Tag 17: (30.10.14) Port st. Joe – Panama City Beach

Distanz: 92 km / Gesamt: 1416.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 31 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h

Morgen bedeckt und kalt (16 Grad, Bise), nachmittags 24 Grad, böiger Gegenwind
GPS-Track

cool down

Der Tag startete heute bereits mit einer für uns in letzter Zeit unwichtigen Frage: Was müssen wir anziehen um uns nicht wie auf einer „Spätherbstvelotour bei Ostwindlage im Schweizer Mittelland“ zu fühlen. Barbara machte da schon mal vieles richtig und setzte auf das „Zwiebelprinzip“, bei mir dauerte es etwas länger.
Es war sowieso kein gelungener Start in den neuen Tag. Für Barbara’s Geschmack bin ich heute zu spät aufgestanden, das Frühstück war mässig und als ich ihr nach exakter Ortsbestimmung unseres Hotels verkünden musste, dass es statt der vorausgesagten 78 km auch heute wieder 90 km werden würden, da sackte bei ihr die Stimmung und Motivation in den Keller.

Auf einer so langen und anstrengenden Reise gehören auch solche Momente dazu. Die körperlichen wie auch psychischen Anstrengungen fordern ab und zu eine Pause um die Batterien aufladen zu können. Aber dieser Tag ist erst morgen und so „müssen“ wir halt auch heute die Taschen wieder anschnallen, uns auf die Lieger setzen und losradeln. In solchen Momenten wissen wir beide, warum wir nie mit einem Tandem auf lange Reise gehen würden! So fährt jeder für sich, macht sich so seine Gedanken und die Schönheiten der Landschaft treten mal für einen Moment in den Hintergrund.

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Wir haben auf dieser Reise einen eigenen bestimmten Rhythmus für Toiletten-, Trink- und Dehnungspausen und dieser wird auch heute eingehalten. Beim ersten Stop musste ich tief in meine Satteltasche greifen und die warmen „Beinüberzieher“ sowie eine Jacke hervorholen, die ich eigentlich erst weiter im Westen für nötig erachtete. Aber im Moment zieht gerade eine Kaltluftfront bis tief in den Süden der USA und wird uns die nächsten drei Tage kühlere Temperaturen und vor allem auch kräftige Gegenwinde bescheren. Offenbar wollen die Wettergötter Barbara auf den letzten Tagen doch noch zeigen das hier nicht immer eitel Sonnenschein herrscht.

Wir kommen in "Touristengebiet". Restaurant in "Mexico Beach".

Wir kommen ins „Touristengebiet“. Restaurant in „Mexico Beach“.

Die Fahrt verlief soweit ganz gut, dem kühleren Wetter und der Stimmung sowie dem Wind mussten wir aber tempomässig Tribut zollen. Wieder durch lange Waldpartien und dann während 8 Meilen absolutes Fotografier- und Anhalteverbot. Wir fuhren entlang der „Tyndall Air Force Base“ und über uns kurvten und dröhnten verschiedene, zum Teil riesige Kampfjets auf ihren Trainingsrunden. (Nein dazu gibt es auch für die Aviatikfans keine Fotos. Wir wollten uns nicht mit den Jungs auf eine Diskussion über das Fotografierverbot einlassen. Vermutlich wurden wir als suspekte Radler sowieso auf dem ganzen Abschnitt mit Drohnen überwacht.)
Gegen Mittag war Panama City erreicht und wir wurden velofahrtechnisch nochmals richtig auf die Probe gestellt. Kein Seitenstreifen und eine zweispurige Strasse mit ziemlich rücksichtslosen Autofahrern. Das Trottoir, welches uns in solchen Fällen jeweils als „Notausgang“ zur Verfügung steht, war schlicht „unfahrbar“. Es bestand aus zerbrochenen, schief und krumm verlegten Betonplatten und mittendrin standen immer wieder Stromleitungsmasten oder Verkehrsschilder, so dass wir mit den Liegern zu breit waren. Also war nochmals volle Konzentration, selbstbewusstes Auftreten und Nervenstärke gefragt. Wir haben’s irgendwie geschafft und uns dann bei KFC am Lunchbuffet gestärkt. Mit dem Essen stieg die Stimmung und draussen machte die Sonne ihre Arbeit, so dass wir nach einem kühlen Morgen die wärmenden Sachen wieder ausziehen konnten. Dazu fanden wir auf dem Navi ganz in der Nähe einen „Fluchtweg“ von der Strasse 98 die hier wirklich kaum fahrbar ist. Über kleinere Seitenstrassen haben wir uns durch Panama City durchgearbeitet und kurz vor der grossen Brücke, die rüber nach Panama City Beach führt, meldet Barbara: „Platten hinten!“

Nebenstrasse in Panama City

Nebenstrasse in Panama City mit eigenem Seitenstreifen: Erholung pur nach Verkehrsstress

Also haben wir die Satteltaschen abgeladen, das Rad optisch kontrolliert aber nichts gefunden. Sie fuhr aber buchstäblich auf den Felgen. Sollen wir den Schlauch wechseln oder auf das grüne Wundermittel vertrauen, ob das Loch nach dem Aufpumpen wieder dicht wird? Wir setzten auf die zweite Variante und hatten Erfolg. Tatsächlich scheint der Schlauch wieder ok und wir schafften es ohne Probleme bis zum Hotel.

Die Luft nach steiler Brückenauffahrt bei Barbara zwar drausen aber der Hinterreifen hält dicht.

Die Luft nach steiler Brückenauffahrt bei Barbara zwar draussen aber der Hinterreifen hält dicht.

Bei der Einfahrt an der Hotelmeile stellten wir bald fest das dies hier einer dieser Retortenorte ist, wie sie überall auf der Welt an schönen Stränden hingestellt werden. Riesige Hotels, viele Restaurants und Souvenierläden, Fahrrad- und Mofavermietungen, Vergnügungsparks, schlicht Auswechselbarkeit.

Es gibt Tage, an denen steht einiges "Kopf"

Es gibt Tage, an denen steht einiges „Kopf“ (an der Einfahrt zur „Front Beach Road“)

Es offenbarte sich auch, woher unsere zusätzlichen 10 km in der Routenplanung kamen. Die Hotels an der „Beach Front Rd“ erstrecken sich auf mindestens 10 km. Wenn nun in der Grobplanung nur mal die Strasse als Ziel eingegeben wird, unser Hotel aber ganz am anderen Ende liegt, so kommen da halt einige Kilometer dazu. Aber weil die Sonne schien, es wieder warm und wir auf der „Zielgeraden“ waren, liessen wir uns nicht mehr stressen und fuhren die letzten 40 Min. gemütlich zum Hotel. Immer wieder wurden wir von sportlichen Rennradfahrern überholt. Einmal rief einer sogar „Grüäzi“. Da wurde mir klar, es muss hier am Wochenende der „Ironman Florida“ stattfinden. Mein Arbeitskollege Roger Kern hatte sich ja genau hier vor einem Jahr für den Wettkampf in Hawaii qualifiziert. Diesmal ist er aber nicht dabei und bereitet sich schon auf den Wettkampf in Hawaii vor. Wir müssen dann nach dem morgigen Ruhetag am Samstagmorgen einfach schauen, wie wir trotz für den Wettkampf abgesperrter Strassen wieder gut von hier wegkommen. Aber zuerst ist jetzt mal Pause!

Hier ist Auftanken angesagt. Sollte wohl klappen .-)

Hier ist Auftanken angesagt. Sollte wohl klappen 🙂

Ich weiss, ein weiteer kitschiger Sonnenuntergang. Schön finde ich es trotzdem.

Ich weiss, ein weiterer kitschiger Sonnenuntergang. Schön finde ich es trotzdem.

Übrigens: Weil wir heute trotz „kühlem Start“ wieder einen so guten gemeinsamen Rhythmus gefunden haben, haben uns die Amis doch tatsächlich die von mir „verpennte“ Stunde geschenkt! Ohne es zu bemerken sind wir in der „Central-Standard-Time-Zone“ angekommen und können so die Uhren um eine Stunde zurückstellen. (Aber nur bis Sonntag, dann endet auch hier die „Tageslichtsparzeit“ wie die Sommerzeit hier genannt wird.)
Übernachtung: Beachcomber by the Sea, Panama City Beach

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