Tag 3: Sa. 24.06.2017 Etappe 2 Bratislava – Györ

Distanz 87.36 km / Fahrzeit 4 Std. 55 Min. / Durchschnitt 17.7 / Gesamt 164.8 km
Wetter: heiss 28 – 33 Grad, Nachmittag leichter Westwind

Die heutige Etappe kurz und bündig: Eine heisse Damfahrt!

Der Start heute Morgen verlief problemlos. Kurz noch bei einem Geschäft frische Sandwiches und kühle Getränke eingekauft und schon waren wir unterwegs. Auf dem Weg aus der Stadt mussten wir nochmals eine grosse stark befahrene Brücke überqueren, die zum Glück auf der unteren Ebene einen separaten Fussgänger- Fahrradweg hatte.

Ausfahrt aus Bratislava

Gleich nach der Brücke links auf den Radweg und dann immer der Donau entlang. Am Anfang teilten wir den Weg noch mit vielen Freizeitsportlern die ebenfalls die noch kühlen Morgenstunden genossen und mit Fahrrädern oder Rollerblades unterwegs waren. Auf einigen Kilometern war die Strecke so breit wie eine doppelspurige Strasse mit Leitplanken und Mittellinie. Nur für den Langsamverkehr! Es war fast ein Gefühl wie wenn in der Schweiz die Strassen für die Veranstaltung „Slow Up“ gesperrt werden. Nur hatte es hier nicht so viele Menschen unterwegs. Nebenan verlief eine neue, viel befahrene Schnellstrasse. Vermutlich eine „Geschenk“ der EU und so wurde „unser“ Radweg überflüssig und den Velos überlassen. Uns solls recht sein. Nach gut 20km überquerten wir bei Cunovo ein riesiges Stauwerk. Es ist Teil eines dreistufigen Stauwerks das die Donau hier zurückstaut und in einen separaten Kanal umleitet. Mit diesem Megaprojekt aus den 70er Jahren wurde ein Projekt umgesetzt, dass noch zu Zeiten Stalins entwickelt wurde. Grosse Gebiete der Donauauen wurden dadurch zerstört und es entstand ein grosser See und 17 km langer Kanal, der aber monoton zwischen dem künstlich angelegten, 18 Meter hohen Dam fliest.
Beim Stauwerk in Cunovo wurde der Höhenunterschied des Wassers auch noch für die Freizeitsportler genutzt und eine Wildwasseranlage gebaut. Heute schien gerade ein internationaler Wettbewerb statt zu finden. Wir nutzen das „Unterhaltungsangebot“ für eine kurze Pause.

Kleines Schiff auf grosser Fahrt Richtung schwarzes Meer

Wildwasser an der Staustufe

Endlose Damfahrt

Weiter ging es immer auf dem Dam entlang. Kein Schatten weit und breit und die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel. Oft verschwamm die Strasse am Horizont in der heissen Luft und es kam fast ein bisschen USA Feeling bei mir auf. Heiss, flimmernderes Strassenbelag und immer geradeaus!
In Medvedov hatten wir gut 50 Kilometer „Damfahrt“ an der prallen Sonne hinter uns. Zeit für einen Mittagsrast und ideal um mit kühlen Getränken die Körpertemperatur am Schatten zu regulieren. Danach überquerten wir die Donau und kamen im dritten Land auf dieser Reise an: Ungarn.

Da war wohl mal wer in Kanada. Perfekter Platz für einen Mittagsrast.

 

… und feines Essen hatten sie da auch.

Hier ging es ein Stück auf einer stark befahrenen Strasse entlang bevor wir auf Nebenstrassen ausweichen konnten. Über verschlungene Pfade, Navi sei dank, erreichten wir die Stadt Györ und fanden die reservierte Unterkunft. Eine kühle Dusche war jetzt genau das richtige, etwas ausruhen und dann ging es noch zu Fuss in die Altstadt.
Wir waren wirklich überrascht. Viele schöne Baroke Häuser und viel Leben auf den Gassen. Dass auch noch ein Festival für Streetfood abgehalten wurde lockte natürlich noch mehr Leute auf die Strasse. Die warmen Temperaturen taten ein Übriges und so war alles angerichtet, den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.
Aber nicht zu lange, den Morgen wollen wir noch früher los, die Hitze zwingt uns zur Anpassung der Abfahrtszeiten. Morgen knapp 90 km bis Esztergom.

Nach Österreich und der Slovakei schon unser drittes Land auf der Tour.

Auf Feldwegen dem Verkehr entfliehen.

Hier noch ein paar Impressionen aus Györ.

 

 

 

 

Tag 2: Fr. 23.06.2017 Etappe 1 Wien – Bratislava

Distanz 77.4 km / Fahrzeit 4 Std. 56 Min. / Durchschnitt 15.7 / Gesamt 77.4 km
Wetter: schwül 28 -36 Grad, Vormittags Gewitter mit kurzen Regenschauern, Nachmittag Westwind

Heute haben wir also unsere kurze Sommertour 2017 um 07.30 Uhr offiziell vor dem Hauptbahnhof Wien gestartet. Die Nacht war kurz, da wir gestern ja erst um 23.30 Uhr und damit exakt vier Stunden verspätet im Hauptbahnhof Wien eingetroffen sind. Zum Glück war unser Hotel gleich über die Strasse, trotzdem wurde es 01.00 Uhr, bis wir das Licht löschen konnten. Schon fünf Stunden später erinnerte uns der Wecker daran, dass wir ja wegen der Hitze früh losfahren wollten. So starteten wir noch etwas müde aber zuversichtlich und wurden bei der Ausfahrt aus Wien schon mal positiv überrascht. Die im Navi programmierte Route erwies sich als Volltreffer! Alles Radwege oder sehr ruhige Quartierstrassen, so dass wir ohne Stress plötzlich auf ruhigen Wegen an der Donau entlang unterwegs waren und die Grosstadt rasch hinter uns liesen.

 

Ausfahrt aus Wien

Fahrradrampen zur Donaubrücke

Flussidylle mitten unter der Autobahn

Ab und zu begegneten uns Freizeitradler auf dem Dam, aber meist waren wir alleine unterwegs, konnten gemütlich nebeneinander fahren und plaudern. Nur die dunklen Wolken in unserem Rücken und das bedrohlich Donnergrollen motivierten uns ab und zu wieder etwas konzentrierter in die Pedalen zu treten. Wir hofften so dem nahenden Gewitter zu entkommen. Es nützte alles nichts. Auf offenem Dam war es dann soweit. Gross Tropfen prasselten auf uns nieder und das Donnergrollen wurde immer lauter. Zum Glück sahen wir keine Blitze aber man weiss ja nie. Genau in diesem Moment tauchte ein kleines Häuschen etwas erhöht neben dem Dam auf. Also nochmals kräftig in die Pedalen treten und schon waren wir da und konnten unter dem kleinen Vordach etwas Schutz suchen. Es war sowieso Zeit etwas zu Essen und zu Trinken, so dass wir auch das gleich erledigen konnten. Nach gut 15 Minuten hörte der Regen auf und wir machten uns auf die Weiterfahrt. Wir durchquerten den „Nationalpark Donau Auen“ und wurden von vielen schönen Vogelstimmen begleitet. Gegen 10 Uhr erreichten wir das Dorf „Orth an der Donau“. In einem Gasthaus genossen wir guten Kaffe, feines Gebäck und ein frisches Eis. Wer den ganzen Tag radelt darf sich halt so was gönnen.

Sogar mit Toilette ist der Radweg hier bei Wien ausgestattet.

Storchennest mit Jungen in Orth a.d.D

 

Nach dem Regen

Es ging weiter immer auf dem Dam durch die Donauauen, meist auf gutem Teer- oder feinem Schotterbelag. Links und rechts immer wieder schöne Ausblicke in stille Wasserarme, die vom Hauptstrom abgeschnitten sind und nur bei Hochwasser überflutet werden. Fischreiher, Schwäne, und viele andere Vögel fliegen herum und beglücken uns mit einem schönen Naturkonzert. Kurz vor Hainburg veranschaulichten Tafeln auf einer Brücke die Bedeutung der Auenlandschafft für die Tiere und erzählten die Geschichte des Wiederstands, als 1971 der ganze Auenwald für ein Flusskraftwerk überflutet werden sollte. Umweltaktivisten liesen sich von der Kälte nicht abhalten und schlugen im Dezember 1971 in den Wäldern eine Campinglager auf um die Rodung zu verhindern. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und auch die Gewerkschaften drohten die „Besetzer“ mit Gewalt aus den Wäldern zu vertreiben, da sie um Arbeitsplätze beim Kraftwerksbau fürchteten. Der Widerstand gegen die Zerstörung dieser einzigartigen Landschaft wuchs aber so schnell an, das die Baubewilligung temporär aufgehoben wurde. Jahre später entschied ein Gericht das die Bewilligung zum Bau wiedererechtlich erteilt wurde und so war das Projekt gestorben. Die Natur dankt es indem sie hier, nahe einer Milionenstadt, ihre ganze Vielfalt zeigt.

Auenlandschafft bei Hainburg

In Hainburg entdeckten wir direkt an der Donau ein Gartenretsaurant das laut zu rufen schien: „Kommt herein ihr müden Radler. Hier gibt es zu Essen und zu Trinken.“ Da gab es nichts zu überlegen, denn es war nicht mehr weit bis Bratislava, wir waren schon etwas Müde und eine Erfrischung konnte bei den schwülen Temperaturen nicht schaden.

Strasse in Hainburg

Daran sollte man sich halten.

Der perfekte Mittagsrastplatz

Nach der Stärkung dann die letzen Kilometer nach Bratislava. Nur ein verlotterter Grenzposten zeugte davon, dass wir hier die Grenze zur Slovakei überquerten. Eine Grenze die vor nicht allzulanger Zeit noch eine grosse Hürde darstellte scheint heute kaum mehr zu existieren.

Wer hätte gedacht,das die alten Panzerpisten an den Grenzanlagen mal für etwas gut sein können. Heute perfekte Radwege!

Von Weitem macht Bratislava keinen besonders hübschen Eindruck aber nachdem wir den Weg in die Altstadt gefunden hatten, sah es ganz anders aus. Viele alte, zum Teil sehr schön restaurierte Häuser, kleine Gassen, schmucke Läden und viele Bar’s und Restaurants. Der Weg zu Hotel ist nochmals etwas kompliziert, da uns immer wieder Treppen den Weg versperren und auf der stark befahrenen Hauptstrasse wollen wir nicht fahren. Irgendwie finden wir den Weg und sind froh, die verschwitzten Radlerklamotten ausziehen zu können und eine erfrischende Dusche zu geniessen.
Anschliessend noch ein Besuch in der schönen Altstadt. Die vielen Strassenrestaurants sind gut besetzt und da und dort wird Musik gespielt. Auch ein kleiner Markt ist aufgebaut und die Leute geniessen den warmen Sommerabend im Freien. So kommt richtige Ferienstimmung auf. Jetzt aber ins Bett, morgen geht’s weiter nach Györ, hoffentlich ist es weniger feucht.

Altstadt Bratislava

Musik …

… und leckere Sachen auf dem Markt.

Er betrachtet das ganze Treiben mit stoischer Ruhe

Tag 1: 22.06.2017 Anreise mit Zug von Winterthur nach Wien

Wort zum Tag: „Die Weiterfahrt unseres Zuges verzögert sich um .. Minuten.“

Auch heute mussten wir wieder einmal die Erfahrung machen, das eine Zugreise, ob mit oder ohne Fahrrad, manchmal ganz schön anstrengend sein kann.

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Da waren wir noch im Fahrplan.

Aber der Reihe nach. Schon vor ein paar Wochen wollte ich für uns und die Räder einen Platz im direkten Zug von Zürich nach Wien (Ralijet) reservieren. So müssten wir nur mit der S12 von Winterthur nach Zürich fahren und dort in den Zug nach Wien einsteigen. Der „Traum“ zerplatzte schon am Schalter. Mit dem Nachtzug dürfen die Fahrräder auch im Transbag verpackt nicht mitgenommen werden. Die direkten Züge mit Fahrradmitnahme verkehren an unserem Reisedatum nicht, da zwischen Buchs und Feldkirchen die Bahnstrecke umgebaut wird. Im Bahnersatzbus sind Fahrräder nicht erlaubt. Bingo!
Der Vorschlag der SBB Mitarbeiterin am Schalter war auch nicht so toll. Wir sollten nach München, dort um 17.30h ( = Pendlerstosszeit) in den Regioexpress nach Salzburg umsteigen und dort würden wir den Zug nach Wien erreichen. 12 Minuten Umsteigezeit in Salzburg! Hallo, dass tönte definitiv nach einer stressigen Fahrt mit hohem Potential die Anschlüsse zu verpassen. So recherchierte ich zu Hause und entschied mich mit dem „Münchner“ bis Bregenz zu fahren, dort mit dem Regioexpress nach Feldkirch und dann in den direkten Zug nach Wien. So hatten wir genügend Zeit zu Umsteigen. Der Bahnhof in Feldkirch ist leider nicht mit Rolltreppen ausgestattet und pro Perron steht nur ein Lift zur Verfügung. Da alle internationalen Züge Österreich – Schweiz in Feldkirch wegen der Baustelle enden, waren viele Reisende mit Koffern unterwegs und alle wollten den Lift benutzen, so das es davor zu Schlangen kam. In diese Gedränge hat sich Barbara dann die Kunststoffhalterung der Frontlampe kaputt gemacht. Wir hatten zum Glück etwas Zeit und konnten uns in der nahem Post einen Sekundenkleber kaufen um die Bruchstelle leimen. Hätte nicht gedacht dass ich diese mit allerlei Krimskrams überfüllten Wartbereiche vor den Postschaltern noch mal für nützlich halte. Mal sehen wie lange diese Reparatur hält.

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„Bodenbeleuchtung“ Nicht was wir wollen.

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Ob das hält?

Beim Einsteigen in den Railjet dann der nächste Ärger. Der Zugang zu den Velohaken ist nur durch eine schmale Türe zu erreichen. Also keine grosszügige Einstiegsplattform. Mit Mühe konnten wir die „Lieger“, die ja nicht länger als mein Strassenvelo sind, um die viel zu enge Ecke in das Abteil wuchten und an die Hacken hängen. Wer sich so etwas ausdenkt, war noch nie mit einem Rad unterwegs.

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Geschafft, die Velos hängen am Haken.

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Nun gut, irgendwie hat es geklappt und der Zug fährt pünktlich um 13.17 in Feldkirch los. Die Wagen sind prima klimatisiert, so dass wir uns nach dem Einstiegsstress abkühlen und die Reise geniessen können. Die Ruhe dauert nur kurz. Nach gut 20 Minuten Fahrt kurz vor „Langen am Arlberg“ geht ein Ruck durch den Zug, die Klimaanlage schaltete sich ab und der Zug rollte aus. Wir bleiben stehen und nach einigen Minuten erfolgte die Durchsage das es in wenigen Minuten weiter gehen würde. Ihr wisst ja was jetzt kommt! Zehn Minuten später die nächste Durchsage: „Die Weiterfahrt unseres Zugs verzögert sich um unbestimmte Zeit. Grund dafür ist eine technische Störung an der Lok.“ Bingo! Ich stelle mir schon mal vor wie wir den Zug verlassen und in einen Ersatzzug umsteigen und den ganzen Veloumsteigestress nochmals durchmachen müssen. Um mich etwas abzulenken nehme ich das I-Pad hervor und beginne schon mal an diesem Blogeintrag zu schreiben. Was erledigt ist erledigt. Nun kommt gerade die Durchsage, das eine Ersatzlok angefordert werden muss. Mal sehen wie schnell die Österreicher das schaffen. Zeit 13.45 Uhr.

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Wenigstens genug Zeit die Aussicht zu geniessen.

Zum Glück läuft die Klimaanlage wieder 🙂 Warten ….. 15.20 Uhr, die Ersatzlok ist angekommen, oder besser gesagt der Zug welcher eine Stunde nach uns losgefahren ist und nun hinter uns steckengeblieben ist hat bei uns „angedockt“. So fahren die beiden Züge gemeinsam weiter. Wenn an den Halteorten die Perrons für den nun doppelt so langen Zug zu kurz sind, wird halt in „Etappen“ ausgestiegen. Zuerst die vordere Hälfte, den Zug Vorziehen und dann die hintere Hälfte. Ziemlich kreativ. Wir passen nicht mehr ins Fahrplangefüge der ÖBB und werden immer wieder von rechtzeitigen Zügen die uns überholen ausgebremst. So steigt die Verspätung kontinuierlich weiter an. Wenigstens funktioniert das gratis Internet über ÖBB-WLAN sehr gut und ich kann schon mal die Fotos für den Blog hochladen und den Text fertig Vorbereiten.

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Speise und Getränk hatte es auch an Bord. Nur unsere Tischnachbarn waren bei der Schnellbremsung nicht reaktionsschnell genug = Bier über dem Tisch, den Würstchen, der Semmel und am Boden, was für eine Verschwendung. Wir blieben trocken 😉

Entgegen meiner Hoffnung nimmt die Verspätung jedoch nicht ab. Vor St. Pölten bleiben wir immer wieder auf offener Strecke stehen. Wir haben mittlerweile über 3 1/2 Std. Verspätung und langsam wird das Sizten mühsam. Zum Glück hat es im Zug nicht mehr so viele Leute und so gehen wir im Zug immer mal wieder „spazieren“. Es ist 22.30 Uhr und wir stehen immer noch. Übrigens haben wir den Schaffner schon seit 2 Std. nicht mehr gesehen. Nur am Lautsprecher ist er so alle 40 Minuten mal mit einer Entschuldigung zu hören. Er scheint sich auch nicht mehr wohl zu fühlen.

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Alle Sudoku und Kreuzworträtsel sind gelöst.

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Wenn man die Abfahrtszeiten des bei uns angedockten Zuges der eine Stunde später verkehrt anzeigt, sieht das nur halb so „schlimm“ aus.

Auch ich habe langsam keinen Bock mehr auf’s Zugfahren. Hoffen wir, dass wir noch vor Mitternacht im Hotel ankommen und die Reception besetzt ist.
Wir fahren wieder und werden wenn nun alles gut geht mit 4 Stunden Verspätung in Wien eintreffen. ÖBB, das war keine Meisterleistung.
Ich lade jetzt den Blog aus dem Zug hoch und wünsche euch eine gute Nacht

Letzte Vorbereitung

Bald geht’s los und wir dürfen zu einer weiteren Liegeradreise starten.
Am 22.06.17 fahren wir mit dem Zug nach Wien, wo wir am folgenden Tag unsere Reise der Donau entlang Richtung Belgrad starten werden.
Wir sind gespannt auf neue Reiseeindrücke entlang der Donau und freuen uns auf Begegnungen links und rechts der Eurovelo 6.
Jetzt heisst es noch die letzten Sachen packen, die Fahrräder vorbereiten und letzte Reisevorbereitungen treffen. Dazu gehört nach bald einem Jahr Pause natürlich auch ein Testblog zu erstellen um sicher zu gehen, dass ich euch von Unterwegs berichten kann.
Also bis bald.

Die beiden freuen sich auch schon auf die Reise.

 

Mi. 05. – Fr.07.10.2016: Heimreise mit Zug via Graz

Für die Heimreise haben wir uns eine Verbindung ausgesucht die mit möglichst wenig Umsteigen verbunden ist. Dazu Züge in denen der Fahrradtransport erlaubt ist und mit Graz haben wir eine uns bis jetzt noch unbekannte Stadt eingebaut, in der wir einen Tag Aufenthalt genossen.

Die Reise startetet in Cres mit der Katamaranfähre nach Rieka. Wir haben vor einigen Tagen vor Ort abgeklärt, ob die Mitnahme unserer Velos möglich sei. Kein Problem hat uns der Matrose versichert. Wir müssten einfach beim Einsteigen pro Velo 50 Kuna (ca. 8 sFr.) bezahlen. Die Passagierbillette sind in Cres im Tourismusbüro zu lösen. Kosten 35 Kuna p.P. ( ca. 5.50 sFr.)

Bereit zum Einsteigen

Bereit zum Einsteigen

Die Räder gut festgezurrt an Deck

Die Räder gut festgezurrt an Deck

Die Fähre startete trotz stürmischem Wind pünktlich um 08.20 Uhr und die Fahrt nach Rieka dauerte 80 Minuten. Dort angekommen hatten wir genügend Zeit zum Bahnhof zu fahren und uns die Billette bis Graz zu besorgen. Dazu die Fahhradtickets (12 sFr.) bis zum nächsten Umsteigebahnhof in Liubljana.
Unser Zug fuhr um 11.55 Uhr und stand schon eine halbe Stunde vor Abfahrt am Perron bereit, so dass wir ohne Stress die Räder im vorgesehenen Abteil verstauen konnten.

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Der Zug am Perron

Auch Liegerädern passen an die Velohaken im Zug

Auch Liegerädern passen an die Velohaken im Zug

Die gemütliche Fahrt durch das gebirgige Nordkroatien und Slovenien war eine Reise in längst vergangene Eisenbahnerzeiten. Viele Stellwerke sind noch mit einer alten, mechanischen Technik ausgerüstet und auf allen Bahnhöfen beobachtet der Bahnhofvorstand mit roter Müze die Zugdurchfahrt, bzw. gibt dem Zug den Abfahrbefehl durch Winken mit der Kelle. Die Fenster konnten wie früher geöffnet werden und da der Zug nicht zu schnell fuhr war es am offenen Fenster richtig angenehm.

Das Bahnhofgebäude erzählt von einer prunkvollen Vergangenheit.

Das Bahnhofgebäude erzählt von einer prunkvollen Vergangenheit.

Nachdem wir die Küste hinter uns gelassen hatten wurde die Landschaft sehr waldreich und an vielen Bahnhöfen werden Holzstämme verladen.

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Pünktlich um 14.50 Uhr fuhren wir im Bahnhof von Ljubljana ein. Wir hatten wieder 70 Minuten Zeit um die Fahrradtickets für den Abschnitt bis Graz zu kaufen (5 Euro) und den Perron zu wechseln.
Wieder stand unser Zug schon lange vor der Abfahrt am Perron, so dass der Einlad ein weiteres mal völlig entspannt war. Der Eurocity Richtung Wien benötigte knapp 3 1/2 Stunden bis Graz, wo wir ein Hotel in Bahnhofsnähe bezogen. Der erste Abschnitt der Heimreise war also viel einfacher als erwartet verlaufen.
Den Donnerstag genossen mit einem Stadtbesichtigungs- Einkaufs- und Beizenbummel, in Graz.

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Kunstmuseum Graz (oder ein „Geschwür“?)

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Die Teller werden hier sauber aufgegessen.

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Mit der Standseilbahn auf den Schlossberg

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Innovative Architektur in alten Gebäuden. Dank „Lichtschächten“ gibt’s im Keller auch Tageslicht

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Ach ja, wir mussten uns ja noch die Fahrradplätze für die Heimfahrt am Freitag reservieren lassen. Der Herr am Schalter erklärte uns, dass die Platzreservation das allerwichtigste sei, ohne könnten wir die Räder nicht mitnehmen. Kosten für Platzreservation und Fahrradtransport Graz bis Zürich: 22 Euro.

Freitag 09.30 Uhr: Wie nun schon fast üblich stand der Zug wieder lange vor Abfahrt am Perron, was zu einem weiteren entspannten Verlad beitrug. Dann hiess es um 09.45 Uhr: „Platz nehmen, der Zug fährt ab“.
Wir genossen eine gemütliche Zugfahrt mit lesen, plaudern mit Mitreisenden, Besuche im Speisewagen, dösen oder einfach zum Fenster hinausschauen und die Landschaft an einem vorbeiziehen lassen. Um 19.20 Uhr waren wir wie geplant in Zürich. Ein letztes mal Umsteigen in den Zug nach Winterthur. Rolltreppen mit vollbepackten Liegerädern sind für uns mittlerweile eine leichte Übung und bald fuhren wir die letzten Meter auf den Liegern vom Bahnhof nach Hause.
Eine wunderbare Reise war zu Ende.

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Bis zu einer nächsten Reise, „ä guätä Zyt“.

 

Di. 27.09 – Mi. 05.10.2016: Entspannten in Cres

Hier noch ein paar Bilder unserer „Entspannungswoche“ in Cres, die wir bei überwiegend sonnigem Wetter geniessen konnten. (Luft: 23 -25 Grad und Wasser: 21 Grad)

Viele leere Stellplätze unter Pinien. Im Hochsommer heissbegehrt

Viele leere Stellplätze unter Pinien. Im Hochsommer heissbegehrt

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Diese Reservationsschilder werden erst nächste Saison wieder eingesetzt.

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Überall auf dem Platz reifen die Oliven

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Unsere Unterkunft in Cres

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Kristallklares Wasser in der Bucht von Cres

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Darin fühlen sich offenbar auch unsere „Schwimmkollegen“ wohl.

Ansichten von Cres

Ansichten von Cres

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„Dorfplatz“ mir Schiffen belegt

 

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Hier lässt es sich gut entspannen

Hier lässt es sich gut entspannen

Enge Gassen in der Altstadt

Enge Gassen in der Altstadt

Kleine Läden in jedem Winkel. Hier gibt's gute Weine und feinstes Olivenöl. Leider ist das mit dem Transport bei Velotouren etwas eingeschränkt.

Kleine Läden in jedem Winkel. Hier gibt’s gute Weine und feinstes Olivenöl. Leider ist das mit dem Transport bei Velotouren etwas eingeschränkt.

Kleine Gärten mitten im Gewirr der Altstastgassen

Kleine Gärten mitten im Gewirr der Altstastgassen

Marktplatz

Strassencafé und Marktplatz

Die Ernte ist bereit zum Verkauf

Die Ernte ist bereit zum Verkauf

Am letzten Abend nochmals ein richtig spektakulärer Sonnenuntergang

Am letzten Abend nochmals ein richtig spektakulärer Sonnenuntergang

 

 

Tag 12: „final countdown“

Dienstag 27. September 2016

Radstrecke: Vozilici – Brestova / Fähre / Porozina – Cres = 43 Km, Gesamt: 727 km
Fahrzeit 3 Std. 31, Durchschnitt 12.1
Wetter: ganzer Tag sonnig, 23 Grad,

Heute war also die „Zielankunft“ in Cres geplant. Wir wussten das es viel bergauf gehen würde und das der Fährenfahrplan in der Planung zu berücksichtigen war. Bis zur Fähre waren es noch 13 Kilometer, wovon mindestens zehn eine Bergauffahrt bedeuteten. Also war mit einem Schnitt von nicht viel mehr als 8-9 km/h zu rechnen und da die angepeilte Fähre um 9.45 Uhr abfuhr, mussten wir um acht losfahren. Heute also kein wirkliches Frühstück. Etwas trinken, ein paar Nüsse, das Geld im Zimmer deponiert und los ging es. Von unseren Zimmervermietern war noch nichts zu sehen und zu hören und so fuhren wir still und leise davon. Schon nach ein paar hundert Metern stieg die Strasse an und das blieb die nächsten 10 Kilometer so.

Gut ausgeschlafen und mit der Sonne im Gesicht fährt es sich ganz locker aufwärts.

Gut ausgeschlafen und mit der Sonne im Gesicht fährt es sich ganz locker aufwärts.

Ab und zu ein Halt um etwas zu trinken, ein Blick in die Landschaft und weiter. Die Sonne schien bereits vom noch leicht bewölkten Himmel und dank wenig Verkehr konnten wir die Fahrt trotz Anstrengung geniessen. Die ganzen Höhenmeter die wir hochgestrammpelt waren wurden nun in nur drei Kilometern wieder vernichtet. Unsere Bremsen hatten also richtig Arbeit und trotzdem schafften wir knapp 60 km/h. Was für ein Genuss.

Bald ist das Zwischenziel erreicht.

Bald ist das Zwischenziel erreicht.

Wir waren noch gut 20 Minuten zu früh an der Fähre und konnten uns dort noch ein Sandwich besorgen. Gleich nach uns fuhr ein Österreicher mit seinem selbstgebauten Motorrad in den Wartebereich für 2-Räder. Was für eine Maschine! Wir kamen ins Gespräch und ich fragte ihn, ob er sein Krokodil nun im Meer schwimmen lassen wolle 😉

Ein wirklich seltenes Teil.

Ein wirklich seltenes Teil.

Er erzählte mir, dass er seine Maschine vor nun schon 17 Jahren selber und mit Hilfe eines Freundes, der Sattler ist, gebaut hat. Er sei auch beruflich fast die Hälfte des Jahres in den USA und nehme sein Motorrad ab und zu mit. Er zeigte sich beeindruckt von unserer Fahrradreise und als er erfuhr das ich die USA mal mit dem Ligerad durchquert habe schaute er mich ungläubig an. „Echt jetzt, erzählst du keinen Mist?“ Er machte ein Foto von unseren Rädern und sagte, dass müsse er unbedingt seinem Freund erzählen, der in den USA Motorradtouren auf der Route 66 begleite. Dass es Leute gebe die sowas mit dem Fahrrad machen, Rsepekt.
Für ein Foto durfte ich mich auf seine Maschine setzten und für einen ganz kurzen Moment habe ich gedacht „wär ja auch ganz cool“.

To easy für einen "Bicycle rider"

To easy für einen „Bicycle Rider“

Das Pferdchen nebenan begann nervös zu wiehern und mir war klar, wohin ich gehörte.
Als wir auf die Fähre führen, trafen im letzten Moment noch zwei deutsche Radler ein, die wir am Vorabend schon im Restaurant in Vozilici getroffen haben. Sie sind mit dem Auto nach Pula gereist und wollen nun zwei Wochen mit den Rädern durch Kroatien fahren.

Überfahrt nach Porozine

Überfahrt nach Porozina. Wir waren nicht die einzigen mit Fahrrädern.

In Porozina angekommen hiess es nocheinmal hochstrampeln. Von Meereshöhe ging es wieder ein paar hundert Höhenmeter hinauf unsere so war für die nächsten Kilometer wieder ein sehr kleiner Gang und Geduld angesagt. Wir waren froh diesen Abschnitt nicht auch noch gestern gefahren zu sein.

Sogar für ein Spässchen reichte die Energie noch auf dem Weg nach oben.

Sogar für ein Spässchen reichte die Energie noch auf dem Weg nach oben.

Heute hatten wir alle Zeit und gingen es ruhig an. Auch verkehrsmässig ist so eine Fähre super. Bei der Ankunft läst man mal alle Autos abfahren und hat dann die Gewissheit, dass die nächsten 90 Minuten kaum mehr ein Auto von hinten kommen wird. Nach besagten 90 Minuten suchten wir uns einen schattigen Platz, machten Pause, liessen die Autos und Lastwagen vorbeifahren und hatten anschliessend wieder Ruhe. So kamen wir entspannt in Cres an.

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Heute war genug Zeit für Fotostops. Zum Glück war es kein Gegenwind. (Fahne beachten)

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Bergdorf auf der Insel Cres. Tolle Wohnlage mit Weitblick.

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Genauso haben wir die Insel in Erinnerung

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Ab hier ging es fast nur noch runter!!!

Es war ein super Gefühl mit den Liegern dem Strand entlang zu fahren, das klare Wasser zu bewundern und am Nachmittag darin zu baden.
Genauso haben wir uns die Ankunft erträumt!

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Am Ziel

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Zum Abschluss noch die Fahrt auf der Promenade.

Noch immer ist auf dem Campingplatz soviel los, dass die Geschäfte und Restaurants geöffnet sind aber es ist natürlich alles viel entspannter, als dass wir es von den Sommerferien gewohnt sind. Also ideal, um uns hier nach dieser tollen Tour einige Tage zu entspannen und zu erholen. Für die Rückfahrt nehmen wir dann den Zug. Von Rijeka über Lijubliana nach Graz und von dort mit den direkten Zug nach Zürich. Wir hoffen dass auch das so problemlos verläuft wie die Hinreise. Vielleicht mache ich dazu später noch einen Eintrag.
Auf jeden Fall hat es wiedereinnmal Spass gemacht für euch zu bloggen und eure Unterstützung zu spüren.
… und ich habe das Tagebuch dieser Reise auch schon geschrieben.

Bolgarbeit in schöner Umgebung. Danke, das war's!!!

Bolgarbeit in schöner Umgebung. Danke, das war’s!

Tag 11: Berg und Tal

Montag 26. September 2016

Radstrecke: Buzet (HR) – Vozilici = 50 Km, Gesamt: 685 km

Fahrzeit 3 Std. 48, Durchschnitt 13
Wetter: ganzer Tag sonnig, 25 Grad,

In Buzet haben wir uns ganz gut von den Strapazen erholt. Im Hotel, dass noch den Charme der 60er Jahre hinter dem eisernen Vorhang ausstrahlte, konnten wir uns am Frühstücksbuffet für einen weiteren Tag mit vielen Anstiegen stärken.

Vom Hotelbalkon aus "nichts als Hügel".

Vom Hotelbalkon aus „nichts als Hügel“.

Wir hatten nicht wirklich ein festeres Ziel. Im besten Fall könnte es bis nach Cres reichen, aber dann müsste alles optimal laufen und die Anstiege dürften nicht zu lang und knackig sein. Ansonsten einfach in die Nähe von Brestova einen Schlafplätze finden um Morgen die Schlussetappe nach Cres zu geniessen.
Schon kurz ausserhalb von Buzet wurde klar: Das wird ein weiterer harter Tag! Die ersten 15 Kilometer ging es fast nur bergauf, wovon die ersten fünf wirklich steil und für uns schon fast amLimit waren. Irgendwie schafften wir es doch alles zu fahren aber suchten auch immer wieder die kleinen Schattenplätze auf, um uns kurz zu erholen und zu trinken, den der Schweiss floss in Strömen und mit Flüssigem hatten wir uns heute Morgen gut eingedeckt.

Bergpredigt Nr.1 erreicht

Bergpreis Nr.1 erreicht

Unser Übernachtungsort Buzet aus der Ferne

Unser Übernachtungsort Buzet aus der Ferne

Die Fahrt an sich war eher unspektakulär und wir beschlossen nach der gestrigen Erfahrung uns auch Heute eher an die grösseren Strassen zu halten, was zwangsläufig auch mehr Verkehr und teilweise Lastwagen mit sich bringt. Obwohl das nicht immer angenehm ist, besser als kroatische Nebenstrasse ist das allemal. So ging es immer wieder rauf und runter und die Durchschnittsgeschindigkeit fiel entsprechend in den Keller. Gegen Mittag war klar, wir wollten uns keinen Stress machen und würden heute noch irgendwo vor Brestova übernachten. Denn nach der Fähre steigt die Strasse nach Cres nochmals kräftig an und wir möchten es auf der Insel Cres bis zum Campingplatz Kovacine schaffen, auf dem wir schon so manche schöne Sommerferienwochen verbracht haben.

Da wollen wir hin: Fähre in Brestova

Da wollen wir hin: Fähre in Brestova

Auf der Landkarte entdeckten wir den kleinen Ort „Polmin Luka“, der offenbar an einer kleinen Bucht liegt. Das wäre doch der ideale Ort für einen frühen Feierabend. Dann noch etwas im Meer schwimmen und entspannen! Gegen 3 Uhr Nachmittags fuhren wir voller Vorfreude die steile Strasse in die Bucht hinunter. Oben beim Abzweiger war ein Schild, welches unten an der Bucht auf Übernachtungsmöglichkeiten hinwies. Unten angekommen war die Enttäuschung gross. An der Bucht stand ein grosses Kohlekraftwerk, im gut geschützen Hafen lagen einige Fischerboot und irgendwie sah der Ort gar nicht nach schöner Badebucht aus.

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Auf de ersten Blick gar nicht schlecht aber …

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… nicht wirklich Idyllisch.

Im einzigen offenen Restaurant fragten wir nach Übernachtungsmöglichkeiten. Wir bekamen ein kurzes „Hier nicht, oben in Vozilic gibt es Zimmer“. Also wieder die steile 10% Steigung hochstrampeln, als ob wir noch nicht genug Höhenmeter gemacht hätten.

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Wieder eine happige Steigung geschafft.

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Heute schlafen wir hier.

Oben angekommen fanden wir in einem Privathaus ein passendes Zimmer, entluden die Räder und genossen den warmen Nachmittag im Garten und hatten Zeit den Blog zu aktualisieren.
Wir sind bereit Morgen das Ziel zu erreichen und freuen uns jetzt schon auf den erfrischenden Sprung ins Meer

Tag 10: „Grenzerfahrung“

Sonntag 25. September 2016

Radstrecke: Sistiana – Triest – Buzet (HR) = 75 Km, Gesamt: 635 km
Fahrzeit 5 Std. 57, Durchschnitt 12.6
Wetter: ganzer Tag sonnig, 25 Grad,

Etappenübersicht (www.gpsies.com)

Etappenübersicht (www.gpsies.com)

Angefangen hat der Tag ja wie im Bilderbuch. Der Himmel schon am Morgen strahlend blau und unseren nette B+B Gastgeberin Chiara hatte uns den Frühstückstisch im Garten gedeckt und wir stärkten uns mit feinem Fruschtsalat, Joghurt und typisch italienisch Biscoti für einen langen Tag.

Frühstück im Garten

Frühstück im Garten

Die Fahrt nach Triest war einfach traumhaft. Wir mussten uns zurückhalten um nicht bei jedem tollen Aussichtspunkt ein Foto zu machen. Der Verkehr war wie erwartet ruhig nur an der Promenade in Triest war schon einiges los. Vor allem die älteren Semester waren früh aufgestanden und hatten sich den Liegestuhl geschnappt um an der Promenade die begehrtesten Plätze für das Sonnenbad zu reservieren. Da haben es die Liegeradler zum Glück bedeutend einfacher. An die Promenade fahren, freien Platz suchen, anhalten und die Sonne geniessen. Der Liegestuhl ist ja immer mit dabei 😉

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Traumhafte Ausblicke über die Bucht

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Die sonntäglichen SonnenanbeterInnen an der Promenade von Triest

Ich bin auch ein Liegestuhl.

Ich bin auch ein Liegestuhl.

Wir kamen ganz gut durchs Zentrum von Triest und am Hauptbahnhof kauften wir im Kiosk noch die letzten vorhandenen Waserflaschen, da wir heute eher etwas abseits unterwegs sein würden. Aber doch hofften wir natürlich da und dort mal eine Gelegenheit für eine Zwischenverpflegung zu finden.

Der Bahnhof in Triest erstrahlt im Galn vergangener Tage

Der Bahnhof in Triest erstrahlt im Glanz vergangener Tage

Da wir nun die istrische Halbinsel in einer Diagonale durchfahren wollten, mussten wir uns in Triest etwas links halten und langsam an Höhenmeter gewinnen. Immer wieder sahen wir die Hinweisschilder welche uns auf den Radweg der „Parenzana“ führen würde. (Mehr Infos unter: www. bahntrassenradwege.de/Index.php?page=parenzana“ ) Der Weg ist also auf einer nicht mehr in Betrieb stehenden Bahntrasse errichtet worden und zeichnet sich so mit moderaten Steigungen aus. Tönt ja mal ganz gut. Wenn der Weg dann aber vor allem aus groben Steinweg (=Rüttelpiste) besteht, wird das mit einem voll beladenen Bike schon ziemlich anstrengend.

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Zwar hatten wir da schon einige Höhenmeter hinter uns, aber soweit fühlten wir uns noch recht gut.

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Mit der Zeit werden solche Wege recht anstrengend.

Es war erstaunlich viel los auf diesem Weg. Velofahrer und Wanderer genossen den Sonntag auf dem Weg der „Freundschaft und Verbundenheit“ und wir hatten das Gefühl kaum vorwärts zu kommen. 6 – 9 km zeigte unser Tacho, definitiv zu wenig für eine lange Etappe. Und was ich am Vortag über „ideale Radlertemparatur“ geschrieben habe, ist natürlich nur, wenn auch zügig gefahren werden kann und der Fahrtwind einem so auch abkühlt. Für eine lange Bergauffahrt war es definitiv zu heiss. Unser Wasservorrat schrumpfte immer mehr und weit und breit keine Füllstation in Sicht. Erstaunlich, dass hier im Gegensatz zum Vinschgau noch niemand auf die Idee gekommen ist, mit den durstigen Radleren und Wanderer ein Geschäfft zu machen. Wir begannen die Wasservorräte immer mehr einzuteilen und als diese schon fast leer waren, trafen wir auch eine Veranstaltung des italienischen Zivielschutz und Bergrettungsdienst, die am Radweg einen „Informationstag“ veranstalteten. Die „Retter“ spendierten uns Kühlers Wasser und wir revanchierten uns mit einer Spende. So konnten wir mit neuen Vorräten weiterfahren.

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Endlich frisches Wasser, Grazie

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Wir erreichen Slovenien

Kurz darauf passierten wir die „grüne Grenze“ und kamen in Slovenien an. Immer weiter Bergauf, immer auf anstrengendem Schotterweg und kein Ende in Sicht. Der Blick auf die Karte verriet uns, dass wir weit hinter der erhofften Marschtabelle zurücklagen. Aber irgendwie könnten wir ausser dem angepeilten Buzet keinen vernünftigen Ort auf unserer Route ausmachen, wo wir die Etappe beenden konnten. Kurz vor 15 Uhr hatten wir endlich das Ende des Radwegs erreicht und konnten nun die nächsten Strecke wieder auf geteerten Strassen unter die Räder nehmen. Wir kamen gut voran und die „weiss markierten“ Nebenstrasse war ein Traum. Hoch über dem Karstgebirge genossen wir die Fahrt und und schöpften wieder Zuversicht das Ziel doch noch zu erreichen. Doch bald darauf endete die gute Strasse im kleinen Ort Crnotice. Am Ende des Dorfes, wo unsere Strase weiterführen sollte gab es nur noch einen schlechten Schotterweg. Wir kehrten nochmals um und fragten einen Einheimischen: „Geht es hier wirklich nach Popec?“. Nach kurzem Zögern kam ein überzeugtes „Ja“, also fuhren wir weiter.

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Gleich hinter dem letzten Haus war die Strasse zu Ende.

Der Schotter wurde immer weicher und tiefer und an ein Fahren war bald einmal nicht mehr zu denken. So schoben wir die Räder unter grosser Kraftanstrengung die kurzen aber oft steilen Anstiege hoch und versuchten beim hinunterfahren im viel zu weichen Schotter mit den schwer beladenen Rädern nicht umzufallen.

Zu steil und zu rutschig und es wurde immer schlimmer.

Zu steil und zu rutschig und es wurde immer schlimmer.

Weit und breit kein Mensch mehr, keine Häuser, die Sonne brannte vom Himmel und das Wasser ging wieder zur Neige. Wenn wir nicht bald eine Vernünftige Strasse finden würden, könnten wir das Tagesziel vergessen und mussten für die Übernachtung wohl improvisieren. Endlich, nach vielleicht einer Stunde erreichten wir eine kleine Siedlung.

Typisches Dorf im gebirgigen Herzen von Istrien

Typisches Dorf im gebirgigen Herzen von Istrien

Ein älterer Mann sagte etwas zu uns, was wir aber nicht verstanden. Ich fragte „Voda?“ und er nickte. Kam hinunter und stellte uns am Brunnen kühles Wasser ein, mit dem wir unsere Flaschen wieder füllen konnten. Endlich hatten wir hierher eine „höher klassierte“ Strasse erreicht, die nun hoffentlich durchgehend asphaltiert sein würde. Den nun begann der Wettlauf mit der Zeit. Unterwegs hatte uns jemand Gesagt, dass der kleine Grenzübergang den wir nehmen wollten um 18.00 Uhr schliesst. Es war mittlerweile kurz davor und die Strasse war nach wie vor sehr hügelig, unsere Beine müde und so schafften wir es nicht mehr alle Steigungen zu fahren. Beim Schieben sinkt das Tempo noch mehr und uns war klar, bis 18.00 Uhr ist die Grenze nicht mehr zu schaffen. Vielleicht lassen sie ja wenigstens Fussgänger und Radler durch.
Dann endlich tauchte das Gernzgebäude auf einer Hochebene auf und als wir näher kamen atmeten wir auf, den hier waren die Öffnungszeiten bis 22.00 Uhr angegeben. Der Anwesende Zöllner sah sich wortlos unsere Dokumente an und öffnete die Barriere. Wir hatten es geschafft, waren in Kroatien angekommen.
Kurz darauf passierten wir einen Stacheldraht Zaun, welcher die Flüchtlinge aus dem Süden an ihrer Weiterreise in den Norden hindern sollte. Schlagartig empfanden wir unsere „Strapazen“ als absolut unbedeutend. Wir waren schliesslich freiwillig hier und machte eine solche Tour zur Erholung. Zudem war immer klar, dass wir irgendwo ein Bett, etwas zu Essen und zu Trinken bekommen würden, den wir hatten ja Bargeld und gültige Papiere. Wie müssen sich die Menschen fühlen, welche aus ihrer Heimat fliehen müssen weil einige selbstsüchtige Idioten ihnen auf verschiedenste Weise die Lebensgrundlage entziehen, sei es durch physische oder wirtschaftliche Gewalt. Wenn sie mit allem was ihnen geblieben ist, den Kindern und Eltern an diese Stacheldratwände laufen? Was geht wohl in ihnen vor? Und wir haben noch vor ein paar Minuten über unsere Situation „gejammert“.

Bei diesem Anblick war alles nur noch halb so "schlimm".

Dieser Anblick hat alles relativiert.

Bis Buzet waren es noch gut 14 Kilometer, aber zum Glück meist bergab. Kurz nach 19.00 Uhr erreichten wir völlig erschöpft und ausgelaugt Buzet. Ein Hotel war zum Glück schnell gefunden und die erfrischende Dusche brachte die Lebensgeister wieder zurück. Etwas Essen und gute Erholung wird uns nun gut tun, den Morgen geht es nochmals hügelig weiter, aber wir fahren sicher nicht mehr auf einer „weissen“ Strasse

Tag 9: Badetag

Samstag 24. September 2016

Radstrecke: Latisana – Sistiana = 75 Km, Gesamt: 560 km
Fahrzeit 4 Std. 32, Durchschnitt 16.4
Wetter: ganzer Tag sonnig, 27 Grad, leichter Seitenwind aus Süden

Heutiger Routenplan

Heutiger Routenplan

Der heutige Tag war bis jetzt der wohl „langweiligste“ Tag der ganzen Reise und bestand zur Hauptsache darin, möglichst ruhige Wege und Strassen zu finden und uns so nahe wie möglich an Triest heranzupedalen. Morgen wollen wir die Gunst des Wochentags nutzen und wie schon auf der USA Reise mehrfach positiv angewendet, eine verkehrsreiche Stadt am Sonntag durchqueren.

Der Tag war aber zumindest was das Wetter anbelangte „1A“: Sonne pur und gut 25 – 27 Grad. Für mich eine ideale Radlertemperatur.

Bei der Temperatur dürften die Flaschen etwas grösser sein.

Bei der Temperatur dürften die Flaschen etwas grösser sein.

Wie gesagt war heute die Suche nach dem richtigen Weg ein grosses Thema. Einerseits wollten wir endlose und eintönige Fahrten entlang stark befahrener Schnellstrassen vermeiden, andererseits sollten die Umwege dann auch nicht zu gross sein. Da die Gegend hier immer noch mit vielen Kanälen durchzogen ist, enden sie Wege oft am Wasser und zur nächsten Brücke können es einige Kilometer sein. So haben wir heute oft die Papierkarte und das Navi auf dem Handy konsultiert und die nächsten Kilometer abgesprochen. Das hat natürlich nicht gerade zu einem flüssigen Fahren geführt uns so ging es nur zäh voran.

Wohin genau???

Wohin genau???

Ab und zu konnten wir uns über tolle Abschnitte und schöne Aussichten freuen und kurz darauf war wieder volle Konzentration angesagt, wenn auf den Hauptstrassen ohne Seitenstreifen die Autos von hinten heranbrausten.

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Diese Schattenalle haben wir heute Mittag geschätzt.

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Immer wieder stimmungsvolle Bilder an den Kanälen.

Aber wer in der Routenplanung die Brücken nicht berücksichtigt ...

Aber wer in der Routenplanung die Brücken nicht berücksichtigt …

... Wird mit langen Umwegen bestraft.

… wird mit langen Umwegen bestraft.

Radweg durch einen Park in Monfalcone

Radweg durch einen Park …

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… und dem Hafenkanal entlang, wunderbar.

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Kurz darauf diese Schikane. Wer denkt sich nur solchen Schwachsinn aus. Wohlgemerkt, wir sind auf dem offiziellen Adria – Radweg

Kurz darauf die "Schnellstrassenrealität"

Auch davon gab es heute reichlich: „Schnellstrassenrealität“

So um vier Uhr hatten wir genug und unten an der Strasse lockte das Merr zum Baden. So beschlossen wir in Sistiana ein Unterkunft zu suchen und uns noch etwas in der Adria zu erfrischen. Über ein Touristenbüro am Ortseingang liessen wir uns ein B+B reservieren und fanden die Adresse nach einigen Schwierigkeiten dann doch noch.

Dieser Ausblick war zu verlockend. Wir wollten ins Meer!

Dieser Ausblick war zu verlockend. Wir wollten ins Meer!

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Tagesziel erreicht

Wir haben hier einen tollen Platz gefunden, deponierten das Gepäck und gingen die knapp 10 Minuten hinunter als Meer. Dort fanden eine kleine Badebucht und genossen das erfrischende Bad in der noch immer angenehm warmen Adria. Gleich liegt ein Yachthafen und es gibt einige kleine Restaurants, wo wir uns ein gemütliches Essen gönnten. So genossen wir nach einem eher „mühsamen Radlertag“ doch noch einen schönen Abschluss.

Tag 8: „Mare e Terra“

Freitag 23. September 2016

Radstrecke: Alberoni – Lido / Punta Sabbioni – Lido di Jesolo – Carole – Latisana = 86 Km, Gesamt: 485 km

Fahrzeit 4 Std. 31 Min., Durchschnitt 18.8
Wetter: ganzer Tag sonnig, 23 – 26 Grad, leichter Seitenwind aus Süden

Routenübersicht

Routenübersicht

Heute stand nun der Abschnitt der Reise an, der sich trotz ausgiebiger Recherche im Internet nicht eindeutig planen lies. Die Frage lautete ja: Wie kommen wir mit den Rädern von Fusina nach Punta Sabbione? Die Lösung, das Schiff ab Fusina nach Albroni, das nach Voranmeldung 2 Räder mitnimmt, dann auf der Insel „Lido die Venezia“ die gut 8,5 km bis Lido S.M. radeln und dort die Fähre nach Punta Sabbioni nehmen. Gestern haben wir die Billette für das erste Teilstück gekauft und so standen wir erwartungsfroh um 09.20 Uhr an der Bootsablegestelle. Es gesellte sich noch eine weitere Radfahrerin zu den mit uns wartenden Passagieren. „Ich dachte es hat nur Platz für zwei, die kann wohl kaum einfach so mitfahren“, sagte ich zu Barbara und einen kurzen Moment z später kam ein Mitarbeiter der Bootslinie zu uns und fragte: „Habt ihr eine Reservation?“ „Si“ sagte ich in meinem besten Italienisch und zeigte stolz den Fahrschein den ich gestern am Schalter bekommen habe. „Aha, meinte der Herr, dieser war aber für gestern um 11.30 Uhr, da habe ich auch zwei Räder erwartet, aber es ist niemand gekommen.“ „Grande problema“ sagte er und ging zum Bürohäuschen. Dort gestikulierte er wild und sagte etwas von „Due Bici, molto grande“. Da war wohl etwas schief gelaufen! Aber wir mussten unbedingt mit, sonst würde unser Tagesplan nicht aufgehen. Also entschuldigte ich mich erst mal und erklärte dem Herrn das ich die Velos ganz klein machen könnte. Alles Gepäck abladen, Sattel wegnehmen, Lenker querstellen, alles kein Problem. Da hellte sich seine Mine auf. „Ah buono, no Problem you can come“ sagte er ich gebrochenem Englisch und unser Tag war vorerst gerettet.
Das Verladen lief problemlos und das Schiff hatte drei Fahrräder, ca. 30 Einheimische und uns zwei an Bord.

Es geht also doch. Die Pferdchen machen hinter dem Kapitän gaaaanz klein

Es geht also doch. Die Pferdchen machen sich hinter dem Kapitän gaaaanz klein

Nach 40 Minuten fahrt durch die Lagune legten wir kurz nach 10 Uhr in Alberoni an. Wir konnten es gemütlich angehen, denn die nächste Autofähre fuhr ja erst um 12.29 Uhr und es war nur knapp 30 Minuten bis nach Lido S.M.

Unterwegs auf dem Lido di Venezia

Unterwegs auf dem Lido di Venezia

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Das wirkt hier viel entspannter als in der Stadt.

Dort angekommen sahen wir an der Abfahrtstafel, dass in 5 Minuten das 10.59h Schiff abfahren würde. Ich ging also rasch zum Schalter und fragte, ob dieses Schiff auch Fahrräder mitnehme. „Kein Problem, wenn es nicht schon zu viele an Bord hat“. Also kaufte ich die Tickets und wir beeilten uns das Bott noch zu erreichen. Minuten später waren wir an Bord. Kein Problem. Das Schiff ist um einiges grösser als das vorherige und kann sicher locker 10 oder mehr Velos auf eine Fahrt mitnehmen. Die ganze Überfahrt von Fusina bis Punte Sabbioni hat für eine Person + 1 Fahrrad gerade mal 18 Euro gekostet, uns eine Menge Ärger mit viel Verkehr erspart, eine wunderschöne Fahrt auf dem Lido beschert und uns einen tollen Blick auf Venedig sowie einen Mittagsrast am fast leeren Strand von Cavallino ermöglicht. Die Entscheidung war goldrichtig!

Geschafft! Und das noch viel früher und einfacher als erwartet.

Geschafft! Und das erst noch viel früher und einfacher als erwartet.

Danach fuhren wir Kilometer um Kilometer an den riesigen Campinganlagen im Raum Cavallino und Jesolo vorbei. Die Strassen waren wie leergefegt und die doppelspuhrigen Kreisel wirkten etwas fehl am Platz. Aber zwei Monate im Jahr, wird es hier trotz dieser grosszügigen Strassen zu einem Verkehrsstau kommen. Gut sind wir nicht um diese Zeit unterwegs.

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Die Pferdchen bestaunen den leeren Strand von Cavallino

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Viel Platz, zumindest von September bis Juni

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Camping, Camping, Camping, …….

Immer wieder fuhren wir auf kleinen Nebenstrassen den Kanälen entlang. Manchmal einsam und ruhig, ab und zu aber auch mit mehr Verkehr, wobei sich auch heute die Überholenden meist sehr geduldig verhielten und knappe Manöver die Ausnahme waren. Bei strahlendem Sonnenschein ging es langsam nach Norden, um die „Laguna di Carole“ zu umfahren. Viel Ackerland, oft schon abgeerntete und gepflügte Felder, Traubenstöcke und auch grosse Reisfelder säumten den Weg. Das Wetter wie gewünscht. Strahlend blau, nicht zu heiss und Wind von schräg hinten.

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Kanalfahrt, einfach zum geniessen

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Einsame Landstriche

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Wieder mal „Brückenfahren“. Wir lieben es, denn es bedeutet dem Wasser entlang.

Reisfeld wie im Bilderbuch ...

Reisfelder wie im Bilderbuch …

... Und Landschaften wie Gemälde.

… und Landschaften wie Gemälde.

Wir kamen gut voran und waren kurz nach fünf Uhr an unserem Ziel „San Michele“. Meine Hotelbuchungsseite hat uns für diese Region kein Angebot gemacht, also mussten wir uns auf gut Glück umschauen. Bei einer Pizzeria prangte auf dem Dach ein grosses Schild „HOTEL“. Also gingen wir rein und fragten nach Zimmer. „Ach dieses Hotel gibt es nicht mehr. Ist alles privat. Nur der Name steht noch dort“ erklärte und die Angestellte. Sofort mischten sich drei Gäste in die Diskusion ein und erklärten gestenreich, wo es im Nachbarort das nächste Hotel habe. Dann wollten sie noch wissen woher und wohin und freuten sie offensichtlich über unsere Räder. Überhaupt bekommen wir immer wieder aufmunternde Zurufe von Leutem am Strassenrand oder auch mal ein „Daumen hoch“ eines vorbeifahrenden Autos oder Motorrades. Velofahren geniesst in Italien offensichtlich noch immer viel Sympathie. Das macht es für uns auch angenehm.

Kurz vor dem Ziel, ein letztes Mal in den Verkehr "einfädeln".

Kurz vor dem Ziel, ein letztes Mal in den Verkehr „einfädeln“.

Das Hotel „Cigno“ in Latisana war schnell gefunden und ist ausgezeichnet. Nach der doch sehr bescheidenen Unterkunft auf dem Camping Fusina sind wir froh, wieder ein grosses, geräumiges Zimmer mit toller Dusche zu haben. Es gibt Dinge, die schätzt man / frau mit zunehmendem Alter immer mehr 😉

Tag 7: Ruhetag in Venedig

Donnerstag 22. September 2016

Ganzer Tag sonnig, 23 – 28 Grad

Die Pferdchen blieben in der Koppel. Km: 0

Heute haben wir den geplanten Ruhetag auf dem Camping Fusina eingelegt. Hier hatten wir die Möglichkeit die Wäsche zu machen und von hier aus fährt stündlich ein Schiff direkt nach Venedig. Wir haben für die Übernachtungen ein kleines Mobilehome gemietet. Sehr einfach und spartanisch, aber für zwei Nächte ok und dank der Infrsatruktur für uns der ideale Rastplatz. Von hier aus wollen wir morgen die Lagune von Venedig „überqueren“ und unserer Räder in Punto Sabbioni wieder an Land bringen. Das würde uns vor allem die Fahrt um Mestre und die Aussenbezirke von Venedig ersparen, die verkehrstechnisch für Radler nicht wirklich Interesanntes sind und sich vor allem durch dichten Verkehr auszeichnen. Darauf können wir verzichten. Hier von Fusina aus Fähre ein Schiff, das pro Fahrt zwei Räder mitnimmt,  nach Alberoni (Lido di Venezia). Die Frage ob es ab dort eine Möglichkeit gibt die Räder nach Punta Sabbioni mitzunehmen konnte uns der Ticketverkäufer nicht beantworten. Das müssten wir selber herausfinden, er kenne nur die eigenen zwei Linien nach „Zattere“ (Venedig Stadt) und nach Alberoni. Wir haben also im Internet recherchiert und sind zum Schluss gekommen, dass die ACTV Linie 14 von Lido S.M.E mit einer Autofähre nach Punta Sabbioni fährt. So haben wir für Morgen die Tickets für uns und die Räder (22 Euro) nach Alberoni gebucht und hoffen das unser Plan aufgeht.
Wer will darf die Daumen drücken.
Ja, und wie gesagt waren wir heute auch noch mit ein paar anderen Touristen in Venedig unterwegs. Haben diese oder jene Foto gemacht, wie schon tausende vor uns und trotzdem stellen wir sie hier auf den Blog, den schön finden wir es allemal.

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„Seitengasse“

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Rialtobrücke

Volle Piazza San Marco, trotzdem hätte es noch Platz im Café.

Volle Piazza San Marco, trotzdem hätte es noch Platz im Café.

Viel Verkehr auf dem Canale Grande

Viel Verkehr auf dem Canale Grande

Postlieferung in Venedig

Postlieferung in Venedig

Stau bei den Gondolieri

Stau bei den Gondolieri

Einfach Venedig

Einfach Venedig

Gondeln wohin man schaut

Gondeln wohin man schaut

Auch die Schwiz hat hier ihre Vertretung

Auch die Schweiz hat hier ihre Vertretung

Auf der Rückfahrt zum Camping kreuzen wir ein auslaufendes Schiff.

Auf der Rückfahrt zum Camping kreuzen wir ein auslaufendes Schiff.

Blick vom Camping nach Venedig. (Ok, mit Zoom fotografiert)

Blick vom Camping nach Venedig. (Ok, mit Zoom fotografiert 😉 )

Tag 6: Halbtagestour

Mittwoch 21. September 2016

Radstrecke: Padua Fusina = 40 Km, Gesamt: 397 km
Fahrzeit 2 Std. 36 Min., Durchschnitt 15.2
Wetter: bis 14 Uhr Dauerregen, später Aufhellung, 16 – 23 Grad

Auch heute mussten wir keinen Wecker stellen. Die Etappe würde kurz sein und vorher wollten wir uns noch etwas von Padua auf einer Stadrundfahrt mit einem dieser roten Doppeldeckerbusse, die es mittlerweile in vielen grossen Städten gibt, ansehen.
Motte: Halber Tag Touristentour, halber Tag Radfahren.
Also gab’s zuerst ein gemütliches Frühstück, für italienische Verhältnisse wieder sehr reichhaltig. Dann zum Abfahrtsort des Tourbus, nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt. Wir waren etwas zu früh dort und hatten so noch Zeit einen Blick ins Innere der Basilika San Antonio zu werfen. Einfach immer wieder beeindruckend wie solche Bauten vor 6 – 700 Jahren erbaut werden konnten. Wie konnte zum Beispiel die Statik berechnet werden, um diese gewaltigen Bogenbauten zu errichten? Keine Säule ist im inneren der Kirchenschiffs zu sehen, nur gewaltige Kuppeln in grosser Höhe.
Solche Bauten lösen in uns immer wieder zwiespältig Gefühle aus. Einerseits die Bewunderung für die Ingenieure, welche zur damaligen Zeit solche Bauten überhaupt planen konnten, die Künstler welche diese so opulent schmückten und andererseits die wohl unermesslichen Leiden der Arbeiter die unter miserablen Bedingungen solche Bauten erstellen mussten. Bleibt zu hoffen dass sie wenigstens das vom Klerus versprochene Paradies gesehen haben, nachdem sie von einem der wackligen Gerüste gefallen sind oder sich sonst mangels Sicherheitsvorkehrungen schwer verletzt haben.
Im „Hop on – Hop off Bus“ haben wir es im Oberdeck in die erste Reihe geschafft. Kurz nach der Abfahrt setzte der Regen wieder ein. So bekamen wir einen verregneten Blick auf Padua zu sehen. Trotzdem war es spannend auf der Tour.

 

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Verregneter Blick auf Padua’s Strassen

Zumindest so beeindruckend wie die spannenden geschichtlichen Informationen die wir via Kopfhörer mitgeteilt bekamen waren die Fahrkünste des Fahrers, der diesen grossen Bus geschickt durch die sehr engen Gassen manövrierte. Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir wieder am Ausgangspunkt angelangt und hatte gelernt das Freunde der mittelalterlichen Geschichte und Museen in dieser Stadt wohl viel Interesanntes zu entdecken hätten.

Wir schlenderten noch etwas unter den Arkaden umher und hofften, dass der Dauerregen bald aufhören würde. Wir hatten absolut keine Lust bei Regenwetter durch diesen Verkehr aus der Stadt zu fahren. Wir entschieden uns, in der Hoffenung das der Regen aufhören würde, noch etwas zu Mittag zu essen und landeten spontan in einer kleinen Bar / Trattoria. Kurz nach 12 Uhr waren wir die ersten Gäste die sich in einem kleien Hinterzimmer der Bar an einen der gedeckten Tische setzten. Wir hatten aber gesehen das in der Küche die „Mama“ am Werk war, wohl ein gutes Zeichen. Kurz darauf füllte sich das Lokal mit vielen Arbeitern, hier war wohl so etwas wie ihre Kantine. Zum Essen wurde von diesen auch reichlich Wein bestellt, etwas was auf unseren Baustellen von der SUVA wohl definitiv nicht mehr akzeptiert würde.
Wir genossen dieses Atmosphäre und die Gewissheit nicht in einer „Touristenfalle“ gelandet zu sein.

Italienischer Mittagstisch

Italienischer Mittagstisch

Nach dem Essen gings zurück ins Hotel, noch immer im Regen. Spätestens um 14 Uhr wollten wir aber starten, egal ob es noch regnet oder nicht. Langsam lies der Regen nach aber wir zogen doch die Regenklamotten an und fuhren gegen halb drei endlich los.

Ehrenrunde auf dem Prado della Valle

Ehrenrunde auf dem Prado della Valle

Es sind viele schöne Details zu entdecken.

Es sind viele schöne Details zu entdecken.

Rasch hatten wir den Weg aus der Stadt gefunden und fuhren dem Kanal der Brenta entlang, die uns nun auch schon den dritten Tag begleitete. Oft fuhren wir direkt auf dem Dam und genossen den Blick in die Fläche Poebene. Immer wieder tauchten am Kanal alte, mehr oder weniger gut erhaltene venezianische Paläste auf, die von der grossen Vergangenheit der venezianischen Händlern erzählten.

Verschiedene Einrücke und Bilder die wir heute entlang der Brenta auf dem Weg nach Fusina entdeckten.

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Bei meist mässigem Verkehr kamen wir gut voran, gönnten uns den einen oder anderen Fotohalt und trafen kurz vor sechs Uhr am Campingplatz Fusina ein, wo wir für zwei Tage ein Bungalow gemietet haben. So haben wir einen Ruhetag, Zeit Wäsche zu waschen und mal wieder einen Besuch in Venedig machen.
Morgen Ruhetag: beim Velofahren und bloggen.

Tag 4: „über Land“

Dienstag 20. September 2016

Radstrecke: Bassano del Grappa – Padua = 54 Km, Gesamt: 357 km
Fahrzeit 3 Std. 31 Min., Durchschnitt 15.3
Wetter: sonnig mit vielen grossen Wolken, leichter Rückenwind, Mittags ein Gewitter 22 – 27 Grad

Heute durften wir etwas länger liegen bleiben, denn die Strecke nach Padua war ja nicht wirklich weit. Das zentrale Thema würde heute eher die Navigation sein. Wir wollten wenn möglich die Hauptstrasse meiden, da diese stark befahren ist und auch viel Lastwagenverkehr hat. Deshalb habe ich mir zu Hause die Route mit der Website „gpsies.com “ im Fahrradmodus berechnen lassen und die Kartenausschnitte dazu ausgedruckt. Wir sind gespannt wie das klappt.
Um halb 10 Uhr sind wir startklar und finden recht rasch die ruhigen Nebenstrassen, welche ich auf meinen Karten markiert habe. So fahren wir nur ganz kurze Abschnitte von wenigen hundert Metern auf der viel befahrenen Hauptstrasse und machen uns da so breit, dass an ein knappes Überholmanöver für Lastwagen nicht zu denken ist.

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Ausserhalb von Bassano del Grappa. Schon wieder ein Radweg 🙂

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Wir lassen uns nicht unterkriegen: Platz verteidigen!!!

Wir stellen aber auch beruhigt fest, dass es die Autos auch nicht so hektisch nehmen und uns jeweils mit genügend Abstand überholen. Aber wie gesagt, zum Glück sind diese Abschnitte selten. Meist fahren wir auf einsamen kleinen Landstrassen links und rechts der Hauptstrasse über Land und geniessen die Ruhe. Auf beiden Seiten der Strasse steht der Mais zur Ernte bereit und da und dort zeugen nur noch die Stoppeln von der kürzlichen Ernte.
Da ich die Kartenausschnitte so gross gewählt habe das wir alles gut erkennen, können wir die durchnummerierten Kartenausschnitte in rascher Folge auswechseln. Wieder ein Abschnitt geschafft! So geht es kurzweilig über Land, da und dort kläfft ein Hund, zum Glück immer gut eingezäunt, und am Horizont kündet ein schmaler Kirchturm davon, das bald wieder ein Dorf auftauchen wird. Kleine Wälder, Büsche, da und dort ein Bachlauf und die Alpenkette im Norden verschwindet immer mehr am Horizont, während wir uns auf die nördliche Poebene zubewegen. Italienische Provinz wie aus dem Bilderbuch.

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Landschaft pur

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Genussradeln auf Nebenstrassen

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… und ist das Dorf noch so klein, die Kirchen beeindrucken.

In Cittadella, einem kleinen Ort das vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist gönnen wir uns das erste Eis der Reise. Die Sonne scheint und mittlerweile ist es gut 27 Grad war.

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Diese Mauer umschliesst den ganzen Ortskern

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Ausfahrt durch eines der Stadttore.

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In Cittadella

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Kurz vor ein Uhr setzen wir uns im kleinen Ort Tavo in einem Restaurant in den Garten und essen etwas Kleines zum Mittag. Es herrscht ein Kommen und Gehen und es scheint sich das ganze Dorf hier zu treffen. Unsere Räder ziehen die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich Und wir werden gefragt wie das funktioniert und von wo wir kommen etc.
Gerade als wir wieder losfahren wollen zieht eine dunkle Wolke vor die Sonne und öffnet ihre Schläuse. Zwar waren die grossen und dunklen Wolken schon lange am Himmel und doch haben wir das Gefühl, dass es wie aus dem Nichts kräftig zu regnen beginnt. Rasch ziehen wir unseren Rädern die Sitzüberzüge an, damit diese nicht durchnässt werden und ziehen uns wieder auf die gedeckte Veranda zurück, bestellen noch einen Kaffe und warten ab.

Rain, Rain, Rain,

Rain, Rain, Rain,

Fast eine Stunde giesst es wie aus Kübeln und ab und zu ist ein lautes Donnergrollen zu hören. Naja, hier hat es so bequeme Sofas auf der Veranda, dass wir beide kurz ein Nickerchen machen. Die knapp 20 Kilometer bis Padua schaffen wir auch noch etwas später. Es wurde fast halb vier bis sich der Regen verzog und der Himmel wieder aufklarte. Jetzt aber los, damit wir nicht noch in den Feierabendverkehr geraten. Die Abschnitte auf stark befahrenen Strassen wurden nun länger, aber immer wieder gab es auch separate Radwege, wenn auch oft mit unnötigen Barrieren durch welche wir mit den breiten Liegern oft nur knapp hindurch passten.

Einfahrt ins Zentrum von Padua. Die Brücke erinnerte uns etwas an die Floridatour vor zwei Jahren.

Einfahrt ins Zentrum von Padua. Die Brücke erinnerte uns etwas an die Floridatour vor zwei Jahren.

Irgendwie schafften wir es dann doch noch ins Zentrum von Padova. Sie ist eine der ältesten Städte Italiens und hat eine lange Geschichte in welcher sie oft die Zugehörigkeit wechselte. Viele der wichtigsten Gebäude wurden zwischen 1200 bis 1500 erbaut und zeugen von einer prächtigen Vergangenheit. Gemütlich fuhren durch die engen, mit runden Steinen gepflasterten Gassen und machten auf dem Weg zum Hotel hier und dort einen Stop um uns diese beeindruckenden Gebäude und Plätze anzusehen.
Unser Hotel liegt nahe am „Prato della Valle“, dem drittgrössten innerstädtischen Platz in Europa. Nur der rote Platz in Moskau und der Place de La Concorde in Paris sind noch grösser, so sagt das auf jeden Fall Wikipedia.
Am frühen Abend machten wir dann nochmals einen Bummel durch die Gassen und genossen diese Atmosphäre, die so gar nicht viel mit den sonst üblichen Touristenstädten gemein hat. Es schien uns zumindest heute, dass die Stadt fast ganz den Einheimischen gehörte.

Bilder aus Padua:

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Prato della Valle

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Basilica di Sant Antonio

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Palazzo della Ragione

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Einfach beeindruckend

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Torre del Orlogio, astronomische Uhr von  1437, und die Pferdchen stolz davor.

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Tram in Padua. Eine Leitschiene, fährt auf Rädern = quietscht nicht und bietet weniger Velofallen beim überqueren der Schiene.

Morgen ist es dann nur noch ein Katzensprung nach Fusina, von wo aus wir Venedig besuchen werden.

Tag 4: Velohimmel

Montag 19. September 2016

Radstrecke: San Cristoforo al Lago (Val Sugana) – Bassano del Grappa = 85.2 Km, Gesamt: 303 km

Fahrzeit 4 Std. 55 Min., Durchschnitt 17.3
Wetter: Morgen leicht bedeckt, am Nachmittag sonnig, kaum Wind 17 – 26 Grad

Heute Morgen galt es zuerst rechtzeitig am Bahnhof zu sein. Der Zug fährt um 08.05 Uhr und der nächste erst nach 11 Uhr. Also haben wir den Wecker gestellt, vor 7 Uhr bereits alle Taschen gepackt und uns am reichhaltigen Frühstücksbüffet für einen langen Tag gestärkt. 10 Minuten vor Abfahrt waren wir am Zug. Es gab sogar ein Veloabteil und wir waren überrascht, wie gut der Zug mit vorwiegend Schülern besetzt war. Diese machten die Veloplätze sofort frei und wir konnten unsere Pferdchen voll beladen in den Zug stellen. Ich erkundigte mich noch bei der Zugchefin auf dem Perron ob es stimme, dass ich die Tickets im Zug kaufen könne. „Ja, kein Problem“ sagte sie, „ich komme dann vorbei.“ Pünktlich für der Zug los und füllte sich an den beiden nächsten Stationen noch mehr. Es kamen fast schon heimische „Kuschel-S-Bahn-Gefühle“ auf. Später leerte sich der Zug dann rasch wieder, offenbar war hier der Ausstieg um an die Universität zu gelangen, für welche Trento in Italien bekannt ist.
Nach 45 Minuten Reisezeit kamen wir in San Cristoforo an und der „Brentano – Radweg“, dem wir heute folgen wollten, führte gleich am Bahnhof vorbei, so dass wir nicht lange nach dem Radweg suchen mussten. Die Strasse von Trento hier hinauf ist steil, eng und leider auch recht stark befahren. Auf einen solchen Abschnitt können wir gut verzichten und investierten die 4 Euro (2 Personen plus 2 Velos!!!) sehr gerne für diesen Transport. In den Monaten Juli und August wird hier übrigens ein extra Fahrradtransport angeboten, da das normale Bahnangebot dann offenbar nicht mehr ausreicht.

Ankunft in San Cristofero

Ankunft in San Cristoforo

Wir waren happy und konnten uns so entspannt auf den Weg nach Bassano del Grappa machen. Zuerst führte der ausgezeichnete Radweg dem Lago di Caldenazzo entlang. Die restlichen Wolken und die noch milchige Sonne zauberten ein wunderbares Licht auf den ruhigen See. Immer wieder mussten wir anhalten, fotografieren und staunen. Auch der Ausbaustand des Radwegs war schlicht fantastisch. Da war ein feiner Teerbelag, jeder Richtungswechsel mit Tafeln ausgeschildert, auf der Fahrbahn zusätzlich Piktogramme und wenn es eine Strasse zu queren gab, so war eine Unterführung gebaut. Einfach himmlisch!

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Was für ein Auftakt in einen wunderschönen Radlertag

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Markierung 1A, zur Nachahmung empfohlen

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Segantini lässt grüssen

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Durch die Gassen von Caldonazzo

Wieder führte uns der Weg durch Obstplantagen und nun wurde auch da und dort geerntet. Gegen 11 Uhr kamen wir in Borgo Val Sugana an. Dem früheren Wohnort von Barbara’s Grossmutter und warum der Maler Segantini, der hier längere Zeit lebte, so ein Flair für die verschiededenen Farbstimmungen entwickelte, hatte uns die Natur heute Morgen ja eindrücklich vor Augen geführt.
In Borgo machten wir einen kurzen Halt, stärkten uns und schlenderten noch etwas durch den Ort. Kurz vor 1 Uhr fuhren wir weiter. Weiterhin perfekte Radinfrastruktur. Diese Region hat sich das etwas kosten lassen und der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. Auch hier begegnen uns immer wiede Radurlauber. Meist auf E-Bikes und als Tgesausflügler, aber es scheint als ob die Region hier ein richtiger Radtourismus aufbauen konnten.

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La via del Brenta hiess heute das Motto

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Die Pferdchen im Zentrum von Borgo

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In dieser Kirche hat einst Barbara’s Grossonkel gepredigt.

In Borgo Val Sugana

In Borgo Val Sugana

Kilometer um Kilometer genossen wir diesen Weg und irgendwann kam mir der Gedanke: „Wenn es einen Himmel für Radfahrer geben würde, müsste er wohl so aussehen!“ Perfekte Radwege, meist an einem herrlich gurgelnden Bergbach (Brenta) entlang, das Ganze umrahmt von hohen Kalksteinfelsen und und das bei 25 Grad und Sonne. Wer mehr verlangt ist unverschämt!

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Durch’s enge Tal Richtung Bassano

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An der Brenta war fast eine frühlingshafte Stimmung.

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Ankunft in der Provinz Veneto

So ging es heute gute 65 Kilometer. Einfach traumhaft! Die letzten 20 km mussten wir dann noch auf kleinen Regionalstassen fahren. Das kann in Italien ganz schön eng werden, aber irgendwie hatte es immer Platz. Der Weg zum Hotel war dann noch die letzte Herausforderung, da wir im Zickzack durch enge Gassen fahren mussten. Um 16.00 Uhr war es geschafft. Ein kühles Biel / Wasser, eine erfrischende Dusche und dann noch ein kleiner Rundgang durch diese wunderschöne Stadt an der Brenta.

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Die Velos haben es in Bassano del Grappa auch in die Schaufenster geschafft …

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… oder dienen als Blickfang vor einer Bäckerei.

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Am Hauptplatz in Bassano del Grappa

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Die Sonne verzaubert auch die Häuser an der Brenta nochmals im schönen Abendlicht.

Nun ist nach über 280 Kilometer Radweg von Reschen bis hier nach Bassano del Grappa nun leider Schluss mit gut markierten und separaten Fahrradwegen. Danke, es war schön so zu reisen. Nun müssen wir uns den besten, verkehrsärmsten und komfortabelsten Weg selber suchen. Wir sind gespannt.

 

Tag 3: Velobahn

Sonntag 18. September 2016

Radstrecke: Meran – Bozen – Trento = 95 Km, Gesamt: 217.8 km
Fahrzeit 4 Std. 50 Min., Durchschnitt 19.1
Wetter: Morgen bedeckt, am Nachmitag Aufhellungen, leichter Wind 17 – 22 Grad

Der heutige Abschnitt der Reise war eigentlich recht ereignislos und auf weite Strecken glich sich die Szenerie durch welche wir radelten. Und wir waren nicht alleine unterwegs! Bereits um halb Neun waren wir nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel startklar. Die Pferdchen gesattelt, der Helm montiert und so ging es durch die noch fast leeren Strassen des sonntäglichen Meran. Heute war hier noch der grosse Herbstmarkt und die Strassen würden sich wohl rasch füllen, also nix wie los auf den Radweg nach Bozen. Rasch hatten wir den ersten Wegweiser gesichtet und so ging es zügig voran.

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Zwischenziel schon mal angeschrieben

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Oft sah es heute aus der Rdlerperspektive so aus.

Meist war der Weg auf dem Dam der Etsch angelegt, die rechts von uns ebenfalls ihren Weg nach Trento suchte. Zuerst tauchten sie noch spärlich auf, aber je später der Tag desto mehr waren unterwegs. Radfahrer in allen Variationen. Ob E-Bike, Mietvelo oder in hautenge Lycrakleider gepresste Rennradfahrer, man trifft sie hier alle. Ab und zu auch einige schwer beladene Tourenfahrer wie wir. Vor allem die Rennradler kamen uns manchmal in fast furchterregendem Tempo und meist zu zweit nebeneinander entgegen, so dass es mit dem Platz manchmal gar eng wurde. Wir haben es Ihnen grosszügig verziehen. Schliesslich müssen die armen, um nur eine halb so aerodynamische Position wie wir Liegeradler einzunehmen, die ganze Zeit den Kopf nach unten halten und können nur den Asphalt vor sich anstarren. Wir hingegen geniessen „Weitblick“ und sind entsprechend vorbereitet.

An der Uferböschung blühten Abertausende von goldgelben Topinambur Pflanzen, deren Wurzeln ja fast Kartoffel schmecken und auch so zubereitet werden. Ob die jemand erntet?

Hier zwei der häufigsten Anblicke: Topinambur und Radler

Hier zwei der häufigsten Anblicke: Topinambur und Radler

Gut ausgewählt gab es doch noch ruhige Rastplätze.

Gut ausgewählt gab es doch noch ruhige Rastplätze.

Kurz nach zehn Uhr waren wir bereits in Bozen wo für einen kurzen Moment die Beschilderung zu wünschen übrig lies, so dass wir prompt den falschen Abzweiger nahmen. Zum Glück bemerkten wir nach wenigen hunder Metern das Missgeschick und fanden rasch wieder auf den Radweg zurück. Hier in Bozen vereinigen sich die Flüsse Etsch und die vom Brenner kommende, viel grössere Eisack. Trotzdem behält die Etsch ihren Namen nur das er ab hier italienisch gesprochen wird, Adige.
Der Weg war weiterhin in absolutem Topzustand. Durchgehend feiner Teerbelag und beste Beschilderung. Übrigens ab hier hat der Weg auch noch einen speziellen Namen: „Kaiserein Maria Theresia Radweg“. Ob die hier je geradelt ist? Wohl kaum.

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So wünscht man sich das.

Aber nun hatten wir den Statistischen Beweis, dass wir nicht alleine unterwegs waren. Kurz nach Auer gab es eine Fahrradzählstelle. Stand auch diesem Abschnitt heute 18.09.2016 um 12.10 Uhr: Jahr 2016 = 148 368, Heute 280. Wir waren also die Radler 281 + 282 die die Zählstelle heute passierten. Immer wieder gibt es links und rechts des Radwegs kleine Bar’s, Restaurants oder Verkaufsstände, die den Velofahrern verlockende Angebote machen. Bei einem dieser Stände wurde frischer Apfelsaft angeboten. Nachdem wir auch heute schon wieder viele Kilometer durch die endlosen Plantagen gefahren sind war das die richtige Stärkung. Sehr kühl und erfrischend.

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Frisch vom Hof

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Irgendwie verfolgen uns diese Äpfel, sogar auf der nahen Brennerautobahn Rasten sie vorbei.

Bald darauf setzte leichter Nieselregen ein. Soweit gerade noch ok, dass wir noch nicht die Regenkleider anziehen mussten. Kurz vor ein Uhr Mittags wurde der Regen noch etwas stärker und wie gerufen tauchte eines der vielen Radlerrestaurants auf. Wir setzten uns auf die gedeckte Veranda und genossen Wärme Suppe und Tagliatelle. Bis wir gegessen hatten war auch der Regen vorbei und auf den letzten 30 Kilometern würde es immer wärmer.

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Spektakuläre Hängebrücke über die Etsch / Adige

Kurz vor Trento kommt die Sonne hervor

Kurz vor Trento kommt die Sonne hervor

Um halb vier trafen wir am Bahnhof in Trento ein, wo wir die Bahnkarten für morgen kaufen wollten. Morgen geht’s ins Val Sugano und auf den ersten paar Kilometern ist die Strasse sehr eng und hat viel Verkehr. Das lassen wir lieber und nehme die Bahn, Safty first. Der Herr am Schalter erklärte mir, ich könne die Fahrkarten morgen direkt beim „Capo Treno“ kaufen. Mal sehen, der Zug fährt um 08.05 Uhr. Wir werden bereit sein! Vom Bahnhof ging’s noch um zwei Strassenecken und schon waren wir im reservierten Hotel. Doppelzimmer mit Frühstück 2 Pers. 80 Franken. Wie die Höhenmeter schmelzen auch langsam die Hotelpreise.
Nach einer erfrischenden Dusche und etwas die „Beine hochlagern“ war noch Zeit für einen kleinen Stdbummel in dieser geschichtsträchtigen Stadt mit ihren schönen Gassen, alten Herschaftshäusern und dem grossen mittelalterlichen Castello del Buonconsiglio, dem ehemaligen Sitz der Fürsbischöfe.

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Das Castello del Buonconsiglio

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Im Garten

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Moderne Form: Wandgarten in Trento

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Altstadteindruck

In einem Strassenrestaurant genossen wir noch unser Nachtessen bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten. Heute ist frühe Bettruhe angesagt, damit wir Morgen ausgeruht den Zug um 08.05 Uhr erreichen und bereit sind, für eine weitere längere Etappe nach Bassano del Grappa.

Tag 2: „Apfelsaft“

Samstag 17. September 2016

Radstrecke: Mals – Meran = 64.3 Km,
Fahrzeit 3 Std. 25 Min., Durchschnitt 18.8
Wetter: ganzer Tag bedeckt, leichter Wind 13 – 17 Grad

Heute Morgen stärkten wir uns zuerst ausgiebig am Frühstücksbuffet im Hotel und nahmen vor der Abfahrt noch ein Glas Apfelsaft zu uns, den diese Frucht würde uns heute auf dem Weg hinunter nach Meran begleiten. Kurz nach 9 holten wir unsere Pferdchen aus dem Stall. Sie können hier zwar nicht wie sie es von den USA gewöhnt sind bei uns im Zimmer übernachten, aber auch in der Tiefgarage scheinen sie sich sicher aufgehoben zu fühlen.

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Extra Fahrradparking in der Tiefgarage

Alle Reifen waren noch satt aufgepumpt, so dass wir heute ohne Reifenwechsel starten konnten. Die Strecke von Mals nach Meran gehört wohl zu den meist befahrenen Radwegen überhaupt. Sie ist wunderbar auf separaten Wegen angelegt und führt dem Fluss Etsch entlang und immer wieder durch fast endlose Apfelplantagen, die um diese Jahreszeit voll sind mit grünen, roten und violetten Äpfel.

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Einfahrt in Glurns mit wunderbar erhaltener Stadtmauer.

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Umgeben von millionen reifer Äpfel

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Typisches Vinschgauer Dorf mit Burg und Kirche. Der Wald beginnt sich zu verfärben, der Herbst naht.

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Unsere Begleiterin für Heute und auch Morgen: Die Etsch

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Es blieb sogar Zeit zum Schweine füttern.

Auf der Strecke sind auch sehr viele Tagestouristen unterwegs, den die Vinschgaubahn bringt die Radler aus allen Dörfern entlang der Strecke bequem nach Mals, wo diese dann ihre Tour starten. Links und rechts des Radwegs haben sich sie Einheimischen auf diese Kunden eingestellt und da und dort sind oft liebevoll gestaltete Beizen entstanden, an welchem sich die müden Radler erfrischen können. Auch wir haben heute da und dort einen kleinen Halt eingelegt, mal etwas gegessen, getrunken, fotografiert usw.

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Immer wieder traumhafte Ausblicke entlang der Route. Der kalte Wind von gestern hat die Berge weiss „verzuckert“.

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Die drei wichtigsten Elemente heute: Burgen, Äpfel und der Weg nach Meran

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Zum reinbeissen

Trotz vieler kleiner Pausen sind wir bereits um 14.00 Uhr in Meran eingetroffen, haben die Räder wieder in der Tiefgarage parkieren können, das Zimmer bezogen und anschliessend noch einen Bummel durch Meran unternommen. An der Promenade entlang der Passer und in den Lauben waren wie üblich viele Touristen unterwegs.

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Unter den Lauben

Ich habe mich schon auf ein kühles „Forst Bier“ beim Brauhaus gefreut, musste das aber dann anderswo einnehmen. Nicht dass die dort kein Bier gehabt hätten, ganz im Gegenteil. Die ganze Strasse war voller Festbänke und Bier wurde auch serviert. Leider war aber auch eine ziemlich laute Oberkrainerkapelle im Preis inbegriffen und auf diese „Musik“ hatte ich nun ganz und gar keine Lust.

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Bierfest mit gutem Getränk und schrecklicher Musik. Es ist halt Alles „Geschmacksache“, anderen hast gefallen.

Ein kühles „Forst“ an einem ruhigen Platz hat es dann aber schon noch gegeben.

Fazit: Einfach ein entspannter Tag und in den letzten 24 Stunden haben wir 1100 Höhenmeter „vernichtet“.

Tag 1: Kaltstart

Freitag 16. September 2016

Bahnfahrt Winterthur – Scuol

Radstrecke: Scuol – Martina – Nauders – Reschenpass – Mals = 59.5 Km,
Fahrzeit 4 Std. 40 Min., Durchschnitt 12.8
Wetter: ganzer Tag bedeckt, ab Nauders viel Gegenwind, Regen erst 5 Minuten vor dem Ziel 🙂

Endlich haben wir mal wieder etwas Zeit unsere Pferdchen auszuführen. Wir wollen Ihnen diesmal die Adria zeigen! Gestern Abend haben wir noch einen letzten Check gemacht. Alles gepackt, Räder ok, ready to go! Wirklich? Ein Blick auf Barbaras Vorderrad verrät das hier etwas nicht stimmt. Ihr Pferdchen steht auf der Felge. Naja, dann muss halt vor dem ins Bett gehen noch ein Schlauchwechsel gemacht werden. Dabei wird auch der Reifen genau auf allfällige Dornen kontrollieren. Nichts gefunden und neuen Schlauch eingesetzt. So jetzt kanns also losgehen.
Da wir bereits am Ausgangsbahnhof der S12 in Seen einsteigen haben wir locker Zeit und keine Probleme um unser Lieger zu platzieren. Was für ein Bild, wie diese so erwartungsfroh nebeneinander stehen und sich offenbar genauso wie wir auf die Reise freuen.

Bereit für die grosse Reise, fast ;-(

Bereit für die grosse Reise, fast ;-(

 

Aber was sehe ich da? Barbara’s Pferdchen hat schon wieder einen lahmen Vorderfuss. Offensichtlich ist im Pneu doch ein unentdeckter Gegenstand vorhanden, der die Schläuche zerstört. Heute Morgen bei der Abfahrt war noch alles ok und nun nach nur 4 Kilometer wieder einen Platten. In der S12 bleibt keine Zeit für eine Reparatur. Also mit Plattfuss in Zürich umsteigen. Dort drängen sich neben uns noch einige andere Velofahrer ins „Veloabteil“ im Zug nach Chur. Trotzdem können wir uns einen Platz ergattern und so habe ich nun auf der Fahrt von Zürich bis Landquart Zeit, den Pneu zu wechseln und nochmals einen neuen Schlauch einzusetzen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich bereits nach wenigen Velokilometer zu unserem Ersatzreifen greifen muss. Immerhin, der scheint nun dicht zu sein.

Ich bin auch eine Velowerkstatt

Ich bin auch eine Velowerkstatt

Kurz nach 12 Uhr treffen wir im bedeckten und kühlen Scuol ein. 7 Grad zeigt das Termometer und der Wind tut sein übriges. Immerhin, wir sind startklar.

Starklar

Starklar

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Fast leer Strassen im Unterengadin

 

Los geht’s auf der Hauptstrasse das Tal abwärts Richtung Martina. Dank wenig Verkehr fühlen wir uns trotz fehlendem Radstreifen sicher und versuchen uns langsam aufzuwärmen und in den Tourmodus zu kommen. In Martina überqueren wir die Grenze zu Österreich und nun steigt die Strasse auf den nächsten gut 7 Kilometern fast 400 Höhenmeter an.

Erste Grenzüberfahrt nach Österreich

Erste Grenzüberfahrt nach Österreich

Also kleiner Gang einlegen und den Rythmus finden. Die Harnadelkurven sind nummeriert und wir zählen langsam Rückwärts. Etwas mehr als eine Stunde sind wir, schwer beladen, mit diesem Aufstieg beschäftigt. Obwohl wir nur langsam vorankommen fühlen wir uns am Ende des Aufstiegs auf der Norbertshöhe doch noch ganz gut. Jetzt geht’s erst einmal rasant hinunter nach Nauders, wo wir auf einen toll ausgeschilderten Radweg treffen, der uns den Weg nach Reschen und Mals weist.

Ab Nauders steigt es nocheinmal moderat an, aber der kalte und kräftige Gegenwind macht das Vorwärtskommen sehr beschwerlich. Wir kämpfen gegen den Wind und die leichte Steigung und spüren wie uns der kalte Wind immer mehr auskühlt. In Reschen ist es höchste Zeit sich etwas auszuruhen und zu stärken.

Die Pferdchen warten geduldig bis wir uns gestärkt haben

Die Pferdchen warten geduldig bis wir uns gestärkt haben

Danach geht es weiter, gegen den Wind und die vielen fiesen kurzen Aufstiege, die der Radweg für uns bereit hält, der am rechten Ufer des Stausees angelegt ist.

Ewiges "auf und ab" sowie Gegenwind lassen die Kräfte schwinden

Ewiges „auf und ab“ sowie Gegenwind lassen die Kräfte schwinden

Bald geht es nur noch abwärts :-)

Sankt Valentin auf der Haide: Schöner Ortsname und bald geht es nur noch abwärts 🙂

Als unsere Batterien bald auf dem Nullpunkt sind haben wir es endlich geschafft. Wir schauen ins Vinschgautal hinab und geniessen die rasante und kurvenreiche Abfahrt nach Mals.

Burgeis, kurz vor Mals

Burgeis, kurz vor Mals

Am Ortseingang beginnt es zuerst leicht zu Regnen und wird dann langsam stärker. Glück gehabt. Wir kommen also trocken in Mals an und werden nur auf der Suche nach einer Unterkunft noch etwas nass. Dabei finden wir auch noch einen Fahrradladen der uns einen 20 Zoll Reifen verkaufen kann. Somit sind wir also auch Ersatzteilmässig wieder bestens vorbereitet und hoffen, dass wir diesen ungebraucht nach Hause nehmen können.
Fazit: Wir sind im Tourenmodus angekommen und Morgen geht’s zu unserem Bürgerort Nr.2, Meran!

Abschlussblog

Liebe Blogleser_innen

Mit diesem Blog möchte ich mich „blogmässig“ von euch verabschieden.
Wenn es mir auch nicht immer ganz leicht gefallen ist nach einem anstrengenden Radtag noch die Fotos für den Blog vorzubereiten und einen passenden Text in mein I-Pad zu tippen, so hat es mir doch sehr viel Spass gemacht euch zu Hause von den täglichen Erlebnissen, Begegnungen und Landschaften zu berichten. Vor allem die vielen positiven Reaktionen von euch haben mich immer wieder motiviert und mir gezeigt, dass mir ab und zu das gelungen ist, was ich mir erhofft habe: Euch zu Hause etwas „auf die Reise mitzunehmen“.

Danke an euch Blogleser_innen:
Die Zugriffszahlen auf den Blog haben all meine Erwartungen übertroffen:
Stand am 23.12.15: Total 14’749 Aufrufe!!!
Danke, das ist ein toller „Lohn“ für meine Arbeit.
Zudem habt ihr die diversen Rechtschreibefehler und manchmal auch nicht ganz korrekten Sätze klaglos hingenommen. Der „Legastheniker“ ohne vernünftiges Korrekturprogramm auf dem I-Pad dankt euch für diese „Nachsicht“ und manchmal war ich einfach zu müde den Text vor der Veröffentlichung nochmals genau durchzulesen und zu „optimieren“. So habe ich halt ab und zu einen „ersten Entwurf“ gleich mal veröffentlicht. Ich habe keinen einzigen „Fehlerkorrekturvorschlag“ von euch bekommen. Danke. Wer Fehler gefunden hat, darf diese nun für immer behalten 🙂

Entschuldigung:
An dieser Stelle entschuldige ich mich bei all jenen Vorgesetzten, deren Mitarbeiter in den letzten zweieinhalb Monaten während ihrer Arbeitszeit meinen Blog gelesen haben wodurch den Unternehmungen wertvolle „Produktionszeit“ verloren ging 😉
Ich hoffe die Mitarbeiter waren anschliessend dafür umso entspannte und produktiver, so dass dieser Produktionsverlust wieder aufgeholt wurde.

Hier noch einige Zahlen:
Auf der 5350.5 Kilometer langen Fahrt habe ich während 287 Stunden und 33 Minuten meine Pedalen in Schwung gehalten. Dabei haben sich meine 20 Zoll Räder 3’605 458 mal gedreht und dies alles mit einem Reifensatz!
Im Durchschnitt habe ich pro Motelnacht 66 Franken ausgegeben, wobei die letzten 30 Tage mit knapp 50 Franken deutlich günstiger wurden.
Auf der ganzen Reise bin ich gesamthaft keine 9 Stunden im Regen gefahren.

Meine persönlichen Top 10 auf der Reise:

  • Das wunderbare Reiseerlebnis mit Barbara bis New Orleans. Danke das du mitgekommen bist. Es hat mir den Start in dieses „Abenteuer“ sehr erleichtert!
  • Topwetter und in Florida die Möglichkeit den ausgebliebenen Sommer 2014 nachzuholen
  • Eine Reise ohne technische Probleme: Die Räder haben sich optimal bewährt
  • Das mich die Hunde zwar oft ärgerten, ich aber trotzdem das Pfefferspray nie einsetzen musste
  • Die vielen netten Begegnungen, kurzen oder längeren Gesprächen mit den Leuten unterwegs
  • Die Fahrt durch die unterschiedlichsten Landschaften
  • Zeit für eigene Gedanken zu haben
  • Das ich mich nie unsicher oder „einsam“ fühlte
  • Die Begegnung und gemeinsame Reisezeit mit Kyle
  • Die Unterstützung durch euch Blogleser_innen und die vielen Sponsorenzusagen zu Gunsten von „MILES4KOKOU“

Info zum Sponsoringprojekt „MILES4KOKOU“
Da ich nun insgesamt 3324 Meilen zurückgelegt habe, darf nun also jeder Sponsor pro versprochenem Rappen 33.24 Fr. einzahlen. Einige von euch haben ja andere kreative Zusagen gemacht und werden diese nun einlösen. Natürlich werden auch „unangemeldete“ Spenden gerne angenommen. Kokou und Elisabeth, welche die Reise auf dem Blog ebenfalls aktiv begleitet haben, danken euch von Herzen für eure Unterstützung, die sie zum Wohle ihrer Patienten in Togo einsetzen werden. Gerne dürft ihr den Betrag auch noch etwas „aufrunden“. Die Einzahlungen werden über den „Verein Freunde und Freundinnen von Kokou und Elisabeth Sodjéhoun“ an Kokou und Elisabeth weitergeleitet.

Zahlungsinfo:
Postcheckkonto 87-364992-7
Vermerk: „miles4kokou“

Dr. med. Aribert Bauernfeind
Schweiz. Epilepsie-Zentrum
Bleulerstrasse 60
8008 Zürich

Fazit:
Die Reise und das Sponsoringprojekt haben meine hohen Erwartungen übertroffen und ich bin froh und glücklich, dass ich die Fahrt unfallfrei beenden konnte. Dieses Erlebnis wird mich auf meineren weiteren Reise durchs Leben begleiten. Ich bin mir einmal mehr bewusst geworden, wieviel Glück ich bis jetzt in meinem Leben schon auf so vielen Ebenen erleben durfte und das vieles was ich im Alltag als „normal“ empfinde eigentlich  gar nicht selbstverständlich ist.
Ich durfte mir einen weiteren Reisetraum erfüllen, neue Erfahrungen sammeln und eine wunderbare Zeit geniessen.
Dafür bin ich sehr dankbar und widme deshalb meinen letzten Blogeintrag all jenen unbekannten Radreisenden, die ihre Traumreise nicht zu Ende bringen konnten.

Dieses Rad habe ich in Westtexas fotografiert. Es erinnert an eine Radfahrerin die durch einrn betrunkenen Fahrer getötet wurde.

Stellvertretend für viele habe ich dieses Rad in Westtexas fotografiert. Es erinnert an eine Radfahrerin die auf ihrer „Traumreise“ durch einen betrunkenen Fahrer getötet wurde.

Ich wünsche mir auf den Strassen dieser Welt wieder mehr gegenseitige Rücksichtnahme, Respekt und Aufmerksamkeit, so dass alle gesund ihre Ziele erreichen können.

So wünsche ich auch euch alles Gute und ein 2015 in dem sich der eine oder andere Traum für euch erfüllen wird.

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Einen tollen „Flug“ durchs neue Jahr.

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Das war’s. Liebe Grüsse aus San Diego und erfüllte Festtage. Fredy

„Träume sind Ziele mit einem Termin!“  (Ellen Mc Arthur, Hochseeseglerin)

Tag 67: (19.12.14) Boulevard – San Diego

Distanz: 121.3 km / Gesamt: 5350.5 km = 3324 Meilen /

Fahrzeit: 6 Std. 35 Min. / Durchschnitt 18.4 km/h
Vormittag 7, Nachmittag 23 Grad, ganzer Tag sonnig, leichter Gegenwind

Zieleinlauf

Heute Morgen sind wir bereits um 8.00 Uhr auf den Rädern. Für die letzte Etappe begrüsst uns die Sonne bereits am Morgen. Trotzdem ist es hier in der Höhe von Boulevard auf über 1000 MüM noch recht kühl. Nochmals lag eine längere Etappe vor uns und zum „Frühstück“ gab es gleich einige längere Aufstiege und Abfahrten.

Hier wurde zum letzten Mal auf der Reise "Power-ade" und andere "Verpflegung" gebunkert.

Hier wurde zum letzten Mal auf der Reise „Power-ade“ und andere „Verpflegung“ gebunkert.

Auf die Abfahrten hätte ich ja gerne verzichtet, denn ich wusste, diese Meter die ich nun hinuntersause muss ich gleich wieder hochstrampeln. Zum ersten Mal auf der Reise fühlte ich mich bei der Abfahrt am Morgen nicht wirklich fit. Der lange Aufstieg gestern war trotz aktuell gutem Trainigszustand zu spüren. Die Oberschenkel fühlten sich verkrampft und kraftlos an. Die Creme mit der ich meine Beine gestern Abend noch eingerieben habe schien keine Wirkung zu zeigen. Also musste ich in den langen Anstiegen immer wieder anhalten und die Muskeln dehnen. Dann zauberte Kyle ein amerikanisches „Wundermittel“ aus seiner Lenkertasche. Die Pillen sollen die Muskulatur entspannen. Genau was ich jetzt brauchte. Also habe ich zwei Stück eingenommen und konnte allmählich spüren, wie meine Tritte immer runder wurden.
Die Landschaft und die kleinen Ortschaften hier entlang des „Historic US 80“ waren wunderschön.

Schöne Landschaft, aber kräfteraubende Hügel lagen noch zwischen uns und dem Ziel.

Schöne Landschaft, aber kraftraubend Hügel lagen noch zwischen uns und dem Ziel.

Was für ein Gegensatz dieser Landschaft zur Sandwüste mit wenigen Büschen durch die wir noch gestern gefahren sind- Dann war in Guatay auch der letzte Hügel geschafft und nun hiess es definitiv: San Diego wir kommen.

Ein letzter, langer Aufstieg nach Guatay.

Ein letzter, langer Aufstieg nach Guatay.

Ab hier gibt es erst mal eine lange Abfahrt nach San Diego!

Ab hier gibt es erst mal eine lange Abfahrt nach San Diego!

Einige Kilometer vor Alpine durfte ich dann noch ein letztes Mal die Autobahn benutzen, da es hier wiederum keine andere Strasse gab. 6 Kilometer super Abfahrt auf einem breiten Streifen mit sehr feinem Teerbelag: Was für ein toller Abschluss auf der Interstate 🙂

Letzter "Ritt" auf der Interstate 8.

Letzter „Ritt“ auf der Interstate 8.

Hier sahen wir zum ersten Mal den Pazifik am Horizont auftauchen. Ein lauter Jubelschrei und ein tolles Glücksgefühl waren meine Reaktion darauf.

In den Vororten war der Verkehr noch ruhig, später war keine Zeit mehr für Fotos.

In den Vororten war der Verkehr noch ruhig, später war keine Zeit mehr für Fotos.

Langsam näherten wir uns den Vororten von San Diego. Zum Glück hatten wir gute Detailkarten die uns die Einfahrt in die Stadt erleichterten. Meist gab es Radstreifen und die Wege führten eher Nebenstrassen entlang. Wer San Diego kennt weiss aber auch, dass die Stadt sehr viele Hügel aufweist. So hatten wir also bis zum Schluss immer wieder mit kurzen aber oft recht steilen Anstiegen zu kämpfen. Wir fuhren durch die Mission Gorge Road, wo es einen tollen Rad-Wanderweg gibt. Keine Autos, Natur pur und das fast mitten in der Stadt.

Auf dem "Mission Gorge Trail".

Auf dem „Mission Gorge Trail“.

Dann war aber Schluss mit lustig. Im Bereich der „Friars Rd“ hatte es mehrere Fahrspuren, viele Ein- und Ausfahrten und der Verkehr nahm kräftig zu. Nochmals war volle Konzentration erforderlich und der Blick in den Rückspiegel fast ebenso wichtig wie der nach vorne. Die Autofahrer rechnen hier offensichtlich nicht mit Radfahrern oder sind durch den starken Verkehr abgelenkt, auf jeden Fall waren einige „Überholmanöver“ mehr als knapp.
Wir drosselten das Tempo und benutzten auch mal ein Fussgängerlichtsignal um die Kreuzungen sicher überqueren zu können. Dann zum Schluss nochmals einige Kilometer eigener Radweg. So konnten wir die letzten 15 Minuten entspannt entlang des San Diego Rivers geniessen.

Entlang des "San Diego River".

Entlang des „San Diego River“. Die letzte Meile!

Wir hatten mehr Zeit gebraucht als erwartet und so färbte sich der Himmel bereits rosa, als wir die letzten Meter auf dem Radweg fuhren und endlich am Ziel unserer Reise standen: „Dogs Beach San Diego.“ Weiter nach Westen geht es hier nur noch per Boot.

Ab hier gib es nur noch Sand und Meer!

Ab hier gib es nur noch Sand und Meer!

Ich lud die Satteltaschen vom „Pferdchen“ um mit ihm die letzten Meter durch den Sand zum Wasser zu gehen. Als wir so in die Ferne schauten, kam eine Welle angerollt und das Pferdchen und ich standen knöcheltief im kalten Wasser des Pazifik. Wir waren gesund und glücklich am Ziel angekommen. DANKE!!!
Es war ein stilles geniessen und sowohl Kyle als auch ich hingen etwas unseren Gedanken nach. Wir beide hatten uns, jeder auf seine Art, einen Traum erfüllen können.

Kyle's "Siegerfoto"

Kyle’s „Siegerfoto“

Im Pazifik!

Im Pazifik! Eine Traumreise ist zu Ende!

Was wohl das Pferdchen "denkt". Schon an ein neues "Abendteuer" ...

Was wohl das Pferdchen „denkt“. Träumt es schon von einem neuen „Abenteuer“ ?

Wir waren beide froh, dankbar und uns auch bewusst, das es nicht selbstverständlich war diese Reise unfallfrei beenden zu können. Nicht das Radfahren in den USA gefährlicher als zu Hause wäre, ganz im Gegenteil. Aber auf über 5000 Kilometer und durch einige Millionenstädte gibt es am Ende dann doch einige „Begegnungen“ bei denen es hätte böse ausgehen können.
So genossen wir den schönen Sonnenuntergang am Strand und es war Zeit einige Erinnerungsfotos zu machen. Dann gab es in einer nahen Bar ein kühles Bier mit dem wir auf die erfolgreiche Durchquerung anstossen konnten.

Ein ganz "besonderes Bier" zum Abschluss.

Ein ganz „besonderes Bier“ zum Abschluss.

Ich bestellte ein Taxi und lies mich zum Flughafen fahren, wo ich ein Mietwagen reserviert hatte. Mit diesem dann zurück zu Kyle und unserem Material.  Bis beide Räder, der Anhänger und unser Gepäck im „Jeep Patriot“ verstaut waren, dauerte es noch etwas. Aber am Schluss hatte alles Platz und ich brachte Kyle zu seinen „Warmshowers“ Gastgebern. Ich selber fuhr zu Gerry. Sie ist die „Schlummermutter“ bei der ich während meines Sprachaufenthalts im Herbst 1986 vier Monate gelebt habe. Immer wenn ich seither in den USA war, habe ich sie besucht. Auch diesmal war die Freude uns wieder zu sehen gross und wir plauderten noch bis Mitternacht, bevor ich müde aber auch zufrieden ins Bett ging.
Die nächsten paar Tage verbringe ich bei Gerry in San Diego. Dann werde ich am 25. oder 26. Dez. Richtung Las Vegas fahren. Auf dem Weg ist ein Besuch im „Death Vally National Parks“ und anderer Orte entlang der Route geplant. Am 29.12. fliege ich dann mit „Edelweiss Air“ nonstop zurück in die Schweiz, wo ich am 30. also rechtzeitig für Silvester eintreffen werde.
Ich freue mich darauf meine Lieben zu Hause wieder zu sehen.

Für alle Blogleser_innen: Noch vor Weihnachten werde ich einen letzten Blog mit einem kleinen Rückblick zu dieser Reise veröffentlichen. Also es ist noch nicht ganz fertig. In den nächsten Tagen also einfach nochmals auf dieser Seite vorbeischauen.
An dieser Stelle auch an alle die mir zur Reise gratuliert haben, ob per Mail, Kommentar oder „Skype Nachricht“ hier kollektiv: Ganz herzlichen Dank! Ich habe mich sehr gefreut.
Also bis bald beim „Abschlussblog“ .

Tag 66: (18.12.14) El Centro – Boulevard

Distanz: 84.7 km / Gesamt: 5229.2 km / Fahrzeit: 5 Std. 50 Min. / Durchschnitt 14.5 km/h

Vormittag 14, Nachmittag 12 Grad, ganzer Tag sonnig, in den Bergen Wolkenfelder,
Wind leicht bis mittel, drehend

Bergauf

Heute war es also soweit. Die letzte grosser Barriere die mich noch vom Pazifik trennt musste in Angriff genommen werden.

Unser Höhenprofil heute auf der Karte von ACA (Adventure Cyclist Assosiation)

Unser Höhenprofil heute auf der Karte von ACA (Adventure Cyclist Assosiation)

Zuerst etwa 45 Kilometer von El Paso auf wiederum lausigen Rumpelstrassen an den Fuss der Bergkette und dann fast 35 Kilometer immer Bergauf. Von minus 12 Meter auf gut 1200 Meter. Mit einem leichten Mountain- oder Rennrad ist das nicht so eine Sache, aber ein voll beladener Lieger braucht viel Druck in den Pedalen, um diese langen Aufstiege zu schaffen. Bevor es bergauf ging, kamen wir noch an einer grossen „Windfarm“ vorbei, welche die kräftigen Winde die hier auftreten in sauberen Strom umwandeln.

Radeln vor Windrädern

Radeln vor Windrädern

Für Eisenbahnfreunde: Wohl ein seltenere Anschrift an diesen Loks.

Für Eisenbahnfreunde: Wohl ein seltenere Anschrift an diesen Loks. „Idaho Northern & Pacific“

Vor deAufstieg noch eine Stärkung.

Vor dem Aufstieg noch eine Stärkung.

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Wer wohl diese Bar in der Einöde besucht?

 

Dann ging es stetig bergauf. Eine scheinbar öde Steinwüste, die nur bei genauerem hinsehen ihre wahre Schönheit offenbarte.

Durch die "Steinwüste", immer bergauf.

Durch die „Steinwüste“, immer bergauf.

Versteckte "Schönheiten"

Versteckte „Schönheiten“

Den Autofahrern wurde mit einem Schild empfohlen, die Klimaanlage auszuschalten, um den Motor beim langen Anstieg nicht zusätzlich zu belasten. Alle paar Kilometer war ein Depot für Kühlerwasser, nur Velofahrer müssen alles selber mitschleppen. Ich ging den Aufstieg vorsichtig an, denn ich wollte vermeiden, meine Knie zu stark zu belasten.

Der längste Anstieg ist geschafft!

Der längste Anstieg ist geschafft! Ich bin es auch 😉

Nach dem ersten Pass auf genau 3000 Fuss (etwa 1000 Meter) mussten wir die Autobahn wieder verlassen und auf der alten Strasse „80“ fahren. Es ging hier immer wieder rauf und runter, durch kleine Ortschaften mit vielen verlassenen Häusern und Geschäften.

Auch hier; die Autobahn hat den Geschäften die Existenz geraubt.

Auch hier; die Autobahn hat den Geschäften die Existenz geraubt.

Anschliessend führte die Strasse sehr nahe der mexikanischen Grenze entlang.
Die ist hier besonders gut bewacht. Die Fahrzeuge der Grenzkontrolle waren allgegenwärtig und ein riesiger Zaun sollt die illegale Einreise zusätzlich erschweren.

Blick über den Grenzzaun nach Mexiko.

Blick über den Grenzzaun nach Mexiko.

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Präsenz markieren: Border Patrol

Wohl ein dauerndes „Katz und Mausspiel“ und die Farmer im Imperial Vally oder bei El Centro hoffen im Geheimen wohl, das es immer wieder ein paar schaffen, die Grenze zu überqueren, schliesslich sind sie der Nachschub an billigen Arbeitskräften. Es wurde kühl in der Höhe und Motels sind hier dünn gesät. So entschieden wir uns, bereits in Boulevard die Etappe zu beenden und morgen die restlichen gut 110 Kilometer in Angriff zu nehmen. Zuerst gut 30 Kilometer mit nochmals drei Anstiegen und dann 80 Kilometer runter ans Meer!
Noch ein Tag auf dieser tollen Reise!

Bald am Ziel!

Bald am Ziel!

Bis jetzt lief alles perfekt nach Plan. Ich hoffe, das Glück bleibt Kyle und mir auch Morgen treu, so dass wir am Nachmittag die erfolgreiche Ankunft am Pazifik feiern können. Noch scheint mir die Vorstellung seltsam, diese lange geplante und im Kopf schon oft „gefahrene“ Reise nun wirklich erfolgreich beenden zu können. Ich freue mich darauf und bin gespannt wie sich das anfühlen wird, das Vorderrad in den Pazifik zu schieben.

Tag 65: (17.12.14) ungeplanter Rasttag in El Centro

Heute Morgen haben Kyle und ich die aktuellen Radarkarten von verschiedenen Webseiten angeschaut und nach einigem hin- und her haben wir entschieden, den langen Anstieg heute nicht in Angriff zu nehmen. Wir haben beide noch genug Reservezeit und heute würden wir auf jeden Fall richtig nass werden. Um halb neun, der geplanten Abfahrtszeit war gerade eine Regenzelle über uns und eine weiter wartet weiter westlich.  Zudem ist es in der Höhe ziemlich kalt, knapp über dem Gefrierpunkt und es ist mit Nebel zu rechnen. Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen für einen schönen Tag auf dem Fahrrad. Zudem hätten wir bis zum nächsten Motel voraussichtlich 5 – 6 Fahrstunden benötigt. Wenn man schon nach ein, zwei Stunden nass ist und friert ist der Spass bald zu Ende. Ab Morgen ist wieder besseres Wetter angesagt und nach dieser langen Tour wollen wir die letzten zwei Fahrtage bis San Diego noch richtig geniessen. Also werden wir erst am Freitag in San Diego eintreffen.

Heute gab es in El Centro nichts wirklich aufregendes zu tun. Etwas Mail- und Blogaktuallisierung bei „Mc D“, da das Internet im Motel wieder mal zu wünschen übrig lässt.

"Büroarbeit" bei Mc. D.

„Büroarbeit“ bei Mc. D.

Proviant für morgen besorgen und Wäsche waschen.

In der öffentlichen "Wäscherei" herrschte reger Betrieb. Viele hier haben keine eigene Maschine zu Hause und kommen mit ihren Wäschebergen hierher.

In der öffentlichen „Wäscherei“ herrschte reger Betrieb. Viele hier haben keine eigene Maschine zu Hause und kommen mit ihren Wäschebergen hierher.

Dazu ein frischer Haarschnitt. Ist etwas gar kurz geraten, dafür dauert es etwas länger bis die 10 Dollar „Rasur“ wieder nachgeschnitten werden muss. 😉

Hier gab's für nur 10 Dollar ein Schnitt ...

Hier gab’s für nur 10 Dollar ein Schnitt …

... der für mehrere Wochen genügen wird.

… der für mehrere Wochen genügen wird.

So sollten wir also für den anstrengenden Tag Morgen gut vorbereitet sein.

Tag 64: (16.12.14) Yuma – El Centro

Distanz: 100.7 km / Gesamt: 5144.5 km / Fahrzeit: 5 Std. 12 Min. / Durchschnitt 19.3 km/h

Vormittag 12, Mittag 23, Nachmittag 13 Grad, Morgen bedeckt, ab 15.00 Uhr Regen, kein Wind

Kalifornien, hier bin ich!!!

So langsam erlebe ich fast jeden Tag einen weiteren Meilenstein. Heute war es die Grenze nach Kalifornien. Somit bin ich also auf meiner Reise im achten und letzten Bundesstaat angekommen.

Meine letzter Bundesstaat auf dieser Reise.

Meine letzter Bundesstaat auf dieser Reise.

Der Coloradoriver bildet hier die Grenze und gleichzeitig konnte die Uhr nochmals um eine Stunde zurückgestellt werden. Der Zeitunterschied zur Schweiz beträgt somit -9 Stunden.

Der Colorado ist hier nach der gewaltigen Wasserentnahme nur noch ein Rinsal im Vergleich zum Grand Canyon.

Der Colorado ist hier nach der gewaltigen Wasserentnahme nur noch ein Rinsal im Vergleich zum Grand Canyon.

Ein neuer Bundesstaat bedeutet auch immer wieder neue Gesetze. Hier in Kalifornien sind die Regeln was das Fahren auf der Interstate betrifft wieder sehr streng und oft unklar. Das Fahren auf dem Pannenstreifen ist erlaubt, sofern es keine andere Strasse gibt. Das ist jedoch ein dehnbarer Begriff.

Das gefällt einem eingfleischten "Pannenstreiffenfahrer" natürlich gar nicht.

Das gefällt einem eingefleischten „Pannenstreifenfahrer“ natürlich gar nicht.

Also war heute immer genaues Routenstudium nötig. Wo bin ich gerade, gibt es zur nächsten Ausfahrt eine Alternative zur Autobahn? Ist diese geteert oder wie hier oft nur eine Sandpiste? Ich wollte vermeiden, mit der Polizei zu diesem Thema auf der Autobahn diskutieren zu müssen. Allenfalls hätten sie mich einfach über den Zaun in den Sand gesetzt und das macht mit einem beladenen Rad sicher keinen Spass. So fuhr ich immer mal wieder ein Abschnitt auf der Autobahn und bei der nächsten Ausfahrt wieder auf der Nebenstrasse, die sich dann vielleicht wieder „auflöste“ oder in eine andere Richtung abbog. An so einer Kreuzung war ich unsicher, ob ich wieder auf die Autobahn sollte, denn die Nebenstrasse führte in einem sehr weiten Bogen Richtung Norden und hätte mir mindestens fünfzehn zusätzliche Kilometer beschert. Da kam auf einer einsamen Strasse ein Rentner auf seinem Mountainbike dahergefahren. Er hielt an und ich fragte ihn nach dem richtigen Weg. Er war Kanadier aus Alberta und verbringt jeweils den Winter in dieser Gegend. „Du kannst hier auf die Autobahn. Bleibe dort bis nach den Dünen, denn hier gibt es keinen anderen Weg.  Danach hat es dann wieder eine Parallelstrasse.“ Wir plauderten noch kurz über meine Reise und er interessierte sich wie es so sei, auf einem Liegerad zu fahren. Dann verabschiedeten wir uns und ich bog bei der Tafel “ keine Fahrräder hinter diesem Punkt“ auf die Interstate ab. Kurz darauf überholte mich ein Polizeiauto und reagiert nicht. Ein gutes Zeichen. Links und rechts der Autobahn türmten sich die Sanddünen auf. Man hat fast das Gefühl in der Sahara zu sein.

Mitten durch die Sandlandschaft führt der "All American Canal" der das Coloradowasser zu den Feldern in Kalifornien und Arizona leitet.

Mitten durch die Sandlandschaft führt der „All American Canal“ der das Coloradowasser zu den Feldern in Kalifornien und Arizona leitet.

Das könnte auch in Nordafrika sein.

Das könnte auch in Nordafrika sein.

Die Dünen am Fusse der Berge, die den aufgewirbelten Sand aufhalten ziehen sich bis zum Horizont hin.

Die Dünen am Fusse der Berge, die den aufgewirbelten Sand aufhalten, ziehen sich bis zum Horizont hin.

An meinem Mittagsrastplatz.

An meinem Mittagsrastplatz.

Als ich später auf die Nebenstrasse abbog wurde ich mit einem fürchterlichen Belag konfrontiert. Durch die Hitze die hier im Sommer herrscht, bildeten sich im Belag lauter kleine aber auch grosse Risse. Die „Platten“ stossen sich gegenseitig auf, so dass die Fahrt darauf sehr holprig wird.

An eine  Strasse habe ich eigentlich andere Erwartungen.

An eine Strasse habe ich eigentlich andere Erwartungen.

Da mussten wir gemeinsam durch, das "Pferdchen" und ich.

Da mussten wir gemeinsam durch, das „Pferdchen“ und ich.

Ein echter Härtetest für mein Material und zeitweise fürchtete ich, die Aufhängungen der Packtaschen würden das nicht mehr lange mitmachen. Gut 35 Kilometer musste ich auf dieser Strasse heute zurücklegen bevor der Belag wieder besser wurde.

Mein "Pferdchen" ist der wahre Held des heutigen Tages. Es hat das alles klaglos mitgemacht!

Mein „Pferdchen“ ist der wahre Held des heutigen Tages. Es hat das alles klaglos mitgemacht!

Plötzlich tauchte links am Strassenrand eine kleine Ansammlung von Palmen und ein kleiner See auf. Daneben gab es zwei betonierte Badebecken etwa 4×3 Meter, in denen warmes Grundwasser sprudelte. Natürlich ein Parkplatz und ein Campingplatz in der Nähe. Da schon einige Leute in den Becken am baden waren, hatte ich keine Lust mich dazu zu setzen und hatte ja auch noch 30 Kilometer vor mir.

Oase mitten im Sand.

Oase mitten im Sand.

Es ging wieder grossen Gemüsefeldern entlang und langsam wurden die Regenwolken immer dunkler und es begann gut 15 Kilometer vor dem Ziel zu regnen. Die Strasse wurde dadurch sehr rutschig und der Verkehr nahm zu, je näher ich El Centro kam. Also war höchste Vorsicht geboten und ich war froh als ich das Hotel erreichte und eine warme Dusche nehmen konnte. Kyle traf gut eine Stunde später ein. Auch er war nass und wegen fehlendem Schutzblech auch noch ziemlich mit Erde vollgespritz. Also musste zuerst sein Fahrrad und der Anhänger abgespritzt werden, bevor diese ins Zimmer gestellt werden konnten. Nun hängen unsere Kleider zum trocknen an der Stange, den morgen ist nochmals Regen angesagt. Zudem wird es kühler und wir haben einen langen Anstieg vor uns. El Centro liegt 12 Meter unter dem Meeresspiegel und das „Minimalziel“ Morgen heisst „Boulevard“ und liegt auf etwas über 1000 Meter. Ich hoffe es wird nicht allzu nass und kalt. Für Donnerstag ist dann wieder besseres Wetter angesagt und das bleibt hoffentlich so, denn dann werde ich zusammen mit Kyle das Ziel, den Pazifik erreichen! Langsam geht die Reise zu Ende.

Tag 63: (15.12.14) Wellton – Yuma

Distanz: 49.6 km / Gesamt: 5043.8 km / Fahrzeit: 2 Std. 41 Min. / Durchschnitt 18.5 km/h

Vormittag 12, Nachmittag 19 Grad, ganzer leicht bedeckt, kein Wind

kurze Trainingsfahrt

Heute konnte ich es langsam angehen, denn es waren nur knapp 50 Kilometer bis Yuma zurückzulegen. Von dort geht es dann Morgen gut 100 Kilometer bis El Centro, bevor das „grosse Finale“ mit zwei Etappen über die letzte Bergkette vor dem Pazifik für Mittwoch und Donnerstag geplant ist. Heute also nochmals eine entspannte Variante, wenn auch auf diesem Abschnitt ein längerer Anstieg zu bewältigen war.

Dort hinten wartet mein heutiger "Trainingspass".

Dort hinten wartet mein heutiger „Trainingspass“.

Zudem bin ich heute den zweiten Streckenteil auf einer etwas abgelegeneren Landstrasse gefahren. Hier hat mich der Strassenzustand teilweise wieder an Louisiana erinnert. Zum Glück hatte ich mehr als genug Zeit und konnte in einer langsamen Fahrt diese Holperstrecke materialschonend zurücklegen.
Nach dem Start zuerst noch etwas Autobahn, geradeaus wie gehabt. Trotzdem gab es den besonderen Moment „des Kilometer 5000“ im Bild festzuhalten.

Kilometer 5'000 ist geschafft und noch 28 Meilen bis zur Grenze von Kalifornien.

Kilometer 5’000 ist geschafft und noch 28 Meilen bis zur Grenze von Kalifornien.

Wenn man Meilen und Kilometer „feiert“, kann man das eben öfter’s machen 🙂
Dann ging’s bergauf und ich suchte die richtige Trittfrequenz. Mit knapp 10 km/h kam es zwar langsam aber kräfteschonend hinauf.

Langsam aber stetig näherte ich mich der "Passhöhe".

Langsam aber stetig näherte ich mich der „Passhöhe“.

Nach der anschliessenden Abfahrt war ich schon bald am östlichen Rand von Yuma angekommen. Als erstes fallen die riesigen „Wohnmobil-Parks“ auf, die um diese Jahreszeit alle gut gefüllt sind. Viele Rentner in den USA verkaufen ihre Häuser und legen sich ein oft möglichst grosses Wohnmobil oder einen riesigen Anhänger zu. Diese Leute reisen dann gegen Ende Oktober in den Süden der USA um dort den Winter zu verbringen. Neben Florida sind auch die Staaten Arizona und Kalifornien beliebte Winterplätze. Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann, wieso man dann ausgerechnet einen Platz an der lärmigen Autobahn als Winterquartier auswählt.

Wenigstens ist immer was los an der Autobahn.

Es gibt sicher idyllischere Plätze.

Als Velofahrer ist es einem nicht immer ganz wohl, wenn sich so ein Riesenfahrzeug von hinten nähert. Die Fahrer_innen sind oft nicht wirklich geschult diese Fahrzeuge zu lenken und viele von ihnen sind auch gesundheitlich nicht mehr ganz fit. Da es in den USA aber jedem selber überlassen ist wann er den Führerschein abgeben will und man ohne diesen, wegen fehlendem öV-Angebot, bekanntlich nicht mehr weit kommt, fahren hier viele die bei uns die „Fahrtüchtigkeitstests“ nicht mehr bestehen würden. Heute waren in Yuma besonders viele Wohnmobile auf der Strasse und ich bin froh, dass mir keiner „zu nahe“ kam.
Meine Route führte mich zuerst einer grossen Sanddüne entlang, die vor allem als Spielplatz für Motocrossfahrer oder Quad’s genutzt wird.

"Sandkasten" für die "Grossen".

„Sandkasten“ für die „Grossen“.

Dann radelte ich entlang der riesigen Gemüseanbauflächen, die hier dank der künstlichen Bewässerung aus dem Coloradoriver entstanden sind. In einem gewaltigen Kanal- und Pipelinesystem wird das Wasser auf die Felder gepumpt und so dem Colorado noch fast der letzte Tropfen Wasser entzogen, bevor er über die Grenze nach Mexiko fliesst. In diesem Sinne gehen die Amis mit ihrem südlichen Nachbarn nicht wirklich freundschaftlich um. Die billigen Arbeitskräfte aus dem Süden, werden aber gerne auf den Feldern beschäftigt.

Die Anbauflächen haben riesige Dimensionen.

Die Anbauflächen haben riesige Dimensionen.

Für die Ernte sind die billigen Helfer aus dem Süden gern gesehen.

Für die Ernte sind die billigen Helfer aus dem Süden gern gesehen.

Wie mit dem Linela gezogen stehen die Pflanzen in Reih und Glied.

Wie mit dem Lineal gezogen stehen die Pflanzen in Reih und Glied.

Nun also Morgen nach El Centro, wo ich wieder mit meinem „Radlerkollegen“ Kyle zusammentreffen werde. Er hat ja nach Las Cruzes eine nördlichere Route genommen und ist offenbar gut vorangekommen. Dank meinem zusätzlichen Ruhetag am Samstag treffen sich unsere Wege also morgen wieder. So können wir die letzten zwei Tage nochmals gemeinsam radeln und die Ankunft am Pazifik gemeinsam feiern.

Tag 62: (14.12.14) Gila Bend – Wellton

Distanz: 141.2 km / Gesamt: 4994.2 km / Fahrzeit: 5 Std. 52 Min. / Durchschnitt 24.0 km/h

Vormittag 8, Nachmittag 20 Grad, ganzer Tag sonnig, kein Wind

think big

Wir wissen es alle ja schon lange: Die Amis lieben es gross. XXL heisst das Zauberwort. Ob beim Hamburger, als Konsequenz dann auch bei den Kleidergrössen, oder den Autos. Gross ist hier oft gleichbedeutend mit „gut“. Heute habe ich wieder so einige XXL Erfahrungen gemacht.
Angefangen bei der Distanz die ich heute zurückzulegen hatte. 140 km ohne echte Alternative unterwegs übernachten zu können. Deshalb habe ich gestern bei Gegenwind von 4 -5 Beaufort, meine Surf- und Segelkollegen wissen diesen Wind für schöne Segelerlebnisse zu schätzen, bewusst einen zusätzlichen Ruhetag eingelegt. Es hat sich ausbezahlt. Heute war der ganze Tag praktisch windstill, so dass ich nicht noch zusätzlich ausgebremst wurde. Wegen der langen Distanz und um genug Reserve für allfällige Pannen zu haben, bin ich früh losgefahren.

Bei einer solchen Morgenstimmung wirkt auch ain Schrottplatz "schön".

Bei einer solchen Morgenstimmung wirkt auch ein Schrottplatz „schön“.

Die ganze Strecke fuhr ich auf der Interstate 8, da es hier weiterhin keine andere Strasse gibt. Da es Sonntag war, war selbst auf der Interstate nicht viel los. Oft war ich über längere Strecken alleine unterwegs. Alle die Richtung Los Angeles oder nördlicher unterwegs sind, sind in Gila Blend auf die „I 10“ abgebogen, so dass ich die Strasse nur noch mit denjenigen mit Ziel San Diego „teilen“ musste.
Kurz nach der Abfahrt mein nächstes XXL Erlebnis: Eine riesige Farm mit Sonnenkollektoren mit denen hier in der Wüste sauberer Strom erzeugt wird. Ein schönes Zeichen im Land der unbegrenzten Ressourcenverschwendung.

Eine risige Anlage mit Sonnenkollektoren.

Eine riesige Anlage mit Sonnenkollektoren.

Die Fahrt verlief einfach wunderbar. Links und rechts der Strasse weiterhin viel offenes Land und viel  „Nichts“!

Heute habe ich den Ort gefunden, den ich so lange gesuht habe: In der Mitte des Nirgendwo!

Heute habe ich den Ort gefunden, den ich so lange gesucht habe: Die „Mitte des Nirgendwo“!

So lebt man "in the middle of nowehre".

So lebt man „in the middle of no wehre“.

Die Trittkadenz konnte ich auch bei leichten Anstiegen hoch halten und so waren die ersten 60 Kilometer bald geschafft.
Dort gab es eine Raststätte und es war Zeit wieder etwas Kalorien und Flüssigkeit nachzuladen. Zudem hat es an diesen Raststätten oft guten Handyempfang und so konnte ich mit meinen Lieben zu Hause etwas plaudern. Während ich mit meiner Mutter am Telefon war erschien ein Sheriff der Highway Patrol. Er stellte sich freundlich mit vollem Namen vor und erkundigte sich, ob bei mir alles ok sei? Es sei ein Anruf in der Zentrale eingegangen, dass ein Velofahrer auf der Interstate unterwegs sei. Da er in der Nähe war wollte er einfach mal nachschauen, ob ich ok sei. Es sei kein Problem und ich dürfte hier problemlos auf dem Pannenstreifen fahren. Ich bedankte mich freundlich für seine Nachfrage und bestätigte ihm, dass ich keine Probleme hätte und heute noch bis Wellton fahren wolle. Er wünschte mir eine sichere Fahrt und verabschiedete sich.
Bei der Weiterfahrt wieder eine dieser endlosen Geraden, welche oft 20 oder mehr Kilometer keine Kurve aufweisen.

Immer geradeaus, Richtung Westen!!!

Immer geradeaus, Richtung Westen!!!

Die Strasse stieg wieder etwas an und auf einem weiteren „Pass“ machte ich ganz oben eine kurze Rast, gerade als ein weiterer dieser unglaublich langen und beeindruckenden Züge über den Pass fuhr. Ich habe heute auf meiner Fahrt mindestens 12 solcher „XXL-Züge“ gesehen. Jeder mit mindestens 100 Wagen wobei über 70% mit zwei grossen Containern beladen waren. Kurze Rechnung: 12 Züge à 100 Wagen mal 1.7 = 2040 Container die sonst mit 2040 Lastwagen befördert werden müssten!

Ein weiterer XXL Zug der tausende Tonnen befördert.

Ein weiterer XXL Zug der tausende Tonnen befördert.

Auch ein XXL Sonnenkraftwerk konnte ich heute entlang meiner Route sehen. Ein riesiges Feld mit gigantischen Spiegeln, welche die Sonnenstrahlen auf eine Leitung bündeln und so die Kraft liefern, um die Turbinen anzutreiben.

Eine beeindruckende Anlage.

Eine beeindruckende Anlage.

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Hier wird die Kraft der Sonne in Strom umgewandelt.

Diese XXL Felder haben mich heute sehr gefreut. Ein gutes Zeichen. Weniger Freude hatte ich an den hier ebenfalls immer mal wieder auftauchenden grossen Mastfarmen, wo Rinder in riesigen Anlagen auf engstem Raum möglichst schnell auf ein Schlachtgewicht gefüttert werden, um den unstillbaren Hunger nach billigem Fleisch in den USA und anderen Märkten zu befriedigen. Bei diesem Anblick kann einem der Appetit auf ein gutes T-Bone Steak vergehen.

Heute fuhr ich an mehreren dieser "Mastfarmen" entlang.

Heute fuhr ich an mehreren dieser „Mastfarmen“ entlang.

Diese Farmen sind auch noch viel später durch ihren Geschmack zu riechen.
Nach gut 90 Kilometer dann ein letzter Stop an einer einsamen Tankstelle mit angeschlossenem Food Store.

Eine Frau aufder Fahrt von Tucson nach San Diego wollte dieses Foto von mir am Rastplatz machen. Wir haben etwas geplaudert und sie war wie viele "beeindruckt" von meiner Fahrt.

Eine Frau auf der Fahrt von Tucson nach San Diego wollte dieses Foto von mir am Rastplatz machen. Wir haben etwas geplaudert und sie war wie viele Gesprächspartner in den letzten Tagen „beeindruckt“ von meiner Fahrt.

Ich erreichte mein Ziel einiges früher als erwartet und das der Pool und ein warmes Sprudelbad im Motel noch geöffnet waren erweiterte mein „Erholungsprogramm“ unerwartet um ein entspanntes Bad. Einfach super, an einem 14. Dezember draussen ein Bad zu nehmen.

Dies war einladend. Wieder mal ein Bad im Freien.

Dies war einladend. Wieder mal ein Bad im Freien.

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Nach 140 km, der beste Platz zur Erholung. Ein warmes Sprudelbad.

Ich wünsche euch allen einen entspannten Start in die „letzte Woche“ vor den Weihnachtsferien.

Tag 61: (13.12.14) Rasttag in Gila Bend

Abwarten

Heute Nacht zogen Ausläufer der starken Regenfront, verbunden mit starkem Wind auch über Gila Bend. Als ich in der Nacht erwachte, recherchierte ich im Internet mal die aktuellen Windvorhersagen für den heutigen Tag. Resultat: Westwind bis 40 km/h und Böen. Mein nächst mögliches Motel liegt von hier aus genau in der Richtung, aus der der Wind weht und ist 120 Kilometer entfernt. Wie Velofahrer wissen, ist Gegenwind schlimmer als Steigungen und können einem so richtig ausbremsen. Ich hatte keine Lust mich auf dieses Experiment einzulassen und stundenlang gegen den Wind und die allenfalls hereinbrechende Dämmerung anzukämpfen. Da ich noch genug Reserve habe war der Entschluss rasch gefällt. Ich bleibe heute in diesem kleinen Nest und warte den Sonntag ab. Dann soll der Wind nachlassen und erst noch etwas drehen, so dass morgen Seiten- oder gar Rückenwind zu erwarten ist.
Ich habe noch ein anderes Motel an der „Hauptstrasse“ gesucht, da ich gestern nahe der Autobahn etwa 5 Kilometer vom Ort entfernt geschlafen habe. Den Ort hat man in 15 Minuten gesehen und so konnte ich heute viel ausruhen. Einziger Höhepunkt: Es gibt hier ein echt italienisches Restaurant!!! Ich freue mich jetzt schon auf einen feinen Teller Pasta heute Abend.
Für euch zu Hause hier die Bilder aus Gila Bend, 1700 Einwohner (wohl mit allen verstreuten Häusern in der weiteren Umgebung)

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Die Speisekarte sieht vielversprechend aus. frische Pasta 🙂

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Auch die Lastwagen tragen hier zum Teil eine „Weihnachsdekoration“.

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Wer sich beruflich und örtlich „verändern“ will, hier gibt es eine Gelegenheit. Der Laden ist (ohne Erfolgsgarantie) zu verkaufen.

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Hauptstrasse in Gila Bend.

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Das „Space Age“ Motel im original 70er Jahre look. Willkommen im Raumschiff Enterprise!

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Nach Mexiko ist es nur ein Katzensprung, aber ich bleibe bei meinem Ziel: San Diego

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Prunkvolle Häuser und Villen sucht man hier vergebens.

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Für die Fernfahrer ein wichtiger Stop auf der langen und eintönigen Fahrt auf der „Interstate 8“

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Die Kirche mit Wandmalerei.

 

Tag 60: (12.12.14) Eloy – Gila Bend

Distanz: 110 km / Gesamt: 4853 km / Fahrzeit: 5 Std. 10 Min. / Durchschnitt 21.3 km/h

Vormittag 15, Nachmittag 22 Grad, Morgen sonnig, Nachmittag bedeckt , ab Mittag leichter Gegenwind mit Böen

3000 Meilen geschafft!!!

Heute war wieder einmal ein typischer „Meilentag“ und davon gibt es nicht viel spannendes zu berichten. In der Gegend in der ich im Moment unterwegs bin gibt es keine Alternative zur Interstate 8 und so war ich fast den ganzen Tag auf dem Pannenstreifen unterwegs. Zuerst musste ich im Raum Eloy / Casa Grande noch einigen Nebenstrassen benutzen, da es hier nicht erlaubt ist auf der Autobahn zu fahren.
Aber auch diese Strassen werden irgendwann zu Feldwegen und verschwinden im Nirgendwo. Ab diesem Punkt ist es dann auch Radfahrern wieder gestattet die Autobahn zu benützen. Genau an dieser Stelle sah ich auf einem Wegweiser zum ersten Mal auf der Reise mein Ziel angeschrieben: San Diego!

Nach San Diego hier links und dann immer geradeaus.

Nach San Diego hier links auf die Autobahn und dann immer geradeaus.

Auf der Interstate kommt man gut voran, doch Begegnungen wie gestern bleiben da natürlich aus. Die Strecke ist hier nicht stark befahren so das dies ein recht entspanntes Fahren ist, bei dem man zügig vorankommt. Noch immer sind längere Anstieg zu bewältigen und weil gegen Mittag der Wind drehte, musste ich auch bei den leichten Abfahrten in die Pedale treten um eine gute Geschwindigkeit halten zu können.

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Immer wieder rauf und runter.

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Rechts …

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und links der Autobahn.

Neben der Strasse immer noch schöne Saguaros und andere Wüstenpflanzen. Zum Glück blieb es heute den ganzen Tag trocken und der Wind blies nicht zu heftig gegen meine Fahrtrichtung. Der Sturm der gestern das nördliche Kalifornien überquerte schickte aber trotzdem dunkle Wolken bis hier in den Süden. Ich hoffe nun, dass der angekündigte Wind und Regen ebenfalls nur sehr schwach hier vorbeikommen oder besser ganz ausbleibt. Die nächsten zwei Tage bin ich weiterhin fast ausschliesslich auf der Interstate 8 unterwegs und werde, wenn das Wetter nicht zu stark gegen mich arbeitet, am Sonntag die Grenze zu Kalifornien erreichen.
25 Kilometer vor dem heutigen Tagesziel war ein weiterer Meilenstein vollbracht: Meile 3000 war erreicht!

3000 Meilen geschafft!

Um 14.30 Uhr war es soweit: 3000 Meilen geschafft! (= 4828 km)

Bis San Diego sind es noch knapp 300 Meilen. 90% der Strecke liegen nun also hinter mir. Das einst so weit entfernte Ziel ist nun in greifbare Nähe gerückt und ich freue mich täglich mehr auf den Moment, wo ich mit meinem „Pferdchen“ am Pazifik stehe. Ich bin hervorragend im Zeitplan und habe, ausser den zum Teil langen Distanzen zum nächsten Motel, keinen Grund extra lange Strecken zu fahren. Ich hoffe es läuft auch auf diesen letzten Meilen weiterhin so problemlos, so dass ich mein Ziel voraussichtlich am Mittwoch erreiche.

Tag 59: ( 11.12.14) Tucson – Eloy

Distanz: 112.5 km / Gesamt: 4743 km / Fahrzeit: 4 Std. 57 Min. / Durchschnitt 22.7 km/h

Vormittag 15, Nachmittag 24 Grad, ganzer Tag sonnig, oft leichter Rückenwind,

Adventsgeschichten

Steve, mein toller „Warmshowers Gastgber“ der mir zusammen mit seiner Frau Christine viel mehr als nur eine „warme Dusche“ offerierte, begleitete mich heute Morgen auf den ersten 35 Kilometern durch Tucson und führte mich auf guten Radwegen aus dieser 300’000 Einwohnerstadt.

Sonnenkolektoren im Einsatz.

Sonnenkollektoren im Einsatz.

Keine Geranien im Garten, dafür schöne Kakteen.

Keine Geranien im Garten, dafür schöne Kakteen.

Weihnachtsdeko in der Wüste.

Weihnachtsdeko in der Wüste.

Ich wusste bis heute nicht, dass Miss Piggy zur "Weihnachtsfamilie" gehört.

Ich wusste bis heute nicht, dass Miss Piggy zur „Weihnachtsfamilie“ gehört.

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Schöner Radweg durch Tucson.

Als wir an der Stadtgrenze ankamen war es Zeit sich zu verabschieden. Dies ist mit der Hoffnung verbunden diese tollen Menschen bald mal wieder zu treffen.

Goodby Steve, Thank's for all and I hope to meet you and Christine again!!!

Goodby Steve, Thank’s for all and I hope to meet you and Christine again!!!

Meine weitere Fahrt sah auf der Karte nicht sehr spektakulär aus. Alles auf einer Parallelstrasse zur Interstate 10. Ruhig, wenig Verkehr und rechts der Strasse die Eisenbahn. Strahlender Sonnenschein und leichter Rückenwind machten die Fahrt auch an einem Donnerstag zu einer richtigen Sonntagsfahrt. Leider konnte ich nicht so nahe am Flugzeugparkplatz vorbeifahren wie dies mein Arbeitskollege Stefan wünschte. Da war von meiner „Frontage Road“ einfach kein vernünftiger Zugang zum „Parkplatz“, wo die im Moment nicht mehr im Betrieb stehenden Flugzeuge aus der ganzen Welt im trockenen Wüstenklima abgestellt werden. Immer in der Hoffnung das die Maschinen wieder eingesetzt werden können. Ich habe sie in der Ferne dann doch noch erspäht und konnte nur ein leider unscharfes Foto schiessen. Der Umweg von gut 18 Kilometer war mir dann aber zu weit.

Leider nicht "scharf" aber der Beweis, ich habe sie gesehen!

Leider nicht „scharf“ aber der Beweis, ich habe sie gesehen!

Kurze Zeit später begegnete ich einem Langstreckenradler. Er heisst Joe und ist auf einem Charityride nach Mexiko. Er erzählte, dass er das schon zum elften Mal mache und bei seinen Fahrten jeweils Geld für Krebskranke Kinder sammle. Wer „Joe Do Painado 1500 Miles“ in Google eintippt, findet unter anderem ein Video seiner Sammelaktionen. Es war eine kurze aber nette Begegnung mit einem engagierten Menschen. Leider hat er heute die falsche Route gewählt und wurde auf der Autobahn von der Polizei gestoppt und gnadenlos vom Pannenstreifen verbannt. Im Raum Casa Grande ist das Fahren auf dem Pannenstreifen nämlich nicht erlaubt. Er musste also über den Zaun klettern und durch tiefen Matsch zur nächsten Strasse wandern. Sein Fahrrad sah entsprechend aus. Wir wünschten und gegenseitig noch viel Glück und Erfolg auf der Weiterreise und fuhren weiter.

Joe, der Charityrider für Krebskranke.

Joe, der „Charityrider“ für Krebskranke.

Es ging leicht bergauf und am Picachio Peak sah ich im Schatten eines Baumes zwei Radfahrer warten. Ich hielt an und sprach mit den beiden. Ein Paar das es offensichtlich im Leben nicht immer einfach hatte. Beide waren vom Alkohol und wohl auch Drogenkonsum gezeichnet. Sie waren mit ihren zwei Fahrrädern, einem Anhänger und drei kleinen Hunden dort und suchten Leute, die ihnen etwas spendeten. Ich sprach mit den beiden gut eine halbe Stunde. Sie waren begeistert von meiner Tour und erzählten mir, dass sie nach Las Vegas wollten, dies im Moment aber nicht gehe, da die Frau nächste Woche in Tucson einen Arzttermin habe. Es war offensichtlich, dass sie nicht wirklich gesund war. Stolz erzählten mir die beiden, dass sie nicht obdachlos seien, sondern in Tucson eine Wohnung hätten. Leider sein das Geld aber nach Bezahlung der Miete jeweils aufgebraucht. Da sie trotzdem lieber unterwegs waren als zu Hause herumzusitzen, machten sie immer wieder ausgedehnte Fahrradtouren und fragten die Vorbeifahrenden um finanzieller Unterstützung. Das klappe ganz gut und so seien sie zufrieden. Ich gab ihnen einen Zustupf, so das für das Abendessen und die Übernachtung im nahen State Park gesorgt war. Die beiden bedankten sich herzlich und als sie erfuhren, dass ich auf meiner Reise auch Geld für Kokou sammle, waren sie restlos begeistert. Die Frau erzählte mir, dass sie nach einem Überfall, bei dem ihr das halbe Ohr abgeschnitten und ein Schraubenzieher in den Kopf gerammt wurde, auch eine Art epileptische Anfälle habe. Zum Glück werde es langsam besser. Sie umarmte mich und zeigte mir ihre Arme: „Siehst du, ich bekomme gleich Hühnerhaut. Super dein Projekt.“ Ich war wirklich gerührt. Die beiden hatten es nicht leicht im Leben und trotzdem strahlten sie so viel positive Energie und Lebensfreude aus.

Nicht immer auf der "Sonnenseite" und doch voller Lebensfreude und Zuversicht.

Nicht immer auf der „Sonnenseite“ des Lebens und doch voller Lebensfreude und Zuversicht.

Diese beiden Begegnungen mit aussergewöhnlichen Menschen waren heute ganz klar meine persönliche „Adventsgeschichte“.
In diesem Sinne wünsche ich auch euch zu Hause möglichst besinnliche und komerzfreie Adventstage.

Tag 58: (10.12.14) Ruhetag in Tucson

Distanz: 30.5 km / Gesamt: 4630.5 km / Fahrzeit: unbekannt / sonniger Tag im Saguaro National Park

Achterbahn

Heute habe ich einen Ruhetag in Tucson genossen. Eigentlich gibt es an einem Ruhetag ja keinen Blog, aber ich reiche diesen nun doch noch nach. Meine zauberhaften Gastgeber Christine und Steve Beck haben mich auf meinem Ausflug in den Saguaro NP auf dem Velo begleitet. Es war eine wunderschöne Fahrt durch den Park. Die Strasse durch den Park ist eine Einbahn und die Fahrt gleicht der einer Achterbahn. Steile Abfahrten, enge Kurven und kurze aber knackige Anstiege.

Offensichtlich eine nicht ungefährliche Strecke.

Offensichtlich eine nicht ungefährliche Strecke.

Alles zwischen wunderschönen Kakteen und einer herrlichen Bergkulisse. Ich habe den Ausflug mit diesen beiden wundervollen und gastfreundlichen Menschen sehr genossen.

Christine fuhr voraus und warnte mich vor engen Kurven oder steilen Anstiegen.

Christine fuhr voraus und warnte mich vor engen Kurven oder steilen Anstiegen.

Ein kurzer Stop an einem schönen Rastplatz, das alles bei Sonnenschein und warmen 24 Grad. So lässt es sich im Dezember wirklich gut aushalten.

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Impressionen aus dem Park.

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Ein wahrer Riese.

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Besucher am Rastplatz.

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Freiluft „Kaktusgarten“

Steve arbeitet jeweils ein bis zwei Abende in der Woche noch als Mathematiklehrer an einem Gemeindecollege. Heute Abend hatte er noch einen Einsatz. So waren Christine und ich am Abend alleine und sie kochte mir köstliche Pasta und dazu frischen Salat. Eine Wohltat in der kulinarischen Eintönigkeit der Fastfoodketten, die für mich oft die einzige Möglichkeit sind, mich der Nähe zu verpflegen. Wieder hatten wir schöne Gespräche und Christine schien sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, obwohl sie am nächsten Tag ihre „periodische Prüfung“ als Krankenschwester im Bereich „Notfalleinsatz“ zu absolvieren hatte. Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen sie von den zur Vorbereitungen zur Prüfung abzuhalten. Später kam dann auch Steve von seinem Unterricht wieder nach Hause und wir plauderten noch lange über diese und jene Fahrradreise. Er gab mir, nicht nur für Europa, sondern auch für die USA viele tolle Tipps und so ist der Samen für künftige Radreisen gepflanzt. Keine Angst Barbara, die beiden haben so von Touren in Europa geschwärmt, dass wir für die nächste Reise den Zug zum Ausgangspunkt nehmen können. 🙂
Die beiden waren der lebende Beweis dafür, das auch in den USA Menschen leben welche die Politik in ihrem Land kritisch hinterfragen, mit vielem nicht einverstanden sind und im wahrsten Sinne „Mitmenschlichkeit“ leben. Sie haben in den letzten Jahren vielen Flüchtlingsfamilien bei ihrem Start in ein neues Leben in den USA geholfen und diese dabei unterstützt auf eignen Beinen zu stehen. Als Weihnachtsgeschenk haben sie diesen jeweils Fahrräder geschenkt, damit sie unabhängig und ohne teure Benzinkosten zu ihren Arbeitsstellen oder in die Schule fahren konnten. Ihre Erzählungen und ihr mitmenschliches Engagement haben mich beeindruckt und ich hoffe sehr die beiden bald einmal wieder zu treffen. Ich hoffe ihre nächste Europareise führt zumindest in der Nähe der Schweiz vorbei: Just call me Cristine and Steve, so we can ride together!!! Herzlichen Dank für diese schöne Erfahrung und die tolle Gastfreundschaft.