Tag 5: Mi. 04.10.17 Saintes Maries-de-la-Mer – Aigues-Mortes

Distanz 28 km, Total 281 km, Fahrzeit 1Std.35 Min, Durchschnitt 17.4 km/h, 17-24 Grad, leicht bedeckt vielen sonnigen Abschnitten,

Heute standen nur wenige Kilometer auf dem Programm, denn wir wollten uns bewusst noch etwas Zeit nehmen um uns hier in dieser schönen Landschaft etwas umzusehen. So besuchten wir nach dem ausgiebigen Frühstück den „Parc Ornithologique“ ganz in der Nähe. Hier wurden Lebensräume vor allem für Flamingos, aber auch andere Vögel die hier leben oder durchziehen angelegt. Auf einem Rundgang mit diversen „Beobachtungsstellen“ kann man die Tiere gut beobachten und ist umgeben vom lauten Geschnatter der vielen Vögel. Wir bewunderten vor allem die Flugkünste der grossen Vögel und staunten mit welcher Leichtigkeit sie im Segelflug über die Lagunen schwebten.

Die einen nahmen es ruhig, …

… die anderen eher aufgeregt.

Träume vom fliegen

Auch ein Storch kann sich prominent in Szene setzen.

Nach diesem Ausflug fuhren wir nochmals zurück zum Hotel um unser Gepäck abzuholen, weil wir dieses während dem Besuch im Vogelpark nicht unbeaufsichtigt an den Rädern lassen wollten. Auf dieser Fahrt sahen wir dann auch noch einige weisse Pferde im hohen Gras.

Ein Ausritt hoch zu Ross wird hier an jeder Ecke angeboten.

Bilderbuchcamargue

Danach machten wir uns auf den Weg nach Aigues-Mortes. Meist fuhren wir auf mässig stark befahrenen Nebenstrassen, welche aber zum Glück immer einen guten Seitenstreifen hatten, so dass wir auch hier sicher unterwegs waren.

Bis nach Sètè ist es nicht mehr weit.

Die Stadt, in der heute knapp 9’000 Menschen leben, spielte vor allem ab etwa 1240 n.Chr. eine bedeutende Rolle, weil sie ein wichtiger Ausgangspunkt für die französischen Kreuzfahrer war, die damals noch keinen Hafen am Mittelmeer besassen.
Sie bauten hier im Sumpf die Stadt auf und verschaffte sich über Kanäle Zugang zum Meer, von wo aus sie ihre Fahrt in den Nahen Osten fortsetzten. Irgendwie kommen mir bei solchen Geschichten immer wieder Parallelen zur heutigen Zeit in den Sinn, wo manche meinen das Recht zu haben, anderen mit Gewalt ihren eigenen Glauben aufzuzwingen. Traurig das die Menschheit in diesem Thema offenbar noch nichts dazu gelernt hat.
Trotz dieser Vorbehalte machten wir uns am späteren Nachmittag noch zu Fuss auf den Weg ins alte Stadtzentrum um diese besondere Hafenstadt, die vollständig von einer Festungsmauer umgeben ist,  etwas kennen zu lernen.

Eine mächtige Mauer umschliesst die Stadt.

Hinter den Mauern gepflegte Gassen.

Vor dem Stadttor wird die Arena für ein Stierfestivall am kommenden Wochenende aufgebaut. Offenbar bringen die Zuschauerfamilien ihre eignen, kleinen Privattribühnen mit, welche von vielen kleinen Gruppen aufgebaut werden.

Gute Nacht

Über alles gesehen heute also mehr Sightseeing als Radfahren.

Tag 4: Di. 03.10.17 Arles – Saintes Maries-de-la Mer

Distanz 79 km, Total 253 km, Fahrzeit 5 Std., Durchschnitt 15.9 km/h, 17-24 Grad, bedeckt mit sonnigen Abschnitten,

Heute Morgen konnten wir gleich vor dem Hotel über eine Brücke und dann nach links den Kanal entlang Richtung Meer abbiegen. Am Kanal bot sich uns ein romantisches Bild von vertäuten Hausbooten und etwas weiter dann die bekannte Brücke die der Maler Van Gogh verewigt hat.

Traumhafte Wohnlage

Die haben wir zumindest gemalt alle schon mal gesehen.

Der Radweg war bis kurz vor Port-Saint-Louis-du-Rhone, wo der Fluss ins Meer mündet, ausgezeichnet. Auf der ganzen Strecke frisch geteert. Ein Genuss! In einem Blog einer Familie aus Neuseeland, welche die Strecke noch im Juli 17 gefahren sind, war zum Teil noch von tiefen Kiesabschnitten zu lesen. Die Franzosen haben offensichtlich die zwei Monate genutzt und diese Stecke asphaltiert. Ein grosses MERCI!

Danke für den tollen Teerbelag …

… und die traumhafe Kulisse.

Wir sind nicht ganz an die Mündung der Rhone gefahren, sondern habe kurz vorher die Fähre über die Rhone nach Salin-de-Girau genommen, wo wir von einem Aussichtshügel aus die Becken für die Meersalzgewinnung bestaunen konnten. Die zum Teil recht rote Farbe entsteht durch Algen die hier leben. Das Meerwasser wird von einem Becken zum andern geleitet, wobei durch die Verdunstung den Salzgehalt im Wasser immer mehr erhöht, bis das Salz in den letzten Becken geerntet werden kann.

Die Salzbecken bei Girau

Farben wie aus dem Malkasten

Salzernte

Im kleinen, schmucklosen Ort, das vorwiegend aus funktionalen Arbeiterhäusern besteht, wollten wir etwas zu Mittag essen, denn es war gerade 12.30 Uhr. Wir fanden aber kein offenes Restaurant und wer in Frankreich um diese Zeit einkaufen will muss sich beeilen, denn um diese Zeit heisst es meistens „geschlossen bis 15.00 Uhr“.
Zum Glück fanden wir noch einen Laden und eine Bäckerei die uns kurz vor Ladenschluss noch bedienten, so dass wir etwas Proviant und Getränke für die letzten gut 40 km durch die Camargue einkaufen konnten. Von hier bis zum Ziel gibt es nichts mehr zu kaufen. Also bedeutete das auch vor allem auch die Getränkevorräte aufzufüllen.
Nach ein paar Kilometern wechselten wir von geteerten Strassen auf ausgewaschene Feldwege. Im ersten Teilstück waren noch Autos zugelassen, später dann nur noch Fussgänger und Velofahrer.

Durch die Camargue

Die Wegbeschaffenheit verlangte einiges an Konzentration, gleichzeitig schweifte unser Blick aber auch immer wieder in die tolle Landschaft. Viele verschiedene Kräuter und Sträucher sowie Vögel buhlten um unsere Aufmerksamkeit. Die absolute Attraktion aber waren die Flamingos, die sich in den Lagunen im schönsten Sonnenlicht präsentierten.

Wir haben sie gefunden 🙂

Es waren immer mehr Radler unterwegs, die offensichtlich von Saintes-Marie-de-la-Mer aus eine Nachmittagsfahrt hierher unternahmen. Der Weg war nun stellenweise so tief mit Sand bedeckt das wir nur noch mit mühsamem Schieben vorwärts kommen, da unsere schweren Räder zu tief im Sand einsackten.

Sandpassagen sind nicht ideal für voll beladene Räder. Zum Glück nie länger als 50 Meter.

So gegen halb vier waren wir im Städtchen, dass vor gut 40 Jahren eine ganze Generation von Hippies in seinen Bann zog. Einige schienen seit den 68er hier geblieben zu sein und wer sehen will wie Hippieträume langsam ergrauen und verblassen ist hier richtig.

Was ist nur aus dem Hippie-Bus geworden!

Viel Kommerz und Trubel in den engen Gassen. Da machten wir uns lieber direkt auf den Weg ins Hotel und genossen noch eine Runde entspannendes Schwimmen im Pool.
Wir sind am Meer, das Wetter hat bis jetzt toll mitgespielt und die Routenwahl war perfekt. Nun noch zwei Radeltage bis Sète. Wir freuen uns darauf.

Tag 3: Mo. 02.10.17 Avignon – Arles

Distanz 57.5 km, Total 174 km, Fahrzeit 3 Std.44 Min., Durchschnitt 15.5 km/h, 17-24 Grad, bedeckt mit sonnigen Abschnitten,

Heute Morgen nahm uns der Blick aus dem Fenster schon mal die erste Entscheidung des Tages ab. Nein, das wird kein früher Start! Die Leute die draussen unterwegs waren hatten die Regenschirme aufgespannt oder ducken sich den Hausmauern entlang um nicht allzu nass zu werden. Das Kopfsteinpflaster der Strasse glitzerte im feuchten Regen und schien glitschig zu sein. Also nichts überstürzen und zuerst mal gemütlich frühstücken. Die Wetter-App versprach baldige Besserung.
Im Frühstücksraum des netten und zentral gelegenen Hotel Regina überraschte uns ein für französische Verhältnisse geradezu üppige Auswahl. Neben den bekannten Baguette und süssen Kuchen gab es verschiedene Brotsorten, Joghurt, Käse, Eier, Schinken und Wurstscheiben. Dazu ein Kaffemaschine die mehr als nur Filterkaffee beherrschte und mir einen feinen Espresso brühte. Der perfekte Platz um etwas den Regen abzuwarten und genug zu Essen, so dass wir ohne grosse Mittagspause bis ans Ziel radeln konnten.
Die Ausfahrt aus Avignon verlief gut, da es zum Glück auch auf der Brücke eine abgetrennte Radspur hatte.

Zum Glück ein von der Autospur abgetrennter Fahrradbereich

Als diese fertig war und wir bis zur Einmündung in den Fahrradweg etwa 300 Meter auf einer doppelspurigen Strasse fahren mussten, erlebten wir wie es sein könnte, wenn wir nicht meist auf tollen Radwegen oder sehr einsamen Landstrassen unterwegs sein könnten. Bereits auf diesem Abschnitt zeigte sich, dass viele Franzosen sich offensichtlich noch immer in der Zeit ihrer grössten Formel 1 Erfolge wähnten, auch wenn die glorreichen Tage von Renault und Alain Prost schon länger Geschichte sind. Es kann ihnen, zumindest auf der Strasse, nie schnell genug gehen und die Hupe ist offensichtlich eines der wichtigsten Elemente eines Autos. Für uns einfach nervig!
Aber wie gesagt, die Rettung nahte in Form von Wegweisern für die Eurovelo 17. Bald waren wir in idyllischen Nebenstrassen unterwegs und den  hektischen Verkehr nahmen wir nur ab und zu als Geräuschkulisse wahr.

So stellen wir uns gemütliche Radwege vor.

Die Route führte uns über Land, wo die Traubenstöcke abgelesen und die Felder geerntet waren. Langsam verzogen sich auch die letzten Wolken und machten der Sonne Platz, so dass wir wärmenden Armlinge und Windschutzjacken ausziehen konnten. Auf den Hügeln um uns herum entdeckten wir immer wieder kleine Dörfer und ab und zu auch alte Burgen, die von der bewegten Geschichte im Rhonetal erzählten.

Rebstöcke bis zum Horizont

Immer wieder alte Dörfer auf einer Anhöhe

Auf einigen Abschnitten war die Via Rhone offensichtlich ganz frisch ausgebaut worden. Guter fester Kiesbelag, ab und zu auch geteert und immer wieder kleine Rastplätze. An einem solchen setzten wir uns auch für eine Viertelstunde hin, um etwas aus der Provianttasche zu essen.

Schöne Rastplätze am Radweg

Bei Kreuzungen sind die Sicherheitsbarrieren so montiert, das wir auch mit dem Lieger durchfahren können. Bravo

Kurz vor Beaucaire führte der Radweg durch einen ehemaligen Eisenbahntunnel, welcher die Radfahrer sogar mit einer farbigen Beleuchtung überraschte.

Lichterzauber im alten Bahntunnel

Blick zurück nach Beaucaire

In Beaucaire überquerten wir die Rhone und fuhren nun, auf einer mit Hilfe von „www.gpsies.com“ selbst erstellten Route, auf ruhigen Nebenstrassen nach Arles. Gleich nach der Brücke geht es in einem unübersichtlichen Gewirr aus Strassen rechts weg.

Auch abseits der Radrouten finden wir ruhige Nebenstrassen

Bei der Fahrt durch die Stadt zum Hotel hat uns das Navi dann noch eine kleine Stadtrundfahrt spendiert. Immer wieder zeigte es mal „Links“ mal „Rechts“ an. Wir folgten den Hinweisen, denn in der Vergangenheit mussten wir schon oft erstaunt feststellen, das die Routenwahl zwar nicht immer die direktestes, aber meist fahrradfreundliche Strecke sucht.
So kamen wir recht entspannt im Hotel Arles Plaza an, wo uns heute für die Pferdchen ein leerer Seminarraum zur Verfügung gestellt wurde.
Das Hotel ist ganz dem Thema „Hollywood der 60er Jahre“ gewidmet. Überall Fotos alter Filmstars. Dazu einen hauseigenen Swimmingpool, in dem wir zur Entspannung gleich mal ein Bad nahmen.

So könnte jeder Radtag enden.

Dann etwas Blogschreiben und nun sind wir bereit für den abendlichen Stadtrundgang und ein feines Nachtessen.

Hier noch die Bilder vom Stadtrundgang.

Arena von Arles, erbaut ca. 90 n. Chr

Römisches Theater, ca 100 n. Chr., Platz für 10’000 Zuschauer

Place de La République

… und wie überall auf der Welt; die Händler bei den Sehenswürdigkeiten

In einem schönen Lokal liesen wir den Tag ausklingen.

Tag 2: So. 01.10.17 Pont-Saint-Esprit – Avignon

Distanz 67.5 km, Total 116.5 km/h, Fahrzeit 4 Std.03 Min., Durchschnitt 16.6 km/h, 17-24 Grad, sonnig mit Schleierwolken,
Heute Morgen starteten wir bei einem typisch französischen Frühstück, welches uns der Hausherr Frederick in der alten Orangerie servierte. Es waren diverse Süssigkeiten sowie Baguette und (viel) zu süsse Marmelade aufgetischt. Was für ein süsser Start in den Tag. Zumindest der Zuckerbedarf für die heutige Etappe war bereits kurz nach neun Uhr gedeckt. Vor der Abfahrt machten wir noch ein paar Fotos vom schönen Anwesen und Barbara durfte sich auch noch zwei Granatäpfel vom Strauch pflücken. Wirklich ein kleines Paradies.

Ein toller Ort …

… wo man gemütlich in den Tag starten kann.

Unsere Pferdchen genossen den besonders schönen Stall.

Wir mussten nochmals die lange schmale Brücke überqueren doch kurz danach konnten wir uns vom Autoverkehr verabschieden und genossen die Fahrt auf einsamen Feldwegen oder sogar ganz neu angelegten Radwegen, welche im Rahmen des Projekts „Eurovelo 17“ hier entstehen. Wirklich ein Genuss. Heute hatten wir auch das Vergnügen uns mal als E-Bikefahrer zu fühlen. Nicht das wir einen Motor an unsere Pferdchen montiert hätten, nein der starke Nordwind blies uns regelrecht das Rhonetal hinunter. Zum Glück sind wir Richtung Süden unterwegs; die „Nordwärtsfahrer“ werden wohl auch in den nächsten Tagen kräftig mit dem Gegenwind zu kämpfen haben, denn die Prognosen sagen weiterhin kräftige Winde aus Norden voraus.

Tolle Radwege, einfach ein Genuss.

Wenn dazu der Wind noch in die richtige Richtung bläst, umso besser. 🙂

So sind auch 30 km/h ohne grosse Anstrengung möglich.

Auch heute waren wir wieder oft weit und breit alleine unterwegs. Am Wegesrand wuchsen Feigenbäume, die ihre süssen Früchte schon fallen liessen, wo sie im Gras von der Sonne getrocknet wurden. Barbara fühlte sich im Paradies. Sie musste die Köstlichkeiten nur noch aufheben und geniessen.

Fundstücke die es heute Abend bis ins Hotel geschafft haben.

Gegen Mittag fuhren wir dann die Weinhügel von „Châteauneuf-du-Pape“ hinauf und begannen in der Sonne schon etwas zu schwitzen.

Die Steine scheinen eine besondere Bedeutung für die Qualität der Weine hier zu haben.

Kurz nach Mittag trafen wir im schmucken Weindorf ein und genossen ein feines Menue auf einer sonnigen Terrasse. Es waren viele Touristen im Ort wobei viele offensichtlich in Gruppen mit den Fahrrädern hierher gefahren sind. Erstaunlich viele nehmen die Räder mit in den Urlaub um dann in dieser Gegend gemütliche Tagestouren zu unternehmen. Die wenigsten waren wie wir auch mit Gepäck beladen.

Touristenspot

Enge Gassen

Blick hinunter auf die Rhone

Da wir noch gut 20 Kilometer vor uns hatten liessen wir das mit dem „Weintesten“ sein und begnügte uns mit einem kleinen Spaziergang durch die engen Gassen.
Dann ging es wieder rasant hinunter bis ins Tal und dann auf verschlungenen Wegen Richtung Avignon. Die Wege sind hier noch nicht gut ausgebaut, aber man wird mit den Wegweisern meist auf verkehrsarme, manchmal mit Schlaglöchern durchsetzte Nebenstrassen geleitet. Unser Navi war oft noch kreativer und führte uns durch schöne Quartierstrassen.

Heute wurde uns ab und zu auch eine Portion „Schlaglöcher“ serviert.

Plötzlich waren wir an der Stadtmauer von Avignon, der wir ein Stück entlang fuhren. Dann hinein in die Altstadt und durch enge, verwinkelte Gassen. Zielsicher erreichten wir unser Hotel und wurden dort freundlich empfangen. Das wir mit den Fahrrädern kamen war auch kein Problem und der nette Herr an der Rezeption räumte rasch eine kleine Kammer für die Gepäckaufbewahrung um, so das unsere Pferdchen eine sicher Stall hatten. Wir genossen eine erfrischende Dusche und waren bald bereit für den Stadtrundgang.

Ankunft in Avignon

Auch hier: Viel Süsses!!!

Eine der wohl berühmtesten Brücken.

Palast der Päpste. Hier wurde Kirchengeschichte geschrieben.

Eine weiter tolle Radetappe lag hinter uns. Eine wirkliche „Sonntagsfahrt“.

Noch etwas für die Freunde von Statistiken: Dies war mein 100er Blogbericht auf http://www.Liegerad.wordpress.com. Danke an alle treuen Leser.

Tag 1: 30.09.17 Montélimar – Pont Saint-Esprit

Distanz 49 km, Fahrzeit 3 Std.08 Min., Durchschnitt 15.6 km/h, 17-22 Grad, bedeckt,

Um 8 Uhr wurde uns in der gemütlichen Pension das Frühstück serviert und wir genossen die ersten frischen Baguette mit hausgemachter Marmelade. Eine Stunde später waren die Pferdchen beladen und wir machten uns auf den Weg an die Rhone.

Startklar

Schon bald waren wir am Fluss und bogen auf dem Damweg auf die Eurovelo 17 ein. Im ersten Moment fühlten wir uns fast wieder an die Donau zurückversetzt. Kilometerlanges Damfahren hatten wir ja im Sommer ausgiebig erlebt. Das der Weg auf einigen Abschnitten in einen rauen Feldweg überging waren wir uns von der Donau ebenfalls gewohnt. Ab und zu waren Jogger auf dem Weg oder einzelne Radfahrer die auf einer Samstagsausfahrt waren, aber meistens waren wir alleine unterwegs . Immer wieder schweift der Blick aufs Wasser oder zu einem kleinen Tümpel am Wegrand, wo mit unserem herannahen oft Vögel aufgescheucht wurden.

Damradweg wie wir es kennen

Schöne Flusslandschaften entlang der Route

Er gab mir mal eine Chance für ein Bild

Die Strecke ist meist gut ausgeschildert und ab und zu sind am Wegrand Infotafeln aufgestellt, die einem sogar in Englisch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Gegend erklären. Ab und zu wird die Rhone für ein Flusskraftwerk gestaut und so sind auch Schleusen für die grossen Transportschiffe nötig, die hier unterwegs sind.

Hier ist die Rhone auch Transportweg

Auch Frankreich hat wohl das touristische Potential von Fahrradrouten erkannt. Gut ausgeschilderte Via Rhona

Wir wechselten ab und zu die Flussseite.

Wir nahmen es gemütlich und machten immer mal wieder einen Halt um die Landschaft zu geniessen. Kurz vor Mittag führen wir ein paar Kilometer  mit einem holländischen Tourenradler und plauderten etwas. Er hat sich eine Auszeit genommen und plant die nächsten Monate in Südspanien oder Marroko mit seinem Rad unterwegs zu sein und dort zu überwintern. Wir wünschten ihm einen milden Winter und eine sichere Reise. Um die Mittagszeit trafen wir in Bourgeois-Saint-Andéol ein und fuhren etwas im Ort herum. Schöne alte Häuser und eine grosse Kirche im Zentrum.

Unterwegs in Bourgeois-Saint-Andéol

In diesem schönen Innenhof gab es erfrischende Getränke

Kirche im Zentrum der kleinen Stadt

Nachdem wir uns gestärkt hatten machten wir uns auf den Weg die letzten Kilometer in Angriff zu nehmen, denn für den Nachmittag war Regen angesagt. Auf gut asphaltieren Nebenstrassen erreichten wir bald die alte Brücke die uns nach Pont-Saint-Esprit führte. Die Brücke ist ziemlich lang und schmal und die Franzosen in den Autos hinter uns waren leider oft sehr ungeduldig, wenn sie wegen Gegenverkehr nicht gleich überholen konnten. Einige fuhren sehr knapp an uns vorbei, so dass wir froh waren, als wir endlich auf der anderen Seite ankamen.

Kurz vor dem Tagesziel die ersten Lavendelfelder

Pont-Saint-Esprit

Enge Zufahrt und die Stadt

Dann noch gut zwei Kilometer bergauf in unsere heutige Pension. Wieder ein liebevoll gepflegtes, altes Haus mit wildem Garten. Der Hausbesitzer empfing uns freundlich und wir waren gerade rechtzeitig angekommen, denn genau in diesem Moment begann es zu Regnen. Timing ist manchmal einfach wichtig.

Tag 0: 29.09.17 Anreise Winterthur – Montélimar

Heute morgen zeigte uns das Wetter in Winterthur nochmal ganz klar, warum es gerade jetzt Zeit ist etwas in den Süden zu reisen. Auf dem Weg zum Bahnhof konnten wir bereits ein erstes Mal die Qualität unserer Regenklamotten testen.

Nasser Start

Am Bahnhof in Winterthur trafen wir dann noch zwei andere Tourenradler an, die mit dem selben Zug wie wir nach Genf fuhren mit dem Ziel Ardéche. Die Räder konnten wir gut verstauen, waren aber doch erstaunt, dass ab Zürich kein Fahrradplätze mehr frei war.

Gut besetztes Fahrradabteil

Immer wieder tolle Aussicht auf die Weinberge über dem Genfersee

Zum Glück kamen wir trotz diverser Baustellen zwischen Winterthur und Genf pünktlich an. Das war auch nötig, denn zum Umsteigen blieben uns nur 10 Minuten. Um in der ersten Reihe beim aussteigen zu stehen haben wir uns schon gut 10 Minunten vor Ankunft die Räder geschnappt, die Taschen angehängt und uns in Startpossition begeben. Jede Minute zählte, denn die Wege in Genf um auf die französische Seite zu kommen sind ziemlich lang. Beim Zugang zu den Rolltreppen sind dann noch so neckische Pfosten installiert die verhindern sollen, dass man mit Gepäckrollis die Rolltreppen benutzt. Zum Glück passten unser Lieger gerade so durch ohne die Packtaschen abzunehmen. Wir schafften es gerade so in den Anschlusszug, vertäuten unser Lieger im Fahrradabteil und die benahmen sich wie „Standart-Fahrräder, denn sie wurden bei der Billettkontrolle nicht beanstandet.

 

Zwei „Standart-Fahrräder“ im TER

In Lyon waren wir überrascht wie hektisch und gut besucht der Bahnhof war. Es war schliesslich Freitag um 13.20h und nicht in der Hauptverkehrszeit, oder haben da die Franzosen andere Massstäbe?

Startklar machen für den letzten Abschnitt

Wir mussten gut zwei Stunden warten bis der Anschlusszug mit Fahrradtransport nach Montélimar fuhr. Zeit uns etwas im hektischen Bahnhofsviertel etwas die Füsse zu vertreten, zu essen und für mich die Gelegenheit im Decatlon neue Fahrradhandschuhe zu kaufen. Meine geliebten alten hatten die Reise von Wien nach Belgrad noch knapp überlebt, waren aber nun wirklich nicht mehr zu retten.
Da wir nicht zu viel Stress haben wollten begaben wir uns schon 20 Minuten vor Zugsabfahrt auf den Perron um zu sehen, wann der Zug kommen würde? Er stand schon da und war zu unserer Überraschung bereits gut gefüllt! Könnt ihr euch das vorstellen, dass wir einen Zug schon 20 Minuten vor Abfahrt auf ein Perron stellen und die Leute schon einsteigen? Wir waren froh noch zwei freie Velohaken zu finden und unsere Lieger dort aufzuhängen. Sogar einen Sitzplatz fanden wir noch, auch wenn wir uns mit all dem Gepäck das die Reisenend mitbrachten schon ein Tetrisspiel mit den Füssen lieferten, bevor alle Platz nehmen konnten.
In Montélimar erlebten wir dann die Hilfsbereitschaft junger Franzosen, die uns beim Gepäckauslad und Velotransport unterstützten. Danke!

Alles ziemlich eng.

Und ja, kein Schaffner hat unsere Räder als nicht tauglich beurteilt und wir sind wie geplant pünktlich in Montélimar angekonnen.

Montélimar ist erreicht

Die Pension war, Navi sei dank, trotz Feierabendverkehr rasch gefunden. Eine erfrischende Dusche nach der Anreise und danach etwas blogschreiben im schönen Garten.

Schöner Platz im Garten

Perfekt!!! Wir sind angekommen, geniessen nun noch einen gemütlichen Abend in der Stadt und freuen uns Morgen die ersten Kilometer mit den Liegern zurück zu legen.

Auf die jahrhunderte alte Tradition der Nougatherstellung ist man hier besonders stolz.

Stadtspaziergang

 

Südfranzösischer Herbstgenuss 2017: Fr. 29.09. – Sa.07.10.2017

Die Tage werden kürzer und der Wind bläst wieder kühler. Ein untrügliches Zeichen: Die von mir nicht sonderlich geliebte kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Also höchste Zeit noch einmal die Lieger aus der Garage zu holen, die Packtaschen anhängen und die letzten Ferientage des Jahres mit einer gemütlichen Liegeradtour zu geniessen.  Wir haben gut 9 Tage zur Verfügung und wollen mit dem Zug anreisen. Die ursprüngliche Idee in Apulien (Süditalien) zu radeln haben wir auf Grund der nicht ganz einfachen und etwas zeitintensiven Anreise verworfen. Mindestens zwei Wochen sollten es für diese Gegend schon sein, denn wir möchten uns dort auch Zeit lassen schöne Orte aus früheren Reisen mal wieder zu besuchen und dort zu verweilen. Apulien wird also auf später verschoben.
Da ist mir die Idee gekommen es einmal mit den Kollegen der SNCF zu versuchen und eine gemütliche Fahrt der Rhone entlang nach Südfrankreich zu unternehmen. Da möglichst warme Temperaturen und genug Zeit für die besuchten Städten und Landschaften im Vordergrund stehen, planen wie kurze Etappen zwischen 40 – 70 km pro Tag und reisen mit der Bahn bis Montélimar an. Von dort fahren wir etwas mehr als 300 Kilometer der Rhone entlang bis diese in der Camargue ins Meer mündet. Dann rechts abbiegen und der Küste entlang nach Sété.

Grobe Routenplanung

Wir sind gespannt auf unsere persönlichen Entdeckungen in den besuchten Städten, Landschaften und wie weit die Eurovelo 17 „via Rhona“ auf diesem Abschnitt schon ausgebaut ist. Auch über die Erfahrungen mit der Fahrradmitnahme in französischen Zügen werden wir berichten. Mal sehen ob sich in den TER Zügen unsere Lieger als „Standard-Fahrrad“ ausgeben können und die Kontrollen bestehen. Denn Liegeräder, Trikes und Veloanhänger sind von der Mitnahme ausgeschlossen. Da unsere HP Grashopper aber nicht länger als ein „normales Velo“ sind, hoffen wir das sie die Kontrolle bestehen. Auf jeden Fall nehmen wir unsere Fahrradtaschen mit um unsere Lieblinge im Notfall „verkleiden“ zu können.
Der Fahrplan ist mit Hilfe der SNCF Website  auf Fahrradmitnahme geprüft, die Tickets gekauft, es sollte also klappen.

à bientôt

 

Ruhetage und Abschluss: 05. – 08.07.2017

Die nächsten Tage genossen wir alle gemeinsam und konnten dank der Familienkontakte einen guten Einblick ins Leben hier auf dem Land gewinnen.
Wir genossen auch gemeinsame Ausflüge an die Donau, wo wir auf einer Bootstour eine grosse „Gemeinschaftsweide“ besuchten, auf der unzählige Tiere den Sommer verbringen. Eine Gruppe Männer betreut die Tiere und wohnt in einfachen Unterkünften direkt an der Donau. Hier erstreckt sich auf einer Länge von einigen Kilometern fruchtbares Grasland mit Bäumen bestückt, welches vom Donauhochwasser im Frühling jeweils überschwemmt wird. Wenn das Wasser abgeflossen ist ziehen die Männer mit den Tieren hierher, wo sie den Sommer verbringen und die Tiere frei Weiden lassen.
Viele Rinder, eine grosse Pferdeherde, Esel, Hühner, Truthähne, Pfauen und noch einiges mehr leben hier frei zusammen. Alle Tiere haben auch Junge dabei und so war es wie ein riesiger „Streichelzoo“. Es sah fast so aus wie in der afrikanischen Savanne, nur das hier einheimische Tiere herumstreiften.

Tiertransport der besonderen Art

Bilder wie von einem anderen Ort

Afrika?

Unterwegs mit unserem persönlichen Flusskapitän

Auch er lebt zwischen all den grossen Tieren auf der Weide.

Friedlich vereint

Cowboyarbeit. Die Tiere werden geimpft

Auch Landwirtschaft wird hier gross geschrieben und so sahen wir riesige, moderne Obstplantagen. Auch die Lebensmittelverarbeitende Industrie hat das Potential der Region entdeckt und so hat sich z.B. auch die Firma Nestle hier angesiedelt.

Die letzten zwei Tage verbrachten wir in Belgrad, wo wir einmal mehr über das lebendige Kulturangebote staunten, die grosszügige Fussgängerzone durchwanderten, das feine Essen genossen und wunderschöne alte Gebäude bewunderten.

Es war richtig heiss in Belgrad. Überall in der Stadt wurden Tanklastwagen mit frischem Trinkwasser aufgestellt, an denen sich die Passanten erfrischen konnten.

Auch der Brunnen in der Fussgängerzone wurde rege benutzt.

Wer Lust auf ein anderes Getränk hatte fand in den Geschäften eine reichliche Auswahl.

Unterschiedliche Tramgenerationen im Einsatz

Schöne Fussgängerzone

Eine der besseren (teureren) Adressen

 

Die Stadt steht vor einer grossen Herausforderung, denn grosse Investoren beginnen grosse Gebiete umzubauen und es wird sich zeigen, welchen dieser bevorstehende Wandel auf die Menschen die hier leben hat. Belgrad wird vermutlich in der Ranglieste der „Städtetouristen“ in den nächsten Jahren einen festen Platz einnehmen.

Kathedrale Hl.Sava, grösste Kirche Südosteuropas

Der Bau begann bereits 1894 und ist bis heute nicht vollendet. Kriege sowie die Zeit des Kommunismus haben die Arbeiten immer wieder unterbrochen

Die Krypta im Untergeschoss erstrahlt aber in vollem Glanz.

Staunen über die Farbenpracht im orthodoxen Gottehaus

Der Rückflug am Sa. 08.07. verlief problemlos. Unsere Räder haben wir zusammengefaltet und in einer Radtasche verstaut. Sie haben die Reise in dieser leichten „Verpackung“ unbeschadet überstanden. Kostenpunkt pro Fahrrad bei SWISS = 60 sFr.

Alle verpackt! Die Fahrräder im „TransBag“, die Sitze sowie zwei Fahrradtaschen in der grossen Tasche. Total: 2 Fahrräder, 2 x Aufgabegepäck und 2 x Handgepäck.

Fazit: Wir haben die Reise der Donauentlang sehr genossen. Abgesehen von der grossen Hitze hatten wir auch wettermässig eine gute Phase erwischt, denn viele Pfade sind bei Regnen wohl nur schwer befahrbar. Der grösste Teil der Strecke war verkehrsarm bzw. über lange Strecken bestand ein guter Radweg. Es gab nur drei längere Abschnitte mit viel Verkehr wo es manchmal schon eng wurde. (Einen Teil davon haben wir zum Glück am Wochenende befahren) Hoffen wir dass auch für diese Abschnitte bald eine bessere Lösung gefunden werden kann. Die Strecke „Eurovelo 6“ ist grundsätzlich gut ausgeschildert und doch waren wir froh ein Navi montiert zu haben, auf dem ich die Route im Voraus gespeichert hatte, so dass wir uns auch auf abgelegenen Feldwegen immer vergewissern konnten, auf dem „rechten Weg“ zu sein. Zudem haben die Radtoerenführer „Bikeline Donau-Radweg 3 + 4“ vom Verlag Esterbauer sowohl in der Vorbereitung als auch unterwegs gute Dienste geleistet.
Einmal mehr genossen wir das intensive Reiseerlebniss mit dem Fahrrad, das einem den Kontakt mit der Bevölkerung viel einfacher macht. Die Hilfsbereitschaft und das freundlichen Grüsse gaben uns immer das Gefühl willkommen zu sein.
Wir wünschen den Menschen entlang unserer Route in den kommenden Jahren Frieden und Stabilität, damit sich die Region so entwickeln kann, dass es für sie ein gutes wirtschaftliches Auskommen gibt und sich ihre Zukunftsträume in ihrer Heimat erfüllen lassen.

Euch liebe Blogleser möchte ich danken für die vielen positiven Rückmeldungen zu meinen Berichten und eure Nachsicht bei den Schreibfehlern, welche sich oft auch „dank“ des seltsamen Korrekturprogramms auf meinem I-Pad eingeschlichen haben und vom müden Schreiber nicht entdeckt wurden.
Wir freuen uns schon jetzt auf eine weiter Reise. Wann, wo? Wir werden sehen.

Safe travells

Tage 12 + 13: Mo. 03. 07. Ruhetag und Di. 04.07.17 Etappe : Novi Sad – Krcedin

Distanz 32.33 km / Fahrzeit 2 Std. 29 Min. / Durchschnitt 13.0 / Gesamt 827.3 km
Wetter: ganzer Tag sonnig, 27 -32 Grad, Wind aus verschiedenen Richtungen

Am Ziel

Zuerst ein paar Worte zu unserem Ruhetag in Novi Sad. Unser Apartment in der Innenstadt nahe der Kathedrale und in der Fussgängerzone war für uns ideal um einen entspannten Ruhetag einzulegen. Wir waren vor allem in der schönen Fussgängerzone unterwegs, entdeckten da und dort lauschige Innenhöfe mit Restaurants oder Läden und besuchten die Festung Petrovaradin auf der anderen Seite der Donau. Dort genossen wir im Restaurant mit tollem Blick auf die Donau und die Stadt ein feines Mittagessen. Uns hat die Stadt mit ihrer Lebendigkeit überrascht und wir fühlten uns sehr wohl. Viele junge Leute wohnen hier und viele sprechen gut englisch. Am Abend schauten wir da und dort noch bei verschiedenen Freiluftveranstaltungen wie einem Theater oder einem Konzert zu.
Da wir nicht mehr zur Partygeneration gehören waren wir um Mitternacht jeweils schon im Bett. Um diese Zeit schien es auf den Strassen aber erst richtig los zu gehen. Laute Musik in den Club’s der Umgebung „zwangen“ uns die Fenster zu schliessen. Zum Glück hatten wir eine Klimaanlage.
Für Durchreisende auf der Donauroute ist ein Ruhetag hier aber sicher zu empfehlen.

Hier einige Bilder aus Novi Sad.

Lauschiger Innenhof

Dächerlandschaft in Petrovaradin

Genug Möglichkeiten sich bei einem Getränk zu erfrischen

Aufwändiges Blumengiessen

Fröhlicher Sommerabend

Freikonzert vor imposanter Kulisse

Am Dienstag stand dann unsere letzte Etappe an. Die Reise endet ja mit einem Besuch bei Julia’s Schwiegermutter Jelica im kleinen Ort Krcedin. Dort trafen wir unsere Tochter Julia und ihre Frau Daniela mit Tochter Sanja die hier die Sommerferien verbringen. Anschliessend sind ein paar „Familientage“ eingeplant und für uns die Gelegenheit das ländliche Leben in Serbien kennen zu lernen. Weil heute nur etwas mehr als 30 km auf dem Programm standen und wir erst gegen 14.00 Uhr ankommen wollten, starteten wir gemütlich und fuhren erst um 11 Uhr los. Die Route aus der Stadt führt der Hauptstrasse entlang und ist als verkehrsreich beschrieben. Der Radtourenführer rät sogar, die Strecke Novi Sad – Belgrad gleich mit dem Zug zurück zu legen, da es auch vor und in Belgrad viel Verkehr und wenige gute Radrouten gibt.
Die Ausfahrt aus Novi Sad verlief aber relativ entspannt und wir durften erneut feststellen, dass ein Grossteil der serbischen Autofahrer mit guten seitlichen Abstand überholt oder wartet bis es im Gegenverkehr eine Lücke gibt.

In der Fussgängerzone von Novi Sad fuhr es sich ganz entspannt

Leider bestätigt auch hier die Ausnahme die Regel und auf 100 Fahrzeuge kommt bestimmt so ein „Vollpfosten“ der die Breite seines Autos oder LKW’s nicht richtig einschätzen kann und sich knapp an unseren Lenkern vorbeiquetscht. So haben wir bei erster Gelegenheit nach dem Ort Sremski Karlovci nach gut 11 Kilometer auf einen Schotterweg entlang der Bahnlinie gewechselt um kein Risiko einzugehen.

Im Zentrum von Sremski Karlovci

Dieser traumhafte Belag war bald zu Ende.

Das hat uns nochmals „traumhafte Mountainbiketrails“ beschert. Ein ständiges Auf und Ab auf schmalen, ausgewaschenen Feldwegen, wo unsere Pferdchen ihre guten Federeigenschaften unter Beweis stellen konnten. An einer Stelle trafen wir dann auf einen Baustellenabschnitt wo mit grossen Maschinen der Weg verbreitert und der Untergrund mit grobem Kies vorbereitet wurde. Hier war nicht mehr ans Fahren zu denken und so legten wir eine gut 400 Meter lange Schiebepassage zurück.

Schiebstrecke

Im Dorf Beska kamen wir wieder auf eine Nebenstrasse und konnten so die letzten Kilometer entspannt zurücklegen.

Noch 6.6 km bis aus Ziel. An jedem Radwegweiser in Serbien hat es im roten Balken einen noch einen individuellen Text. Bravo, so macht es noch mehr Spass den nächstenWegweisern zu suchen.

Wie versprochen trafen wir kurz nach 14 Uhr in Krcedin ein, wo wir vom „Familienempfangskomite“ auf der Dorfstrasse erwartet wurden.
Wir hatten also unser Versprechen vom letzten Jahr war gemacht und sind per Rad im Dorf eingefahren. Hier, nur 65 km vor Belgrad, endete somit unsere Radtour.

Danke für den herzlichen Empfang

Familienzeit

Hier genossen wir ein feines, gemeinsames Abendessen auf der Donau. Der perfekte Ort um die Reise abzuschliessen.

Tag 11: So. 02.07.2017 Etappe 9: Vukovar – Novi Sad

Distanz 88.6 km / Fahrzeit 5 Std. 42 Min. / Durchschnitt 15.5 / Gesamt 794.9 km
Wetter: ganzer Tag sonnig, vereinzelt Wolken, 24 -32 Grad, oft leichter Gegenwind

Welcome to Serbia

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen unserer letzten längeren Etappe nach Novi Sad. Unser eigentliches Ziel, das Dorf Krcedin, ist von hier nur noch 33 km entfernt.

Auch sie reisen unter Schweizerflagge. Donaukreuzfahrtschiff beim Ablegemanöver in Vokovar am Vorabend. (Reederei Viking Basel)

Das es heute Sonntag war und unser Gastgeber am Vorabend ab 7.00 Uhr das Frühstück angekündigt hatte, wollten wir uns heute, das erste Mal auf dieser Reise, ein Frühstück gönnen. Bis jetzt sind wir am Morgen jeweils ohne Frühstück losgefahren und haben uns so nach 20 – 30 Kilometer das erste mal verpflegt. Natürlich haben wir vor dem Start und unterwegs immer wieder getrunken, aber ohne Essen loszufahren hat sich für uns sehr bewährt. Auch Barbara, die noch auf der letzten Tour felsenfest davon überzeugt war, dass bei ihr ohne „Müesli“ am Morgen nicht’s geht hat sich auch ohne Morgenessen wohl gefühlt. Unter anderem hatte diese Taktik natürlich auch den Vorteil schon vor der grossen Hitze einige Kilometer zurückgelegt zu haben, den so ab Mittag wurde es jeweils recht kräftezehrend in der Hitze zu fahren.
Als wir um kurz nach sieben Uhr im Frühstücksraum vorbeischauten, war noch alles still und niemand zu sehen. Draussen kündigte sich ein strahlend blauer Tag und damit wiederum heisse Temperaturen an. Rasch war klar, wir warten nicht auf das Frühstück und fahren wie gewohnt ohne los, sonst kommen wir nicht vor acht auf die Strasse.
Also haben wir unsere Pferdchen gesattelt und den geschuldeten Betrag an der unbesetzten Rezeption zusammen mit einer kurzen Notiz hinterlegt und wollten gerade los, als der Pensionswirtin auftauchte. Wir sollten doch Bleiben und etwas essen, er wäre gleich soweit. Doch wir waren schon im „Radlermodus“ und lehnten dankend ab. „Ich bringe euch aber noch etwas kühles zu trinken für unterwegs, ein Saft?“ Da sagten wir nicht nein und staunten nicht schlecht als er kurz darauf mit zwei Dosen Bier und einem alkoholfreien Bier auftaucht. Hier scheint man unter Saft was anderes zu verstehen. Obwohl wir nicht daran dachten das Bier unterwegs zu trinken und es bis am Ende der Etappe sicher gut gewärmt sein würde, packten wir je eine Dose ein, um nicht unhöflich zu wirken. Die Dosen sind jetzt übrigens im Kühlschrank unseres Appartement um wieder auf „Trinktemperatur“ gekühlt zu werden. Wir haben sie als Zusatzbalast bis nach Novi Sad mitgenommen.

Zerstörter Wasserturm in Vukovar. Mahnmal eines traurigen Kapitels aus der jüngeren Geschichte auf dem Balkan.

Wir folgten die letzten Kilometer der kroatischen Radwegsignalisation.

Die heutige Etappe war gemäss Tourenbeschrieb gespickt mit einigen Abschnitten auf verkehrsreichen Strassen und auf den ersten 35 Kilometer bis an die serbische Grenze zusätzlich mit einigen kurzen aber knackigen Aufstiegen garniert.
Gegen den übermässigen Verkehr gibt es ja bekanntlich eine bewährte Taktik: solche Abschnitte wenn möglich am Wochenende fahren, denn wenn weniger Lastwagen unterwegs sind ist oft der gefährlichste Teil schon erledigt. Auch Privatautos hat es an Wochenenden meist weniger auf den Überlandstrassen unterwegs und so war es auch heute. Die Abschnitte an den Hauptstrassen entlang waren sehr gut zu fahren, aber wir können uns gut vorstellen wie das unter der Woche mit viel Lastwagenverkehr sein kann. Dann möchten wir nicht auf den oft schmalen Strassen unterwegs sein.
Langsam stieg die Strasse auf dem rechten Donauufer an und wir fuhren durch ein Gebiet mit riesigen landwirtschaftlichen Anbauflächen, die alle kurz vor der Ernte standen, bzw. bereits abgeerntet waren. Auf der Strasse sahen wir auch viel modernes Landwirtschaftsgerät; Traktoren, Ladewagen, Anhänger etc. Die vereinzelten Dörfer waren immer in einer Senke direkt am Fluss gebaut. Das hat wohl mit der früheren Bedeutung der Donau als Transportweg zu tun. Für uns bedeutete das, dass wir vor dem Dorf eine oft steile Abfahrt geniessen konnten, diese aber nur einige hundert Meter weiter wieder mit einer 6 – 8 % Steigung „büssen“ mussten. Mit schweren Rädern und nach einigen hundert Kilometer „Geradeausfahrt“ war das ganz schön anstrengend.

Immer wieder hinunter zu den Dörfern am Ufer …

… und mühsam wieder hinauf.

Felder bis an den Horizont.

Trotzdem kamen wir gut voran und erreichten den Grenzort Ilok kurz nach zehn Uhr.
Dort stärkten wir uns mit kühlen Getränken und etwas zu Essen. Wir wollten noch die letzten Kuna unter die Leute bringen.
Dann der Grenzübertritt nach Serbien über eine lange Brücke. Beim freundlichen Zöllner, ja das gibt es wirklich, zeigten wir unsere Pässe die sogar abgestempelt wurden.

Grenzüberfahrt

Unser 5. Land auf dieser Reise.

Wir hatten nun die EU verlassen und fuhren ab Backa Palanka auf der linken Donauseite Richtung Novi Sad. Auf der Hauptstrasse, der man ab hier 9 Kilometer folgen muss, war der Verkehr ebenfalls mässig. Trotzdem wurde viel „gehupt“. Nicht weil wir im Weg waren, sondern weil uns die Leute aus den vorbeifahrenden Autos begrüssten und uns fröhlich winkten. Sie überholten uns in der Regel auch mit merklich mehr seitlichem Abstand als das wir das im Verlauf dieser Reise gewohnt waren. Hoffen wir das dieser „Sonntagsfahrstiel“ auch am Dienstag noch gilt, wenn wir auf stärker befahrenen Strassen Novi Sad verlassen. Auch die Menschen am Strassenrand winkten oft und schienen Freude an unseren Rädern zu haben. Anschliessend ging es auf einem Feldweg mit zum Teil grobem Schotter auf einem Dam der Donau entlang. Unten am Wasser standen immer wieder Gruppen von kleinen Wochenendhäuschen, wo sich die Leute zu einem gemütlichen Zusammensein trafen. Es wurde gegrillt, gebadet und geplaudert. Als wir einmal auf dem Dam einen kurzen Halt machten, winkte uns ein älteres Paar zu und wollte uns etwas zu Trinken anbieten.

Wochenendhäuschen an der Donau

Zum Glück verdeckten die Wolken ab und zu die Sonne.

Auch in Serbien: Gut ausgeschilderterte Radwege

Doch wir wollten weiter, um die Fahrt in der Hitze bald beenden zu können. Kurz vor Novi Sad führte uns die Strasse durch den Ort Futog direkt an einer Eisdiele vorbei. Perfekt, hier hatte es eine Bank wo wir die ersten Dinar beziehen konnten, die wir gleich in kühle Getränke und feines Eis investierten. Die Kugel zu 50 Rappen!

Futog kurz vor Novi Sad

Die Abkühlung war dringend nötig

Dann die Einfahrt in Novi Sad zuerst durch einige Quartierstrassen und schon bald waren wir auf der Promenade ganz am Wasser. Hier gibt es diverse Gaststätten am Ufer in deren Garten auch das Badetuch ausgebreitet wird und in manchen wurde sogar Livemusik gespielt. Die Promenade hat drei Verkehrsflächen: eine rote Tartanbahn für Jogger, in der Mitte der gepflasterte Weg für Spaziergänger und daneben einen zweispurigen Veloweg! So stellt man sich wohl den idealen Strassenraum für den Langsamverkehr vor. Bravo und besten Dank, so sind wir stressfrei bis ins Zentrum gelangt.

Am Ziel in Novi Sad. Im Hintergrund die Festung Petrovaradin

Vor unserer Unterkunft, einem Appartement suchten wir vergeblich nach einer Rezeption, Klingel oder sonst einen Ort zur Kontaktaufnahme. Die angegebene Telefonnummer schien mit unseren Handys auch nicht erreichbar zu sein. Wie wir so dastanden kam ein Kellner eine nahen Pub’s, fragte nach unseren Rädern und rief von seinem Telefon aus die Nummer an. Es klappte und die Dame versprach in ein paar Minuten vor Ort zu sei. Gerade genug Zeit um im schönen Pub unseres „Helfers“ ein kleines Kühles zu trinken. Kurz darauf kam die junge Frau, zeigte uns die Wohnung und übergab die Schlüssel. „Die Fahrräder nehmt ihr am besten in die Wohnung, da sind sie am sichersten.“ Also dann, die Pferdchen vorsichtig in den 2. Stock tragen. Selbst da wurde uns Hilfe angeboten den ein Herr auf der Strasse fragte, ob er uns helfen soll, das Gepäck hochzutragen.

Unser „Heim“ für die nächsten zwei Nächte. 33 Euro pro Nacht!

Weil wir zwei Schlafzimmer haben, bekommen die Pferdchen ein eigenes.

Danke Serbien, wir wurden sehr freundlich empfangen und freuen uns nun auf einen Ruhetag in Novi Sad. Dann geht’s zum Familienbesuch in Krcedin und ich werde mich in den nächsten Tagen noch mit Einträgen melden.
Also immer mal wieder kurz reinschauen.

Tag 10: Sa. 01.07.2017 Etappe 8: Knezevi Vinogradi – Vukovar

Distanz 72.5 km / Fahrzeit 4 Std. 12 Min. / Durchschnitt 17.2 / Gesamt 706.4 km
Wetter: ganzer Tag bedeckt, 21 – 28 Grad, oft Gegenwind

Schweizertag

Als sich heute Morgen der Wecker um 6 Uhr meldete, wagte ich zuerst den Blick aus dem Fenster. Regen! Das kann ja auch was Gutes haben, denn wir legten uns nochmals ins Bett und dösten noch etwas. Gegen halb acht schien der Regen vorüber und wir machten uns zur Abfahrt bereit. Als wir nach 9 Uhr auf die Räder steigen wollten kam noch unsere Pensionswirtin heraus um uns zu verabschieden und ein Foto von uns zu machen. Sie haben zwar schon oft Fahrradfahrer beherbergt, aber noch nie ein solches Velo gesehen. Zudem waren wir ihre ersten Fahrradgäste aus der Schweiz.

Abschied unserer Gastgeberin im schönen Innenhof

Im Dorfladen kaufte ich noch etwas Wasser und zwei feine Brotstangen ein. Als ich zurückkam war Barbara schon mit einem älteren Mann ins Gespräch vertieft. Er hatte meine Schweizerflagge am Velo gesehen und erzählte in guten Deutsch aus seiner Zeit als er im Kanton St. Gallen und später im Thurgau arbeitete. Er freute sich offensichtlich uns von seiner Zeit in der Schweiz zu erzählen und es schien uns, als ob es ihn auch etwas traurig machte, seine Erinnerungen aufleben zu lassen. Es sei eben schon schön gewesen in der Schweiz, sagte er mit wehmütigem Blick. Die Einladung zum Kaffee mussten wir leider ausschlagen, denn wir hatten doch einige Kilometer vor uns. Nachdem wir das Wasser in unsere Trinkflaschen umgefüllt hatten wollte ich noch die leere Flasche im Abfallkübel entsorgen. Da rief mir ein anderer älterer Mann ein freundliches „Grüäzi, sind Sie uns dä Schwiz“ zu. Auch mit im plauderte ich ein paar Minuten und erfuhr das er von 1970 – 2004 im Kanton St. Gallen bei einem grossen Küchenbauer gearbeitet habe. Die Rückkehr scheint auch ihm nicht leicht gefallen zu sein. „Wissen Sie, in der Schwiz konnte ich Schuhe kaufen und musste die fast nie putzen, aber hier, überall staubige und bei Regen schlammige Wege. Da musste ich mich schon umstellen. Es wird zwar von Jahr zu Jahr besser, aber das dauert noch lange bis hier alles klappt. Schauen sie nur“ und er zeigte auf den Boden vor dem Laden, „diesen Platz haben sie vor einer Woche betoniert und neu gemacht und jetzt bröckelt die Kante schon ab. Das ist nur weil sie zu wenig Zement beimischen.“
Er schien in den gut 30 Jahren in der Schweiz viel vom exaktem Arbeiten verinnerlicht zu haben.
Wir hätten wohl noch Stunden in diesem Dorf bleiben können und mit den „Schweizern“ Gesprächsstoff gehabt, aber es war höchste Zeit uns auf den Weg zu machen. Der Gegenwind bremste uns auch heute noch etwas ein, wenn auch nicht mehr so stark wie in den vergangenen Tagen. Der Himmel war meist bedeckt, so dass uns auch die Sonne nicht mehr so stark einheizte. Gemäss dem Radführer waren heute einige Abschnitte auf stärker befahrenen Strassen zu absolvieren, aber da ja heute Samstag war, war nicht soviel Verkehr und vor allem waren kaum Lastwagen unterwegs. Dies machte sich den ganzen Tag positiv bemerkbar und selbst die Einfahrt in den grösseren Städten Osijek und Vukovar waren verkehrsmässig problemlos.

Impressionen von unterwegs:

Heute war wohl „Holzliefertag“. In vielen Dörfern grosse Holzbeigen die im nächsten strengen Winter Wärme spenden werden.

Wer in einem Dorf „70 km/h“ erlaubt muss sich nicht wundern wenn gerast wird

Immer wieder schmucke Kirchen

Nach wie vor fahren wir am Wasser entlang und überall ist es grün.

Die beiden warten wohl schon gespannt auf ihren Jungfernflug

Einfahrt in Osijek

Als wir in Osijek einfuhren sahen wir gleich rechts nach der Brücke über die Drau viel Leute auf einem Platz. Das wollten wir uns genauer ansehen und so bogen wir auf diese Platz ein, denn wir wollten in einem Café etwas Trinken. Kaum stellten wir unsere Räder vor einem Gartenrestaurant ab, kam auch schon ein freundlicher junger Mann auf uns zu und fragte in akzentfreien Schweizerdialekt, ob wir Lust auf einen Kaffe hätten. Er und seine Familie hätten uns schon auf der Strasse mit der Schweizerflagge gesehen als sie uns mit dem Auto überholten und sie würden uns gerne einladen. So eine freundliche Einladung zur rechten Zeit nahmen wir mit Freude an und schon sassen wir zusammen mit Vasi, seiner Frau Gaby und ihren süssen Töchtern Mia und Tati an einem Tisch und plauderten über unsere Reise und was sie hierher brachte. Vasi’s Eltern stammen aus dem Dorf Knezevi Vinogradi in dem wir übernachtet hatten. Sie gingen ebenfalls in den 70er Jahren in die Schweiz da sie damals von Arbeitsvermittlern angeworben wurden. Vasi wurde in der Schweiz geboren und kannten Kroatien durch die Geschichten seiner Eltern und Ferienbesuchen. Vor ein paar Jahren stand dann die Frage im Raum, was denn nun mit dem Haus seiner Eltern in Kroatien passiert oder ob man es verkaufen sollte.
Vasi’s Frau Gaby hatte dann die Idee ihrem Leben eine neue Wendung zu geben und mit der Familie nach Kroatien zu ziehen um das Haus zu restaurieren und zu versuchen, ihrem Arbeitsleben mehr Sinn zu geben als alles nur dem Arbeitsstress unterzuordnen. So starteten sie dieses Familenexperiment vor 9 Monaten und sie fühlen sich wohl. Die Renovation verläuft nach Plan und wer weiss, vielleicht bieten die beiden schon bald im Rahmen von Ökotourismus oder ähnlichem ein Angebot an. Potential hat die Gegend auf jeden Fall. Die ältere Tochter besucht nun die erste Klasse und so lebt sie die Familie nach und nach in dieser Dorfgemeinschaft ein.
Wir haben das kurze Zusammentreffen mit dieser tollen Familie sehr genossen und wünschen Ihnen von Herzen viele erfolgreiche Ideen und das sich ihre Wünsche erfüllen.

Wir wünschen euch, dass sich eure Träume erfüllen. Danke für die nette Begegnung.

Die letzten gut 40 Kilometer fuhren wir weiterhin oft auf Hauptstrassen die aber wie gesagt wenig Verkehr hatten. In den Dörfern immer wieder ein fröhliches „Hallo“ und Winken der Leute auf der Strasse und in den Gärten. Kurz vor Dalj kam dann noch eine kurze, knackige Steigung. Genau in dem Moment, in dem ich mit dem Pedalentreten etwas nachlässiger wurde, erschien mein persönlicher Coach in Form eines Strassenhundes, der mich mit lautem Bellen und Nebenherrennen den Hügel hinauf trieb. Vielen Dank, diese Motivation habe ich gebraucht 😉

Zuerst die Ankündigung das es nun bergauf geht …

… und schon war der „Motivator“ zur Stelle.

Da schlägt das „Bähnlerherz“ höher. Am Bahnhof von Dalj

Spuren einer dunklen Zeit auf dem Balkan. Hoffen wir das die Menschen lernen den Hass zu überwinden.

Um halb vier erreichten wir unsere schöne Pension „Villa Vanda“ in Vukovar wo wir vom Besitzer freundlich empfangen wurden. Dann das übliche Ritual; duschen, Blog schreiben und später geht’s noch ins Zentrum für einen kleinen Rundgang und Abendessen.
Morgen dann die letzte „lange Etappe“ nach Novi Sad in Serbien. Wir sind schon bald am Ziel der Reise

Tag 9: Fr. 30.06.2017 Etappe 7: Baja – Knezevi Vinogradi

Distanz 82.66 km / Fahrzeit 5 Std. 16 Min. / Durchschnitt 15.7 / Gesamt 634 km
Wetter: ganzer Tag sonnig, Nachmittag einzelne Wolkenfelder, 24 – 32 Grad,ganzer Tag viel Gegenwind

Hallo Kroatien

Die heutige Etappe verlief ziemlich ereignislos. Die Abfahrt war heute etwas später, weil nicht ganz so viele Kilometer geplant waren. Es war schon gegen halb acht als wir in Baja den Weg auf die Eurovelo 6 suchten um Richtung Mohacs zu kommen. Rasch waren wir auf einem geteerten, schmalen Damweg, auf dem ab und zu auch ein Auto vorbei kam. Ansonsten waren wir ungestört und konnten der Symphonie lauschen, die die Vögel links und rechts von uns in den Bäumen inszenierten. Ein ausgebildeter Ornithologe könnte hier wohl tagelang nach den verschiedensten Vogelarten und Stimmen suchen. Wir als Laien begnügten uns an den schönen Stimmen und freuten uns wenn ab und zu wieder mal ein besonders farbiger oder grosser Vogel vor uns auftauchte und oft rasch wieder im Wald verschwand. Bereits zweimal konnten wir einen Fasan beobachten, der sich vor uns aus dem Staub machte, sich im Dickicht versteckte und dann lauthals wegen unserer Störung „reklamierte“. Um Fotos zu schiessen sind diese Vögel aber alle viel zu schnell.

Idylle in Baja am Morgen

Dieser Abschnitt gefiel sogar Barbara’s „Mitfahrer“

Kleine Bauernhöfe neben dem Dam.

Auf dem Dam kamen wir auf tollem Teerbelag, trotz wieder kräftigem Gegenwind, zügig vorwärts, so dass wir die 9.30 Uhr Fähre zum übersetzten nach Mohacs erreichten. In Mohacs investierten wir noch ein paar Forint in Eiscreme und kalte Getränke, die restlicher Forint wechselten wir in Kuna um, den kurz hinter der Stadt lag die Grenze zu Kroatien.

Diese „Duschen“ haben wir in allen grösseren Orten Ungarns in den Fussgängerzonen gesehen. Ein feiner Wassernebel gibt etwas Erfrischung.

Fussgängerzone in Mohacs

Einige Lastwagen warteten auf die Abfertigung und auch etwa 10 Autos standen in einer Reihe. Zum ersten Mal auf dieser Reise mussten wir für einen Grenzübertritt unsere Idenditätskarte vorweisen. Die Zöllner genossen ihr Privileg jeden zu kontrollieren offensichtlich und nahmen sich viel Zeit. Schön das diese Prozedur an den Grenzen heute in weiten Teilen Europas Verganhenheit ist.

Warten am Zoll bis die Papiere kontrolliert sind

Es war besonders glücklich die Grenze auch ohne Pass überquert zu haben.

Nach den doch eher „mürrischen“ Zöllnern begrüssten uns die Leute in den Dörfern umso herzlicher. Gefühlt haben uns in den ersten gut 40 Kilometer auf kroatischen Strassen schon doppelt so viele Menschen fröhlich zugewinkten und gegrüsst als in ganz Ungarn. Spannend zu beobachten wie sich die Art, wie Menschen sich verhalten oft nach Grenzen verändert. Nicht dass die Ungarn unfreundlich gewesen wären, aber es braucht dort wohl etwas mehr Zeit, bis sie auf Fremde zugehen, fast wie in der Schweiz.

Heute gab es mal wieder Sonne satt: Von Oben und von der „Seite“

Kurz vor dem Etappenziel stand dann unsere erster „Bergpreis“ auf dem Programm. Zwar nur ein kleiner Hügel und 150 Höhenmeter, aber mit Gepäck und in dieser Hitze, reichte uns das vollauf. Wir sind froh einen Flussradweg und keine Alpenüberquerung als Tourenverlauf gewählt zu haben.

Vor dem Anstieg: Energietanken im Schatten.

Nach dem Aufstieg: erstes Kroatisches Bier geniessen. (Nur noch 6 km bis ins Ziel, das passt)

Unser Gasthaus für heute Nacht

Bei einem etwas verspäteten Mittagessen nur 6 Kilometer vor dem Ziel füllten wir den Energie- und Wasserspeicher wieder auf und fuhren gemütlich in unsere Pension, wo wir freundlich empfangen wurden. Den Begrüssungsschnapps lehnten wir dankend ab, dazu war es noch zu früh. Wir genossen die frühe Ankunft und ich konnte so relativ stressfrei meine Blogarbeit erledigen.

Tag 8: Do. 29.06.2017 Etappe 6: Dunaföldvar – Baja

Distanz 93.8 km / Fahrzeit 6 Std. 31 Min. / Durchschnitt 14.4 / Gesamt 551.3 km
Wetter: Morgen Gewitter 18 Grad, Nachmittag 28 sonnig, ganzer Tag viel Gegenwind bis 60 km/h

Wetterkapriolen

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von wechselhaftem Wetter. Offenbar sollten wir Langstreckenradler nach der gestrigen Lektion: „Komme mit jeder Wegbeschaffenheit klar“, auch noch das Thema „Wetterkapriolen“ instruiert bekommen.
In der Annahme das auf den Wetterbericht verlas ist und der Regen sich in der Nacht verziehen würde, stellten wir den Wecker wiederum auf 5 Uhr, um gegen 6 Uhr auf der Strasse zu sein.

Wir hätten ja auch noch etwas in unserem „Museumsbett“ schlafen können.

Als der Wecker läutete sah alles noch nach einem guten Plan aus, doch als ich kurz nach 6 Uhr das grosse Tor öffnete, um aus unserer Unterkunft zu fahren entdeckte ich grosse schwarze Wolken am Himmel und kurz darauf begann es bedrohlich zu Donnern. Regen setzte ein und es war klar, jetzt zu starten wäre keine gute Idee. So setzten wir uns im Innenhof auf eine geschützte Bank und warteten ab. Da kam mir den Sinn das sich bei Barbara gestern gegen Ende der Etappe am Vorderrad ja ein schleichender Platfuss gemeldet hatte. Das könnte wir ja gleich mal checken. Bingo, der Luftverlust war über Nacht fortgeschritten. Also Zeit den Schlauch zu wechseln. Lieber jetzt als unterwegs.

Sie machte das einzig Vernünftige; weiter dösen

So verging die Zeit und die Hausbesitzerin leistet uns auch noch Gesellschaft. Immer wieder dachten wir, dass es mit dem Unwetter nun vorbei sei, aber schon im nächsten Moment regnete es wieder wie aus Kübeln. Kurz nach acht Uhr war unserer Geduld am Ende, wir wollten los. Schliesslich waren auch heute 92 Kilometer geplant und der angesagte Gegenwind lies keine leichte Etappe vermuten. Wir zogen die Regenjacke über und starteten.

Bereit für einen Start im Regen.

Düstere Aussichten

Unterschlupf bei Starkregen

Schon kurz nach dem Start, wir hatten gerade die Donau überquert, begann es wieder zu Regnen. Wir suchten Schutz in einem Bushäuschen, bis das Schlimmste vorüber war. Nach 15 Min. ging es weiter. Die dunklen Wolken kreisten um uns und auch das Donnergrollen war mal nah, mal fern zu hören. Als wir auf einem Damweg unterwegs waren und das Donnern wieder näher kam, fühlten wir uns den Elementen ziemlich schutzlos ausgesetzt. Der Wind kam kam in Böen von Vorne und der Regen peitschte uns ins Gesicht.

Damfahrt im Regen

Bevor es auch noch zu Blitzen begann flüchteten wir vom hoch gelegenen Dam in einen kleinen Wald, wo wir das Schlimmste abwarteten. Kurz zuvor hatten wir ein einem kleinen Laden Brot und Käse gekauft und so legten wir hier unseren „Frühstücksstop“ ein.

Zum Glück war das der letzte Regenguss des Tages und nach und nach setzte sich die Sonne durch. Es wurde wärmer, doch der kräftige Gegenwind, der manchmal ganz arg an unseren Rädern rüttelte blieb den ganzen Tag ein ungeliebter aber treuer Begleiter.

Zum Glück hatten wir heute einen eigenen Radweg und mussten die Strasse nicht mit den grossen Lastern teilen.

Impressionen von unterwegs
Die Wege waren heute mehrheitlich sehr gut und die Abschnitte mit unbefestigten Kies- oder Wiesenwegen waren nur wenige Kilometer lang. Zum Glück, denn zusammen mit dem Gegenwind und dem vom Regen aufgeweichten Boden schafften wir auf solchen Abschnitten oft nur 8 -10 km/h.
Immer wieder fuhren wir durch kleine Dörfer in denen es meist auch ein kleines Lebensmittelgeschäft gab, wo wir ab und zu kühle Getränke kauften.
Die letzten 30 Kilometer vor Baja waren auf einem gut asphaltierten Damweg, so dass wir „nur noch“ gegen den Wind kämpfen mussten. Wie so oft auf solchen Abschnitten entlang der Auenwälder konnten wir immer wieder verschiedene Vogelarten beobachten. Heute sahen wir aber zu unserem Erstaunen auch einen weissen Hirsch zusammen mit einer braunen Hirschkuh die friedliche grasten. Leider verschwanden sie aber  im Wald bevor wir die Kameras bereit hatten. Später entdeckten wir zwei „Rehkinder“ die unsere Vorüberfahrt gelassener nahmen und sich sogar noch für einen „Fototermin“ vor die Kamera stellten .

Warteten geduldig bis der Fotograf bereit war.

Kurz vor halb 6 fuhren wir in Baja ein. Die Leute hier genossen den Abend am Ufer eines Nebenarms der Donau. Das wäre eigentlich heute auch unser Plan gewesen und mit einer geplanten Ankunft um 15 Uhr durchaus realistisch, aber die verzögerte Abfahrt am Morgen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Mediterrane Stimmung an der Donau

Promenade in Baja

Im Zentrum von Baja. Imposante, schmuck herausgeputzte Häuser

So blieb es bei einem kurzen Stadtrundgang und gemütlichen Abendessen. Die „Forint“ wollen ja noch ausgegeben werden, denn Morgen brauchen wir Kuna. Am Mittag werden wir die Grenze nach nach Kroatien überqueren.

Tag 7: Mi. 28.06.2017 Etappe 5: Budapest – Dunaföldvar

Distanz 102.3 km / Fahrzeit 7 Std. 02 Min. / Durchschnitt 14.5 / Gesamt 457.5 km
Wetter: heiss 21 – 33 Grad, ganzer Tag Sonne pur, sehr heiss, (Velocomputer zeigt 41 Grad)

A long way home

Heute war der perfekte Tag um die mentale Stärke eines Tourenradlers zu verbessern. Es waren alle Zutaten gegeben um uns auf die Probe zu stellen und am Schluss des Tages trotz aller Wiedrigkeiten zufrieden am Ziel anzukommen.
Begonnen haben wir auch diesen Tag wieder mit dem Wecker um 05.00 Uhr. Ihr wisst ja, je später der Tag umso heisser das Radeln. Der Weg aus Budapest ging soweit erstaunlich gut, da wir rasch auf einem Radweg waren der uns der Donau entlang Richtung Osten führte. Wir genossen noch einmal einen Blick auf diese wunderschöne Stadt im Morgenlicht.

Auf Wiedersehen Budapest.

Der Verkehr wurde mit jeder Viertelstunde intensiver und an einem Busumsteigepunkt waren wir plötzlich inmitten der Pendlerströme „gefangen“. Irgendwie fanden wir, Navi sei Dank, doch den Radweg und schon bald gab uns die Tafel „Eurovelo 6“ Gewissheit, auf der Richtungen Route zu sein. Dies war umso beruhigender, da der Weg sich langsam zu verabschieden schien. Er wurde immer schmaler und links und rechts wuchsen zum Teil hohe Brennesselstauden. Da macht man sich als Liegeradler aber richtig dünn, denn die Sträucher sind auf einer sehr unangenehmen Höhe.
Sowieso war die Wegbeschaffenheit heute ein Dauerthema. Sehr oft fuhren wir auf sandigen, ausgewaschenen Wegen. Dann wiederum auf Wiesen, die das Vorwärtskommen auch nicht begünstigten und wenn der Weg mal befestigt war gab es riesige Schlaglöcher denen wir ausweichen mussten. In diesem Sinne war heute den ganzen Tag konzentriertes Fahren angesagt. Dazu die Sonne, die immer stärker vom Himmel brannte und uns wurde bald klar, dass diese Etappe anstrengend werden würde. Wir trafen auch kaum noch auf Fernradler. Wer es auf einfache Etappen und Gepäcktransport zum nächsten Hotel abgesehen hat, fährt spätestens ab Budapest nicht mehr weiter östlich. Die Durchschnittsgeschwindigkeit war bei dieser Wegbeschaffenheit auch nicht wie gewünscht und wir wussten das uns heute ein 100er bevorstand. Nur nicht nervös machen lassen!

Weg Impressionen:
So unterschiedlich kan radeln sein. Mit einem voll beladenen „Lieger“ ganz schön anspruchsvoll.

Wir machten immer wieder kurze Pausen um Flüssigkeit in uns hinein zu schütten, ab und zu was kleines zu essen, die Sonnencreme wieder frisch aufzutragen oder die Kleider zu benetzen um uns abzukühlen. Die Gegend entlang der Donau war nach wie vor reizvoll und oft standen schöne Sommerhäuser am Ufer während die kleinen Dörfer zunehmend einfacher wirkten.

Idyllen an der Donau

Ab Mittag nahm auch der Wind immer mehr zu und blies uns direkt in’s Gesicht. Auch dieser Umstand war einem zügigen Vorwärtskommen nicht gerade förderlich.

Was die einen freut …

… macht den andern zu schaffen. Zuviel Gegenwind!

Gegen zwei Uhr waren wir gezwungen gut 10 Kilometer auf einer stark befahrenen Strasse mit viel Lastwagenverkehr zu fahren. Da wurde es manchmal ganz schön eng und wir hatten ehrlich gesagt nicht wirklich Spass auf diesem Abschnitt. Zum Glück verlief alles gut und wir konnten wieder auf einen Wiesenweg ausweichen. Wenn auch anstrengend, so war es jedenfalls sicher.
Müde kamen wir gegen halb fünf Uhr in unserer Unterkunft an.
Die Pension ist in einem alten Bauernhaus aus 1880 untergebracht, welches die Besitzer liebevoll restauriert und mit historischen Gegenständen ausgestattet haben um hier nun eine kleine Pension zu betreiben. Das Haus kann aber auch von Passanten besichtigt werden und die Besitzer führen Interessenten gerne durchs Haus. Wir schlafen also heute in einem Museumszimmer!

Nach einem Rundgang im Haus gingen wir noch ins lokale Schwimmbad um die müden Muskeln etwas zu entspannen, so dass wir morgen bereit sind für die nächste Etappe nach Baja.

Tag 5: Mo. 26.06.2017 Etappe 4: Esztergom – Budapest

Distanz 88.89 km / Fahrzeit 5 Std. 50 Min. / Durchschnitt 14.8 / Gesamt 355.2 km
Wetter: heiss 23 – 31 Grad, bis Mittag bedeckt, ab 14.00 Uhr Sonne, heiss

Stop and Go!

Heute sind wir wieder vor halb sieben Uhr losgefahren um der Hitze soweit möglich zu entkommen. Da es in der Nacht geregnet hat war es auf dem Rad fast schon etwas kühl. Der Weg führte uns direkt an der Donau entlang durch einen Park unterhalb der grossen Basilika.

Morgenstadtrundfahrt

Basilika in Esztergom

Später mussten wir einige Kilometer auf einer Überlandstrasse ohne Seitenstreiffen fahren, da auf diesem Abschnitt ein Radweg fehlt. Wir waren froh früh unterwegs zu sein, den es hatte noch wenig Verkehr. Von der Überlandstrasse ging es dann links 300 Meter zur Donau hinunter, wo wir mit der Fähre auf die andere Seite Nach Szobo übersetzen mussten. Die Fähre verkehrt zwischen 06.50 – 17.50 Uhr jede Stunde um die Minute xx.50. Von der anderen Seite in Szobo jeweils um die Minute xx.40.
Wir mussten gut 30 Minuten an der Fähranlegestelle warten. Leider war das Restaurant noch geschlossen und so warteten wir draussen und begannen schon fast etwas zu frieren. Ich zog mir zum ersten Mal auf der Tour ein langärmliges Shirt und den Windstopper an.
Die Fähre bestand aus einer Plattform ohne eigenem Motor, die von einem Schiff, das an der Seite vertäut war, jeweils über die Donau geschoben wurde. Dabei musste das Schubschiff jedesmal um 180 Grad gedreht werden. Die Manöverierbarkeit des Gespanns war offensichtlich auch etwas eingeschränkt, wie das „rustikale“ Anlegemanöver zeigte. Mit viel Schwung Richtung Bettonrampe und dann die Fährplattform da „auflaufen“ lassen. Aber der Kapitän und sein Matrose hatten die spezielle Konstruktion gut im Griff und brachten uns, als einzige Fahrgäste, sicher ans ander Ufer.

Fähre nach Szob

Dort ging es auf einem guten Radweg wieder direkt der Donau entlang durch das Visegradergebirge, in dem die Donau sich ihren Weg mit einigen Schlaufen gesucht hat. Wir begegneten einem englischen Paar mit einem „Dreiradlieger-Tandem“ welche auf dem Weg vom schwarzen Meer an den Atlantik sind.

Treffen der Liegeradler

Sie wollen die gesamte Strecke der Eurovelo 6 radeln. Ihre Planung sieht vor, zwei Nächte wild zu Campen und in der dritten jeweils einen Campingplatz aufzusuchen um Kosten zu sparen. Ja da hat ihnen die Abwertung des britischen Pfund wohl auch nicht gerade geholfen. Wir plauderten gut 15 Minuten und tauschten einige Infos zur Strecke aus. Mit ihrem Gespann wird es sicher an den einen oder anderen Stellen eng werden, aber die Beiden haben ja schon genug Erfahrung. Wir wünschten gute Weiterreise und ich habe einen neue Blogadresse um Reiseberichte nachzulesen.
@ Christine und Steve: Vielleicht trefft ihr die Beiden ja in ein paar Wochen auf eurem Abschnitte Eurovelo 6, sagt liebe Grüsse.

In Nagymaros legten wir einen „Frühstücksstop“ ein. Mit Blick auf die Burg, hoch über dem gegenüberliegenden Visegrad, gönnte sich Barbara einen echt ungarischen Langos. Das ist ein schwimmend gebackenes Fladenbrot welches je nach Geschmack belegt wird. Wer den ganzen Tag radelt darf hier zugreifen, sonst wohl eher „Finger weg“.

„Gesundes Früchstück“

Gestärkt gings weiter auf guten Radwegen bis Vac. Dort mussten wir wieder 40 Minuten auf die Fähre warten um übersetzen, da diese unter der Woche nur jede volle Stunde fährt. Wir haben die Zeit genutzt um uns den Hauptplatz etwas anzusehen.

Im Zentrum von Vac. Es „blöckelt“ an so mancher Fasade.

Auch wenn es nach Vodkaflasche aussieht. Pures Wasser

Fähre in Vac

Nach der Überfahrt durchquerten wir eine kleine Insel, welche vom Hauptfluss und dem Nebenarm der Szentendre-Donau umschlossen wird. An diesem Nebenfluss gings dann weiter Richtung Süden. Unser Hauptreiserichtung die ab Wien ja immer Richtung Osten war, hat seit dem Donauknie in Vac auf Richtung Süden gewechselt. Bald tauchte auf der rechten Seite ein grosser Parkplatz mit vielen Reisebussen auf, hier musste wohl eine Sehenswürdigkeit liegen. Gleich darauf fuhren wir der schön herausgeputzten Promenade des Städtchens Szentendre entlang. Da in der Zwischenzeit die Wolken der Sonne Platz gemacht hatte und es immer heisser wurde war rasch klar, so ein tolles Gartenrestaurant unter schattenspendenden Bäumen muss einfach besucht werden. Ein kühles „Radler“ löschte den Durst und wir nahmen uns noch die Zeit für einen kleinen Rundgang im Dorf. Sehr hübsch, aber vor lauter Touristen, viele Asiaten und Franzosen, war es uns dann doch etwas „zu viel“.

Die Pferdchen passen prima zu den schönen Häusern in Szentendre.

Farbenfrohe Strassendekoration

Weiter gings immer dem Wasser entlang Richtung Budapest und wie im Reiseführer versprochen, waren manche Streckenabschnitte auf sandigen Feldwegen nur mühsam befahrbar. Zum Glück kein Regen auf solchen Strecken, sonst müsste man wohl auf die Hauptstrasse ausweichen. Je näher wir Budapest kamen, desto mehr Leute waren am Wasser. Viele Rudersportvereine wo Jugendliche das Paddeln übten und immer wieder tolle kleine Gaststätten im Wald mit Sitzmöglichkeiten auf der Kiesbank, wo die Leute den Nachmittag genossen. Auch wie legten nochmals einen Stop ein um uns für die Einfahrt ins Zentrum zu stärken.

Schöne Ausblicke vom Radweg.

Chillen in Budapest

Das war auch bitter nötig. In der Zwischenzeit hatten wir durch das gemütlich fahren und die vielen Pausen doch mehr Zeit verbraucht als gedacht und es war schon halb fünf als wir in den Verkehr der Hauptstadt eintauchten. Hier galt unsere volle Aufmerksamkeit der Beschilderung den heute waren wir etwas Abseites der von mir programmiert Route unterwegs, so das ich das Navi nicht nutzen konnte. Es kam wie es kommen musste. Wir hörten auf einen gut gemeinten Ratschlag eines Einheimischen und haben uns verfahren. Also zurück zum letzten sicheren Punkt, nochmals den Reiseführer kontaktieren und einen zweiten Versuch. Jetzt klappte es und wir gelangten auf verschlungenen, aber guten Radwegen in die Stadt. Auf der Elisabethbrücke überquerten wir die Donau und waren nun vollends im abendlichen Verkehr. Tram, Autos, Motorräder und jede Menge Fussgänger und Velofahrer.

Bald geschafft

Irgendwie fanden wir den Rythmus und reihten und in diesen Verkehrssalat ein. Um halb sechs hatten wir es geschafft. Wir standen vor unserer Unterkunft und konnten uns bei einer erfrischenden Dusche vom Tag erholen.

Idyllischer Innenhof in unserer Unterkunft mitten in der Stadt

Nun steht ein Ruhetag in Budapest an und die (Blog-) Reise geht am Mittwoch weiter.

 

 

Tag 4: So. 25.06.2017 Etappe 3: Györ – Esztergom

Distanz 99.51 km / Fahrzeit 5 Std. 57 Min. / Durchschnitt 16.7 / Gesamt 264.3 km
Wetter: heiss 26 – 33 Grad, Vormittag bedeckt, Nachmittag schwül, kaum Wind

Grenzland!

Heute Morgen haben wir unseren Vorsatz in die Tat umgesetzt, und sind bereits um 06.10 Uhr losgefahren. Den Wecker mussten wir auf 5 Uhr stellen, denn es gibt am Morgen doch immer einige zu erledigen bis wir fahrbereit sind. Morgentoilette, alle Kleingkeiten verpacken die doch noch rumliegen, elektronische Geräte vom Strom abkoppeln, Netzkabel verstauen, Sonnencreme auftragen, letzter Check im Tourenführer, etc. So ist eine Stunde jeweils doch schneller um als man denkt. Wir waren ziemlich stolz als wir schon um 06.10 Uhr das vertraute Schnurren unserer Ketten hörten, als wir den Weg aus dem noch sonntäglich verschlafenen Györ unter die Räder nahmen. Ich hatte mich für den ersten Teil der Etappe bei der Routenwahl nicht an die Vorschläge unseres Tourenführers (Esterbauer, Donauradweg 3) gehalten, da mir da zu viele Abschnitte auf unbefestigten Wegen vorkamen und oft der Hinweis „nach starken Regenfällen nicht gut befahrbar“. Im Klartext heisst das wohl, eher für Mountenbikes als Tourenlieger. Die Route welche ich mit der Website „www.gpsies.com“ bis Komarom recherchiert und ins Navie geladen hatte erwies sich als Volltreffer. Nicht nur das die Ausfahrt aus Györ an einen Sonntagmorgen ohne Verkehrsbelastung klappte, sondern auch weil die Route auf den ersten 20 km durchgehend auf tollen Radwegen verlief. Nichts von tiefen Feldwegen und Schotterpisten, zumindest bis Nagyszentjanos.

Radwege wie aus dem „Wunschkatalog“

Dort trafen wir dann auf die „Esterbauer-Route“ und schon bald bekamen wir zu spüren, was auf diesen Karten „unbefestigter Weg“ bedeuten kann. Zum Glück waren die Wege trocken. Nach einem Regen wäre das wohl kaum fahrbar gewesen.

Hier ist mir sogar ein „Bähnlerfoto“ mit Liegeradlerin gelungen.

Landschaftlich war es wunderschön. Goldene Getreidefelder, dazwischen knallrote Mohn- oder blaue Kornblumen. Dazwischen dunkelgrüne Hecken und Bäume. Bei diesem Anblick kam auch uns „Kunstbanausen“ van Gogh in den Sinn.

Stielleben

Zum Glück ging es bei den Abschnitten schwierigen Feldwegpassagen und den meisten Löchern für uns „bergab“, so dass es fahrbar blieb. In der Gegenrichtung hätte wir wohl schieben müssen.
Auch heute waren wir wieder ohne Frühstück gestartet, was sich als problemlos erwies. Gut 40 Kilometer hatten wir schon hinter uns, bevor wir in Komarno einen Rast einlegten. Ach ja, Komarno liegt wieder in der Slowakei und so haben wir heute Morgen wieder mal von der ungarischen auf die slowenische Seite der Donau gewechselt. EU sei Dank ist das heute einfach. Es reicht eine Tafel an einer Brücke und im dümmsten Fall ein Wechseln des Geldbeutels; den in Ungarn bezahlt man noch in Forint.

Zurück nach Slovenien

Um 10 Uhr bestellten wir zum „Frühstück“ Gemüsepenne mit Parmesan. Hat lecker geschmeckt und als der Kellner erfuhr das wir aus der Schweiz sind wollte von uns wissen, was den mit dem FC Zürich passiert sei, da er letzte Saison in die 2. Liege abgestiegen sei. Das sei doch eine „Schande“. Ich als „profunder Fussbalkenner“ erklärte ihm, das sei für den FC Winterthur ganz gut gewesen, so hätten die Zürcher mal unser Stadion gefüllt.

Hier gab’s „Pastafrühstück“ für einen langen Radlertag

Gasse in Komarno

Danach ging es wieder auf dem Donaudam weiter Richtung Westen. Langsam verzogen sich die morgendlichen Wolken und man konnte die Sonnenstrahlen gut auf der Haut spüren. Der Velocomputer zeigte 39 Grad an und so fühlte es sich auch, wenn auch die Lufttemperatur bei +/- 33 Grad lag an. Ein Teil des Wassers in unseren Flaschen wurde nun nicht mehr zum trinken, sondern zum benetzen der Kleider verwendet. Unterwegs holten wir ein Vater / Tochter Team aus Süddeutschland ein, die mit ihren Rädern von Passau aus an die kroatische Grenze unterwegs waren. Wir plauderten, nebeneinander her fahrend eine Weile nebeneinander und als wir im Schatten einen Rast einlegen wollten verabschiedeten wir uns von ihnen.

Plauderstündchen unter Fernradlern

Willkommener Schattenspender

Pusteblume

Der letzte Abschnitt bis kurz vor Esztergom fuhren wir auf ruhigen Nebenstrassen. Dass es Sonntag war machte die Sache für uns sicher angenehmer. Kurz vor dem Ziel überquerten wir dann wieder die Donau und wechselten auf die ungarische Seite, wo wir in einer schönen Pension die Nacht verbringen werden. Kaum angekommen beginnt es zu regnen. Das mit dem Timing scheinen wir im Griff zu haben. Hoffentlich bleibt das so.

Basilika von Esztergom

Morgen geht’s dann gut 80 km bis Budapest, wo wir einen Ruhetag einlegen werden

Tag 3: Sa. 24.06.2017 Etappe 2 Bratislava – Györ

Distanz 87.36 km / Fahrzeit 4 Std. 55 Min. / Durchschnitt 17.7 / Gesamt 164.8 km
Wetter: heiss 28 – 33 Grad, Nachmittag leichter Westwind

Die heutige Etappe kurz und bündig: Eine heisse Damfahrt!

Der Start heute Morgen verlief problemlos. Kurz noch bei einem Geschäft frische Sandwiches und kühle Getränke eingekauft und schon waren wir unterwegs. Auf dem Weg aus der Stadt mussten wir nochmals eine grosse stark befahrene Brücke überqueren, die zum Glück auf der unteren Ebene einen separaten Fussgänger- Fahrradweg hatte.

Ausfahrt aus Bratislava

Gleich nach der Brücke links auf den Radweg und dann immer der Donau entlang. Am Anfang teilten wir den Weg noch mit vielen Freizeitsportlern die ebenfalls die noch kühlen Morgenstunden genossen und mit Fahrrädern oder Rollerblades unterwegs waren. Auf einigen Kilometern war die Strecke so breit wie eine doppelspurige Strasse mit Leitplanken und Mittellinie. Nur für den Langsamverkehr! Es war fast ein Gefühl wie wenn in der Schweiz die Strassen für die Veranstaltung „Slow Up“ gesperrt werden. Nur hatte es hier nicht so viele Menschen unterwegs. Nebenan verlief eine neue, viel befahrene Schnellstrasse. Vermutlich eine „Geschenk“ der EU und so wurde „unser“ Radweg überflüssig und den Velos überlassen. Uns solls recht sein. Nach gut 20km überquerten wir bei Cunovo ein riesiges Stauwerk. Es ist Teil eines dreistufigen Stauwerks das die Donau hier zurückstaut und in einen separaten Kanal umleitet. Mit diesem Megaprojekt aus den 70er Jahren wurde ein Projekt umgesetzt, dass noch zu Zeiten Stalins entwickelt wurde. Grosse Gebiete der Donauauen wurden dadurch zerstört und es entstand ein grosser See und 17 km langer Kanal, der aber monoton zwischen dem künstlich angelegten, 18 Meter hohen Dam fliest.
Beim Stauwerk in Cunovo wurde der Höhenunterschied des Wassers auch noch für die Freizeitsportler genutzt und eine Wildwasseranlage gebaut. Heute schien gerade ein internationaler Wettbewerb statt zu finden. Wir nutzen das „Unterhaltungsangebot“ für eine kurze Pause.

Kleines Schiff auf grosser Fahrt Richtung schwarzes Meer

Wildwasser an der Staustufe

Endlose Damfahrt

Weiter ging es immer auf dem Dam entlang. Kein Schatten weit und breit und die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel. Oft verschwamm die Strasse am Horizont in der heissen Luft und es kam fast ein bisschen USA Feeling bei mir auf. Heiss, flimmernderes Strassenbelag und immer geradeaus!
In Medvedov hatten wir gut 50 Kilometer „Damfahrt“ an der prallen Sonne hinter uns. Zeit für einen Mittagsrast und ideal um mit kühlen Getränken die Körpertemperatur am Schatten zu regulieren. Danach überquerten wir die Donau und kamen im dritten Land auf dieser Reise an: Ungarn.

Da war wohl mal wer in Kanada. Perfekter Platz für einen Mittagsrast.

 

… und feines Essen hatten sie da auch.

Hier ging es ein Stück auf einer stark befahrenen Strasse entlang bevor wir auf Nebenstrassen ausweichen konnten. Über verschlungene Pfade, Navi sei dank, erreichten wir die Stadt Györ und fanden die reservierte Unterkunft. Eine kühle Dusche war jetzt genau das richtige, etwas ausruhen und dann ging es noch zu Fuss in die Altstadt.
Wir waren wirklich überrascht. Viele schöne Baroke Häuser und viel Leben auf den Gassen. Dass auch noch ein Festival für Streetfood abgehalten wurde lockte natürlich noch mehr Leute auf die Strasse. Die warmen Temperaturen taten ein Übriges und so war alles angerichtet, den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.
Aber nicht zu lange, den Morgen wollen wir noch früher los, die Hitze zwingt uns zur Anpassung der Abfahrtszeiten. Morgen knapp 90 km bis Esztergom.

Nach Österreich und der Slovakei schon unser drittes Land auf der Tour.

Auf Feldwegen dem Verkehr entfliehen.

Hier noch ein paar Impressionen aus Györ.

 

 

 

 

Tag 2: Fr. 23.06.2017 Etappe 1 Wien – Bratislava

Distanz 77.4 km / Fahrzeit 4 Std. 56 Min. / Durchschnitt 15.7 / Gesamt 77.4 km
Wetter: schwül 28 -36 Grad, Vormittags Gewitter mit kurzen Regenschauern, Nachmittag Westwind

Heute haben wir also unsere kurze Sommertour 2017 um 07.30 Uhr offiziell vor dem Hauptbahnhof Wien gestartet. Die Nacht war kurz, da wir gestern ja erst um 23.30 Uhr und damit exakt vier Stunden verspätet im Hauptbahnhof Wien eingetroffen sind. Zum Glück war unser Hotel gleich über die Strasse, trotzdem wurde es 01.00 Uhr, bis wir das Licht löschen konnten. Schon fünf Stunden später erinnerte uns der Wecker daran, dass wir ja wegen der Hitze früh losfahren wollten. So starteten wir noch etwas müde aber zuversichtlich und wurden bei der Ausfahrt aus Wien schon mal positiv überrascht. Die im Navi programmierte Route erwies sich als Volltreffer! Alles Radwege oder sehr ruhige Quartierstrassen, so dass wir ohne Stress plötzlich auf ruhigen Wegen an der Donau entlang unterwegs waren und die Grosstadt rasch hinter uns liesen.

 

Ausfahrt aus Wien

Fahrradrampen zur Donaubrücke

Flussidylle mitten unter der Autobahn

Ab und zu begegneten uns Freizeitradler auf dem Dam, aber meist waren wir alleine unterwegs, konnten gemütlich nebeneinander fahren und plaudern. Nur die dunklen Wolken in unserem Rücken und das bedrohlich Donnergrollen motivierten uns ab und zu wieder etwas konzentrierter in die Pedalen zu treten. Wir hofften so dem nahenden Gewitter zu entkommen. Es nützte alles nichts. Auf offenem Dam war es dann soweit. Gross Tropfen prasselten auf uns nieder und das Donnergrollen wurde immer lauter. Zum Glück sahen wir keine Blitze aber man weiss ja nie. Genau in diesem Moment tauchte ein kleines Häuschen etwas erhöht neben dem Dam auf. Also nochmals kräftig in die Pedalen treten und schon waren wir da und konnten unter dem kleinen Vordach etwas Schutz suchen. Es war sowieso Zeit etwas zu Essen und zu Trinken, so dass wir auch das gleich erledigen konnten. Nach gut 15 Minuten hörte der Regen auf und wir machten uns auf die Weiterfahrt. Wir durchquerten den „Nationalpark Donau Auen“ und wurden von vielen schönen Vogelstimmen begleitet. Gegen 10 Uhr erreichten wir das Dorf „Orth an der Donau“. In einem Gasthaus genossen wir guten Kaffe, feines Gebäck und ein frisches Eis. Wer den ganzen Tag radelt darf sich halt so was gönnen.

Sogar mit Toilette ist der Radweg hier bei Wien ausgestattet.

Storchennest mit Jungen in Orth a.d.D

 

Nach dem Regen

Es ging weiter immer auf dem Dam durch die Donauauen, meist auf gutem Teer- oder feinem Schotterbelag. Links und rechts immer wieder schöne Ausblicke in stille Wasserarme, die vom Hauptstrom abgeschnitten sind und nur bei Hochwasser überflutet werden. Fischreiher, Schwäne, und viele andere Vögel fliegen herum und beglücken uns mit einem schönen Naturkonzert. Kurz vor Hainburg veranschaulichten Tafeln auf einer Brücke die Bedeutung der Auenlandschafft für die Tiere und erzählten die Geschichte des Wiederstands, als 1971 der ganze Auenwald für ein Flusskraftwerk überflutet werden sollte. Umweltaktivisten liesen sich von der Kälte nicht abhalten und schlugen im Dezember 1971 in den Wäldern eine Campinglager auf um die Rodung zu verhindern. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und auch die Gewerkschaften drohten die „Besetzer“ mit Gewalt aus den Wäldern zu vertreiben, da sie um Arbeitsplätze beim Kraftwerksbau fürchteten. Der Widerstand gegen die Zerstörung dieser einzigartigen Landschaft wuchs aber so schnell an, das die Baubewilligung temporär aufgehoben wurde. Jahre später entschied ein Gericht das die Bewilligung zum Bau wiedererechtlich erteilt wurde und so war das Projekt gestorben. Die Natur dankt es indem sie hier, nahe einer Milionenstadt, ihre ganze Vielfalt zeigt.

Auenlandschafft bei Hainburg

In Hainburg entdeckten wir direkt an der Donau ein Gartenretsaurant das laut zu rufen schien: „Kommt herein ihr müden Radler. Hier gibt es zu Essen und zu Trinken.“ Da gab es nichts zu überlegen, denn es war nicht mehr weit bis Bratislava, wir waren schon etwas Müde und eine Erfrischung konnte bei den schwülen Temperaturen nicht schaden.

Strasse in Hainburg

Daran sollte man sich halten.

Der perfekte Mittagsrastplatz

Nach der Stärkung dann die letzen Kilometer nach Bratislava. Nur ein verlotterter Grenzposten zeugte davon, dass wir hier die Grenze zur Slovakei überquerten. Eine Grenze die vor nicht allzulanger Zeit noch eine grosse Hürde darstellte scheint heute kaum mehr zu existieren.

Wer hätte gedacht,das die alten Panzerpisten an den Grenzanlagen mal für etwas gut sein können. Heute perfekte Radwege!

Von Weitem macht Bratislava keinen besonders hübschen Eindruck aber nachdem wir den Weg in die Altstadt gefunden hatten, sah es ganz anders aus. Viele alte, zum Teil sehr schön restaurierte Häuser, kleine Gassen, schmucke Läden und viele Bar’s und Restaurants. Der Weg zu Hotel ist nochmals etwas kompliziert, da uns immer wieder Treppen den Weg versperren und auf der stark befahrenen Hauptstrasse wollen wir nicht fahren. Irgendwie finden wir den Weg und sind froh, die verschwitzten Radlerklamotten ausziehen zu können und eine erfrischende Dusche zu geniessen.
Anschliessend noch ein Besuch in der schönen Altstadt. Die vielen Strassenrestaurants sind gut besetzt und da und dort wird Musik gespielt. Auch ein kleiner Markt ist aufgebaut und die Leute geniessen den warmen Sommerabend im Freien. So kommt richtige Ferienstimmung auf. Jetzt aber ins Bett, morgen geht’s weiter nach Györ, hoffentlich ist es weniger feucht.

Altstadt Bratislava

Musik …

… und leckere Sachen auf dem Markt.

Er betrachtet das ganze Treiben mit stoischer Ruhe

Tag 1: 22.06.2017 Anreise mit Zug von Winterthur nach Wien

Wort zum Tag: „Die Weiterfahrt unseres Zuges verzögert sich um .. Minuten.“

Auch heute mussten wir wieder einmal die Erfahrung machen, das eine Zugreise, ob mit oder ohne Fahrrad, manchmal ganz schön anstrengend sein kann.

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Da waren wir noch im Fahrplan.

Aber der Reihe nach. Schon vor ein paar Wochen wollte ich für uns und die Räder einen Platz im direkten Zug von Zürich nach Wien (Ralijet) reservieren. So müssten wir nur mit der S12 von Winterthur nach Zürich fahren und dort in den Zug nach Wien einsteigen. Der „Traum“ zerplatzte schon am Schalter. Mit dem Nachtzug dürfen die Fahrräder auch im Transbag verpackt nicht mitgenommen werden. Die direkten Züge mit Fahrradmitnahme verkehren an unserem Reisedatum nicht, da zwischen Buchs und Feldkirchen die Bahnstrecke umgebaut wird. Im Bahnersatzbus sind Fahrräder nicht erlaubt. Bingo!
Der Vorschlag der SBB Mitarbeiterin am Schalter war auch nicht so toll. Wir sollten nach München, dort um 17.30h ( = Pendlerstosszeit) in den Regioexpress nach Salzburg umsteigen und dort würden wir den Zug nach Wien erreichen. 12 Minuten Umsteigezeit in Salzburg! Hallo, dass tönte definitiv nach einer stressigen Fahrt mit hohem Potential die Anschlüsse zu verpassen. So recherchierte ich zu Hause und entschied mich mit dem „Münchner“ bis Bregenz zu fahren, dort mit dem Regioexpress nach Feldkirch und dann in den direkten Zug nach Wien. So hatten wir genügend Zeit zu Umsteigen. Der Bahnhof in Feldkirch ist leider nicht mit Rolltreppen ausgestattet und pro Perron steht nur ein Lift zur Verfügung. Da alle internationalen Züge Österreich – Schweiz in Feldkirch wegen der Baustelle enden, waren viele Reisende mit Koffern unterwegs und alle wollten den Lift benutzen, so das es davor zu Schlangen kam. In diese Gedränge hat sich Barbara dann die Kunststoffhalterung der Frontlampe kaputt gemacht. Wir hatten zum Glück etwas Zeit und konnten uns in der nahem Post einen Sekundenkleber kaufen um die Bruchstelle leimen. Hätte nicht gedacht dass ich diese mit allerlei Krimskrams überfüllten Wartbereiche vor den Postschaltern noch mal für nützlich halte. Mal sehen wie lange diese Reparatur hält.

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„Bodenbeleuchtung“ Nicht was wir wollen.

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Ob das hält?

Beim Einsteigen in den Railjet dann der nächste Ärger. Der Zugang zu den Velohaken ist nur durch eine schmale Türe zu erreichen. Also keine grosszügige Einstiegsplattform. Mit Mühe konnten wir die „Lieger“, die ja nicht länger als mein Strassenvelo sind, um die viel zu enge Ecke in das Abteil wuchten und an die Hacken hängen. Wer sich so etwas ausdenkt, war noch nie mit einem Rad unterwegs.

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Geschafft, die Velos hängen am Haken.

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Nun gut, irgendwie hat es geklappt und der Zug fährt pünktlich um 13.17 in Feldkirch los. Die Wagen sind prima klimatisiert, so dass wir uns nach dem Einstiegsstress abkühlen und die Reise geniessen können. Die Ruhe dauert nur kurz. Nach gut 20 Minuten Fahrt kurz vor „Langen am Arlberg“ geht ein Ruck durch den Zug, die Klimaanlage schaltete sich ab und der Zug rollte aus. Wir bleiben stehen und nach einigen Minuten erfolgte die Durchsage das es in wenigen Minuten weiter gehen würde. Ihr wisst ja was jetzt kommt! Zehn Minuten später die nächste Durchsage: „Die Weiterfahrt unseres Zugs verzögert sich um unbestimmte Zeit. Grund dafür ist eine technische Störung an der Lok.“ Bingo! Ich stelle mir schon mal vor wie wir den Zug verlassen und in einen Ersatzzug umsteigen und den ganzen Veloumsteigestress nochmals durchmachen müssen. Um mich etwas abzulenken nehme ich das I-Pad hervor und beginne schon mal an diesem Blogeintrag zu schreiben. Was erledigt ist erledigt. Nun kommt gerade die Durchsage, das eine Ersatzlok angefordert werden muss. Mal sehen wie schnell die Österreicher das schaffen. Zeit 13.45 Uhr.

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Wenigstens genug Zeit die Aussicht zu geniessen.

Zum Glück läuft die Klimaanlage wieder 🙂 Warten ….. 15.20 Uhr, die Ersatzlok ist angekommen, oder besser gesagt der Zug welcher eine Stunde nach uns losgefahren ist und nun hinter uns steckengeblieben ist hat bei uns „angedockt“. So fahren die beiden Züge gemeinsam weiter. Wenn an den Halteorten die Perrons für den nun doppelt so langen Zug zu kurz sind, wird halt in „Etappen“ ausgestiegen. Zuerst die vordere Hälfte, den Zug Vorziehen und dann die hintere Hälfte. Ziemlich kreativ. Wir passen nicht mehr ins Fahrplangefüge der ÖBB und werden immer wieder von rechtzeitigen Zügen die uns überholen ausgebremst. So steigt die Verspätung kontinuierlich weiter an. Wenigstens funktioniert das gratis Internet über ÖBB-WLAN sehr gut und ich kann schon mal die Fotos für den Blog hochladen und den Text fertig Vorbereiten.

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Speise und Getränk hatte es auch an Bord. Nur unsere Tischnachbarn waren bei der Schnellbremsung nicht reaktionsschnell genug = Bier über dem Tisch, den Würstchen, der Semmel und am Boden, was für eine Verschwendung. Wir blieben trocken 😉

Entgegen meiner Hoffnung nimmt die Verspätung jedoch nicht ab. Vor St. Pölten bleiben wir immer wieder auf offener Strecke stehen. Wir haben mittlerweile über 3 1/2 Std. Verspätung und langsam wird das Sizten mühsam. Zum Glück hat es im Zug nicht mehr so viele Leute und so gehen wir im Zug immer mal wieder „spazieren“. Es ist 22.30 Uhr und wir stehen immer noch. Übrigens haben wir den Schaffner schon seit 2 Std. nicht mehr gesehen. Nur am Lautsprecher ist er so alle 40 Minuten mal mit einer Entschuldigung zu hören. Er scheint sich auch nicht mehr wohl zu fühlen.

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Alle Sudoku und Kreuzworträtsel sind gelöst.

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Wenn man die Abfahrtszeiten des bei uns angedockten Zuges der eine Stunde später verkehrt anzeigt, sieht das nur halb so „schlimm“ aus.

Auch ich habe langsam keinen Bock mehr auf’s Zugfahren. Hoffen wir, dass wir noch vor Mitternacht im Hotel ankommen und die Reception besetzt ist.
Wir fahren wieder und werden wenn nun alles gut geht mit 4 Stunden Verspätung in Wien eintreffen. ÖBB, das war keine Meisterleistung.
Ich lade jetzt den Blog aus dem Zug hoch und wünsche euch eine gute Nacht

Letzte Vorbereitung

Bald geht’s los und wir dürfen zu einer weiteren Liegeradreise starten.
Am 22.06.17 fahren wir mit dem Zug nach Wien, wo wir am folgenden Tag unsere Reise der Donau entlang Richtung Belgrad starten werden.
Wir sind gespannt auf neue Reiseeindrücke entlang der Donau und freuen uns auf Begegnungen links und rechts der Eurovelo 6.
Jetzt heisst es noch die letzten Sachen packen, die Fahrräder vorbereiten und letzte Reisevorbereitungen treffen. Dazu gehört nach bald einem Jahr Pause natürlich auch ein Testblog zu erstellen um sicher zu gehen, dass ich euch von Unterwegs berichten kann.
Also bis bald.

Die beiden freuen sich auch schon auf die Reise.

 

Mi. 05. – Fr.07.10.2016: Heimreise mit Zug via Graz

Für die Heimreise haben wir uns eine Verbindung ausgesucht die mit möglichst wenig Umsteigen verbunden ist. Dazu Züge in denen der Fahrradtransport erlaubt ist und mit Graz haben wir eine uns bis jetzt noch unbekannte Stadt eingebaut, in der wir einen Tag Aufenthalt genossen.

Die Reise startetet in Cres mit der Katamaranfähre nach Rieka. Wir haben vor einigen Tagen vor Ort abgeklärt, ob die Mitnahme unserer Velos möglich sei. Kein Problem hat uns der Matrose versichert. Wir müssten einfach beim Einsteigen pro Velo 50 Kuna (ca. 8 sFr.) bezahlen. Die Passagierbillette sind in Cres im Tourismusbüro zu lösen. Kosten 35 Kuna p.P. ( ca. 5.50 sFr.)

Bereit zum Einsteigen

Bereit zum Einsteigen

Die Räder gut festgezurrt an Deck

Die Räder gut festgezurrt an Deck

Die Fähre startete trotz stürmischem Wind pünktlich um 08.20 Uhr und die Fahrt nach Rieka dauerte 80 Minuten. Dort angekommen hatten wir genügend Zeit zum Bahnhof zu fahren und uns die Billette bis Graz zu besorgen. Dazu die Fahhradtickets (12 sFr.) bis zum nächsten Umsteigebahnhof in Liubljana.
Unser Zug fuhr um 11.55 Uhr und stand schon eine halbe Stunde vor Abfahrt am Perron bereit, so dass wir ohne Stress die Räder im vorgesehenen Abteil verstauen konnten.

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Der Zug am Perron

Auch Liegerädern passen an die Velohaken im Zug

Auch Liegerädern passen an die Velohaken im Zug

Die gemütliche Fahrt durch das gebirgige Nordkroatien und Slovenien war eine Reise in längst vergangene Eisenbahnerzeiten. Viele Stellwerke sind noch mit einer alten, mechanischen Technik ausgerüstet und auf allen Bahnhöfen beobachtet der Bahnhofvorstand mit roter Müze die Zugdurchfahrt, bzw. gibt dem Zug den Abfahrbefehl durch Winken mit der Kelle. Die Fenster konnten wie früher geöffnet werden und da der Zug nicht zu schnell fuhr war es am offenen Fenster richtig angenehm.

Das Bahnhofgebäude erzählt von einer prunkvollen Vergangenheit.

Das Bahnhofgebäude erzählt von einer prunkvollen Vergangenheit.

Nachdem wir die Küste hinter uns gelassen hatten wurde die Landschaft sehr waldreich und an vielen Bahnhöfen werden Holzstämme verladen.

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Pünktlich um 14.50 Uhr fuhren wir im Bahnhof von Ljubljana ein. Wir hatten wieder 70 Minuten Zeit um die Fahrradtickets für den Abschnitt bis Graz zu kaufen (5 Euro) und den Perron zu wechseln.
Wieder stand unser Zug schon lange vor der Abfahrt am Perron, so dass der Einlad ein weiteres mal völlig entspannt war. Der Eurocity Richtung Wien benötigte knapp 3 1/2 Stunden bis Graz, wo wir ein Hotel in Bahnhofsnähe bezogen. Der erste Abschnitt der Heimreise war also viel einfacher als erwartet verlaufen.
Den Donnerstag genossen mit einem Stadtbesichtigungs- Einkaufs- und Beizenbummel, in Graz.

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Kunstmuseum Graz (oder ein „Geschwür“?)

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Die Teller werden hier sauber aufgegessen.

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Mit der Standseilbahn auf den Schlossberg

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Innovative Architektur in alten Gebäuden. Dank „Lichtschächten“ gibt’s im Keller auch Tageslicht

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Ach ja, wir mussten uns ja noch die Fahrradplätze für die Heimfahrt am Freitag reservieren lassen. Der Herr am Schalter erklärte uns, dass die Platzreservation das allerwichtigste sei, ohne könnten wir die Räder nicht mitnehmen. Kosten für Platzreservation und Fahrradtransport Graz bis Zürich: 22 Euro.

Freitag 09.30 Uhr: Wie nun schon fast üblich stand der Zug wieder lange vor Abfahrt am Perron, was zu einem weiteren entspannten Verlad beitrug. Dann hiess es um 09.45 Uhr: „Platz nehmen, der Zug fährt ab“.
Wir genossen eine gemütliche Zugfahrt mit lesen, plaudern mit Mitreisenden, Besuche im Speisewagen, dösen oder einfach zum Fenster hinausschauen und die Landschaft an einem vorbeiziehen lassen. Um 19.20 Uhr waren wir wie geplant in Zürich. Ein letztes mal Umsteigen in den Zug nach Winterthur. Rolltreppen mit vollbepackten Liegerädern sind für uns mittlerweile eine leichte Übung und bald fuhren wir die letzten Meter auf den Liegern vom Bahnhof nach Hause.
Eine wunderbare Reise war zu Ende.

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Bis zu einer nächsten Reise, „ä guätä Zyt“.

 

Di. 27.09 – Mi. 05.10.2016: Entspannten in Cres

Hier noch ein paar Bilder unserer „Entspannungswoche“ in Cres, die wir bei überwiegend sonnigem Wetter geniessen konnten. (Luft: 23 -25 Grad und Wasser: 21 Grad)

Viele leere Stellplätze unter Pinien. Im Hochsommer heissbegehrt

Viele leere Stellplätze unter Pinien. Im Hochsommer heissbegehrt

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Diese Reservationsschilder werden erst nächste Saison wieder eingesetzt.

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Überall auf dem Platz reifen die Oliven

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Unsere Unterkunft in Cres

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Kristallklares Wasser in der Bucht von Cres

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Darin fühlen sich offenbar auch unsere „Schwimmkollegen“ wohl.

Ansichten von Cres

Ansichten von Cres

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„Dorfplatz“ mir Schiffen belegt

 

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Hier lässt es sich gut entspannen

Hier lässt es sich gut entspannen

Enge Gassen in der Altstadt

Enge Gassen in der Altstadt

Kleine Läden in jedem Winkel. Hier gibt's gute Weine und feinstes Olivenöl. Leider ist das mit dem Transport bei Velotouren etwas eingeschränkt.

Kleine Läden in jedem Winkel. Hier gibt’s gute Weine und feinstes Olivenöl. Leider ist das mit dem Transport bei Velotouren etwas eingeschränkt.

Kleine Gärten mitten im Gewirr der Altstastgassen

Kleine Gärten mitten im Gewirr der Altstastgassen

Marktplatz

Strassencafé und Marktplatz

Die Ernte ist bereit zum Verkauf

Die Ernte ist bereit zum Verkauf

Am letzten Abend nochmals ein richtig spektakulärer Sonnenuntergang

Am letzten Abend nochmals ein richtig spektakulärer Sonnenuntergang

 

 

Tag 12: „final countdown“

Dienstag 27. September 2016

Radstrecke: Vozilici – Brestova / Fähre / Porozina – Cres = 43 Km, Gesamt: 727 km
Fahrzeit 3 Std. 31, Durchschnitt 12.1
Wetter: ganzer Tag sonnig, 23 Grad,

Heute war also die „Zielankunft“ in Cres geplant. Wir wussten das es viel bergauf gehen würde und das der Fährenfahrplan in der Planung zu berücksichtigen war. Bis zur Fähre waren es noch 13 Kilometer, wovon mindestens zehn eine Bergauffahrt bedeuteten. Also war mit einem Schnitt von nicht viel mehr als 8-9 km/h zu rechnen und da die angepeilte Fähre um 9.45 Uhr abfuhr, mussten wir um acht losfahren. Heute also kein wirkliches Frühstück. Etwas trinken, ein paar Nüsse, das Geld im Zimmer deponiert und los ging es. Von unseren Zimmervermietern war noch nichts zu sehen und zu hören und so fuhren wir still und leise davon. Schon nach ein paar hundert Metern stieg die Strasse an und das blieb die nächsten 10 Kilometer so.

Gut ausgeschlafen und mit der Sonne im Gesicht fährt es sich ganz locker aufwärts.

Gut ausgeschlafen und mit der Sonne im Gesicht fährt es sich ganz locker aufwärts.

Ab und zu ein Halt um etwas zu trinken, ein Blick in die Landschaft und weiter. Die Sonne schien bereits vom noch leicht bewölkten Himmel und dank wenig Verkehr konnten wir die Fahrt trotz Anstrengung geniessen. Die ganzen Höhenmeter die wir hochgestrammpelt waren wurden nun in nur drei Kilometern wieder vernichtet. Unsere Bremsen hatten also richtig Arbeit und trotzdem schafften wir knapp 60 km/h. Was für ein Genuss.

Bald ist das Zwischenziel erreicht.

Bald ist das Zwischenziel erreicht.

Wir waren noch gut 20 Minuten zu früh an der Fähre und konnten uns dort noch ein Sandwich besorgen. Gleich nach uns fuhr ein Österreicher mit seinem selbstgebauten Motorrad in den Wartebereich für 2-Räder. Was für eine Maschine! Wir kamen ins Gespräch und ich fragte ihn, ob er sein Krokodil nun im Meer schwimmen lassen wolle 😉

Ein wirklich seltenes Teil.

Ein wirklich seltenes Teil.

Er erzählte mir, dass er seine Maschine vor nun schon 17 Jahren selber und mit Hilfe eines Freundes, der Sattler ist, gebaut hat. Er sei auch beruflich fast die Hälfte des Jahres in den USA und nehme sein Motorrad ab und zu mit. Er zeigte sich beeindruckt von unserer Fahrradreise und als er erfuhr das ich die USA mal mit dem Ligerad durchquert habe schaute er mich ungläubig an. „Echt jetzt, erzählst du keinen Mist?“ Er machte ein Foto von unseren Rädern und sagte, dass müsse er unbedingt seinem Freund erzählen, der in den USA Motorradtouren auf der Route 66 begleite. Dass es Leute gebe die sowas mit dem Fahrrad machen, Rsepekt.
Für ein Foto durfte ich mich auf seine Maschine setzten und für einen ganz kurzen Moment habe ich gedacht „wär ja auch ganz cool“.

To easy für einen "Bicycle rider"

To easy für einen „Bicycle Rider“

Das Pferdchen nebenan begann nervös zu wiehern und mir war klar, wohin ich gehörte.
Als wir auf die Fähre führen, trafen im letzten Moment noch zwei deutsche Radler ein, die wir am Vorabend schon im Restaurant in Vozilici getroffen haben. Sie sind mit dem Auto nach Pula gereist und wollen nun zwei Wochen mit den Rädern durch Kroatien fahren.

Überfahrt nach Porozine

Überfahrt nach Porozina. Wir waren nicht die einzigen mit Fahrrädern.

In Porozina angekommen hiess es nocheinmal hochstrampeln. Von Meereshöhe ging es wieder ein paar hundert Höhenmeter hinauf unsere so war für die nächsten Kilometer wieder ein sehr kleiner Gang und Geduld angesagt. Wir waren froh diesen Abschnitt nicht auch noch gestern gefahren zu sein.

Sogar für ein Spässchen reichte die Energie noch auf dem Weg nach oben.

Sogar für ein Spässchen reichte die Energie noch auf dem Weg nach oben.

Heute hatten wir alle Zeit und gingen es ruhig an. Auch verkehrsmässig ist so eine Fähre super. Bei der Ankunft läst man mal alle Autos abfahren und hat dann die Gewissheit, dass die nächsten 90 Minuten kaum mehr ein Auto von hinten kommen wird. Nach besagten 90 Minuten suchten wir uns einen schattigen Platz, machten Pause, liessen die Autos und Lastwagen vorbeifahren und hatten anschliessend wieder Ruhe. So kamen wir entspannt in Cres an.

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Heute war genug Zeit für Fotostops. Zum Glück war es kein Gegenwind. (Fahne beachten)

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Bergdorf auf der Insel Cres. Tolle Wohnlage mit Weitblick.

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Genauso haben wir die Insel in Erinnerung

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Ab hier ging es fast nur noch runter!!!

Es war ein super Gefühl mit den Liegern dem Strand entlang zu fahren, das klare Wasser zu bewundern und am Nachmittag darin zu baden.
Genauso haben wir uns die Ankunft erträumt!

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Am Ziel

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Zum Abschluss noch die Fahrt auf der Promenade.

Noch immer ist auf dem Campingplatz soviel los, dass die Geschäfte und Restaurants geöffnet sind aber es ist natürlich alles viel entspannter, als dass wir es von den Sommerferien gewohnt sind. Also ideal, um uns hier nach dieser tollen Tour einige Tage zu entspannen und zu erholen. Für die Rückfahrt nehmen wir dann den Zug. Von Rijeka über Lijubliana nach Graz und von dort mit den direkten Zug nach Zürich. Wir hoffen dass auch das so problemlos verläuft wie die Hinreise. Vielleicht mache ich dazu später noch einen Eintrag.
Auf jeden Fall hat es wiedereinnmal Spass gemacht für euch zu bloggen und eure Unterstützung zu spüren.
… und ich habe das Tagebuch dieser Reise auch schon geschrieben.

Bolgarbeit in schöner Umgebung. Danke, das war's!!!

Bolgarbeit in schöner Umgebung. Danke, das war’s!

Tag 11: Berg und Tal

Montag 26. September 2016

Radstrecke: Buzet (HR) – Vozilici = 50 Km, Gesamt: 685 km

Fahrzeit 3 Std. 48, Durchschnitt 13
Wetter: ganzer Tag sonnig, 25 Grad,

In Buzet haben wir uns ganz gut von den Strapazen erholt. Im Hotel, dass noch den Charme der 60er Jahre hinter dem eisernen Vorhang ausstrahlte, konnten wir uns am Frühstücksbuffet für einen weiteren Tag mit vielen Anstiegen stärken.

Vom Hotelbalkon aus "nichts als Hügel".

Vom Hotelbalkon aus „nichts als Hügel“.

Wir hatten nicht wirklich ein festeres Ziel. Im besten Fall könnte es bis nach Cres reichen, aber dann müsste alles optimal laufen und die Anstiege dürften nicht zu lang und knackig sein. Ansonsten einfach in die Nähe von Brestova einen Schlafplätze finden um Morgen die Schlussetappe nach Cres zu geniessen.
Schon kurz ausserhalb von Buzet wurde klar: Das wird ein weiterer harter Tag! Die ersten 15 Kilometer ging es fast nur bergauf, wovon die ersten fünf wirklich steil und für uns schon fast amLimit waren. Irgendwie schafften wir es doch alles zu fahren aber suchten auch immer wieder die kleinen Schattenplätze auf, um uns kurz zu erholen und zu trinken, den der Schweiss floss in Strömen und mit Flüssigem hatten wir uns heute Morgen gut eingedeckt.

Bergpredigt Nr.1 erreicht

Bergpreis Nr.1 erreicht

Unser Übernachtungsort Buzet aus der Ferne

Unser Übernachtungsort Buzet aus der Ferne

Die Fahrt an sich war eher unspektakulär und wir beschlossen nach der gestrigen Erfahrung uns auch Heute eher an die grösseren Strassen zu halten, was zwangsläufig auch mehr Verkehr und teilweise Lastwagen mit sich bringt. Obwohl das nicht immer angenehm ist, besser als kroatische Nebenstrasse ist das allemal. So ging es immer wieder rauf und runter und die Durchschnittsgeschindigkeit fiel entsprechend in den Keller. Gegen Mittag war klar, wir wollten uns keinen Stress machen und würden heute noch irgendwo vor Brestova übernachten. Denn nach der Fähre steigt die Strasse nach Cres nochmals kräftig an und wir möchten es auf der Insel Cres bis zum Campingplatz Kovacine schaffen, auf dem wir schon so manche schöne Sommerferienwochen verbracht haben.

Da wollen wir hin: Fähre in Brestova

Da wollen wir hin: Fähre in Brestova

Auf der Landkarte entdeckten wir den kleinen Ort „Polmin Luka“, der offenbar an einer kleinen Bucht liegt. Das wäre doch der ideale Ort für einen frühen Feierabend. Dann noch etwas im Meer schwimmen und entspannen! Gegen 3 Uhr Nachmittags fuhren wir voller Vorfreude die steile Strasse in die Bucht hinunter. Oben beim Abzweiger war ein Schild, welches unten an der Bucht auf Übernachtungsmöglichkeiten hinwies. Unten angekommen war die Enttäuschung gross. An der Bucht stand ein grosses Kohlekraftwerk, im gut geschützen Hafen lagen einige Fischerboot und irgendwie sah der Ort gar nicht nach schöner Badebucht aus.

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Auf de ersten Blick gar nicht schlecht aber …

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… nicht wirklich Idyllisch.

Im einzigen offenen Restaurant fragten wir nach Übernachtungsmöglichkeiten. Wir bekamen ein kurzes „Hier nicht, oben in Vozilic gibt es Zimmer“. Also wieder die steile 10% Steigung hochstrampeln, als ob wir noch nicht genug Höhenmeter gemacht hätten.

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Wieder eine happige Steigung geschafft.

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Heute schlafen wir hier.

Oben angekommen fanden wir in einem Privathaus ein passendes Zimmer, entluden die Räder und genossen den warmen Nachmittag im Garten und hatten Zeit den Blog zu aktualisieren.
Wir sind bereit Morgen das Ziel zu erreichen und freuen uns jetzt schon auf den erfrischenden Sprung ins Meer

Tag 10: „Grenzerfahrung“

Sonntag 25. September 2016

Radstrecke: Sistiana – Triest – Buzet (HR) = 75 Km, Gesamt: 635 km
Fahrzeit 5 Std. 57, Durchschnitt 12.6
Wetter: ganzer Tag sonnig, 25 Grad,

Etappenübersicht (www.gpsies.com)

Etappenübersicht (www.gpsies.com)

Angefangen hat der Tag ja wie im Bilderbuch. Der Himmel schon am Morgen strahlend blau und unseren nette B+B Gastgeberin Chiara hatte uns den Frühstückstisch im Garten gedeckt und wir stärkten uns mit feinem Fruschtsalat, Joghurt und typisch italienisch Biscoti für einen langen Tag.

Frühstück im Garten

Frühstück im Garten

Die Fahrt nach Triest war einfach traumhaft. Wir mussten uns zurückhalten um nicht bei jedem tollen Aussichtspunkt ein Foto zu machen. Der Verkehr war wie erwartet ruhig nur an der Promenade in Triest war schon einiges los. Vor allem die älteren Semester waren früh aufgestanden und hatten sich den Liegestuhl geschnappt um an der Promenade die begehrtesten Plätze für das Sonnenbad zu reservieren. Da haben es die Liegeradler zum Glück bedeutend einfacher. An die Promenade fahren, freien Platz suchen, anhalten und die Sonne geniessen. Der Liegestuhl ist ja immer mit dabei 😉

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Traumhafte Ausblicke über die Bucht

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Die sonntäglichen SonnenanbeterInnen an der Promenade von Triest

Ich bin auch ein Liegestuhl.

Ich bin auch ein Liegestuhl.

Wir kamen ganz gut durchs Zentrum von Triest und am Hauptbahnhof kauften wir im Kiosk noch die letzten vorhandenen Waserflaschen, da wir heute eher etwas abseits unterwegs sein würden. Aber doch hofften wir natürlich da und dort mal eine Gelegenheit für eine Zwischenverpflegung zu finden.

Der Bahnhof in Triest erstrahlt im Galn vergangener Tage

Der Bahnhof in Triest erstrahlt im Glanz vergangener Tage

Da wir nun die istrische Halbinsel in einer Diagonale durchfahren wollten, mussten wir uns in Triest etwas links halten und langsam an Höhenmeter gewinnen. Immer wieder sahen wir die Hinweisschilder welche uns auf den Radweg der „Parenzana“ führen würde. (Mehr Infos unter: www. bahntrassenradwege.de/Index.php?page=parenzana“ ) Der Weg ist also auf einer nicht mehr in Betrieb stehenden Bahntrasse errichtet worden und zeichnet sich so mit moderaten Steigungen aus. Tönt ja mal ganz gut. Wenn der Weg dann aber vor allem aus groben Steinweg (=Rüttelpiste) besteht, wird das mit einem voll beladenen Bike schon ziemlich anstrengend.

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Zwar hatten wir da schon einige Höhenmeter hinter uns, aber soweit fühlten wir uns noch recht gut.

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Mit der Zeit werden solche Wege recht anstrengend.

Es war erstaunlich viel los auf diesem Weg. Velofahrer und Wanderer genossen den Sonntag auf dem Weg der „Freundschaft und Verbundenheit“ und wir hatten das Gefühl kaum vorwärts zu kommen. 6 – 9 km zeigte unser Tacho, definitiv zu wenig für eine lange Etappe. Und was ich am Vortag über „ideale Radlertemparatur“ geschrieben habe, ist natürlich nur, wenn auch zügig gefahren werden kann und der Fahrtwind einem so auch abkühlt. Für eine lange Bergauffahrt war es definitiv zu heiss. Unser Wasservorrat schrumpfte immer mehr und weit und breit keine Füllstation in Sicht. Erstaunlich, dass hier im Gegensatz zum Vinschgau noch niemand auf die Idee gekommen ist, mit den durstigen Radleren und Wanderer ein Geschäfft zu machen. Wir begannen die Wasservorräte immer mehr einzuteilen und als diese schon fast leer waren, trafen wir auch eine Veranstaltung des italienischen Zivielschutz und Bergrettungsdienst, die am Radweg einen „Informationstag“ veranstalteten. Die „Retter“ spendierten uns Kühlers Wasser und wir revanchierten uns mit einer Spende. So konnten wir mit neuen Vorräten weiterfahren.

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Endlich frisches Wasser, Grazie

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Wir erreichen Slovenien

Kurz darauf passierten wir die „grüne Grenze“ und kamen in Slovenien an. Immer weiter Bergauf, immer auf anstrengendem Schotterweg und kein Ende in Sicht. Der Blick auf die Karte verriet uns, dass wir weit hinter der erhofften Marschtabelle zurücklagen. Aber irgendwie könnten wir ausser dem angepeilten Buzet keinen vernünftigen Ort auf unserer Route ausmachen, wo wir die Etappe beenden konnten. Kurz vor 15 Uhr hatten wir endlich das Ende des Radwegs erreicht und konnten nun die nächsten Strecke wieder auf geteerten Strassen unter die Räder nehmen. Wir kamen gut voran und die „weiss markierten“ Nebenstrasse war ein Traum. Hoch über dem Karstgebirge genossen wir die Fahrt und und schöpften wieder Zuversicht das Ziel doch noch zu erreichen. Doch bald darauf endete die gute Strasse im kleinen Ort Crnotice. Am Ende des Dorfes, wo unsere Strase weiterführen sollte gab es nur noch einen schlechten Schotterweg. Wir kehrten nochmals um und fragten einen Einheimischen: „Geht es hier wirklich nach Popec?“. Nach kurzem Zögern kam ein überzeugtes „Ja“, also fuhren wir weiter.

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Gleich hinter dem letzten Haus war die Strasse zu Ende.

Der Schotter wurde immer weicher und tiefer und an ein Fahren war bald einmal nicht mehr zu denken. So schoben wir die Räder unter grosser Kraftanstrengung die kurzen aber oft steilen Anstiege hoch und versuchten beim hinunterfahren im viel zu weichen Schotter mit den schwer beladenen Rädern nicht umzufallen.

Zu steil und zu rutschig und es wurde immer schlimmer.

Zu steil und zu rutschig und es wurde immer schlimmer.

Weit und breit kein Mensch mehr, keine Häuser, die Sonne brannte vom Himmel und das Wasser ging wieder zur Neige. Wenn wir nicht bald eine Vernünftige Strasse finden würden, könnten wir das Tagesziel vergessen und mussten für die Übernachtung wohl improvisieren. Endlich, nach vielleicht einer Stunde erreichten wir eine kleine Siedlung.

Typisches Dorf im gebirgigen Herzen von Istrien

Typisches Dorf im gebirgigen Herzen von Istrien

Ein älterer Mann sagte etwas zu uns, was wir aber nicht verstanden. Ich fragte „Voda?“ und er nickte. Kam hinunter und stellte uns am Brunnen kühles Wasser ein, mit dem wir unsere Flaschen wieder füllen konnten. Endlich hatten wir hierher eine „höher klassierte“ Strasse erreicht, die nun hoffentlich durchgehend asphaltiert sein würde. Den nun begann der Wettlauf mit der Zeit. Unterwegs hatte uns jemand Gesagt, dass der kleine Grenzübergang den wir nehmen wollten um 18.00 Uhr schliesst. Es war mittlerweile kurz davor und die Strasse war nach wie vor sehr hügelig, unsere Beine müde und so schafften wir es nicht mehr alle Steigungen zu fahren. Beim Schieben sinkt das Tempo noch mehr und uns war klar, bis 18.00 Uhr ist die Grenze nicht mehr zu schaffen. Vielleicht lassen sie ja wenigstens Fussgänger und Radler durch.
Dann endlich tauchte das Gernzgebäude auf einer Hochebene auf und als wir näher kamen atmeten wir auf, den hier waren die Öffnungszeiten bis 22.00 Uhr angegeben. Der Anwesende Zöllner sah sich wortlos unsere Dokumente an und öffnete die Barriere. Wir hatten es geschafft, waren in Kroatien angekommen.
Kurz darauf passierten wir einen Stacheldraht Zaun, welcher die Flüchtlinge aus dem Süden an ihrer Weiterreise in den Norden hindern sollte. Schlagartig empfanden wir unsere „Strapazen“ als absolut unbedeutend. Wir waren schliesslich freiwillig hier und machte eine solche Tour zur Erholung. Zudem war immer klar, dass wir irgendwo ein Bett, etwas zu Essen und zu Trinken bekommen würden, den wir hatten ja Bargeld und gültige Papiere. Wie müssen sich die Menschen fühlen, welche aus ihrer Heimat fliehen müssen weil einige selbstsüchtige Idioten ihnen auf verschiedenste Weise die Lebensgrundlage entziehen, sei es durch physische oder wirtschaftliche Gewalt. Wenn sie mit allem was ihnen geblieben ist, den Kindern und Eltern an diese Stacheldratwände laufen? Was geht wohl in ihnen vor? Und wir haben noch vor ein paar Minuten über unsere Situation „gejammert“.

Bei diesem Anblick war alles nur noch halb so "schlimm".

Dieser Anblick hat alles relativiert.

Bis Buzet waren es noch gut 14 Kilometer, aber zum Glück meist bergab. Kurz nach 19.00 Uhr erreichten wir völlig erschöpft und ausgelaugt Buzet. Ein Hotel war zum Glück schnell gefunden und die erfrischende Dusche brachte die Lebensgeister wieder zurück. Etwas Essen und gute Erholung wird uns nun gut tun, den Morgen geht es nochmals hügelig weiter, aber wir fahren sicher nicht mehr auf einer „weissen“ Strasse

Tag 9: Badetag

Samstag 24. September 2016

Radstrecke: Latisana – Sistiana = 75 Km, Gesamt: 560 km
Fahrzeit 4 Std. 32, Durchschnitt 16.4
Wetter: ganzer Tag sonnig, 27 Grad, leichter Seitenwind aus Süden

Heutiger Routenplan

Heutiger Routenplan

Der heutige Tag war bis jetzt der wohl „langweiligste“ Tag der ganzen Reise und bestand zur Hauptsache darin, möglichst ruhige Wege und Strassen zu finden und uns so nahe wie möglich an Triest heranzupedalen. Morgen wollen wir die Gunst des Wochentags nutzen und wie schon auf der USA Reise mehrfach positiv angewendet, eine verkehrsreiche Stadt am Sonntag durchqueren.

Der Tag war aber zumindest was das Wetter anbelangte „1A“: Sonne pur und gut 25 – 27 Grad. Für mich eine ideale Radlertemperatur.

Bei der Temperatur dürften die Flaschen etwas grösser sein.

Bei der Temperatur dürften die Flaschen etwas grösser sein.

Wie gesagt war heute die Suche nach dem richtigen Weg ein grosses Thema. Einerseits wollten wir endlose und eintönige Fahrten entlang stark befahrener Schnellstrassen vermeiden, andererseits sollten die Umwege dann auch nicht zu gross sein. Da die Gegend hier immer noch mit vielen Kanälen durchzogen ist, enden sie Wege oft am Wasser und zur nächsten Brücke können es einige Kilometer sein. So haben wir heute oft die Papierkarte und das Navi auf dem Handy konsultiert und die nächsten Kilometer abgesprochen. Das hat natürlich nicht gerade zu einem flüssigen Fahren geführt uns so ging es nur zäh voran.

Wohin genau???

Wohin genau???

Ab und zu konnten wir uns über tolle Abschnitte und schöne Aussichten freuen und kurz darauf war wieder volle Konzentration angesagt, wenn auf den Hauptstrassen ohne Seitenstreifen die Autos von hinten heranbrausten.

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Diese Schattenalle haben wir heute Mittag geschätzt.

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Immer wieder stimmungsvolle Bilder an den Kanälen.

Aber wer in der Routenplanung die Brücken nicht berücksichtigt ...

Aber wer in der Routenplanung die Brücken nicht berücksichtigt …

... Wird mit langen Umwegen bestraft.

… wird mit langen Umwegen bestraft.

Radweg durch einen Park in Monfalcone

Radweg durch einen Park …

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… und dem Hafenkanal entlang, wunderbar.

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Kurz darauf diese Schikane. Wer denkt sich nur solchen Schwachsinn aus. Wohlgemerkt, wir sind auf dem offiziellen Adria – Radweg

Kurz darauf die "Schnellstrassenrealität"

Auch davon gab es heute reichlich: „Schnellstrassenrealität“

So um vier Uhr hatten wir genug und unten an der Strasse lockte das Merr zum Baden. So beschlossen wir in Sistiana ein Unterkunft zu suchen und uns noch etwas in der Adria zu erfrischen. Über ein Touristenbüro am Ortseingang liessen wir uns ein B+B reservieren und fanden die Adresse nach einigen Schwierigkeiten dann doch noch.

Dieser Ausblick war zu verlockend. Wir wollten ins Meer!

Dieser Ausblick war zu verlockend. Wir wollten ins Meer!

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Tagesziel erreicht

Wir haben hier einen tollen Platz gefunden, deponierten das Gepäck und gingen die knapp 10 Minuten hinunter als Meer. Dort fanden eine kleine Badebucht und genossen das erfrischende Bad in der noch immer angenehm warmen Adria. Gleich liegt ein Yachthafen und es gibt einige kleine Restaurants, wo wir uns ein gemütliches Essen gönnten. So genossen wir nach einem eher „mühsamen Radlertag“ doch noch einen schönen Abschluss.

Tag 8: „Mare e Terra“

Freitag 23. September 2016

Radstrecke: Alberoni – Lido / Punta Sabbioni – Lido di Jesolo – Carole – Latisana = 86 Km, Gesamt: 485 km

Fahrzeit 4 Std. 31 Min., Durchschnitt 18.8
Wetter: ganzer Tag sonnig, 23 – 26 Grad, leichter Seitenwind aus Süden

Routenübersicht

Routenübersicht

Heute stand nun der Abschnitt der Reise an, der sich trotz ausgiebiger Recherche im Internet nicht eindeutig planen lies. Die Frage lautete ja: Wie kommen wir mit den Rädern von Fusina nach Punta Sabbione? Die Lösung, das Schiff ab Fusina nach Albroni, das nach Voranmeldung 2 Räder mitnimmt, dann auf der Insel „Lido die Venezia“ die gut 8,5 km bis Lido S.M. radeln und dort die Fähre nach Punta Sabbioni nehmen. Gestern haben wir die Billette für das erste Teilstück gekauft und so standen wir erwartungsfroh um 09.20 Uhr an der Bootsablegestelle. Es gesellte sich noch eine weitere Radfahrerin zu den mit uns wartenden Passagieren. „Ich dachte es hat nur Platz für zwei, die kann wohl kaum einfach so mitfahren“, sagte ich zu Barbara und einen kurzen Moment z später kam ein Mitarbeiter der Bootslinie zu uns und fragte: „Habt ihr eine Reservation?“ „Si“ sagte ich in meinem besten Italienisch und zeigte stolz den Fahrschein den ich gestern am Schalter bekommen habe. „Aha, meinte der Herr, dieser war aber für gestern um 11.30 Uhr, da habe ich auch zwei Räder erwartet, aber es ist niemand gekommen.“ „Grande problema“ sagte er und ging zum Bürohäuschen. Dort gestikulierte er wild und sagte etwas von „Due Bici, molto grande“. Da war wohl etwas schief gelaufen! Aber wir mussten unbedingt mit, sonst würde unser Tagesplan nicht aufgehen. Also entschuldigte ich mich erst mal und erklärte dem Herrn das ich die Velos ganz klein machen könnte. Alles Gepäck abladen, Sattel wegnehmen, Lenker querstellen, alles kein Problem. Da hellte sich seine Mine auf. „Ah buono, no Problem you can come“ sagte er ich gebrochenem Englisch und unser Tag war vorerst gerettet.
Das Verladen lief problemlos und das Schiff hatte drei Fahrräder, ca. 30 Einheimische und uns zwei an Bord.

Es geht also doch. Die Pferdchen machen hinter dem Kapitän gaaaanz klein

Es geht also doch. Die Pferdchen machen sich hinter dem Kapitän gaaaanz klein

Nach 40 Minuten fahrt durch die Lagune legten wir kurz nach 10 Uhr in Alberoni an. Wir konnten es gemütlich angehen, denn die nächste Autofähre fuhr ja erst um 12.29 Uhr und es war nur knapp 30 Minuten bis nach Lido S.M.

Unterwegs auf dem Lido di Venezia

Unterwegs auf dem Lido di Venezia

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Das wirkt hier viel entspannter als in der Stadt.

Dort angekommen sahen wir an der Abfahrtstafel, dass in 5 Minuten das 10.59h Schiff abfahren würde. Ich ging also rasch zum Schalter und fragte, ob dieses Schiff auch Fahrräder mitnehme. „Kein Problem, wenn es nicht schon zu viele an Bord hat“. Also kaufte ich die Tickets und wir beeilten uns das Bott noch zu erreichen. Minuten später waren wir an Bord. Kein Problem. Das Schiff ist um einiges grösser als das vorherige und kann sicher locker 10 oder mehr Velos auf eine Fahrt mitnehmen. Die ganze Überfahrt von Fusina bis Punte Sabbioni hat für eine Person + 1 Fahrrad gerade mal 18 Euro gekostet, uns eine Menge Ärger mit viel Verkehr erspart, eine wunderschöne Fahrt auf dem Lido beschert und uns einen tollen Blick auf Venedig sowie einen Mittagsrast am fast leeren Strand von Cavallino ermöglicht. Die Entscheidung war goldrichtig!

Geschafft! Und das noch viel früher und einfacher als erwartet.

Geschafft! Und das erst noch viel früher und einfacher als erwartet.

Danach fuhren wir Kilometer um Kilometer an den riesigen Campinganlagen im Raum Cavallino und Jesolo vorbei. Die Strassen waren wie leergefegt und die doppelspuhrigen Kreisel wirkten etwas fehl am Platz. Aber zwei Monate im Jahr, wird es hier trotz dieser grosszügigen Strassen zu einem Verkehrsstau kommen. Gut sind wir nicht um diese Zeit unterwegs.

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Die Pferdchen bestaunen den leeren Strand von Cavallino

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Viel Platz, zumindest von September bis Juni

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Camping, Camping, Camping, …….

Immer wieder fuhren wir auf kleinen Nebenstrassen den Kanälen entlang. Manchmal einsam und ruhig, ab und zu aber auch mit mehr Verkehr, wobei sich auch heute die Überholenden meist sehr geduldig verhielten und knappe Manöver die Ausnahme waren. Bei strahlendem Sonnenschein ging es langsam nach Norden, um die „Laguna di Carole“ zu umfahren. Viel Ackerland, oft schon abgeerntete und gepflügte Felder, Traubenstöcke und auch grosse Reisfelder säumten den Weg. Das Wetter wie gewünscht. Strahlend blau, nicht zu heiss und Wind von schräg hinten.

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Kanalfahrt, einfach zum geniessen

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Einsame Landstriche

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Wieder mal „Brückenfahren“. Wir lieben es, denn es bedeutet dem Wasser entlang.

Reisfeld wie im Bilderbuch ...

Reisfelder wie im Bilderbuch …

... Und Landschaften wie Gemälde.

… und Landschaften wie Gemälde.

Wir kamen gut voran und waren kurz nach fünf Uhr an unserem Ziel „San Michele“. Meine Hotelbuchungsseite hat uns für diese Region kein Angebot gemacht, also mussten wir uns auf gut Glück umschauen. Bei einer Pizzeria prangte auf dem Dach ein grosses Schild „HOTEL“. Also gingen wir rein und fragten nach Zimmer. „Ach dieses Hotel gibt es nicht mehr. Ist alles privat. Nur der Name steht noch dort“ erklärte und die Angestellte. Sofort mischten sich drei Gäste in die Diskusion ein und erklärten gestenreich, wo es im Nachbarort das nächste Hotel habe. Dann wollten sie noch wissen woher und wohin und freuten sie offensichtlich über unsere Räder. Überhaupt bekommen wir immer wieder aufmunternde Zurufe von Leutem am Strassenrand oder auch mal ein „Daumen hoch“ eines vorbeifahrenden Autos oder Motorrades. Velofahren geniesst in Italien offensichtlich noch immer viel Sympathie. Das macht es für uns auch angenehm.

Kurz vor dem Ziel, ein letztes Mal in den Verkehr "einfädeln".

Kurz vor dem Ziel, ein letztes Mal in den Verkehr „einfädeln“.

Das Hotel „Cigno“ in Latisana war schnell gefunden und ist ausgezeichnet. Nach der doch sehr bescheidenen Unterkunft auf dem Camping Fusina sind wir froh, wieder ein grosses, geräumiges Zimmer mit toller Dusche zu haben. Es gibt Dinge, die schätzt man / frau mit zunehmendem Alter immer mehr 😉

Tag 7: Ruhetag in Venedig

Donnerstag 22. September 2016

Ganzer Tag sonnig, 23 – 28 Grad

Die Pferdchen blieben in der Koppel. Km: 0

Heute haben wir den geplanten Ruhetag auf dem Camping Fusina eingelegt. Hier hatten wir die Möglichkeit die Wäsche zu machen und von hier aus fährt stündlich ein Schiff direkt nach Venedig. Wir haben für die Übernachtungen ein kleines Mobilehome gemietet. Sehr einfach und spartanisch, aber für zwei Nächte ok und dank der Infrsatruktur für uns der ideale Rastplatz. Von hier aus wollen wir morgen die Lagune von Venedig „überqueren“ und unserer Räder in Punto Sabbioni wieder an Land bringen. Das würde uns vor allem die Fahrt um Mestre und die Aussenbezirke von Venedig ersparen, die verkehrstechnisch für Radler nicht wirklich Interesanntes sind und sich vor allem durch dichten Verkehr auszeichnen. Darauf können wir verzichten. Hier von Fusina aus Fähre ein Schiff, das pro Fahrt zwei Räder mitnimmt,  nach Alberoni (Lido di Venezia). Die Frage ob es ab dort eine Möglichkeit gibt die Räder nach Punta Sabbioni mitzunehmen konnte uns der Ticketverkäufer nicht beantworten. Das müssten wir selber herausfinden, er kenne nur die eigenen zwei Linien nach „Zattere“ (Venedig Stadt) und nach Alberoni. Wir haben also im Internet recherchiert und sind zum Schluss gekommen, dass die ACTV Linie 14 von Lido S.M.E mit einer Autofähre nach Punta Sabbioni fährt. So haben wir für Morgen die Tickets für uns und die Räder (22 Euro) nach Alberoni gebucht und hoffen das unser Plan aufgeht.
Wer will darf die Daumen drücken.
Ja, und wie gesagt waren wir heute auch noch mit ein paar anderen Touristen in Venedig unterwegs. Haben diese oder jene Foto gemacht, wie schon tausende vor uns und trotzdem stellen wir sie hier auf den Blog, den schön finden wir es allemal.

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„Seitengasse“

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Rialtobrücke

Volle Piazza San Marco, trotzdem hätte es noch Platz im Café.

Volle Piazza San Marco, trotzdem hätte es noch Platz im Café.

Viel Verkehr auf dem Canale Grande

Viel Verkehr auf dem Canale Grande

Postlieferung in Venedig

Postlieferung in Venedig

Stau bei den Gondolieri

Stau bei den Gondolieri

Einfach Venedig

Einfach Venedig

Gondeln wohin man schaut

Gondeln wohin man schaut

Auch die Schwiz hat hier ihre Vertretung

Auch die Schweiz hat hier ihre Vertretung

Auf der Rückfahrt zum Camping kreuzen wir ein auslaufendes Schiff.

Auf der Rückfahrt zum Camping kreuzen wir ein auslaufendes Schiff.

Blick vom Camping nach Venedig. (Ok, mit Zoom fotografiert)

Blick vom Camping nach Venedig. (Ok, mit Zoom fotografiert 😉 )

Tag 6: Halbtagestour

Mittwoch 21. September 2016

Radstrecke: Padua Fusina = 40 Km, Gesamt: 397 km
Fahrzeit 2 Std. 36 Min., Durchschnitt 15.2
Wetter: bis 14 Uhr Dauerregen, später Aufhellung, 16 – 23 Grad

Auch heute mussten wir keinen Wecker stellen. Die Etappe würde kurz sein und vorher wollten wir uns noch etwas von Padua auf einer Stadrundfahrt mit einem dieser roten Doppeldeckerbusse, die es mittlerweile in vielen grossen Städten gibt, ansehen.
Motte: Halber Tag Touristentour, halber Tag Radfahren.
Also gab’s zuerst ein gemütliches Frühstück, für italienische Verhältnisse wieder sehr reichhaltig. Dann zum Abfahrtsort des Tourbus, nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt. Wir waren etwas zu früh dort und hatten so noch Zeit einen Blick ins Innere der Basilika San Antonio zu werfen. Einfach immer wieder beeindruckend wie solche Bauten vor 6 – 700 Jahren erbaut werden konnten. Wie konnte zum Beispiel die Statik berechnet werden, um diese gewaltigen Bogenbauten zu errichten? Keine Säule ist im inneren der Kirchenschiffs zu sehen, nur gewaltige Kuppeln in grosser Höhe.
Solche Bauten lösen in uns immer wieder zwiespältig Gefühle aus. Einerseits die Bewunderung für die Ingenieure, welche zur damaligen Zeit solche Bauten überhaupt planen konnten, die Künstler welche diese so opulent schmückten und andererseits die wohl unermesslichen Leiden der Arbeiter die unter miserablen Bedingungen solche Bauten erstellen mussten. Bleibt zu hoffen dass sie wenigstens das vom Klerus versprochene Paradies gesehen haben, nachdem sie von einem der wackligen Gerüste gefallen sind oder sich sonst mangels Sicherheitsvorkehrungen schwer verletzt haben.
Im „Hop on – Hop off Bus“ haben wir es im Oberdeck in die erste Reihe geschafft. Kurz nach der Abfahrt setzte der Regen wieder ein. So bekamen wir einen verregneten Blick auf Padua zu sehen. Trotzdem war es spannend auf der Tour.

 

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Verregneter Blick auf Padua’s Strassen

Zumindest so beeindruckend wie die spannenden geschichtlichen Informationen die wir via Kopfhörer mitgeteilt bekamen waren die Fahrkünste des Fahrers, der diesen grossen Bus geschickt durch die sehr engen Gassen manövrierte. Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir wieder am Ausgangspunkt angelangt und hatte gelernt das Freunde der mittelalterlichen Geschichte und Museen in dieser Stadt wohl viel Interesanntes zu entdecken hätten.

Wir schlenderten noch etwas unter den Arkaden umher und hofften, dass der Dauerregen bald aufhören würde. Wir hatten absolut keine Lust bei Regenwetter durch diesen Verkehr aus der Stadt zu fahren. Wir entschieden uns, in der Hoffenung das der Regen aufhören würde, noch etwas zu Mittag zu essen und landeten spontan in einer kleinen Bar / Trattoria. Kurz nach 12 Uhr waren wir die ersten Gäste die sich in einem kleien Hinterzimmer der Bar an einen der gedeckten Tische setzten. Wir hatten aber gesehen das in der Küche die „Mama“ am Werk war, wohl ein gutes Zeichen. Kurz darauf füllte sich das Lokal mit vielen Arbeitern, hier war wohl so etwas wie ihre Kantine. Zum Essen wurde von diesen auch reichlich Wein bestellt, etwas was auf unseren Baustellen von der SUVA wohl definitiv nicht mehr akzeptiert würde.
Wir genossen dieses Atmosphäre und die Gewissheit nicht in einer „Touristenfalle“ gelandet zu sein.

Italienischer Mittagstisch

Italienischer Mittagstisch

Nach dem Essen gings zurück ins Hotel, noch immer im Regen. Spätestens um 14 Uhr wollten wir aber starten, egal ob es noch regnet oder nicht. Langsam lies der Regen nach aber wir zogen doch die Regenklamotten an und fuhren gegen halb drei endlich los.

Ehrenrunde auf dem Prado della Valle

Ehrenrunde auf dem Prado della Valle

Es sind viele schöne Details zu entdecken.

Es sind viele schöne Details zu entdecken.

Rasch hatten wir den Weg aus der Stadt gefunden und fuhren dem Kanal der Brenta entlang, die uns nun auch schon den dritten Tag begleitete. Oft fuhren wir direkt auf dem Dam und genossen den Blick in die Fläche Poebene. Immer wieder tauchten am Kanal alte, mehr oder weniger gut erhaltene venezianische Paläste auf, die von der grossen Vergangenheit der venezianischen Händlern erzählten.

Verschiedene Einrücke und Bilder die wir heute entlang der Brenta auf dem Weg nach Fusina entdeckten.

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Bei meist mässigem Verkehr kamen wir gut voran, gönnten uns den einen oder anderen Fotohalt und trafen kurz vor sechs Uhr am Campingplatz Fusina ein, wo wir für zwei Tage ein Bungalow gemietet haben. So haben wir einen Ruhetag, Zeit Wäsche zu waschen und mal wieder einen Besuch in Venedig machen.
Morgen Ruhetag: beim Velofahren und bloggen.

Tag 4: „über Land“

Dienstag 20. September 2016

Radstrecke: Bassano del Grappa – Padua = 54 Km, Gesamt: 357 km
Fahrzeit 3 Std. 31 Min., Durchschnitt 15.3
Wetter: sonnig mit vielen grossen Wolken, leichter Rückenwind, Mittags ein Gewitter 22 – 27 Grad

Heute durften wir etwas länger liegen bleiben, denn die Strecke nach Padua war ja nicht wirklich weit. Das zentrale Thema würde heute eher die Navigation sein. Wir wollten wenn möglich die Hauptstrasse meiden, da diese stark befahren ist und auch viel Lastwagenverkehr hat. Deshalb habe ich mir zu Hause die Route mit der Website „gpsies.com “ im Fahrradmodus berechnen lassen und die Kartenausschnitte dazu ausgedruckt. Wir sind gespannt wie das klappt.
Um halb 10 Uhr sind wir startklar und finden recht rasch die ruhigen Nebenstrassen, welche ich auf meinen Karten markiert habe. So fahren wir nur ganz kurze Abschnitte von wenigen hundert Metern auf der viel befahrenen Hauptstrasse und machen uns da so breit, dass an ein knappes Überholmanöver für Lastwagen nicht zu denken ist.

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Ausserhalb von Bassano del Grappa. Schon wieder ein Radweg 🙂

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Wir lassen uns nicht unterkriegen: Platz verteidigen!!!

Wir stellen aber auch beruhigt fest, dass es die Autos auch nicht so hektisch nehmen und uns jeweils mit genügend Abstand überholen. Aber wie gesagt, zum Glück sind diese Abschnitte selten. Meist fahren wir auf einsamen kleinen Landstrassen links und rechts der Hauptstrasse über Land und geniessen die Ruhe. Auf beiden Seiten der Strasse steht der Mais zur Ernte bereit und da und dort zeugen nur noch die Stoppeln von der kürzlichen Ernte.
Da ich die Kartenausschnitte so gross gewählt habe das wir alles gut erkennen, können wir die durchnummerierten Kartenausschnitte in rascher Folge auswechseln. Wieder ein Abschnitt geschafft! So geht es kurzweilig über Land, da und dort kläfft ein Hund, zum Glück immer gut eingezäunt, und am Horizont kündet ein schmaler Kirchturm davon, das bald wieder ein Dorf auftauchen wird. Kleine Wälder, Büsche, da und dort ein Bachlauf und die Alpenkette im Norden verschwindet immer mehr am Horizont, während wir uns auf die nördliche Poebene zubewegen. Italienische Provinz wie aus dem Bilderbuch.

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Landschaft pur

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Genussradeln auf Nebenstrassen

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… und ist das Dorf noch so klein, die Kirchen beeindrucken.

In Cittadella, einem kleinen Ort das vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist gönnen wir uns das erste Eis der Reise. Die Sonne scheint und mittlerweile ist es gut 27 Grad war.

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Diese Mauer umschliesst den ganzen Ortskern

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Ausfahrt durch eines der Stadttore.

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In Cittadella

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Kurz vor ein Uhr setzen wir uns im kleinen Ort Tavo in einem Restaurant in den Garten und essen etwas Kleines zum Mittag. Es herrscht ein Kommen und Gehen und es scheint sich das ganze Dorf hier zu treffen. Unsere Räder ziehen die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich Und wir werden gefragt wie das funktioniert und von wo wir kommen etc.
Gerade als wir wieder losfahren wollen zieht eine dunkle Wolke vor die Sonne und öffnet ihre Schläuse. Zwar waren die grossen und dunklen Wolken schon lange am Himmel und doch haben wir das Gefühl, dass es wie aus dem Nichts kräftig zu regnen beginnt. Rasch ziehen wir unseren Rädern die Sitzüberzüge an, damit diese nicht durchnässt werden und ziehen uns wieder auf die gedeckte Veranda zurück, bestellen noch einen Kaffe und warten ab.

Rain, Rain, Rain,

Rain, Rain, Rain,

Fast eine Stunde giesst es wie aus Kübeln und ab und zu ist ein lautes Donnergrollen zu hören. Naja, hier hat es so bequeme Sofas auf der Veranda, dass wir beide kurz ein Nickerchen machen. Die knapp 20 Kilometer bis Padua schaffen wir auch noch etwas später. Es wurde fast halb vier bis sich der Regen verzog und der Himmel wieder aufklarte. Jetzt aber los, damit wir nicht noch in den Feierabendverkehr geraten. Die Abschnitte auf stark befahrenen Strassen wurden nun länger, aber immer wieder gab es auch separate Radwege, wenn auch oft mit unnötigen Barrieren durch welche wir mit den breiten Liegern oft nur knapp hindurch passten.

Einfahrt ins Zentrum von Padua. Die Brücke erinnerte uns etwas an die Floridatour vor zwei Jahren.

Einfahrt ins Zentrum von Padua. Die Brücke erinnerte uns etwas an die Floridatour vor zwei Jahren.

Irgendwie schafften wir es dann doch noch ins Zentrum von Padova. Sie ist eine der ältesten Städte Italiens und hat eine lange Geschichte in welcher sie oft die Zugehörigkeit wechselte. Viele der wichtigsten Gebäude wurden zwischen 1200 bis 1500 erbaut und zeugen von einer prächtigen Vergangenheit. Gemütlich fuhren durch die engen, mit runden Steinen gepflasterten Gassen und machten auf dem Weg zum Hotel hier und dort einen Stop um uns diese beeindruckenden Gebäude und Plätze anzusehen.
Unser Hotel liegt nahe am „Prato della Valle“, dem drittgrössten innerstädtischen Platz in Europa. Nur der rote Platz in Moskau und der Place de La Concorde in Paris sind noch grösser, so sagt das auf jeden Fall Wikipedia.
Am frühen Abend machten wir dann nochmals einen Bummel durch die Gassen und genossen diese Atmosphäre, die so gar nicht viel mit den sonst üblichen Touristenstädten gemein hat. Es schien uns zumindest heute, dass die Stadt fast ganz den Einheimischen gehörte.

Bilder aus Padua:

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Prato della Valle

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Basilica di Sant Antonio

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Palazzo della Ragione

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Einfach beeindruckend

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Torre del Orlogio, astronomische Uhr von  1437, und die Pferdchen stolz davor.

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Tram in Padua. Eine Leitschiene, fährt auf Rädern = quietscht nicht und bietet weniger Velofallen beim überqueren der Schiene.

Morgen ist es dann nur noch ein Katzensprung nach Fusina, von wo aus wir Venedig besuchen werden.