Autor: Fredy

Tag 11: So. 02.07.2017 Etappe 9: Vukovar – Novi Sad

Distanz 88.6 km / Fahrzeit 5 Std. 42 Min. / Durchschnitt 15.5 / Gesamt 794.9 km
Wetter: ganzer Tag sonnig, vereinzelt Wolken, 24 -32 Grad, oft leichter Gegenwind

Welcome to Serbia

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen unserer letzten längeren Etappe nach Novi Sad. Unser eigentliches Ziel, das Dorf Krcedin, ist von hier nur noch 33 km entfernt.

Auch sie reisen unter Schweizerflagge. Donaukreuzfahrtschiff beim Ablegemanöver in Vokovar am Vorabend. (Reederei Viking Basel)

Das es heute Sonntag war und unser Gastgeber am Vorabend ab 7.00 Uhr das Frühstück angekündigt hatte, wollten wir uns heute, das erste Mal auf dieser Reise, ein Frühstück gönnen. Bis jetzt sind wir am Morgen jeweils ohne Frühstück losgefahren und haben uns so nach 20 – 30 Kilometer das erste mal verpflegt. Natürlich haben wir vor dem Start und unterwegs immer wieder getrunken, aber ohne Essen loszufahren hat sich für uns sehr bewährt. Auch Barbara, die noch auf der letzten Tour felsenfest davon überzeugt war, dass bei ihr ohne „Müesli“ am Morgen nicht’s geht hat sich auch ohne Morgenessen wohl gefühlt. Unter anderem hatte diese Taktik natürlich auch den Vorteil schon vor der grossen Hitze einige Kilometer zurückgelegt zu haben, den so ab Mittag wurde es jeweils recht kräftezehrend in der Hitze zu fahren.
Als wir um kurz nach sieben Uhr im Frühstücksraum vorbeischauten, war noch alles still und niemand zu sehen. Draussen kündigte sich ein strahlend blauer Tag und damit wiederum heisse Temperaturen an. Rasch war klar, wir warten nicht auf das Frühstück und fahren wie gewohnt ohne los, sonst kommen wir nicht vor acht auf die Strasse.
Also haben wir unsere Pferdchen gesattelt und den geschuldeten Betrag an der unbesetzten Rezeption zusammen mit einer kurzen Notiz hinterlegt und wollten gerade los, als der Pensionswirtin auftauchte. Wir sollten doch Bleiben und etwas essen, er wäre gleich soweit. Doch wir waren schon im „Radlermodus“ und lehnten dankend ab. „Ich bringe euch aber noch etwas kühles zu trinken für unterwegs, ein Saft?“ Da sagten wir nicht nein und staunten nicht schlecht als er kurz darauf mit zwei Dosen Bier und einem alkoholfreien Bier auftaucht. Hier scheint man unter Saft was anderes zu verstehen. Obwohl wir nicht daran dachten das Bier unterwegs zu trinken und es bis am Ende der Etappe sicher gut gewärmt sein würde, packten wir je eine Dose ein, um nicht unhöflich zu wirken. Die Dosen sind jetzt übrigens im Kühlschrank unseres Appartement um wieder auf „Trinktemperatur“ gekühlt zu werden. Wir haben sie als Zusatzbalast bis nach Novi Sad mitgenommen.

Zerstörter Wasserturm in Vukovar. Mahnmal eines traurigen Kapitels aus der jüngeren Geschichte auf dem Balkan.

Wir folgten die letzten Kilometer der kroatischen Radwegsignalisation.

Die heutige Etappe war gemäss Tourenbeschrieb gespickt mit einigen Abschnitten auf verkehrsreichen Strassen und auf den ersten 35 Kilometer bis an die serbische Grenze zusätzlich mit einigen kurzen aber knackigen Aufstiegen garniert.
Gegen den übermässigen Verkehr gibt es ja bekanntlich eine bewährte Taktik: solche Abschnitte wenn möglich am Wochenende fahren, denn wenn weniger Lastwagen unterwegs sind ist oft der gefährlichste Teil schon erledigt. Auch Privatautos hat es an Wochenenden meist weniger auf den Überlandstrassen unterwegs und so war es auch heute. Die Abschnitte an den Hauptstrassen entlang waren sehr gut zu fahren, aber wir können uns gut vorstellen wie das unter der Woche mit viel Lastwagenverkehr sein kann. Dann möchten wir nicht auf den oft schmalen Strassen unterwegs sein.
Langsam stieg die Strasse auf dem rechten Donauufer an und wir fuhren durch ein Gebiet mit riesigen landwirtschaftlichen Anbauflächen, die alle kurz vor der Ernte standen, bzw. bereits abgeerntet waren. Auf der Strasse sahen wir auch viel modernes Landwirtschaftsgerät; Traktoren, Ladewagen, Anhänger etc. Die vereinzelten Dörfer waren immer in einer Senke direkt am Fluss gebaut. Das hat wohl mit der früheren Bedeutung der Donau als Transportweg zu tun. Für uns bedeutete das, dass wir vor dem Dorf eine oft steile Abfahrt geniessen konnten, diese aber nur einige hundert Meter weiter wieder mit einer 6 – 8 % Steigung „büssen“ mussten. Mit schweren Rädern und nach einigen hundert Kilometer „Geradeausfahrt“ war das ganz schön anstrengend.

Immer wieder hinunter zu den Dörfern am Ufer …

… und mühsam wieder hinauf.

Felder bis an den Horizont.

Trotzdem kamen wir gut voran und erreichten den Grenzort Ilok kurz nach zehn Uhr.
Dort stärkten wir uns mit kühlen Getränken und etwas zu Essen. Wir wollten noch die letzten Kuna unter die Leute bringen.
Dann der Grenzübertritt nach Serbien über eine lange Brücke. Beim freundlichen Zöllner, ja das gibt es wirklich, zeigten wir unsere Pässe die sogar abgestempelt wurden.

Grenzüberfahrt

Unser 5. Land auf dieser Reise.

Wir hatten nun die EU verlassen und fuhren ab Backa Palanka auf der linken Donauseite Richtung Novi Sad. Auf der Hauptstrasse, der man ab hier 9 Kilometer folgen muss, war der Verkehr ebenfalls mässig. Trotzdem wurde viel „gehupt“. Nicht weil wir im Weg waren, sondern weil uns die Leute aus den vorbeifahrenden Autos begrüssten und uns fröhlich winkten. Sie überholten uns in der Regel auch mit merklich mehr seitlichem Abstand als das wir das im Verlauf dieser Reise gewohnt waren. Hoffen wir das dieser „Sonntagsfahrstiel“ auch am Dienstag noch gilt, wenn wir auf stärker befahrenen Strassen Novi Sad verlassen. Auch die Menschen am Strassenrand winkten oft und schienen Freude an unseren Rädern zu haben. Anschliessend ging es auf einem Feldweg mit zum Teil grobem Schotter auf einem Dam der Donau entlang. Unten am Wasser standen immer wieder Gruppen von kleinen Wochenendhäuschen, wo sich die Leute zu einem gemütlichen Zusammensein trafen. Es wurde gegrillt, gebadet und geplaudert. Als wir einmal auf dem Dam einen kurzen Halt machten, winkte uns ein älteres Paar zu und wollte uns etwas zu Trinken anbieten.

Wochenendhäuschen an der Donau

Zum Glück verdeckten die Wolken ab und zu die Sonne.

Auch in Serbien: Gut ausgeschilderterte Radwege

Doch wir wollten weiter, um die Fahrt in der Hitze bald beenden zu können. Kurz vor Novi Sad führte uns die Strasse durch den Ort Futog direkt an einer Eisdiele vorbei. Perfekt, hier hatte es eine Bank wo wir die ersten Dinar beziehen konnten, die wir gleich in kühle Getränke und feines Eis investierten. Die Kugel zu 50 Rappen!

Futog kurz vor Novi Sad

Die Abkühlung war dringend nötig

Dann die Einfahrt in Novi Sad zuerst durch einige Quartierstrassen und schon bald waren wir auf der Promenade ganz am Wasser. Hier gibt es diverse Gaststätten am Ufer in deren Garten auch das Badetuch ausgebreitet wird und in manchen wurde sogar Livemusik gespielt. Die Promenade hat drei Verkehrsflächen: eine rote Tartanbahn für Jogger, in der Mitte der gepflasterte Weg für Spaziergänger und daneben einen zweispurigen Veloweg! So stellt man sich wohl den idealen Strassenraum für den Langsamverkehr vor. Bravo und besten Dank, so sind wir stressfrei bis ins Zentrum gelangt.

Am Ziel in Novi Sad. Im Hintergrund die Festung Petrovaradin

Vor unserer Unterkunft, einem Appartement suchten wir vergeblich nach einer Rezeption, Klingel oder sonst einen Ort zur Kontaktaufnahme. Die angegebene Telefonnummer schien mit unseren Handys auch nicht erreichbar zu sein. Wie wir so dastanden kam ein Kellner eine nahen Pub’s, fragte nach unseren Rädern und rief von seinem Telefon aus die Nummer an. Es klappte und die Dame versprach in ein paar Minuten vor Ort zu sei. Gerade genug Zeit um im schönen Pub unseres „Helfers“ ein kleines Kühles zu trinken. Kurz darauf kam die junge Frau, zeigte uns die Wohnung und übergab die Schlüssel. „Die Fahrräder nehmt ihr am besten in die Wohnung, da sind sie am sichersten.“ Also dann, die Pferdchen vorsichtig in den 2. Stock tragen. Selbst da wurde uns Hilfe angeboten den ein Herr auf der Strasse fragte, ob er uns helfen soll, das Gepäck hochzutragen.

Unser „Heim“ für die nächsten zwei Nächte. 33 Euro pro Nacht!

Weil wir zwei Schlafzimmer haben, bekommen die Pferdchen ein eigenes.

Danke Serbien, wir wurden sehr freundlich empfangen und freuen uns nun auf einen Ruhetag in Novi Sad. Dann geht’s zum Familienbesuch in Krcedin und ich werde mich in den nächsten Tagen noch mit Einträgen melden.
Also immer mal wieder kurz reinschauen.

Tag 10: Sa. 01.07.2017 Etappe 8: Knezevi Vinogradi – Vukovar

Distanz 72.5 km / Fahrzeit 4 Std. 12 Min. / Durchschnitt 17.2 / Gesamt 706.4 km
Wetter: ganzer Tag bedeckt, 21 – 28 Grad, oft Gegenwind

Schweizertag

Als sich heute Morgen der Wecker um 6 Uhr meldete, wagte ich zuerst den Blick aus dem Fenster. Regen! Das kann ja auch was Gutes haben, denn wir legten uns nochmals ins Bett und dösten noch etwas. Gegen halb acht schien der Regen vorüber und wir machten uns zur Abfahrt bereit. Als wir nach 9 Uhr auf die Räder steigen wollten kam noch unsere Pensionswirtin heraus um uns zu verabschieden und ein Foto von uns zu machen. Sie haben zwar schon oft Fahrradfahrer beherbergt, aber noch nie ein solches Velo gesehen. Zudem waren wir ihre ersten Fahrradgäste aus der Schweiz.

Abschied unserer Gastgeberin im schönen Innenhof

Im Dorfladen kaufte ich noch etwas Wasser und zwei feine Brotstangen ein. Als ich zurückkam war Barbara schon mit einem älteren Mann ins Gespräch vertieft. Er hatte meine Schweizerflagge am Velo gesehen und erzählte in guten Deutsch aus seiner Zeit als er im Kanton St. Gallen und später im Thurgau arbeitete. Er freute sich offensichtlich uns von seiner Zeit in der Schweiz zu erzählen und es schien uns, als ob es ihn auch etwas traurig machte, seine Erinnerungen aufleben zu lassen. Es sei eben schon schön gewesen in der Schweiz, sagte er mit wehmütigem Blick. Die Einladung zum Kaffee mussten wir leider ausschlagen, denn wir hatten doch einige Kilometer vor uns. Nachdem wir das Wasser in unsere Trinkflaschen umgefüllt hatten wollte ich noch die leere Flasche im Abfallkübel entsorgen. Da rief mir ein anderer älterer Mann ein freundliches „Grüäzi, sind Sie uns dä Schwiz“ zu. Auch mit im plauderte ich ein paar Minuten und erfuhr das er von 1970 – 2004 im Kanton St. Gallen bei einem grossen Küchenbauer gearbeitet habe. Die Rückkehr scheint auch ihm nicht leicht gefallen zu sein. „Wissen Sie, in der Schwiz konnte ich Schuhe kaufen und musste die fast nie putzen, aber hier, überall staubige und bei Regen schlammige Wege. Da musste ich mich schon umstellen. Es wird zwar von Jahr zu Jahr besser, aber das dauert noch lange bis hier alles klappt. Schauen sie nur“ und er zeigte auf den Boden vor dem Laden, „diesen Platz haben sie vor einer Woche betoniert und neu gemacht und jetzt bröckelt die Kante schon ab. Das ist nur weil sie zu wenig Zement beimischen.“
Er schien in den gut 30 Jahren in der Schweiz viel vom exaktem Arbeiten verinnerlicht zu haben.
Wir hätten wohl noch Stunden in diesem Dorf bleiben können und mit den „Schweizern“ Gesprächsstoff gehabt, aber es war höchste Zeit uns auf den Weg zu machen. Der Gegenwind bremste uns auch heute noch etwas ein, wenn auch nicht mehr so stark wie in den vergangenen Tagen. Der Himmel war meist bedeckt, so dass uns auch die Sonne nicht mehr so stark einheizte. Gemäss dem Radführer waren heute einige Abschnitte auf stärker befahrenen Strassen zu absolvieren, aber da ja heute Samstag war, war nicht soviel Verkehr und vor allem waren kaum Lastwagen unterwegs. Dies machte sich den ganzen Tag positiv bemerkbar und selbst die Einfahrt in den grösseren Städten Osijek und Vukovar waren verkehrsmässig problemlos.

Impressionen von unterwegs:

Heute war wohl „Holzliefertag“. In vielen Dörfern grosse Holzbeigen die im nächsten strengen Winter Wärme spenden werden.

Wer in einem Dorf „70 km/h“ erlaubt muss sich nicht wundern wenn gerast wird

Immer wieder schmucke Kirchen

Nach wie vor fahren wir am Wasser entlang und überall ist es grün.

Die beiden warten wohl schon gespannt auf ihren Jungfernflug

Einfahrt in Osijek

Als wir in Osijek einfuhren sahen wir gleich rechts nach der Brücke über die Drau viel Leute auf einem Platz. Das wollten wir uns genauer ansehen und so bogen wir auf diese Platz ein, denn wir wollten in einem Café etwas Trinken. Kaum stellten wir unsere Räder vor einem Gartenrestaurant ab, kam auch schon ein freundlicher junger Mann auf uns zu und fragte in akzentfreien Schweizerdialekt, ob wir Lust auf einen Kaffe hätten. Er und seine Familie hätten uns schon auf der Strasse mit der Schweizerflagge gesehen als sie uns mit dem Auto überholten und sie würden uns gerne einladen. So eine freundliche Einladung zur rechten Zeit nahmen wir mit Freude an und schon sassen wir zusammen mit Vasi, seiner Frau Gaby und ihren süssen Töchtern Mia und Tati an einem Tisch und plauderten über unsere Reise und was sie hierher brachte. Vasi’s Eltern stammen aus dem Dorf Knezevi Vinogradi in dem wir übernachtet hatten. Sie gingen ebenfalls in den 70er Jahren in die Schweiz da sie damals von Arbeitsvermittlern angeworben wurden. Vasi wurde in der Schweiz geboren und kannten Kroatien durch die Geschichten seiner Eltern und Ferienbesuchen. Vor ein paar Jahren stand dann die Frage im Raum, was denn nun mit dem Haus seiner Eltern in Kroatien passiert oder ob man es verkaufen sollte.
Vasi’s Frau Gaby hatte dann die Idee ihrem Leben eine neue Wendung zu geben und mit der Familie nach Kroatien zu ziehen um das Haus zu restaurieren und zu versuchen, ihrem Arbeitsleben mehr Sinn zu geben als alles nur dem Arbeitsstress unterzuordnen. So starteten sie dieses Familenexperiment vor 9 Monaten und sie fühlen sich wohl. Die Renovation verläuft nach Plan und wer weiss, vielleicht bieten die beiden schon bald im Rahmen von Ökotourismus oder ähnlichem ein Angebot an. Potential hat die Gegend auf jeden Fall. Die ältere Tochter besucht nun die erste Klasse und so lebt sie die Familie nach und nach in dieser Dorfgemeinschaft ein.
Wir haben das kurze Zusammentreffen mit dieser tollen Familie sehr genossen und wünschen Ihnen von Herzen viele erfolgreiche Ideen und das sich ihre Wünsche erfüllen.

Wir wünschen euch, dass sich eure Träume erfüllen. Danke für die nette Begegnung.

Die letzten gut 40 Kilometer fuhren wir weiterhin oft auf Hauptstrassen die aber wie gesagt wenig Verkehr hatten. In den Dörfern immer wieder ein fröhliches „Hallo“ und Winken der Leute auf der Strasse und in den Gärten. Kurz vor Dalj kam dann noch eine kurze, knackige Steigung. Genau in dem Moment, in dem ich mit dem Pedalentreten etwas nachlässiger wurde, erschien mein persönlicher Coach in Form eines Strassenhundes, der mich mit lautem Bellen und Nebenherrennen den Hügel hinauf trieb. Vielen Dank, diese Motivation habe ich gebraucht ;-)

Zuerst die Ankündigung das es nun bergauf geht …

… und schon war der „Motivator“ zur Stelle.

Da schlägt das „Bähnlerherz“ höher. Am Bahnhof von Dalj

Spuren einer dunklen Zeit auf dem Balkan. Hoffen wir das die Menschen lernen den Hass zu überwinden.

Um halb vier erreichten wir unsere schöne Pension „Villa Vanda“ in Vukovar wo wir vom Besitzer freundlich empfangen wurden. Dann das übliche Ritual; duschen, Blog schreiben und später geht’s noch ins Zentrum für einen kleinen Rundgang und Abendessen.
Morgen dann die letzte „lange Etappe“ nach Novi Sad in Serbien. Wir sind schon bald am Ziel der Reise

Tag 9: Fr. 30.06.2017 Etappe 7: Baja – Knezevi Vinogradi

Distanz 82.66 km / Fahrzeit 5 Std. 16 Min. / Durchschnitt 15.7 / Gesamt 634 km
Wetter: ganzer Tag sonnig, Nachmittag einzelne Wolkenfelder, 24 – 32 Grad,ganzer Tag viel Gegenwind

Hallo Kroatien

Die heutige Etappe verlief ziemlich ereignislos. Die Abfahrt war heute etwas später, weil nicht ganz so viele Kilometer geplant waren. Es war schon gegen halb acht als wir in Baja den Weg auf die Eurovelo 6 suchten um Richtung Mohacs zu kommen. Rasch waren wir auf einem geteerten, schmalen Damweg, auf dem ab und zu auch ein Auto vorbei kam. Ansonsten waren wir ungestört und konnten der Symphonie lauschen, die die Vögel links und rechts von uns in den Bäumen inszenierten. Ein ausgebildeter Ornithologe könnte hier wohl tagelang nach den verschiedensten Vogelarten und Stimmen suchen. Wir als Laien begnügten uns an den schönen Stimmen und freuten uns wenn ab und zu wieder mal ein besonders farbiger oder grosser Vogel vor uns auftauchte und oft rasch wieder im Wald verschwand. Bereits zweimal konnten wir einen Fasan beobachten, der sich vor uns aus dem Staub machte, sich im Dickicht versteckte und dann lauthals wegen unserer Störung „reklamierte“. Um Fotos zu schiessen sind diese Vögel aber alle viel zu schnell.

Idylle in Baja am Morgen

Dieser Abschnitt gefiel sogar Barbara’s „Mitfahrer“

Kleine Bauernhöfe neben dem Dam.

Auf dem Dam kamen wir auf tollem Teerbelag, trotz wieder kräftigem Gegenwind, zügig vorwärts, so dass wir die 9.30 Uhr Fähre zum übersetzten nach Mohacs erreichten. In Mohacs investierten wir noch ein paar Forint in Eiscreme und kalte Getränke, die restlicher Forint wechselten wir in Kuna um, den kurz hinter der Stadt lag die Grenze zu Kroatien.

Diese „Duschen“ haben wir in allen grösseren Orten Ungarns in den Fussgängerzonen gesehen. Ein feiner Wassernebel gibt etwas Erfrischung.

Fussgängerzone in Mohacs

Einige Lastwagen warteten auf die Abfertigung und auch etwa 10 Autos standen in einer Reihe. Zum ersten Mal auf dieser Reise mussten wir für einen Grenzübertritt unsere Idenditätskarte vorweisen. Die Zöllner genossen ihr Privileg jeden zu kontrollieren offensichtlich und nahmen sich viel Zeit. Schön das diese Prozedur an den Grenzen heute in weiten Teilen Europas Verganhenheit ist.

Warten am Zoll bis die Papiere kontrolliert sind

Es war besonders glücklich die Grenze auch ohne Pass überquert zu haben.

Nach den doch eher „mürrischen“ Zöllnern begrüssten uns die Leute in den Dörfern umso herzlicher. Gefühlt haben uns in den ersten gut 40 Kilometer auf kroatischen Strassen schon doppelt so viele Menschen fröhlich zugewinkten und gegrüsst als in ganz Ungarn. Spannend zu beobachten wie sich die Art, wie Menschen sich verhalten oft nach Grenzen verändert. Nicht dass die Ungarn unfreundlich gewesen wären, aber es braucht dort wohl etwas mehr Zeit, bis sie auf Fremde zugehen, fast wie in der Schweiz.

Heute gab es mal wieder Sonne satt: Von Oben und von der „Seite“

Kurz vor dem Etappenziel stand dann unsere erster „Bergpreis“ auf dem Programm. Zwar nur ein kleiner Hügel und 150 Höhenmeter, aber mit Gepäck und in dieser Hitze, reichte uns das vollauf. Wir sind froh einen Flussradweg und keine Alpenüberquerung als Tourenverlauf gewählt zu haben.

Vor dem Anstieg: Energietanken im Schatten.

Nach dem Aufstieg: erstes Kroatisches Bier geniessen. (Nur noch 6 km bis ins Ziel, das passt)

Unser Gasthaus für heute Nacht

Bei einem etwas verspäteten Mittagessen nur 6 Kilometer vor dem Ziel füllten wir den Energie- und Wasserspeicher wieder auf und fuhren gemütlich in unsere Pension, wo wir freundlich empfangen wurden. Den Begrüssungsschnapps lehnten wir dankend ab, dazu war es noch zu früh. Wir genossen die frühe Ankunft und ich konnte so relativ stressfrei meine Blogarbeit erledigen.

Tag 8: Do. 29.06.2017 Etappe 6: Dunaföldvar – Baja

Distanz 93.8 km / Fahrzeit 6 Std. 31 Min. / Durchschnitt 14.4 / Gesamt 551.3 km
Wetter: Morgen Gewitter 18 Grad, Nachmittag 28 sonnig, ganzer Tag viel Gegenwind bis 60 km/h

Wetterkapriolen

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von wechselhaftem Wetter. Offenbar sollten wir Langstreckenradler nach der gestrigen Lektion: „Komme mit jeder Wegbeschaffenheit klar“, auch noch das Thema „Wetterkapriolen“ instruiert bekommen.
In der Annahme das auf den Wetterbericht verlas ist und der Regen sich in der Nacht verziehen würde, stellten wir den Wecker wiederum auf 5 Uhr, um gegen 6 Uhr auf der Strasse zu sein.

Wir hätten ja auch noch etwas in unserem „Museumsbett“ schlafen können.

Als der Wecker läutete sah alles noch nach einem guten Plan aus, doch als ich kurz nach 6 Uhr das grosse Tor öffnete, um aus unserer Unterkunft zu fahren entdeckte ich grosse schwarze Wolken am Himmel und kurz darauf begann es bedrohlich zu Donnern. Regen setzte ein und es war klar, jetzt zu starten wäre keine gute Idee. So setzten wir uns im Innenhof auf eine geschützte Bank und warteten ab. Da kam mir den Sinn das sich bei Barbara gestern gegen Ende der Etappe am Vorderrad ja ein schleichender Platfuss gemeldet hatte. Das könnte wir ja gleich mal checken. Bingo, der Luftverlust war über Nacht fortgeschritten. Also Zeit den Schlauch zu wechseln. Lieber jetzt als unterwegs.

Sie machte das einzig Vernünftige; weiter dösen

So verging die Zeit und die Hausbesitzerin leistet uns auch noch Gesellschaft. Immer wieder dachten wir, dass es mit dem Unwetter nun vorbei sei, aber schon im nächsten Moment regnete es wieder wie aus Kübeln. Kurz nach acht Uhr war unserer Geduld am Ende, wir wollten los. Schliesslich waren auch heute 92 Kilometer geplant und der angesagte Gegenwind lies keine leichte Etappe vermuten. Wir zogen die Regenjacke über und starteten.

Bereit für einen Start im Regen.

Düstere Aussichten

Unterschlupf bei Starkregen

Schon kurz nach dem Start, wir hatten gerade die Donau überquert, begann es wieder zu Regnen. Wir suchten Schutz in einem Bushäuschen, bis das Schlimmste vorüber war. Nach 15 Min. ging es weiter. Die dunklen Wolken kreisten um uns und auch das Donnergrollen war mal nah, mal fern zu hören. Als wir auf einem Damweg unterwegs waren und das Donnern wieder näher kam, fühlten wir uns den Elementen ziemlich schutzlos ausgesetzt. Der Wind kam kam in Böen von Vorne und der Regen peitschte uns ins Gesicht.

Damfahrt im Regen

Bevor es auch noch zu Blitzen begann flüchteten wir vom hoch gelegenen Dam in einen kleinen Wald, wo wir das Schlimmste abwarteten. Kurz zuvor hatten wir ein einem kleinen Laden Brot und Käse gekauft und so legten wir hier unseren „Frühstücksstop“ ein.

Zum Glück war das der letzte Regenguss des Tages und nach und nach setzte sich die Sonne durch. Es wurde wärmer, doch der kräftige Gegenwind, der manchmal ganz arg an unseren Rädern rüttelte blieb den ganzen Tag ein ungeliebter aber treuer Begleiter.

Zum Glück hatten wir heute einen eigenen Radweg und mussten die Strasse nicht mit den grossen Lastern teilen.

Impressionen von unterwegs
Die Wege waren heute mehrheitlich sehr gut und die Abschnitte mit unbefestigten Kies- oder Wiesenwegen waren nur wenige Kilometer lang. Zum Glück, denn zusammen mit dem Gegenwind und dem vom Regen aufgeweichten Boden schafften wir auf solchen Abschnitten oft nur 8 -10 km/h.
Immer wieder fuhren wir durch kleine Dörfer in denen es meist auch ein kleines Lebensmittelgeschäft gab, wo wir ab und zu kühle Getränke kauften.
Die letzten 30 Kilometer vor Baja waren auf einem gut asphaltierten Damweg, so dass wir „nur noch“ gegen den Wind kämpfen mussten. Wie so oft auf solchen Abschnitten entlang der Auenwälder konnten wir immer wieder verschiedene Vogelarten beobachten. Heute sahen wir aber zu unserem Erstaunen auch einen weissen Hirsch zusammen mit einer braunen Hirschkuh die friedliche grasten. Leider verschwanden sie aber  im Wald bevor wir die Kameras bereit hatten. Später entdeckten wir zwei „Rehkinder“ die unsere Vorüberfahrt gelassener nahmen und sich sogar noch für einen „Fototermin“ vor die Kamera stellten .

Warteten geduldig bis der Fotograf bereit war.

Kurz vor halb 6 fuhren wir in Baja ein. Die Leute hier genossen den Abend am Ufer eines Nebenarms der Donau. Das wäre eigentlich heute auch unser Plan gewesen und mit einer geplanten Ankunft um 15 Uhr durchaus realistisch, aber die verzögerte Abfahrt am Morgen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Mediterrane Stimmung an der Donau

Promenade in Baja

Im Zentrum von Baja. Imposante, schmuck herausgeputzte Häuser

So blieb es bei einem kurzen Stadtrundgang und gemütlichen Abendessen. Die „Forint“ wollen ja noch ausgegeben werden, denn Morgen brauchen wir Kuna. Am Mittag werden wir die Grenze nach nach Kroatien überqueren.

Tag 7: Mi. 28.06.2017 Etappe 5: Budapest – Dunaföldvar

Distanz 102.3 km / Fahrzeit 7 Std. 02 Min. / Durchschnitt 14.5 / Gesamt 457.5 km
Wetter: heiss 21 – 33 Grad, ganzer Tag Sonne pur, sehr heiss, (Velocomputer zeigt 41 Grad)

A long way home

Heute war der perfekte Tag um die mentale Stärke eines Tourenradlers zu verbessern. Es waren alle Zutaten gegeben um uns auf die Probe zu stellen und am Schluss des Tages trotz aller Wiedrigkeiten zufrieden am Ziel anzukommen.
Begonnen haben wir auch diesen Tag wieder mit dem Wecker um 05.00 Uhr. Ihr wisst ja, je später der Tag umso heisser das Radeln. Der Weg aus Budapest ging soweit erstaunlich gut, da wir rasch auf einem Radweg waren der uns der Donau entlang Richtung Osten führte. Wir genossen noch einmal einen Blick auf diese wunderschöne Stadt im Morgenlicht.

Auf Wiedersehen Budapest.

Der Verkehr wurde mit jeder Viertelstunde intensiver und an einem Busumsteigepunkt waren wir plötzlich inmitten der Pendlerströme „gefangen“. Irgendwie fanden wir, Navi sei Dank, doch den Radweg und schon bald gab uns die Tafel „Eurovelo 6“ Gewissheit, auf der Richtungen Route zu sein. Dies war umso beruhigender, da der Weg sich langsam zu verabschieden schien. Er wurde immer schmaler und links und rechts wuchsen zum Teil hohe Brennesselstauden. Da macht man sich als Liegeradler aber richtig dünn, denn die Sträucher sind auf einer sehr unangenehmen Höhe.
Sowieso war die Wegbeschaffenheit heute ein Dauerthema. Sehr oft fuhren wir auf sandigen, ausgewaschenen Wegen. Dann wiederum auf Wiesen, die das Vorwärtskommen auch nicht begünstigten und wenn der Weg mal befestigt war gab es riesige Schlaglöcher denen wir ausweichen mussten. In diesem Sinne war heute den ganzen Tag konzentriertes Fahren angesagt. Dazu die Sonne, die immer stärker vom Himmel brannte und uns wurde bald klar, dass diese Etappe anstrengend werden würde. Wir trafen auch kaum noch auf Fernradler. Wer es auf einfache Etappen und Gepäcktransport zum nächsten Hotel abgesehen hat, fährt spätestens ab Budapest nicht mehr weiter östlich. Die Durchschnittsgeschwindigkeit war bei dieser Wegbeschaffenheit auch nicht wie gewünscht und wir wussten das uns heute ein 100er bevorstand. Nur nicht nervös machen lassen!

Weg Impressionen:
So unterschiedlich kan radeln sein. Mit einem voll beladenen „Lieger“ ganz schön anspruchsvoll.

Wir machten immer wieder kurze Pausen um Flüssigkeit in uns hinein zu schütten, ab und zu was kleines zu essen, die Sonnencreme wieder frisch aufzutragen oder die Kleider zu benetzen um uns abzukühlen. Die Gegend entlang der Donau war nach wie vor reizvoll und oft standen schöne Sommerhäuser am Ufer während die kleinen Dörfer zunehmend einfacher wirkten.

Idyllen an der Donau

Ab Mittag nahm auch der Wind immer mehr zu und blies uns direkt in’s Gesicht. Auch dieser Umstand war einem zügigen Vorwärtskommen nicht gerade förderlich.

Was die einen freut …

… macht den andern zu schaffen. Zuviel Gegenwind!

Gegen zwei Uhr waren wir gezwungen gut 10 Kilometer auf einer stark befahrenen Strasse mit viel Lastwagenverkehr zu fahren. Da wurde es manchmal ganz schön eng und wir hatten ehrlich gesagt nicht wirklich Spass auf diesem Abschnitt. Zum Glück verlief alles gut und wir konnten wieder auf einen Wiesenweg ausweichen. Wenn auch anstrengend, so war es jedenfalls sicher.
Müde kamen wir gegen halb fünf Uhr in unserer Unterkunft an.
Die Pension ist in einem alten Bauernhaus aus 1880 untergebracht, welches die Besitzer liebevoll restauriert und mit historischen Gegenständen ausgestattet haben um hier nun eine kleine Pension zu betreiben. Das Haus kann aber auch von Passanten besichtigt werden und die Besitzer führen Interessenten gerne durchs Haus. Wir schlafen also heute in einem Museumszimmer!

Nach einem Rundgang im Haus gingen wir noch ins lokale Schwimmbad um die müden Muskeln etwas zu entspannen, so dass wir morgen bereit sind für die nächste Etappe nach Baja.

Tag 5: Mo. 26.06.2017 Etappe 4: Esztergom – Budapest

Distanz 88.89 km / Fahrzeit 5 Std. 50 Min. / Durchschnitt 14.8 / Gesamt 355.2 km
Wetter: heiss 23 – 31 Grad, bis Mittag bedeckt, ab 14.00 Uhr Sonne, heiss

Stop and Go!

Heute sind wir wieder vor halb sieben Uhr losgefahren um der Hitze soweit möglich zu entkommen. Da es in der Nacht geregnet hat war es auf dem Rad fast schon etwas kühl. Der Weg führte uns direkt an der Donau entlang durch einen Park unterhalb der grossen Basilika.

Morgenstadtrundfahrt

Basilika in Esztergom

Später mussten wir einige Kilometer auf einer Überlandstrasse ohne Seitenstreiffen fahren, da auf diesem Abschnitt ein Radweg fehlt. Wir waren froh früh unterwegs zu sein, den es hatte noch wenig Verkehr. Von der Überlandstrasse ging es dann links 300 Meter zur Donau hinunter, wo wir mit der Fähre auf die andere Seite Nach Szobo übersetzen mussten. Die Fähre verkehrt zwischen 06.50 – 17.50 Uhr jede Stunde um die Minute xx.50. Von der anderen Seite in Szobo jeweils um die Minute xx.40.
Wir mussten gut 30 Minuten an der Fähranlegestelle warten. Leider war das Restaurant noch geschlossen und so warteten wir draussen und begannen schon fast etwas zu frieren. Ich zog mir zum ersten Mal auf der Tour ein langärmliges Shirt und den Windstopper an.
Die Fähre bestand aus einer Plattform ohne eigenem Motor, die von einem Schiff, das an der Seite vertäut war, jeweils über die Donau geschoben wurde. Dabei musste das Schubschiff jedesmal um 180 Grad gedreht werden. Die Manöverierbarkeit des Gespanns war offensichtlich auch etwas eingeschränkt, wie das „rustikale“ Anlegemanöver zeigte. Mit viel Schwung Richtung Bettonrampe und dann die Fährplattform da „auflaufen“ lassen. Aber der Kapitän und sein Matrose hatten die spezielle Konstruktion gut im Griff und brachten uns, als einzige Fahrgäste, sicher ans ander Ufer.

Fähre nach Szob

Dort ging es auf einem guten Radweg wieder direkt der Donau entlang durch das Visegradergebirge, in dem die Donau sich ihren Weg mit einigen Schlaufen gesucht hat. Wir begegneten einem englischen Paar mit einem „Dreiradlieger-Tandem“ welche auf dem Weg vom schwarzen Meer an den Atlantik sind.

Treffen der Liegeradler

Sie wollen die gesamte Strecke der Eurovelo 6 radeln. Ihre Planung sieht vor, zwei Nächte wild zu Campen und in der dritten jeweils einen Campingplatz aufzusuchen um Kosten zu sparen. Ja da hat ihnen die Abwertung des britischen Pfund wohl auch nicht gerade geholfen. Wir plauderten gut 15 Minuten und tauschten einige Infos zur Strecke aus. Mit ihrem Gespann wird es sicher an den einen oder anderen Stellen eng werden, aber die Beiden haben ja schon genug Erfahrung. Wir wünschten gute Weiterreise und ich habe einen neue Blogadresse um Reiseberichte nachzulesen.
@ Christine und Steve: Vielleicht trefft ihr die Beiden ja in ein paar Wochen auf eurem Abschnitte Eurovelo 6, sagt liebe Grüsse.

In Nagymaros legten wir einen „Frühstücksstop“ ein. Mit Blick auf die Burg, hoch über dem gegenüberliegenden Visegrad, gönnte sich Barbara einen echt ungarischen Langos. Das ist ein schwimmend gebackenes Fladenbrot welches je nach Geschmack belegt wird. Wer den ganzen Tag radelt darf hier zugreifen, sonst wohl eher „Finger weg“.

„Gesundes Früchstück“

Gestärkt gings weiter auf guten Radwegen bis Vac. Dort mussten wir wieder 40 Minuten auf die Fähre warten um übersetzen, da diese unter der Woche nur jede volle Stunde fährt. Wir haben die Zeit genutzt um uns den Hauptplatz etwas anzusehen.

Im Zentrum von Vac. Es „blöckelt“ an so mancher Fasade.

Auch wenn es nach Vodkaflasche aussieht. Pures Wasser

Fähre in Vac

Nach der Überfahrt durchquerten wir eine kleine Insel, welche vom Hauptfluss und dem Nebenarm der Szentendre-Donau umschlossen wird. An diesem Nebenfluss gings dann weiter Richtung Süden. Unser Hauptreiserichtung die ab Wien ja immer Richtung Osten war, hat seit dem Donauknie in Vac auf Richtung Süden gewechselt. Bald tauchte auf der rechten Seite ein grosser Parkplatz mit vielen Reisebussen auf, hier musste wohl eine Sehenswürdigkeit liegen. Gleich darauf fuhren wir der schön herausgeputzten Promenade des Städtchens Szentendre entlang. Da in der Zwischenzeit die Wolken der Sonne Platz gemacht hatte und es immer heisser wurde war rasch klar, so ein tolles Gartenrestaurant unter schattenspendenden Bäumen muss einfach besucht werden. Ein kühles „Radler“ löschte den Durst und wir nahmen uns noch die Zeit für einen kleinen Rundgang im Dorf. Sehr hübsch, aber vor lauter Touristen, viele Asiaten und Franzosen, war es uns dann doch etwas „zu viel“.

Die Pferdchen passen prima zu den schönen Häusern in Szentendre.

Farbenfrohe Strassendekoration

Weiter gings immer dem Wasser entlang Richtung Budapest und wie im Reiseführer versprochen, waren manche Streckenabschnitte auf sandigen Feldwegen nur mühsam befahrbar. Zum Glück kein Regen auf solchen Strecken, sonst müsste man wohl auf die Hauptstrasse ausweichen. Je näher wir Budapest kamen, desto mehr Leute waren am Wasser. Viele Rudersportvereine wo Jugendliche das Paddeln übten und immer wieder tolle kleine Gaststätten im Wald mit Sitzmöglichkeiten auf der Kiesbank, wo die Leute den Nachmittag genossen. Auch wie legten nochmals einen Stop ein um uns für die Einfahrt ins Zentrum zu stärken.

Schöne Ausblicke vom Radweg.

Chillen in Budapest

Das war auch bitter nötig. In der Zwischenzeit hatten wir durch das gemütlich fahren und die vielen Pausen doch mehr Zeit verbraucht als gedacht und es war schon halb fünf als wir in den Verkehr der Hauptstadt eintauchten. Hier galt unsere volle Aufmerksamkeit der Beschilderung den heute waren wir etwas Abseites der von mir programmiert Route unterwegs, so das ich das Navi nicht nutzen konnte. Es kam wie es kommen musste. Wir hörten auf einen gut gemeinten Ratschlag eines Einheimischen und haben uns verfahren. Also zurück zum letzten sicheren Punkt, nochmals den Reiseführer kontaktieren und einen zweiten Versuch. Jetzt klappte es und wir gelangten auf verschlungenen, aber guten Radwegen in die Stadt. Auf der Elisabethbrücke überquerten wir die Donau und waren nun vollends im abendlichen Verkehr. Tram, Autos, Motorräder und jede Menge Fussgänger und Velofahrer.

Bald geschafft

Irgendwie fanden wir den Rythmus und reihten und in diesen Verkehrssalat ein. Um halb sechs hatten wir es geschafft. Wir standen vor unserer Unterkunft und konnten uns bei einer erfrischenden Dusche vom Tag erholen.

Idyllischer Innenhof in unserer Unterkunft mitten in der Stadt

Nun steht ein Ruhetag in Budapest an und die (Blog-) Reise geht am Mittwoch weiter.

 

 

Tag 4: So. 25.06.2017 Etappe 3: Györ – Esztergom

Distanz 99.51 km / Fahrzeit 5 Std. 57 Min. / Durchschnitt 16.7 / Gesamt 264.3 km
Wetter: heiss 26 – 33 Grad, Vormittag bedeckt, Nachmittag schwül, kaum Wind

Grenzland!

Heute Morgen haben wir unseren Vorsatz in die Tat umgesetzt, und sind bereits um 06.10 Uhr losgefahren. Den Wecker mussten wir auf 5 Uhr stellen, denn es gibt am Morgen doch immer einige zu erledigen bis wir fahrbereit sind. Morgentoilette, alle Kleingkeiten verpacken die doch noch rumliegen, elektronische Geräte vom Strom abkoppeln, Netzkabel verstauen, Sonnencreme auftragen, letzter Check im Tourenführer, etc. So ist eine Stunde jeweils doch schneller um als man denkt. Wir waren ziemlich stolz als wir schon um 06.10 Uhr das vertraute Schnurren unserer Ketten hörten, als wir den Weg aus dem noch sonntäglich verschlafenen Györ unter die Räder nahmen. Ich hatte mich für den ersten Teil der Etappe bei der Routenwahl nicht an die Vorschläge unseres Tourenführers (Esterbauer, Donauradweg 3) gehalten, da mir da zu viele Abschnitte auf unbefestigten Wegen vorkamen und oft der Hinweis „nach starken Regenfällen nicht gut befahrbar“. Im Klartext heisst das wohl, eher für Mountenbikes als Tourenlieger. Die Route welche ich mit der Website „www.gpsies.com“ bis Komarom recherchiert und ins Navie geladen hatte erwies sich als Volltreffer. Nicht nur das die Ausfahrt aus Györ an einen Sonntagmorgen ohne Verkehrsbelastung klappte, sondern auch weil die Route auf den ersten 20 km durchgehend auf tollen Radwegen verlief. Nichts von tiefen Feldwegen und Schotterpisten, zumindest bis Nagyszentjanos.

Radwege wie aus dem „Wunschkatalog“

Dort trafen wir dann auf die „Esterbauer-Route“ und schon bald bekamen wir zu spüren, was auf diesen Karten „unbefestigter Weg“ bedeuten kann. Zum Glück waren die Wege trocken. Nach einem Regen wäre das wohl kaum fahrbar gewesen.

Hier ist mir sogar ein „Bähnlerfoto“ mit Liegeradlerin gelungen.

Landschaftlich war es wunderschön. Goldene Getreidefelder, dazwischen knallrote Mohn- oder blaue Kornblumen. Dazwischen dunkelgrüne Hecken und Bäume. Bei diesem Anblick kam auch uns „Kunstbanausen“ van Gogh in den Sinn.

Stielleben

Zum Glück ging es bei den Abschnitten schwierigen Feldwegpassagen und den meisten Löchern für uns „bergab“, so dass es fahrbar blieb. In der Gegenrichtung hätte wir wohl schieben müssen.
Auch heute waren wir wieder ohne Frühstück gestartet, was sich als problemlos erwies. Gut 40 Kilometer hatten wir schon hinter uns, bevor wir in Komarno einen Rast einlegten. Ach ja, Komarno liegt wieder in der Slowakei und so haben wir heute Morgen wieder mal von der ungarischen auf die slowenische Seite der Donau gewechselt. EU sei Dank ist das heute einfach. Es reicht eine Tafel an einer Brücke und im dümmsten Fall ein Wechseln des Geldbeutels; den in Ungarn bezahlt man noch in Forint.

Zurück nach Slovenien

Um 10 Uhr bestellten wir zum „Frühstück“ Gemüsepenne mit Parmesan. Hat lecker geschmeckt und als der Kellner erfuhr das wir aus der Schweiz sind wollte von uns wissen, was den mit dem FC Zürich passiert sei, da er letzte Saison in die 2. Liege abgestiegen sei. Das sei doch eine „Schande“. Ich als „profunder Fussbalkenner“ erklärte ihm, das sei für den FC Winterthur ganz gut gewesen, so hätten die Zürcher mal unser Stadion gefüllt.

Hier gab’s „Pastafrühstück“ für einen langen Radlertag

Gasse in Komarno

Danach ging es wieder auf dem Donaudam weiter Richtung Westen. Langsam verzogen sich die morgendlichen Wolken und man konnte die Sonnenstrahlen gut auf der Haut spüren. Der Velocomputer zeigte 39 Grad an und so fühlte es sich auch, wenn auch die Lufttemperatur bei +/- 33 Grad lag an. Ein Teil des Wassers in unseren Flaschen wurde nun nicht mehr zum trinken, sondern zum benetzen der Kleider verwendet. Unterwegs holten wir ein Vater / Tochter Team aus Süddeutschland ein, die mit ihren Rädern von Passau aus an die kroatische Grenze unterwegs waren. Wir plauderten, nebeneinander her fahrend eine Weile nebeneinander und als wir im Schatten einen Rast einlegen wollten verabschiedeten wir uns von ihnen.

Plauderstündchen unter Fernradlern

Willkommener Schattenspender

Pusteblume

Der letzte Abschnitt bis kurz vor Esztergom fuhren wir auf ruhigen Nebenstrassen. Dass es Sonntag war machte die Sache für uns sicher angenehmer. Kurz vor dem Ziel überquerten wir dann wieder die Donau und wechselten auf die ungarische Seite, wo wir in einer schönen Pension die Nacht verbringen werden. Kaum angekommen beginnt es zu regnen. Das mit dem Timing scheinen wir im Griff zu haben. Hoffentlich bleibt das so.

Basilika von Esztergom

Morgen geht’s dann gut 80 km bis Budapest, wo wir einen Ruhetag einlegen werden

Tag 3: Sa. 24.06.2017 Etappe 2 Bratislava – Györ

Distanz 87.36 km / Fahrzeit 4 Std. 55 Min. / Durchschnitt 17.7 / Gesamt 164.8 km
Wetter: heiss 28 – 33 Grad, Nachmittag leichter Westwind

Die heutige Etappe kurz und bündig: Eine heisse Damfahrt!

Der Start heute Morgen verlief problemlos. Kurz noch bei einem Geschäft frische Sandwiches und kühle Getränke eingekauft und schon waren wir unterwegs. Auf dem Weg aus der Stadt mussten wir nochmals eine grosse stark befahrene Brücke überqueren, die zum Glück auf der unteren Ebene einen separaten Fussgänger- Fahrradweg hatte.

Ausfahrt aus Bratislava

Gleich nach der Brücke links auf den Radweg und dann immer der Donau entlang. Am Anfang teilten wir den Weg noch mit vielen Freizeitsportlern die ebenfalls die noch kühlen Morgenstunden genossen und mit Fahrrädern oder Rollerblades unterwegs waren. Auf einigen Kilometern war die Strecke so breit wie eine doppelspurige Strasse mit Leitplanken und Mittellinie. Nur für den Langsamverkehr! Es war fast ein Gefühl wie wenn in der Schweiz die Strassen für die Veranstaltung „Slow Up“ gesperrt werden. Nur hatte es hier nicht so viele Menschen unterwegs. Nebenan verlief eine neue, viel befahrene Schnellstrasse. Vermutlich eine „Geschenk“ der EU und so wurde „unser“ Radweg überflüssig und den Velos überlassen. Uns solls recht sein. Nach gut 20km überquerten wir bei Cunovo ein riesiges Stauwerk. Es ist Teil eines dreistufigen Stauwerks das die Donau hier zurückstaut und in einen separaten Kanal umleitet. Mit diesem Megaprojekt aus den 70er Jahren wurde ein Projekt umgesetzt, dass noch zu Zeiten Stalins entwickelt wurde. Grosse Gebiete der Donauauen wurden dadurch zerstört und es entstand ein grosser See und 17 km langer Kanal, der aber monoton zwischen dem künstlich angelegten, 18 Meter hohen Dam fliest.
Beim Stauwerk in Cunovo wurde der Höhenunterschied des Wassers auch noch für die Freizeitsportler genutzt und eine Wildwasseranlage gebaut. Heute schien gerade ein internationaler Wettbewerb statt zu finden. Wir nutzen das „Unterhaltungsangebot“ für eine kurze Pause.

Kleines Schiff auf grosser Fahrt Richtung schwarzes Meer

Wildwasser an der Staustufe

Endlose Damfahrt

Weiter ging es immer auf dem Dam entlang. Kein Schatten weit und breit und die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel. Oft verschwamm die Strasse am Horizont in der heissen Luft und es kam fast ein bisschen USA Feeling bei mir auf. Heiss, flimmernderes Strassenbelag und immer geradeaus!
In Medvedov hatten wir gut 50 Kilometer „Damfahrt“ an der prallen Sonne hinter uns. Zeit für einen Mittagsrast und ideal um mit kühlen Getränken die Körpertemperatur am Schatten zu regulieren. Danach überquerten wir die Donau und kamen im dritten Land auf dieser Reise an: Ungarn.

Da war wohl mal wer in Kanada. Perfekter Platz für einen Mittagsrast.

 

… und feines Essen hatten sie da auch.

Hier ging es ein Stück auf einer stark befahrenen Strasse entlang bevor wir auf Nebenstrassen ausweichen konnten. Über verschlungene Pfade, Navi sei dank, erreichten wir die Stadt Györ und fanden die reservierte Unterkunft. Eine kühle Dusche war jetzt genau das richtige, etwas ausruhen und dann ging es noch zu Fuss in die Altstadt.
Wir waren wirklich überrascht. Viele schöne Baroke Häuser und viel Leben auf den Gassen. Dass auch noch ein Festival für Streetfood abgehalten wurde lockte natürlich noch mehr Leute auf die Strasse. Die warmen Temperaturen taten ein Übriges und so war alles angerichtet, den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.
Aber nicht zu lange, den Morgen wollen wir noch früher los, die Hitze zwingt uns zur Anpassung der Abfahrtszeiten. Morgen knapp 90 km bis Esztergom.

Nach Österreich und der Slovakei schon unser drittes Land auf der Tour.

Auf Feldwegen dem Verkehr entfliehen.

Hier noch ein paar Impressionen aus Györ.

 

 

 

 

Tag 2: Fr. 23.06.2017 Etappe 1 Wien – Bratislava

Distanz 77.4 km / Fahrzeit 4 Std. 56 Min. / Durchschnitt 15.7 / Gesamt 77.4 km
Wetter: schwül 28 -36 Grad, Vormittags Gewitter mit kurzen Regenschauern, Nachmittag Westwind

Heute haben wir also unsere kurze Sommertour 2017 um 07.30 Uhr offiziell vor dem Hauptbahnhof Wien gestartet. Die Nacht war kurz, da wir gestern ja erst um 23.30 Uhr und damit exakt vier Stunden verspätet im Hauptbahnhof Wien eingetroffen sind. Zum Glück war unser Hotel gleich über die Strasse, trotzdem wurde es 01.00 Uhr, bis wir das Licht löschen konnten. Schon fünf Stunden später erinnerte uns der Wecker daran, dass wir ja wegen der Hitze früh losfahren wollten. So starteten wir noch etwas müde aber zuversichtlich und wurden bei der Ausfahrt aus Wien schon mal positiv überrascht. Die im Navi programmierte Route erwies sich als Volltreffer! Alles Radwege oder sehr ruhige Quartierstrassen, so dass wir ohne Stress plötzlich auf ruhigen Wegen an der Donau entlang unterwegs waren und die Grosstadt rasch hinter uns liesen.

 

Ausfahrt aus Wien

Fahrradrampen zur Donaubrücke

Flussidylle mitten unter der Autobahn

Ab und zu begegneten uns Freizeitradler auf dem Dam, aber meist waren wir alleine unterwegs, konnten gemütlich nebeneinander fahren und plaudern. Nur die dunklen Wolken in unserem Rücken und das bedrohlich Donnergrollen motivierten uns ab und zu wieder etwas konzentrierter in die Pedalen zu treten. Wir hofften so dem nahenden Gewitter zu entkommen. Es nützte alles nichts. Auf offenem Dam war es dann soweit. Gross Tropfen prasselten auf uns nieder und das Donnergrollen wurde immer lauter. Zum Glück sahen wir keine Blitze aber man weiss ja nie. Genau in diesem Moment tauchte ein kleines Häuschen etwas erhöht neben dem Dam auf. Also nochmals kräftig in die Pedalen treten und schon waren wir da und konnten unter dem kleinen Vordach etwas Schutz suchen. Es war sowieso Zeit etwas zu Essen und zu Trinken, so dass wir auch das gleich erledigen konnten. Nach gut 15 Minuten hörte der Regen auf und wir machten uns auf die Weiterfahrt. Wir durchquerten den „Nationalpark Donau Auen“ und wurden von vielen schönen Vogelstimmen begleitet. Gegen 10 Uhr erreichten wir das Dorf „Orth an der Donau“. In einem Gasthaus genossen wir guten Kaffe, feines Gebäck und ein frisches Eis. Wer den ganzen Tag radelt darf sich halt so was gönnen.

Sogar mit Toilette ist der Radweg hier bei Wien ausgestattet.

Storchennest mit Jungen in Orth a.d.D

 

Nach dem Regen

Es ging weiter immer auf dem Dam durch die Donauauen, meist auf gutem Teer- oder feinem Schotterbelag. Links und rechts immer wieder schöne Ausblicke in stille Wasserarme, die vom Hauptstrom abgeschnitten sind und nur bei Hochwasser überflutet werden. Fischreiher, Schwäne, und viele andere Vögel fliegen herum und beglücken uns mit einem schönen Naturkonzert. Kurz vor Hainburg veranschaulichten Tafeln auf einer Brücke die Bedeutung der Auenlandschafft für die Tiere und erzählten die Geschichte des Wiederstands, als 1971 der ganze Auenwald für ein Flusskraftwerk überflutet werden sollte. Umweltaktivisten liesen sich von der Kälte nicht abhalten und schlugen im Dezember 1971 in den Wäldern eine Campinglager auf um die Rodung zu verhindern. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und auch die Gewerkschaften drohten die „Besetzer“ mit Gewalt aus den Wäldern zu vertreiben, da sie um Arbeitsplätze beim Kraftwerksbau fürchteten. Der Widerstand gegen die Zerstörung dieser einzigartigen Landschaft wuchs aber so schnell an, das die Baubewilligung temporär aufgehoben wurde. Jahre später entschied ein Gericht das die Bewilligung zum Bau wiedererechtlich erteilt wurde und so war das Projekt gestorben. Die Natur dankt es indem sie hier, nahe einer Milionenstadt, ihre ganze Vielfalt zeigt.

Auenlandschafft bei Hainburg

In Hainburg entdeckten wir direkt an der Donau ein Gartenretsaurant das laut zu rufen schien: „Kommt herein ihr müden Radler. Hier gibt es zu Essen und zu Trinken.“ Da gab es nichts zu überlegen, denn es war nicht mehr weit bis Bratislava, wir waren schon etwas Müde und eine Erfrischung konnte bei den schwülen Temperaturen nicht schaden.

Strasse in Hainburg

Daran sollte man sich halten.

Der perfekte Mittagsrastplatz

Nach der Stärkung dann die letzen Kilometer nach Bratislava. Nur ein verlotterter Grenzposten zeugte davon, dass wir hier die Grenze zur Slovakei überquerten. Eine Grenze die vor nicht allzulanger Zeit noch eine grosse Hürde darstellte scheint heute kaum mehr zu existieren.

Wer hätte gedacht,das die alten Panzerpisten an den Grenzanlagen mal für etwas gut sein können. Heute perfekte Radwege!

Von Weitem macht Bratislava keinen besonders hübschen Eindruck aber nachdem wir den Weg in die Altstadt gefunden hatten, sah es ganz anders aus. Viele alte, zum Teil sehr schön restaurierte Häuser, kleine Gassen, schmucke Läden und viele Bar’s und Restaurants. Der Weg zu Hotel ist nochmals etwas kompliziert, da uns immer wieder Treppen den Weg versperren und auf der stark befahrenen Hauptstrasse wollen wir nicht fahren. Irgendwie finden wir den Weg und sind froh, die verschwitzten Radlerklamotten ausziehen zu können und eine erfrischende Dusche zu geniessen.
Anschliessend noch ein Besuch in der schönen Altstadt. Die vielen Strassenrestaurants sind gut besetzt und da und dort wird Musik gespielt. Auch ein kleiner Markt ist aufgebaut und die Leute geniessen den warmen Sommerabend im Freien. So kommt richtige Ferienstimmung auf. Jetzt aber ins Bett, morgen geht’s weiter nach Györ, hoffentlich ist es weniger feucht.

Altstadt Bratislava

Musik …

… und leckere Sachen auf dem Markt.

Er betrachtet das ganze Treiben mit stoischer Ruhe

Tag 1: 22.06.2017 Anreise mit Zug von Winterthur nach Wien

Wort zum Tag: „Die Weiterfahrt unseres Zuges verzögert sich um .. Minuten.“

Auch heute mussten wir wieder einmal die Erfahrung machen, das eine Zugreise, ob mit oder ohne Fahrrad, manchmal ganz schön anstrengend sein kann.

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Da waren wir noch im Fahrplan.

Aber der Reihe nach. Schon vor ein paar Wochen wollte ich für uns und die Räder einen Platz im direkten Zug von Zürich nach Wien (Ralijet) reservieren. So müssten wir nur mit der S12 von Winterthur nach Zürich fahren und dort in den Zug nach Wien einsteigen. Der „Traum“ zerplatzte schon am Schalter. Mit dem Nachtzug dürfen die Fahrräder auch im Transbag verpackt nicht mitgenommen werden. Die direkten Züge mit Fahrradmitnahme verkehren an unserem Reisedatum nicht, da zwischen Buchs und Feldkirchen die Bahnstrecke umgebaut wird. Im Bahnersatzbus sind Fahrräder nicht erlaubt. Bingo!
Der Vorschlag der SBB Mitarbeiterin am Schalter war auch nicht so toll. Wir sollten nach München, dort um 17.30h ( = Pendlerstosszeit) in den Regioexpress nach Salzburg umsteigen und dort würden wir den Zug nach Wien erreichen. 12 Minuten Umsteigezeit in Salzburg! Hallo, dass tönte definitiv nach einer stressigen Fahrt mit hohem Potential die Anschlüsse zu verpassen. So recherchierte ich zu Hause und entschied mich mit dem „Münchner“ bis Bregenz zu fahren, dort mit dem Regioexpress nach Feldkirch und dann in den direkten Zug nach Wien. So hatten wir genügend Zeit zu Umsteigen. Der Bahnhof in Feldkirch ist leider nicht mit Rolltreppen ausgestattet und pro Perron steht nur ein Lift zur Verfügung. Da alle internationalen Züge Österreich – Schweiz in Feldkirch wegen der Baustelle enden, waren viele Reisende mit Koffern unterwegs und alle wollten den Lift benutzen, so das es davor zu Schlangen kam. In diese Gedränge hat sich Barbara dann die Kunststoffhalterung der Frontlampe kaputt gemacht. Wir hatten zum Glück etwas Zeit und konnten uns in der nahem Post einen Sekundenkleber kaufen um die Bruchstelle leimen. Hätte nicht gedacht dass ich diese mit allerlei Krimskrams überfüllten Wartbereiche vor den Postschaltern noch mal für nützlich halte. Mal sehen wie lange diese Reparatur hält.

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„Bodenbeleuchtung“ Nicht was wir wollen.

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Ob das hält?

Beim Einsteigen in den Railjet dann der nächste Ärger. Der Zugang zu den Velohaken ist nur durch eine schmale Türe zu erreichen. Also keine grosszügige Einstiegsplattform. Mit Mühe konnten wir die „Lieger“, die ja nicht länger als mein Strassenvelo sind, um die viel zu enge Ecke in das Abteil wuchten und an die Hacken hängen. Wer sich so etwas ausdenkt, war noch nie mit einem Rad unterwegs.

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Geschafft, die Velos hängen am Haken.

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Nun gut, irgendwie hat es geklappt und der Zug fährt pünktlich um 13.17 in Feldkirch los. Die Wagen sind prima klimatisiert, so dass wir uns nach dem Einstiegsstress abkühlen und die Reise geniessen können. Die Ruhe dauert nur kurz. Nach gut 20 Minuten Fahrt kurz vor „Langen am Arlberg“ geht ein Ruck durch den Zug, die Klimaanlage schaltete sich ab und der Zug rollte aus. Wir bleiben stehen und nach einigen Minuten erfolgte die Durchsage das es in wenigen Minuten weiter gehen würde. Ihr wisst ja was jetzt kommt! Zehn Minuten später die nächste Durchsage: „Die Weiterfahrt unseres Zugs verzögert sich um unbestimmte Zeit. Grund dafür ist eine technische Störung an der Lok.“ Bingo! Ich stelle mir schon mal vor wie wir den Zug verlassen und in einen Ersatzzug umsteigen und den ganzen Veloumsteigestress nochmals durchmachen müssen. Um mich etwas abzulenken nehme ich das I-Pad hervor und beginne schon mal an diesem Blogeintrag zu schreiben. Was erledigt ist erledigt. Nun kommt gerade die Durchsage, das eine Ersatzlok angefordert werden muss. Mal sehen wie schnell die Österreicher das schaffen. Zeit 13.45 Uhr.

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Wenigstens genug Zeit die Aussicht zu geniessen.

Zum Glück läuft die Klimaanlage wieder :-) Warten ….. 15.20 Uhr, die Ersatzlok ist angekommen, oder besser gesagt der Zug welcher eine Stunde nach uns losgefahren ist und nun hinter uns steckengeblieben ist hat bei uns „angedockt“. So fahren die beiden Züge gemeinsam weiter. Wenn an den Halteorten die Perrons für den nun doppelt so langen Zug zu kurz sind, wird halt in „Etappen“ ausgestiegen. Zuerst die vordere Hälfte, den Zug Vorziehen und dann die hintere Hälfte. Ziemlich kreativ. Wir passen nicht mehr ins Fahrplangefüge der ÖBB und werden immer wieder von rechtzeitigen Zügen die uns überholen ausgebremst. So steigt die Verspätung kontinuierlich weiter an. Wenigstens funktioniert das gratis Internet über ÖBB-WLAN sehr gut und ich kann schon mal die Fotos für den Blog hochladen und den Text fertig Vorbereiten.

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Speise und Getränk hatte es auch an Bord. Nur unsere Tischnachbarn waren bei der Schnellbremsung nicht reaktionsschnell genug = Bier über dem Tisch, den Würstchen, der Semmel und am Boden, was für eine Verschwendung. Wir blieben trocken ;-)

Entgegen meiner Hoffnung nimmt die Verspätung jedoch nicht ab. Vor St. Pölten bleiben wir immer wieder auf offener Strecke stehen. Wir haben mittlerweile über 3 1/2 Std. Verspätung und langsam wird das Sizten mühsam. Zum Glück hat es im Zug nicht mehr so viele Leute und so gehen wir im Zug immer mal wieder „spazieren“. Es ist 22.30 Uhr und wir stehen immer noch. Übrigens haben wir den Schaffner schon seit 2 Std. nicht mehr gesehen. Nur am Lautsprecher ist er so alle 40 Minuten mal mit einer Entschuldigung zu hören. Er scheint sich auch nicht mehr wohl zu fühlen.

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Alle Sudoku und Kreuzworträtsel sind gelöst.

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Wenn man die Abfahrtszeiten des bei uns angedockten Zuges der eine Stunde später verkehrt anzeigt, sieht das nur halb so „schlimm“ aus.

Auch ich habe langsam keinen Bock mehr auf’s Zugfahren. Hoffen wir, dass wir noch vor Mitternacht im Hotel ankommen und die Reception besetzt ist.
Wir fahren wieder und werden wenn nun alles gut geht mit 4 Stunden Verspätung in Wien eintreffen. ÖBB, das war keine Meisterleistung.
Ich lade jetzt den Blog aus dem Zug hoch und wünsche euch eine gute Nacht

Letzte Vorbereitung

Bald geht’s los und wir dürfen zu einer weiteren Liegeradreise starten.
Am 22.06.17 fahren wir mit dem Zug nach Wien, wo wir am folgenden Tag unsere Reise der Donau entlang Richtung Belgrad starten werden.
Wir sind gespannt auf neue Reiseeindrücke entlang der Donau und freuen uns auf Begegnungen links und rechts der Eurovelo 6.
Jetzt heisst es noch die letzten Sachen packen, die Fahrräder vorbereiten und letzte Reisevorbereitungen treffen. Dazu gehört nach bald einem Jahr Pause natürlich auch ein Testblog zu erstellen um sicher zu gehen, dass ich euch von Unterwegs berichten kann.
Also bis bald.

Die beiden freuen sich auch schon auf die Reise.

 

Mi. 05. – Fr.07.10.2016: Heimreise mit Zug via Graz

Für die Heimreise haben wir uns eine Verbindung ausgesucht die mit möglichst wenig Umsteigen verbunden ist. Dazu Züge in denen der Fahrradtransport erlaubt ist und mit Graz haben wir eine uns bis jetzt noch unbekannte Stadt eingebaut, in der wir einen Tag Aufenthalt genossen.

Die Reise startetet in Cres mit der Katamaranfähre nach Rieka. Wir haben vor einigen Tagen vor Ort abgeklärt, ob die Mitnahme unserer Velos möglich sei. Kein Problem hat uns der Matrose versichert. Wir müssten einfach beim Einsteigen pro Velo 50 Kuna (ca. 8 sFr.) bezahlen. Die Passagierbillette sind in Cres im Tourismusbüro zu lösen. Kosten 35 Kuna p.P. ( ca. 5.50 sFr.)

Bereit zum Einsteigen

Bereit zum Einsteigen

Die Räder gut festgezurrt an Deck

Die Räder gut festgezurrt an Deck

Die Fähre startete trotz stürmischem Wind pünktlich um 08.20 Uhr und die Fahrt nach Rieka dauerte 80 Minuten. Dort angekommen hatten wir genügend Zeit zum Bahnhof zu fahren und uns die Billette bis Graz zu besorgen. Dazu die Fahhradtickets (12 sFr.) bis zum nächsten Umsteigebahnhof in Liubljana.
Unser Zug fuhr um 11.55 Uhr und stand schon eine halbe Stunde vor Abfahrt am Perron bereit, so dass wir ohne Stress die Räder im vorgesehenen Abteil verstauen konnten.

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Der Zug am Perron

Auch Liegerädern passen an die Velohaken im Zug

Auch Liegerädern passen an die Velohaken im Zug

Die gemütliche Fahrt durch das gebirgige Nordkroatien und Slovenien war eine Reise in längst vergangene Eisenbahnerzeiten. Viele Stellwerke sind noch mit einer alten, mechanischen Technik ausgerüstet und auf allen Bahnhöfen beobachtet der Bahnhofvorstand mit roter Müze die Zugdurchfahrt, bzw. gibt dem Zug den Abfahrbefehl durch Winken mit der Kelle. Die Fenster konnten wie früher geöffnet werden und da der Zug nicht zu schnell fuhr war es am offenen Fenster richtig angenehm.

Das Bahnhofgebäude erzählt von einer prunkvollen Vergangenheit.

Das Bahnhofgebäude erzählt von einer prunkvollen Vergangenheit.

Nachdem wir die Küste hinter uns gelassen hatten wurde die Landschaft sehr waldreich und an vielen Bahnhöfen werden Holzstämme verladen.

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Pünktlich um 14.50 Uhr fuhren wir im Bahnhof von Ljubljana ein. Wir hatten wieder 70 Minuten Zeit um die Fahrradtickets für den Abschnitt bis Graz zu kaufen (5 Euro) und den Perron zu wechseln.
Wieder stand unser Zug schon lange vor der Abfahrt am Perron, so dass der Einlad ein weiteres mal völlig entspannt war. Der Eurocity Richtung Wien benötigte knapp 3 1/2 Stunden bis Graz, wo wir ein Hotel in Bahnhofsnähe bezogen. Der erste Abschnitt der Heimreise war also viel einfacher als erwartet verlaufen.
Den Donnerstag genossen mit einem Stadtbesichtigungs- Einkaufs- und Beizenbummel, in Graz.

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Kunstmuseum Graz (oder ein „Geschwür“?)

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Die Teller werden hier sauber aufgegessen.

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Mit der Standseilbahn auf den Schlossberg

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Innovative Architektur in alten Gebäuden. Dank „Lichtschächten“ gibt’s im Keller auch Tageslicht

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Ach ja, wir mussten uns ja noch die Fahrradplätze für die Heimfahrt am Freitag reservieren lassen. Der Herr am Schalter erklärte uns, dass die Platzreservation das allerwichtigste sei, ohne könnten wir die Räder nicht mitnehmen. Kosten für Platzreservation und Fahrradtransport Graz bis Zürich: 22 Euro.

Freitag 09.30 Uhr: Wie nun schon fast üblich stand der Zug wieder lange vor Abfahrt am Perron, was zu einem weiteren entspannten Verlad beitrug. Dann hiess es um 09.45 Uhr: „Platz nehmen, der Zug fährt ab“.
Wir genossen eine gemütliche Zugfahrt mit lesen, plaudern mit Mitreisenden, Besuche im Speisewagen, dösen oder einfach zum Fenster hinausschauen und die Landschaft an einem vorbeiziehen lassen. Um 19.20 Uhr waren wir wie geplant in Zürich. Ein letztes mal Umsteigen in den Zug nach Winterthur. Rolltreppen mit vollbepackten Liegerädern sind für uns mittlerweile eine leichte Übung und bald fuhren wir die letzten Meter auf den Liegern vom Bahnhof nach Hause.
Eine wunderbare Reise war zu Ende.

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Bis zu einer nächsten Reise, „ä guätä Zyt“.

 

Di. 27.09 – Mi. 05.10.2016: Entspannten in Cres

Hier noch ein paar Bilder unserer „Entspannungswoche“ in Cres, die wir bei überwiegend sonnigem Wetter geniessen konnten. (Luft: 23 -25 Grad und Wasser: 21 Grad)

Viele leere Stellplätze unter Pinien. Im Hochsommer heissbegehrt

Viele leere Stellplätze unter Pinien. Im Hochsommer heissbegehrt

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Diese Reservationsschilder werden erst nächste Saison wieder eingesetzt.

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Überall auf dem Platz reifen die Oliven

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Unsere Unterkunft in Cres

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Kristallklares Wasser in der Bucht von Cres

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Darin fühlen sich offenbar auch unsere „Schwimmkollegen“ wohl.

Ansichten von Cres

Ansichten von Cres

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„Dorfplatz“ mir Schiffen belegt

 

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Hier lässt es sich gut entspannen

Hier lässt es sich gut entspannen

Enge Gassen in der Altstadt

Enge Gassen in der Altstadt

Kleine Läden in jedem Winkel. Hier gibt's gute Weine und feinstes Olivenöl. Leider ist das mit dem Transport bei Velotouren etwas eingeschränkt.

Kleine Läden in jedem Winkel. Hier gibt’s gute Weine und feinstes Olivenöl. Leider ist das mit dem Transport bei Velotouren etwas eingeschränkt.

Kleine Gärten mitten im Gewirr der Altstastgassen

Kleine Gärten mitten im Gewirr der Altstastgassen

Marktplatz

Strassencafé und Marktplatz

Die Ernte ist bereit zum Verkauf

Die Ernte ist bereit zum Verkauf

Am letzten Abend nochmals ein richtig spektakulärer Sonnenuntergang

Am letzten Abend nochmals ein richtig spektakulärer Sonnenuntergang

 

 

Tag 12: „final countdown“

Dienstag 27. September 2016

Radstrecke: Vozilici – Brestova / Fähre / Porozina – Cres = 43 Km, Gesamt: 727 km
Fahrzeit 3 Std. 31, Durchschnitt 12.1
Wetter: ganzer Tag sonnig, 23 Grad,

Heute war also die „Zielankunft“ in Cres geplant. Wir wussten das es viel bergauf gehen würde und das der Fährenfahrplan in der Planung zu berücksichtigen war. Bis zur Fähre waren es noch 13 Kilometer, wovon mindestens zehn eine Bergauffahrt bedeuteten. Also war mit einem Schnitt von nicht viel mehr als 8-9 km/h zu rechnen und da die angepeilte Fähre um 9.45 Uhr abfuhr, mussten wir um acht losfahren. Heute also kein wirkliches Frühstück. Etwas trinken, ein paar Nüsse, das Geld im Zimmer deponiert und los ging es. Von unseren Zimmervermietern war noch nichts zu sehen und zu hören und so fuhren wir still und leise davon. Schon nach ein paar hundert Metern stieg die Strasse an und das blieb die nächsten 10 Kilometer so.

Gut ausgeschlafen und mit der Sonne im Gesicht fährt es sich ganz locker aufwärts.

Gut ausgeschlafen und mit der Sonne im Gesicht fährt es sich ganz locker aufwärts.

Ab und zu ein Halt um etwas zu trinken, ein Blick in die Landschaft und weiter. Die Sonne schien bereits vom noch leicht bewölkten Himmel und dank wenig Verkehr konnten wir die Fahrt trotz Anstrengung geniessen. Die ganzen Höhenmeter die wir hochgestrammpelt waren wurden nun in nur drei Kilometern wieder vernichtet. Unsere Bremsen hatten also richtig Arbeit und trotzdem schafften wir knapp 60 km/h. Was für ein Genuss.

Bald ist das Zwischenziel erreicht.

Bald ist das Zwischenziel erreicht.

Wir waren noch gut 20 Minuten zu früh an der Fähre und konnten uns dort noch ein Sandwich besorgen. Gleich nach uns fuhr ein Österreicher mit seinem selbstgebauten Motorrad in den Wartebereich für 2-Räder. Was für eine Maschine! Wir kamen ins Gespräch und ich fragte ihn, ob er sein Krokodil nun im Meer schwimmen lassen wolle ;-)

Ein wirklich seltenes Teil.

Ein wirklich seltenes Teil.

Er erzählte mir, dass er seine Maschine vor nun schon 17 Jahren selber und mit Hilfe eines Freundes, der Sattler ist, gebaut hat. Er sei auch beruflich fast die Hälfte des Jahres in den USA und nehme sein Motorrad ab und zu mit. Er zeigte sich beeindruckt von unserer Fahrradreise und als er erfuhr das ich die USA mal mit dem Ligerad durchquert habe schaute er mich ungläubig an. „Echt jetzt, erzählst du keinen Mist?“ Er machte ein Foto von unseren Rädern und sagte, dass müsse er unbedingt seinem Freund erzählen, der in den USA Motorradtouren auf der Route 66 begleite. Dass es Leute gebe die sowas mit dem Fahrrad machen, Rsepekt.
Für ein Foto durfte ich mich auf seine Maschine setzten und für einen ganz kurzen Moment habe ich gedacht „wär ja auch ganz cool“.

To easy für einen "Bicycle rider"

To easy für einen „Bicycle Rider“

Das Pferdchen nebenan begann nervös zu wiehern und mir war klar, wohin ich gehörte.
Als wir auf die Fähre führen, trafen im letzten Moment noch zwei deutsche Radler ein, die wir am Vorabend schon im Restaurant in Vozilici getroffen haben. Sie sind mit dem Auto nach Pula gereist und wollen nun zwei Wochen mit den Rädern durch Kroatien fahren.

Überfahrt nach Porozine

Überfahrt nach Porozina. Wir waren nicht die einzigen mit Fahrrädern.

In Porozina angekommen hiess es nocheinmal hochstrampeln. Von Meereshöhe ging es wieder ein paar hundert Höhenmeter hinauf unsere so war für die nächsten Kilometer wieder ein sehr kleiner Gang und Geduld angesagt. Wir waren froh diesen Abschnitt nicht auch noch gestern gefahren zu sein.

Sogar für ein Spässchen reichte die Energie noch auf dem Weg nach oben.

Sogar für ein Spässchen reichte die Energie noch auf dem Weg nach oben.

Heute hatten wir alle Zeit und gingen es ruhig an. Auch verkehrsmässig ist so eine Fähre super. Bei der Ankunft läst man mal alle Autos abfahren und hat dann die Gewissheit, dass die nächsten 90 Minuten kaum mehr ein Auto von hinten kommen wird. Nach besagten 90 Minuten suchten wir uns einen schattigen Platz, machten Pause, liessen die Autos und Lastwagen vorbeifahren und hatten anschliessend wieder Ruhe. So kamen wir entspannt in Cres an.

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Heute war genug Zeit für Fotostops. Zum Glück war es kein Gegenwind. (Fahne beachten)

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Bergdorf auf der Insel Cres. Tolle Wohnlage mit Weitblick.

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Genauso haben wir die Insel in Erinnerung

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Ab hier ging es fast nur noch runter!!!

Es war ein super Gefühl mit den Liegern dem Strand entlang zu fahren, das klare Wasser zu bewundern und am Nachmittag darin zu baden.
Genauso haben wir uns die Ankunft erträumt!

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Am Ziel

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Zum Abschluss noch die Fahrt auf der Promenade.

Noch immer ist auf dem Campingplatz soviel los, dass die Geschäfte und Restaurants geöffnet sind aber es ist natürlich alles viel entspannter, als dass wir es von den Sommerferien gewohnt sind. Also ideal, um uns hier nach dieser tollen Tour einige Tage zu entspannen und zu erholen. Für die Rückfahrt nehmen wir dann den Zug. Von Rijeka über Lijubliana nach Graz und von dort mit den direkten Zug nach Zürich. Wir hoffen dass auch das so problemlos verläuft wie die Hinreise. Vielleicht mache ich dazu später noch einen Eintrag.
Auf jeden Fall hat es wiedereinnmal Spass gemacht für euch zu bloggen und eure Unterstützung zu spüren.
… und ich habe das Tagebuch dieser Reise auch schon geschrieben.

Bolgarbeit in schöner Umgebung. Danke, das war's!!!

Bolgarbeit in schöner Umgebung. Danke, das war’s!

Tag 11: Berg und Tal

Montag 26. September 2016

Radstrecke: Buzet (HR) – Vozilici = 50 Km, Gesamt: 685 km

Fahrzeit 3 Std. 48, Durchschnitt 13
Wetter: ganzer Tag sonnig, 25 Grad,

In Buzet haben wir uns ganz gut von den Strapazen erholt. Im Hotel, dass noch den Charme der 60er Jahre hinter dem eisernen Vorhang ausstrahlte, konnten wir uns am Frühstücksbuffet für einen weiteren Tag mit vielen Anstiegen stärken.

Vom Hotelbalkon aus "nichts als Hügel".

Vom Hotelbalkon aus „nichts als Hügel“.

Wir hatten nicht wirklich ein festeres Ziel. Im besten Fall könnte es bis nach Cres reichen, aber dann müsste alles optimal laufen und die Anstiege dürften nicht zu lang und knackig sein. Ansonsten einfach in die Nähe von Brestova einen Schlafplätze finden um Morgen die Schlussetappe nach Cres zu geniessen.
Schon kurz ausserhalb von Buzet wurde klar: Das wird ein weiterer harter Tag! Die ersten 15 Kilometer ging es fast nur bergauf, wovon die ersten fünf wirklich steil und für uns schon fast amLimit waren. Irgendwie schafften wir es doch alles zu fahren aber suchten auch immer wieder die kleinen Schattenplätze auf, um uns kurz zu erholen und zu trinken, den der Schweiss floss in Strömen und mit Flüssigem hatten wir uns heute Morgen gut eingedeckt.

Bergpredigt Nr.1 erreicht

Bergpreis Nr.1 erreicht

Unser Übernachtungsort Buzet aus der Ferne

Unser Übernachtungsort Buzet aus der Ferne

Die Fahrt an sich war eher unspektakulär und wir beschlossen nach der gestrigen Erfahrung uns auch Heute eher an die grösseren Strassen zu halten, was zwangsläufig auch mehr Verkehr und teilweise Lastwagen mit sich bringt. Obwohl das nicht immer angenehm ist, besser als kroatische Nebenstrasse ist das allemal. So ging es immer wieder rauf und runter und die Durchschnittsgeschindigkeit fiel entsprechend in den Keller. Gegen Mittag war klar, wir wollten uns keinen Stress machen und würden heute noch irgendwo vor Brestova übernachten. Denn nach der Fähre steigt die Strasse nach Cres nochmals kräftig an und wir möchten es auf der Insel Cres bis zum Campingplatz Kovacine schaffen, auf dem wir schon so manche schöne Sommerferienwochen verbracht haben.

Da wollen wir hin: Fähre in Brestova

Da wollen wir hin: Fähre in Brestova

Auf der Landkarte entdeckten wir den kleinen Ort „Polmin Luka“, der offenbar an einer kleinen Bucht liegt. Das wäre doch der ideale Ort für einen frühen Feierabend. Dann noch etwas im Meer schwimmen und entspannen! Gegen 3 Uhr Nachmittags fuhren wir voller Vorfreude die steile Strasse in die Bucht hinunter. Oben beim Abzweiger war ein Schild, welches unten an der Bucht auf Übernachtungsmöglichkeiten hinwies. Unten angekommen war die Enttäuschung gross. An der Bucht stand ein grosses Kohlekraftwerk, im gut geschützen Hafen lagen einige Fischerboot und irgendwie sah der Ort gar nicht nach schöner Badebucht aus.

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Auf de ersten Blick gar nicht schlecht aber …

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… nicht wirklich Idyllisch.

Im einzigen offenen Restaurant fragten wir nach Übernachtungsmöglichkeiten. Wir bekamen ein kurzes „Hier nicht, oben in Vozilic gibt es Zimmer“. Also wieder die steile 10% Steigung hochstrampeln, als ob wir noch nicht genug Höhenmeter gemacht hätten.

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Wieder eine happige Steigung geschafft.

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Heute schlafen wir hier.

Oben angekommen fanden wir in einem Privathaus ein passendes Zimmer, entluden die Räder und genossen den warmen Nachmittag im Garten und hatten Zeit den Blog zu aktualisieren.
Wir sind bereit Morgen das Ziel zu erreichen und freuen uns jetzt schon auf den erfrischenden Sprung ins Meer

Tag 10: „Grenzerfahrung“

Sonntag 25. September 2016

Radstrecke: Sistiana – Triest – Buzet (HR) = 75 Km, Gesamt: 635 km
Fahrzeit 5 Std. 57, Durchschnitt 12.6
Wetter: ganzer Tag sonnig, 25 Grad,

Etappenübersicht (www.gpsies.com)

Etappenübersicht (www.gpsies.com)

Angefangen hat der Tag ja wie im Bilderbuch. Der Himmel schon am Morgen strahlend blau und unseren nette B+B Gastgeberin Chiara hatte uns den Frühstückstisch im Garten gedeckt und wir stärkten uns mit feinem Fruschtsalat, Joghurt und typisch italienisch Biscoti für einen langen Tag.

Frühstück im Garten

Frühstück im Garten

Die Fahrt nach Triest war einfach traumhaft. Wir mussten uns zurückhalten um nicht bei jedem tollen Aussichtspunkt ein Foto zu machen. Der Verkehr war wie erwartet ruhig nur an der Promenade in Triest war schon einiges los. Vor allem die älteren Semester waren früh aufgestanden und hatten sich den Liegestuhl geschnappt um an der Promenade die begehrtesten Plätze für das Sonnenbad zu reservieren. Da haben es die Liegeradler zum Glück bedeutend einfacher. An die Promenade fahren, freien Platz suchen, anhalten und die Sonne geniessen. Der Liegestuhl ist ja immer mit dabei ;-)

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Traumhafte Ausblicke über die Bucht

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Die sonntäglichen SonnenanbeterInnen an der Promenade von Triest

Ich bin auch ein Liegestuhl.

Ich bin auch ein Liegestuhl.

Wir kamen ganz gut durchs Zentrum von Triest und am Hauptbahnhof kauften wir im Kiosk noch die letzten vorhandenen Waserflaschen, da wir heute eher etwas abseits unterwegs sein würden. Aber doch hofften wir natürlich da und dort mal eine Gelegenheit für eine Zwischenverpflegung zu finden.

Der Bahnhof in Triest erstrahlt im Galn vergangener Tage

Der Bahnhof in Triest erstrahlt im Glanz vergangener Tage

Da wir nun die istrische Halbinsel in einer Diagonale durchfahren wollten, mussten wir uns in Triest etwas links halten und langsam an Höhenmeter gewinnen. Immer wieder sahen wir die Hinweisschilder welche uns auf den Radweg der „Parenzana“ führen würde. (Mehr Infos unter: www. bahntrassenradwege.de/Index.php?page=parenzana“ ) Der Weg ist also auf einer nicht mehr in Betrieb stehenden Bahntrasse errichtet worden und zeichnet sich so mit moderaten Steigungen aus. Tönt ja mal ganz gut. Wenn der Weg dann aber vor allem aus groben Steinweg (=Rüttelpiste) besteht, wird das mit einem voll beladenen Bike schon ziemlich anstrengend.

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Zwar hatten wir da schon einige Höhenmeter hinter uns, aber soweit fühlten wir uns noch recht gut.

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Mit der Zeit werden solche Wege recht anstrengend.

Es war erstaunlich viel los auf diesem Weg. Velofahrer und Wanderer genossen den Sonntag auf dem Weg der „Freundschaft und Verbundenheit“ und wir hatten das Gefühl kaum vorwärts zu kommen. 6 – 9 km zeigte unser Tacho, definitiv zu wenig für eine lange Etappe. Und was ich am Vortag über „ideale Radlertemparatur“ geschrieben habe, ist natürlich nur, wenn auch zügig gefahren werden kann und der Fahrtwind einem so auch abkühlt. Für eine lange Bergauffahrt war es definitiv zu heiss. Unser Wasservorrat schrumpfte immer mehr und weit und breit keine Füllstation in Sicht. Erstaunlich, dass hier im Gegensatz zum Vinschgau noch niemand auf die Idee gekommen ist, mit den durstigen Radleren und Wanderer ein Geschäfft zu machen. Wir begannen die Wasservorräte immer mehr einzuteilen und als diese schon fast leer waren, trafen wir auch eine Veranstaltung des italienischen Zivielschutz und Bergrettungsdienst, die am Radweg einen „Informationstag“ veranstalteten. Die „Retter“ spendierten uns Kühlers Wasser und wir revanchierten uns mit einer Spende. So konnten wir mit neuen Vorräten weiterfahren.

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Endlich frisches Wasser, Grazie

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Wir erreichen Slovenien

Kurz darauf passierten wir die „grüne Grenze“ und kamen in Slovenien an. Immer weiter Bergauf, immer auf anstrengendem Schotterweg und kein Ende in Sicht. Der Blick auf die Karte verriet uns, dass wir weit hinter der erhofften Marschtabelle zurücklagen. Aber irgendwie könnten wir ausser dem angepeilten Buzet keinen vernünftigen Ort auf unserer Route ausmachen, wo wir die Etappe beenden konnten. Kurz vor 15 Uhr hatten wir endlich das Ende des Radwegs erreicht und konnten nun die nächsten Strecke wieder auf geteerten Strassen unter die Räder nehmen. Wir kamen gut voran und die „weiss markierten“ Nebenstrasse war ein Traum. Hoch über dem Karstgebirge genossen wir die Fahrt und und schöpften wieder Zuversicht das Ziel doch noch zu erreichen. Doch bald darauf endete die gute Strasse im kleinen Ort Crnotice. Am Ende des Dorfes, wo unsere Strase weiterführen sollte gab es nur noch einen schlechten Schotterweg. Wir kehrten nochmals um und fragten einen Einheimischen: „Geht es hier wirklich nach Popec?“. Nach kurzem Zögern kam ein überzeugtes „Ja“, also fuhren wir weiter.

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Gleich hinter dem letzten Haus war die Strasse zu Ende.

Der Schotter wurde immer weicher und tiefer und an ein Fahren war bald einmal nicht mehr zu denken. So schoben wir die Räder unter grosser Kraftanstrengung die kurzen aber oft steilen Anstiege hoch und versuchten beim hinunterfahren im viel zu weichen Schotter mit den schwer beladenen Rädern nicht umzufallen.

Zu steil und zu rutschig und es wurde immer schlimmer.

Zu steil und zu rutschig und es wurde immer schlimmer.

Weit und breit kein Mensch mehr, keine Häuser, die Sonne brannte vom Himmel und das Wasser ging wieder zur Neige. Wenn wir nicht bald eine Vernünftige Strasse finden würden, könnten wir das Tagesziel vergessen und mussten für die Übernachtung wohl improvisieren. Endlich, nach vielleicht einer Stunde erreichten wir eine kleine Siedlung.

Typisches Dorf im gebirgigen Herzen von Istrien

Typisches Dorf im gebirgigen Herzen von Istrien

Ein älterer Mann sagte etwas zu uns, was wir aber nicht verstanden. Ich fragte „Voda?“ und er nickte. Kam hinunter und stellte uns am Brunnen kühles Wasser ein, mit dem wir unsere Flaschen wieder füllen konnten. Endlich hatten wir hierher eine „höher klassierte“ Strasse erreicht, die nun hoffentlich durchgehend asphaltiert sein würde. Den nun begann der Wettlauf mit der Zeit. Unterwegs hatte uns jemand Gesagt, dass der kleine Grenzübergang den wir nehmen wollten um 18.00 Uhr schliesst. Es war mittlerweile kurz davor und die Strasse war nach wie vor sehr hügelig, unsere Beine müde und so schafften wir es nicht mehr alle Steigungen zu fahren. Beim Schieben sinkt das Tempo noch mehr und uns war klar, bis 18.00 Uhr ist die Grenze nicht mehr zu schaffen. Vielleicht lassen sie ja wenigstens Fussgänger und Radler durch.
Dann endlich tauchte das Gernzgebäude auf einer Hochebene auf und als wir näher kamen atmeten wir auf, den hier waren die Öffnungszeiten bis 22.00 Uhr angegeben. Der Anwesende Zöllner sah sich wortlos unsere Dokumente an und öffnete die Barriere. Wir hatten es geschafft, waren in Kroatien angekommen.
Kurz darauf passierten wir einen Stacheldraht Zaun, welcher die Flüchtlinge aus dem Süden an ihrer Weiterreise in den Norden hindern sollte. Schlagartig empfanden wir unsere „Strapazen“ als absolut unbedeutend. Wir waren schliesslich freiwillig hier und machte eine solche Tour zur Erholung. Zudem war immer klar, dass wir irgendwo ein Bett, etwas zu Essen und zu Trinken bekommen würden, den wir hatten ja Bargeld und gültige Papiere. Wie müssen sich die Menschen fühlen, welche aus ihrer Heimat fliehen müssen weil einige selbstsüchtige Idioten ihnen auf verschiedenste Weise die Lebensgrundlage entziehen, sei es durch physische oder wirtschaftliche Gewalt. Wenn sie mit allem was ihnen geblieben ist, den Kindern und Eltern an diese Stacheldratwände laufen? Was geht wohl in ihnen vor? Und wir haben noch vor ein paar Minuten über unsere Situation „gejammert“.

Bei diesem Anblick war alles nur noch halb so "schlimm".

Dieser Anblick hat alles relativiert.

Bis Buzet waren es noch gut 14 Kilometer, aber zum Glück meist bergab. Kurz nach 19.00 Uhr erreichten wir völlig erschöpft und ausgelaugt Buzet. Ein Hotel war zum Glück schnell gefunden und die erfrischende Dusche brachte die Lebensgeister wieder zurück. Etwas Essen und gute Erholung wird uns nun gut tun, den Morgen geht es nochmals hügelig weiter, aber wir fahren sicher nicht mehr auf einer „weissen“ Strasse

Tag 9: Badetag

Samstag 24. September 2016

Radstrecke: Latisana – Sistiana = 75 Km, Gesamt: 560 km
Fahrzeit 4 Std. 32, Durchschnitt 16.4
Wetter: ganzer Tag sonnig, 27 Grad, leichter Seitenwind aus Süden

Heutiger Routenplan

Heutiger Routenplan

Der heutige Tag war bis jetzt der wohl „langweiligste“ Tag der ganzen Reise und bestand zur Hauptsache darin, möglichst ruhige Wege und Strassen zu finden und uns so nahe wie möglich an Triest heranzupedalen. Morgen wollen wir die Gunst des Wochentags nutzen und wie schon auf der USA Reise mehrfach positiv angewendet, eine verkehrsreiche Stadt am Sonntag durchqueren.

Der Tag war aber zumindest was das Wetter anbelangte „1A“: Sonne pur und gut 25 – 27 Grad. Für mich eine ideale Radlertemperatur.

Bei der Temperatur dürften die Flaschen etwas grösser sein.

Bei der Temperatur dürften die Flaschen etwas grösser sein.

Wie gesagt war heute die Suche nach dem richtigen Weg ein grosses Thema. Einerseits wollten wir endlose und eintönige Fahrten entlang stark befahrener Schnellstrassen vermeiden, andererseits sollten die Umwege dann auch nicht zu gross sein. Da die Gegend hier immer noch mit vielen Kanälen durchzogen ist, enden sie Wege oft am Wasser und zur nächsten Brücke können es einige Kilometer sein. So haben wir heute oft die Papierkarte und das Navi auf dem Handy konsultiert und die nächsten Kilometer abgesprochen. Das hat natürlich nicht gerade zu einem flüssigen Fahren geführt uns so ging es nur zäh voran.

Wohin genau???

Wohin genau???

Ab und zu konnten wir uns über tolle Abschnitte und schöne Aussichten freuen und kurz darauf war wieder volle Konzentration angesagt, wenn auf den Hauptstrassen ohne Seitenstreifen die Autos von hinten heranbrausten.

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Diese Schattenalle haben wir heute Mittag geschätzt.

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Immer wieder stimmungsvolle Bilder an den Kanälen.

Aber wer in der Routenplanung die Brücken nicht berücksichtigt ...

Aber wer in der Routenplanung die Brücken nicht berücksichtigt …

... Wird mit langen Umwegen bestraft.

… wird mit langen Umwegen bestraft.

Radweg durch einen Park in Monfalcone

Radweg durch einen Park …

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… und dem Hafenkanal entlang, wunderbar.

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Kurz darauf diese Schikane. Wer denkt sich nur solchen Schwachsinn aus. Wohlgemerkt, wir sind auf dem offiziellen Adria – Radweg

Kurz darauf die "Schnellstrassenrealität"

Auch davon gab es heute reichlich: „Schnellstrassenrealität“

So um vier Uhr hatten wir genug und unten an der Strasse lockte das Merr zum Baden. So beschlossen wir in Sistiana ein Unterkunft zu suchen und uns noch etwas in der Adria zu erfrischen. Über ein Touristenbüro am Ortseingang liessen wir uns ein B+B reservieren und fanden die Adresse nach einigen Schwierigkeiten dann doch noch.

Dieser Ausblick war zu verlockend. Wir wollten ins Meer!

Dieser Ausblick war zu verlockend. Wir wollten ins Meer!

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Tagesziel erreicht

Wir haben hier einen tollen Platz gefunden, deponierten das Gepäck und gingen die knapp 10 Minuten hinunter als Meer. Dort fanden eine kleine Badebucht und genossen das erfrischende Bad in der noch immer angenehm warmen Adria. Gleich liegt ein Yachthafen und es gibt einige kleine Restaurants, wo wir uns ein gemütliches Essen gönnten. So genossen wir nach einem eher „mühsamen Radlertag“ doch noch einen schönen Abschluss.

Tag 8: „Mare e Terra“

Freitag 23. September 2016

Radstrecke: Alberoni – Lido / Punta Sabbioni – Lido di Jesolo – Carole – Latisana = 86 Km, Gesamt: 485 km

Fahrzeit 4 Std. 31 Min., Durchschnitt 18.8
Wetter: ganzer Tag sonnig, 23 – 26 Grad, leichter Seitenwind aus Süden

Routenübersicht

Routenübersicht

Heute stand nun der Abschnitt der Reise an, der sich trotz ausgiebiger Recherche im Internet nicht eindeutig planen lies. Die Frage lautete ja: Wie kommen wir mit den Rädern von Fusina nach Punta Sabbione? Die Lösung, das Schiff ab Fusina nach Albroni, das nach Voranmeldung 2 Räder mitnimmt, dann auf der Insel „Lido die Venezia“ die gut 8,5 km bis Lido S.M. radeln und dort die Fähre nach Punta Sabbioni nehmen. Gestern haben wir die Billette für das erste Teilstück gekauft und so standen wir erwartungsfroh um 09.20 Uhr an der Bootsablegestelle. Es gesellte sich noch eine weitere Radfahrerin zu den mit uns wartenden Passagieren. „Ich dachte es hat nur Platz für zwei, die kann wohl kaum einfach so mitfahren“, sagte ich zu Barbara und einen kurzen Moment z später kam ein Mitarbeiter der Bootslinie zu uns und fragte: „Habt ihr eine Reservation?“ „Si“ sagte ich in meinem besten Italienisch und zeigte stolz den Fahrschein den ich gestern am Schalter bekommen habe. „Aha, meinte der Herr, dieser war aber für gestern um 11.30 Uhr, da habe ich auch zwei Räder erwartet, aber es ist niemand gekommen.“ „Grande problema“ sagte er und ging zum Bürohäuschen. Dort gestikulierte er wild und sagte etwas von „Due Bici, molto grande“. Da war wohl etwas schief gelaufen! Aber wir mussten unbedingt mit, sonst würde unser Tagesplan nicht aufgehen. Also entschuldigte ich mich erst mal und erklärte dem Herrn das ich die Velos ganz klein machen könnte. Alles Gepäck abladen, Sattel wegnehmen, Lenker querstellen, alles kein Problem. Da hellte sich seine Mine auf. „Ah buono, no Problem you can come“ sagte er ich gebrochenem Englisch und unser Tag war vorerst gerettet.
Das Verladen lief problemlos und das Schiff hatte drei Fahrräder, ca. 30 Einheimische und uns zwei an Bord.

Es geht also doch. Die Pferdchen machen hinter dem Kapitän gaaaanz klein

Es geht also doch. Die Pferdchen machen sich hinter dem Kapitän gaaaanz klein

Nach 40 Minuten fahrt durch die Lagune legten wir kurz nach 10 Uhr in Alberoni an. Wir konnten es gemütlich angehen, denn die nächste Autofähre fuhr ja erst um 12.29 Uhr und es war nur knapp 30 Minuten bis nach Lido S.M.

Unterwegs auf dem Lido di Venezia

Unterwegs auf dem Lido di Venezia

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Das wirkt hier viel entspannter als in der Stadt.

Dort angekommen sahen wir an der Abfahrtstafel, dass in 5 Minuten das 10.59h Schiff abfahren würde. Ich ging also rasch zum Schalter und fragte, ob dieses Schiff auch Fahrräder mitnehme. „Kein Problem, wenn es nicht schon zu viele an Bord hat“. Also kaufte ich die Tickets und wir beeilten uns das Bott noch zu erreichen. Minuten später waren wir an Bord. Kein Problem. Das Schiff ist um einiges grösser als das vorherige und kann sicher locker 10 oder mehr Velos auf eine Fahrt mitnehmen. Die ganze Überfahrt von Fusina bis Punte Sabbioni hat für eine Person + 1 Fahrrad gerade mal 18 Euro gekostet, uns eine Menge Ärger mit viel Verkehr erspart, eine wunderschöne Fahrt auf dem Lido beschert und uns einen tollen Blick auf Venedig sowie einen Mittagsrast am fast leeren Strand von Cavallino ermöglicht. Die Entscheidung war goldrichtig!

Geschafft! Und das noch viel früher und einfacher als erwartet.

Geschafft! Und das erst noch viel früher und einfacher als erwartet.

Danach fuhren wir Kilometer um Kilometer an den riesigen Campinganlagen im Raum Cavallino und Jesolo vorbei. Die Strassen waren wie leergefegt und die doppelspuhrigen Kreisel wirkten etwas fehl am Platz. Aber zwei Monate im Jahr, wird es hier trotz dieser grosszügigen Strassen zu einem Verkehrsstau kommen. Gut sind wir nicht um diese Zeit unterwegs.

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Die Pferdchen bestaunen den leeren Strand von Cavallino

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Viel Platz, zumindest von September bis Juni

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Camping, Camping, Camping, …….

Immer wieder fuhren wir auf kleinen Nebenstrassen den Kanälen entlang. Manchmal einsam und ruhig, ab und zu aber auch mit mehr Verkehr, wobei sich auch heute die Überholenden meist sehr geduldig verhielten und knappe Manöver die Ausnahme waren. Bei strahlendem Sonnenschein ging es langsam nach Norden, um die „Laguna di Carole“ zu umfahren. Viel Ackerland, oft schon abgeerntete und gepflügte Felder, Traubenstöcke und auch grosse Reisfelder säumten den Weg. Das Wetter wie gewünscht. Strahlend blau, nicht zu heiss und Wind von schräg hinten.

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Kanalfahrt, einfach zum geniessen

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Einsame Landstriche

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Wieder mal „Brückenfahren“. Wir lieben es, denn es bedeutet dem Wasser entlang.

Reisfeld wie im Bilderbuch ...

Reisfelder wie im Bilderbuch …

... Und Landschaften wie Gemälde.

… und Landschaften wie Gemälde.

Wir kamen gut voran und waren kurz nach fünf Uhr an unserem Ziel „San Michele“. Meine Hotelbuchungsseite hat uns für diese Region kein Angebot gemacht, also mussten wir uns auf gut Glück umschauen. Bei einer Pizzeria prangte auf dem Dach ein grosses Schild „HOTEL“. Also gingen wir rein und fragten nach Zimmer. „Ach dieses Hotel gibt es nicht mehr. Ist alles privat. Nur der Name steht noch dort“ erklärte und die Angestellte. Sofort mischten sich drei Gäste in die Diskusion ein und erklärten gestenreich, wo es im Nachbarort das nächste Hotel habe. Dann wollten sie noch wissen woher und wohin und freuten sie offensichtlich über unsere Räder. Überhaupt bekommen wir immer wieder aufmunternde Zurufe von Leutem am Strassenrand oder auch mal ein „Daumen hoch“ eines vorbeifahrenden Autos oder Motorrades. Velofahren geniesst in Italien offensichtlich noch immer viel Sympathie. Das macht es für uns auch angenehm.

Kurz vor dem Ziel, ein letztes Mal in den Verkehr "einfädeln".

Kurz vor dem Ziel, ein letztes Mal in den Verkehr „einfädeln“.

Das Hotel „Cigno“ in Latisana war schnell gefunden und ist ausgezeichnet. Nach der doch sehr bescheidenen Unterkunft auf dem Camping Fusina sind wir froh, wieder ein grosses, geräumiges Zimmer mit toller Dusche zu haben. Es gibt Dinge, die schätzt man / frau mit zunehmendem Alter immer mehr ;-)

Tag 7: Ruhetag in Venedig

Donnerstag 22. September 2016

Ganzer Tag sonnig, 23 – 28 Grad

Die Pferdchen blieben in der Koppel. Km: 0

Heute haben wir den geplanten Ruhetag auf dem Camping Fusina eingelegt. Hier hatten wir die Möglichkeit die Wäsche zu machen und von hier aus fährt stündlich ein Schiff direkt nach Venedig. Wir haben für die Übernachtungen ein kleines Mobilehome gemietet. Sehr einfach und spartanisch, aber für zwei Nächte ok und dank der Infrsatruktur für uns der ideale Rastplatz. Von hier aus wollen wir morgen die Lagune von Venedig „überqueren“ und unserer Räder in Punto Sabbioni wieder an Land bringen. Das würde uns vor allem die Fahrt um Mestre und die Aussenbezirke von Venedig ersparen, die verkehrstechnisch für Radler nicht wirklich Interesanntes sind und sich vor allem durch dichten Verkehr auszeichnen. Darauf können wir verzichten. Hier von Fusina aus Fähre ein Schiff, das pro Fahrt zwei Räder mitnimmt,  nach Alberoni (Lido di Venezia). Die Frage ob es ab dort eine Möglichkeit gibt die Räder nach Punta Sabbioni mitzunehmen konnte uns der Ticketverkäufer nicht beantworten. Das müssten wir selber herausfinden, er kenne nur die eigenen zwei Linien nach „Zattere“ (Venedig Stadt) und nach Alberoni. Wir haben also im Internet recherchiert und sind zum Schluss gekommen, dass die ACTV Linie 14 von Lido S.M.E mit einer Autofähre nach Punta Sabbioni fährt. So haben wir für Morgen die Tickets für uns und die Räder (22 Euro) nach Alberoni gebucht und hoffen das unser Plan aufgeht.
Wer will darf die Daumen drücken.
Ja, und wie gesagt waren wir heute auch noch mit ein paar anderen Touristen in Venedig unterwegs. Haben diese oder jene Foto gemacht, wie schon tausende vor uns und trotzdem stellen wir sie hier auf den Blog, den schön finden wir es allemal.

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„Seitengasse“

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Rialtobrücke

Volle Piazza San Marco, trotzdem hätte es noch Platz im Café.

Volle Piazza San Marco, trotzdem hätte es noch Platz im Café.

Viel Verkehr auf dem Canale Grande

Viel Verkehr auf dem Canale Grande

Postlieferung in Venedig

Postlieferung in Venedig

Stau bei den Gondolieri

Stau bei den Gondolieri

Einfach Venedig

Einfach Venedig

Gondeln wohin man schaut

Gondeln wohin man schaut

Auch die Schwiz hat hier ihre Vertretung

Auch die Schweiz hat hier ihre Vertretung

Auf der Rückfahrt zum Camping kreuzen wir ein auslaufendes Schiff.

Auf der Rückfahrt zum Camping kreuzen wir ein auslaufendes Schiff.

Blick vom Camping nach Venedig. (Ok, mit Zoom fotografiert)

Blick vom Camping nach Venedig. (Ok, mit Zoom fotografiert ;-) )

Tag 6: Halbtagestour

Mittwoch 21. September 2016

Radstrecke: Padua Fusina = 40 Km, Gesamt: 397 km
Fahrzeit 2 Std. 36 Min., Durchschnitt 15.2
Wetter: bis 14 Uhr Dauerregen, später Aufhellung, 16 – 23 Grad

Auch heute mussten wir keinen Wecker stellen. Die Etappe würde kurz sein und vorher wollten wir uns noch etwas von Padua auf einer Stadrundfahrt mit einem dieser roten Doppeldeckerbusse, die es mittlerweile in vielen grossen Städten gibt, ansehen.
Motte: Halber Tag Touristentour, halber Tag Radfahren.
Also gab’s zuerst ein gemütliches Frühstück, für italienische Verhältnisse wieder sehr reichhaltig. Dann zum Abfahrtsort des Tourbus, nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt. Wir waren etwas zu früh dort und hatten so noch Zeit einen Blick ins Innere der Basilika San Antonio zu werfen. Einfach immer wieder beeindruckend wie solche Bauten vor 6 – 700 Jahren erbaut werden konnten. Wie konnte zum Beispiel die Statik berechnet werden, um diese gewaltigen Bogenbauten zu errichten? Keine Säule ist im inneren der Kirchenschiffs zu sehen, nur gewaltige Kuppeln in grosser Höhe.
Solche Bauten lösen in uns immer wieder zwiespältig Gefühle aus. Einerseits die Bewunderung für die Ingenieure, welche zur damaligen Zeit solche Bauten überhaupt planen konnten, die Künstler welche diese so opulent schmückten und andererseits die wohl unermesslichen Leiden der Arbeiter die unter miserablen Bedingungen solche Bauten erstellen mussten. Bleibt zu hoffen dass sie wenigstens das vom Klerus versprochene Paradies gesehen haben, nachdem sie von einem der wackligen Gerüste gefallen sind oder sich sonst mangels Sicherheitsvorkehrungen schwer verletzt haben.
Im „Hop on – Hop off Bus“ haben wir es im Oberdeck in die erste Reihe geschafft. Kurz nach der Abfahrt setzte der Regen wieder ein. So bekamen wir einen verregneten Blick auf Padua zu sehen. Trotzdem war es spannend auf der Tour.

 

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Verregneter Blick auf Padua’s Strassen

Zumindest so beeindruckend wie die spannenden geschichtlichen Informationen die wir via Kopfhörer mitgeteilt bekamen waren die Fahrkünste des Fahrers, der diesen grossen Bus geschickt durch die sehr engen Gassen manövrierte. Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir wieder am Ausgangspunkt angelangt und hatte gelernt das Freunde der mittelalterlichen Geschichte und Museen in dieser Stadt wohl viel Interesanntes zu entdecken hätten.

Wir schlenderten noch etwas unter den Arkaden umher und hofften, dass der Dauerregen bald aufhören würde. Wir hatten absolut keine Lust bei Regenwetter durch diesen Verkehr aus der Stadt zu fahren. Wir entschieden uns, in der Hoffenung das der Regen aufhören würde, noch etwas zu Mittag zu essen und landeten spontan in einer kleinen Bar / Trattoria. Kurz nach 12 Uhr waren wir die ersten Gäste die sich in einem kleien Hinterzimmer der Bar an einen der gedeckten Tische setzten. Wir hatten aber gesehen das in der Küche die „Mama“ am Werk war, wohl ein gutes Zeichen. Kurz darauf füllte sich das Lokal mit vielen Arbeitern, hier war wohl so etwas wie ihre Kantine. Zum Essen wurde von diesen auch reichlich Wein bestellt, etwas was auf unseren Baustellen von der SUVA wohl definitiv nicht mehr akzeptiert würde.
Wir genossen dieses Atmosphäre und die Gewissheit nicht in einer „Touristenfalle“ gelandet zu sein.

Italienischer Mittagstisch

Italienischer Mittagstisch

Nach dem Essen gings zurück ins Hotel, noch immer im Regen. Spätestens um 14 Uhr wollten wir aber starten, egal ob es noch regnet oder nicht. Langsam lies der Regen nach aber wir zogen doch die Regenklamotten an und fuhren gegen halb drei endlich los.

Ehrenrunde auf dem Prado della Valle

Ehrenrunde auf dem Prado della Valle

Es sind viele schöne Details zu entdecken.

Es sind viele schöne Details zu entdecken.

Rasch hatten wir den Weg aus der Stadt gefunden und fuhren dem Kanal der Brenta entlang, die uns nun auch schon den dritten Tag begleitete. Oft fuhren wir direkt auf dem Dam und genossen den Blick in die Fläche Poebene. Immer wieder tauchten am Kanal alte, mehr oder weniger gut erhaltene venezianische Paläste auf, die von der grossen Vergangenheit der venezianischen Händlern erzählten.

Verschiedene Einrücke und Bilder die wir heute entlang der Brenta auf dem Weg nach Fusina entdeckten.

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Bei meist mässigem Verkehr kamen wir gut voran, gönnten uns den einen oder anderen Fotohalt und trafen kurz vor sechs Uhr am Campingplatz Fusina ein, wo wir für zwei Tage ein Bungalow gemietet haben. So haben wir einen Ruhetag, Zeit Wäsche zu waschen und mal wieder einen Besuch in Venedig machen.
Morgen Ruhetag: beim Velofahren und bloggen.

Tag 4: „über Land“

Dienstag 20. September 2016

Radstrecke: Bassano del Grappa – Padua = 54 Km, Gesamt: 357 km
Fahrzeit 3 Std. 31 Min., Durchschnitt 15.3
Wetter: sonnig mit vielen grossen Wolken, leichter Rückenwind, Mittags ein Gewitter 22 – 27 Grad

Heute durften wir etwas länger liegen bleiben, denn die Strecke nach Padua war ja nicht wirklich weit. Das zentrale Thema würde heute eher die Navigation sein. Wir wollten wenn möglich die Hauptstrasse meiden, da diese stark befahren ist und auch viel Lastwagenverkehr hat. Deshalb habe ich mir zu Hause die Route mit der Website „gpsies.com “ im Fahrradmodus berechnen lassen und die Kartenausschnitte dazu ausgedruckt. Wir sind gespannt wie das klappt.
Um halb 10 Uhr sind wir startklar und finden recht rasch die ruhigen Nebenstrassen, welche ich auf meinen Karten markiert habe. So fahren wir nur ganz kurze Abschnitte von wenigen hundert Metern auf der viel befahrenen Hauptstrasse und machen uns da so breit, dass an ein knappes Überholmanöver für Lastwagen nicht zu denken ist.

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Ausserhalb von Bassano del Grappa. Schon wieder ein Radweg :-)

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Wir lassen uns nicht unterkriegen: Platz verteidigen!!!

Wir stellen aber auch beruhigt fest, dass es die Autos auch nicht so hektisch nehmen und uns jeweils mit genügend Abstand überholen. Aber wie gesagt, zum Glück sind diese Abschnitte selten. Meist fahren wir auf einsamen kleinen Landstrassen links und rechts der Hauptstrasse über Land und geniessen die Ruhe. Auf beiden Seiten der Strasse steht der Mais zur Ernte bereit und da und dort zeugen nur noch die Stoppeln von der kürzlichen Ernte.
Da ich die Kartenausschnitte so gross gewählt habe das wir alles gut erkennen, können wir die durchnummerierten Kartenausschnitte in rascher Folge auswechseln. Wieder ein Abschnitt geschafft! So geht es kurzweilig über Land, da und dort kläfft ein Hund, zum Glück immer gut eingezäunt, und am Horizont kündet ein schmaler Kirchturm davon, das bald wieder ein Dorf auftauchen wird. Kleine Wälder, Büsche, da und dort ein Bachlauf und die Alpenkette im Norden verschwindet immer mehr am Horizont, während wir uns auf die nördliche Poebene zubewegen. Italienische Provinz wie aus dem Bilderbuch.

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Landschaft pur

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Genussradeln auf Nebenstrassen

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… und ist das Dorf noch so klein, die Kirchen beeindrucken.

In Cittadella, einem kleinen Ort das vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist gönnen wir uns das erste Eis der Reise. Die Sonne scheint und mittlerweile ist es gut 27 Grad war.

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Diese Mauer umschliesst den ganzen Ortskern

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Ausfahrt durch eines der Stadttore.

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In Cittadella

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Kurz vor ein Uhr setzen wir uns im kleinen Ort Tavo in einem Restaurant in den Garten und essen etwas Kleines zum Mittag. Es herrscht ein Kommen und Gehen und es scheint sich das ganze Dorf hier zu treffen. Unsere Räder ziehen die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich Und wir werden gefragt wie das funktioniert und von wo wir kommen etc.
Gerade als wir wieder losfahren wollen zieht eine dunkle Wolke vor die Sonne und öffnet ihre Schläuse. Zwar waren die grossen und dunklen Wolken schon lange am Himmel und doch haben wir das Gefühl, dass es wie aus dem Nichts kräftig zu regnen beginnt. Rasch ziehen wir unseren Rädern die Sitzüberzüge an, damit diese nicht durchnässt werden und ziehen uns wieder auf die gedeckte Veranda zurück, bestellen noch einen Kaffe und warten ab.

Rain, Rain, Rain,

Rain, Rain, Rain,

Fast eine Stunde giesst es wie aus Kübeln und ab und zu ist ein lautes Donnergrollen zu hören. Naja, hier hat es so bequeme Sofas auf der Veranda, dass wir beide kurz ein Nickerchen machen. Die knapp 20 Kilometer bis Padua schaffen wir auch noch etwas später. Es wurde fast halb vier bis sich der Regen verzog und der Himmel wieder aufklarte. Jetzt aber los, damit wir nicht noch in den Feierabendverkehr geraten. Die Abschnitte auf stark befahrenen Strassen wurden nun länger, aber immer wieder gab es auch separate Radwege, wenn auch oft mit unnötigen Barrieren durch welche wir mit den breiten Liegern oft nur knapp hindurch passten.

Einfahrt ins Zentrum von Padua. Die Brücke erinnerte uns etwas an die Floridatour vor zwei Jahren.

Einfahrt ins Zentrum von Padua. Die Brücke erinnerte uns etwas an die Floridatour vor zwei Jahren.

Irgendwie schafften wir es dann doch noch ins Zentrum von Padova. Sie ist eine der ältesten Städte Italiens und hat eine lange Geschichte in welcher sie oft die Zugehörigkeit wechselte. Viele der wichtigsten Gebäude wurden zwischen 1200 bis 1500 erbaut und zeugen von einer prächtigen Vergangenheit. Gemütlich fuhren durch die engen, mit runden Steinen gepflasterten Gassen und machten auf dem Weg zum Hotel hier und dort einen Stop um uns diese beeindruckenden Gebäude und Plätze anzusehen.
Unser Hotel liegt nahe am „Prato della Valle“, dem drittgrössten innerstädtischen Platz in Europa. Nur der rote Platz in Moskau und der Place de La Concorde in Paris sind noch grösser, so sagt das auf jeden Fall Wikipedia.
Am frühen Abend machten wir dann nochmals einen Bummel durch die Gassen und genossen diese Atmosphäre, die so gar nicht viel mit den sonst üblichen Touristenstädten gemein hat. Es schien uns zumindest heute, dass die Stadt fast ganz den Einheimischen gehörte.

Bilder aus Padua:

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Prato della Valle

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Basilica di Sant Antonio

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Palazzo della Ragione

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Einfach beeindruckend

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Torre del Orlogio, astronomische Uhr von  1437, und die Pferdchen stolz davor.

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Tram in Padua. Eine Leitschiene, fährt auf Rädern = quietscht nicht und bietet weniger Velofallen beim überqueren der Schiene.

Morgen ist es dann nur noch ein Katzensprung nach Fusina, von wo aus wir Venedig besuchen werden.

Tag 4: Velohimmel

Montag 19. September 2016

Radstrecke: San Cristoforo al Lago (Val Sugana) – Bassano del Grappa = 85.2 Km, Gesamt: 303 km

Fahrzeit 4 Std. 55 Min., Durchschnitt 17.3
Wetter: Morgen leicht bedeckt, am Nachmittag sonnig, kaum Wind 17 – 26 Grad

Heute Morgen galt es zuerst rechtzeitig am Bahnhof zu sein. Der Zug fährt um 08.05 Uhr und der nächste erst nach 11 Uhr. Also haben wir den Wecker gestellt, vor 7 Uhr bereits alle Taschen gepackt und uns am reichhaltigen Frühstücksbüffet für einen langen Tag gestärkt. 10 Minuten vor Abfahrt waren wir am Zug. Es gab sogar ein Veloabteil und wir waren überrascht, wie gut der Zug mit vorwiegend Schülern besetzt war. Diese machten die Veloplätze sofort frei und wir konnten unsere Pferdchen voll beladen in den Zug stellen. Ich erkundigte mich noch bei der Zugchefin auf dem Perron ob es stimme, dass ich die Tickets im Zug kaufen könne. „Ja, kein Problem“ sagte sie, „ich komme dann vorbei.“ Pünktlich für der Zug los und füllte sich an den beiden nächsten Stationen noch mehr. Es kamen fast schon heimische „Kuschel-S-Bahn-Gefühle“ auf. Später leerte sich der Zug dann rasch wieder, offenbar war hier der Ausstieg um an die Universität zu gelangen, für welche Trento in Italien bekannt ist.
Nach 45 Minuten Reisezeit kamen wir in San Cristoforo an und der „Brentano – Radweg“, dem wir heute folgen wollten, führte gleich am Bahnhof vorbei, so dass wir nicht lange nach dem Radweg suchen mussten. Die Strasse von Trento hier hinauf ist steil, eng und leider auch recht stark befahren. Auf einen solchen Abschnitt können wir gut verzichten und investierten die 4 Euro (2 Personen plus 2 Velos!!!) sehr gerne für diesen Transport. In den Monaten Juli und August wird hier übrigens ein extra Fahrradtransport angeboten, da das normale Bahnangebot dann offenbar nicht mehr ausreicht.

Ankunft in San Cristofero

Ankunft in San Cristoforo

Wir waren happy und konnten uns so entspannt auf den Weg nach Bassano del Grappa machen. Zuerst führte der ausgezeichnete Radweg dem Lago di Caldenazzo entlang. Die restlichen Wolken und die noch milchige Sonne zauberten ein wunderbares Licht auf den ruhigen See. Immer wieder mussten wir anhalten, fotografieren und staunen. Auch der Ausbaustand des Radwegs war schlicht fantastisch. Da war ein feiner Teerbelag, jeder Richtungswechsel mit Tafeln ausgeschildert, auf der Fahrbahn zusätzlich Piktogramme und wenn es eine Strasse zu queren gab, so war eine Unterführung gebaut. Einfach himmlisch!

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Was für ein Auftakt in einen wunderschönen Radlertag

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Markierung 1A, zur Nachahmung empfohlen

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Segantini lässt grüssen

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Durch die Gassen von Caldonazzo

Wieder führte uns der Weg durch Obstplantagen und nun wurde auch da und dort geerntet. Gegen 11 Uhr kamen wir in Borgo Val Sugana an. Dem früheren Wohnort von Barbara’s Grossmutter und warum der Maler Segantini, der hier längere Zeit lebte, so ein Flair für die verschiededenen Farbstimmungen entwickelte, hatte uns die Natur heute Morgen ja eindrücklich vor Augen geführt.
In Borgo machten wir einen kurzen Halt, stärkten uns und schlenderten noch etwas durch den Ort. Kurz vor 1 Uhr fuhren wir weiter. Weiterhin perfekte Radinfrastruktur. Diese Region hat sich das etwas kosten lassen und der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. Auch hier begegnen uns immer wiede Radurlauber. Meist auf E-Bikes und als Tgesausflügler, aber es scheint als ob die Region hier ein richtiger Radtourismus aufbauen konnten.

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La via del Brenta hiess heute das Motto

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Die Pferdchen im Zentrum von Borgo

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In dieser Kirche hat einst Barbara’s Grossonkel gepredigt.

In Borgo Val Sugana

In Borgo Val Sugana

Kilometer um Kilometer genossen wir diesen Weg und irgendwann kam mir der Gedanke: „Wenn es einen Himmel für Radfahrer geben würde, müsste er wohl so aussehen!“ Perfekte Radwege, meist an einem herrlich gurgelnden Bergbach (Brenta) entlang, das Ganze umrahmt von hohen Kalksteinfelsen und und das bei 25 Grad und Sonne. Wer mehr verlangt ist unverschämt!

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Durch’s enge Tal Richtung Bassano

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An der Brenta war fast eine frühlingshafte Stimmung.

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Ankunft in der Provinz Veneto

So ging es heute gute 65 Kilometer. Einfach traumhaft! Die letzten 20 km mussten wir dann noch auf kleinen Regionalstassen fahren. Das kann in Italien ganz schön eng werden, aber irgendwie hatte es immer Platz. Der Weg zum Hotel war dann noch die letzte Herausforderung, da wir im Zickzack durch enge Gassen fahren mussten. Um 16.00 Uhr war es geschafft. Ein kühles Biel / Wasser, eine erfrischende Dusche und dann noch ein kleiner Rundgang durch diese wunderschöne Stadt an der Brenta.

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Die Velos haben es in Bassano del Grappa auch in die Schaufenster geschafft …

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… oder dienen als Blickfang vor einer Bäckerei.

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Am Hauptplatz in Bassano del Grappa

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Die Sonne verzaubert auch die Häuser an der Brenta nochmals im schönen Abendlicht.

Nun ist nach über 280 Kilometer Radweg von Reschen bis hier nach Bassano del Grappa nun leider Schluss mit gut markierten und separaten Fahrradwegen. Danke, es war schön so zu reisen. Nun müssen wir uns den besten, verkehrsärmsten und komfortabelsten Weg selber suchen. Wir sind gespannt.

 

Tag 3: Velobahn

Sonntag 18. September 2016

Radstrecke: Meran – Bozen – Trento = 95 Km, Gesamt: 217.8 km
Fahrzeit 4 Std. 50 Min., Durchschnitt 19.1
Wetter: Morgen bedeckt, am Nachmitag Aufhellungen, leichter Wind 17 – 22 Grad

Der heutige Abschnitt der Reise war eigentlich recht ereignislos und auf weite Strecken glich sich die Szenerie durch welche wir radelten. Und wir waren nicht alleine unterwegs! Bereits um halb Neun waren wir nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel startklar. Die Pferdchen gesattelt, der Helm montiert und so ging es durch die noch fast leeren Strassen des sonntäglichen Meran. Heute war hier noch der grosse Herbstmarkt und die Strassen würden sich wohl rasch füllen, also nix wie los auf den Radweg nach Bozen. Rasch hatten wir den ersten Wegweiser gesichtet und so ging es zügig voran.

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Zwischenziel schon mal angeschrieben

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Oft sah es heute aus der Rdlerperspektive so aus.

Meist war der Weg auf dem Dam der Etsch angelegt, die rechts von uns ebenfalls ihren Weg nach Trento suchte. Zuerst tauchten sie noch spärlich auf, aber je später der Tag desto mehr waren unterwegs. Radfahrer in allen Variationen. Ob E-Bike, Mietvelo oder in hautenge Lycrakleider gepresste Rennradfahrer, man trifft sie hier alle. Ab und zu auch einige schwer beladene Tourenfahrer wie wir. Vor allem die Rennradler kamen uns manchmal in fast furchterregendem Tempo und meist zu zweit nebeneinander entgegen, so dass es mit dem Platz manchmal gar eng wurde. Wir haben es Ihnen grosszügig verziehen. Schliesslich müssen die armen, um nur eine halb so aerodynamische Position wie wir Liegeradler einzunehmen, die ganze Zeit den Kopf nach unten halten und können nur den Asphalt vor sich anstarren. Wir hingegen geniessen „Weitblick“ und sind entsprechend vorbereitet.

An der Uferböschung blühten Abertausende von goldgelben Topinambur Pflanzen, deren Wurzeln ja fast Kartoffel schmecken und auch so zubereitet werden. Ob die jemand erntet?

Hier zwei der häufigsten Anblicke: Topinambur und Radler

Hier zwei der häufigsten Anblicke: Topinambur und Radler

Gut ausgewählt gab es doch noch ruhige Rastplätze.

Gut ausgewählt gab es doch noch ruhige Rastplätze.

Kurz nach zehn Uhr waren wir bereits in Bozen wo für einen kurzen Moment die Beschilderung zu wünschen übrig lies, so dass wir prompt den falschen Abzweiger nahmen. Zum Glück bemerkten wir nach wenigen hunder Metern das Missgeschick und fanden rasch wieder auf den Radweg zurück. Hier in Bozen vereinigen sich die Flüsse Etsch und die vom Brenner kommende, viel grössere Eisack. Trotzdem behält die Etsch ihren Namen nur das er ab hier italienisch gesprochen wird, Adige.
Der Weg war weiterhin in absolutem Topzustand. Durchgehend feiner Teerbelag und beste Beschilderung. Übrigens ab hier hat der Weg auch noch einen speziellen Namen: „Kaiserein Maria Theresia Radweg“. Ob die hier je geradelt ist? Wohl kaum.

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So wünscht man sich das.

Aber nun hatten wir den Statistischen Beweis, dass wir nicht alleine unterwegs waren. Kurz nach Auer gab es eine Fahrradzählstelle. Stand auch diesem Abschnitt heute 18.09.2016 um 12.10 Uhr: Jahr 2016 = 148 368, Heute 280. Wir waren also die Radler 281 + 282 die die Zählstelle heute passierten. Immer wieder gibt es links und rechts des Radwegs kleine Bar’s, Restaurants oder Verkaufsstände, die den Velofahrern verlockende Angebote machen. Bei einem dieser Stände wurde frischer Apfelsaft angeboten. Nachdem wir auch heute schon wieder viele Kilometer durch die endlosen Plantagen gefahren sind war das die richtige Stärkung. Sehr kühl und erfrischend.

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Frisch vom Hof

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Irgendwie verfolgen uns diese Äpfel, sogar auf der nahen Brennerautobahn Rasten sie vorbei.

Bald darauf setzte leichter Nieselregen ein. Soweit gerade noch ok, dass wir noch nicht die Regenkleider anziehen mussten. Kurz vor ein Uhr Mittags wurde der Regen noch etwas stärker und wie gerufen tauchte eines der vielen Radlerrestaurants auf. Wir setzten uns auf die gedeckte Veranda und genossen Wärme Suppe und Tagliatelle. Bis wir gegessen hatten war auch der Regen vorbei und auf den letzten 30 Kilometern würde es immer wärmer.

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Spektakuläre Hängebrücke über die Etsch / Adige

Kurz vor Trento kommt die Sonne hervor

Kurz vor Trento kommt die Sonne hervor

Um halb vier trafen wir am Bahnhof in Trento ein, wo wir die Bahnkarten für morgen kaufen wollten. Morgen geht’s ins Val Sugano und auf den ersten paar Kilometern ist die Strasse sehr eng und hat viel Verkehr. Das lassen wir lieber und nehme die Bahn, Safty first. Der Herr am Schalter erklärte mir, ich könne die Fahrkarten morgen direkt beim „Capo Treno“ kaufen. Mal sehen, der Zug fährt um 08.05 Uhr. Wir werden bereit sein! Vom Bahnhof ging’s noch um zwei Strassenecken und schon waren wir im reservierten Hotel. Doppelzimmer mit Frühstück 2 Pers. 80 Franken. Wie die Höhenmeter schmelzen auch langsam die Hotelpreise.
Nach einer erfrischenden Dusche und etwas die „Beine hochlagern“ war noch Zeit für einen kleinen Stdbummel in dieser geschichtsträchtigen Stadt mit ihren schönen Gassen, alten Herschaftshäusern und dem grossen mittelalterlichen Castello del Buonconsiglio, dem ehemaligen Sitz der Fürsbischöfe.

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Das Castello del Buonconsiglio

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Im Garten

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Moderne Form: Wandgarten in Trento

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Altstadteindruck

In einem Strassenrestaurant genossen wir noch unser Nachtessen bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten. Heute ist frühe Bettruhe angesagt, damit wir Morgen ausgeruht den Zug um 08.05 Uhr erreichen und bereit sind, für eine weitere längere Etappe nach Bassano del Grappa.

Tag 2: „Apfelsaft“

Samstag 17. September 2016

Radstrecke: Mals – Meran = 64.3 Km,
Fahrzeit 3 Std. 25 Min., Durchschnitt 18.8
Wetter: ganzer Tag bedeckt, leichter Wind 13 – 17 Grad

Heute Morgen stärkten wir uns zuerst ausgiebig am Frühstücksbuffet im Hotel und nahmen vor der Abfahrt noch ein Glas Apfelsaft zu uns, den diese Frucht würde uns heute auf dem Weg hinunter nach Meran begleiten. Kurz nach 9 holten wir unsere Pferdchen aus dem Stall. Sie können hier zwar nicht wie sie es von den USA gewöhnt sind bei uns im Zimmer übernachten, aber auch in der Tiefgarage scheinen sie sich sicher aufgehoben zu fühlen.

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Extra Fahrradparking in der Tiefgarage

Alle Reifen waren noch satt aufgepumpt, so dass wir heute ohne Reifenwechsel starten konnten. Die Strecke von Mals nach Meran gehört wohl zu den meist befahrenen Radwegen überhaupt. Sie ist wunderbar auf separaten Wegen angelegt und führt dem Fluss Etsch entlang und immer wieder durch fast endlose Apfelplantagen, die um diese Jahreszeit voll sind mit grünen, roten und violetten Äpfel.

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Einfahrt in Glurns mit wunderbar erhaltener Stadtmauer.

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Umgeben von millionen reifer Äpfel

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Typisches Vinschgauer Dorf mit Burg und Kirche. Der Wald beginnt sich zu verfärben, der Herbst naht.

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Unsere Begleiterin für Heute und auch Morgen: Die Etsch

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Es blieb sogar Zeit zum Schweine füttern.

Auf der Strecke sind auch sehr viele Tagestouristen unterwegs, den die Vinschgaubahn bringt die Radler aus allen Dörfern entlang der Strecke bequem nach Mals, wo diese dann ihre Tour starten. Links und rechts des Radwegs haben sich sie Einheimischen auf diese Kunden eingestellt und da und dort sind oft liebevoll gestaltete Beizen entstanden, an welchem sich die müden Radler erfrischen können. Auch wir haben heute da und dort einen kleinen Halt eingelegt, mal etwas gegessen, getrunken, fotografiert usw.

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Immer wieder traumhafte Ausblicke entlang der Route. Der kalte Wind von gestern hat die Berge weiss „verzuckert“.

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Die drei wichtigsten Elemente heute: Burgen, Äpfel und der Weg nach Meran

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Zum reinbeissen

Trotz vieler kleiner Pausen sind wir bereits um 14.00 Uhr in Meran eingetroffen, haben die Räder wieder in der Tiefgarage parkieren können, das Zimmer bezogen und anschliessend noch einen Bummel durch Meran unternommen. An der Promenade entlang der Passer und in den Lauben waren wie üblich viele Touristen unterwegs.

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Unter den Lauben

Ich habe mich schon auf ein kühles „Forst Bier“ beim Brauhaus gefreut, musste das aber dann anderswo einnehmen. Nicht dass die dort kein Bier gehabt hätten, ganz im Gegenteil. Die ganze Strasse war voller Festbänke und Bier wurde auch serviert. Leider war aber auch eine ziemlich laute Oberkrainerkapelle im Preis inbegriffen und auf diese „Musik“ hatte ich nun ganz und gar keine Lust.

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Bierfest mit gutem Getränk und schrecklicher Musik. Es ist halt Alles „Geschmacksache“, anderen hast gefallen.

Ein kühles „Forst“ an einem ruhigen Platz hat es dann aber schon noch gegeben.

Fazit: Einfach ein entspannter Tag und in den letzten 24 Stunden haben wir 1100 Höhenmeter „vernichtet“.

Tag 1: Kaltstart

Freitag 16. September 2016

Bahnfahrt Winterthur – Scuol

Radstrecke: Scuol – Martina – Nauders – Reschenpass – Mals = 59.5 Km,
Fahrzeit 4 Std. 40 Min., Durchschnitt 12.8
Wetter: ganzer Tag bedeckt, ab Nauders viel Gegenwind, Regen erst 5 Minuten vor dem Ziel :-)

Endlich haben wir mal wieder etwas Zeit unsere Pferdchen auszuführen. Wir wollen Ihnen diesmal die Adria zeigen! Gestern Abend haben wir noch einen letzten Check gemacht. Alles gepackt, Räder ok, ready to go! Wirklich? Ein Blick auf Barbaras Vorderrad verrät das hier etwas nicht stimmt. Ihr Pferdchen steht auf der Felge. Naja, dann muss halt vor dem ins Bett gehen noch ein Schlauchwechsel gemacht werden. Dabei wird auch der Reifen genau auf allfällige Dornen kontrollieren. Nichts gefunden und neuen Schlauch eingesetzt. So jetzt kanns also losgehen.
Da wir bereits am Ausgangsbahnhof der S12 in Seen einsteigen haben wir locker Zeit und keine Probleme um unser Lieger zu platzieren. Was für ein Bild, wie diese so erwartungsfroh nebeneinander stehen und sich offenbar genauso wie wir auf die Reise freuen.

Bereit für die grosse Reise, fast ;-(

Bereit für die grosse Reise, fast ;-(

 

Aber was sehe ich da? Barbara’s Pferdchen hat schon wieder einen lahmen Vorderfuss. Offensichtlich ist im Pneu doch ein unentdeckter Gegenstand vorhanden, der die Schläuche zerstört. Heute Morgen bei der Abfahrt war noch alles ok und nun nach nur 4 Kilometer wieder einen Platten. In der S12 bleibt keine Zeit für eine Reparatur. Also mit Plattfuss in Zürich umsteigen. Dort drängen sich neben uns noch einige andere Velofahrer ins „Veloabteil“ im Zug nach Chur. Trotzdem können wir uns einen Platz ergattern und so habe ich nun auf der Fahrt von Zürich bis Landquart Zeit, den Pneu zu wechseln und nochmals einen neuen Schlauch einzusetzen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich bereits nach wenigen Velokilometer zu unserem Ersatzreifen greifen muss. Immerhin, der scheint nun dicht zu sein.

Ich bin auch eine Velowerkstatt

Ich bin auch eine Velowerkstatt

Kurz nach 12 Uhr treffen wir im bedeckten und kühlen Scuol ein. 7 Grad zeigt das Termometer und der Wind tut sein übriges. Immerhin, wir sind startklar.

Starklar

Starklar

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Fast leer Strassen im Unterengadin

 

Los geht’s auf der Hauptstrasse das Tal abwärts Richtung Martina. Dank wenig Verkehr fühlen wir uns trotz fehlendem Radstreifen sicher und versuchen uns langsam aufzuwärmen und in den Tourmodus zu kommen. In Martina überqueren wir die Grenze zu Österreich und nun steigt die Strasse auf den nächsten gut 7 Kilometern fast 400 Höhenmeter an.

Erste Grenzüberfahrt nach Österreich

Erste Grenzüberfahrt nach Österreich

Also kleiner Gang einlegen und den Rythmus finden. Die Harnadelkurven sind nummeriert und wir zählen langsam Rückwärts. Etwas mehr als eine Stunde sind wir, schwer beladen, mit diesem Aufstieg beschäftigt. Obwohl wir nur langsam vorankommen fühlen wir uns am Ende des Aufstiegs auf der Norbertshöhe doch noch ganz gut. Jetzt geht’s erst einmal rasant hinunter nach Nauders, wo wir auf einen toll ausgeschilderten Radweg treffen, der uns den Weg nach Reschen und Mals weist.

Ab Nauders steigt es nocheinmal moderat an, aber der kalte und kräftige Gegenwind macht das Vorwärtskommen sehr beschwerlich. Wir kämpfen gegen den Wind und die leichte Steigung und spüren wie uns der kalte Wind immer mehr auskühlt. In Reschen ist es höchste Zeit sich etwas auszuruhen und zu stärken.

Die Pferdchen warten geduldig bis wir uns gestärkt haben

Die Pferdchen warten geduldig bis wir uns gestärkt haben

Danach geht es weiter, gegen den Wind und die vielen fiesen kurzen Aufstiege, die der Radweg für uns bereit hält, der am rechten Ufer des Stausees angelegt ist.

Ewiges "auf und ab" sowie Gegenwind lassen die Kräfte schwinden

Ewiges „auf und ab“ sowie Gegenwind lassen die Kräfte schwinden

Bald geht es nur noch abwärts :-)

Sankt Valentin auf der Haide: Schöner Ortsname und bald geht es nur noch abwärts :-)

Als unsere Batterien bald auf dem Nullpunkt sind haben wir es endlich geschafft. Wir schauen ins Vinschgautal hinab und geniessen die rasante und kurvenreiche Abfahrt nach Mals.

Burgeis, kurz vor Mals

Burgeis, kurz vor Mals

Am Ortseingang beginnt es zuerst leicht zu Regnen und wird dann langsam stärker. Glück gehabt. Wir kommen also trocken in Mals an und werden nur auf der Suche nach einer Unterkunft noch etwas nass. Dabei finden wir auch noch einen Fahrradladen der uns einen 20 Zoll Reifen verkaufen kann. Somit sind wir also auch Ersatzteilmässig wieder bestens vorbereitet und hoffen, dass wir diesen ungebraucht nach Hause nehmen können.
Fazit: Wir sind im Tourenmodus angekommen und Morgen geht’s zu unserem Bürgerort Nr.2, Meran!

Abschlussblog

Liebe Blogleser_innen

Mit diesem Blog möchte ich mich „blogmässig“ von euch verabschieden.
Wenn es mir auch nicht immer ganz leicht gefallen ist nach einem anstrengenden Radtag noch die Fotos für den Blog vorzubereiten und einen passenden Text in mein I-Pad zu tippen, so hat es mir doch sehr viel Spass gemacht euch zu Hause von den täglichen Erlebnissen, Begegnungen und Landschaften zu berichten. Vor allem die vielen positiven Reaktionen von euch haben mich immer wieder motiviert und mir gezeigt, dass mir ab und zu das gelungen ist, was ich mir erhofft habe: Euch zu Hause etwas „auf die Reise mitzunehmen“.

Danke an euch Blogleser_innen:
Die Zugriffszahlen auf den Blog haben all meine Erwartungen übertroffen:
Stand am 23.12.15: Total 14’749 Aufrufe!!!
Danke, das ist ein toller „Lohn“ für meine Arbeit.
Zudem habt ihr die diversen Rechtschreibefehler und manchmal auch nicht ganz korrekten Sätze klaglos hingenommen. Der „Legastheniker“ ohne vernünftiges Korrekturprogramm auf dem I-Pad dankt euch für diese „Nachsicht“ und manchmal war ich einfach zu müde den Text vor der Veröffentlichung nochmals genau durchzulesen und zu „optimieren“. So habe ich halt ab und zu einen „ersten Entwurf“ gleich mal veröffentlicht. Ich habe keinen einzigen „Fehlerkorrekturvorschlag“ von euch bekommen. Danke. Wer Fehler gefunden hat, darf diese nun für immer behalten :-)

Entschuldigung:
An dieser Stelle entschuldige ich mich bei all jenen Vorgesetzten, deren Mitarbeiter in den letzten zweieinhalb Monaten während ihrer Arbeitszeit meinen Blog gelesen haben wodurch den Unternehmungen wertvolle „Produktionszeit“ verloren ging ;-)
Ich hoffe die Mitarbeiter waren anschliessend dafür umso entspannte und produktiver, so dass dieser Produktionsverlust wieder aufgeholt wurde.

Hier noch einige Zahlen:
Auf der 5350.5 Kilometer langen Fahrt habe ich während 287 Stunden und 33 Minuten meine Pedalen in Schwung gehalten. Dabei haben sich meine 20 Zoll Räder 3’605 458 mal gedreht und dies alles mit einem Reifensatz!
Im Durchschnitt habe ich pro Motelnacht 66 Franken ausgegeben, wobei die letzten 30 Tage mit knapp 50 Franken deutlich günstiger wurden.
Auf der ganzen Reise bin ich gesamthaft keine 9 Stunden im Regen gefahren.

Meine persönlichen Top 10 auf der Reise:

  • Das wunderbare Reiseerlebnis mit Barbara bis New Orleans. Danke das du mitgekommen bist. Es hat mir den Start in dieses „Abenteuer“ sehr erleichtert!
  • Topwetter und in Florida die Möglichkeit den ausgebliebenen Sommer 2014 nachzuholen
  • Eine Reise ohne technische Probleme: Die Räder haben sich optimal bewährt
  • Das mich die Hunde zwar oft ärgerten, ich aber trotzdem das Pfefferspray nie einsetzen musste
  • Die vielen netten Begegnungen, kurzen oder längeren Gesprächen mit den Leuten unterwegs
  • Die Fahrt durch die unterschiedlichsten Landschaften
  • Zeit für eigene Gedanken zu haben
  • Das ich mich nie unsicher oder „einsam“ fühlte
  • Die Begegnung und gemeinsame Reisezeit mit Kyle
  • Die Unterstützung durch euch Blogleser_innen und die vielen Sponsorenzusagen zu Gunsten von „MILES4KOKOU“

Info zum Sponsoringprojekt „MILES4KOKOU“
Da ich nun insgesamt 3324 Meilen zurückgelegt habe, darf nun also jeder Sponsor pro versprochenem Rappen 33.24 Fr. einzahlen. Einige von euch haben ja andere kreative Zusagen gemacht und werden diese nun einlösen. Natürlich werden auch „unangemeldete“ Spenden gerne angenommen. Kokou und Elisabeth, welche die Reise auf dem Blog ebenfalls aktiv begleitet haben, danken euch von Herzen für eure Unterstützung, die sie zum Wohle ihrer Patienten in Togo einsetzen werden. Gerne dürft ihr den Betrag auch noch etwas „aufrunden“. Die Einzahlungen werden über den „Verein Freunde und Freundinnen von Kokou und Elisabeth Sodjéhoun“ an Kokou und Elisabeth weitergeleitet.

Zahlungsinfo:
Postcheckkonto 87-364992-7
Vermerk: „miles4kokou“

Dr. med. Aribert Bauernfeind
Schweiz. Epilepsie-Zentrum
Bleulerstrasse 60
8008 Zürich

Fazit:
Die Reise und das Sponsoringprojekt haben meine hohen Erwartungen übertroffen und ich bin froh und glücklich, dass ich die Fahrt unfallfrei beenden konnte. Dieses Erlebnis wird mich auf meineren weiteren Reise durchs Leben begleiten. Ich bin mir einmal mehr bewusst geworden, wieviel Glück ich bis jetzt in meinem Leben schon auf so vielen Ebenen erleben durfte und das vieles was ich im Alltag als „normal“ empfinde eigentlich  gar nicht selbstverständlich ist.
Ich durfte mir einen weiteren Reisetraum erfüllen, neue Erfahrungen sammeln und eine wunderbare Zeit geniessen.
Dafür bin ich sehr dankbar und widme deshalb meinen letzten Blogeintrag all jenen unbekannten Radreisenden, die ihre Traumreise nicht zu Ende bringen konnten.

Dieses Rad habe ich in Westtexas fotografiert. Es erinnert an eine Radfahrerin die durch einrn betrunkenen Fahrer getötet wurde.

Stellvertretend für viele habe ich dieses Rad in Westtexas fotografiert. Es erinnert an eine Radfahrerin die auf ihrer „Traumreise“ durch einen betrunkenen Fahrer getötet wurde.

Ich wünsche mir auf den Strassen dieser Welt wieder mehr gegenseitige Rücksichtnahme, Respekt und Aufmerksamkeit, so dass alle gesund ihre Ziele erreichen können.

So wünsche ich auch euch alles Gute und ein 2015 in dem sich der eine oder andere Traum für euch erfüllen wird.

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Einen tollen „Flug“ durchs neue Jahr.

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Das war’s. Liebe Grüsse aus San Diego und erfüllte Festtage. Fredy

„Träume sind Ziele mit einem Termin!“  (Ellen Mc Arthur, Hochseeseglerin)

Tag 67: (19.12.14) Boulevard – San Diego

Distanz: 121.3 km / Gesamt: 5350.5 km = 3324 Meilen /

Fahrzeit: 6 Std. 35 Min. / Durchschnitt 18.4 km/h
Vormittag 7, Nachmittag 23 Grad, ganzer Tag sonnig, leichter Gegenwind

Zieleinlauf

Heute Morgen sind wir bereits um 8.00 Uhr auf den Rädern. Für die letzte Etappe begrüsst uns die Sonne bereits am Morgen. Trotzdem ist es hier in der Höhe von Boulevard auf über 1000 MüM noch recht kühl. Nochmals lag eine längere Etappe vor uns und zum „Frühstück“ gab es gleich einige längere Aufstiege und Abfahrten.

Hier wurde zum letzten Mal auf der Reise "Power-ade" und andere "Verpflegung" gebunkert.

Hier wurde zum letzten Mal auf der Reise „Power-ade“ und andere „Verpflegung“ gebunkert.

Auf die Abfahrten hätte ich ja gerne verzichtet, denn ich wusste, diese Meter die ich nun hinuntersause muss ich gleich wieder hochstrampeln. Zum ersten Mal auf der Reise fühlte ich mich bei der Abfahrt am Morgen nicht wirklich fit. Der lange Aufstieg gestern war trotz aktuell gutem Trainigszustand zu spüren. Die Oberschenkel fühlten sich verkrampft und kraftlos an. Die Creme mit der ich meine Beine gestern Abend noch eingerieben habe schien keine Wirkung zu zeigen. Also musste ich in den langen Anstiegen immer wieder anhalten und die Muskeln dehnen. Dann zauberte Kyle ein amerikanisches „Wundermittel“ aus seiner Lenkertasche. Die Pillen sollen die Muskulatur entspannen. Genau was ich jetzt brauchte. Also habe ich zwei Stück eingenommen und konnte allmählich spüren, wie meine Tritte immer runder wurden.
Die Landschaft und die kleinen Ortschaften hier entlang des „Historic US 80“ waren wunderschön.

Schöne Landschaft, aber kräfteraubende Hügel lagen noch zwischen uns und dem Ziel.

Schöne Landschaft, aber kraftraubend Hügel lagen noch zwischen uns und dem Ziel.

Was für ein Gegensatz dieser Landschaft zur Sandwüste mit wenigen Büschen durch die wir noch gestern gefahren sind- Dann war in Guatay auch der letzte Hügel geschafft und nun hiess es definitiv: San Diego wir kommen.

Ein letzter, langer Aufstieg nach Guatay.

Ein letzter, langer Aufstieg nach Guatay.

Ab hier gibt es erst mal eine lange Abfahrt nach San Diego!

Ab hier gibt es erst mal eine lange Abfahrt nach San Diego!

Einige Kilometer vor Alpine durfte ich dann noch ein letztes Mal die Autobahn benutzen, da es hier wiederum keine andere Strasse gab. 6 Kilometer super Abfahrt auf einem breiten Streifen mit sehr feinem Teerbelag: Was für ein toller Abschluss auf der Interstate :-)

Letzter "Ritt" auf der Interstate 8.

Letzter „Ritt“ auf der Interstate 8.

Hier sahen wir zum ersten Mal den Pazifik am Horizont auftauchen. Ein lauter Jubelschrei und ein tolles Glücksgefühl waren meine Reaktion darauf.

In den Vororten war der Verkehr noch ruhig, später war keine Zeit mehr für Fotos.

In den Vororten war der Verkehr noch ruhig, später war keine Zeit mehr für Fotos.

Langsam näherten wir uns den Vororten von San Diego. Zum Glück hatten wir gute Detailkarten die uns die Einfahrt in die Stadt erleichterten. Meist gab es Radstreifen und die Wege führten eher Nebenstrassen entlang. Wer San Diego kennt weiss aber auch, dass die Stadt sehr viele Hügel aufweist. So hatten wir also bis zum Schluss immer wieder mit kurzen aber oft recht steilen Anstiegen zu kämpfen. Wir fuhren durch die Mission Gorge Road, wo es einen tollen Rad-Wanderweg gibt. Keine Autos, Natur pur und das fast mitten in der Stadt.

Auf dem "Mission Gorge Trail".

Auf dem „Mission Gorge Trail“.

Dann war aber Schluss mit lustig. Im Bereich der „Friars Rd“ hatte es mehrere Fahrspuren, viele Ein- und Ausfahrten und der Verkehr nahm kräftig zu. Nochmals war volle Konzentration erforderlich und der Blick in den Rückspiegel fast ebenso wichtig wie der nach vorne. Die Autofahrer rechnen hier offensichtlich nicht mit Radfahrern oder sind durch den starken Verkehr abgelenkt, auf jeden Fall waren einige „Überholmanöver“ mehr als knapp.
Wir drosselten das Tempo und benutzten auch mal ein Fussgängerlichtsignal um die Kreuzungen sicher überqueren zu können. Dann zum Schluss nochmals einige Kilometer eigener Radweg. So konnten wir die letzten 15 Minuten entspannt entlang des San Diego Rivers geniessen.

Entlang des "San Diego River".

Entlang des „San Diego River“. Die letzte Meile!

Wir hatten mehr Zeit gebraucht als erwartet und so färbte sich der Himmel bereits rosa, als wir die letzten Meter auf dem Radweg fuhren und endlich am Ziel unserer Reise standen: „Dogs Beach San Diego.“ Weiter nach Westen geht es hier nur noch per Boot.

Ab hier gib es nur noch Sand und Meer!

Ab hier gib es nur noch Sand und Meer!

Ich lud die Satteltaschen vom „Pferdchen“ um mit ihm die letzten Meter durch den Sand zum Wasser zu gehen. Als wir so in die Ferne schauten, kam eine Welle angerollt und das Pferdchen und ich standen knöcheltief im kalten Wasser des Pazifik. Wir waren gesund und glücklich am Ziel angekommen. DANKE!!!
Es war ein stilles geniessen und sowohl Kyle als auch ich hingen etwas unseren Gedanken nach. Wir beide hatten uns, jeder auf seine Art, einen Traum erfüllen können.

Kyle's "Siegerfoto"

Kyle’s „Siegerfoto“

Im Pazifik!

Im Pazifik! Eine Traumreise ist zu Ende!

Was wohl das Pferdchen "denkt". Schon an ein neues "Abendteuer" ...

Was wohl das Pferdchen „denkt“. Träumt es schon von einem neuen „Abenteuer“ ?

Wir waren beide froh, dankbar und uns auch bewusst, das es nicht selbstverständlich war diese Reise unfallfrei beenden zu können. Nicht das Radfahren in den USA gefährlicher als zu Hause wäre, ganz im Gegenteil. Aber auf über 5000 Kilometer und durch einige Millionenstädte gibt es am Ende dann doch einige „Begegnungen“ bei denen es hätte böse ausgehen können.
So genossen wir den schönen Sonnenuntergang am Strand und es war Zeit einige Erinnerungsfotos zu machen. Dann gab es in einer nahen Bar ein kühles Bier mit dem wir auf die erfolgreiche Durchquerung anstossen konnten.

Ein ganz "besonderes Bier" zum Abschluss.

Ein ganz „besonderes Bier“ zum Abschluss.

Ich bestellte ein Taxi und lies mich zum Flughafen fahren, wo ich ein Mietwagen reserviert hatte. Mit diesem dann zurück zu Kyle und unserem Material.  Bis beide Räder, der Anhänger und unser Gepäck im „Jeep Patriot“ verstaut waren, dauerte es noch etwas. Aber am Schluss hatte alles Platz und ich brachte Kyle zu seinen „Warmshowers“ Gastgebern. Ich selber fuhr zu Gerry. Sie ist die „Schlummermutter“ bei der ich während meines Sprachaufenthalts im Herbst 1986 vier Monate gelebt habe. Immer wenn ich seither in den USA war, habe ich sie besucht. Auch diesmal war die Freude uns wieder zu sehen gross und wir plauderten noch bis Mitternacht, bevor ich müde aber auch zufrieden ins Bett ging.
Die nächsten paar Tage verbringe ich bei Gerry in San Diego. Dann werde ich am 25. oder 26. Dez. Richtung Las Vegas fahren. Auf dem Weg ist ein Besuch im „Death Vally National Parks“ und anderer Orte entlang der Route geplant. Am 29.12. fliege ich dann mit „Edelweiss Air“ nonstop zurück in die Schweiz, wo ich am 30. also rechtzeitig für Silvester eintreffen werde.
Ich freue mich darauf meine Lieben zu Hause wieder zu sehen.

Für alle Blogleser_innen: Noch vor Weihnachten werde ich einen letzten Blog mit einem kleinen Rückblick zu dieser Reise veröffentlichen. Also es ist noch nicht ganz fertig. In den nächsten Tagen also einfach nochmals auf dieser Seite vorbeischauen.
An dieser Stelle auch an alle die mir zur Reise gratuliert haben, ob per Mail, Kommentar oder „Skype Nachricht“ hier kollektiv: Ganz herzlichen Dank! Ich habe mich sehr gefreut.
Also bis bald beim „Abschlussblog“ .

Tag 66: (18.12.14) El Centro – Boulevard

Distanz: 84.7 km / Gesamt: 5229.2 km / Fahrzeit: 5 Std. 50 Min. / Durchschnitt 14.5 km/h

Vormittag 14, Nachmittag 12 Grad, ganzer Tag sonnig, in den Bergen Wolkenfelder,
Wind leicht bis mittel, drehend

Bergauf

Heute war es also soweit. Die letzte grosser Barriere die mich noch vom Pazifik trennt musste in Angriff genommen werden.

Unser Höhenprofil heute auf der Karte von ACA (Adventure Cyclist Assosiation)

Unser Höhenprofil heute auf der Karte von ACA (Adventure Cyclist Assosiation)

Zuerst etwa 45 Kilometer von El Paso auf wiederum lausigen Rumpelstrassen an den Fuss der Bergkette und dann fast 35 Kilometer immer Bergauf. Von minus 12 Meter auf gut 1200 Meter. Mit einem leichten Mountain- oder Rennrad ist das nicht so eine Sache, aber ein voll beladener Lieger braucht viel Druck in den Pedalen, um diese langen Aufstiege zu schaffen. Bevor es bergauf ging, kamen wir noch an einer grossen „Windfarm“ vorbei, welche die kräftigen Winde die hier auftreten in sauberen Strom umwandeln.

Radeln vor Windrädern

Radeln vor Windrädern

Für Eisenbahnfreunde: Wohl ein seltenere Anschrift an diesen Loks.

Für Eisenbahnfreunde: Wohl ein seltenere Anschrift an diesen Loks. „Idaho Northern & Pacific“

Vor deAufstieg noch eine Stärkung.

Vor dem Aufstieg noch eine Stärkung.

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Wer wohl diese Bar in der Einöde besucht?

 

Dann ging es stetig bergauf. Eine scheinbar öde Steinwüste, die nur bei genauerem hinsehen ihre wahre Schönheit offenbarte.

Durch die "Steinwüste", immer bergauf.

Durch die „Steinwüste“, immer bergauf.

Versteckte "Schönheiten"

Versteckte „Schönheiten“

Den Autofahrern wurde mit einem Schild empfohlen, die Klimaanlage auszuschalten, um den Motor beim langen Anstieg nicht zusätzlich zu belasten. Alle paar Kilometer war ein Depot für Kühlerwasser, nur Velofahrer müssen alles selber mitschleppen. Ich ging den Aufstieg vorsichtig an, denn ich wollte vermeiden, meine Knie zu stark zu belasten.

Der längste Anstieg ist geschafft!

Der längste Anstieg ist geschafft! Ich bin es auch ;-)

Nach dem ersten Pass auf genau 3000 Fuss (etwa 1000 Meter) mussten wir die Autobahn wieder verlassen und auf der alten Strasse „80“ fahren. Es ging hier immer wieder rauf und runter, durch kleine Ortschaften mit vielen verlassenen Häusern und Geschäften.

Auch hier; die Autobahn hat den Geschäften die Existenz geraubt.

Auch hier; die Autobahn hat den Geschäften die Existenz geraubt.

Anschliessend führte die Strasse sehr nahe der mexikanischen Grenze entlang.
Die ist hier besonders gut bewacht. Die Fahrzeuge der Grenzkontrolle waren allgegenwärtig und ein riesiger Zaun sollt die illegale Einreise zusätzlich erschweren.

Blick über den Grenzzaun nach Mexiko.

Blick über den Grenzzaun nach Mexiko.

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Präsenz markieren: Border Patrol

Wohl ein dauerndes „Katz und Mausspiel“ und die Farmer im Imperial Vally oder bei El Centro hoffen im Geheimen wohl, das es immer wieder ein paar schaffen, die Grenze zu überqueren, schliesslich sind sie der Nachschub an billigen Arbeitskräften. Es wurde kühl in der Höhe und Motels sind hier dünn gesät. So entschieden wir uns, bereits in Boulevard die Etappe zu beenden und morgen die restlichen gut 110 Kilometer in Angriff zu nehmen. Zuerst gut 30 Kilometer mit nochmals drei Anstiegen und dann 80 Kilometer runter ans Meer!
Noch ein Tag auf dieser tollen Reise!

Bald am Ziel!

Bald am Ziel!

Bis jetzt lief alles perfekt nach Plan. Ich hoffe, das Glück bleibt Kyle und mir auch Morgen treu, so dass wir am Nachmittag die erfolgreiche Ankunft am Pazifik feiern können. Noch scheint mir die Vorstellung seltsam, diese lange geplante und im Kopf schon oft „gefahrene“ Reise nun wirklich erfolgreich beenden zu können. Ich freue mich darauf und bin gespannt wie sich das anfühlen wird, das Vorderrad in den Pazifik zu schieben.

Tag 65: (17.12.14) ungeplanter Rasttag in El Centro

Heute Morgen haben Kyle und ich die aktuellen Radarkarten von verschiedenen Webseiten angeschaut und nach einigem hin- und her haben wir entschieden, den langen Anstieg heute nicht in Angriff zu nehmen. Wir haben beide noch genug Reservezeit und heute würden wir auf jeden Fall richtig nass werden. Um halb neun, der geplanten Abfahrtszeit war gerade eine Regenzelle über uns und eine weiter wartet weiter westlich.  Zudem ist es in der Höhe ziemlich kalt, knapp über dem Gefrierpunkt und es ist mit Nebel zu rechnen. Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen für einen schönen Tag auf dem Fahrrad. Zudem hätten wir bis zum nächsten Motel voraussichtlich 5 – 6 Fahrstunden benötigt. Wenn man schon nach ein, zwei Stunden nass ist und friert ist der Spass bald zu Ende. Ab Morgen ist wieder besseres Wetter angesagt und nach dieser langen Tour wollen wir die letzten zwei Fahrtage bis San Diego noch richtig geniessen. Also werden wir erst am Freitag in San Diego eintreffen.

Heute gab es in El Centro nichts wirklich aufregendes zu tun. Etwas Mail- und Blogaktuallisierung bei „Mc D“, da das Internet im Motel wieder mal zu wünschen übrig lässt.

"Büroarbeit" bei Mc. D.

„Büroarbeit“ bei Mc. D.

Proviant für morgen besorgen und Wäsche waschen.

In der öffentlichen "Wäscherei" herrschte reger Betrieb. Viele hier haben keine eigene Maschine zu Hause und kommen mit ihren Wäschebergen hierher.

In der öffentlichen „Wäscherei“ herrschte reger Betrieb. Viele hier haben keine eigene Maschine zu Hause und kommen mit ihren Wäschebergen hierher.

Dazu ein frischer Haarschnitt. Ist etwas gar kurz geraten, dafür dauert es etwas länger bis die 10 Dollar „Rasur“ wieder nachgeschnitten werden muss. ;-)

Hier gab's für nur 10 Dollar ein Schnitt ...

Hier gab’s für nur 10 Dollar ein Schnitt …

... der für mehrere Wochen genügen wird.

… der für mehrere Wochen genügen wird.

So sollten wir also für den anstrengenden Tag Morgen gut vorbereitet sein.