Tag 4: (17.10.14) Miami CutlerBay – Fort Lauderdale, Airport Area

Distanz: 76.32 / Gesmt 310.88 km / Fahrzeit: 5 Std. 21 Min. / Durchschnitt 14.26
sonnig, am Nachmittag heiss, wenig Wind
GPS-Track

City survival training!

Na ja liebe Blogleser ich weiss, die nackten Zahlen dieser Etappe sehen nach einem richtig faulen Tag aus. Kein Gegenwind und nur ein Schnitt von 14.26? Geht den Artho’s schon nach vier Tagen der Saft aus? Keine Angst, das war heute nicht das Problem, der Rhythmus wurde heute einfach dauernd unterbrochen. Wir haben nicht mitgezählt wie oft wir heute unseren schwer beladenen Pferdchen beim Anfahren die Sporen geben mussten, gefühlt war es aber alle 200 Meter.
Wir haben uns für heute ja mal 84 km vorgenommen und wollten so gegen 3 Uhr ankommen. Also sind wir früh aufgestanden und haben beim ersten Tageslicht das Motel verlassen. Um 7.30 Uhr waren wir schon unterwegs. Zuerst ging es wieder wie gestern auf dem Bike Trail am Busway entlang Richtung Miami.

"warm up" auf dem Busway

„warm up“ auf dem Busway

An die vielen Querstrasse hatten wir uns ja bereits gestern gewöhnt und es gelang mir immer besser die Ampelknöpfe, die oft einen Meter neben der Radroute stehen, schon beim „anbremsen“ elegant zu drücken, so dass wir uns sofort in eine gute Startposition für die sehr kurzen Grünphasen begeben konnten. So kamen wir langsam dem Stadtzentrum von Miami näher und die ersten Hochhäuser zeichneten sich am Horizont ab. Der Verkehr auf der Strasse neben dem Busway wurde immer stärker und wir waren froh hier so gut geschützt zu sein. Aber wie das so im Leben und auf Reisen ist, wenn man es sich so richtig gemütlich eingerichtet hat, kommt etwas, das den Frieden stört. Bei uns war das heute ein Strassenschild „End Bike Trail“ :-((
Uns fehlten aber noch immer gut 18 km bis zur Strasse A1A, die uns ab Downtown Miami der Küste entlang nach Norden führen wird.
In diesem Moment kamen mir die Worte des Bikers von gestern Morgen in den Sinn: „Wenn der Bike Trail endet, beginnt die Metrorail. Dies ist eine Hochbahn und unter ihrem Trasse führt ein Radweg fast bis zur Küstenstrasse.“
Wir entdeckten ein kleines Schild „Bike 1 North“. Das musste es sein. Wir folgten dem Pfeil und befanden uns, bevor wir das richtig realisierten, in einem Umsteigebahnhof Bus / Monorail mitten auf dem Perron. Klar das solch frevelhaftes Verhalten im Land der Security nicht lange unbemerkt bleibt. Ein Security Mann kam auf uns zu und sagte freundlich aber bestimmt, dass wir hier auf dem Perron nicht Radfahren dürften, „wegen all der Kinder und so, Sicherheitsgründe halt“. Als ob ich das als „Bähnler“ nicht gewusst hätte! Vielmehr haben wir den Übergang vom Radweg zum Perron irgendwie verpasst. Wir stiegen sofort von den Rädern und erklärtem dem netten Mann das wir nur den Radweg suchen würden und gleich da hinten wäre ein Schild gewesen, welches uns hierher lenkte. Ob er den wisse wo der Radweg Richtung Downtown weitergehe. „Bike Trail?“ allein das Wort schien ihm nicht wirklich bekannt zu sein, aber freundlich wie die Amis sind rief er sofort einen Kollegen zu Hilfe. Leider hatte auch der keine Ahnung. Die beiden gehörten offensichtlich zur Abteilung „Miami nichts weiss“. Wir bedankten uns für die (erfolglosen) Bemühungen und machten uns selber auf die Suche. Irgendwo unter dieser Monorail musste das doch sein. Siehe da, gleich über der Strasse entdeckten wir das gesuchte Schild, den passenden Radweg dazu und fuhren im Schatten der Hochbahn dem Zentrum entgegen.

unter der Metrorail : Schattenfahren :-)

unter der Metrorail : Schattenfahren 🙂

Es war nicht immer ganz einfach die oft verwinkelten Auffahrten nach einer grossen Kreuzung wieder zu finden, aber die Brückenpfeiler der Bahn waren ein sicherer Wegweiser. Danke nochmals unbekannter Biker von Key Largo, dieser Tip war heute Gold wert!

die letzten Meter "Radlerparadis" Downtown voraus!

Die letzten Meter „Radlerparadis“ Downtown voraus!

Dann war aber auch diese Herrlichkeit vorbei und es blieb uns nichts anderes übrig als uns in Downtown Miami den nötigen Platz und Respekt zu verschaffen. Eigentlich lief es recht gut und das Hupen das wir ab und zu im Nacken hörten, interpretierten wir als aufmunterndes „Hallo Biker, good job“. So war die Sache viel erträglicher. Nur einmal haben wir uns kurz verfahren (ca. 600 Meter) dafür konnten wir am Umkehrpunkt „Brickell Key“ diese imponierende Aussicht geniessen.

Panorama Downtown Miami (Tipp: Fotos zum vergrössern anklicken, anschliessend mit der Pfeiltaste zurück wieder zur ursprünglichen Blogansicht wechseln.)

Panorama Downtown Miami (Tipp: Fotos zum vergrössern anklicken, anschliessend mit der Pfeiltaste „zurück“ wieder zur ursprünglichen Blogansicht wechseln.)

Zurück auf der A1A ging es über eine Brücke nach Miami Beach direkt in den Art Deco District. Es war gerade Zeit für ein Mittagessen und das haben wir dann stilecht in einem dieser schön hergerichteten, aber schon etwas in die Jahre gekommenen Restaurants genossen. Preis / Leistung / Qualität, war alles erstaunlich gut und wenn man nach einem anstrengen Bikermorgen bei mittlerweile 31 Grad beim Softgetränk einen gratis „Refill“ bekommt, sitzt man am rechten Platz.

Refill pleas!

Refill please!

Vor unserer Weiterfahrt hat uns spontan ein junger Türke angesprochen. Er sei auch mit dem Bike unterwegs und auf dem Weg nach Südamerika. Er hat unsere Räder bestaunt und wollte von uns und den Pferdchen ein Foto machen. Klar darf er.
Etwas später wollten wir auch von uns ein gemeinsames Foto vor dieser Kulisse und fragten einen Secuitymann ob er nicht für uns abdrücken würde. Er fühlte sich wohl richtig geehrt und ging mit Eifer an die Sache, stellte uns nochmal anders hin und suchte einen anderen Aufnahmewinkel. „Now it’s just perfekt!“stellte er befriedigt fest und wollte dann alles über unsere Reis wissen.

Sein "perfektes Bild"

Sein „perfektes Bild“

Woher, wohin und „das ist ja unglaublich, fantastisch, jeder sollte so etwas mal machen, und dazu noch ein Charity Projekt“ jetzt war er vollends aus dem Häuschen. Er rief eine Kollegin die in der Nähe stand zu sich, gab ihr seinen Fotoapparat und bat uns mit ihm zusammen und den Rädern für das Foto zu posieren. Also noch einmal in eine fremde Kamera gelächelt: We are getting famous! Er erzählte seiner Kollegin was wir vor hatten und diese fragte nur ungläubig, wer den das alles bezahle? „He is retired“ erklärte er ihr in vollem Ernst. Da musste ich intervenieren, „nein, nein, noch nicht pensioniert, nur ein Auszeit“. (Also wenn das noch öfters vorkommt überlege ich mir das mit dem pensionieren nochmals. Liebe Arbeitskollegen, ihr könnt euch mal vorsichtig darauf einstellen, dass meine Rückkehr Anfang Januar also noch nicht zu 100 % gesichert ist.) Der Rest der Etappe? Ein dauernder Kampf um Platz auf der Strasse, vorbei an gesichtslosen Monsterhotelblöcken auf der einen und fantastischen Villen mit gigantischen Booten auf der anderen Seite der Strasse.

Kleines Häuschen mit Boot im Garten,. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Kleines Häuschen mit Boot im Garten,. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Unterwegs haben wir bei einem öffentlichen Strandzugang mit WC und Dusche von diesen Sachen gebrauch gemacht. Wir stellten uns einfach unter die kalte Dusche und konnten so in den nassen Kleidern die Hitze wieder besser ertragen.

Beachpanorama: Das Schwimmen haben wir  heute noch verschoben, aber das kommt schon bald.

Beachpanorama: Das Schwimmen haben wir heute noch verschoben, aber das kommt schon bald.

Gegen 4 Uhr hatten wir genug. Die vielen Stop an Go’s, zu wenig Platz, viel konzentriertes Lenken und in den Rückspiegel schauen, dazu die Hitze. Das alle hat uns doch geschafft und so fuhren wir 10 Km vor dem geplanten Ziel bei einem „Motel 6“ das rechts am Strassenrand auftauchte vor, buchten wieder ein „1. Floor Room“ und konnten direkt vom Parkplatz ins Zimmer fahren. Geschafft nun nur noch absatteln, ein kühles Bierchen (oder Wasser) und noch eine Runde im Pool für die Dehnungsübungen.

Fazit: Miami liegt hinter uns :-))
Übernachtung: Motel 6, Dania Beach, Fort Lauderdale

Liebe „Blogkommentator_innen“: An dieser Stelle einen herzlichen Dank für eure positiven und aufmunternden Kommentare. Sie freuen und motivieren uns auch weiterhin fleissig in die Pedale zu treten und die Tasten zu bearbeiten.

6 Kommentare

  1. Mensch Artho’s!
    Die Einträge von eurem Abenteuer verbreiten ein grosses Lächeln ins Gesicht und die schönen Fotos erhöhen das Reisefieber. Ich hoffe, dass ihr mit der Hitze klarkommt;(. Da bin ich mit meinem E-Bike mit den schönen Herbstemperaturen besser unterwegs…
    Machts gut!
    Grüessli Gisela

  2. Sali Barbara und Fredy

    “He is retired”, genau das hörte ich auch vor einer Woche. Tönt gut, aber ich bin dann doch wieder in der Arbeit erschienen nach den Ferien. Leider noch einwenig früh für solche Gedankenspiele in unserem Alter.
    Freue mich auf weitere spannende Berichte. Weiterhin gute Fahrt.

  3. Lieber Götti ,Liebes Gotti. Es hat mir gefallen, dass ihr schon so viel geschrieben habt. Ich vermisse euch jetzt schon. Macht weiter so. Eure Robyn 🙂

    1. Liebe Robyn, es freut uns das du unseren Blog fleissig liest. Lieben Dank für deinen Kommentar und wir schicken dir ganz viele Sonnenstrahlen nach Neftenbach. Bis bald, Götti und Gotti

  4. Hallo ihr Beiden! 🙂
    Euer Reisebericht ist wirklich toll beschrieben. Macht einen sofort an, auch das Füdli in den Sattel zu schwingen und euch zu folgen…
    Wir freuen uns schon auf die nächsten Blogs! „Macheds guet und hebed eu Sorg!“
    Marco, Patricia & Severin

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