Autor: Fredy

Tag 20: (02.11.14) Fort Walton Beach – Pensacola

Distanz: 84 km / Gesamt: 1584.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 03 Min. / Durchschnitt 16.57 km/h

Morgens 11, Nachmittags 20 Grad, Wind im Verlauf des Tages nachlassend, schräg von vorn  GPS Track wie von uns gefahren    /  GPS Track empfohlene Variante

just miles

Heute startete der Tag wieder kalt und windig. Aber wir freuten uns auf eine lange Fahrt durch schneeweisse Sanddünen auf „Santa Rosa Island“. Zumindestens „Google Maps“ hatte uns diesen Weg vorgeschlagen.
Doch schon nach 4 Kilometern kam die Ernüchterung. Eine Warntafel, ein Gitterzaun und ein Wachhäuschen machten klar, das dieser Teil der Dünen für andere reserviert war. Nein hier besteht keine Gefahr, das deutsche Pauschaltouristen mit dem Strandtuch schon am Morgen alle guten Plätze besetzten, hier wird schweres Geschütz aufgefahren! Das ganze Gebiet wird von der „US Air Force“ beansprucht. Hier werden die Jungs offenbar auf Einsätze im Sand trainiert und dabei soll keiner zuschauen. Für uns bedeute das, wieder 4 Kilometer zurück und auf dem Highway 98 Richtung Pensacola. Nicht wirklich schön auf dieser Strasse, aber zumindest teilweise war ein Seitenstreifen vorhanden. Also etwas Sicherheit. Hier rasen die Autos mit 65 Meilen, also knapp 120 km/h (und oft schneller) an uns vorbei. Zum Glück war heute Sonntag und so war der Verkehr gegenüber der Woche doch weniger stark und vor allem waren kaum grosse Lastwagen unterwegs. Wer also eine Velotour in den USA plant, tut gut daran Samstage und Sonntage wenn immer möglich als „Fahr-“ und nicht als „Ruhetage“ zu planen.

Hallo Anja: Auf der eintönigen Fahrt auf dem Hwy 98 ist uns das aufgefallen: Liäbi Grüäss a Wohngruppä Andorra i dä EPI.

Hallo Anja: Auf der eintönigen Fahrt auf dem Hwy 98 ist uns das aufgefallen: Liäbi Grüäss ad Wohngruppä „Andorra“ i dä EPI.

Was uns in den letzten Wochen auch aufgefallen ist sind endlose Baustellen. Sie beginnen mit einer Tafel „road work ahead“, dann folgen oft grosse orange Pilonen, welche die Fahrbahn verengen, meist auf der Seite der Rad- und Pannenstreifen, dann eine Hinweistafel dass bei Anwesenheit der Bauarbeiter die Geschwindikeitsbussen doppelt so hoch ausfallen wie sonst und dann folgt Kilometerweit nichts! Kein Arbeiter, keine Baumaschine, nur halb aufgerissene Strassen. So auch heute. Mehr als 10 Kilometer fuhren wir an einer Baustelle entlang. Oft war der Seitenstreifen aufgeraut und mit unseren beladenen Fahrrädern kaum fahrbar. Wenn wir Glück hatten, war rechts noch ein Teil der Oberfläche intakt und wir hatten 40 bis 50 cm akzeptable Fahrbahn, aber leider nicht immer.

Da sind wir ja schn mal zufrieden. Oft war alles aufgeraut = unfahrbar!

Da sind wir ja schon mal zufrieden. Oft war alles aufgeraut = unfahrbar!

So war die Fahrt nicht sonderlich attraktiv und wir planten in Navarre über die Brücke auf den vorgelagerten Küstenstreifen zu fahren. Doch die Fahrbahn war einspurig, eng und erschien uns in Sachen Verkehr zu unsicher. Auf dem sehr schmalen Fussgängerweg kamen wir mit unseren Rädern auch nicht durch: zu eng!

Kein Platz für unsere Räder!

Kein Platz für unsere Räder! Hier hätten wir die Fahrbahn nehmen sollen um auf den Gulf Island National Seashore zu gelangen. Das haben wir leider verpasst. Danach kam keine Brücke mehr 😦 

Wir hatten den Eindruck, dass je wohlhabender eine Region war, desto schlechter war die Infrastruktur für Fahrradfahrer. Was wir seit Panama City bis hier an der Esmeralda Coast gesehen hatten, war bis jetzt der absolute Tiefpunkt in Sachen Fahrradstreifen oder fahrbaren Trottoirs.
Die Gegend rühmt sich zwar mit den schönen weissen Sandstränden und den vielen teuren Hotels als Top Feriendestination, aber ist offensichtlich nur für den Autofahrer gedacht.

Entlang der "Esmeralda Coast"

Entlang der „Esmeralda Coast“

Also blieben wir auf dem Hyw 98 und machten kurz vor der grossen Brücke, die uns nach Pensacola bringen würde, eine späte Mittagspause. Im Restaurant noch schnell ins Internet, eine Unterkunft für heute Abend gebucht, die letzten warmen Sachen ausgezogen da es nun angenehm warm wurde und so konnten wir die letzten Kilometer in sommerlichem Outfit entspannt zurücklegen. Die Brücke über die Pensacola Bay hatte zum Glück einen breiten Seitenstreifen auf dem wir sicher die lange Überfahrt machen konnten.

Bereit zur Überfahrt?

Bereit zur Überfahrt?

Der Schattenfahrer auf der Brücke.

Der Schattenfahrer auf der Brücke.

Die Tafel am Brückengeländer irritierte uns ein wenig: Wie sollten wir hier weiterkommen, falls wir einen Platten einfangen würden und das Flicken auf der Brücke offensichtlich unter Androhung von Busse nicht erlaubt war? Zum Glück hatten wir ja gestern das „Pannenkontingent“ schon ausgeschöpft und blieben heute davon verschont.

Was wäre wenn ....?

Was wäre wenn ….?

Die Fahrt durch die Altstadt von Pensacola brachte für uns eine angenehme Überraschung. Viele alte, sehr liebevoll gepflegte Häuser. Dazu perfektes Sonnenlicht, so dass alles in einem speziellen Glanz erschien. Die Stadt soll gemäss Wikipedia bereits 1559 gegründet worden sein und ist somit die erste Siedlung von Europäern auf dem Gebiet der heutigen USA.
Da wir das Hotel nur wenige Kilometer westlich der Altstadt gebucht hatten, konnten wir uns trotz tief stehender Sonne, wir haben ja seit heute auch Winterzeit, etwas Zeit für eine kleine Rundfahrt durch den „Historic District“ mit den Rädern nehmen. (Hier ein paar Bilder)

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Wir haben in Pensacola noch ein neues Strassenschild kennen gelernt.

Wir haben in Pensacola noch ein neues Strassenschild kennen gelernt.

Morgen wird dann ein „Schlüsseltag“, denn wir müssten bis um 5 Uhr die letzte Fähre von „Fort Morgan“ nach „Dauphin Island“ erreichen und zudem muss die Fähre auch noch fahren. Diese Fähre wird leider oft eingestellt, sei es wegen technischer Probleme oder wegen stärkeren Winden. Hoffen wir also das Morgen alles klappt. Sollte das aus irgend einem Grund nicht gehen, können wir New Orleans im geplanten Zeitraum nicht mehr erreichen und müssten die letzte Strecke per Mietwagen zurücklegen. Also drückt uns die Daumen und ich hoffe, dass ich euch morgen, Internetzugang vorausgesetzt, von unserer erfolgreichen Ankunft in „Dauphin Island“ berichten kann.
Euch allen einen guten Start in die neue Woche.

Fazit: Zuerst die Arbeit (Hyw98) und dann das Vergnügen (Altstadt Pensacola)

Übernachtung: Suburban Extendet Stay, Pensacola

Tag 19: (01.11.14) Panama City Beach – Fort Walton Beach

Distanz: 84 km / Gesamt: 1500.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 31 Min. / Durchschnitt 15.17 km/h

Ganzer Tag kalt (Morgen 9, Nachmittag 16 Grad, ), böiger Gegenwind mit 40 in Böen 60 km/h  GPS-Track

Gegenwind

Der heutige Tag lässt sich kurz in einem Wort zusammenfassen: Gegenwind.

– Tatsächlich viel Wind genau aus der Richtung, in die wir wollten
– Temperatursturz am Morgen nur 9 Grad (mit dem Wind fühlte es sich eher wie 3 Grad an)
– Heute hat uns der Pannenteufel eine Lektion erteilt.

Bereit den "Kampf" gegen Kälte und Wind aufzunehmen.

Bereit den „Kampf“ gegen Kälte und Wind aufzunehmen.

Wir sind heute extra früh aufgestanden, denn wir wussten aus dem Wetterbericht, nicht nur die Teilnehmer des IRONMAN Wettkampfs in Panama City Beach, sondern auch wir mussten uns auf sehr unangenehme Wetterverhältnisse einstellen. Schon die Kleiderauswahl erwies sich als nicht ganz einfach. Nach diversen Versuchen standen wir um 8 Uhr in der Montur „kurze Winterausfahrt an einem kühlen aber schönen Januartag“, startbereit vor dem Hotel.
Nun einfach alles ruhig angehen, Tritt für Tritt und sich mit dem Gegenwind langsam einpendeln. Der Start gelang gut und wir waren froh eine Trittkadenz gefunden zu haben, die uns nicht zu sehr anstrengte und trotzdem gegen den Wind 15 -17 km/h möglich machte. So fuhren wir auf der „98“ Richtung Westen. Kurz vor dem zweiten Stop entdeckten wir das Schild „Eden Garden State Park“. Das tönte für uns gut, konnten wir doch damit rechnen, zu mindestens eine warme Toilette und evtl. sogar einen kleinen Besucherraum zu finden, in dem wir uns aufwärmen konnten. Bei solchen Temperaturen unterwegs zu sein, empfinde ich als sehr anstrengend. Das grösste Problem für mich ist jedoch, dass ich trotz kalten Temperaturen durch die Anstrengung ins Schwitzen kommen, dadurch die Leibchen am Oberkörper feucht werden, was wiederum ein unangenehmes Kältegefühl auslöst.

In der Hoffnung uns aufwärmen zu können, haben wir am Parkeingang 4 Dollar Eintritt bezahlt.
Naja, so richtig toll war das dann nicht. Im Garten stand ein schönes Haus, draussen Bäume mit „spanisch Moos“ und viel Schatten im Park.

Haus im "Eden Garden SP"

Haus im „Eden Garden SP“

Nach einem kurzen Rundgang und Toilettenbesuch hatten wir genug gesehen und waren froh auf der „98“ zumindest nicht im Schatten fahren zu müssen.
Mittagspause legten wir in einem originellen Restaurant mit dem Namen „the caf“ ein. Wir genossen die besondere Atmosphäre und für einen Moment hatten wir fast das Gefühl, in Mexiko zu sein.

In Mexiko?

In Mexiko?

Frisch gestärkt ging es wieder auf die Strasse. Langsam hatte auch die Sonne ihre Kraft entfaltet und wir konnten immerhin gut 15 Grad messen.
Bald erreichten wir Destin. Ein hübsch herausgeputzter Ort, aber irgendwie unwirklich, nach all den vielen auch armen Gebieten die wir in den vergangenen Tagen gesehen hatten. Hier sah alles perfekt aus und zumindest die Fassaden machte einen tadellosen Eindruck.
Das ganze Gebiet das wir durchquerten schien erst einige Jahre alt zu sein. Da und dort wurde noch gebaut und die ermöglichte einen guten Einblick in die auch heute noch übliche „einfache Spanplattenbauweise“ mit der selbst im Jahr 2014 hier noch Häuser gebaut werden. Einfache Holzständerkonstruktionen, als Wände Pressholzplatten, darüber eine Plastikfolie als Schutz und zum Schluss einen schönen Putz aufgetragen. Fertig ist die (Alb-) Traumvilla. Wir wollen uns lieber nicht vorstellen, wie dieses Gebiet in 30-40 Jahren aussehen wird. „Minergie“ oder ähnliches ist hier mehr als nur ein Fremdwort.

Villen in allen Stielrichtungen

Villen in allen Stilrichtungen

Aber nur für "Auserwählte"

Aber nur für „Auserwählte“

Ohne Verputz ist die Bauweise sichtbar.

Ohne Verputz ist die Bauweise sichtbar.

Diese Parzelle ist noch zu haben. Intressenten können sich melden. Gegen Provision werden wir vermitteln. :-)

Diese Parzelle ist noch zu haben. Intressenten können sich melden. Gegen Provision werden wir vermitteln. 🙂

Auch dies kann gefallen.

Auch dies kann gefallen.

Eigentlich waren wir mit unserem Vorwärtskommen ganz zufrieden und als wir in Destin die Brücke hinüber nach Fort Walton befuhren, freuten wir uns schon auf einen frühen Feierabend. Als ich nach der Brücke einen Blick in den Rückspiegel machte, war sofort klar,dass Barbara ein Problem hatte. Tatsächlich, ihr Hinterreifen war PLATT! So ein Ärger! Bereits die ersten Pumpversuche machten klar, hier würde der grüne Superslime nicht mehr helfen. Also Rad ausgebaute und den Reifen inspiziert. Tatsächlich, wieder so ein kleiner Metallspiess wie ich ihn vor einigen Tagen auch mal hatte. Pinzette hervorgeholt, Übeltäter empfernt, neuen Schlauch eingesetzt, Rad wieder montiert und Gepäck aufgeladen. Während dem Gepäckladen stopte ein Auto bei uns am Strassenrand. „Wie gehts euch? Habt ihr Probleme?“ fragte ein freundlicher Mann um die 30. „Nein, danke, es ist alles ok. Wir haben soeben einen Platten geflickt und fahren jetzt weiter“ antworteten wir. „Na dann ist ja gut“ sagte er, „ich hab euch gesehen und wollte nur nachschauen, ob alles ok ist. Eine gute Fahrt!“ Er stieg ins Auto und fuhr in die Gegenrichtung davon. Der muss uns also auf der gegenüberliegenden Strassenseite gesehen haben, ist mangels Wendepunkt über die Brücke gefahren, hat dort irgendwo gewendet nur um zu uns zurückzukommen und seine Hilfe anzubieten. Solche Erlebnisse freuen uns immer wieder und wir frage uns, wie würden denn wir zu Hause reagieren? Thank’s für diese netten Gesten.

Auf der Brücke im Wind. (kurz danach der erste Platten)

Auf der Brücke im Wind. (kurz danach der erste Platten): Fahnen sagen mehr als Worte!

Nur noch 6 km. bis zum Hotel. Da kommt Freude auf! Trotz kaltem und zum Teil sehr heftigem Wind haben wir also das Ziel vor Augen. Nach nur 600 Meter Fahrt ruft Barbara hinter mir schon wieder „Hinterreifen ist platt“. Das gibt s doch nicht, fuhr es mir durch den Kopf. Also das Ganze nochmal! Wir hatten beide wirklich keine Lust mehr zumal wir an dieser Stelle dem kalten Wind schutzlos ausgeliefert waren. Es half nichts, wir musste dies Schlauch nochmals wechseln. Bevor der neue eingesetzt wurde, habe ich den Pneu nochmals sorgfältig nach möglichen Ursachen abgesucht. Tatsächlich, ich konnte nochmals eine kleines Metallstück spüren und mit der Pinzette entfernen. Wir nahmen also den letzten Schlauch aus unserem Vorrat und setzten diesen erfolgreich ein, so dass wir das Hotel nach einem anstrengenden Tag um halb sechs Uhr Abends erreichten.
Morgen gibts Programm nach Ansage. Es soll etwas weniger Wind haben und so hoffen wir, zumindest bis Pensacola zu kommen.

Fazit: Ein Supertag zum Kiten, Windsurfen, Segeln, aber Fahrradfahren? Wer kommt auf diese Idee?

Übernachtung: Best Western, Fort Walton Beach

Tag 18: (31.10.14) Ruhetag in Panama City Beach

sonnig aber stärkerer Wind aus Westen, am Nachmittag 21 Grad

meet the boss

Eigentlich gibt es von einem Ruhetag an der Beach nicht wirklich viel zu berichten. So auch bei uns. Es hiess ausschlafen, ausspannen, Wäsche machen, nächste Tage planen, Lesen, noch fehlende Blogberichte schreiben, am Strand windschattensuchen und sich dort hinlegen, im Pool etwas schwimmen, im Sprudelbad die Muskeln lockern und das war’s auch fast schon.

Aber nur fast. Heute haben sich die Routen von uns und meinem Bereichsleiter der mit seiner Frau per Wohnmobil die USA in West – Ost Richtung durchquert, gekreuzt. Vor einigen Monaten haben wir im Gespräch festgestellt, dass wir ja im Herbst 2014 zur gleichen Zeit in den USA unterwegs sind und fast entgegengesetzte Routen fahren. Folglich mussten sich diese Wege ja kreuzen und so haben wir uns unsere Reisefortschritte  gegenseitig mitgeteilt und konnten uns so heute treffen. Wir haben bei einem gemeinsamen Mittagessen eine gemütliche Zeit zusammen verbracht und wünschen an dieser Stelle Brigitte und Hans weiterhin eine gute Fahrt und noch schöne Tage in Florida. „was nice meeting you“

 

meet the boss

meet the boss at the beach

Tag 17: (30.10.14) Port st. Joe – Panama City Beach

Distanz: 92 km / Gesamt: 1416.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 31 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h

Morgen bedeckt und kalt (16 Grad, Bise), nachmittags 24 Grad, böiger Gegenwind
GPS-Track

cool down

Der Tag startete heute bereits mit einer für uns in letzter Zeit unwichtigen Frage: Was müssen wir anziehen um uns nicht wie auf einer „Spätherbstvelotour bei Ostwindlage im Schweizer Mittelland“ zu fühlen. Barbara machte da schon mal vieles richtig und setzte auf das „Zwiebelprinzip“, bei mir dauerte es etwas länger.
Es war sowieso kein gelungener Start in den neuen Tag. Für Barbara’s Geschmack bin ich heute zu spät aufgestanden, das Frühstück war mässig und als ich ihr nach exakter Ortsbestimmung unseres Hotels verkünden musste, dass es statt der vorausgesagten 78 km auch heute wieder 90 km werden würden, da sackte bei ihr die Stimmung und Motivation in den Keller.

Auf einer so langen und anstrengenden Reise gehören auch solche Momente dazu. Die körperlichen wie auch psychischen Anstrengungen fordern ab und zu eine Pause um die Batterien aufladen zu können. Aber dieser Tag ist erst morgen und so „müssen“ wir halt auch heute die Taschen wieder anschnallen, uns auf die Lieger setzen und losradeln. In solchen Momenten wissen wir beide, warum wir nie mit einem Tandem auf lange Reise gehen würden! So fährt jeder für sich, macht sich so seine Gedanken und die Schönheiten der Landschaft treten mal für einen Moment in den Hintergrund.

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Wir haben auf dieser Reise einen eigenen bestimmten Rhythmus für Toiletten-, Trink- und Dehnungspausen und dieser wird auch heute eingehalten. Beim ersten Stop musste ich tief in meine Satteltasche greifen und die warmen „Beinüberzieher“ sowie eine Jacke hervorholen, die ich eigentlich erst weiter im Westen für nötig erachtete. Aber im Moment zieht gerade eine Kaltluftfront bis tief in den Süden der USA und wird uns die nächsten drei Tage kühlere Temperaturen und vor allem auch kräftige Gegenwinde bescheren. Offenbar wollen die Wettergötter Barbara auf den letzten Tagen doch noch zeigen das hier nicht immer eitel Sonnenschein herrscht.

Wir kommen in "Touristengebiet". Restaurant in "Mexico Beach".

Wir kommen ins „Touristengebiet“. Restaurant in „Mexico Beach“.

Die Fahrt verlief soweit ganz gut, dem kühleren Wetter und der Stimmung sowie dem Wind mussten wir aber tempomässig Tribut zollen. Wieder durch lange Waldpartien und dann während 8 Meilen absolutes Fotografier- und Anhalteverbot. Wir fuhren entlang der „Tyndall Air Force Base“ und über uns kurvten und dröhnten verschiedene, zum Teil riesige Kampfjets auf ihren Trainingsrunden. (Nein dazu gibt es auch für die Aviatikfans keine Fotos. Wir wollten uns nicht mit den Jungs auf eine Diskussion über das Fotografierverbot einlassen. Vermutlich wurden wir als suspekte Radler sowieso auf dem ganzen Abschnitt mit Drohnen überwacht.)
Gegen Mittag war Panama City erreicht und wir wurden velofahrtechnisch nochmals richtig auf die Probe gestellt. Kein Seitenstreifen und eine zweispurige Strasse mit ziemlich rücksichtslosen Autofahrern. Das Trottoir, welches uns in solchen Fällen jeweils als „Notausgang“ zur Verfügung steht, war schlicht „unfahrbar“. Es bestand aus zerbrochenen, schief und krumm verlegten Betonplatten und mittendrin standen immer wieder Stromleitungsmasten oder Verkehrsschilder, so dass wir mit den Liegern zu breit waren. Also war nochmals volle Konzentration, selbstbewusstes Auftreten und Nervenstärke gefragt. Wir haben’s irgendwie geschafft und uns dann bei KFC am Lunchbuffet gestärkt. Mit dem Essen stieg die Stimmung und draussen machte die Sonne ihre Arbeit, so dass wir nach einem kühlen Morgen die wärmenden Sachen wieder ausziehen konnten. Dazu fanden wir auf dem Navi ganz in der Nähe einen „Fluchtweg“ von der Strasse 98 die hier wirklich kaum fahrbar ist. Über kleinere Seitenstrassen haben wir uns durch Panama City durchgearbeitet und kurz vor der grossen Brücke, die rüber nach Panama City Beach führt, meldet Barbara: „Platten hinten!“

Nebenstrasse in Panama City

Nebenstrasse in Panama City mit eigenem Seitenstreifen: Erholung pur nach Verkehrsstress

Also haben wir die Satteltaschen abgeladen, das Rad optisch kontrolliert aber nichts gefunden. Sie fuhr aber buchstäblich auf den Felgen. Sollen wir den Schlauch wechseln oder auf das grüne Wundermittel vertrauen, ob das Loch nach dem Aufpumpen wieder dicht wird? Wir setzten auf die zweite Variante und hatten Erfolg. Tatsächlich scheint der Schlauch wieder ok und wir schafften es ohne Probleme bis zum Hotel.

Die Luft nach steiler Brückenauffahrt bei Barbara zwar drausen aber der Hinterreifen hält dicht.

Die Luft nach steiler Brückenauffahrt bei Barbara zwar draussen aber der Hinterreifen hält dicht.

Bei der Einfahrt an der Hotelmeile stellten wir bald fest das dies hier einer dieser Retortenorte ist, wie sie überall auf der Welt an schönen Stränden hingestellt werden. Riesige Hotels, viele Restaurants und Souvenierläden, Fahrrad- und Mofavermietungen, Vergnügungsparks, schlicht Auswechselbarkeit.

Es gibt Tage, an denen steht einiges "Kopf"

Es gibt Tage, an denen steht einiges „Kopf“ (an der Einfahrt zur „Front Beach Road“)

Es offenbarte sich auch, woher unsere zusätzlichen 10 km in der Routenplanung kamen. Die Hotels an der „Beach Front Rd“ erstrecken sich auf mindestens 10 km. Wenn nun in der Grobplanung nur mal die Strasse als Ziel eingegeben wird, unser Hotel aber ganz am anderen Ende liegt, so kommen da halt einige Kilometer dazu. Aber weil die Sonne schien, es wieder warm und wir auf der „Zielgeraden“ waren, liessen wir uns nicht mehr stressen und fuhren die letzten 40 Min. gemütlich zum Hotel. Immer wieder wurden wir von sportlichen Rennradfahrern überholt. Einmal rief einer sogar „Grüäzi“. Da wurde mir klar, es muss hier am Wochenende der „Ironman Florida“ stattfinden. Mein Arbeitskollege Roger Kern hatte sich ja genau hier vor einem Jahr für den Wettkampf in Hawaii qualifiziert. Diesmal ist er aber nicht dabei und bereitet sich schon auf den Wettkampf in Hawaii vor. Wir müssen dann nach dem morgigen Ruhetag am Samstagmorgen einfach schauen, wie wir trotz für den Wettkampf abgesperrter Strassen wieder gut von hier wegkommen. Aber zuerst ist jetzt mal Pause!

Hier ist Auftanken angesagt. Sollte wohl klappen .-)

Hier ist Auftanken angesagt. Sollte wohl klappen 🙂

Ich weiss, ein weiteer kitschiger Sonnenuntergang. Schön finde ich es trotzdem.

Ich weiss, ein weiterer kitschiger Sonnenuntergang. Schön finde ich es trotzdem.

Übrigens: Weil wir heute trotz „kühlem Start“ wieder einen so guten gemeinsamen Rhythmus gefunden haben, haben uns die Amis doch tatsächlich die von mir „verpennte“ Stunde geschenkt! Ohne es zu bemerken sind wir in der „Central-Standard-Time-Zone“ angekommen und können so die Uhren um eine Stunde zurückstellen. (Aber nur bis Sonntag, dann endet auch hier die „Tageslichtsparzeit“ wie die Sommerzeit hier genannt wird.)
Übernachtung: Beachcomber by the Sea, Panama City Beach

Tag 16: (29.10.14) Panacea/Ochlockonee Bay – Port St. Joe

Distanz: 105 km / Gesamt: 1334.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 27 Min. / Durchschnitt 19.2 km/h

neblig, ganzer Tag bedeckt, feucht, morgens 24 nachmittags 27 Grad, kaum Wind
GPS – Track

A hard day

Die vergangen Nacht im doch kleinen Zelt war unruhig und der Schlaf bei weiten nicht so erholsam, wie man sich das nach einer anstrengenden Etappe wünscht. Wir übten uns heute Nacht also im „synchron-schlafseiten-wechseln“ und der Disziplin „nicht von der Schlafmatte rutschen“. Ich muss gestehen, wir waren nicht wirklich erfolgreich. Seit mehr als 26 Jahren schlafen wir auf Campingplätzen grundsätzlich in Campingbussen oder Wohnmobilen und wir können euch auch erklären warum: Es schläft sich dort 1000 mal besser als in einem kleinen Zelt auf einer zu schmalen Matte!
Da ich aber auf dem Fahrrad keinen Wohnwagen hinter mir herziehen kann und ich damit gerechnet habe, auf der Reise ab und zu mal auf einem Campingplatz übernachten zu müssen, habe ich mir ein kleines, leichtes „2-er Zelt“ gekauft. Grundsätzlich nicht schlecht und mit 1.7kg. auch nicht zu schwer, aber eben, ein Zelt und dazu ein kleines und damit werde ich nie richtig glücklich werden.

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Nebelmorgen am Campingplatz: Gemütlichkeit sieht anders aus:

Irgendwann zeigte dann die Uhr, dass es nun langsam Morgen. Trotz zu wenig Schlaf sehnt man sich in solchen Momenten den Morgen herbei! Wir krochen also aus dem Zelt, ab unter die Dusche und bereit machen für einen neuen Tag. Wieder lag dichter Nebel über uns und das Zelt und alles was draussen war, war in der Nacht durch die hohe Luftfeuchtigkeit richtig nass geworden. So gut es ging, haben wir versucht die Sachen abzutrocknen und sauber einzupacken. Um 9 Uhr noch immer dichter Nebel. Wie in den letzten Tagen also noch zu gefährlich um loszufahren. So haben wir eine gute Stunde bei einer Tankstelle auf der anderen Strassenseite gewartet, etwas gegessen, mit einem Einheimischen geplaudert und etwas getrunken.

Unsere "Startrampe" heute morgen: Brücke über die "Ochlockonee Bay"

Unsere „Startrampe“ heute morgen: Brücke über die „Ochlockonee Bay“

Als sich der Nebel endlich soweit lichtete, das wir losfahren konnten, war es bereits wieder 10 Uhr und heute waren ja nochmals 105 km auf dem Programm. Also wieder, hohe Kadenz und Windschattenfahren. Heute lief das weniger flüssig als gestern. Den anstrengenden Tag mit den vielen Kilometern und der Hitze sowie die schlechte Nachtruhe hinterliessen in unseren Muskeln ihre Spuren. Zum ersten mal auf der Reise hatten wir am Morgen richtig „schwere“ Beine. Trotzdem versuchten wir so gut es ging möglichst 20 – 25 km zu Fahren, eine kurze Trink- und Essenspause einzulegen, die Muskeln zu dehnen und weiter zu fahren.
Bald schon kamen wir, nach einigen Tagen im Landesinneren, wieder an die Küste. Diesmal an die „Gulf Coast“. Das ist einer dieser Orte wo Hurrikan’s regelmässig auf Land treffen und oft viel Wasser und Wind mit sich bringen. Das schlägt sich auch in der Bauart der Häuser hier nieder. Wer am Wasser baut, verzichtet schon mal auf Keller und Erdgeschoss, da man diese sonst nur alle Jahre wieder auspumpen und reinigen müsste. Man verwendet hier eine jahrtausende alte Baumethode, die schon die Pfahlbauer am Bodensee entwickelten.

 

Pfahlbauern auf amerikanisch.

Pfahlbauer auf amerikanisch.

 

Eine weiter Variante.

Eine weiter Variante. Hübsch oder?

Ihr seht, es gibt also auch einige Sachen, welche die Amis vom alten Europa gelernt haben.
Die Fahrt heute eher unspektakulär. Oft fuhren wir der Küste entlang, oder in Waldschneisen, wie gehabt.

Fast ein bischen Bodensee?

Fast ein bisschen Bodensee?

An der Apalachiacola Bay

An der Apalachiacola Bay

Wie gesagt, die Beine waren heute schwer und wir waren froh das es heute zum ersten Mal auf der Reise fast den ganzen Tag bedeckt war. Die Temperatur war mit 27 Grad schon hoch genug, die Luftfeuchtigkeit hatte schon bald das Nivau „Sauna mit zu vielen Aufgüssen“ erreicht. Da hätte uns eine herunterbrennende Sonne wohl den Rest gegeben. Aber wie gesagt, es blieb bedeckt und auf der ca. 9 km langen Brücke über die „East Bay“ vor Apalachicola begann es dann auch noch zu Regnen. Abkühlung wie bestellt!

 

Wieder mal auflangen Brücken.

Wieder mal auf langen Brücken (… und die Oberschenkel brennen).

Apalachicola entpuppte sich im Zentrum als schmucker kleiner Ort mit schönen alten Häusern. Der Ort war gerade dabei sich besonders festlich zu schmücken, denn am kommenden Wochenende findet hier das bedeutendste „Seafood Festival“ in Florida statt. Tja, so lange können wir leider nicht bleiben und ihr müsst die Fische, Krebse, Muscheln und was hier in der Gegend noch so aus dem Meer gefangen wird halt selber essen.

Schnucke Häuser

Schmucke Häuser

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Die Frau von der örtlichen Post wollte unbedingt ein Foto von uns machen:  Hier ist es!

Die Frau von der örtlichen Post wollte unbedingt ein Foto von uns machen:
Hier ist es!

Apropos Essen: Heute haben wir uns hier einmal ein richtig gediegenes „Spätmittagessen“ im „Eulenkaffee“ gegönnt. Nicht zu vergleichen mit den immer gleichen geschmacklosen Sandwiches von der Tankstelle. Nein, heute wurde weiss gedeckt, die Stoffserviette hervorgeholt und feine Pasta serviert.

Vor der Paste natürlich einen gesunden Salat.

So sieht eine gediegene Radlerpause aus.

Wir hatten das nötig und wohl auch verdient, damit wir die verbleibenden 35 km noch gut über die Runden brachten. Nun haben wir s geschafft, sind wieder auf Kurs und werden Morgen mit knapp 80 km wieder einen ruhigeren Tag haben. Und übermorgen? RUHETAG! Wir freuen uns darauf.

Macht übrigens Spass! Mit dem Liegerad auf dem Hotelflur zum Zimmer fahren :-)

Macht übrigens Spass!
Mit dem Liegerad auf dem Hotelflur zum Zimmer fahren 🙂

Fazit: It was a hard day!

Übernachtung: Mainstay Suites, Port St. Joe

Tag 15: (28.10.14) Perry – Panacea /Ochlockonee Bay

Distanz: 137.8 km / Gesamt: 1229.65 km / Fahrzeit: 6 Std. 54 Min. / Durchschnitt 20.0 km/h :-))

sonnig, morgens 18 nachmittags 30 Grad, kaum Wind, GPS-Track inkl. Umweg!

Extra-MILES4KOKOU

Heute sind wir früh aufgestanden, denn gemäss Routenplanung stand uns heute eine Etappe von 105 km. bevor. Im Wissen das die Kilometer, die wir nach 13.00 Uhr abspulen, wegen der Hitze jeweils fast doppelt so anstrengend sind, wollten wir früh losfahren. Aber auch heute wieder NEBEL! Schlicht zu gefährlich bei diesen Bedingungen zu starten. Das wir gut gesehen werden ist für uns überlebenswichtig! Also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und uns nochmals für eine Stunde ins Bett gelegt. Energie auftanken kann ja nicht schaden. Um halb zehn schafft es die Sonne, den Nebel langsam zu „verbrennen“ und die Sicht ist so gut, dass wir starten können.

Der Wasserturm von Perry taucht aus dem Nebel auf. Zeit um loszufahren.

Der Wasserturm von Perry taucht aus dem Nebel auf. Zeit um loszufahren.

Routenwahl? Kein Problem, immer gerade aus! So sind wir aus Perry raus gefahren und nach etwa drei Kilometer kam mir noch der Gedanke, ob wir wohl auf der richtigen Strasse sind? Gedanken kommen und gehen. So auch dieser. Was soll an der Strasse schon falsch sein. Wir radelten unbekümmert weiter und schlugen ein gutes Tempo an. Der „A-Train“ (Artho – Zug) war in voller Fahrt. Im morgendlichen Übermut ständig 23 – 24 km auf dem Tacho, da kommt Freude auf.

The "A-Train"

The „A-Train“

Nach etwa 30 km legten wir einen ersten Verpflegungsstop ein. Trinken, was kleines Essen, Muskeln dehnen. Das übliche Programm. Spasseshalber frage ich Barbara, „soll ich mal auf dem Handy überprüfen, ob wir überhaupt auf der richtigen Strasse fahren?“ Nehme mein Handy hervor und: Schock! Wir fahren seit dem Start in Perry auf der Strasse nach Tallahassee, also zu weit nördlich. Genau in diese Gegend wollte ich nicht!

Nein, es darf doch nicht wahr sein!

Nein, es darf doch nicht wahr sein!

Erstens sind dort die Strassen für Radler schlecht und zweitens entgeht uns ein toller Teil der „Gulf Coast“. Es dauerte einen Moment bis ich begriff, dass ich bereits ein zweites mal auf der Tour navigatorisch einen „Riesenbock“ geschossen hatte. Recht schnell war klar, zurück ist keine Alternative. Da sowohl für heute und auch Morgen Etappen über 100 km geplant waren, konnte dieser Umweg das ganze Konzept durcheinander bringen und uns allenfalls gar den geplanten Ruhetag in Panama City Beach zunichte machen.
In Sekundenbruchteilen durchlief ich das ganze „SARAH-Prinzip“ das Psychologen für die Bewältigung von unerwarteten Ereignissen als Grundmuster definiert haben und das wohl jeder in einen Firmenkurs zum Thema „Umgang mit Veränderungen“ in den letzten Jahren mal gehört, wenn das Management der Belegschaft mal wieder einen Kurswechsel schmackhaft machen wollte.
Die Buchstaben SARAH stehen ja bekanntlich für die 5 Phasen, wie wir Menschen mit unerwarteten Ereignissen umgehen. Das war heute bei mir exemplarisch der Fall:
S = surprise = Überraschung = genau so war es!
A = anger = Wut = ja das hatte ich, und nicht zu wenig
R = resistance = Wiederstand, nicht wahr haben wollen = das wollte ich, aber GPS war gnadenlos
A = acceptance = Akzeptieren = was blieb mir anderes übrig
H = hope = Hoffnung = Die kam mit einem neuen Routenvorschlag auf den (Handy-) Navi

Also, wenn wir noch etwa 15 km weiterfuhren, dann auf kleinen Nebenstrassen nach Süden abbogen, konnten wir wieder auf die ursprünglich geplante Route stossen. Es würde die heuteige Etappe um etwa 30 zusätzliche Kilometer verlängern. Da haben wir an die vielen „Miles4Kokou“ Sponsor_innen gedacht und wie dringend Elisabeth und Kokou auf jeden Beitrag angewiesen sind und die Entscheidung war klar. Wir radeln heute unseren „Supertag“ und machen diesen Umweg, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.
Es ging auf kleinen sehr ruhigen Nebenstrassen Richtung Süden. Viel Farmland, das aus dem Waldgebiet gerodet wurde.

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Auf Umwegen: Fast ein bisschen wie bei uns „über Land“.

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Autofreier Sonntag!!! 🙂 Wer weiss noch wie das war?

Zum Glück kaum Verkehr und Barbara rief einmal: „Wie an einem Autofreien Sonntag“. (Sorry, alle die nach den 70er geboren sind, haben diese tolle Erfahrung leider nicht mehr machen können. Da konnte man am Sonntag auf der Autobahn mit den Velos fahren!!! Wär doch mal wieder Zeit für so was, oder?) Genauso wie damals fühlten wir uns. Die Strasse für uns, die Sonne von oben und noch viele Meilen vor uns.

Endlich: Zurück auf der 98. Von Perry kamen wir, nach Newport wollten wir.

Endlich: Zurück auf der 98.
Von Perry kamen wir, nach Newport wollten wir.

Der Rest des Tages, unspektakulär. Da wir soviele km machten, wollten wir uns heute statt des geplanten Campingplatzes ein Motel gönnen. Doch das einzige im Ort war voll besetzt, also nochmals 7 km bis zum Fluss und um 18.30h fuhren wir kurz vor Sonnenuntergang endlich auf den Campingplatz.

Das haben sie heute ganz schön gemacht.

Das haben sie heute ganz schön gemacht.

 

Die Rezeption war schon geschlossen. Schnell Moskitospray eingesetzt, das Zelt aufgestellt und noch etwas aus unserem Vorrat gegessen. Anschliessen einen ersten Blogentwurf ins iPad getippt, abschicken klappt mangels Internetzugeng heute nicht mehr. Also deshalb für euch liebe Blogleser-innen:

Morgen zwei auf einen Streich: Gute Nacht!

Fazit: Im Zeitalter von GPS Handys dem inneren Kompass zu vertrauen ist zumindest auf einem Fahrrad unvernünftig! Für Elisabeth und Kokou ist aber jede Zusatzmeile etwas wert 🙂

Übertnachtung: Holiday Campground, Panacea

Tag 14: (27.10.14) Cross City – Perry

Distanz: 74.00 km / Gesamt: 1091.85 km / Fahrzeit: 3 Std. 33 Min. / Durchschnitt 20.8 km/h

sonnig, morgens 18 nachmittags 30 Grad, kaum Wind (GPS-Strecke)

Alte Zeiten

Heute lag wieder einmal Nebel über der Stadt, als wir uns langsam auf den Weg machen wollten.

Morgens um halb 9.

Morgens um halb 9.

Zum Glück hatten wir heute nur eine kürzere und flache Etappe vor uns, so dass wir mit der Abfahrt etwas warten konnten, bis sich der Nebel gelichtet hatte. Als wir so gemütlich die Räder startklar machten, kam ein Zimmernachbar und fragte wiedereinmal nach dem „woher und wohin“. Ich musste mich richtig konzentrieren ihn zu verstehen, denn in dieser Gegend wird die Aussprache, auch für geübte USA Reisende, langsam aber sicher schwierig zu verstehen. Als ich ihm sagte, wir seien unterwegs nach New Orleans entgegnete er: „Da müsst ihr zuerst einmal lernen, wie man das ausspricht. Das heisst nicht New Orleans sondern N’arlins“. Alles klar?
Die Fahrt begann verheissungsvoll auf einem separaten Fahrradtrail und als wir gerade  einen guten Rhythmus aufgenommen hatten, kam mitten im Nirgendwo das abrupte Ende. Bei der letzten Kreuzung kein Hinweis das wir nun in eine Sackgasse fahren würden.

Nicht wirklich motivierend am Morgen.

Nicht wirklich motivierend am Morgen.

Also Räder umgedreht und wieder einen Kilometer zurückgefahren. Von nun an ging es auf dem Seitenstreifen der Strasse 27 oder 19 oder 98 entlang. Es spielt keine Rollewelche Nr. man wählt, denn diese Strasse trägt alle drei Bezeichnungen gleichzeitig.

1 Strasse = 3 Bezeichnungen

1 Strasse = 3 Bezeichnungen

Die Fahrt war ziemlich ereignislos. Wie schon gestern fuhren wird durch eine grosse Waldschneise, in der Regel geradeaus, alle paar Kilometer mal eine kleine Richtungsänderung und das war’s denn auch schon. Nach gut 25 km sahen wir in Johnesboro eine kleine Ansammlung von Häusern im angrenzenden Wald verstreut, an der Strasse eine Tankstelle mit Shop.

Schmucke Kirche am Strassenrand

Schmucke Kirche am Strassenrand

Das war perfekt um die Getränke und Verpflegung aufzustocken. Auf dem Vorplatz trafen wir auf einen anderen Radfahrer. Er war mit einem Fahrrad mit Starrlauf und ohne Gangschaltung unterwegs, hatte auf dem Gepäckträger eine Kiste und am Rücken ein alter Rucksack mit Aluminiumgestell aus den 70er. Wir plauderten kurz zusammen und er erzählte, dass er von Alabama aus auf dem Weg nach Key West sei. Er arbeite dort im Winter jeweils auf Schiffen als Fischer oder auch in Bootswerkstätten. So pendelt er hin und her und fährt jeweils im Frühjahr mit dem Rad zurück nach Alabama zu seinem Sommerjob. Wir konnten nicht erfahren ob er dies aus purer Freude so machte oder aus finanziellen Überlegungen. Auf jeden Fall wirkte er sehr entspannt und mit sich und der Welt zufrieden. Ich habe ganz vergessen ihn um ein gemeinsames Foto zu bitten und schon war er weg. Ein Wanderarbeiter wie in alten Zeiten, der sich aufmacht, neue Arbeit zu suchen.

Da fährt er, auf der Suche nach Arbeit.

Da fährt er, auf der Suche nach Arbeit.

Wir fuhren weiter und kamen zügig voran. Nichts was uns ablenkte. Nichts als Wald links und rechts, Autos und Lastwagen die an uns vorbeirauschten und alle paar Minuten ein Holztransporter, die mit zum Teil abenteuerlich geladenen Holzstämmen an uns vorbei donnerten. In dieser Gegend hat die Forstwirtschaft eine grosse Bedeutung.

Laut, schnell und manchmal sehr nah!

Laut, schnell und manchmal sehr nah!

Wir warteten auf die nächste, in der Karte verzeichnete Ortschaft „Salem“. Dort wollten wir nochmals einen Halt einlegen und kühle Getränke nachladen. Doch nach dem Ortsschild sahen wir nicht mehr als verlassene Häuser und Motels. Offenbar hat dieser Ort in den letzten Jahren seine Existenzgrundlage verloren. Die Autos fahren heute oft weiter nördlich auf den schnelleren Autobahnen quer durch’s Land. Wer hier durchfährt sieht offenbar keinen Grund mehr anzuhalten. Die Autos sind in den letzten 30 Jahren immer besser und die Reichweite grösser geworden, warum also in Salem einen Stop einlegen?
Der Besitzer des Motels musste das wohl auch eines Tages einsehen. Als wir so durch das verlassene Motel streiften dachte ich mir, wie das wohl gewesen ist, als der Besitzer von hier fortging? Hat er die Zimmer damals überhaupt abgeschlossen? Es kam ja sowieso niemand mehr. Die Buchstaben mit denen früher ein besonderer Rabatt oder das Frühstück auf der „Stecktafel“ am Strassenrand angekündigt wurden, lagen nutzlos unter dem Vordach und langsam nahm die Natur diesen Platz wieder für sich ein.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

old times

old times

Hier einige Bilder des Motels welches seine guten Zeiten schon lange hinter sich hat.

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Ja vieles in dieser Gegend erinnert an längst vergangene Zeiten. Die alten Restaurants, sofern sie nicht zu den internationalen Fast Food Ketten gehören, die viele ärmlichen Häuser die oft etwas schief und mit Blechdächern bedeckt am Wegrand stehen, bis zu den Menschen, ihren Frisuren und der Kleidung. Hier im tiefen Süden der USA scheint die Zeit manchmal in den 70er stehen geblieben zu sein.

Perry, wo wir übernachten, ist ein regionales Zentrum in dem es wieder viele Geschäfte, Fast Food Restaurants, Motels etc gibt.

Perry: Willkommen im hier und jetzt.

Perry: Willkommen im hier und jetzt.

Die nächsten zwei Tage heisst es dann nochmals „Meilen machen“ um dann an der Golfküste in der Gegend von Port St. Joe wieder in dichter besiedeltes Gebiet zu kommen. Dann gibte es wieder mehr Übernachtungsmöglichkeiten um die Etappen flexibler gestalten zu können.

Fazit: Heute fuhren wir nicht nur fast ausschliesslich durch den Wald, sondern haben uns auch ein bisschen auf eine Zeitreise begeben.

Übernachtung: Days Inn, Perry

Tag 13: (26.10.14) Gainesville – Cross City

Distanz: 84.63 km / Gesamt: 1017.85 km / Fahrzeit: 4 Std. 39 Min. / Durchschnitt 18.1 km/h

sonnig, morgens kühl, 16 nachmittags 28 Grad, kaum Wind

Zum ersten Mal!

Heute haben wir viele „zum ersten Mal“ erlebt.
Zum ersten Mal sind wir heute bei Mc Donalds gewesen.
Zum ersten Mal haben wir unterwegs einen Reifenwechsel machen müssen.
Zum ersten Mal haben wir auf einer Fahrradtour die 1000 km Marke geknackt.

Bereits gestern auf dem Gainesville-Trail bemerkte ich, das bei meinem Vorderrad der Reifendruck nachgelassen hatte. Nicht weiter schlimm, das war schon mal in Miami Beach so und nach ein paar kräftigen Stössen mit der Pumpe hat der Reifen einige hundert Kilometer dicht gehalten. Aber heute Morgen war klar, die von uns in die Reifen eingefüllte grüne „Dichtungsflüssigkeit“ konnte diesmal den Luftverlust nicht mehr genügend unterbinden. Deshalb als Frühsport heute mal „plattenflicken“ im Hotelzimmer. Der Übeltäter war bald gefunden. Ein ganz fieses, dünnes aber sehr spitzes Drahtstück hatte sich durch den von der Firma „Schwalbe“ so hoch gelobten „unplattbaren“ Reifen gebohrt.

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Der Reifenkiller!

Dabei hatte er auch den Schlauch ziemlich grosszügig aufgeschnitten, so dass die Dichtungsmasse statt das Loch abzudichten, ausfloss. Ich war also schon am Morgen mit einer ziemlichen „Sauerei“ konfrontiert aber versuchte trotzdem den Schlauch am Leben zu erhalten, denn die Reise ist noch weit und Ersatzschläuche für meine Reifengrösse sind hier nicht einfach aufzutreiben.
@ Markus von „Fateba“: Ich hoffe du hast in der Zwischenzeit Nachschub bekommen, falls du mir welche rüberschicken musst 😉
Also Flicken drauf, aufgepumpt, Satteltaschen auf die Pferde und los.

startklar

startklar

Ja, ohne Frühstück. Wir waren in einem dieser lausigen Motels, die dir am Morgen nur einen abgestandenen Kaffee aus einer Thermoskanne anbieten. Also liessen wir es gleich bleiben und besorgen uns beim nächsten „Food Store“ etwas für den Start in den neuen Radlertag. In Gainesville ist mit der „Universityt of Florida“ eine der grössten UNI’s der USA zu Hause. Das UNI Gelände ist riesig, wie eine eigene Stadt. Da heute Sonntag nicht viel los war hatten wir eine ruhige Fahrt auf den „UNI-Strassen“. Kaum Autos unterwegs, nur die „University Police“ fuhr mit ihrem Streiffenwagen eine Runde. Ja, sogar eine eigene Polizei gibt es auf dem Gelände. Wir hatten richtig spekuliert und einen schönen, sonnigen Platz entdeckt, wo wir an diesem sonnigen, aber noch kühlen morgen unser Frühstück geniessen konnten.

Hätten wir gewusst, was gerade auf uns wartete, wir hätten zusätzlich noch mindestens einen „Snickers“ verdrückt. Kaum waren wir auf der Ausfallstrasse, ging es los: Hügel rauf und wieder runter, Hügel rauf und wieder runter, ….. und diesmal reden wir nicht von „Bodenwellen“ sondern von diesen kurzen, aber knackigen Anstiegen die lange genug sind, dass du mit dem Schwung der vorangegangenen Abfahrt die Gegensteigung max zu einem Drittel schaffst. Der Rest ist pure Kraftanstrengung. Dies ging einige Kilometer so weiter und als es langsam weniger Hügel wurden, leuchtete uns ein gelbes „M“ entgegen. Barbara begann hinter mir mit ihrer „Papageienhupe“ wie wild zu quicken. Das ist für mich ein sicheres Zeichen, dass ich anhalten muss, da es sich offenbar um ein Notfall handelt. „Fahren wir zum Mäc?“ rief sie von hinten und das machte die Sache nur noch ernster. Wer sie kennt weiss, dass sie nicht unbedingt auf diese Kette mit dem gelben „M“ steht, aber wenn das ihr Wunsch war, so musste sie schon ziemlich am „Anschlag“ sein. Also rechts raus, bei „M“ rein und mal kühle Kalorien reinschütten. Es gab wirklich gute  Frappes, es hatte einen sauberen „Bathroom“ (so nennt man die Toilette, auch wenn man dort nicht wirklich badet) und die Fahrräder konnten wir durch die Scheiben im Blick behalten. „A perfect place.“

Rettung beim grossen M

Rettung beim grossen M

Danach wurde es zum Glück immer flacher und wir kamen in einen guten Rhythmus. In Newberry, einem kleinen verschlafenen Nest, entdeckten wir dann auch das Spielzeug der „Jungs“ in dieser Gegend. Da es hier offensichtlich genügend Schlamm und Matsch gibt, bauen sie Fahrzeuge um genau auf diesem Untergrund „Rennen“ durchführen zu können. Dies offenbar bevorzugt am Wochenende, denn heute kamen uns viele solcher Monster auf Anhängern entgegen.

Newberry hat sich für Halloween herausgeputzt.

Newberry hat sich für Halloween herausgeputzt.

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„Spielzeug“ für grosse Jungs

Ansonsten viel geradeaus, auf Stassen die in breiten Schneisen schnurgerade durch Wälder führten. Leider war der frische Duft von Baumharz nur allzuoft vom Verwesungsgestank der vielen überfahrenen Tiere überdeckt.

Immer geradeaus!

Immer geradeaus!

Kilometer um Kilometer spulten wir ab. Meist nach 20 km legen wir einen Stop ein, trinken oder essen etwas und dehnen unsere Muskeln, damit wir für die nächste Etappe wieder fit sind.

Für Robyn: Ich habe heute extra für dich nochmals einen Vogel aufgenommen: Einen "Sommervogel",

Für Robyn: Ich habe heute extra für dich nochmals einen Vogel aufgenommen: Einen „Sommervogel“,

Bald mussten wir jedoch einen unplanmässigen Stop einlegen. Mein Reifenflick vom Morgen hatte nicht gehalten. Ein schwammiges Fahrgefühl machte sich bemerkbar und bei der Kontrolle war klar, der Schlauch muss gewechselt werden.

Dauerte noch 15 Min. Das kann noch verbessert werden!

Dauerte noch 15 Min. Das kann noch verbessert werden!

Nach 975 km bin ich zufrieden. Wenn dies die Kadenz der Reiffenpannen ist, so kann ich nicht klagen.
Bald nach dem Reifenwechsel galt die besondere Aufmerksamkeit dem Gesammtkilometerzähler und kurz nach Überquerung des Suwannee River war es soweit. Die ersten 1000 km der Tour waren vollendet!

1000 km geschafft!!!

1000 km geschafft!!!

 

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Willkommen in der Heimat der „Dixy Music“.

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Also anhalten, Erinnerungsfoto machen und ein bischen stolz sein, dass es bis jetzt so gut geklappt hat. Während wir so am Strassenrand stehen und uns freuen stopt ein Auto gleich neben uns und ein Mann um die 60 steigt aus. „Seit ihr Langstreckenfahrer“ will er wissen? „Ja“ antworten wir und dass wir uns gerade über den ersten 1000er freuen. Er hätte sich das gedacht, sagte er. Er sei vorhin an uns vorbeigefahren und da er auf der Internetplatform „Warmshowers“ Übernachtungsmöglichkeiten für Radfahrer anbiete, sei er umgekehrt und wollte nun wissen, ob wir für heute Nacht schon ein Schlafplatz hätten, sonst könnten wir gerne zu ihm kommen und ob wir „Warmsohwers“ kennen? Wir erklärtem ihm, dass wir selber Gastgeber bei „Warmshowers“ sind, für heute aber ein Motel gebucht haben. Wir plauderten noch eine Weile zusammen am Strassenrand und er fragte nach unserer Adresse, falls er es doch einmal noch schaffe in die Schweiz zu kommen. Wir gaben ihm unsere Visitenkarte, so kann er uns auf „Warmsohwers“ finden. Er verabschiedete sich und wünschte uns, wie schon so viele zuvor, eine sichere Reise. Wir finden es wirklich bemerkenswert, das er extra umgekehrt und zu uns zurückgefahren ist, nur um uns bei sich einen Schlafplatz anbieten zu können.

Die letzten 17 km verliefen problemlos und wir checkten im „Carriage Inn“. Da unsere Pferdchen im Zimmer keinen Platz fanden, stellte uns das nette Besitzerpaar die abschliessbare Wäscherei und den Werkraum zur Verfügung.
Nebenan gab’s dann in einem urigen „Dixi Dinner“ noch etwas zu essen und jetzt heisst es: Gute Nacht!

"Gute Nacht John Boy" (wer von euch kennt noch die "Waltons" aus der Fernsehserie der späten 60er?)

„Gute Nacht John Boy“ (wer von euch kennt noch die „Waltons“ aus der Fernsehserie der späten 60er?)

Fazit: heute keines

Wichtiger Hinweis:
Liebe Arbeitskollegen, da ihr morgen Montag ohne mich ans Oktoberfest geht wünsche ich euch schon mal „Prost“ und passt auf euch auf. Es ist wichtig in allen Lebenslagen immer das richtige „Mass“ zu finden 😉

Tag 12: (25.10.14) Silver Springs – Gainesville

Distanz: 78.95 km / Gesamt: 933.22 km / Fahrzeit: 4 Std. 52 Min. / Durchschnitt 16.2 km/h

sonnig, morgens kühl, 16 nachmittags 28 Grad, bereits am Vormittag zunehmende stärkerer Wind aus Norden, hat uns bis Hathrow zügig eingebremst (siehe Durchschnittsgeschwindigkeit)  GPS-Track

A green ride!

Da bei der gestrigen Hotelübernachtung kein Frühstück inbegriffen war, stärkten wir uns heute im „Denys“, einem in den ganzen USA weit verbreiteten „Family Restaurant“. Wer sich als Europäer denkt, ein Frühstück zu bestellen könne doch nicht so kompliziert sein, hat sich getäuscht. Was hier unter der Abteilung „Breakfast“ aufgelistet ist, ist schon erstaunlich. Steaks scheinen ein übliches Frühstück zu sein. Dazu natürlich Pancake’s, Omletts, Speck, Würstchen und Eier in allen möglichen und uns für uns oft auch etwas gewöhnungsbedürftigen Varianten. Wenn man sich dann mal für eine Frühstücksvariante entschieden hat und selbstbewusst darauf wartet das die Kellnerin die Bestellung aufnimmt, wird einem genau beim Bestellvorgang klar, das man die Ami’s noch immer nicht versteht. Die Frage der Kellnerin lautet nämlich: „Wie hätten sie die Eier den gerne gekocht?“ Was für eine Frage denkt sich der Europäer, auf dem Bild in der Speisekarte waren doch Spiegeleier abgebildet. Sagt jetzt einfach nicht „mirror eggs“, damit würdet ihr euch komplett unmöglich machen. Es stehen nämlich folgende Varianten zur Auswahl: „scrambled eggs“ kann man noch verstehen und sind Rühreier, „upside down“ bedeutet, das der Koch mit einem Spiegelei beginnt, das aber nach der halben Kochzeit in der Pfanne umdreht, also nur wenig bis kein flüssiges Eigelb mehr übrig bleibt das Ei dafür auf beiden Seiten von Eiweiss umhüllt ist. Dann gibt

Das Frühstück muss abgearbeitet werden!

Das Frühstück muss abgearbeitet werden!

es auch noch die Variante „sunny side up“, was unserem Spiegelei entspricht und wenn man „over easy“ bestellt, dann ist das wie ein Spiegelei, dass aber über dem Eigelb noch eine dünne Schicht Eiweiss hat. Das Eigelb dazwischen ist im Gegensatz zum „upside down“ noch flüssig. Alles klar? Wir wollten ja nur ein Frühstücksei bestellen.
Wenn man wie wir schon einige Tage in den USA unterwegs ist und sich auf die neuen Begebenheiten einlässt, kann man sich ein solche Frühstück durchaus schmecken lassen, vorausgesetzt, man hat an diesem Tag vor, durch gewisse sportliche Aktivitäten einige dieser Kalorien gleich wieder zu verbrennen. Wer das nicht vorhat und auf seine Figur achten will: Finger weg vom amerikanischen Breakfest!
Bei mir lag dann heute Morgen folgendes auf dem Teller: 2 Spiegeleier, zwei Stück Speck, 2 Würstchen, zwei in Butter gebratene, dicke Scheiben Toast die mit Traubenzucker bestreut waren und ein Topf Ahornsirup. Ich habe es gegessen, genossen und wieder abgestrampelt. Aber an abnehmen ist so aber sicher nicht zu denken 😦
Auch heute war unser Routenplan relativ einfach. Zuerst knapp 50 km genau Richtung Norden bis Hawthorne und dort links auf den „Hawthorne – Gainesville Trail“ einbiegen und die 26 km auf dem Trail geniessen.

Nach 870 km durch den "Orangensstaat" Florida konnten wir heute zum ertsen mal frisch gepressten Orangensaft genossen.

Nach 870 km durch den „Orangensstaat“ Florida konnten wir heute zum ersten mal frisch gepressten Orangensaft geniessen.

Bevor wir in den Trail abbogen, mussten wir uns zur Stärkung etwas zu Essen besorgen. Barbara wartete auf einem Parkplatz bei den Fahhrrädern, während ich mich auf im Tankstellenshop nebenan auf die Suche nach geeigneten Kalorien und Ballaststoffen machte. Als ich etwas später zum Parkplatz zurückkehrte, war Barbara schon im Gespräch mit einem Herrn, der ihr zum Abschied auch noch einen „Flyer“ seiner Kirche in die Hand drückte und sie herzlich zum nächsten Gottesdienst einlud. Marketing an jeder Ecke.

Robyn, du hast ja im Kommentar nach Vögeln gefragt. Diesen haben wir Heute nur für dich aufgenommen! Grüässli Götti und Gotti.

Robyn, du hast ja im Kommentar nach Vögeln gefragt. Diesen haben wir heute extra für dich aufgenommen! Grüässli Götti und Gotti.

Über den Trail nach Gainesville, der nur für Pferde, Fussgänger und Radfahrer geöffnet ist, habe ich schon im Vorfeld der Reise in verschiedenen Blog’s gelesen und freute mich auf diesen Abschnitt ganz besonders. 26 km ohne brummende Motoren die von hinten heranbrausen, nebeneinander fahren und plaudern, dazu durch einen „1000 Wunderwald“ mit Bäumen und Moorlandschaften wie aus einem Märchen radeln, was will man mehr. Wir haben diese Fahrt sehr genossen.

 

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Links und…

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rechts vom Trail. Fantastische Wasserlandschaft.

Fahrradfreude pur!

Fahrradfreude pur!

Bei jedem Stop bei dem wir diese wunderbare Landschaft, die sich uns auch noch im besten Licht präsentierte, bewunderten, bekamen wir auch Besuch von den Mücken. Also schnell den Mückenspray hervorgeholt, aufgetragen und festgestellt, dass die Mücken nicht wirklich verstanden haben, was auf der Spraydose versprochen wurde. Sie sollten uns in Ruhe lassen! Also sind die Stops bis auf die Foto und Filmaufnahmen eher kurz ausgefallen. Um euch aber einen Eindruck von diesem Trail zu geben, haben wir uns aber trotz Mückenattaken mit einem Lächeln in Pose gestellt! Wir hoffen ihr wisst das zu schätzen 🙂

Sieht doch trotz Mückenangriffen recht entspannt aus, oder?

Sieht doch trotz Mückenangriffen recht entspannt aus, oder?

Das war`s dann auch schon fast für heute. Zum Glück war der Pool im Motel nicht geschlossen, obwohl er wahrscheinlich auch eine gründliche Reinigung vertragen könnte. Also nur ein kurzes Schwimmen, Dehnen und dann im Zimmer unter die Dusche.

Fazit: Der Abschnitt von Hawthorne bis Gainesville war wirklich besonders schön. Grün und Natur pur. Wir haben die Fahrt genossen und konnten unterwegs Barbara’s „Halbzeit“ feieren. Sie hat nun schon über die Hälfte auf dem Weg nach New Orleans hinter sich gebracht. SUPER!
Wir freuen uns auf die Zweite.

An dieser Stelle mal ein Wort zu euren Kommentaren bzw. privaten Mails an uns: Ihr wisst gar nicht wieviel diese uns bedeuten und wie motivierend es für uns ist zu lesen, dass euch unsere Geschichten aus der „neuen Welt“ unterhalten, Spass machen, den Alltag versüssen etc. Da wir bereits viel Zeit ins Radeln, Fotografieren und Blogschreiben investieren, können wir die einzelnen Kommentare nicht auch noch verdanken oder speziell beantworten. Deshalb hier mal an euch alle: DANKE, es macht echt Freude zu sehen, dass es euch gefällt. Bis Morgen!
Übernachtung: Gainesville Lodge, Gainesville

 

 

 

 

Tag 11: (24.10.14) Orange City – Silver Springs

Distanz: 102.29 km / Gesamt: 854.26 / Fahrzeit: 5 Std. 39 Min. / Durchschnitt 18.0 km/h

sonnig, morgens kühl, 16, nachmittags 30 Grad, leichter Wind, wechselnde Richtung
gps – Track

Kein Bad heute 😦

Wir hatten für heute Abend ein Motel in Silver Springs reserviert. Das heisst also, etwa 100 km bis zum Motel mit dem kühlen Pool. Schon am Morgen freuen wir uns darauf.
Die Fahrt aus Orange City heraus war nicht ganz einfach, aber wir fanden eine schöne Route, die uns über verschiedene Quartierstrassen aus der Stadt hinaus führte.

Rolling hills, da wir der Puls am Morgen schon mal auf  Betriebstemparatur gebracht.

Rolling Hills, da wird der Puls am Morgen schon mal auf Betriebstemperatur gebracht.

Hier macht "morgenradeln" Spass.

So macht „morgenradeln“ Spass.

Es war noch etwas kühl und so kamen zum ersten mal auf der Tour die Windstopperjacken und langen Ärmel zum Einsatz. Weiter ging es auf einer Parallelstrasse zum Highway, auf der kaum Verkehr herrschte und auf der wir die Fahrt richtig geniessen konnten. Nach den letzten Tagen an denen wir oft mit starkem Verkehr zu kämpfen hatten, war dies die reinste Erhohlungstour. Nach gut 38 km. hatten wir die letzte Kreuzung für den heutigen Tag erreicht. Jetzt hiess es nur noch links abbiegen und 62 km Geradeaus auf dem Highway 40 und schon sind wir am Ziel.
Genau an dieser letzten Kreuzung sind wir auf eine kuriose Verkaufsbude gestossen. Ein Chaos in dem sich wohl nicht einmal das Genie zurechtfindet. Tausende Tontöpfe, Skulpturen, Metallfiguren, dazu wurde auch Honig, Früchte und Gemüse verkauft. Er blieb uns ein Rätsel, nach welchem Konzept der Inhaber diesen Laden führte, aber irgendwie hatte das Ganze schon etwas faszinierendes.

Kuriositäten am Strasenrand.

Kuriositäten am Strassenrand.

Auf dem Hyw 40 fuhren wir dann nach Westen. Zum ersten Mal auf der Tour fuhren wir einen längeren Abschnitt in die Himmelsrichtung, in der unsere Ziele New Orleans bzw. San Diego liegen.
Nach eine Mittagspause bei einem der vielen Seen entlang der Strasse passierten wir bald den „Juniper Springs State Park“.

Idyllischer Rast an einem der unzähligen Seen entlang der Strasse.

Idyllischer Rast an einem der unzähligen Seen entlang der Strasse.

Wir hatten also bereits um 14.00 Uhr knapp 70 km hinter uns und wollten uns ein erfrischendes Bad, die Temperaturen waren wieder auf über 30 Grad geklettert, gönnen. Also rechts abbiegen, beim Eingangshäuschen die 10 Dollar Eintrittsgeld bezahlen und runter zur „Swimmarea“ bei den Quellen. Beim Autoparkplatz dann die Tafel das ab hier auch Fahrräder verboten waren. Wir wollten aber die Räder mit dem ganzen Gepäck nicht beim Parkplatz, ausserhalb unserer „Überwachungszone“ stehen lassen. Im Gegensatz zu einem Auto können wir nämlich unsere Sachen nicht wirklich abschliessen. Wir stiegen also vom Rad und schoben es auf dem breiten Weg zu der Badestelle hinunter. Dort war kaum Betrieb und wir erspähten bereits einen tollen Platz, wo wir unsere Räder an einen Baum binden könnten und sie dort vom Badebereich gut im Blick hatten. Kein Mensch weit und breit, also wen könnte das schon stören?
Wir haben die Rechnung ohne die Parkaufsicht gemacht. Eine Dame kam auf uns zu und machte uns klar, dass wir keine Fahrräder in diesem Bereich bringen könnten. „Ja, das haben wir schon gesehen, aber wir haben halt alle unsere Wertsachen drauf und deshalb schieben wir die Räder hier und würden sie gerne dort drüben an den Baum binden. Wir werden auch sicher niemanden stören.“ Es nütze alles Argumentieren nichts, Regeln sind Regeln und sind dazu da, nach dem Buchstaben eingehalten zu werden. Wir haben Fahrräder und die gehören nicht hierher. Punkt.
Wir regten uns über diese engstirnige Interpretation der Regel „keine Fahrräder hinter diesem Punkt“ ziemlich auf. Doch was soll`s? Ich habe Barbara gesagt, das die Dame höchstwahrscheinlich in der Vergangenheit mal in der US Army gedient hat. Dort hat sie dann vor allem eines gelernt: Setze jeden Befehl um, egal wie sinnlos und blöd er auch ist. Hirn ausschalten und dann geht’s dir gut! Das wirkte nach.

Also drehten wir unsere Fahrräder um und schoben sie wieder auf den Parkplatz zurück, setzten uns drauf und fuhren zum Eingang zurück. Dort legte ich der Dame mein Eintrittsticket, dass sie mir vor 5 Min. verkauft hatte, wieder auch die Theke und sagte ihr, ich hätte gerne das Geld zurück. Wir könnten nicht baden, da wir die voll beladenen Räder nicht nach unten schieben dürften. Alles abladen und tragen war klar keine Option. „Yes, no bikes behind the parkin lot“ sagte sie in stoischer Ruhe und gab mir problemlos die 10 Dollar zurück.
Halb so schlimm, in 30 km waren wir im Motel mit POOL 🙂
Die heutige Etappe führte auch durch den „Ocala National Forest“ und wie es schien, sollten hier auch Bären unterwegs sein.

Ja wo sind sie denn?

Ja wo sind sie denn?

Bären in Florida? Wikipedia weiss dazu Genaueres. Auf jeden Fall tauchte tatsächlich etwa 200 Meter vor uns ein Bär aus dem Wald auf, schaut sich kurz um, keine Autos, nur weit entfernt zwei Radfahrer, so trottet die Bärenmutter gefolgt von zwei Jungtieren vor uns über die Strasse und verschwindet wieder im Wald. Ein wunderschöner Augenblick, zu kurz um ein Foto zu machen, aber lange genug um noch lange in Erinnerung zu bleiben.
Wir spulten die letzen Kilometer problemlos ab und konnten vor vier Uhr im Hotel einchecken.

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Genug Flüssigkeit ist ein Muss!

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Wir hassen diese „Gitterbrücken“. Darauf fährt es sich wie auf „Eiern“.

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Er lebt vom Verkauf von kühlem Bier und lebenden Fischködern. Das nenn ich mal „kundenorientiert“.

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Blick auf den St. Johns River.

Ab jetzt wieder das normale Ritual, absatteln, Pferdchen in den Stall stellen, kühles Bier und Wasser besorgen, Badehose anziehen und zum Motelpool gehen. Denn ein bisschen schwimmen und Dehnungsübungen im Pool haben sich als prima Regeneration bereits bewährt. Zwei Damen lagen in den Liegestühlen und versuchten ihre Sonnenbräune noch etwas zu intensivieren. Als wir den Poolbereich betraten und uns zum Schwimmen bereit machten, sagten sie zu uns, das wir den Pool nicht benutzen könnten. Die Angestellten hätten ein chemisches Reinigungsmittel in den Pool geschüttet und somit sei nun das Baden für die nächsten 24 Std. verboten. So ein Mist! Wir kochten nicht nur weil die Sonne noch ziemlich kräftig vom Himmel strahlte, nein es war heute bereits das zweite mal, das uns ein erfrischendes Bad kurz vor dem Eintauchen verwehrt wurde.

So sieht das verwehrte "Radlerparadies" nach 100 heissen Kilometern aus.

So sieht das verwehrte „Radlerparadies“ nach 100 heissen Kilometern aus.

Wir können euch sagen, dass wir das nicht wirklich lustig finden und hoffen, dass dies nun der negative Aussreisser in Sachen „Kundenfreundlichkeit“ war, die hier doch sonst doch immer so gross geschrieben wird. Wenn das so weitergeht, werde ich wohl nicht darum herumkommen mir einen amerikanischen Rechtsanwalt zu nehmen und eine exorbitante Schadenersatzklage wegen entgangener „Badefreuden“ anzustrengen. Sollte ich diese dann auch noch gewinnen, könnten wir ja wieder mal das Thema „frühzeitige Pensionierung“ genauer betrachten.

Fazit: Du sitzt erst im Bad, wenn dir das Wasser bis zum Hals steht!
(Radlerweisheit von F Fredy Artho Okt. 2014)

Übernachtung. Days Inn, Silver Springs / Ocala

Tag 10: (23.10.14) Orange City: Ruhetag

Distanz: 17.01 km / Gesamt: 751.9 km / Fahrzeit: 1 Std. 01 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h

sonnig, 27 Grad,

Ruhetag

Also meine Lieben, wie der Titel schon sagt war heute Ruhetag. Das gilt natürlich auch für den Blogschreiber. Ich halte mich also kurz.

Wir haben heute den Blue Springs State Park, gleich um die Ecke, besucht. Das ist ein Ort wie er in Florida oft vorkommt und bei dem unterirdische Quellen kristallklares Wasser in ein Becken pumpen, von wo aus es in die Sumpflandschaft abfliesst. An diesen Quellen ist das Wasser rund ums Jahr etwa 23 Grad warm, was die „Manatees“(Seekühe) dazu verleitet hier den Winter zu verbringen. Leider haben wir heute keine dieser besonderen Säugetiere gesehen. Aber wir haben kein Risiko gescheut, uns ins alligarorenverseuchte Wasser gewagt, sind mit dem Kanu in den Sumpf hinausgefahren, nur um euch diese Bilder bieten zu können!

Und das ist ein Teil der Ausbeute. Have a good one, und bis Morgen.

Spiegelbild

Spiegelbild

Relax, es hat noch genut Fische!

Relax, es hat noch genug Fische!

  

Zwillingsbäume

Zwillingsbäume

Floridas Sümpfe

Floridas Sümpfe

Halloween Deko? Nein Natur pur!

Halloween Deko?
Nein, Natur pur!

Die Warnung war da!

Die Warnung war da!

Wir habens doch gemach! Nein Spass, das war 300 Meter vom Schild entfernt an einer erlaubten Stelle. Wir hofften, das die Alligatoren auch lesen konnten.

Wir habens doch gemacht!
Nein Spass, das war 300 Meter vom Schild entfernt an einer erlaubten Stelle. Wir hofften, dass die Alligatoren auch lesen können.

Hier haben wir ihn vom Kanu aus erwischt. Distanz zum Tier unter 10 Meter.

Hier haben wir ihn vom Kanu aus erwischt. Distanz zum Tier unter 10 Meter.

So nah, ein echtes Erlebnis. Zum Glück waben wir das Kanu nich gekenntert.

So nah, ein echtes Erlebnis. Zum Glück haben wir das Kanu nicht gekentert! Viel spannender als das Augenzwinkern in den Everglades.

Tag 9: (22.10.14) Titusville – Orange City

Distanz: 94.25 km / Gesamt: 734.8 km / Fahrzeit: 5 Std. 33 Min. / Durchschnitt 16.9 km/h

sonnig, 30 Grad, Nachmittags böiger Gegenwind, gps-Track

Der Navigator entschuldigt sich.

Da habe ich gestern Abend Barbara bei der Routenplanung für heute eine etwas kürzere Etappe versprochen und nun stehen schon wieder über 94 km auf dem Tacho. Es ist mir noch immer ein Rätsel wie es zu dieser Fehleinschätzung kam und so etwas sollte einem ausgebildeten Skipper doch nicht passieren! In der Annahme, dass wir heute nur etwa 60 km. fahren würden, gönnten wir uns etwas längeren Schlaff. Das war auch gut so, denn an eine Abfahrt um 07.30 Uhr wie in den letzen Tagen war nicht zu denken. Dichter Nebel hatte sich über unsere Gegend gelegt und im Wetterbericht der TV- Morgenshow, die jeweils im Frühstücksraum ausgestrahlt wird, wurde den Autofahrern vorsichtiges Fahren und genügen Abstand ans Herz gelegt. Wir verzichteten darauf  auf der Strasse die Einhaltung dieser Empfehlung zu überprüfen, denn nach dem gestrigen Tag wünschten wir uns einfach eine etwas entspanntere Fahrt.
So warteten wir bis die Sonne den Nebel verbrannt hatte und machten uns um viertel nach neun, bei strahlendem Sonnenschein, auf die Reise. Zuerst direkt nach Westen.

Die Landschaft veränderte sich gegenüber den letzten Tagen dramatisch. Bald war links und rechts der Strasse viel Grün, Wassertümpel, kleine Flussläufe, Sumpfgebiet. Wir erwarteten jeden Augenblick, einen Alligator neben der Strasse zu entdecken, leider aber ohne Erfolg.

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Westlich von Titusville

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Wasserlandschaft

Dafür hatten wir heute einige Begegnungen mit Tieren, auf die wir gerne verzichtet hätten. Sie kündigten sich jeweils schon im voraus am Geruch an. Tote, überfahrene Tiere aller Art. Gürteltiere, Vögel, ein Waschbär, eine Katze und sogar eine Schildkröte. Sie alle wurden Opfer dieser Raserei durch ein lebendiges Ökosystem. Kein Zaun schützt die Tiere vor dem Verkehr und das macht schon nachdenklich.
Bald bemerkte Barbara, dass sie heute weniger schwitzte als üblich, jedoch gleich viel getrunken hatte wie immer und somit die Zeit für einen Toilettenbesuch gekommen war. Das traf sich gut, fuhren wir doch gerade im Ort „Christmas“ ein.

Das kann doch nur Gutes bedeuten, oder ...

Das kann doch nur Gutes bedeuten, oder …

In einem Ort mit diesem Namen mussten sicher viele hilfsbereite Menschen wohnen. Wir fuhren also beim lokalen Campingplatz vor und Barbara fragte, ob sie die Toilette benutzen dürfte. Die Antwort kam uns vor wie in der Weihnachtsgeschichte von Maria und Josef. Trotz grösster „Not“ wurden wir abgewiesen. „No, just for guests“ sagte die Dame. Upps, das kam uns aber gar nicht „weihnachtlich“ vor. Wir fanden zu Glück bald darauf eine Tankstelle und die Sache nahm ein gutes Ende.

In Christmas sind wir dann nach Norden abgebogen und haben beim „Christmas Fort State Park“ einen kurzen Besuch gemacht. Dort war ein altes Fort aus der Zeit um 1830 nachgebaut und mit anderen Gebäuden in einem Park mit wunderbaren, alten und mit viel „spanisch Moos“ behangen Bäumen platziert worden. Fast ein kleines „Ballenberg“. Wir bestaunten die schönen Bäume, gingen etwas umher und füllten unsere Energiespeicher mit einem zweiten Frühstück.

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Fort Christmas State Park

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„Ballenberg“ in Florida?

Vor der Abfahrt noch ein Blick auf die Routenplanung im Handy und die ernüchternde Erkenntnis, dass es bis zum Ziel nicht wie gedacht noch 40, sondern gut 70 km sein werden. Naja, das liess sich nun auch nicht mehr ändern und wir traten wieder in die Pedale. Auf einer sehr idyllischen, fast verkehrsfreien Strasse ging es nach Norden. Immer wieder kleinere und grössere Ansammlungen von Häusern, viel etwas vernachlässigt waren oder auch zum Verkauf standen. Offenbar kämpfen die Leute in dieser Gegend mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In solchen Situationen kann ja die Kirche Trost spenden, und das tut sie hier fast schon „inflationär“. Auf geschätzte 10 Häuser kam eine christliche Kirche, jede mit ihrem eigenen „Werbeslogan“. Eine bot am Sonntag „Gottesdienst – Essen – Spiel und Spass“ an, eine andere hatte das absolute Hammerangebot im Programm: „free ticket to have“ stand auf dem Schild und das man sich dafür nur bei ihnen einschreiben müsse. Wir verzichteten im Moment auf dieses Angebot, denn wir sind schon froh, wenn sich die Schutzengel hier auf der Erde um uns kümmern, ein Gratisticket in den Himmel erschien uns noch etwas zu früh.
Für die Schutzengel gab es am Nachmittag in einem Baustellenbereich dann nochmals etwas Arbeit, aber zum Glück fanden wir bald einen „Betonplattenweg“, der kilometerlang neben der Hauptstrasse verlief und auf dem wir zwar nicht so schnell, aber sicher dem Ziel entgegen fahren konnten.

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Auf dem Betonplattenweg: nicht schnell aber sicher!

Die letzten 10 km haben mich dann auch noch „Lügen gestrafft“. Ich hatte Barbara zu Hause vor der Reise in fester Überzeugung versprochen, dass es auf dem Weg von Key West bis New Orleans nur auf den Brücken Steigungen gebe, sonst sei alles flach. Seit heute weiss ich, das es im zentralen Florida auch kleine Hügel gibt. Zwar kein Vergleich mit dem Tösstal, aber wenn man schon 80 kam mit Gepäck in den Beinen hat, wird jede kleine Steigung zum Berg.

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Ok, Schnee können wir uns nur schlecht vorstellen, aber „Hill“? Zumindest für müde Radler geht das in Ordnung.

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Noch so ein unerwarteter Anstieg! Wenigstens das Licht hat gepasst.

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So fährt eine Langstreckenradlerin: selbstbewusst und immer das Ziel vor Augen!

Da Ganze noch mit schönem Gegenwind garniert und dann wird der Moment, wo man bei der Motelrezeption die Bremsen zieht und die Pferdchen abgesattelt werden doppelt schön.

Irgendwo unterwegs ein idyllisches Plätzchen.

Irgendwo unterwegs ein idyllisches Plätzchen.

Fazit: Ich habe Barbara mit falschen Distanzangaben (ungewollt) auf eine kurze Tour eingestellt und ihr am Schluss noch überraschenderweise Hügel serviert: Sorry, war nicht meine Absicht.
Und was hat sie gemacht? Kein Murren, kein Klagen sondern mit der stoischen Ruhe einer Langstreckenradlerin die Kilometer in die Pedalen gedrückt. Danke und Bravo, der Ruhetag morgen ist mehr als verdient!
Übernachtung: Days Inn Orange City Deland

Tag 8: (21.10.14) Sebastian – Titusville

Distanz: 95.6 km / Gesamt: 640.5 km / Fahrzeit: 5 Std. 20 Min. / Durchschnitt 17.9 km/h

bedeckt, 26 Grad, kaum Wind  GPS-Track

David gegen Goliath

Der heutige Tag hatte nur ein Ziel: Meilen machen! Wir wollten unbedingt bis Titusville kommen um uns für die nächsten paar Tage eine gute Ausgangslage zu verschaffen, den Weg nach Westen nun endlich einzuschlagen. Doch der Reihe nach.
Wir verstehen es mittlerweile meisterhaft, die amerikanischen Begrüssungsformeln zu erwidern und zu einem Anknüpfungspunkt von Gesprächen zu nutzen. Das freundliche „good morning, how are you“ der Dame im Frühstücksraum erwiderte ich mit einem ebenso netten, „wunderbar und vielen Dank das Sie uns ein so gutes Frühstück vorbereitet haben“. Sie freute sich und meine Antwort war ernst gemeint, denn wir hatten heute neben Müsli, Joghurt, Toast und Beagels auch die Auswahl von Rühreiern und Speck. Genau das Richtige um eine Grundlage für eine lange Tagesetappe zu legen. (Sorry lieber Veganer-innen, aber es gibt Tage, da tun einem solche Sachen einfach gut.) An dieser Stelle noch eine Bemerkung zum Preis: Wir übernachteten im „Best Western“ zu zweit inkl. Frühstück für 54.- sFr. Bei solchen Konditionen ist es klar, dass das Zelt eingepackt bleibt und nur im Notfall zum Einsatz kommt.

Also der Smalltalk im Frühstücksraum ging weiter und bald kam ein weiterer Motelgast dazu. Eine Frau um die 60. Ich fragte sie, wann den nun die Wahlen stattfinden würden, da wir am Strassenrand immer so viele Werbetafeln sehen.
(Ja wenn ich mir das Foto jetzt in Ruhe  ansehe, sehe ich das Datum auch, also verkneift euch die Kommentare.)

So sieht es im Moment am Strassenrand aus. Es gibt Sitze für alle möglichenund unmöglichen Behördentätigkeiten zu vergeben. Vom Senatorensitz, über Richter bis zur Schulpflege. Alles in einem Wahlgang. Ob alle wissen was sie tun?

So sieht es im Moment am Strassenrand aus. Es gibt Sitze für alle möglichenund unmöglichen Behördentätigkeiten zu vergeben. Vom Senatorensitz, über Richter bis zur Schulpflege. Alles in einem Wahlgang. Ob alle wissen was sie tun?

„Genau heute in 2 Wochen“ antwortete sie und holte zu einer längeren Erklärung aus. Es würden 50% der Mitglieder des Unterhauses neu bestimmt und 1/3 derSenatorensitze. Sie ging noch weiter in die Details und erklärte mir stolz, das diese Frage wohl viele Amerikaner nicht so genau hätten beantwortenkönnen. Da sie aber Lehrerin für Politik sei, kenne sie sich da gut aus. Sie machte noch weiter Erklärungen zum Thema Regierung, Verantwortung der einzelnen Bürger, zum obligatorischenKrankenversicherungsgesetz „Obamacare“ und vielem mehr. Es war schnell klar, das sie sicher die Republikaner wählen würde und für sie machte es sich bei Ihren Aussagen zu den verschiedenen Theman recht einfach. Vieles war schwarz / weiss, gut /böse und der wichtige Hinweis, das dieses Land ja gegründet worden sein, damit die Einzelnen die Freiheit finden könnten. Da müsse sich doch nun die Regierung nicht ins Leben der Bürger einmischen. In ihrem Denken gab es wohl wenig Platz um sich auf andere Meinungen einzulassen und irgendwie kam diese undifferenzierte Haltung auch aus der Schweizer Politlandschaft bekannt vor. Ich hielt mich mit meiner persönlichen Meinung vornehm zurück, denn ich hatte keine Lust mich schon beim Frühstück auf eine politische Grundsatzdiskussion einzulassen. Roger Federer fand sie aber super und da hatten wir schon eine Gemeinsamkeit.

Als wir unsere Räder vor dem Hotel gepackt hatten, kam die Dame vom Frühstücksraum vor die Türe. „Was und ihr habt all dieses Gepäck dabei? Ihr wollt wirklich bis New Orleans?“ Sie schaute uns ungläubig an. Als wir abfahren wollten frage sie noch: „Do you have a gun?“, „Nein“ sagte ich „aber ein gutes Herz, das wird uns schützen“. Wir wünschten ihr einen „wonderfull day“ winkten ihr zum Abschied fuhren los.
Es war uns schon im Vorfeld klar, das der heutige Tag kein „Zuckerschlecken“ werden würde. Einerseits standen knapp 100 km auf dem Etappenblatt und andererseits mussten wir fast die ganze Strecke die Strasse „1“ nehmen. Diese ist in diesem Abschnitt recht stark befahren und hat leider oft wenig Platz am Strassenrand. Wir fühlten uns oft in einem Kampf, „David gegen Goliath“ und versuchten uns so gut es ging mit unseren Fahnen und Blinklichtern bemerkbar zu machen.

"1 Nord" heute war es oft einfach mental anstrengend aauf dieser Strasse.

„1 Nord“: Heute war es oft einfach mental anstrengend auf dieser Strasse.

 

Zum Glück standen diese Monster nur am Strassenrand.

Zum Glück standen diese Monster nur am Strassenrand.

Konzentriert auf der Strasse. Wasserturm im Hintergrund beachten: Ja wir sind in Amerika!

Konzentriert auf der Strasse. Wasserturm im Hintergrund beachten: Ja wir sind in Amerika!

Bei einem Veloladen am Strassenrand kauften wir noch zwei zusätzliche Blinker, damit wir nun auch im hektischen, amerikanischen Rhythmus blinken konnten.

Wenigstens hatten wir ab und zu auf der rechten Seite schöne Ausblicke und Rastmöglichkeiten, um uns vom konzentrierten Fahren auf der „1“ etwas zu erholen.

Bilder direkt vom Strassenrand:

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Dabei sahen wir viele Tiere, dessen Namen wir nicht alle kennen. An zwei Stellen konnten wir heute von der Strasse aus sogar Delfine beobachten, die im Fluss miteinander spielten und uns ab und zu die Rückenflossen zeigten. Grosse Sprünge gab es natürlich nicht zu sehen, schliesslich waren wir in der freien Natur und nicht im „Sea World“.

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Delfine geniessen den ruhigen Nachmittag.

Wir genossen den Anblick wie diese Delfingruppe so ruhig miteinander umherschwamm. Die Idee, die Badehose anzuziehen um hier mit den Delfinen zu schwimmen, haben wir nach dem Studium des Warnschilds dann wieder verworfen.

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Die Frage: Schwimmen mit Delfinen ist damit geklärt!

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Pelikan im Landeanflug

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Seeadler ? Wer weiss es?

So ging die Fahrt gegen halb 4 Uhr zu Ende. Wir sind froh, wohlbehalten hier in Titusville angekommen zu sein. Ab Morgen erhoffen wir uns ruhigere Strassen und weniger Verkehr, denn wir werden die Küste nun verlassen und Richtung Nordwesten, etwas östlich an Orlando vorbei nach Deland fahren. Nun beginnt also die Durchquerung von Florida und wir sind gespannt, wie sich die Landschaft verändern wird. Wir hoffen, dass auch das Wetter weiterhin auf unserer Seite ist. Trocken, nicht zu heiss und einen anständigen Rückenwind, das würden wir die nächsten Tage mal bestellen.

Fazit: Wir hatten heute einen wirklich ungleichen Kampf auf der Strasse zu kämpfen und sind froh, dass es dank unserer Aufmerksamkeit, Geduld, sowie diversen Schutzengeln gut gelaufen ist. Den Spruch den ich heute vor einer Baptistenkirche am Strassenrand gelesen habe, hätte ich nämlich schon nur aus Gewichtsgründen nicht umsetzen können. Dort stand: „For every Goliath, there is a stone“. Soviele Steine hätte ich heute gar nicht transportieren können!

Übernachtung: Best Western, Titusville

Tag 7: (20.10.14) Port St. Lucie – Sebastian

Distanz: 73.3 km / Gesamt: 544.94 km / Fahrzeit: 4 Std. 6 Min. / Durchschnitt 17.6 km/h

Sonne pur, 31 Grad, am Nachmittag Seitenwind auffrischend, GPS-Track

kleine „heile Welten“

Heute sind wir etwas später gestartet, denn wir haben uns heute eine kürzere Strecke vorgenommen. Die ersten paar Kilometer mussten wir auf einer stark befahrenen Strasse zurücklegen und freuten uns nach ca. 7 km nach rechts an die Küstenstrasse abbiegen zu können. Doch irgendwie hatten wir uns das etwas anderes vorgestellt. Die Strasse war schmal und trotzdem noch häufig befahren. Wenn uns ein Auto entgegenkam, mussten diejenigen hinter uns warten, da es beim besten Willen keinen Platz zum überholen. Somit waren wir also schon früh gefordert, alle Sinne auf vollem Betriebsmodus zu halten. Wenn es mal für einige Moment ruhig war auf der Strasse,  konnten wir uns in dieser besonders feinen Gegend umsehen. Die Häuser und Gärten waren allesamt gross und gut gepflegt. In jedem zweiten Garten waren, vermutlich südamerikanische, Arbeiter damit beschäftigt den Rasen sowie die Bäume und Büsche zu pflegen.

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Also nicht vergessen: bald ist Halloween. Wer schmückt den Briefkasten am schönsten? Die Amis haben schon mal vorgelegt 😉

 

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Ein fantastischer Baum (Stamm beachten) vor schmuckem Haus.

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Noch ein schönes Exemplar und Gärtner an der Arbeit.

Dann fielen uns plötzlich besondere Plakate in den Vorgärten auf. Ich habe ja schon erwähnt das hier bald Abstimmungen stattfinden. In dieser Gegend formierte sich offenbar der Widerstand gegen ein Eisenbahnprojekt. Die Anwohner fürchteten sich, wie es scheint, gewaltig vor den Folgen die ein stärkerer Bahnverkehr für ihre jetzt so ungestörte und idyllische Wohnlage hätte.

War hier ein "SVP Plakatmaler" am Werk?

War hier ein „SVP Plakatmaler“ am Werk?

Die Eisenbahnlinie führt etwa 300 Meter hinter den Häusern vorbei. Als später ein Güterzug die Strecke befuhr, begann er mit einem eindrücklichen Hupkonzert jeden in der Nähe der Bahnlinie auf sein Kommen aufmerksam zu machen. In den USA ist das korrekte Bedienen der lauten Signalhörnern offenbar ein ganz wichtiger Punkt im „Lokführerausbildungsprogramm“. Nur so ist es zu erklären, wie sie es schaffen, solche Lokkonzerte zu veranstalten. Ich glaube hier müssten auch mal gewisse „Signalhorn-bestätigungs-bestimmungen“ überprüft werden. So habe ja sogar ich als Bähnler gewisses Verständnis, wenn sich die Anwohner nicht gerade über mehr Züge freuen.

In der herausgeputzten Stadt Fort Pierce haben wir dann bei einer kleinen Bäckerei mit Cafe einen Halt gemacht und uns mir Süssigkeiten für die Weiterfahrt gestärkt. Barbara wollte ja nicht nochmals in einem solchen Hungerast wie gestern  „fahren“. Die Taktik hat sich bewährt. Sie fühlte sich den ganzen Tag fit und die Durchschnittsgeschwindigkeit konnten wir auch etwas anheben.

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Downtown Fort Pierce

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Downtown Fort Pierce

Nördlich der Stadt konnten wir dann endlich wieder über eine Brücke auf die vorgelagerten Inseln um dort auf guten und mit Radstreiffen ausgestatteten Strassen weiter zu fahren. Im „Avalon State Park“ haben wir über die Mittagszeit die Rad- gegen die Badehosen getauscht und uns im Atlantik etwas abgekühlt.

all you need ...

all you need …

Während ich mir von einem Pensionär, der mit drei langen Ruten vom Strand aus fischte,  erklären lies was man denn so alles fangen könne, tauchtem am Himmel plötzlich seltsame, weisse Punkte auf. Sie kamen immer näher und als ich den Fischer fragte, was das den sei, sagte er: „Das ist jetzt ganz neu. Ich habe das im Sommer hier bei einer Airshow zum ersten mal gesehen. Da fliegen einige Flugzeuge in einer bestimmten Formation und stossen in genau berechneten Abständen Rauch aus. Diese Punkte ergeben dann Buchstaben und Worte“. Wir sahen fünf Flugzeuge die nebeneinander her flogen und dieses Rauchwölklein ausstiesen und versuchten die Botschaft zu erkennen. Da der Wind aber bereits wieder etwas stark wehte, verblassten die Buchstaben bald. Was wir erkennen konnte war “ … SAVE MONEY“ Das ist doch wirklich verrückt oder?

5 Flugzeuge haben das in den Himmel geschriegen. (Kontrast im Bild für bessere Lesbarkeit erhöht)

5 Flugzeuge haben das in den Himmel geschriegen. (Kontrast im Bild für bessere Lesbarkeit erhöht)

Nach dem Bad lagen noch 34 km vor uns und die konnten wir zügig zurücklegen. Fast auf der ganzen Strecke fuhren wir dabei an Wohngebieten vorbei, die rundum eingezäunt und an der Zufahrt mit Schranken und Pförtnerhaus bewacht waren. Alles was nicht in die eigene, heile Welt passt, kann man so draussen lassen.

Zutritt nur für Bewohner und autorisierte Gäste.

Zutritt nur für Bewohner und autorisierte Gäste.

Um zum Festland zurückzukommen, mussten wir nochmals eine steile und schmale Brücke überqueren. Die Frage „fahren oder schieben“ wurde uns von höchster Stelle abgenommen.

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WALK BIKES ACROSS steht auf dem Schild im Gebüsch, na dann schieben wir halt.

Wir haben die Räder brav hoch geschoben, uns auf dem höchsten Punkt aber schnell drauf gesetzt und sind  mit Schwung hinuntergesaust. Liegeräder können nämlich konstruktionsbedingt nicht  hinuntergeschoben werden 😉

tolle Aussicht von der Brücke

tolle Aussicht von der Brücke

Kurz vor der Ankunft in unserem Motel dann das übliche Ritual: kaltes Wasser und Bier einkaufen, damit man im Motel rasch in den „Relaxmodus“ wechseln kann. Vor dem Geschäft sind wir auf ein US Radlerpaar getroffen. Sie waren einiges jünger als wir und mit viel weniger Gepäck unterwegs. Echt „easy“ eben. Sie erzählten, dass sie Ende August in Washington gestartet sind und nun bald ihr Ziel Miami erreichen werden. Auch sie erzählten begeistert von vielen tollen Begegnungen mit wildfremden Menschen und das sie immer viel Hilfe bekommen hätten. Jetzt müssten sie aber noch runter zum Fluss. Sie zeigten uns ein kleines Fischernetz, das sie heute an der Strasse gefunden haben. Damit wollten sie noch etwas für heute Abend fangen und falls es dann nur kleine Fische seinen, so würden sie diese an einen dieser vielen Fischereigeschäfften in der Gegend als „Köderfische“ verkaufen. Wir wünschten ihnen viel Glück dabei und eine sichere Reise.

Fazit: Wir sind heute auf viele „heile Welten“ gestossen. Auf die mit den gepflegten Gärten und der Angst vor lauten Zügen, auf die vom Fischer, der schon den ganzen Tag am Strand verbringt, den Wellen zuschaut und mit sich zufrieden ist, auf die der eingeschlossenen Bewohner, die sich offenbar nur hinter Mauern sicher fühlen und auf die der beiden jungen Biker, die jede Nacht irgendwo in einer ruhigen Ecke ein Schlafplatz suchen und sich so über all die tollen Erlebnisse und Begegnungenauf ihrer Reise freuen.

Übernachtung: Best Western Plus, Sebastian

Tag 6: (19.10.14) Lake Worth – Port St. Lucie

Distanz: 90.91 / Gesammt: 472.62 km / Fahrzeit: 5 Std. 45 Min. / Durchschnitt 15.8 km/h

Sonne pur, 31 Grad, am Nachmittag Seitenwind auffrischend   GPS-Track

4 Füsse, tausende gemeinsame Kilometer, 23 Jahre Ehe und zwei wundervolle Töchter:
life is great!

Diese Füsse tragen uns schon 23 Jahre auf unserer gemeinsamen Reis durchs Leben.

Diese Füsse tragen uns schon 23 Jahre auf unserer gemeinsamen Reise durchs Leben.

Heute war ein ganz besonderer Tag. Barbara und ich durften uns über 23 Jahre gemeinsame Ehe freuen und wir taten dies wie in den vergangenen gemeinsamen Jahren auch. Die Etappe beinhaltete einiges vom Erfolgsrezept unserer vergangenen Ehejahre. Wir hatten ein gemeinsames Ziel vor Augen, im Wissen dass es nicht immer einfach sein wird und wir die gegenseitiger Aufmunterung brauchen würden wenn einer von uns mal Mühe hatte die notwendige Kadenz zu treten um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Auch haben wir uns vor herannahenden Gefahren gewarnt oder sind auf einigen Abschnitten mit etwas mehr Abstand gefahren, damit jeder sein Tempo fahren konnte und wir haben uns in der Führung abwechselten, damit der andere sich mal im Windschatten des Partners erholen konnte. Auf unserer Hochzeitskarte stand damals „Die Reise beginnt …“  Wir sind noch immer gemeinsam unterwegs, sowohl als Paar als auch im Sinne dieser physischen Reise durch die USA. Dafür sind wir beide dankbar und freuen uns auf die nächsten Jahre.

Wir sind wieder früh losgefahren um die Kühle des Morgens für die ersten Kilometer nutzen zu können. Das machte sich auch heute wieder bezahlt, denn so bis 10 Uhr bringt uns das Radeln kaum ins Schwitzen und an einem Sonntag wie heute sind die Strassen um diese Zeit noch recht leer, was uns gut vorankommen lies.

 

Oft teilten wir am Morgen die Strasse nur mit Rennradfahrern auf der Sonntagsrunde.

Oft teilten wir am Morgen die Strasse nur mit Rennradfahrern auf der Sonntagsrunde.

Bereits nach wenigen Fahrminuten hörte ich im noch fast menschenleeren Stadtzentrum in Lake Worth von der Parallelstrasse her ein lautes Reifenquitschen, ein Knall und sah im Augenwinkel, wie zwei Autos seitlich ineinander prallten. Stosssstangen und Blechteile lagen auf der Strasse. Da hatte wohl einer das Rotlicht missachtet. Ich beobachtete die Szene kurz und als ich sah wie beide Lenker offensichtlich unverletzt aus den Autos stiegen und auf einander zugingen, fuhr ich weiter. Es wurde uns aber wieder einmal klar wie schmal der Grad zwischen „gut ankommen“ und „verunglücken“ manchmal ist. Eine Sekunde abgelenkt und schon kann es zu spät sein. Wir stellten also all unsere Sensoren wieder auf volle Empfangsleistung und genossen trotzdem die ruhige Fahrt durch diese offensichtlich sehr reiche Gegend.

Schattentheater am Morgen.

Schattentheater am Morgen.

Wir sind heute oft nicht ganz an der Küste gefahren, da auf dieser Strasse der Rhythmus oft von „Stop“ Schildern unterbrochen wird. Da wir uns mit 90 Km die bisher längste Strecke vorgenommen hatten und im für heute vorgebuchten Motel eine schöne Poolanlage abgebildet war, wollten wir unbedingt frühzeitig ankommen, um auch den Rest des Körpers in der Badehose noch etwas „anbräunen“ zu können. Ihr könnt euch ja sicher selber ein Bild davon machen, mit welch unterschiedlichen Bräunungsgraden unsere Körper im Moment geschmückt sind.

Wir fuhren heute also oft auf der 2-3 Spurigen Schnellstrasse A1.

Warten auf "grün" und dann volleKraft in die Pedale.

Warten auf „grün“ und dann volle Kraft in die Pedale.

 

Meist war ein Radstreifen markiert und weil es Sonntag war, waren auch fast keine Trucks unterwegs. Die Mittagspause machten wir, wie im automobilen Amerika üblich, an einer Tankstelle. Diese sind nämlich, wie schon Dres Balmer in seinem Veloreisebuch „Route 66“ beschreibt, für uns Radler ein Segen. Hier hat es einen klimatisierten Raum um sich abzukühlen und erfrischende, gut gekühlte Getränke. Eines davon hat es Dres Balmer besonders angetan und auch wir sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen. Immer wenn sich die „Power“ in den Waden und Oberschenkeln verabschiedet, also „Ade“ gesagt hat, ist es höchste Zeit ein „Power-ade“ zu trinken. Ihr glaubt es kaum, aber es wirkt. Barbara hatte um die Mittagszeit einen ziemlichen Durchhänger. Sie fühlte sich kraftlos und es kam ihr vor, als würde sie dauernd gegen starken Wind ankämpfen, obwohl es zu dieser Zeit noch windstill war. Offenbar rächte es sich nun, dass wir sowohl gestern Abend als auch heute Morgen (kein Frühstück im Motel) mit dem Essen nicht genügend Energiereserven gebunkert haben. Diesem Thema müssen wir ab sofort mehr Aufmerksamkeit schenken! Nach einem Sandwich, Banane, Nüssen und dem super „Powerade“ sowie einem kurzen Mittagsschläfchen im Palmenschatten kehrten die Kräfte wieder zurück.

Auftanken!

Auftanken!

 

Diese Truppe brauchte kein "Power - ade"

Diese Truppe brauchte kein „Power – ade“

Während unserer Rast fuhr ein Mann in unserem Alter auf einem alten, aber soweit gepflegten Fahrrad zu uns hin. Obwohl er einen sauberen Eindruck machte war unschwer zu erkennen, dass er wohl in einer wirtschaftlich schwierigen Lage steckte. Vermutlich ohne Job und Arbeit. Er fragte ob ich ihm nicht 50 Cent’s geben könnte. Vermutlich dachte er, dass wir Radfahrer selber nicht allzu reich seien, sonst würden wir ja mit einem Auto unterwegs sein. Ich gab ihm ein paar Dollar und er freute sich riesig. Dann wieder die Frage nach dem „wohin“. Aber diesmal hörten wir eine verblüffend andere Antwort, die ich ihm auch sofort glauben konnte. „New Orleans, von da bin ich mit meinem Fahrrad auch hierher gefahren“ erzählte er. Ob wir Tipps bräuchten, er uns helfen könnte. Und ja in den verschiedenen Parks könne man prima wild Campen, man müsse halt einfach aufpassen und das Zelt erst im Dunkeln aufzustellen, damit einem die Ranger nicht sehen. Es sei auch sehr schmutzig auf der Strasse und wir würden viel Platten haben. Er habe sich ja extra spezielle Reifen und ein grünes Dichtmittel in den Schlauch gefüllt, das habe prima geholfen. Ich sagte ihm, wir hätten ebenfalls gute Reifen drauf und in Key West die Reifen mit derselben grünen Dichtmasse befüllt. Da huschte ein Lächeln über sein Gesicht: „That’s good man, god bless you and have a safe Trip“. Er drehte sich um und fuhr davon.
Auch wir machten uns wieder auf die Strasse und nahmen bei zunehmender Hitze und Wind von schräg Vorne die letzten 35 km in Angriff.

Viele Schilder künden Abstimmungen an, unter anderem zum Thema "Marihuana zu med. Zweck"

Viele Schilder künden Abstimmungen an, unter anderem zum Thema „Marijuana zu med. Zweck“

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Immer gelassener fährt Barbara auch die viel befahrenen Brücken. Respekt!

Im Motel angekommen war es Zeit für eine erfrischende Dusche, ein leichtes muskellockern im Sprudelbad und einigen Längen schwimmen im Pool. In die Sonne liegen, dösen und sich darüber freuen, dass unsere gemeinsame Reise bis jetzt so prima verlaufen ist.

Übernachtung: Best Western, Port St. Lucie

Tag 5: (18.10.14) Fort Lauderdale – Lake Worth

Distanz: 70.78 / Gesammt: 381.7 km / Fahrzeit: 4 Std. 13 Min. / Durchschnitt 16.8 km/h

blue sky , windstill 🙂
GPS-Track

Masslosigkeit

Heute waren wir schon wieder früh „on the road“ und da man sich im Motel 6, mangels Angebot, nicht mit so läppischen Sachen wie „frühstücken“ herumschlagen muss, gelingt der frühe Start noch besser. Kurz nach Sonnenaufgang, das ist hier im Moment so um 07.15 Uhr, waren wir auf der Strasse.

imageBei beiden Velos haben wir zu den normalen Rücklichtern noch die „Blinklichter“ montiert. Die Amis stehen darauf! Es muss einfach etwas blinken, sonst wirst du übersehen, haben wir schon mehrmals gehört. Je wilder es flackert, umso besser. Also haben auch wir das Beste gegeben und den Blinkmodus so eingestellt, das du zu Hause schon von der ersten Polizeistreife an den Strassenrand zitiert werden würdest und du dir eine lange Rede anhören müsstest, dass in der Schweiz das Blinken an Fahrrädern verboten sei. Selbst an Barbaras Helm haben wir die Blinker eingeschaltet und sind so im Lichte der aufgehenden Sonne Richtung Norden gefahren. Zuerst mussten wir die Region um den Flughafen durchqueren. Wir waren auf 4-spurigen Strassen unterwegs und froh das heute Samstag ist und somit kein grosser Berufsverkehr unterwegs war. Unser Route führte gar in einem Tunnel unter der Rollbahn des Flughafens durch. Das genau in diesem Bereich noch Fahrspuren wegen Bauarbeiten gesperrt waren, gab uns die Möglichkeit hinter die Bauabschrankung zu fahren und so diesen Teil gut geschützt vom Verkehr zu befahren. Schon nach einer halben Stunde war verkehrstechnisch das „schlimmste“ überstanden und Barbara war froh, dass wir diesen Teil gestern mit dem etwas früheren Ende nicht auch noch fahren mussten.
Bald fuhren wir wieder auf der A1A, der Beach entlang durch Fort Lauderdale. Es war noch nicht ganz 9 Uhr und das Schaulaufen war bereits in vollem Gange.

Flagge zeigen am Beachwalk

Flagge zeigen am Beachwalk

Ein wahrer Riese

Ein wahrer Riese …

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… mit unglaublichem Stamm. (das Schild ist NICHT für den Baum gemeint)

Da wurden die mehr oder weniger natürlich gestählten, oder dann eben dank plastischer Chirurgie optimierten, jungen und auch ältern Körper in längeren oder kürzeren Leggins und (zu)eng sitzenden T-Shirt’s zur Schau gestellt. Auf dem Trottoir war vor lauter Jogger kaum mehr ein durchkommen. Aber die Ausrüstung immer „on the top“. Egal was einem im Sportgeschäft für unnötiges Zubehör angeboten wird, hier wird es getragen.
Viele Jogger und Walker grüssten uns im vorbeifahren freundlich und vor lauter Zurufen wie „that’s fantastic, have a safe trip, i love your bike“, „Daumen hoch“ (= „like“ Zeichen der Generation facebooke) etc. wussten wir manchmal kaum mehr, wohin wir zurückwinken sollten. Wir wollten ja nicht überheblich wirken, aber den einen oder anderen Gruss haben wir heute sicher nicht erwidert.

Ich habe es heute kurz mal wieder mit einem "normalen" Velo versucht: unbequem, ich bleibe beim "Lieger"

Ich habe es heute kurz mal wieder mit einem „normalen“ Velo versucht: unbequem, ich bleibe beim „Lieger“

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für „Strässe“: Ich hatte leider keine Zeit für einen fishingtrip

Je nördlicher wir kamen, desto ruhiger wurde es und je ruhiger es wurde, desto grösser wurden die Häuser und Boote um uns herum. Wir fuhren heute den ganzen Tag auf den der Küste vorgelagerten Inseln, welche durch Brücken mit dem Festland verbunden sind. Somit ist rechts von uns jeweils die endlos erscheinende Sandbeach, links der „Intracoastal Waterway“. Wer es sich nicht so genau vorstellen kann sucht am besten auf Google Earth nach „Fort Lauderdale Beach“ und schaut sich die (Wasser-) Landschaft mal von „oben“ an.
Also genau da sind wir heute durchgefahren und haben über die Dimensionen, welche die Villen und Boote hier annahmen, nur noch gestaunt und uns so unsere Gedanken gemacht. Dafür hat man auf dem Rad ja genügend Zeit und auch das macht den Reiz dieser Reiseform aus. Eines ist für uns aber klar: Gerechtigkeit sieht anders aus!
Hier einige Bilder von unserer Fahrt heute Morgen:

irgendwie "too much"

irgendwie „too much“ (Limosine hinter dem Tor beachten)

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Grundsätzlich haben wir die Fahrt aber genossen. Der Verkehr auf diesen Strassen war bereits viel ruhiger als gestern und mit jeder Meile Richtung Norden nahm es noch etwas ab. Es ging durch parkähnliche Gartenlandschaften und oft im Schatten von grossen Bäumen voran.
In „Del Ray“, in dem viele Wochenendausflügler unterwegs waren,  legten wir unsere Mittagspause ein. Wir hatten die Bikes noch nicht abgestellt fuhr eine Frau auf dem Rennrad zu uns hin: „Hy, are you travelling?“ fragte sie freundlich. Sie habe uns zusammen mit ihrem Mann vorher auf der Strasse gesehen und ihr Mann habe gesagt, „schau mal die beiden mit dem vielen Gepäck, die sind sicher auf einer Reise.“ Desshalb wollte sie es von uns nun genau wissen. „Wow! that’a great“ etwas Smalltalk und ein herzliches „safe travel“. Solche kurzen Gespräche gab es unterwegs auch heute wieder bei vielen Gelegenheiten. Eigentlich stehen wir kaum mehr als eine Minute an einem Ort und schon kommen Leute auf uns zu und bestaunen die Räder, fragen woher und wohin und finden die Reise allesamt „fantastic“.

Ja an dieser Beach legen die Meeresschildkröten ihre Eier ab, und die Amis schalten sogar die Strassenbeleuchtung aus, um die Tiere nicht zu stören. Wer hätte das gedacht?

Hier an der Beach legen die Meeresschildkröten ihre Eier ab, und die Amis schalten sogar die Strassenbeleuchtung aus, um die Tiere nicht zu stören. Wer hätte das gedacht?

Da wir heute um einiges flüssiger vorwärts kamen hatten wir bereits um zwei Uhr Nachmittags das Etappenziel fast erreicht. Also galt nun unsere volle Aufmerksamkeit der nächsten öffentlichen „Beach“. Dies sind tolle Orte mit so Sachen wie WC-Anlagen, Duschen, gutem Strandzugang und oft auch der Möglichkeit Snacks und kühle Getränke zu kaufen. Am „Ocean Ridge Hammock Park“ fanden wir all das. Die Dame bei der Zufahrt zum Gelände liess uns mit den Fahrrädern kostenlos einfahren, Autos zahlen 5 Dollar. Meine Frage ob wir die Bikes mit dem Gepäck nicht bei ihr neben dem Häuschen abstellen könnten, damit niemand was wegnimmt, verneinte sie. Sie könne wirklich dafür keine Verantwortung übernehmen, aber wir könnten die Räder einfach oben abschliessen und es werde sicher nichts wegkommen. Sie fürchtete sich vermutlich im Falle eines Diebstahls von exorbitanten Schadenersatzklagen die wir gegen sie führen könnten. Also nahmen wir die Pferdchen nach oben, stellten sie in den Schatten, nahmen die Satteltaschen mit den Wertsachen mit und machten sie mit unserem 5 Meter Stahlseil am Geländer fest.Nach zwei Stunden an der Beach, wir waren nur kurz im warmen Wasser (Jellyfish = Quallengefahr), trafen wir die Pferdchen und die Satteltaschen mit den Kleidern wohlbehalten und von einer kleinen Echse bewacht wieder.

unser Wächter

unser Wächter

Anschliessend nahmen wir noch die letzten 9 km zum Motel unter die Räder.
Übernachtung: Scandia Lodge, Lake Worth

Fazit: Wir haben heute viel Masslosigkeit gesehen:
Häuser, Boote, Auto’s, Brustimplantate und dann noch einen masslosnen Sommertag. Ihr müsst euch das so vorstellen: Das ist wie wenn die Wärmestrahlen des ganzen Schweizersommers 2014 an einem Tag über euch ausgeschüttet würde, dazu ein endloser Sandstrand, blauer Himmel und am Abend empfindet man eine Dusche bei der nur der kalte Wasserhahn aufgedreht wird nicht als kalt sondern erfrischend. Ja so ist das hier!
Ich weiss, auch ich bin masslos gemein es euch so genau mitzuteilen, aber ich freue mich eben riesig, den Sommer doch noch gefunden zu haben 🙂

Tag 4: (17.10.14) Miami CutlerBay – Fort Lauderdale, Airport Area

Distanz: 76.32 / Gesmt 310.88 km / Fahrzeit: 5 Std. 21 Min. / Durchschnitt 14.26
sonnig, am Nachmittag heiss, wenig Wind
GPS-Track

City survival training!

Na ja liebe Blogleser ich weiss, die nackten Zahlen dieser Etappe sehen nach einem richtig faulen Tag aus. Kein Gegenwind und nur ein Schnitt von 14.26? Geht den Artho’s schon nach vier Tagen der Saft aus? Keine Angst, das war heute nicht das Problem, der Rhythmus wurde heute einfach dauernd unterbrochen. Wir haben nicht mitgezählt wie oft wir heute unseren schwer beladenen Pferdchen beim Anfahren die Sporen geben mussten, gefühlt war es aber alle 200 Meter.
Wir haben uns für heute ja mal 84 km vorgenommen und wollten so gegen 3 Uhr ankommen. Also sind wir früh aufgestanden und haben beim ersten Tageslicht das Motel verlassen. Um 7.30 Uhr waren wir schon unterwegs. Zuerst ging es wieder wie gestern auf dem Bike Trail am Busway entlang Richtung Miami.

"warm up" auf dem Busway

„warm up“ auf dem Busway

An die vielen Querstrasse hatten wir uns ja bereits gestern gewöhnt und es gelang mir immer besser die Ampelknöpfe, die oft einen Meter neben der Radroute stehen, schon beim „anbremsen“ elegant zu drücken, so dass wir uns sofort in eine gute Startposition für die sehr kurzen Grünphasen begeben konnten. So kamen wir langsam dem Stadtzentrum von Miami näher und die ersten Hochhäuser zeichneten sich am Horizont ab. Der Verkehr auf der Strasse neben dem Busway wurde immer stärker und wir waren froh hier so gut geschützt zu sein. Aber wie das so im Leben und auf Reisen ist, wenn man es sich so richtig gemütlich eingerichtet hat, kommt etwas, das den Frieden stört. Bei uns war das heute ein Strassenschild „End Bike Trail“ :-((
Uns fehlten aber noch immer gut 18 km bis zur Strasse A1A, die uns ab Downtown Miami der Küste entlang nach Norden führen wird.
In diesem Moment kamen mir die Worte des Bikers von gestern Morgen in den Sinn: „Wenn der Bike Trail endet, beginnt die Metrorail. Dies ist eine Hochbahn und unter ihrem Trasse führt ein Radweg fast bis zur Küstenstrasse.“
Wir entdeckten ein kleines Schild „Bike 1 North“. Das musste es sein. Wir folgten dem Pfeil und befanden uns, bevor wir das richtig realisierten, in einem Umsteigebahnhof Bus / Monorail mitten auf dem Perron. Klar das solch frevelhaftes Verhalten im Land der Security nicht lange unbemerkt bleibt. Ein Security Mann kam auf uns zu und sagte freundlich aber bestimmt, dass wir hier auf dem Perron nicht Radfahren dürften, „wegen all der Kinder und so, Sicherheitsgründe halt“. Als ob ich das als „Bähnler“ nicht gewusst hätte! Vielmehr haben wir den Übergang vom Radweg zum Perron irgendwie verpasst. Wir stiegen sofort von den Rädern und erklärtem dem netten Mann das wir nur den Radweg suchen würden und gleich da hinten wäre ein Schild gewesen, welches uns hierher lenkte. Ob er den wisse wo der Radweg Richtung Downtown weitergehe. „Bike Trail?“ allein das Wort schien ihm nicht wirklich bekannt zu sein, aber freundlich wie die Amis sind rief er sofort einen Kollegen zu Hilfe. Leider hatte auch der keine Ahnung. Die beiden gehörten offensichtlich zur Abteilung „Miami nichts weiss“. Wir bedankten uns für die (erfolglosen) Bemühungen und machten uns selber auf die Suche. Irgendwo unter dieser Monorail musste das doch sein. Siehe da, gleich über der Strasse entdeckten wir das gesuchte Schild, den passenden Radweg dazu und fuhren im Schatten der Hochbahn dem Zentrum entgegen.

unter der Metrorail : Schattenfahren :-)

unter der Metrorail : Schattenfahren 🙂

Es war nicht immer ganz einfach die oft verwinkelten Auffahrten nach einer grossen Kreuzung wieder zu finden, aber die Brückenpfeiler der Bahn waren ein sicherer Wegweiser. Danke nochmals unbekannter Biker von Key Largo, dieser Tip war heute Gold wert!

die letzten Meter "Radlerparadis" Downtown voraus!

Die letzten Meter „Radlerparadis“ Downtown voraus!

Dann war aber auch diese Herrlichkeit vorbei und es blieb uns nichts anderes übrig als uns in Downtown Miami den nötigen Platz und Respekt zu verschaffen. Eigentlich lief es recht gut und das Hupen das wir ab und zu im Nacken hörten, interpretierten wir als aufmunterndes „Hallo Biker, good job“. So war die Sache viel erträglicher. Nur einmal haben wir uns kurz verfahren (ca. 600 Meter) dafür konnten wir am Umkehrpunkt „Brickell Key“ diese imponierende Aussicht geniessen.

Panorama Downtown Miami (Tipp: Fotos zum vergrössern anklicken, anschliessend mit der Pfeiltaste zurück wieder zur ursprünglichen Blogansicht wechseln.)

Panorama Downtown Miami (Tipp: Fotos zum vergrössern anklicken, anschliessend mit der Pfeiltaste „zurück“ wieder zur ursprünglichen Blogansicht wechseln.)

Zurück auf der A1A ging es über eine Brücke nach Miami Beach direkt in den Art Deco District. Es war gerade Zeit für ein Mittagessen und das haben wir dann stilecht in einem dieser schön hergerichteten, aber schon etwas in die Jahre gekommenen Restaurants genossen. Preis / Leistung / Qualität, war alles erstaunlich gut und wenn man nach einem anstrengen Bikermorgen bei mittlerweile 31 Grad beim Softgetränk einen gratis „Refill“ bekommt, sitzt man am rechten Platz.

Refill pleas!

Refill please!

Vor unserer Weiterfahrt hat uns spontan ein junger Türke angesprochen. Er sei auch mit dem Bike unterwegs und auf dem Weg nach Südamerika. Er hat unsere Räder bestaunt und wollte von uns und den Pferdchen ein Foto machen. Klar darf er.
Etwas später wollten wir auch von uns ein gemeinsames Foto vor dieser Kulisse und fragten einen Secuitymann ob er nicht für uns abdrücken würde. Er fühlte sich wohl richtig geehrt und ging mit Eifer an die Sache, stellte uns nochmal anders hin und suchte einen anderen Aufnahmewinkel. „Now it’s just perfekt!“stellte er befriedigt fest und wollte dann alles über unsere Reis wissen.

Sein "perfektes Bild"

Sein „perfektes Bild“

Woher, wohin und „das ist ja unglaublich, fantastisch, jeder sollte so etwas mal machen, und dazu noch ein Charity Projekt“ jetzt war er vollends aus dem Häuschen. Er rief eine Kollegin die in der Nähe stand zu sich, gab ihr seinen Fotoapparat und bat uns mit ihm zusammen und den Rädern für das Foto zu posieren. Also noch einmal in eine fremde Kamera gelächelt: We are getting famous! Er erzählte seiner Kollegin was wir vor hatten und diese fragte nur ungläubig, wer den das alles bezahle? „He is retired“ erklärte er ihr in vollem Ernst. Da musste ich intervenieren, „nein, nein, noch nicht pensioniert, nur ein Auszeit“. (Also wenn das noch öfters vorkommt überlege ich mir das mit dem pensionieren nochmals. Liebe Arbeitskollegen, ihr könnt euch mal vorsichtig darauf einstellen, dass meine Rückkehr Anfang Januar also noch nicht zu 100 % gesichert ist.) Der Rest der Etappe? Ein dauernder Kampf um Platz auf der Strasse, vorbei an gesichtslosen Monsterhotelblöcken auf der einen und fantastischen Villen mit gigantischen Booten auf der anderen Seite der Strasse.

Kleines Häuschen mit Boot im Garten,. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Kleines Häuschen mit Boot im Garten,. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Unterwegs haben wir bei einem öffentlichen Strandzugang mit WC und Dusche von diesen Sachen gebrauch gemacht. Wir stellten uns einfach unter die kalte Dusche und konnten so in den nassen Kleidern die Hitze wieder besser ertragen.

Beachpanorama: Das Schwimmen haben wir  heute noch verschoben, aber das kommt schon bald.

Beachpanorama: Das Schwimmen haben wir heute noch verschoben, aber das kommt schon bald.

Gegen 4 Uhr hatten wir genug. Die vielen Stop an Go’s, zu wenig Platz, viel konzentriertes Lenken und in den Rückspiegel schauen, dazu die Hitze. Das alle hat uns doch geschafft und so fuhren wir 10 Km vor dem geplanten Ziel bei einem „Motel 6“ das rechts am Strassenrand auftauchte vor, buchten wieder ein „1. Floor Room“ und konnten direkt vom Parkplatz ins Zimmer fahren. Geschafft nun nur noch absatteln, ein kühles Bierchen (oder Wasser) und noch eine Runde im Pool für die Dehnungsübungen.

Fazit: Miami liegt hinter uns :-))
Übernachtung: Motel 6, Dania Beach, Fort Lauderdale

Liebe „Blogkommentator_innen“: An dieser Stelle einen herzlichen Dank für eure positiven und aufmunternden Kommentare. Sie freuen und motivieren uns auch weiterhin fleissig in die Pedale zu treten und die Tasten zu bearbeiten.

Tag 3: (16.10.14) Key Largo – Cutler Bay

Distanz: 68.6 Km. / Gesamt 234.56 Km / Fahrzeit: 4 Std. 49 Min., viel Gegenwind
Durchnitt 14.24 km 😦  GPS – Track

Workout!

Heute war Fitnesstraining angesagt. Die Strecke von Key Largo nach Cutler Bay, südlich von Miami, ist nicht wirklich spektakulär und verläuft mehrheitlich schnurgerade zwischen grossen Zäunen, welche die Krokodile vom Überqueren der Strasse abhalten sollen.
Aber der Reihe nach. Ich hatte ja geplant, nicht auf der A1 nach Miami zu fahren, sondern den Umweg über die „Card Sound Rd.“ zu nehmen, da dort massiv weniger Verkehr ist. Auf der A1 fährt fast der gesamte Verkehr der von und nach den Key’s unterwegs sind. Beim Frühstück auf der Terrasse im Motel habe ich beobachtet, wie sich gerade ein Radler auf sein voll bepacktes Reiserad setzte und den Helm montierte. Bereit für die nächste Etappe. „Hier entschwindet gerade viel Tourenerfahrung und lokales Wissen“ fuhr es mir durch den Kopf. Also bin ich rasch zu ihm hin, habe ihn freundlich begrüsst und nach seinen Plänen gefragt. „I’m on the way to Key West“, sagte er und als er erfuhr dass wir von dort kommen und uns nun Gedanken zum besten Weg nach Miami machen, stieg er sofort wieder vom Rad, setzte seinen Helm ab und holte sein Handy hervor. Er empfahl mir, nicht die von mir geplante Route zu nehmen, da es auf dieser Strasse kaum einen Seitenstreifen habe. Zur Illustration zeigte er mir Bilder dieses Abschnitts auf seinem Handy. Die A1 sei aber kein Problem, wohl stark befahren aber immer mit einem breiten Seitenstreifen. Ich bedanke mich und gab ihm den Tip auf dem Weg beim Milemarker 80 doch im Midway Cafe vorbeizuschauen. Ich  erzählte im vom netten Lokal, der freundlichen Bedienung und dem guten Essen. „Das passt perfekt, ich werde wohl gerade zu meinem zweiten Frühstück dort sein“ sagte er, setzte den Helm auf und radelte los.
Als wir dann auch startklar auf den vollgepackten Rädern sassen kam eine Motelnachbarin auf uns zu, mit der wir gestern im Pool etwas geplaudert hatten. Sie konnte es nicht fassen das wir wirklich nur mit den Rädern und nicht noch zumindest mit einem Begleitfahrzeug unterwegs waren und bis nach New Orleans wollten. „Phantastisch,  und das alles ohne Benzin zu verbrennen! Have a safe trip“ rief sie uns hinterher als wir losfuhren.

schon bald ein Ritual: Sandwichbunkern für unterwegs

Schon bald ein Ritual: „morgendliches Sandwichbunkern“ für unterwegs

Solche spontane und unkomplizierte Begegnungen und Gespräche geniesse ich jedes mal wenn ich in den USA unterwegs bin. Da könnten wir „verschlossenen Schweizer“ sicher noch etwas dazu lernen.
Die ersten Kilometer führten uns an dem typisch amerikanischen „Ausfallstrassenmix“ vorbei, Fast Food in allen Variationen, Tankstellen, Einkaufszentren, Immobilien- und Rechtsanwaltsbüros, etc.
Dann führte uns die erste Brücke über den Lake Surprise und wir hatten die Key’s nun hinter uns. Von nun an gab es ausser Mangrovengebüschen links und rechts der Fahrbahn für lange Zeit nicht mehr viel zu sehen.

Für Gilbi (hast du hier ein zweites Standbein eröffnet?)

Für Gilbi
(hast du hier ein zweites Standbein eröffnet?)

Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt tauchte auf unserer Strassenseite ein privater Bootshafen mit Reparaturwerkstatt auf, „Zutritt nur für Bootseigner“. Das waren wir zwar wirklich nicht, trotzdem wäre eine Toilette willkommen gewesen. So fuhren wir auf das Gelände und ich ging ins Büro, um artig zu fragen, ob wir zwei Velofahrer nicht doch die „Restrooms“ benützen könnten. Die ältere Dame machte es kurz: „Nein, das ist nur für Bootseigentümer und Marineangestellte!“ Auf die Frage, wo denn die nächste Möglichkeit wäre meinte sie: 20 Meilen (36 km) Richtung Norden . Upps, das ist mit dem Velo aber gar weit. Ich setzte einen flehenden Blick auf, erklärte ihr noch einmal das ich mit meiner Frau und dem Fahrrad unterwegs sei und damit seien 20 Meilen zur Toilette doch ziemlich weit. „Wirklich keine Ausnahme?“ fragte ich. Das hat gewirkt, ohne etwas zu sagen zeigte sie mir mit einer Handbewegung an, das wir die Toiletten nun doch benutzen düefen aber dann zurück auf die Strasse. Mehr wollten wir auch nicht und waren froh und erleichtert, so dass wir uns bald darauf auf dem Seitenstreifen wieder konzentriert dem zum Teil kräftigen Wind entgegenstellen konnten.

Mittagsrast am Rande der A1

Mittagsrast am Rande der A1

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Wer hier im „1 Floor“ wohnt, hat sicher öfters nasse Füsse, (… und schwimmender Besuch in der Küche?)

Ereignislose 40 Km später erreichten wir dann den „Miami – Dade Bikeway“. Dies ist eine etwa 50 Km lange „Velobahn“ die entlang einer separaten Busstrasse von Homested bis nach Downtown Miami führt. Ja, ihr habt richtig gelesen, da gibt es eine zweispurige Strasse auf der nur Linienbusse verkehren dürfen und gleich nebenan auf der ganzen Länge ein breiter Veloweg!

Velobahn!

Velobahn!

Das wären doch mal etwas, das sich die „Velostadt“ Winterthur genauer ansehen sollte. Einen kleinen Haken hat die Sache leider schon. Bei jeder querenden Strasse ist ein Lichtsignal installiert und mangels Induktionsschaufe muss man als Velofahrer immer auf den Ampelknopf drücken, damit es grün wird. Flüssiges fahren sieht anders aus!
Dennoch haben wir unser Ziel die Region „Cutler Bay“ um gut vier Uhr Nachmittags erreicht und im zweiten Anlauf auch ein Motel gefunden, das uns ein Zimmer im „1 Floor“ (heisst zwar übersetzt 1. Stock, es ist jedoch das Parterre gemeint) anbieten konnte. Wir haben nämlich bereits gemerkt das wir viel ruhiger schlafen, wenn unsere Pferdchen bei uns im Zimmer stehen und das geht im „1 Floor“ nun wirklich besser, als wenn wir sie noch hochtragen müssen. Also wird das Erdgeschoss in Zukunft unsere bevorzugte Etage werden.

Blogger at work

Blogger at work

Fazit: Unspektakuläre Landschaft, Gegenwind, also fast wie ein Workout im Fitnessstudio
Übernachtung: La Quinta Inn + Suites Miami Cutler

Tag 2: (15.10.14) Knights Key – Key Largo

 

Distanz: 85.9 km. / Gesammt 166.4 / Fahrzeit 5 Std. 18.Min. / Durchschnitt 16.19 km/h
GPS-Track

Hitzestau!

Die Nacht im Zelt war ziemlich warm, auch wenn wir auf die Montage des Überzelt’s verzichtet haben und so nur im Moskitonetz schliefen. Obwohl wir früh aufgestanden sind, dauerte es doch recht lange bis wir um 9.15 Uhr endlich auf die Strasse kamen. Die Photosession war mitschuldig, musste aber sein!

7 Mile Bridge: Die letzten 13.5 Km gestern Abend

7 Mile Bridge: Die letzten 11.2 Km gestern Abend

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Am Campingplatz: nice place

Hier gibt es definitiv noch Verbesserungspotential. Durch die späte Abfahrt hatten wir dann schon von Anfang an „Betriebstemperatur“. Wie gestern brannte auch heute die Sonne erbarmungslos auf uns Bleichgesichter und da heute der Wind Pause machte, fühlte es sich noch viel heiser an als gestern. Die Anzeige am Fahrradtacho kletterte bis auf 47 Grad. Klar, das war in der Sonne gemessen aber eben genau dort sitzen wir auch. Wir haben also jedes Grad mitbekommen. So lautete das Moto auch heute: regelmässig Tankstellen aufsuchen und im Shop Flüssiges besorgen.

Abkühlen!

Abkühlen!

Landschaftlich wie gestern, mit weitem Blicken übers Meer und an Mangroven vorbei kamen wir langsam aber stetig gegen Norden voran.Heute hatte es viele Baustellen, so dass wir die abgetrennten Radwege oft nicht fahren konnten und immer wieder auf die Hauptstrasse auf den Pannenstreifen ausweichen mussten.

Diese Tafen haben wir heute oft vermisst.

Diese Tafeln haben wir heute oft vermisst.

Das hatten wir ja gestern bereits geübt und so fühlten wir uns immer sicherer, auch wenn die Stellen manchmal gar eng wurden. Gegen 14 Uhr hatten wir nun wirklich Hunger, aber schon seit gut einer Stunde suchten wir vergeblich nach einer Verpflegungsmöglichkeit. Da tauchte beim Milemarker 80 wie eine Fatamorgana das „Midway Cafe“ auf. Es soll genau auf halbem Weg zwischen Miami und Key West liegen.

Unser Paradis heute Mittag!

Unser Paradis heute Mittag!

Solches „Reiseführerwissen“ war uns im Moment aber völlig egal. Wichtig war einzig und allein, dass wir hier auf ein wunderhübsches Cafe mit einer tollen Speisekarte gestossen waren. Die Inneneinrichtung liebevoll zusammengestellt, die beiden Frauen die das Cafe führten ausgesprochen freundlich. Man spürt schon beim Eintreten das hier ein Lokal mit viel Liebe betrieben wird. Mit einem Frappe kühlten wir uns zuerst mal ab und mit den leckeren „homemade Wrap’s“ füllten wir die Kohlenhydratspeicher wieder auf. Als wir aus dem Lokal traten wurde es noch besser: ein lang herbeigesehnter Platzregen, tropisch warm aber eben nach dieser Hitze doch erfrischend, kühlte uns ab. So waren wir für die letzten 30 Km gut gerüstet und haben diese  recht locker abgespuhlt. Im Hotelpool haben wir dann noch die nötigen Dehnübungen gemacht und freuen uns jetzt auf den Schlaf in einem gekühlten Zimmer.

unsere "Pferdchen" dürfen heute auch ins kühle Zimmer.

unsere „Pferdchen“ dürfen heute auch ins kühle Zimmer.

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Da lässt es sich doch gut erholen

Fazit: ganz schön gegrillt Heute
Übernachtung: Bayside Inn, Key Largo

Tag 1: (14.10.2014) Key West – Knights Key

Distanz: 80.5 km, Zeit 5 Std. 20 Min. Durchschnitt 15 km/h
Gegenwind mittel
Route: GPS-Track

The beauty and the beast

So nun geht es also wirklich los. Zum Start der Tour sind wir zum „Southernmost Point“ in Key West gefahren. Das ist der Ort in den USA wo Kuba (90 Meilen) näher ist als der nächste „Walmart“. Und weil das so ungewöhnlich ist, wollen sich alle vor dieser „Boje“ fotografieren lassen. Dafür stehen die Touristenscharen dann schon am Morgen geduldig in der Schlange. Für solche Zeitverschwendung haben wir natürlich keine Zeit, denn es warten die ersten gut 80 km auf uns und der Wind ist, wie gestern von den beiden Liegerafahrern angekündigt, gegen uns. Also haben wir uns kurz neben die Boje gestellt, einen netten Ami gefragt ob er mal ein Foto machen könnte und los gings: „San Diego, wird machen uns auf den Weg!“.

Southernmost Point: südlichster Punkt an der US Ostküste

Southernmost Point:
südlichster Punkt an der US Ostküste

Die auf Null gestellten Kilometerzähler werden an den Rädern montiert und wir suchten uns den besten Weg hinaus aus Key West. Nach einigem „zick-zack“ haben wir die A1 gefunden. Die nächsten Tage werden wir für gut 650 Kilometer mehrheitlich dieser Strasse entlang immer weiter nach Norden fahren.
Der Wind machte uns mehr zu schaffen als erwartet und die Sonne brannte ebenfalls erbarmungslos vom Himmel. Da rächte es sich nun, dass in der Schweiz der Sommer 2014 „nicht stattfand“ und uns so die entsprechenden Hitzerfahrung fehlt. „Coppertone 50“ heisst unsere Waffe gegen den Sonnenbrand und die Creme setzten wir mit amerikanischer „Grosszügigkeit“ (grenzt fast schon an Verschwendung) ein. Wo möglich wird der Körper auch mit Stoff bedeckt. Zum Glück haben wir vor zwei Tagen noch „Armlinge“ mit UV Schutz gekauft, die wir nun gerne anziehen, damit wir nicht am ersten Tag schon geröstet werden.

Armlinge mit UV Schutz und Coppertone 50: Kampg gegen die Sonne

Armlinge mit UV Schutz und Coppertone 50:
Kampf gegen die Sonne

Die Fahrt Richtung Norden führt uns häufig auf einem separaten Radweg etwas abseits der Strasse durch Mangrovenwälder. Es riecht etwas modrig vom Brackwasser, dafür spenden die Büsche etwas Schatten. Vor uns liegen immer wieder Gruppen von Leguanen in der Sonne, die sich beim Näherkommen aber sofort in die Mangrovenbüsche zurückziehen, so das an fotografieren gar nicht zu denken ist.
Plötzlich taucht am Radweg ein Schild auf „Cafe / Lime Pie“.  Das kommt uns gerade recht. Erstens müssen wir dringend Wasser nachschütten, denn wir haben bereits einige Liter verdunstet, zweitens schaden etwas Kalorien auch nicht, den diese werden fortlaufend verbrannt und wenn das Ganze noch in einer schönen, schattigen „Gartenbeiz“  genossen werden kann, macht das die Entscheidung anzuhalten noch einfacher.

fast wie am Radweg im Tösstal: schattige Gartenbeiz

Fast wie am Radweg im Tösstal: schattige Gartenbeiz

Nach dieser Stärkung fühlten wir uns fit für die erste grosse Brücke auf der Tour. Leider gibt es da oft keine separaten Bereiche mehr für Velofahrer und man muss sich auf dem Pannenstreiffen mit den Autos und Trucks die Brücke teilen. Zum Glück sind die meisten Fahrer rücksichtsvoll, vor allem die Trucks weichen wenn immer möglich grosszügig aus.

share the road

„share the road“

Wir machen uns so gut es geht „sichtbar“: Warnweste um die grosse Tasche auf meinem Gepäckträger, Fahnen am Rad und Barbara hat zusätzlich noch ein längeres pinkfarbenes Tuch befestigt. Dieses flattert mutig im Wind und macht uns so noch früher sichtbar. Nach weiteren „Tankstops“, die wir zum nachfüllen von Wasser und Powergetränken einlegen mussten, stand „kurz“ vor dem Ziel die grösste Herausforderung an: 7 Mile Bridge. Also eine gut 11.2 km lange Brücke, schmaler Seitenstreifen, in der Mitte noch ein „Hügel“, damit die Schiffe unter der Brücke passieren können. Barbara wollte die Brücke ohne vorherigen Erholungsstop anfahren, denn sie wollte es einfach hinter sich bringen und hat das prima gemeistert. Am Ende eines langen und anstrengenden Tages haben wir das Zelt aufgestellt und uns anschliessend vor dem Abendessen noch mit einem Bad im warmen Atlantik belohnt.

Noch viele freie Plätze. Die Saison startet erst im Dezember.

Noch viele freie Plätze.
Die Saison startet erst im Dezember.

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Wir lassen uns die Pasta in schöner Umgebung schmecken!

Fazit:
The beauty = tolle Landschaften und Weitblick
The beast = kommt von hinten, röhrt oft beeindruckend und lässt einem an einer Brückenwand sehr verletzlich erscheinen.
Übernachtung: Knights Key Campground

 

13.10.2014: letzte Vorbereitugen

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der letzten Vorbereitungen. Zuerst der Körper: Das bedeutet, noch mal so lange im Bett liegen bleiben wie man will, gemütlich das Frühstück geniessen, ausgiebig im Pool baden, an der Sonne liegen etc.

Blüte vor der Zimmertüre

Blüte vor der Zimmertüre

Der Namer versprichti nicht zuviel: Paradise Inn

Der Name verspricht nicht zuviel: Paradise Inn

Anschliessend mussten wir aber doch auch ans Material denken. Wir haben unsere Reifen als zusätzlichen Pannenschutz mit einer grünen Flüssigkeit befüllt, die im Falle eines Lochs den Reifen von innen her abdichten soll. Mal sehen ob das funktioniert. Um die Masse im Reifen gut zu verteilen, haben wir gleich noch eine kleine Rundfahrt im alten Teil der Stadt gemacht. Viele schöne alte Häuser, aber auch einige die mehr als einen Eimer Farbe nötig hätten. An die Energie die benötigt wird um diese Bretterbuden auf die hier üblichen „Minusgrade“ herunter zu kühlen wagen wir schon gar nicht zu denken.

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Hübsches Blumengeschäft …

 

Blumenladen an der Simeon Street

… an der Simeon Street

Dann fuhren wir noch ganz ans Ende von Key West zum Ford Zachary Taylor Historic State Park.
Eine Befestigungsanlage aus der Zeit um 1845 das bis 1947 als Bollwerk gegen möglichen Angreifer in Betrieb war. Heute gibt es ausser dem weiten Blick aufs Meer hinaus nicht wirklich viel zu sehen.

Fort Zachary Taylor

Fort Zachary Taylor

Die Picknickplätze auf dem Areal sind jedoch sehr schön angelegt und einige Strandabschnitte laden zum Baden ein.
Dort haben wir dann den Ort gefunden, um die wichtige Startzeremonie vorzunehmen. Das Hinterrad meines Grasshopper musste das Wasser des Atlantik spüren. Ich habe mein Pferdchen also da runter getragen und vorsichtig in den Sand gesetzt, schliesslich soll mein Lieger ja nicht als eine vom Salzwasser zerfressene Rostlaube am Pazifik ankommen. Kaum waren die Bilder gemacht, tauchten zwei Parkranger auf. Höflich aber bestimmt haben sie uns klargemacht, dass in der Picknickarea nicht mit dem Fahrrad gefahren werden darf. Ich habe die beiden aufgeklärt, das dies ganz wichtiger Moment sei, um den Start zu einer Reise quer durch die USA symbolisiere. Dazu müsse das Rad eben kurz an den Strand. Das hat sie sofort überzeugt. Sie wünschten eine gute Reise und setzten ihren Patrouillengang fort.

Weiter östlich kann die Radreisen nicht mehr starten.

Weiter östlich kann die Radreisen nicht mehr starten.

Auf der Fahrt zurück zum Hotel haben uns noch zwei Männer um die 65 zu sich gerufen. „Kommt schnell zu uns, wir fahren auch Liegedreirad.“ Wir sind zu ihnen über die Strasse und die zwei hatten ihre helle Freude an unseren Rädern. Sie haben alles genau inspiziert und es war uns sofort klar, das wir es hier mit richtigen „Experten“ zu tun haben. Das wir auf unseren Bikes noch vom Lenker aus bedienbare Blinklichter montiert haben, hat aber selbst die Amis verblüfft. Sie wollten natürlich sofort wissen welche Marke das ist und wo man so etwas bekommen kann. Anschliessend haben sie uns ihren Fahrzeugpark gezeigt. Zwei „Renntrikes“, also dreirädrige Liegeräder die sehr tief, und damit aerodynamisch konstruiert sind. Dann zwei gemässigte Trikes mit etwas höherer Sitzposition und noch zwei Trikes in der E-Bike Ausführung. Zu Hause in Dalles Texas, wo sie wohnen, wären noch mehr solcher Teile erklärten sie, inkl. ein Velomobil (vollverschaltes Liegerad). Auch hier also, typisch amerikanische Materialschlacht. Die beiden wünschten uns eine gute Reise. Wir bedankten uns, denn jeden guten Wunsch können wir gebrauchen. Morgen geht’s nun richtig los.

 

12.10.14: Angekommen

Die erste Nacht in Homestad (südlich von Miami) haben wir in einem sehr ruhigen Motel verbracht. Trotzdem wollte das mit dem Schlaf  nicht so recht klappen. Wie es scheint,  wird das mit dem Jetlag mit fortschreitendem Alter auch nicht besser.  Müde genug wären wir nach dem Flug und den letzten Tagen ja gewesen.

Hier im Nachgang noch einige Bilder vom Samstag:

ready to fly

 

Winglets (für Hollä)

Winglets (für Hollä)

FAY hat sich genau in der Flugroute bewegt und zwang uns zum Umweg!

FAY hat sich genau in der Flugroute bewegt und zwang uns zum Umweg!

 

All unser Gepäck hatte im Mietwagen platz!

All unser Gepäck hatte im Mietwagen platz!

Nach der ganzen Reise muss Barbara ziemlich „alt“ ausgesehen haben. Es gelang ihr nämlich im „Denys“ problemlos ein „Menue 55+“ zu bestellen. Diese Seite der Speisekarte wäre ja eigentlich den Senioren vorbehalten. 😉

Schlaflose Nächte können ja auch für manches gut sein. So konnte ich meine bereits zu Hause gekaufte „pre paid US SIM Karte“ mal in mein Handy stecken und versuchen Verbindungen aufzubauen. Telefon und SMS klappten auch problemlos, beim Internet wurde es dann schon schwieriger. Zum Glück gab s im Motel „free wifi“, so dass ich mit dem i-Pad recherchieren konnte, welche Einstellungen ich im Handy anpassen musste, damit das auch mit dem Datenverkehr (MMS, Internet usw.) klappt. Ich habe also heute Nacht also ungefragt gelernt, wie man einen APN Zugang manuell einrichtet, wo man die „Proxyserver URL“ findet etc. Fakt: Seit heute um 04.30 Uhr Ortszeit ist mein Handy über eine US – SIM mit dem grossen Netz verbunden.

Unser Tagesziel heute: Key West erreichen und Fahrräder startklar machen!
Ziel ist erreicht!
Da am Morgen noch etwas Zeit blieb, haben wir einen kurzen Abstecher in den Everglades NP gemacht. Ein Besuch im Visitor Center sowie im Bereich „Royal Palm Area“ zwei kurze Rundgänge konnen wir noch machen.  Die Moskitos waren recht zahm und haben uns auch ohne Spray kaum belästigt. Tiere? Na ja es war um die Mittagszeit, also viele haben wohl gewusst dass wir eigentlich nach Key West, dem Aufenthaltsort von Ernest  Hemmingway wollen und gleich mal eine „Siesta“ eingelegt.

Eine recht grosse Floridaschildkröte ist zwar zum Teil neben den Besucherwegen entlang geschwommen, hat sich aber nicht ins rechte Licht gerückt.  So ist es dann vorwiegend bei den Pflanzenfotos geblieben,

hat still gehalten

Schattenspender

nice Gator

I See you

… nur ein Aligator hat uns mal „zugezwinkert“

Dann die ganze Strecke runter nach Key West. Wir haben die Strasse diesmal zwar durch die Frontscheibe, aber mit dem Blick des Velofahrers angeschaut. Wo gibt es Engstellen, wo wird gebaut, was wären für Alternativen möglich? Schliesslich wollen wir für die Rückfahrt per Rad möglichst wenig Überraschungen erleben. Kurz nach halb fünf haben wir dann den Mitewagen am Flughafen Key West zurückgebracht.

Bikes are ready

Bis wir soweit waren, ist Schweiß geflossen.

Alles Gepäck ausgeladen, die Boxen geöffnet (hurra alle Bikes sind ohne Schaden angekommen, danke Emil) und dann die Räder wieder zusammengebaut. Nach gut zwei Stunden im Schatten des Parkhauses (danke das uns die Security nicht weggeschickt hat) waren zwei Liter Schweiss vergossen, die Räder gepackt, das Verpackungsmaterial entsorgt und so konnten wir die ersten 6 Kilometer bis zum Hotel unter die Räder nehmen.
Dem Sonnenuntergang entgegen. Dass nennen wir mal einen würdigen Empfang.

great welcome to Key West

was für ein Empfang

… und morgen werden wir einfach das Hotel, den Pool, die nähere Umgebung geniessen und noch so richtig ausspannen, bevor am Dienstag dann die Reise wirklich beginnt.

just relax

 

 

on the way

So nun sind wir also unterwegs, und die lange geplante Reise hat mit dem Flug LX64 nach Miami definitiv und ziemlich pünktlich begonnen.

Diesen Bericht schreibe ich nun irgendwo zwischen Island und Kanada, 11’000 Meter über dem Atlantik. Wir können die Aufmerksamkeit des Kabinenpersonals heute sogar noch etwas länger geniessen 🙂 Wie der Pilot erklärt hat nehmen wir wegen eines Hurrikane über den Bahamas einen Umweg, fliegen etwas nördlicher als üblich und dann der US Ostküste entlang Richtung Süden.
In der Woche vor dem Abflug schien die Zeit nur so zu rasen. Noch dies und das sollte erledigt oder besorgt werden; Bankgeschäfte klären, Einzahlungen, ein letzter Check der Materialliste, finales Einpacken, letzte Gartenarbeiten, Arbeitsübergabe im Büro, sich von Freunden und Familie verabschieden etc. Die Liste war definitiv länger als die zur Verfügung stehende Zeit.
Fredys Matelialberg
Trotzdem konnten wir heute recht entspannt und begleitet von unseren Töchtern Anja und Julia zum Flughafen und uns in Ruhe verabschieden. We will miss you!
Am Check-In in Kloten war heute Hochbetrieb und wir waren froh, unser Gepäck bereits gestern Abend abgegeben zu haben. Die Nähe zum Flughafen bringt eben auch Vorteile. Schnell mal ein Vorabend-Check-In hätten sich wohl viele unserer Mitreisenden nicht leisten können. Es wird auffallend viel französisch gesprochen in der Kabine und die mussten heute wohl alle lange an den Schaltern warten.
Wir haben unser Gepäck gestern mit Hilfe meines Bruders fachgerecht verpackt, die Fahrräder in einen Karton gesteckt, mit Folie umwickelt und mit „Vorsicht Glas“ Bändern beschriftet. Die müssen einfach gut ankommen.
Die Bikes in der Wickelmaschine
Zu den Rädern lagen auf dem „Sperrgepäckwagen“ dann noch eine Nylontasche sowie ein Karton. Total haben wir inkl. Räder gut 70 Kilo aufgegeben. Hoffentlich ist unser Mietwagen in Miami genug gross, so dass wir alles verstauen können. In 5 Std. werden wir genaueres wissen.
Ach ja, und ganz herzlichen Dank für all die lieben Grüsse und guten Wünsche die wir kurz vor Abflug noch erhalten, aber nicht mehr beantwortet haben.
So und nun ist Schluss mit Schreiben, schliesslich sollte ich meinem Arbeitskollegen Roger Kern ja wieder mal die Daumen drücken. Er kämpft in diesem Moment am IRONMAN auf Hawai um eine gute Platzierung. Ich wünsche ihm, dass all sein Training und seine Disziplin mit einem für ihn guten Wettkampf belohnt wird. Und dann noch einen herzlichen Glückwunsch an alle die heute 40ig wurden ; -)

Mittlerweile gut angekommen, mehr dazu morgen, gute Nacht.

Noch 5 Tage

In den letzten Tagen konnte ich auf der „to to liste“ wieder so einiges abarbeiten. Die Fahrräder haben bei „Fateba“ noch einen letzten Check bekommen. Das Team um Markus hat einen guten Job gemacht. Die Schaltung ist mit neuem Öl gefüllt, so dass sich all die vielen Zahnräder für die 14 Gänge in der Nabenschaltung so richtig wohl fühlen. Den Bremsen wurden neue Beläge verpasst, schliesslich werde ich diese auf 5000 Kilometer öfters mal betätigen müssen und dann sollen sie ihre Arbeit wie erwartet erledigen können. Das Schuhwerk (sprich Reifen) meines Liegers wurde ebenfalls erneuert. Ich habe mir die neuen Schwalbe Marathon plus montieren lassen. Gemäss Hersteller sollen dies „unplattbar“ sein. Ich bin gespannt und werde darüber akkribisch Buch führen. Hoffen wir mal, das ich am Ende der Tour sagen kann: Kompliment, nicht zu viel versprochen!

Unsere Radtaschen sind soweit gepackt und abgewogen. Ab und zu werfen wieder mal einen Blick hinein und überlegen, ob wir dies oder das noch zu Hause lassen könnten. Schliesslich muss jedes Kilo zu viel mit Muskelkraft vorwärts bewegt werden. Die Tatsache dass wir im Notfall fehlende Teile in der Regel in den USA problemlos kaufen können, erleichtert uns den Entscheid das Eine oder Andere wieder auszupacken. Auf vielen Veloblogs habe ich gelesen, das vor allem die Greenhorns (wie wir) auf ihrer ersten Tour zu schwer bepackt waren und schon bald einen Teil des Ballast wieder nach Hause schicken mussten. Barbara ist bei 11 kg angelangt. Ein guter Wert! Natürlich hat sie auf das Beauty Case, die Highheels, das kleine Schwarze usw. verzichtet, aber schliesslich planen wir ja auch keine ausgiebigen Partynächte sondern brauchen vorwiegend funktionale Klamotten.

Bei mir sind es mit Zeltausrüstung inkl. Matten und Schlafsäcke für beide, Fotoapparat, GoPro, iPad mit allen Ladekabeln sowie Veloersatzteilen inkl. 1 Ersatzreifen nun etwa 21 Kg. Somit also schon nahe an der „Schmerzgrenze“. Mal sehen ob sich für die finale Packversion bis am Freitag noch etwas optimieren lässt.

Und dann war da am 26.09. noch das Kokou-Fest in Zürich. Ich war zusammen mit Barbara dort und wir hatten die Gelegenheit Kokou und seine Frau Elisabeth sowie das Leitungsteam des Vereins „Freundinnen und Freunde von Kokou“ persönlich kennen zu lernen.

Treffen mit Elisabeth und Kokou am 26.09.2014

Treffen mit Elisabeth und Kokou am 26.09.2014

Ich habe an diesem Anlass auch das Sponsoringprojekt kurz vorgestellt und viele positive Rückmeldungen bekommen. Kokou und Elisabeth haben über den aktuellen Stand ihres Spitals sowie die Zukunftspläne berichtet. Es war sehr eindrücklich aus erster Hand mehr über ihre Arbeit in Togo zu hören. Sie schilderten eindrücklich iher Alltag in der Klinik nördlich von Lome und mit welchen Schwierigkeiten sie immer wieder konfrontiert sind. Beeindruckt hat mich auch das persönliche Engagement mit welchem sie sich für eine Verbesserung der Lebenssituation der Patienten vor Ort einsetzen. Neu werden sie auch eine gynäkologische Abteilung eröffnen um schwangere Frauen während der Schwangerschaft und Geburt betreuen zu können. Auch bei den Vereinsmitgliedern habe ich viel Engagement und positive Energie gespürt. Ich bin mehr denn je überzeugt mit diesem Sponsoringprojekt eine gute und wichtige Sache unterstützen zu können und das jeder Franken sehr direkt zugunsten der Betroffenen eingesetzt wird. In diesem Sinne war das Fest für mich eine gute Erfahrung und wird mir Unterwegs ab und zu als „Motivationsspritze“ dienen, wenn es mal nicht so rund läuft oder de Motivation etwas in den Keller sackt. Also, wer es noch nicht gemacht hat, es ist nie zu spät sich noch als Sponsor anzumelden! Einfach ein Mail an liegerad@gmx.ch senden, den eingesetzten Betrag in Rappen pro Meile angeben und schon ist du dabei.

In den nächsten zwei Tagen muss nun im Büro noch die Übergabe an meinen Stellvertreter über die Bühne und dann darf ich die geschäftlichen Gedanken bis ins neue Jahr in der Betriebszentrale Ost lassen.
Danke Kollegen, echt nett von euch mir all das abzunehmen!

Noch 4 Wochen

In 4 Wochen sitzen wir um diese Uhrzeit schon im Flieger. „SWISS LX64“ von Zürich nach Miami!
Ich kanns kaum erwarten!
(Mein näheres Umfeld vermutlich auch nicht, habe ich sie doch in den letzten Monaten sicher etwas gar oft mit diesem Thema „unterhalten“.)
Vor nicht allzulanger Zeit erschien es mir noch ewig zu dauern, bis wir die Fahrräder einpacken und losfliegen können. Nun habe ich plötzlich das Gefühl, dass es doch noch das eine oder andere zu erledigen gilt. Die Fahrräder müssen noch zum grossen Service, einige Ersatzteile sind zu beschaffen, das „flugzeugtaugliche Probeverpacken“ der Räder wurde noch nicht erledigt…
Auf meinem Smartphone ist noch immer nicht alles so konfiguriert wie ich das haben wollte, mein Umgang mit dem neuen Fotoapparat beschränkt sich mangels Einarbeitung auch mehrheitlich auf den Modus „automatische Belichtung“ und das mit den angepeilten Trainingskilometern hat in diesem Regensommer ebebfalls nicht ganz geklappt. Zumindest eine 2-tägige 200 km Trainigsfahrt mit Vollgepäck und Übernachtung im Zelt konnten Barbara und ich Mitte August mal durchführen. Danach hatten wir nur noch Zeit für kürzere Feierabendfahrten. Dass muss nun wohl genügen. Wir haben zum Glück aber ein gutes Gefühl und sind nach wie vor überzeugt, dass wir das mit unseren Liegerädern schon schaffen werden.

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Dem Walensee entlang Richtung Sargans, die Regenfront im Nacken!

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Testnacht im kleinen MSR Zelt. Nur 1.7 kg und Platz für zwei 🙂

In den letzten Tagen und Wochen konnte ich mein Sponsoringprojekt „MILES 4 KOKOU“ bekannt machen. Familie, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen haben sich in den letzten Tagen auf „liegerad(at) gmx.ch“ gemeldet und mir ihre Zusagen zu einem Sponsoring geschickt. Allen an dieserStelle schon mal herzlichen Dank. Im Moment würden bei erfolgreicher Durchquerung etwa 1500 Fr. für das Spital in Togo zusammenkommen. Das hat also ganz toll angefangen und geht hoffentlich noch weiter. Also nicht vergessen und eine Sponsorenzusage machen!
So nun noch schnell zum Veloladen um einen Servicetermin festzulegen und die notwendigen Ersatzmateialien zu beschaffen.