich eben riesig, den Sommer doch noch gefunden zu haben :-)

Tag 4: (17.10.14) Miami CutlerBay – Fort Lauderdale, Airport Area

Distanz: 76.32 / Gesmt 310.88 km / Fahrzeit: 5 Std. 21 Min. / Durchschnitt 14.26
sonnig, am Nachmittag heiss, wenig Wind
GPS-Track

City survival training!

Na ja liebe Blogleser ich weiss, die nackten Zahlen dieser Etappe sehen nach einem richtig faulen Tag aus. Kein Gegenwind und nur ein Schnitt von 14.26? Geht den Artho’s schon nach vier Tagen der Saft aus? Keine Angst, das war heute nicht das Problem, der Rhythmus wurde heute einfach dauernd unterbrochen. Wir haben nicht mitgezählt wie oft wir heute unseren schwer beladenen Pferdchen beim Anfahren die Sporen geben mussten, gefühlt war es aber alle 200 Meter.
Wir haben uns für heute ja mal 84 km vorgenommen und wollten so gegen 3 Uhr ankommen. Also sind wir früh aufgestanden und haben beim ersten Tageslicht das Motel verlassen. Um 7.30 Uhr waren wir schon unterwegs. Zuerst ging es wieder wie gestern auf dem Bike Trail am Busway entlang Richtung Miami.

"warm up" auf dem Busway

„warm up“ auf dem Busway

An die vielen Querstrasse hatten wir uns ja bereits gestern gewöhnt und es gelang mir immer besser die Ampelknöpfe, die oft einen Meter neben der Radroute stehen, schon beim „anbremsen“ elegant zu drücken, so dass wir uns sofort in eine gute Startposition für die sehr kurzen Grünphasen begeben konnten. So kamen wir langsam dem Stadtzentrum von Miami näher und die ersten Hochhäuser zeichneten sich am Horizont ab. Der Verkehr auf der Strasse neben dem Busway wurde immer stärker und wir waren froh hier so gut geschützt zu sein. Aber wie das so im Leben und auf Reisen ist, wenn man es sich so richtig gemütlich eingerichtet hat, kommt etwas, das den Frieden stört. Bei uns war das heute ein Strassenschild „End Bike Trail“ :-((
Uns fehlten aber noch immer gut 18 km bis zur Strasse A1A, die uns ab Downtown Miami der Küste entlang nach Norden führen wird.
In diesem Moment kamen mir die Worte des Bikers von gestern Morgen in den Sinn: „Wenn der Bike Trail endet, beginnt die Metrorail. Dies ist eine Hochbahn und unter ihrem Trasse führt ein Radweg fast bis zur Küstenstrasse.“
Wir entdeckten ein kleines Schild „Bike 1 North“. Das musste es sein. Wir folgten dem Pfeil und befanden uns, bevor wir das richtig realisierten, in einem Umsteigebahnhof Bus / Monorail mitten auf dem Perron. Klar das solch frevelhaftes Verhalten im Land der Security nicht lange unbemerkt bleibt. Ein Security Mann kam auf uns zu und sagte freundlich aber bestimmt, dass wir hier auf dem Perron nicht Radfahren dürften, „wegen all der Kinder und so, Sicherheitsgründe halt“. Als ob ich das als „Bähnler“ nicht gewusst hätte! Vielmehr haben wir den Übergang vom Radweg zum Perron irgendwie verpasst. Wir stiegen sofort von den Rädern und erklärtem dem netten Mann das wir nur den Radweg suchen würden und gleich da hinten wäre ein Schild gewesen, welches uns hierher lenkte. Ob er den wisse wo der Radweg Richtung Downtown weitergehe. „Bike Trail?“ allein das Wort schien ihm nicht wirklich bekannt zu sein, aber freundlich wie die Amis sind rief er sofort einen Kollegen zu Hilfe. Leider hatte auch der keine Ahnung. Die beiden gehörten offensichtlich zur Abteilung „Miami nichts weiss“. Wir bedankten uns für die (erfolglosen) Bemühungen und machten uns selber auf die Suche. Irgendwo unter dieser Monorail musste das doch sein. Siehe da, gleich über der Strasse entdeckten wir das gesuchte Schild, den passenden Radweg dazu und fuhren im Schatten der Hochbahn dem Zentrum entgegen.

unter der Metrorail : Schattenfahren :-)

unter der Metrorail : Schattenfahren :-)

Es war nicht immer ganz einfach die oft verwinkelten Auffahrten nach einer grossen Kreuzung wieder zu finden, aber die Brückenpfeiler der Bahn waren ein sicherer Wegweiser. Danke nochmals unbekannter Biker von Key Largo, dieser Tip war heute Gold wert!

die letzten Meter "Radlerparadis" Downtown voraus!

Die letzten Meter „Radlerparadis“ Downtown voraus!

Dann war aber auch diese Herrlichkeit vorbei und es blieb uns nichts anderes übrig als uns in Downtown Miami den nötigen Platz und Respekt zu verschaffen. Eigentlich lief es recht gut und das Hupen das wir ab und zu im Nacken hörten, interpretierten wir als aufmunterndes „Hallo Biker, good job“. So war die Sache viel erträglicher. Nur einmal haben wir uns kurz verfahren (ca. 600 Meter) dafür konnten wir am Umkehrpunkt „Brickell Key“ diese imponierende Aussicht geniessen.

Panorama Downtown Miami (Tipp: Fotos zum vergrössern anklicken, anschliessend mit der Pfeiltaste zurück wieder zur ursprünglichen Blogansicht wechseln.)

Panorama Downtown Miami (Tipp: Fotos zum vergrössern anklicken, anschliessend mit der Pfeiltaste „zurück“ wieder zur ursprünglichen Blogansicht wechseln.)

Zurück auf der A1A ging es über eine Brücke nach Miami Beach direkt in den Art Deco District. Es war gerade Zeit für ein Mittagessen und das haben wir dann stilecht in einem dieser schön hergerichteten, aber schon etwas in die Jahre gekommenen Restaurants genossen. Preis / Leistung / Qualität, war alles erstaunlich gut und wenn man nach einem anstrengen Bikermorgen bei mittlerweile 31 Grad beim Softgetränk einen gratis „Refill“ bekommt, sitzt man am rechten Platz.

Refill pleas!

Refill please!

Vor unserer Weiterfahrt hat uns spontan ein junger Türke angesprochen. Er sei auch mit dem Bike unterwegs und auf dem Weg nach Südamerika. Er hat unsere Räder bestaunt und wollte von uns und den Pferdchen ein Foto machen. Klar darf er.
Etwas später wollten wir auch von uns ein gemeinsames Foto vor dieser Kulisse und fragten einen Secuitymann ob er nicht für uns abdrücken würde. Er fühlte sich wohl richtig geehrt und ging mit Eifer an die Sache, stellte uns nochmal anders hin und suchte einen anderen Aufnahmewinkel. „Now it’s just perfekt!“stellte er befriedigt fest und wollte dann alles über unsere Reis wissen.

Sein "perfektes Bild"

Sein „perfektes Bild“

Woher, wohin und „das ist ja unglaublich, fantastisch, jeder sollte so etwas mal machen, und dazu noch ein Charity Projekt“ jetzt war er vollends aus dem Häuschen. Er rief eine Kollegin die in der Nähe stand zu sich, gab ihr seinen Fotoapparat und bat uns mit ihm zusammen und den Rädern für das Foto zu posieren. Also noch einmal in eine fremde Kamera gelächelt: We are getting famous! Er erzählte seiner Kollegin was wir vor hatten und diese fragte nur ungläubig, wer den das alles bezahle? „He is retired“ erklärte er ihr in vollem Ernst. Da musste ich intervenieren, „nein, nein, noch nicht pensioniert, nur ein Auszeit“. (Also wenn das noch öfters vorkommt überlege ich mir das mit dem pensionieren nochmals. Liebe Arbeitskollegen, ihr könnt euch mal vorsichtig darauf einstellen, dass meine Rückkehr Anfang Januar also noch nicht zu 100 % gesichert ist.) Der Rest der Etappe? Ein dauernder Kampf um Platz auf der Strasse, vorbei an gesichtslosen Monsterhotelblöcken auf der einen und fantastischen Villen mit gigantischen Booten auf der anderen Seite der Strasse.

Kleines Häuschen mit Boot im Garten,. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Kleines Häuschen mit Boot im Garten,. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Unterwegs haben wir bei einem öffentlichen Strandzugang mit WC und Dusche von diesen Sachen gebrauch gemacht. Wir stellten uns einfach unter die kalte Dusche und konnten so in den nassen Kleidern die Hitze wieder besser ertragen.

Beachpanorama: Das Schwimmen haben wir  heute noch verschoben, aber das kommt schon bald.

Beachpanorama: Das Schwimmen haben wir heute noch verschoben, aber das kommt schon bald.

Gegen 4 Uhr hatten wir genug. Die vielen Stop an Go’s, zu wenig Platz, viel konzentriertes Lenken und in den Rückspiegel schauen, dazu die Hitze. Das alle hat uns doch geschafft und so fuhren wir 10 Km vor dem geplanten Ziel bei einem „Motel 6“ das rechts am Strassenrand auftauchte vor, buchten wieder ein „1. Floor Room“ und konnten direkt vom Parkplatz ins Zimmer fahren. Geschafft nun nur noch absatteln, ein kühles Bierchen (oder Wasser) und noch eine Runde im Pool für die Dehnungsübungen.

Fazit: Miami liegt hinter uns :-))
Übernachtung: Motel 6, Dania Beach, Fort Lauderdale

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Tag 3: (16.10.14) Key Largo – Cutler Bay

Distanz: 68.6 Km. / Gesamt 234.56 Km / Fahrzeit: 4 Std. 49 Min., viel Gegenwind
Durchnitt 14.24 km :-(  GPS – Track

Workout!

Heute war Fitnesstraining angesagt. Die Strecke von Key Largo nach Cutler Bay, südlich von Miami, ist nicht wirklich spektakulär und verläuft mehrheitlich schnurgerade zwischen grossen Zäunen, welche die Krokodile vom Überqueren der Strasse abhalten sollen.
Aber der Reihe nach. Ich hatte ja geplant, nicht auf der A1 nach Miami zu fahren, sondern den Umweg über die „Card Sound Rd.“ zu nehmen, da dort massiv weniger Verkehr ist. Auf der A1 fährt fast der gesamte Verkehr der von und nach den Key’s unterwegs sind. Beim Frühstück auf der Terrasse im Motel habe ich beobachtet, wie sich gerade ein Radler auf sein voll bepacktes Reiserad setzte und den Helm montierte. Bereit für die nächste Etappe. „Hier entschwindet gerade viel Tourenerfahrung und lokales Wissen“ fuhr es mir durch den Kopf. Also bin ich rasch zu ihm hin, habe ihn freundlich begrüsst und nach seinen Plänen gefragt. „I’m on the way to Key West“, sagte er und als er erfuhr dass wir von dort kommen und uns nun Gedanken zum besten Weg nach Miami machen, stieg er sofort wieder vom Rad, setzte seinen Helm ab und holte sein Handy hervor. Er empfahl mir, nicht die von mir geplante Route zu nehmen, da es auf dieser Strasse kaum einen Seitenstreifen habe. Zur Illustration zeigte er mir Bilder dieses Abschnitts auf seinem Handy. Die A1 sei aber kein Problem, wohl stark befahren aber immer mit einem breiten Seitenstreifen. Ich bedanke mich und gab ihm den Tip auf dem Weg beim Milemarker 80 doch im Midway Cafe vorbeizuschauen. Ich  erzählte im vom netten Lokal, der freundlichen Bedienung und dem guten Essen. „Das passt perfekt, ich werde wohl gerade zu meinem zweiten Frühstück dort sein“ sagte er, setzte den Helm auf und radelte los.
Als wir dann auch startklar auf den vollgepackten Rädern sassen kam eine Motelnachbarin auf uns zu, mit der wir gestern im Pool etwas geplaudert hatten. Sie konnte es nicht fassen das wir wirklich nur mit den Rädern und nicht noch zumindest mit einem Begleitfahrzeug unterwegs waren und bis nach New Orleans wollten. „Phantastisch,  und das alles ohne Benzin zu verbrennen! Have a safe trip“ rief sie uns hinterher als wir losfuhren.

schon bald ein Ritual: Sandwichbunkern für unterwegs

Schon bald ein Ritual: „morgendliches Sandwichbunkern“ für unterwegs

Solche spontane und unkomplizierte Begegnungen und Gespräche geniesse ich jedes mal wenn ich in den USA unterwegs bin. Da könnten wir „verschlossenen Schweizer“ sicher noch etwas dazu lernen.
Die ersten Kilometer führten uns an dem typisch amerikanischen „Ausfallstrassenmix“ vorbei, Fast Food in allen Variationen, Tankstellen, Einkaufszentren, Immobilien- und Rechtsanwaltsbüros, etc.
Dann führte uns die erste Brücke über den Lake Surprise und wir hatten die Key’s nun hinter uns. Von nun an gab es ausser Mangrovengebüschen links und rechts der Fahrbahn für lange Zeit nicht mehr viel zu sehen.

Für Gilbi (hast du hier ein zweites Standbein eröffnet?)

Für Gilbi
(hast du hier ein zweites Standbein eröffnet?)

Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt tauchte auf unserer Strassenseite ein privater Bootshafen mit Reparaturwerkstatt auf, „Zutritt nur für Bootseigner“. Das waren wir zwar wirklich nicht, trotzdem wäre eine Toilette willkommen gewesen. So fuhren wir auf das Gelände und ich ging ins Büro, um artig zu fragen, ob wir zwei Velofahrer nicht doch die „Restrooms“ benützen könnten. Die ältere Dame machte es kurz: „Nein, das ist nur für Bootseigentümer und Marineangestellte!“ Auf die Frage, wo denn die nächste Möglichkeit wäre meinte sie: 20 Meilen (36 km) Richtung Norden . Upps, das ist mit dem Velo aber gar weit. Ich setzte einen flehenden Blick auf, erklärte ihr noch einmal das ich mit meiner Frau und dem Fahrrad unterwegs sei und damit seien 20 Meilen zur Toilette doch ziemlich weit. „Wirklich keine Ausnahme?“ fragte ich. Das hat gewirkt, ohne etwas zu sagen zeigte sie mir mit einer Handbewegung an, das wir die Toiletten nun doch benutzen düefen aber dann zurück auf die Strasse. Mehr wollten wir auch nicht und waren froh und erleichtert, so dass wir uns bald darauf auf dem Seitenstreifen wieder konzentriert dem zum Teil kräftigen Wind entgegenstellen konnten.

Mittagsrast am Rande der A1

Mittagsrast am Rande der A1

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Wer hier im „1 Floor“ wohnt, hat sicher öfters nasse Füsse, (… und schwimmender Besuch in der Küche?)

Ereignislose 40 Km später erreichten wir dann den „Miami – Dade Bikeway“. Dies ist eine etwa 50 Km lange „Velobahn“ die entlang einer separaten Busstrasse von Homested bis nach Downtown Miami führt. Ja, ihr habt richtig gelesen, da gibt es eine zweispurige Strasse auf der nur Linienbusse verkehren dürfen und gleich nebenan auf der ganzen Länge ein breiter Veloweg!

Velobahn!

Velobahn!

Das wären doch mal etwas, das sich die „Velostadt“ Winterthur genauer ansehen sollte. Einen kleinen Haken hat die Sache leider schon. Bei jeder querenden Strasse ist ein Lichtsignal installiert und mangels Induktionsschaufe muss man als Velofahrer immer auf den Ampelknopf drücken, damit es grün wird. Flüssiges fahren sieht anders aus!
Dennoch haben wir unser Ziel die Region „Cutler Bay“ um gut vier Uhr Nachmittags erreicht und im zweiten Anlauf auch ein Motel gefunden, das uns ein Zimmer im „1 Floor“ (heisst zwar übersetzt 1. Stock, es ist jedoch das Parterre gemeint) anbieten konnte. Wir haben nämlich bereits gemerkt das wir viel ruhiger schlafen, wenn unsere Pferdchen bei uns im Zimmer stehen und das geht im „1 Floor“ nun wirklich besser, als wenn wir sie noch hochtragen müssen. Also wird das Erdgeschoss in Zukunft unsere bevorzugte Etage werden.

Blogger at work

Blogger at work

Fazit: Unspektakuläre Landschaft, Gegenwind, also fast wie ein Workout im Fitnessstudio
Übernachtung: La Quinta Inn + Suites Miami Cutler

Tag 2: (15.10.14) Knights Key – Key Largo

 

Distanz: 85.9 km. / Gesammt 166.4 / Fahrzeit 5 Std. 18.Min. / Durchschnitt 16.19 km/h
GPS-Track

Hitzestau!

Die Nacht im Zelt war ziemlich warm, auch wenn wir auf die Montage des Überzelt’s verzichtet haben und so nur im Moskitonetz schliefen. Obwohl wir früh aufgestanden sind, dauerte es doch recht lange bis wir um 9.15 Uhr endlich auf die Strasse kamen. Die Photosession war mitschuldig, musste aber sein!

7 Mile Bridge: Die letzten 13.5 Km gestern Abend

7 Mile Bridge: Die letzten 11.2 Km gestern Abend

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Am Campingplatz: nice place

Hier gibt es definitiv noch Verbesserungspotential. Durch die späte Abfahrt hatten wir dann schon von Anfang an „Betriebstemperatur“. Wie gestern brannte auch heute die Sonne erbarmungslos auf uns Bleichgesichter und da heute der Wind Pause machte, fühlte es sich noch viel heiser an als gestern. Die Anzeige am Fahrradtacho kletterte bis auf 47 Grad. Klar, das war in der Sonne gemessen aber eben genau dort sitzen wir auch. Wir haben also jedes Grad mitbekommen. So lautete das Moto auch heute: regelmässig Tankstellen aufsuchen und im Shop Flüssiges besorgen.

Abkühlen!

Abkühlen!

Landschaftlich wie gestern, mit weitem Blicken übers Meer und an Mangroven vorbei kamen wir langsam aber stetig gegen Norden voran.Heute hatte es viele Baustellen, so dass wir die abgetrennten Radwege oft nicht fahren konnten und immer wieder auf die Hauptstrasse auf den Pannenstreifen ausweichen mussten.

Diese Tafen haben wir heute oft vermisst.

Diese Tafeln haben wir heute oft vermisst.

Das hatten wir ja gestern bereits geübt und so fühlten wir uns immer sicherer, auch wenn die Stellen manchmal gar eng wurden. Gegen 14 Uhr hatten wir nun wirklich Hunger, aber schon seit gut einer Stunde suchten wir vergeblich nach einer Verpflegungsmöglichkeit. Da tauchte beim Milemarker 80 wie eine Fatamorgana das „Midway Cafe“ auf. Es soll genau auf halbem Weg zwischen Miami und Key West liegen.

Unser Paradis heute Mittag!

Unser Paradis heute Mittag!

Solches „Reiseführerwissen“ war uns im Moment aber völlig egal. Wichtig war einzig und allein, dass wir hier auf ein wunderhübsches Cafe mit einer tollen Speisekarte gestossen waren. Die Inneneinrichtung liebevoll zusammengestellt, die beiden Frauen die das Cafe führten ausgesprochen freundlich. Man spürt schon beim Eintreten das hier ein Lokal mit viel Liebe betrieben wird. Mit einem Frappe kühlten wir uns zuerst mal ab und mit den leckeren „homemade Wrap’s“ füllten wir die Kohlenhydratspeicher wieder auf. Als wir aus dem Lokal traten wurde es noch besser: ein lang herbeigesehnter Platzregen, tropisch warm aber eben nach dieser Hitze doch erfrischend, kühlte uns ab. So waren wir für die letzten 30 Km gut gerüstet und haben diese  recht locker abgespuhlt. Im Hotelpool haben wir dann noch die nötigen Dehnübungen gemacht und freuen uns jetzt auf den Schlaf in einem gekühlten Zimmer.

unsere "Pferdchen" dürfen heute auch ins kühle Zimmer.

unsere „Pferdchen“ dürfen heute auch ins kühle Zimmer.

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Da lässt es sich doch gut erholen

Fazit: ganz schön gegrillt Heute
Übernachtung: Bayside Inn, Key Largo

Tag 1: (14.10.2014) Key West – Knights Key

Distanz: 80.5 km, Zeit 5 Std. 20 Min. Durchschnitt 15 km/h
Gegenwind mittel
Route: GPS-Track

The beauty and the beast

So nun geht es also wirklich los. Zum Start der Tour sind wir zum „Southernmost Point“ in Key West gefahren. Das ist der Ort in den USA wo Kuba (90 Meilen) näher ist als der nächste „Walmart“. Und weil das so ungewöhnlich ist, wollen sich alle vor dieser „Boje“ fotografieren lassen. Dafür stehen die Touristenscharen dann schon am Morgen geduldig in der Schlange. Für solche Zeitverschwendung haben wir natürlich keine Zeit, denn es warten die ersten gut 80 km auf uns und der Wind ist, wie gestern von den beiden Liegerafahrern angekündigt, gegen uns. Also haben wir uns kurz neben die Boje gestellt, einen netten Ami gefragt ob er mal ein Foto machen könnte und los gings: „San Diego, wird machen uns auf den Weg!“.

Southernmost Point: südlichster Punkt an der US Ostküste

Southernmost Point:
südlichster Punkt an der US Ostküste

Die auf Null gestellten Kilometerzähler werden an den Rädern montiert und wir suchten uns den besten Weg hinaus aus Key West. Nach einigem „zick-zack“ haben wir die A1 gefunden. Die nächsten Tage werden wir für gut 650 Kilometer mehrheitlich dieser Strasse entlang immer weiter nach Norden fahren.
Der Wind machte uns mehr zu schaffen als erwartet und die Sonne brannte ebenfalls erbarmungslos vom Himmel. Da rächte es sich nun, dass in der Schweiz der Sommer 2014 „nicht stattfand“ und uns so die entsprechenden Hitzerfahrung fehlt. „Coppertone 50“ heisst unsere Waffe gegen den Sonnenbrand und die Creme setzten wir mit amerikanischer „Grosszügigkeit“ (grenzt fast schon an Verschwendung) ein. Wo möglich wird der Körper auch mit Stoff bedeckt. Zum Glück haben wir vor zwei Tagen noch „Armlinge“ mit UV Schutz gekauft, die wir nun gerne anziehen, damit wir nicht am ersten Tag schon geröstet werden.

Armlinge mit UV Schutz und Coppertone 50: Kampg gegen die Sonne

Armlinge mit UV Schutz und Coppertone 50:
Kampf gegen die Sonne

Die Fahrt Richtung Norden führt uns häufig auf einem separaten Radweg etwas abseits der Strasse durch Mangrovenwälder. Es riecht etwas modrig vom Brackwasser, dafür spenden die Büsche etwas Schatten. Vor uns liegen immer wieder Gruppen von Leguanen in der Sonne, die sich beim Näherkommen aber sofort in die Mangrovenbüsche zurückziehen, so das an fotografieren gar nicht zu denken ist.
Plötzlich taucht am Radweg ein Schild auf „Cafe / Lime Pie“.  Das kommt uns gerade recht. Erstens müssen wir dringend Wasser nachschütten, denn wir haben bereits einige Liter verdunstet, zweitens schaden etwas Kalorien auch nicht, den diese werden fortlaufend verbrannt und wenn das Ganze noch in einer schönen, schattigen „Gartenbeiz“  genossen werden kann, macht das die Entscheidung anzuhalten noch einfacher.

fast wie am Radweg im Tösstal: schattige Gartenbeiz

Fast wie am Radweg im Tösstal: schattige Gartenbeiz

Nach dieser Stärkung fühlten wir uns fit für die erste grosse Brücke auf der Tour. Leider gibt es da oft keine separaten Bereiche mehr für Velofahrer und man muss sich auf dem Pannenstreiffen mit den Autos und Trucks die Brücke teilen. Zum Glück sind die meisten Fahrer rücksichtsvoll, vor allem die Trucks weichen wenn immer möglich grosszügig aus.

share the road

„share the road“

Wir machen uns so gut es geht „sichtbar“: Warnweste um die grosse Tasche auf meinem Gepäckträger, Fahnen am Rad und Barbara hat zusätzlich noch ein längeres pinkfarbenes Tuch befestigt. Dieses flattert mutig im Wind und macht uns so noch früher sichtbar. Nach weiteren „Tankstops“, die wir zum nachfüllen von Wasser und Powergetränken einlegen mussten, stand „kurz“ vor dem Ziel die grösste Herausforderung an: 7 Mile Bridge. Also eine gut 11.2 km lange Brücke, schmaler Seitenstreifen, in der Mitte noch ein „Hügel“, damit die Schiffe unter der Brücke passieren können. Barbara wollte die Brücke ohne vorherigen Erholungsstop anfahren, denn sie wollte es einfach hinter sich bringen und hat das prima gemeistert. Am Ende eines langen und anstrengenden Tages haben wir das Zelt aufgestellt und uns anschliessend vor dem Abendessen noch mit einem Bad im warmen Atlantik belohnt.

Noch viele freie Plätze. Die Saison startet erst im Dezember.

Noch viele freie Plätze.
Die Saison startet erst im Dezember.

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Wir lassen uns die Pasta in schöner Umgebung schmecken!

Fazit:
The beauty = tolle Landschaften und Weitblick
The beast = kommt von hinten, röhrt oft beeindruckend und lässt einem an einer Brückenwand sehr verletzlich erscheinen.
Übernachtung: Knights Key Campground

 

13.10.2014: letzte Vorbereitugen

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der letzten Vorbereitungen. Zuerst der Körper: Das bedeutet, noch mal so lange im Bett liegen bleiben wie man will, gemütlich das Frühstück geniessen, ausgiebig im Pool baden, an der Sonne liegen etc.

Blüte vor der Zimmertüre

Blüte vor der Zimmertüre

Der Namer versprichti nicht zuviel: Paradise Inn

Der Name verspricht nicht zuviel: Paradise Inn

Anschliessend mussten wir aber doch auch ans Material denken. Wir haben unsere Reifen als zusätzlichen Pannenschutz mit einer grünen Flüssigkeit befüllt, die im Falle eines Lochs den Reifen von innen her abdichten soll. Mal sehen ob das funktioniert. Um die Masse im Reifen gut zu verteilen, haben wir gleich noch eine kleine Rundfahrt im alten Teil der Stadt gemacht. Viele schöne alte Häuser, aber auch einige die mehr als einen Eimer Farbe nötig hätten. An die Energie die benötigt wird um diese Bretterbuden auf die hier üblichen „Minusgrade“ herunter zu kühlen wagen wir schon gar nicht zu denken.

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Hübsches Blumengeschäft …

 

Blumenladen an der Simeon Street

… an der Simeon Street

Dann fuhren wir noch ganz ans Ende von Key West zum Ford Zachary Taylor Historic State Park.
Eine Befestigungsanlage aus der Zeit um 1845 das bis 1947 als Bollwerk gegen möglichen Angreifer in Betrieb war. Heute gibt es ausser dem weiten Blick aufs Meer hinaus nicht wirklich viel zu sehen.

Fort Zachary Taylor

Fort Zachary Taylor

Die Picknickplätze auf dem Areal sind jedoch sehr schön angelegt und einige Strandabschnitte laden zum Baden ein.
Dort haben wir dann den Ort gefunden, um die wichtige Startzeremonie vorzunehmen. Das Hinterrad meines Grasshopper musste das Wasser des Atlantik spüren. Ich habe mein Pferdchen also da runter getragen und vorsichtig in den Sand gesetzt, schliesslich soll mein Lieger ja nicht als eine vom Salzwasser zerfressene Rostlaube am Pazifik ankommen. Kaum waren die Bilder gemacht, tauchten zwei Parkranger auf. Höflich aber bestimmt haben sie uns klargemacht, dass in der Picknickarea nicht mit dem Fahrrad gefahren werden darf. Ich habe die beiden aufgeklärt, das dies ganz wichtiger Moment sei, um den Start zu einer Reise quer durch die USA symbolisiere. Dazu müsse das Rad eben kurz an den Strand. Das hat sie sofort überzeugt. Sie wünschten eine gute Reise und setzten ihren Patrouillengang fort.

Weiter östlich kann die Radreisen nicht mehr starten.

Weiter östlich kann die Radreisen nicht mehr starten.

Auf der Fahrt zurück zum Hotel haben uns noch zwei Männer um die 65 zu sich gerufen. „Kommt schnell zu uns, wir fahren auch Liegedreirad.“ Wir sind zu ihnen über die Strasse und die zwei hatten ihre helle Freude an unseren Rädern. Sie haben alles genau inspiziert und es war uns sofort klar, das wir es hier mit richtigen „Experten“ zu tun haben. Das wir auf unseren Bikes noch vom Lenker aus bedienbare Blinklichter montiert haben, hat aber selbst die Amis verblüfft. Sie wollten natürlich sofort wissen welche Marke das ist und wo man so etwas bekommen kann. Anschliessend haben sie uns ihren Fahrzeugpark gezeigt. Zwei „Renntrikes“, also dreirädrige Liegeräder die sehr tief, und damit aerodynamisch konstruiert sind. Dann zwei gemässigte Trikes mit etwas höherer Sitzposition und noch zwei Trikes in der E-Bike Ausführung. Zu Hause in Dalles Texas, wo sie wohnen, wären noch mehr solcher Teile erklärten sie, inkl. ein Velomobil (vollverschaltes Liegerad). Auch hier also, typisch amerikanische Materialschlacht. Die beiden wünschten uns eine gute Reise. Wir bedankten uns, denn jeden guten Wunsch können wir gebrauchen. Morgen geht’s nun richtig los.