Tag 37: (19.11.14) West Columbia – Columbus

Distanz: 121.3 km / Gesamt: 2872. km / Fahrzeit: 5 Std. 57 Min. / Durchschnitt 20.4 km/h

Morgens 6, Nachmittags 18 Grad, zunehmender Wind aus Nordwest, ganzer Tag sonnig

just a hard day

Der Start heute Morgen war wirklich gut. Endlich schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, es war zwar noch kühl, aber der Wind schwach, so dass ich die winddichte Regenjacke einpacken konnte.

So sehen meine Motels in der Regel aus. Viel Platz für die Autos und oft ausgebucht, da die "Wanderarbeiter" hier wochenweise in grösseren Gruppen wohnen.

So sehen meine Motels in der Regel aus. Viel Platz für die Autos und oft ausgebucht, da die „Wanderarbeiter“ hier wochenweise in grösseren Gruppen wohnen.

Am Anfang noch leichter Wind von hinten und so begann der Tag sehr entspannt.

Entspannter Start am Morgen.

Entspannter Start am Morgen.

Kurz hinter West Columbia wurden die Felder und abgeernteten Äcker immer grösser, das Land topfeben und es waren nur weiter weg einzelne Farmhäuser zu sehen. Perfekte Strassen mit wenig Verkehr machte die Fahrt richtig entspannt. Ich fuhr auf der „36“ bis Needville. Eine Kleinstadt mit knapp 2300 Einwohnern aber einem selbstbewussten Slogan am Ortseingang: „Hier leben Tausende wo Millionen leben möchten.“ Ziemlich gewagte Aussage für ein Nest irgendwo zwischen grossen Feldern, mit einer Tankstelle und einem Fastfoodgeschäft. Gut, gegenüber den einsamen Häusern die ich in den Sümpfen von Louisiana gesehen habe, ist das wirklich noch besser, aber warum will man hier leben? Ich weiss es nicht.

Needville: ganz süss, aber hier leben?

Needville: ganz süss, aber hier leben?

Von Needville ging es über die „FR 360“ Richtung Beasly, noch etwas weiter nördlich und dann auf die „Alt.90“. Tönte nach grosser Strasse und ich freute mich schon auf einen guten Seitenstreifen.
Aber weit gefehlt. Es war neben der weissen Linie nur etwa 30 cm lausiger Teer und dann ein Graben. Der Verkehr aber wie die Strassenbezeichnung vermuten liess, sehr dicht. Vor allem viele Lastwagen die mit gut 110 – 120 die Strasse entlang rasten. Es waren etwa 8 Kilometer bis East Bernhard und ich hatte zum ersten Mal richtig Schiss. Der Windsog den diese Laster verursachten war so gross, dass ich das Rad kaum gerade halten konnte. Ich fuhr sehr angespannt und immer den Blick im Rückspiegel. Wenn ein grosser heranbrauste hielt ich oft kurz an und machte mich so dünn als möglich. Ich wusste, dass ich noch etwa 45 Kilometer auf dieser Strasse fahren musste und war vorerst einmal froh, als ich East Bernhard erreichte. Ich stärkte mich an einem Tankstellenshop und machte mir so meine Gedanken. Wie soll es weitergehen? 45 Kilometer bei solchen Strassen würde ich auf keinen Fall wagen. Da kam ein lokaler Polizist daher und ich fragte ihn, wie es weiter westlich auf der „Alt.90“ aussehe. Ob der Seitenstreifen auch so schmal sei. Er schaute mich an, überlegte und sagte dann, „Ja ich glaube schon, nur sehr schmal“ und ging ins Geschäft. Ich überlegte hin und her. Sollte ich einen Pick-Up Fahrer fragen, ob er mich mitnimmt. Ich hatte Routenmässig keine Alternative.

 

Ich hätte, wie der Wegweiser ankündigt, auch in's Wallis abbiegen können, aber da wollte ich ja nicht hin.

Ich hätte, wie der Wegweiser ankündigt, auch in’s Wallis abbiegen können, aber da wollte ich ja nicht hin.

Ich entschied, mir mal selber ein Bild davon zu machen. Als ich mich startklar machte, kam ein Lastwagenfahrer. „Wohin fährst du?“ „Auf der 90 Richtung Westen“ antwortete ich. „Pass nur auf die Lastwagen auf. Die sind gefährlich.“ „Ja ich weiss, aber die Fahrer müssten ja auch auf mich aufpassen.“ „Ich weiss, das mache ich auch, aber da sind Verrückte auf der Strasse“ sagte er. Danke, genau das habe ich als Motivation gebraucht. Ich fuhr also mit einem mulmigen Gefühl los. An der Ortsausfahrt hatte es einen sicheren und breiten Seitenstreifen. Wenn das so bleibt, dachte ich, kein Problem.

Als der Seitenstreifen noch schmal war, wagte ich es nicht auch noch Fotos zu machen. Hier ist wieder alles ok.

Als der Seitenstreifen noch schmal war, wagte ich es nicht auch noch Fotos zu machen. Hier ist wieder alles ok.

Und tatsächlich, ich hatte einen prima Seitenstreifen bis „Eagle Lake“ wo ich beschloss, dem starken Gegenwind etwas auszuweichen und auf einer Nebenstrasse Richtung Norden nach Alleyton abzubiegen. Soviel also zum Thema: „Wie gut kennt ein Polizist sein Revier“. Der Wind hatte ab Mittag immer stärker zugenommen und es kostete viel Kraft, wenigstens 18 km/h zu fahren, oft schaffte ich sogar nur knappe 15. Dazu wurde es nun hügelig, was zusätzlich Energie kostete.

Eagle Lake, eine weitere Kleinstadt auf dem Land.

Eagle Lake, eine weitere Kleinstadt auf dem Land.

Ich war schon ziemlich k.o. als ich auf die Kreuzung mit der Autobahn „I10″ kam. Ich sah auf dem Navi, dass mir die Fahrt auf der Autobahn gut 2 Kilometer Umweg sparen würde und spielte mit dem Gedanken es zu wagen. Ich war mir aber nicht sicher, ob man hier schon mit dem Velo auf die Autobahn darf. Da standen zufällig bei der Auffahrt zwei Streifenwagen. Ich fuhr zu den Polizisten hin und fragte, ob es erlaubt sei hier die Autobahn mit dem Velo zu benützen. Der Polizist schaute mich verdutzt an: “ Kein Problem, solange du auf dem Pannenstreifen fährst.“ Prima, mehr wollte ich nicht hören. Ich setzte mich also auf mein Pferdchen, gab ihm die Sporen und lenkte es auf die „Interstatae 10“.

Auf der Autobahn!

Auf der Autobahn!

Schon etwas seltsam auf der Autobahn mit dem Velo zu fahren aber ich fühlte mich wirklich sicher, auch wenn die Autos und Laster an mir vorbeidonnerten. Hier ist der Pannenstreifen so breit, das ich wirklich keine Angst haben musste. So erreichte ich bald Columbus und war froh, als ich im Motelzimmer war und die Füsse, nach einem anstrengenden Tag, hoch legen konnte.
Ich schaltete den Fernseher ein und musste leider schlechte Wetterprognosen zur Kenntnis nehmen. Donnerstag und Freitag sollen noch ganz ok sein, am Samstag sind dann schwere Stürme angesagt und es wurde auch eine Tornadowarnung herausgegeben. Grundsätzlich kommen in der nächten Zeit die Winde immer aus Westen, also Gegenwind, am nächsten Dienstag sogar „sehr starke Winde“, wie der Moderator ankündigte. Ich muss mich also mal wieder mit dem Thema „Routenplanung“ auseinandersetzen und möchte es bis am Freitag bis nach New Braunfels zu schaffen, um dort den Sturm am Samstag abzuwarten und am Sonntag den Grossraum San Antonio umfahren zu können. Ihr wisst ja, Sonntage sind perfekt für Grossstädte, da der Verkehr nicht so stark ist.

Ein Kommentar

  1. Sali Fredy

    Das Wetter der USA hat es sogar in unsere Zeitungen geschafft, was doch was heissen will… Pass auf dich auf und weiterhin gute Fahrt.

    Gruess Läbi

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