Tag 31: (13.11.14) Lake Charles – Orange (TX)

Distanz: 99 km / Gesamt: 2469 km / Fahrzeit: 5 Std. 29 Min. / Durchschnitt 18.01 km/h

Morgens 5, Nachmittags 4 Grad, morgen Regen, später bedeckt, ganzer Tag kräftiger, kalter Wind aus Norden (heute hatte ich alles, Gegen- Seiten und zum Schluss noch etwas Rückenwind)

Texas!!!

Nummer 5 ist der grösste!

Nummer 5 ist der Grösste!

Texas, auf diese Grenze habe ich mich lange gefreut. Schon in der Vorbereitung zur Tour war klar, das Texas für die Reise zu einem „Schlüsselstaat“ werden wird. Irgendwo in der Mitte und riesengross. Er wird mich die nächsten drei Wochen „beschäftigen“, denn es gilt je nach Routenwahl zwischen 1500 – 1700 Kilometer zurückzulegen bevor ich das nächste „Grenzfoto“ in New Mexiko machen kann.
Der heutige Tag war wettermässig wieder eher einer der Kategorie „darauf kann man verzichten“. Wenigstens war’s angekündigt und so konnte ich mich mental darauf einstellen. Trotzdem, wenn man sich dann am Morgen bei 5 Grad und Regen startklar macht, kann man sich schöneres vorstellen. Dazu der Wind der frontal auf mich zukam. Zum Glück war es verkehrsmässig ganz gut. In der Gegenrichtung stauten sich die Autos auf drei Spuren, aber in meine Richtung war nicht viel los. Auch heute wieder, danke Louisiana, gute Strassen und aufmerksame Autofahrer die hinter mir warteten bis Platz zum überholen war. Nach gut 10 Kilometern überholte mich ein Auto, fuhr rechts ran. Der Fahrer öffnete die Seitenscheibe und grüsste mich. Es war offenkundig, dass ich sein Interesse geweckt hatte. Also hielt ich neben ihm an und der rief entzückt herüber: „Mann, was für ein Fahrrad. So etwas habe ich noch nie gesehen. Fantastisch!“ Er stieg aus und wir plauderten etwas. Er wollte genau wissen woher, wohin und warum ich das mache. Warum ich nicht mit dem Auto fahre. Ich erklärte ihm, das ich das Glück hätte „Zeit“ zu haben und man mit dieser Reiseform das Land ganz anderes und intensiver erlebe. Er war so begeistert und sagte immer wieder „That’s great man!“ Als ich ihm anbot für ein Foto auf’s Velo zu sitzen hat er sich fast überschlagen vor Freude. Er machte auch von mir Fotos und ich glaube, er hat heute Abend zu Hause was zu erzählen.

a happy man

A happy man!

Mich freute seine Freude und ich sagte mir, auch wenn es ein „sch.. Wetter“ ist hat es sich gelohnt aufzustehen. Ich habe ihm mit meiner Vorbeifahrt eine Freude gemacht. Was will man mehr.
Dann ein kleines Frühstück bei „Wendys“, aber so richtig essen mochte ich nicht. Offenbar schlug mir das Wetter und die doch knapp 100 km lange Etappe etwas auf den Magen. Zum Glück hörte es bald auf zu Regnen und als ich die Regenhose ausziehen konnte, stieg die Motivation und langsam fand ich den Rhytmus.
Oft führte die Route durch lange gerade Waldschneisen, bei denen links und rechts verstreut immer wieder einzelne Häuser mit bellenden und manchmal jagenden Hunden auftauchten. Zum Glück liefen die zwei „Verfolgungsjagten“ die ich heute mit den Hunden „spielen“ musste problemlos ab. Der Pfefferspray war aber schon entsichert. Hier sehe ich keine kompakten Siedlungen wie wir es gewohnt sind sondern einfach hier und dort ein einsames Haus und dann lange NICHTS.

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So sieht die „Quartierstrasse“ aus.

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Das nächste Ziel sieht man schon lange im Voraus.

 

Es blüht wieder nach dem letzten Waldbrand.

Es blüht wieder nach dem letzten Waldbrand.

Idylle am Strassenrand.

Idylle am Strassenrand.

Die Leute müssen wohl einen guten Einkaufszettel schreiben, denn da gibt es keinen Laden um die Ecke und die Schulbusfahrten der Kinder dürften auch etwas länger dauern als bei uns. Bei Strassenkreuzungen dann oft eine kleine Ansammlung von Gebäuden: Tankstelle und Kirchen. Bei einer Baptistenkirche sah ich heute folgenden „Werbeslogan“: „Werde Organspender, spende dein Herz Jesus“. Ich bin definitiv im „Bibelgürtel“ der USA angekommen!

Wer kennt noch die "Gulf" Tankstellen die es früher auch bei uns gab?

Wer kennt noch die „Gulf“ Tankstellen die es früher auch bei uns gab?

Wegen der fehlenden Möglichkeit auf direktem Weg nach Orange zu fahren, musste ich Richtung Norden bis Deweyville ausweichen um eine Strasse zu finden, auf der ich mit dem Velo fahren durfte.
So überquerte ich um halb zwei den „Sabine River“ und somit die Staatsgrenze zu Texas.

Auf der Grenzbrücke musste ich mich dünn machen, als er hier vorbeidonnerte.

Auf der Grenzbrücke musste ich mich dünn machen, als der hier vorbei donnerte.

Was für eine Begrüssung: Der Seitenstreifen frisch geteert und sehr breit. Wenn das so weitergeht bin ich zufrieden mit Texas.

Mein Pferdchen und ich hatten einen grossen Streifen nur für uns :-)

Mein Pferdchen und ich hatten einen grossen Streifen nur für uns 🙂

Da gab mir nochmals richtig Kraft und ich beschloss das Mittagessen sausen zu lassen, den bald führte mein Weg Richtung Süden und das war bei dem Wind genau das Richtige. Zudem wollte ich nicht riskieren, nochmals in den Regen zu kommen. Also mit „Powerade“ etwas Energie nachschütten und kräftig in die Pedale treten. Mit manchmal über 25 km/h „flog“ ich meinem heutigen Ziel entgegen. Ich hatte am Morgen via Handy ein Motel in Orange gebucht. Also sah ich mich schon fast unter der warmen Dusche als ich dort vorfuhr. Das gleich gegenüber ein grosser Truckstop mit Restaurant war, machte die Sache für mich noch komfortabler, da sich die Verpflegungsbedürfnisse von Lastwagenfahrern und mir im Moment ziemlich gleichen. So musste ich für die Verpflegung nicht weit gehen.

Hier werden in 10 Reihen die Laster betankt.

Hier werden in 10 Reihen die Laster betankt.

Die Dame an der Rezeption erklärte mir dann, das meine Buchung für ein Einzelzimmer trotz Buchungsbestätigung die ich per Mail erhalten hatte, nicht geklappt habe. Sie seinen ausgebucht und das Internetportal hätte das „Überbucht“. In diesen Motels wohnen vor allem Arbeiter für ein paar Tage oder Wochen, bis siezum nächsten Auftrag weiterziehen. Sie bemühte sich eine Lösung zu finden und konnte mir ein Doppelzimmer anbieten. Dies war sogar noch günstiger als mein gebuchtes über’s Internet. Am Abend konnte ich nach einigen Telefonaten diese Buchung zum Glück wieder stornieren.
Die Dame an der Rezeption interessierte sich sehr für meine Reise. Sie fand es auch komisch, das ich zu Hause kein eigenes Auto hätte. Hier ist das unvorstellbar. Klar bei dieser Siedlungspolitik, wo alle verstreut leben. Wir plauderten noch etwas und sie war erstaunt, das man in der Schweiz nicht auch englisch sprach. Soviel zum Thema „Allgemeinbildung in den USA“. Immer wieder erschreckend!
Das Internet im Motel läuft auch nicht, so dass ich die wichtigen Recherchen bezüglich Wetter und Routenwahl nur eingeschränkt mit dem Handy machen kann. Den Blog sende ich aus dem „Deny’s“. Leider sieht es wettermässig noch einige Tage kalt aus und am Wochenende soll es Regnen.
Mal sehen wohin mich das führt.

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