Tag 55: (07.12.14) Deming – Lordsburg

Distanz: 101.7 km / Gesamt: 4354.4 km / Fahrzeit: 4 Std. 12 Min. / Durchschnitt 24.2 km/h 🙂

ganzer Tag etwa 22 Grad, mittlerer Rückenwind, sonnig

Über die Wasserscheide!

Die heutige Etappe von Deming nach Lordsburg war eine gemütliche Sonntagsfahrt über Land. Ich liess es gemütlich angehen und genehmigte mir im Restaurant zuerst mal ein Frühstück. Zwei Eier „easy over“, die regelmässigen Blogleser kennen den Ausdruck ja schon. Das ist wie beschrieben ein Spiegelei das in der Hälfte des Kochvorgangs so kunstvoll um 180 Grad gedreht wird, dass das Eigelb nicht ausläuft und das Eiweiss von beiden Seiten gebraten wird. Ihr könnt das ja zu Hause mal ausprobieren und ich bin gespannt wieviel ausgelaufenes Eigelb ihr produziert 🙂
Dazu in Butter gebackene Tostbrotscheiben und Bratspeck. Nicht das was man zu sich nehmen soll wenn man den ganzen Tag im Büro sitzt, aber wer anschliessend 100 Kilometer radelt kann es kalorienmässig mit gutem Gewissen tun. Der Radler den ich gestern Abend getroffen habe, er heisst Carl und ist etwa 25 Jahre alt, war um diese Zeit schon startklar. Er sagte, dass er nicht so schnell fahre und ich ihn im Verlauf des Tages sicher einholen werde. Also fuhr er schon mal los. Ich packte gemütlich meine Sachen und war um halb zehn auch startklar. Die Sonne hatte die Luft schon soweit aufgewärmt das ich in kurzen Hose starten konnte. Ein gutes Gefühl das ich in letzter Zeit etwas vermisste. Die Fahrt raus aus Deming führte durch eine lange Strasse mit Tankstellen, Motels und Einkaufszentren. Es ist offenbar ein Zentrum in dieser abgeschiedenen Gegend, in dem sich die Leute aus einem weiten Umkreis für den alltäglichen Bedarf eindecken.

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Sonntagmorgen in Deming. Die älteren Herren sitzen, beobachten das Geschehen und plaudern zusammen, fast wie in Italien.

 

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Die Hauptstrasse in Deming ist typische für diese Regionalen Zentren.

Die ersten Kilometer konnte ich auf einer guten Parallelstrasse zur Autobahn fahren.

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So blau kann ein schöner Sonntag sein.

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Amis am „zügeln“. Man mietet einen „Kleinlaster“, hängt das Auto an und fährt los. Oft ziehen sie tausende Kilometer für eine neue Arbeitsstelle um.

 

Google Maps hat mir im Modus „Fahrrad“ eine Route bis Lordsburg errechnet auf der ich nie auf der Autobahn fahren müsste. Ich traute der Sache nicht und habe mir die Strassen noch in der Ansicht „Satellitenaufnahme“ angeschaut und festgestellt, dass dieser Weg über Schotterstrassen führte. Nicht mit mir! Also war nach 30 Kilometern für den Rest des Tages Autobahn angesagt.

Ich hatte keine Lust auf Schotterstrasse, also auf die Autobahn.

Ich hatte keine Lust auf Schotterstrasse, also auf die Autobahn.

Vorher machte ich noch eine Pause und plauderte mit meinen Lieben zu Hause via Skype, da ich gerade mal wieder ein gutes Handysignal hatte, was hier nicht immer der Fall ist. Auf der Autobahn, die auf dem ganzen Weg neben der Eisenbahnlinie her führt, konnte ich dank schönem Rückenwind so richtig Gas geben. Noch immer stieg die Strasse leicht an und trotzdem lagen 32 -35 Kilometer drin. So kommt man gut voran. Der Verkehr war mässig, der Belag meist gut wenn auch mit vielen holprigen Querrillen, welche durch die Hitze hier entstehen. Ab und zu fuhr ein langer Güterzug an mir vorbei.

Immer wieder faszinierend. Endlose Güterzüge mit beeindruckenden Lok's.

Immer wieder faszinierend. Endlose Güterzüge mit beeindruckenden Lok’s.

Es lief gut und ich fühlte mich richtig wohl. Sonne, endlose Weite, Rückenwind, prima Geschwindigkeit. Da würde ich das Motel wohl früh erreichen und freute mich schon noch ein Footballspiel am Nachmittag sehen zu können. Um halb zwei Uhr erreichte ich einen weiteren Meilenstein auf meiner Tour: „The Continental Divide!“ (Die kontinentale Wasserscheide). Ab diesem Punkt fliesst das Wasser nicht mehr in den Golf von Mexiko und somit in den Atlantik sondern in den Colorado. Jenes Wasser das dem Colorado im Verlauf seines Weges nicht zu Bewässerung bzw. als Trinkwasser entnommen wird mündet dann in den Pazifik. Genau dahin will ich auch.

Jetzt gehts Richtung Pazifik!

Jetzt geht s Richtung Pazifik!

Kurz darauf holte ich Carl ein. Wir stopten kurz an und redeten miteinander. Er hatte heute schon wieder einen Platten gehabt. Es war so ungefähr Nummer 40 auf seiner Reise. Ihr könnt es euch ja denken, er hat zwar einen „Schwalbe Marathon“ aufgezogen aber eben nicht den stabileren „Marathon plus“ und er hat auch auf die Dichtungsflüssigkeit im Schlauch verzichtet. Naja, wer gerne Reifen flickt kann das so machen. Als wir losfuhren merkte ich rasch, das unsere Geschwindigkeiten nicht harmonierten. „Der alte Mann“ fuhr voraus und schon nach kurzer Zeit war er in meinem Rückspiegel nur noch ein kleiner Punkt. Ich hielt an und wir beschlossen, dass jeder in seinem Tempo weiterfahren soll, tauschten die Telefonnummern aus und verabschiedeten uns. Da wir die nächsten Tage auf der gleichen Strecke unterwegs sind werden wir uns wohl wieder begegnen. Ich geniesse es im Moment sowieso wieder etwas alleine unterwegs zu sein. Die Fahrten mit Kyle waren super, aber ein Radpartner muss eben zu einem passen und das ist nicht immer der Fall.

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Heute änderte sich die Landschaft auf über 100 km kaum.

Eine riesige Hochebene und Gebirgsketten im Hintergrund.

Eine riesige Hochebene und Gebirgsketten im Hintergrund.

Ansonsten war die Fahrt ereignislos und eher vom Ziel bestimmt bald im Motel zu sein, zu duschen und den Nachmittag entspannt zu geniessen. Schon um halb drei Uhr kam ich in Lordsburg an. Der Ort besteht vorwiegend aus Motels und einigen kleineren Läden. Die Einwohner leben offenbar von der nahen Autobahn und den Bedürfnissen der hier vorbeifahrenden Reisenden.

So leben die Arbeiter in Lordsburg.

So leben die Arbeiter in Lordsburg. Mobilhome und Blechhütte.

Ich konnte mein „Sonntagszimmer“ beziehen und war froh das es um Welten besser war als letzte Nacht.  Dies war einem ziemlich in die Jahre gekommenen Zimmer das, obwohl „Nichtraucher“, stark nach kaltem Rauch stank. Zuerst „kochte“ mir in der Mikrowelle mal eine Portion gefrorene „Fertigspaghetti“ um die Kolenhydratspeicher wieder aufzufüllen. Hat sogar ganz gut geschmeckt und für 1.50 Dollar war es eine preiswerte Verpflegung.

Mein "Sonntagszimmer". Viel Platz für mich und das Pferdchen.

Mein „Sonntagszimmer“. Viel Platz für mich und das Pferdchen.

Heute Abend freue ich mich auf das Footballspiel „meiner San Diego Chargers“ und hoffe natürlich auf einen Sieg, was nicht ganz einfach werden wird. Ihr seht, eine solche Radreise kann ganz schön entspannt sein. Auch bei 100 Kilometern, sofern das Wetter mitmacht. Euch allen einen guten Start in die neue Woche!

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