Tag 38: (20.11.14) Columbus – Luling

Distanz: 113.5 km / Gesamt: 2985.5 km / Fahrzeit: 5 Std. 22 Min. / Durchschnitt 21.4 km/h

Morgens 18, Nachmittags 20 Grad, schwacher Wind aus Westen, Morgen sonnig, später bewölkt mit Regenschauer

Leute treffen

Heute fuhr ich fast die ganze Strecke auf der „I10“, die Autobahn die Texas von Ost nach West durchquert. Soweit also nicht spektakuläres aber für mich gut, denn hier konnte ich einen entspannten Fahrtag hinter mich bringen. Die Sonne am Morgen liess auch auf einen schönen Tag hoffen und so fuhr ich locker los. Eine Wegweiser mit dem Namen „Weimar“ weckte mein Interesse und so fuhr ich kurz von der Autobahn ab, um dieses Städtchen zu besuchen.

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Dieses Schild lockte mich von der Strasse.

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Kirche in Weimar

Von Weitem schon sah ich den Kirchturm der so gar nicht amerikanisch wirkte. Das Städtchen selber sah dann, abgesehen von der 1913 erbauten Kirche, wie so viele Kleinstädt in der Gegend aus.

In Weimar. Die "Aufhängung" der Vordächer ist etwas speziell.

In Weimar. Die „Aufhängung“ der Vordächer hat mir gut gefallen.

Zurück auf der Autobahn zogen bald dunkle Wolken auf und es begann immer wieder zu Regnen. Also Regenjacke anziehen (=schwitzen) und kurz darauf hörte es auch wieder auf. So ging es den ganzen Tag. Plötzlich stand da ein Auto auf dem Pannenstreifen und der Fahrer winkte mir. Ich hielt an und der Mann erzählte mir, das er selber schon mehrere grosse Radtouren in den USA gemacht hätte. Letztes Jahr sei er von Jacksonville nach San Diego gefahren. Er wolle sich nur mein Velo ansehen und fragte mich nach meiner Reise. Ja in Europa war er auch schon unterwegs. Von Düsseldorf den Rhein hinauf bis zum Bodensee und nach Lichtenstein. Wir plauderten noch etwas am Strassenrand, machten gegenseitig Fotos und dann fuhr ich weiter.

John, der mir auf der Autobahn von seinen Radreisen erzählte.

John, der mir auf der Autobahn von seinen Radreisen erzählte.

Am Mittag hatte ich das Gefühl, nicht wirklich gut vorwärts zu kommen. Ich war erst um neun Uhr losgefahren, den Umweg über Weimar und nun kam auch noch Wind auf. Also musste ich etwas stärker in die Pedale treten. Die Landschaft hier ist hügelig und immer wieder hat es längere Anstiege, die das Tempo verlangsamen.

Es zogen dunkle Wolken auf.

Es zogen dunkle Wolken auf.

Kurz vor Luling stoppten mich zwei Polizisten. „Was mache Sie hier?“ fragte der älter von ihnen. „Ich fahre mit meinem Fahrrad.“ antwortete ich. Wohin ich den wolle, fragte er nach und mit der Antwort das ich nach San Diego fahre konnte er nicht wirklich etwas anfangen. „Sie können nicht auf der Autobahn fahren.“ sagte er bestimmt und verwies mich auf die Strasse „90“ die in der Nähe vorbeiführte. Ich erklärte ihm, dass ich gestern einen Sheriff gefragt hätte, ob das Fahren auf der Autobahn ok sei und er mir das gestattet habe. Zudem sei die „90“ viel gefährlicher als die Autobahn, da es da keinen Seitenstreifen gebe. Wir diskutierten noch eine Weile und am Schluss liess er mich weiterfahren. „Ich habe sie zu ihrer eigenen Sicherheit gewarnt.“ beendete er das Gespräch. Ich bedankte mich und fuhr weiter, im Wissen, dass ich wohl eher eine Ahnung davon hatte, wo es gefährlich war für Velofahrer und wo weniger.

Heute auf einem Rastplatz entdeckt. Er hat immer genug "Ersatzfahrzeuge" :-)

Heute auf einem Rastplatz entdeckt. Er hat immer genug „Ersatzfahrzeuge“ 🙂

In Luling, einer weiteren Kleinstadt, wurde ich ein weiteres Mal von einem Velofahrer angesprochen. Er war begeistert und erzählte mir, dass er vor ein paar Jahren eine Veloreise in Europa geplant habe. Er wäre bereit gewesen und habe bereits die Karten gehabt, aber dann habe er seinen Job verloren und konnte nicht starten. „Aber eines Tages werde ich es tun“ versicherte er zum Abschied.

Öl Museum in Luling.

Öl Museum in Luling.

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Der Herr mit dem Fahrrad erzählte von seinen Reiseträumen.

Ich traf in meinem Motel ein. Naja, das hat auch schon bessere Tage gesehen, aber was soll’s, hier ist die Auswahl nicht gross und wenigstens habe ich einen Platz zum schlafen. Auf der Suche nach etwas zum Essen kam ich gleich neben dem Motel an einer Leuchtreklame vorbei. „Mexican Food“ stand da und im Fenster leuchtet ein Schild „open“. Also öffnete ich die Türe und ging hinein. Ich stand jedoch nicht in einem Restaurant, sondern wohl in einem Wohnzimmer. Ein Mann sass auf dem Sofa und schaute etwas im Fernseher. „Suchst du das Mexikanische Restaurant“ fragte er gelassen, „die sind umgezogen, etwa 200 Meter die Strasse runter“. Ich war etwas verdutzt, bedankte mich und ging. Dabei kam ich an einem Lebensmittelgeschäft vorbei und besorgte mir da was zu essen.
Zurück im Motel stand mein „Zimmernachbar“ vor der Türe. Wir kamen ins Gespräch und der fragt was ich mache. „Ah“, sagte er, „bist du der Typ den wir heute mit dem Liegerad auf der Autobahn gesehen haben?“ Er fand die ganze Sache sehr spannend und wollte alles zu meiner Reise wissen. Als ich ihm vom Miles4Kokou Projekt erzählte, war es ganz begeistert. Spontan griff er in seine Brieftasche und gab mir 100 Dollar. „Das ist für dich, gönne dir damit etwas auf deiner Reise“ sagte er. „Ich verdiene hier so viel gutes Geld, dass es mir Freude macht dich zu unterstützen“. Er holte noch seinen Arbeitskollegen hinzu und wir plauderten über Gott und die Welt, über Texas, unsere Jobs etc. Die Jungs arbeiten für die Firma Esso und machen Planaufnahmen der verschiedenen Pipelines. Sie sind Landvermesser und er hat ausdrücklich die guten Instrumente aus der Schweiz gelobt, die er bei seiner Arbeit einsetzt. „Gute Qualität, wirklich, schreib das in deinen Blog und erzähl den Leuten zu Hause, das wir Texaner wirklich gute Leute sind.“ Er erzählte viel über Texas, warum es ihm hier so gut gefällt und mir lief fast die Zeit davon noch den Blog zu schreiben. Ich gab ihm eine Visitenkarte vom Blog und er meinte: „Also, schreib schnell und stelle das Foto auf den Blog, ich schreibe meiner Freundin ein Mail, damit sie sehen was du hier machst.“

John, der grosszügige Sponsor in der Mitte, sein Kollege Fernando und ich.

John, der grosszügige Sponsor in der Mitte, sein Kollege Fernando und ich.

So ist es ist spät geworden und gegessen habe ich auch noch nichts.
Morgen geht’s nach „New Braunfels“, nicht wirklich weit, aber ein Ort um den angekündigten „Sturm“ am Samstag abzuwarten.

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