Tag 50: (02.12.14) Van Horn – Fort Hancock

Distanz: 119.3 km / Gesamt: 3981 km / Fahrzeit: 5 Std. 42 Min. / Durchschnitt 20.1 km/h

Morgens 8, Mittags 22 Grad, ganzer Tag Rückenwind 🙂 ganzer Tag sonnig,

Durch New York’s „Klo“

Heute starteten Kyle und ich wieder gemeinsam kurz nach acht Uhr in Van Horn. Der erste Teil der Strecke mussten wir mangels Alternative auf der Autobahn „Interstaate 10“ zurücklegen. Es war nicht mehr so kühl wie gestern und vor allen hatten wir den Wind nun im Rücken, was sich trotz Anstieg sehr positiv auf die Geschwindigkeit auswirkte. Schon bald hatten wir die nächste Zeitzone erreicht und konnten die Uhren auf „Mountain Time Zone“ um eine Stunde zurück stellen.

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Kurz nach dem Start auf der „Interstaate 10“

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Ab jetzt sind wir gegenüber der Schweizerzeit 8 Stunden zurück.

 

Der Anstieg über die Berge sowie der Verkehr war moderat, so dass ich es auf dem Pannenstreifen ganz entspannt fand. Mein Reisepartner Kyle ist nicht so gerne auf der Autobahn unterwegs und so wechselten wir bei der ersten Gelegenheit auf die parallel verlaufende „Frontage Road“. Kein Verkehr, guter Belag, da konnte ich nicht meckern.
Wir kamen mit Rückenwind auf dieser endlosen Ebene gut voran und waren am Mittag in Sierra Blanca. Ein kleines Nest das in den vergangenen Jahren in den USA nationale Berühmtheit erlangte. Die Geschichte begann damit, dass das Parlament in New York im Jahre 1992 verbot, die Toilettenabwässer der Millionenstadt weiterhin in den Atlantik zu pumpen. Da nicht genügend Kläranlagen vorhanden waren, musste für dieses übelriechende Problem eine Lösung her. Eine Firma in Texas kaufte in Sierra Blanca eine Fläche 320 Quadratkilometer und schloss mit der Stadt New York einen Vertrag über die Abnahme von täglich 250 Tonnen Fäkalien ab. Die übelriechende Ladung wurde dann mit dem Zug quer durch die USA geschickt und auf dem riesigen Gelände verteilt. Die Firma ging davon aus, dass sich die Sache dann im Boden zersetzten werde. Leider war das trockene und heisse Klima hier nicht geeignet den Abbauvorgang zu beschleunigen. So begann es in und um Sierra Blanka immer mehr zu stinken und bei gewissen Windsituationen bekamen die Einwohner sogar rote Augen. Die Proteste über diese Umweltverschmutzung nahmen zu und der letzte Zug lieferte seine Ladung 2001 ab. Aber noch heute kann man es riechen, was diesen landschaftlich reizvollen Ort nun fast zu einer Geisterstadt macht. Wer lebt schon gerne „im Klo von New York?“

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Am alten Bahnhof in Sierra Blanca.

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Heute gleicht der einst wohl schmucke Ort …

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… eher einer „Geisterstadt“.

 

Sogar die Rettungsfahrzeuge haben keine eigene Garage.

Sogar die Rettungsfahrzeuge haben keine eigene Garage.

Wir fuhren heute die offizielle Fahrradroute der „Southern Tier“ Karte. Diese führte uns auf eine Frontage Road (Parallellstrasse) zu Autobahn, die aber plötzlich vor einem Hügel aus Sand und Steinen endete. Die Karte empfahl, dort die Autobahn zu Fuss zu  überqueren und auf dem Pannenstreifen auf der anderen fahrbahnseite Richtung Westen einige Meilen bis zur nächsten Nebenstrasse zu fahren. Zum Glück hatte es ja nicht so viel Verkehr, aber in der Mitte leider einen Zaun. Wir waren froh zu zweit zu sein um uns so unterstützen zu können, die Velos und Kyle’s Anhänger über den Zaun zu hieven. Ein seltsamer Routenvorschlag wie ich finde.

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Wäre in der Schweiz wohl mit Problemen verbunden, denn …

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wir überqueren gerade die Mittelabschrankung der Autobahn „I10“.

Etwas später konnten wir von der Autobahn wieder auf eine ruhigen Landstrasse ausweichen und kamen so durch Farmland auf dem Kühe, Pferde und Ziegen gehalten wurden.

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Auf ruhiger Strasse über Land.

 

Für Robyn: Pferde wohnen hier natürlich auch.

Für Robyn: Pferde wohnen hier natürlich auch.

Wer will kann hier auch ein Stück Land kaufen.  178'000 Quadratmeter zu 16 Rappen. Nicht schlecht oder? Ruft einfach die Nummer an :-)

Wer will kann hier auch ein Stück Land kaufen.
178’000 Quadratmeter zu 16 Rappen. Nicht schlecht oder? Ruft einfach die Nummer an 🙂  (Vorwahl +1 nicht vergessen)

Vor allem waren wir aber in einem grossen Baumwollanbaugebiet, in dem gerade die Ernte im Gang war und so hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, mir die Pflanze, die für viele meiner Kleider so wichtig ist, mal genauer anschauen zu können.

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Die einzelne Baumwollknospe kurz bevor sie aufplatzt.

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Baumwollfelde

Dank der Zeitumstellung, die uns eine Stunde schenkte, kamen wir früh im einzigen Motel im kleinen Nest Fort Hancock. ganz nahe der mexikanischen Grenze,  an.

Kurz vor Fort Hancock: alt, verlassen, fast schon wieder Kult

Kurz vor Fort Hancock: alt, verlassen, fast schon wieder Kult

Morgen geht’s nach El Paso, der Kilometer 4000 steht auf dem Programm und von dort ist es nur noch ein Katzensprung nach New Mexiko! Bald liegt Texas hinter mir.

Ein Kommentar

  1. Hoi Fredy Super schon 4000 km. grandiose Leistung !!! ich lese deine Blogs fast Täglich und freue mich über den tollen Reisebericht und Bilder ! das ist gut das du ein Reisegefährte gefunden hast vor allem für die Etapen im Niemandsland ! Ich wünsche keine Dornenbüsche und viel Rückenwind Euch gute Reise !!! Andy

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