Tag 42: (24.11.14) Hondo – Brackettville

Distanz: 134.3km / Gesamt: 3297.7 km (2049 Meilen) / Fahrzeit: 7 Std. 23 Min. / Durchschnitt 18.3 km/h

Morgens 17, Nachmittags 23 Grad, kaum Wind, ganzer Tag sonnig, keine Wolke 🙂

geschüttelt, nicht gerührt

Das war einfach ein harter Tag. Ich fühlte mich so wie der Martini von James Bond. Geschüttelt nicht gerührt! Von den 134 km die ich heute zurückgelegt habe, waren mehr als 100 auf einem sehr rauen Seitenstreifen. „Texas Chip Seal“ sagt den regelmässigen Bloglesern ja schon was. Heute war es mit wenigen Ausnahmen im Gebiet um Uvalde dauernd sehr unruhig auf dem Seitenstreifen und jede Schraube an meinem Fahrrad wurde einem intensiven Rütteltest unterzogen. Ich war froh, dass mein Rad sowohl vorne als auch hinten gut gefedert ist. Trotzdem hatte ich die ganze Rüttlerei im Verlauf des Nachmittags ziemlich satt. Selbst in meinem bequemen „Liegestuhl“ fühlte ich mich nicht mehr so entspannt und war froh, diese Strecke nicht auf einem „normalen Velo“ fahren zu müssen. Wie muss es hier jenen Radlern ergehen, die auf einem harten Sattel ohne Federung diese Strecke fahren „müssen“.

Morgengruss in Hondo bei der Abfahrt.

Morgengruss in Hondo bei der Abfahrt.

Zudem bin ich nun in einer Gegend, in der die Entscheidung, zum nächsten Ort weiterzufahren oder hier die Nacht zu verbringen, nur so alle 60 km gefällt werden kann, da es dazwischen schlicht kaum Orte und vor allem keine Motels gibt.

Ich bin im "wilden Westen" angekommen. Sanibal  "Downtown"

Ich bin im „wilden Westen“ angekommen. Sanibal „Downtown“

Hier wurde ich gewarnt, Autostopper mitzunehmen, es könnten "Ausbrecher" im nahen Gefängniss sein. Kein Problem für mich, ich habe sowieso keinen Platz.

Hier wurde ich davor gewarnt keine Autostopper mitzunehmen, es könnten „Ausbrecher“ im nahen Gefängnis sein. Kein Problem für mich, ich habe sowieso keinen Platz 🙂

Heute schlafe ich im „Fort Clark Springs Motel“. Das ist in einem alten Fort aus dem Jahr 1852, das heute neben einem Museum in den alten Gebäuden auch ein Motel und ein Campingplatz bietet. Es ist hier weit und breit keine weiter Unterkunft vorhanden. Der nächste Ort ist Del Rio.
Ich bin froh mich entschieden zu haben, heute bis Brackettville durchzufahren. So habe ich Morgen je nach Wettersituation verschiedene Optionen. Del Rio ist schon sehr nahe und kann auch bei viel Gegenwind erreicht werden, vielleicht fahre ich auch bis Comstock weiter.
Die Fahrt heute war, neben dem Erreichen der Meile 2’000, die ja für alle MILES4KOKOU Sponsoren von „Bedeutung“ ist, nicht sehr aufregend.

Meile 2000 geschafft!

Meile 2000 geschafft!

Es ging, abgesehen von der Region Uvalde nach etwa 65 km, immer über Land; weit und breit kaum Häuser und stetig etwas Bergauf. Es war also eher eine mentale Herausforderung, trotz der sehr bremsenden Unterlage und der nicht endenden Hügeln, den Druck in den Pedalen aufrecht zu erhalten und dem Ziel entgegen zu strampeln.

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Die Farmer hier haben ein lukratives Zusatzgeschäft entdeckt. Auf ihren riesigen Farmen züchten sie Tiere für die „Jagt“, die dann von „Jägern“ gegen gutes Geld geschossen werden können. Diese Ranch bietet eine Vielfalt von Tieren zur Jagt an, wie das Tor beweist.

Das Licht und die weite Landschaft, die ich so liebe, entschädigte mich für die Anstrengung. In solchem Momenten kann Radfahren auch was meditatives haben.

Die Bilder mögen sich gleichen, aber es ist diese Landschaft, dieses Licht, das mich hier so fasziniert und motiviert immer weiter zu fahren: go west!

Die Bilder mögen sich gleichen, aber es ist diese Landschaft, dieses Licht, das mich hier so fasziniert und motiviert immer weiter zu fahren: go west!

Du, die Landschaft, dein Rhythmus und immer weiter. Mehr braucht es nicht. Ich bin froh diese Momente der Entspannung geniessen zu dürfen und den ganzen Ballast der einem im Alltag oft belastet, einfach vergessen zu können. In diesem Sinne war es bei aller Anstrengung und mehr als 7 Std. und 20 Minuten im Sattel „just a good day“.

Tage 40 + 41 (22+23.11.14) Ruhetag in New Braunfels und New Braunfels – Hondo

Distanz: 124.4km / Gesamt: 3163.4 km / Fahrzeit: 7 Std. 26 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h

Morgens 17, Nachmittags 28 Grad, kräftiger Wind aus Westen, ganzer Tag sonnig, keine Wolke 🙂

a long day

Der Samstag präsentierte sich wie angekündigt sehr regnerisch, immer wieder Gewitterzellen über uns und die kurzen Regenpausen nutzte ich, mir in der Nähe das Wichtigste zu besorgen. Essen, neue Sonnencreme für die kommenden Tage, Batterien für meine Blinklichter etc. Ansonsten war ich viel im Zimmer, habe diverse E-mails erledigt und mich einfach ausgeruht.

So werden hier Fussgänger "behandelt". Man kann zwar über einen Fussgängerstreiffen, aber am anderen Ende steht man im .... Nichts!

So werden hier Fussgänger „behandelt“. Man kann zwar über einen Fussgängerstreifen, aber am anderen Ende steht man im …. Nichts!

Am Samstagabend gegen acht Uhr am Abend schlug in der Nähe dann ein Blitz ein. Es war kurz laut, dann etwa 5 Sekunden stockdunkel und anschliessende funktionierten weder Internet noch TV. Also konnte ich früh das Licht löschen und einige Stunden schlafen. Ich wusste das mir der heutige Tag ein hartes Programm vorbereitet hatte. Viele Kilometer bei schönem Wetter aber Gegenwind und Hügeln.
Also stand ich früh auf. Ein kurzes Frühstück. Der Toaster funktionierte wegen dem Gewitter immer noch nicht, also gab es weiches Toastbrot und ein hartes Ei. Um acht Uhr sass ich im Sattel und machte mich auf den Weg.

Früher Start auf leeren Strassen.

Früher Start auf leeren Strassen.

Ich hatte am Samstag viel Zeit in die Routenwahl durch die 1.2 Millionenstadt San Antonio investiert und war gespannt wie das ausgehen würde. Ich hatte noch gut die Beschreibung der San Antonio Durchquerung eines anderen Fernradfahrers aus München im Ohr, der es in seinem Bolg wie folgt beschrieb:

„Stellt euch vor, ihr müsst von Landsberg am Lech nach Hohenlinden. Wer die Strecke nicht kennt, möge kurz googeln. Also: ihr steigt in Landsberg ins Auto und fahrt auf der A-96 nach München. Am Autobahnende in Sendling biegt ihr wider besseres Wissen dennoch rechts auf dem Mittleren Ring (Süd) ab, quält euch über den unseligen Luise-Kiesselbach-Platz (für den man auch Futur III einführen müsste), fahrt dann durch das Brudermühltunnel, folgt der Candidstraße, die zur Chiemgauer Straße und schließlich dem Innsbrucker Ring wird. So geht’s um die komplette Stadt rum. Beim ehemaligen Stahlgruber (den kennt jeder Münchner meiner Generation; für alle anderen: Einsteinstraße-Ecke-Mittlerer Ring) biegt ihr dann rechts in die Töginger Straße (A94) ein und bleibt auf der A94 bis zur Ausfahrt „Mühldorf / Passau“. Dort verlasst ihr die Autobahn und fahrt auf der B-12 nach Hohenlinden.

So – und jetzt nochmal zurück zum Ausgangspunkt „Landsberg“. Ihr nehmt diesmal nicht das Auto, sondern das Fahrrad. Ansonsten bleibt alles unverändert; ihr fahrt denselben Weg bis Hohenlinden, nur eben auf dem Fahrrad. Damit wißt ihr so ziemlich alles über unseren heutigen Tag, nur dass unser Landsberg „Hondo“ hieß, München „San Antonio“ und Hohenlinden „Converse“. Nun, nicht ganz! Mit dem Fahrrad gibt es ein paar Besonderheiten. In den USA wird die rechte Spur bei Ausfahrten zur zwingenden Rechtsabbiegerspur. Als Radler fährt man auf dem Pannenstreifen also rechts von der Ausfahrtsspur. Diese gilt es dann aber zu überqueren, weil wir ja die Autobahn nicht verlassen möchten sondern weiter auf dem Pannenstreifen radeln wollen, der auf einmal aber eine Spur weiter links ist. Also eine Lücke im dichten Großstadtverkehr abwarten, dann über die Ausfahrtsspur huschen und auf der Hauptautobahn (teilweise 4-spurig) wieder auf dem Pannenstreifen weiterfahren. Ungefähr 700 – 900 Meter. Dann folgt die nächsten EINfahrt von rechts. Wieder eine Lücke abwahrten, über die Einfahrtsspur huschen und auf dem Pannenstreifen der rechten Spur weiterradeln, bis in ca. 500 – 700 Meter die nächste Ausfahrtsspur kommt. Das Ganze wird so richtig lustig, wenn ZWEI Spuren zur Ausfahrtsspur und ZWEI Spuren werden und ZWEI Spuren in die Autobahn münden. Bei dichtem Großstadtverkehr ist die Corrida der Dämonen eine Wellnesspackung dagegen. „(C) Herman Plasa

Ich war also gewarnt! Aber heute, kein Verkehr!!! Ich fuhr völlig entspannt immer auf der Frontage Road der I 35, das sind Parallelstrassen zu den Autobahnen, auf denen die diversen Seitenstrassen angefahren werden können, Richtung San Antonio. Dort wählte ich Nebenstrassen und auch das zahlte sich aus. Ich fuhr den ganzen Tag auf Strassen mit sehr wenig Verkehr.

"Bad Hair Day", heute mal der Bart ohne Zopf im Fahrtwind.

„Bad Hair Day“, heute mal der Bart ohne Zopf im Fahrtwind.

Diese Stadt am Sonntag zu durchqueren war wohl die perfekte Entscheidung. Ich fuhr etwas südlich des Stadtzentrums und nutzte Strassen durch Quartiere, in denen offensichtlich Menschen mit einem tiefen Einkommen in einfachen Häusern wohnen. Seit bereits einigen Tagen ist es offensichtlich, dass hier viele Einwanderer aus Mexiko oder Zentralamerika wohnen. Ich bin immer wieder erstaunt zu sehen, wie hier beste Wohnlagen, sehr nahe am Stadtzentrum offensichtlich nicht wirklich begehrt sind. Hier stehen auf riesigen Flächen alte, einfache und sehr kleine Häuser, während weit draussen vor den Städten exklusive Siedlungen für die Besserverdienenden entstehen, deren Bewohner dann jeden Tag einen sehr langen Arbeitsweg im Stau in kauf nehmen. Ich mag es den Bewohner in ihren einfachen Häusern ja gönnen, habe aber das Gefühl, dass die Städte so von innen heraus „aussterben“. Zudem ist mit dieser Siedlungspolitik schlicht kein effizientes öV System aufzuziehen, da die Menschen viel zu verstreut wohnen. Somit ist jeder, egal wie alt, auf ein Auto angewiesen. Wer keines fahren kann, muss zu Hause bleiben.

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In San Antonio …

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… war meine Sicht auf die Stadt nicht die aus dem Touristenprospekt.

Süss, aber sehr einfach.

Süss, aber sehr einfach.

Aber wie gesagt, es war Sonntag und ich kam problemlos durch die Stadt. Es war aber wie immer. In Städten braucht das ständige Anhalten und Abfahren sowie die Navigation viel Energie und senkt die Durchschnittsgescheindigkeit dramatisch. Obwohl ich also früh losgefahren war, war es bereits 14 Uhr bis ich die Ausfallstrasse erreichte und es waren erst 70 Kilometer geschafft.

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Kleines Coiffeurgeschäfft in „Castroville“. Gute Preise 🙂 Männer 7, Frauen 10 Dollar.

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Kirche in Castroville, das von französischen Einwanderern gegründet wurde.

Ich hatte bewusst kein Motel reserviert, weil ich unsicher war, wie der Tag laufen würde. Es ging weiter über viele weitere Hügel und gegen den Wind. Etwa zwei Kilometer fuhr ich neben einem lokalen Rennradfahrer und plauderte etwas mit ihm, bis es abbiegen musste. Das war eine schöne Abwechslung in einer sonst eher monotonen Fahrt. Gegen Abend nahm der Wind dann zum Glück ab und die tiefstehende Sonne bescherte mir schöne Bilder in dieser Landschaft.

Ausgetrockneter Rio Hondo

Ausgetrockneter Rio Hondo

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Kurz vor Hondo stand die Sonne tief und bescherte ein fantastisches Licht.

Nun wird es immer einsamer und morgen steht nochmals eine lange Etappe an. Also heute Muskeln gut einmassieren und rechtzeitig ins Bett, sowie früh raus. Ich hoffe auf einen windstillen Tag! Mindestens sind für die nächsten Tage kein Regen und in meiner Region ziemlich angenehme Temperaturen angesagt.

Tag 39: ( 21.11.14) Luling – New Braunfels

Distanz: 53.7 km / Gesamt: 3039.2 km / Fahrzeit: 3 Std. 0 Min. / Durchschnitt 17.9 km/h

Morgens 16, Nachmittags 20 Grad, schwacher Wind aus Westen, ganzer Tag stark bedeckt, nach Mittag Regenschauer

3000 Kilometer geschafft!

Heute stand ja, wie geplant, nur eine kurze Etappe nach New Braunfels auf dem Programm. Ich will hier ja den angekündigten Regen- Gewittertag am Samstag abwarten um dann am Sonntag die Fahrt durch San Antonio machen zu können.
Nachdem es gestern Abend mit den beiden Landvermessern John und Fernando spät geworden war, fühlte ich mich heute Morgen nicht wirklich fit und war froh, eine kurze Etappe vor mir zu haben. Obwohl ich noch gerne etwas länger geschlafen hätte, machte ich mich schon kurz vor acht Uhr auf den Weg.

Tagesmotto: grau in grau

Tagesmotto: grau in grau …

Grauer Start auf gutem Asphalt.

… aber Start auf gutem Asphalt. Leider nur kurz 😦

Bei diesen Wetterprognosen wollte ich nicht riskieren am Nachmittag noch im Regen fahren zu müssen. Die ersten acht Kilometer liefen perfekt und ich konnte auf feinstem Asphalt die Hügel, die sich hier endlos aneinanderreihen, in Angriff nehmen. Doch leider war der guten Strassenbelag nur von kurzer Dauer und ich musste Bekanntschaft mit dem unter Velofahrern verpönten „Texas Chip Seal“ machen. Dieser Belag besteht aus sehr groben Steinen, welche ca 8 – 10 mm dick sind. Sie werden auf eine feine Asphaltmasse gestreut und mit der Zeit von den Autos dann „flachgefahren“. Aber eben leider nur dort, wo auch Autos fahren. An der Seite ist das ganze sehr rauh und beschert dem Velofahrer viel Rollwiderstand und eine dauernde Rüttelpiste.

Der "Bremsbelag"

Der „Bremsbelag“

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Wenn kein Auto im Rückspiegel war, fuhr ich auf der plattgewalzten Fahrbahnspur.

 

Kommen dann noch Hügel dazu, verschlechtert sich das Verhältnis „Kraftaufwand / Geschwindigkeit“ dramatisch. So war es zeitweise ziemlich ernüchternd, wenn der Blick über den Tacho schweifte und dort oft nur noch eine einstellige Zahl stand, obwohl ich kräftig in die Pedale trat.
Wenigstens konnte ich nach 14.5 Kilometer ein besonderes Ereignis „feiern“.

Er gratulierte mit einem lauten Hupkonzert.

Die 3000 sind geschafft!

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Er gratulierte mit einem lauten Hupkonzert. Das freut den Eisenbahner.

 

Also liegen nun 60 Prozent der Strecke hinter mir. Ich fühle mich nach wie vor motiviert, fit und gesund. Wenn das Wetter in den nächsten Wochen nicht allzu sehr gegen mich arbeitet, sollte aus heutiger Sicht einem erfolgreichen Abschluss der Reise in San Diego nichts im Wege stehen, aber ich muss es nehmen wie es kommt.
Ansonsten gibt es heute nicht’s besonders zu berichten. Im Motel war Kleiderwäsche und faulenzen angesagt. Leider ist man an solchen Orten ohne Auto doch recht eingeschränkt, da vieles weit auseinander liegt, oder es für Fussgänger schlicht keinen Platz hat, und man auf der Fahrbahn gehen müsste. Das Velo lasse ich bei dem Regenwetter auch lieber stehen. Also viel Zeit für Erholung.
Morgen ist Ruhetag und somit „Blogfrei“. Ich wünsche euch ein gutes Wochenende und den SBB Kollegen die das neue Stellwerk Marthalen und andere Stellwerkänderungen in Betrieb nehmen „eine pannenfreie IBN“.

Tag 38: (20.11.14) Columbus – Luling

Distanz: 113.5 km / Gesamt: 2985.5 km / Fahrzeit: 5 Std. 22 Min. / Durchschnitt 21.4 km/h

Morgens 18, Nachmittags 20 Grad, schwacher Wind aus Westen, Morgen sonnig, später bewölkt mit Regenschauer

Leute treffen

Heute fuhr ich fast die ganze Strecke auf der „I10“, die Autobahn die Texas von Ost nach West durchquert. Soweit also nicht spektakuläres aber für mich gut, denn hier konnte ich einen entspannten Fahrtag hinter mich bringen. Die Sonne am Morgen liess auch auf einen schönen Tag hoffen und so fuhr ich locker los. Eine Wegweiser mit dem Namen „Weimar“ weckte mein Interesse und so fuhr ich kurz von der Autobahn ab, um dieses Städtchen zu besuchen.

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Dieses Schild lockte mich von der Strasse.

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Kirche in Weimar

Von Weitem schon sah ich den Kirchturm der so gar nicht amerikanisch wirkte. Das Städtchen selber sah dann, abgesehen von der 1913 erbauten Kirche, wie so viele Kleinstädt in der Gegend aus.

In Weimar. Die "Aufhängung" der Vordächer ist etwas speziell.

In Weimar. Die „Aufhängung“ der Vordächer hat mir gut gefallen.

Zurück auf der Autobahn zogen bald dunkle Wolken auf und es begann immer wieder zu Regnen. Also Regenjacke anziehen (=schwitzen) und kurz darauf hörte es auch wieder auf. So ging es den ganzen Tag. Plötzlich stand da ein Auto auf dem Pannenstreifen und der Fahrer winkte mir. Ich hielt an und der Mann erzählte mir, das er selber schon mehrere grosse Radtouren in den USA gemacht hätte. Letztes Jahr sei er von Jacksonville nach San Diego gefahren. Er wolle sich nur mein Velo ansehen und fragte mich nach meiner Reise. Ja in Europa war er auch schon unterwegs. Von Düsseldorf den Rhein hinauf bis zum Bodensee und nach Lichtenstein. Wir plauderten noch etwas am Strassenrand, machten gegenseitig Fotos und dann fuhr ich weiter.

John, der mir auf der Autobahn von seinen Radreisen erzählte.

John, der mir auf der Autobahn von seinen Radreisen erzählte.

Am Mittag hatte ich das Gefühl, nicht wirklich gut vorwärts zu kommen. Ich war erst um neun Uhr losgefahren, den Umweg über Weimar und nun kam auch noch Wind auf. Also musste ich etwas stärker in die Pedale treten. Die Landschaft hier ist hügelig und immer wieder hat es längere Anstiege, die das Tempo verlangsamen.

Es zogen dunkle Wolken auf.

Es zogen dunkle Wolken auf.

Kurz vor Luling stoppten mich zwei Polizisten. „Was mache Sie hier?“ fragte der älter von ihnen. „Ich fahre mit meinem Fahrrad.“ antwortete ich. Wohin ich den wolle, fragte er nach und mit der Antwort das ich nach San Diego fahre konnte er nicht wirklich etwas anfangen. „Sie können nicht auf der Autobahn fahren.“ sagte er bestimmt und verwies mich auf die Strasse „90“ die in der Nähe vorbeiführte. Ich erklärte ihm, dass ich gestern einen Sheriff gefragt hätte, ob das Fahren auf der Autobahn ok sei und er mir das gestattet habe. Zudem sei die „90“ viel gefährlicher als die Autobahn, da es da keinen Seitenstreifen gebe. Wir diskutierten noch eine Weile und am Schluss liess er mich weiterfahren. „Ich habe sie zu ihrer eigenen Sicherheit gewarnt.“ beendete er das Gespräch. Ich bedankte mich und fuhr weiter, im Wissen, dass ich wohl eher eine Ahnung davon hatte, wo es gefährlich war für Velofahrer und wo weniger.

Heute auf einem Rastplatz entdeckt. Er hat immer genug "Ersatzfahrzeuge" :-)

Heute auf einem Rastplatz entdeckt. Er hat immer genug „Ersatzfahrzeuge“ 🙂

In Luling, einer weiteren Kleinstadt, wurde ich ein weiteres Mal von einem Velofahrer angesprochen. Er war begeistert und erzählte mir, dass er vor ein paar Jahren eine Veloreise in Europa geplant habe. Er wäre bereit gewesen und habe bereits die Karten gehabt, aber dann habe er seinen Job verloren und konnte nicht starten. „Aber eines Tages werde ich es tun“ versicherte er zum Abschied.

Öl Museum in Luling.

Öl Museum in Luling.

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Der Herr mit dem Fahrrad erzählte von seinen Reiseträumen.

Ich traf in meinem Motel ein. Naja, das hat auch schon bessere Tage gesehen, aber was soll’s, hier ist die Auswahl nicht gross und wenigstens habe ich einen Platz zum schlafen. Auf der Suche nach etwas zum Essen kam ich gleich neben dem Motel an einer Leuchtreklame vorbei. „Mexican Food“ stand da und im Fenster leuchtet ein Schild „open“. Also öffnete ich die Türe und ging hinein. Ich stand jedoch nicht in einem Restaurant, sondern wohl in einem Wohnzimmer. Ein Mann sass auf dem Sofa und schaute etwas im Fernseher. „Suchst du das Mexikanische Restaurant“ fragte er gelassen, „die sind umgezogen, etwa 200 Meter die Strasse runter“. Ich war etwas verdutzt, bedankte mich und ging. Dabei kam ich an einem Lebensmittelgeschäft vorbei und besorgte mir da was zu essen.
Zurück im Motel stand mein „Zimmernachbar“ vor der Türe. Wir kamen ins Gespräch und der fragt was ich mache. „Ah“, sagte er, „bist du der Typ den wir heute mit dem Liegerad auf der Autobahn gesehen haben?“ Er fand die ganze Sache sehr spannend und wollte alles zu meiner Reise wissen. Als ich ihm vom Miles4Kokou Projekt erzählte, war es ganz begeistert. Spontan griff er in seine Brieftasche und gab mir 100 Dollar. „Das ist für dich, gönne dir damit etwas auf deiner Reise“ sagte er. „Ich verdiene hier so viel gutes Geld, dass es mir Freude macht dich zu unterstützen“. Er holte noch seinen Arbeitskollegen hinzu und wir plauderten über Gott und die Welt, über Texas, unsere Jobs etc. Die Jungs arbeiten für die Firma Esso und machen Planaufnahmen der verschiedenen Pipelines. Sie sind Landvermesser und er hat ausdrücklich die guten Instrumente aus der Schweiz gelobt, die er bei seiner Arbeit einsetzt. „Gute Qualität, wirklich, schreib das in deinen Blog und erzähl den Leuten zu Hause, das wir Texaner wirklich gute Leute sind.“ Er erzählte viel über Texas, warum es ihm hier so gut gefällt und mir lief fast die Zeit davon noch den Blog zu schreiben. Ich gab ihm eine Visitenkarte vom Blog und er meinte: „Also, schreib schnell und stelle das Foto auf den Blog, ich schreibe meiner Freundin ein Mail, damit sie sehen was du hier machst.“

John, der grosszügige Sponsor in der Mitte, sein Kollege Fernando und ich.

John, der grosszügige Sponsor in der Mitte, sein Kollege Fernando und ich.

So ist es ist spät geworden und gegessen habe ich auch noch nichts.
Morgen geht’s nach „New Braunfels“, nicht wirklich weit, aber ein Ort um den angekündigten „Sturm“ am Samstag abzuwarten.

Tag 37: (19.11.14) West Columbia – Columbus

Distanz: 121.3 km / Gesamt: 2872. km / Fahrzeit: 5 Std. 57 Min. / Durchschnitt 20.4 km/h

Morgens 6, Nachmittags 18 Grad, zunehmender Wind aus Nordwest, ganzer Tag sonnig

just a hard day

Der Start heute Morgen war wirklich gut. Endlich schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, es war zwar noch kühl, aber der Wind schwach, so dass ich die winddichte Regenjacke einpacken konnte.

So sehen meine Motels in der Regel aus. Viel Platz für die Autos und oft ausgebucht, da die "Wanderarbeiter" hier wochenweise in grösseren Gruppen wohnen.

So sehen meine Motels in der Regel aus. Viel Platz für die Autos und oft ausgebucht, da die „Wanderarbeiter“ hier wochenweise in grösseren Gruppen wohnen.

Am Anfang noch leichter Wind von hinten und so begann der Tag sehr entspannt.

Entspannter Start am Morgen.

Entspannter Start am Morgen.

Kurz hinter West Columbia wurden die Felder und abgeernteten Äcker immer grösser, das Land topfeben und es waren nur weiter weg einzelne Farmhäuser zu sehen. Perfekte Strassen mit wenig Verkehr machte die Fahrt richtig entspannt. Ich fuhr auf der „36“ bis Needville. Eine Kleinstadt mit knapp 2300 Einwohnern aber einem selbstbewussten Slogan am Ortseingang: „Hier leben Tausende wo Millionen leben möchten.“ Ziemlich gewagte Aussage für ein Nest irgendwo zwischen grossen Feldern, mit einer Tankstelle und einem Fastfoodgeschäft. Gut, gegenüber den einsamen Häusern die ich in den Sümpfen von Louisiana gesehen habe, ist das wirklich noch besser, aber warum will man hier leben? Ich weiss es nicht.

Needville: ganz süss, aber hier leben?

Needville: ganz süss, aber hier leben?

Von Needville ging es über die „FR 360“ Richtung Beasly, noch etwas weiter nördlich und dann auf die „Alt.90“. Tönte nach grosser Strasse und ich freute mich schon auf einen guten Seitenstreifen.
Aber weit gefehlt. Es war neben der weissen Linie nur etwa 30 cm lausiger Teer und dann ein Graben. Der Verkehr aber wie die Strassenbezeichnung vermuten liess, sehr dicht. Vor allem viele Lastwagen die mit gut 110 – 120 die Strasse entlang rasten. Es waren etwa 8 Kilometer bis East Bernhard und ich hatte zum ersten Mal richtig Schiss. Der Windsog den diese Laster verursachten war so gross, dass ich das Rad kaum gerade halten konnte. Ich fuhr sehr angespannt und immer den Blick im Rückspiegel. Wenn ein grosser heranbrauste hielt ich oft kurz an und machte mich so dünn als möglich. Ich wusste, dass ich noch etwa 45 Kilometer auf dieser Strasse fahren musste und war vorerst einmal froh, als ich East Bernhard erreichte. Ich stärkte mich an einem Tankstellenshop und machte mir so meine Gedanken. Wie soll es weitergehen? 45 Kilometer bei solchen Strassen würde ich auf keinen Fall wagen. Da kam ein lokaler Polizist daher und ich fragte ihn, wie es weiter westlich auf der „Alt.90“ aussehe. Ob der Seitenstreifen auch so schmal sei. Er schaute mich an, überlegte und sagte dann, „Ja ich glaube schon, nur sehr schmal“ und ging ins Geschäft. Ich überlegte hin und her. Sollte ich einen Pick-Up Fahrer fragen, ob er mich mitnimmt. Ich hatte Routenmässig keine Alternative.

 

Ich hätte, wie der Wegweiser ankündigt, auch in's Wallis abbiegen können, aber da wollte ich ja nicht hin.

Ich hätte, wie der Wegweiser ankündigt, auch in’s Wallis abbiegen können, aber da wollte ich ja nicht hin.

Ich entschied, mir mal selber ein Bild davon zu machen. Als ich mich startklar machte, kam ein Lastwagenfahrer. „Wohin fährst du?“ „Auf der 90 Richtung Westen“ antwortete ich. „Pass nur auf die Lastwagen auf. Die sind gefährlich.“ „Ja ich weiss, aber die Fahrer müssten ja auch auf mich aufpassen.“ „Ich weiss, das mache ich auch, aber da sind Verrückte auf der Strasse“ sagte er. Danke, genau das habe ich als Motivation gebraucht. Ich fuhr also mit einem mulmigen Gefühl los. An der Ortsausfahrt hatte es einen sicheren und breiten Seitenstreifen. Wenn das so bleibt, dachte ich, kein Problem.

Als der Seitenstreifen noch schmal war, wagte ich es nicht auch noch Fotos zu machen. Hier ist wieder alles ok.

Als der Seitenstreifen noch schmal war, wagte ich es nicht auch noch Fotos zu machen. Hier ist wieder alles ok.

Und tatsächlich, ich hatte einen prima Seitenstreifen bis „Eagle Lake“ wo ich beschloss, dem starken Gegenwind etwas auszuweichen und auf einer Nebenstrasse Richtung Norden nach Alleyton abzubiegen. Soviel also zum Thema: „Wie gut kennt ein Polizist sein Revier“. Der Wind hatte ab Mittag immer stärker zugenommen und es kostete viel Kraft, wenigstens 18 km/h zu fahren, oft schaffte ich sogar nur knappe 15. Dazu wurde es nun hügelig, was zusätzlich Energie kostete.

Eagle Lake, eine weitere Kleinstadt auf dem Land.

Eagle Lake, eine weitere Kleinstadt auf dem Land.

Ich war schon ziemlich k.o. als ich auf die Kreuzung mit der Autobahn „I10″ kam. Ich sah auf dem Navi, dass mir die Fahrt auf der Autobahn gut 2 Kilometer Umweg sparen würde und spielte mit dem Gedanken es zu wagen. Ich war mir aber nicht sicher, ob man hier schon mit dem Velo auf die Autobahn darf. Da standen zufällig bei der Auffahrt zwei Streifenwagen. Ich fuhr zu den Polizisten hin und fragte, ob es erlaubt sei hier die Autobahn mit dem Velo zu benützen. Der Polizist schaute mich verdutzt an: “ Kein Problem, solange du auf dem Pannenstreifen fährst.“ Prima, mehr wollte ich nicht hören. Ich setzte mich also auf mein Pferdchen, gab ihm die Sporen und lenkte es auf die „Interstatae 10“.

Auf der Autobahn!

Auf der Autobahn!

Schon etwas seltsam auf der Autobahn mit dem Velo zu fahren aber ich fühlte mich wirklich sicher, auch wenn die Autos und Laster an mir vorbeidonnerten. Hier ist der Pannenstreifen so breit, das ich wirklich keine Angst haben musste. So erreichte ich bald Columbus und war froh, als ich im Motelzimmer war und die Füsse, nach einem anstrengenden Tag, hoch legen konnte.
Ich schaltete den Fernseher ein und musste leider schlechte Wetterprognosen zur Kenntnis nehmen. Donnerstag und Freitag sollen noch ganz ok sein, am Samstag sind dann schwere Stürme angesagt und es wurde auch eine Tornadowarnung herausgegeben. Grundsätzlich kommen in der nächten Zeit die Winde immer aus Westen, also Gegenwind, am nächsten Dienstag sogar „sehr starke Winde“, wie der Moderator ankündigte. Ich muss mich also mal wieder mit dem Thema „Routenplanung“ auseinandersetzen und möchte es bis am Freitag bis nach New Braunfels zu schaffen, um dort den Sturm am Samstag abzuwarten und am Sonntag den Grossraum San Antonio umfahren zu können. Ihr wisst ja, Sonntage sind perfekt für Grossstädte, da der Verkehr nicht so stark ist.

Tag 36: (18.11.14) Galveston – West Columbia

Distanz: 107.3 km / Gesamt: 2750.7 km / Fahrzeit: 4 Std. 48 Min. / Durchschnitt 22.3 km/h 🙂

Morgens 7, Nachmittags 10 Grad, kräftiger Wind aus Osten, im Verlauf des Tages abnehmend. ganzer Tag sonnig

Abschied vom Atlantik

Heute fuhr ich die letzten 60 Kilometer nochmals dem Golf von Mexiko entlang. Er hat mich jetzt seit dem Tag 16 (am 29.10.) mehr oder weniger begleitet. Ich liebe diesen Blick über’s Meer und eine Fahrt der Küste entlang ist vor allem bei Rückenwind einfach wunderbar. Dank der Zusatzpause gestern hatte der Wind auch Zeit, sich wie vorausgesagt, zu drehen und mir heute den Start mit einem kräftigen Schub von hinten zu versüssen.

Galveston zeigte zum Abschid sein schönes Gesicht.

Galveston zeigte zum Abschied sein schönes Gesicht und mein Rad um die Tasche auf dem Gepäckträger erleichtert.

Auch wenn er etwas wärmer hätte sein können, so genoss ich es doch, nochmals auf endlosen Strassen, oft sehr nahe am Wasser, zu fahren. Wenn ich das nächste mal Salzwasser sehe ist es der Pazifik und ich bin am Ziel. Bis dahin ist es zwar noch ein ganzes Stück, aber man muss Ziele haben. Auf die einsamen Etappen in der Weite von Westtexas, die in ein paar Tagen beginnen, bin ich auch gespannt und auf die Wüste um Tucson freue ich mich jetzt schon. Aber jetzt ist Schluss mit Träumen. Ich fahre es „Umdrehung um Umdrehung“.
Also wie gesagt, heute konnte ich lange von den Windverhältnissen, die mich gestern noch gestoppt hatten profitieren. Eine gute Routenplanung und Taktik zahlt sich eben aus. An dieser Stelle herzlichen Dank an Peter Schäuble, meinen Skipperausbildner, der mich in die Geheimnisse einer guten Törnplanung eingeweiht hat. Dabei immer einen „Plan B“ bereit haben und genauso ist es aufgegangen. Man kann diese Fähigkeiten also auch zum Radfahren und nicht nur auf hoher See einsetzen.
So konnte ich während den ersten drei Stunden meinen Schnitt bei knapp 26 km/h halten. Dabei ein letztes mal die Stelzenhäuser bestaunen und in Surfside Beach ging es dann rechts Richtung Freeport.

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Es gibt offenbar auch Alternativen zum Stelzenbau. Dieses „Haus“ scheint schon manchen Sturm überstanden zu haben.

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Der Blick von der Veranda auf’s Meer ist sicher schön, solange kein Hurrikan heraufzieht.

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Abschied vom Atlantik.

 

In Freeport fuhr ich lange einer riesige Ansammlung an von Raffinerien und anderen Fabriken welche im Zusammenhang mit der hier starken Öl- und Gasförderung zu tun haben entlang.

Mitten im Industriegebiet.

Mitten im Industriegebiet.

Die Strassen weiterhin perfekt, meist sauber und mit einen sichern Platz für Radfahrer. Etwas ausserhalb von Freeport lockte mich nach knapp 70 km ein Plakat vom Highway 332 weg. „Griechisches Buffet und Seefood“, das tönte schon mal vielversprechend. Buffet bedeutet hier ja, essen soviel man mag und das ist auf Radtouren manchmal ganz schön viel. Die Preise sind vor allem am Mittag oft unglaublich günstig. Heute 9.99 Dollar. Da bekommt man bei uns ja nicht gerade viel und wer noch 2 Dollar zusätzlich investiert bekommt Softdrinks wie Cola, Sprite etc. soviel man will.

Heute mal beim "Griechen".

Heute mal beim „Griechen“.

Ok, so richtig griechisch war da nicht viel, höchstens die vergilbten Bilder an der Wand, aber ein gutes, frisches Salatbuffet, verschiedene Gemüse und Fisch, Roastbeef etc. Auf jeden Fall mal keine panierten Hühner, Hamburger und Pommes Frittes, dass kann ich nun wirklich bald nicht mehr sehen.
Nach dem Essen war es mit knapp 40 km nur noch ein „Katzensprung“ bis zum Motel.

Kurz vor "Brazoria" diese alte Brücke über den Brazos River.

Kurz vor „Brazoria“ diese alte Brücke über den Brazos River.

Es ging entlang einer mittelmässig befahrenen Strasse. Im Moment bevorzuge ich diese grösseren Strassen, gegenüber den kleinen „Countyroads“. Der Grund sind meine „Freunde“ die Hofhunde. An grösseren Strassen gibt es nämlich nur die drei Kategorien A, B und C von Hunden:
A = „Anständig erzogene“, die sich von einem vorbeifahrenden Radfahrer nicht im Mittagsschlaf stören lassen.
B = „Blöde Kläffer“, die aber angebunden oder hinter einem Zaun eingesperrt sind.
Achtung: Hundeliebhaber Kategorie C „überspringen“
C = „Crash Dogs“, die liegen ruhig am Strassenrand und sehen meist nicht so gut aus.
Die Kategorie D = „Doffe Hetzhunde“ ist an solchen Strassen praktisch ausgestorben.

Also konnte ich die Fahrt über Land entspannt geniessen und sah zum ersten Mal eine Herde schöner texanischen „Longhorns“. Beeindruckend, wie sie mit ihren mächtigen Hörnern so auf der Weide stehen.

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Das sieht man kaum auf schweizer Weiden.

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Bei diesen Hörnern müssten die Kuhboxen in den Ställen bei uns wohl etwas breiter gebaut werden.

 

Etwas später dann, bei einer Schule, hat mir ein Pickup, der vom Parkplatz auf die Strasse fahren wollte, sehr grosszügig Platz zum Vorbeifahren gelassen. Wie immer bedankte ich mich in solchen Fällen mit einem Gruss und schaute ins Auto. Da sassen drei Knaben, wohl alle um 16 Jahre, kurbelten die Scheibe hinunter und riefen „we love your bike!“. Ich winkte nochmals freundlich zurück und wurde mir bewusst, das hier ja die „Kinder“ bereits mit 16 Jahren Autofahren dürfen, da die Distanzen einfach so gross sind und es keinen öffentlichen Transport gibt. Es ist aber doch ein ungewohnter Anblick.

Kurz vor west Columbus sah ich dieses Firmenschild. Wer hat da wohl was mit der Schweiz zu tun?

Kurz vor West Columbus sah ich dieses Firmenschild. Wer hat da wohl was mit der Schweiz zu tun?

Später bei einer Tankstelle kamen nochmals drei Arbeiter auf mich zu, wollten genau wissen, wie man dieses Bike den fahre, wo der Motor sei, ob es nicht schwierig sei die Balance zu halten etc. Als ich ihnen erklärte das sei mit Muskelkraft betrieben und ich komme von „Key West“, schaute ich in verdutzte Gesichter. Ja das etwas andere Velo ist eben auch immer wieder Gesprächsthema und hat mir schon so manche kurze Unterhaltung geschenkt. Übrigens, mit 7 Kilo weniger fährt es sich einiges entspannter.
Morgen sollte es wärmer werden und als Ziel habe ich mir Columbus, gut 120 Kilometer von hier, vorgenommen.

Tag 34 + 35: (16.+17.11.14) Ruhetage in Galveston

Ruhetag und Zwangspause

Stand by

Eigentlich wollte ich euch ja heute von meiner Weiterfahrt berichten, aber diese Pläne musste ich in der Nacht, als der Wind kräftig an meiner Zimmertüre rüttelte, begraben. Heute loszufahren war für mich ausgeschlossen. Ein sehr starker, eisiger Wind direkt aus Norden, wo die USA im Moment unter der Eiseskälte erstarrt, hat mich heute hier zu einem weiteren Pausentag gezwungen. Trotzdem kann ich euch ja kurz erzählen wie das hier die letzen zwei Tage so war.
Der Sonntag stand ganz im Zeichen von ausschlafen und relaxen. So habe ich mir das zumindest gedacht. Kurz nach sechs Uhr am Morgen war Schluss mit schlafen. Dass hier ja ab und zu die Sirenen der Feuerwehr oder Polizei heulen, kennt wohl jeder der schon in den USA unterwegs war, aber diesmal kamen die Sirenen näher und näher und bald schon konnte ich vor der Zimmertüre, die direkt auf den Parkplatz führt, das Brummen eines grossen Lastwagens hören. „Da steht wohl nicht die Feuerwehr gerade 5 Meter neben meinem Bett, oder?“ Ich schob den Vorhang etwas zur Seite und sah ein Feuerwehrauto mit blinkenden Lichtern vor dem Zimmer stehen.

Mein "Wecker" am Sonntagmorgen.

Mein „Wecker“ am Sonntagmorgen.

Bald wurden die Geräusche im Nebenzimmer lauter und die Rettungskräfte waren offensichtlich dort im Einsatz. Da die Feuerwehr hier auch bei medizinischen Notfällen ausrückt und die Krankenwagen der privaten Spitäler meist erst später eintreffen, hatte ich wenigstens nicht gleich das Gefühl, dass ich nun wegen einem Brand bald das Zimmer verlassen müsste. Kurz darauf traf auch noch ein Krankenwagen ein und es wurde langsam wieder ruhiger im Nebenzimmer. Offensichtlich war die Situation nun unter Kontrolle, aber ich hell wach. Bald machte ich mich daran, die möglichen Tagesetappen bis San Diego genau zu planen. Ich habe einfach ein ungutes Gefühl, nach wie vor ziemlich viel Gewicht am Rad zu haben und westlich von San Antonio wird es dann langsam hügeliger. Auf der Ebene machen ja ein paar Kilo’s mehr oder weniger nicht soviel aus, aber sobald es bergauf geht, sieht das ganz anders aus. Mein Ziel war, Etappen zu finden, bei denen ich in jedem Fall Motels zum schlafen erreichen kann, damit ich Zelt, Schlafsack etc. nach Hause schicken kann.
Diese Routenplanung beschäftigte mich ziemlich lange, aber am Schluss stand ein Konzept, wie es ohne Zelt klappen sollte. Also habe ich alles Gepäck sortiert, mich von Überflüssigen getrennt und die Tasche, die im am Montag verschicken wollte, gepackt. Dann musste nach so vielen Kilometern mal meine Fahrradkette gründlich gereinigt und neu geschmiert werden und ich habe noch meinen Schlauch im Vorderrad mit einer Flüssigkeit gefüllt, die im Falle kleiner Löcher den Schlauch abdichtet. Dies hat bis jetzt überraschenderweise bei Barbara und mir schon drei mal geklappt. Wenn das Loch nur durch einen spitzen Gegenstand entstand und nicht allzu gross ist, kann dae platte Reiffen einfach einfach wieder aufgepumpt werden und die Flüssigkeit hält das Loch dicht.
Dann ging ich noch kurz an den Strand um mir die Wellen anzuschauen. Ausser mir und einigen hart gesottenen Wellenreiter_innen im dicken Neoprenanzug waren nicht viele unterwegs.

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Auf dem Weg zum Strand stand dieser auf einem Parkplatz bei einer Tankstelle. Auch damit wird hier noch gefahren!

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Auf dem Rückweg sah ich noch einen „Barber Shop“ der offen hatte. Also lies ich mir auch die Haare noch schneiden. Mal sehen ob das bis San Diego reicht.
Und nach all dieser Arbeit hatte ich gegen Abend dann doch noch Zeit etwas Football zu schauen.
In der Nacht wie gesagt die Entscheidung, heute hier zu bleiben. Zum Glück bin ich ja hier in Galvestone an einem „Touristenort“ und nicht in der Mitte von Nirgendwo. Am Morgen habe ich dann mit dem Taxi meine Tasche zu einer „Speditionsfirma“ gebracht. Viel Schreibkram, denn die Sache ging ja nach Europa. Die Leute waren sehr hilfsbereit, freuten sich regelrecht über diesen „speziellen Auftrag“ und ich war 7 kg los. Ich hoffe, das macht sich bemerkbar. Danach lies ich mich vom Taxi gleich in den Freizeitpark „Moody Gardens“ fahren.

Tropenhaus im "Moody Gardens".

Tropenhaus im „Moody Gardens“.

Dort gibt es ein Aquarium, ein Tropenhaus, zwei Kinos etc. denn für Aktivitäten draussen war es zu kalt. Also Zeit für alle die es mögen ein paar Tierfotos zu machen (gäll Robyn).

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In einem Zelt zeigten sie Ausstellung von Eisskulpturen. Typisch amerikanisch, kitschig. Das Thema „SpongeBob“ war nicht gerade das was ich erwartet hatte und es war, wer hätte es gedacht, mit minus 13 Grad sehr kalt, so dass ich die Sache rasch gesehen hatte.

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Ziemlich gross das Ganze.

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Etwas seltsames „Weihnachtsthema“.

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Wohl ziemlich viel Aufwand bis das Eis eingefärbt war.

 

Mit dieser Figur konnte ich mich am besten identifizieren, ich fühlte mich auch so.

Mit dieser Figur konnte ich mich am besten identifizieren, ich fühlte mich auch so.

Es war nicht allzuweit bis zum Motel und ich ging zu Fuss zurück. Nein da gab es keine vernünftige Bussverbindung, schliesslich haben hier alle ein Auto. Auf dem Heimweg fuhr plötzlich ein Auto im Schritttempo neben mir her. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass es ein Polizeiauto war und der Fahrer musterte mich. Er fand dann aber wohl, das ich soweit vertrauenerweckend aussehe und gab wieder Gas. Offenbar ist man hier als Fussgänger schon mal suspekt.

Heute konnten sie wieder mal "Flagge zeigen".

Heute konnten sie wieder mal „Flagge zeigen“.

Ich hoffe nun das die Windprognosen für morgen stimmen. Es soll immer noch kräftige Winde geben, aber eher aus Osten, damit Seitenwind und bis die Temperaturen richtig ansteigen wird es auch Mittwoch werden. Mal sehen, drückt mir die Daumen.

 

 

 

Tag 33: (15.11.14) Winnie – Galvestone

Distanz: 87.66 km / Gesamt: 2643.4 km / Fahrzeit: 3 Std. 52 Min. / Durchschnitt 22.7 km/h 🙂

Morgens 7, Nachmittags 10 Grad (es fühlte sich deutlich kälter an), starker Wind aus Osten. (45, später bis 60 km/h) ganzer Tag bedeckt, ab Mittag Regen

Rückenwind

Heute bin ich früh gestartet. Auf allen Wetterkanälen wurde gestern über das kalte Wetter in den USA berichtet und wie unerwartet und früh es auch im Süden kalt wird. Dazu ab heute Nachmittag in meiner Gegend Regen und Morgen dann Strakregen und Sturm. Schon am Morgen hatte der Wind kräftig zugelegt. Zum Glück war es auf den ersten 30 km „nur Seitenwind“. Für den Rest der Reise entlang der Golfküste sollte es dann Rückenwind werden. Zum Glück! Gegen den Wind hätte ich das wohl heute nicht machen können.
Also keine Zeit verlieren und auf’s Rad. Rasch hinter Winnie wurde es „einsam“. Der Verkehr nahm rasch ab und es waren immer weniger Autos unterwegs.

So sieht Seitenwind aus.

So sieht Seitenwind aus. 

Ich hatte einen guten Start und war motiviert, denn nach den ersten 30 Kilometer konnte ich eine 45 Grad Kurve fahren und war so perfekt im Rückenwind. Alles geradeaus bis zur Fähre die mich von „Port Bolivar“ nach „Galvestone“ bringen würde.

Die Golfküste begrüsste mich diesmal wesentlich kühler als letztes mal in Florida.

Die Golfküste begrüsste mich diesmal wesentlich kühler als letztes mal in Florida.

Mit dem Regen im Nacken fuhr ich so rasch ich konnte um das Motel möglichst vor dem Regen erreichen zu können. Wieder fühlte es sich frisch an auf dem Rad und je länger ich fuhr, umso stärker blies der Wind. Etwa eine Stunde war ich im Rückenwind konstant mit 30 km/h unterwegs und konnte so meinen Durchschnitt, der in den ersten Kilometern noch nicht so gut war, massiv verbessern. Bei der kleinsten Pause, in der ich in diesem offenen Gelände voll dem Wind ausgesetzt war, kühlte ich rasch aus. Also nur schnell ein paar Dehnungsübungen oder Fotos und rasch wieder auf’s Rad.

Sie hat sicher genug Platz auf der "Weide".

Sie hat sicher genug Platz auf der „Weide“.

 

Gleich nebenan wird Öl gefördert.

Gleich nebenan wird Öl gefördert.

In Waterways fuhr ich in den Windschatten eines Bürogebäudes, um die obligatorische Banane zu essen, die mir die extra Energie bis Port Bolivar geben würde. Eine Frau stand vor dem Gebäude und rauchte eine Zigarette. Sie fragte wohin in den fahre und bot mir an, mich bei ihr im Büro aufzuwärmen. Sie hätte auch eine Toilette und etwas zu Trinken. Ich bedankte mich aber erklärte ihr, dass ich wirklich rasch weiterfahren wolle, da mir der Regen schon im Genick sass. Es ist immer wieder schön, solche Gesten der Gastfreundschaft zu erleben.

Kurz vorher hatte ich wieder einmal einen Kanal auf einer Brücke überquert. Auf dieser Zufahrt fahren viele Schiffe in die „Galveston Bay“ und damit in Richtung des Hafens von Houston. Er ist einer der bedeutendsten der ganzen USA und auf diesem Weg werden Unmengen von Gütern umgeschlagen.

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Ziemlich Verkehr auf der Zufahrt.

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Es sieht aus, als ob die Schiffe durch ein Meer von Gras fahren würden.

 

Der Zugang zum Hafen für grössere Schiffe führt durch die Enge zwischen Port Bolivar und Galveston, womit Durchgang einer der am meisten befahrenen Wasserstrassen der Welt ist.

Ich konnte diese Stelle mit der Fähre passieren. Die Fähren sind Teil der „Strassensystems“ und somit umsonst. Vor der Fährstelle sah ich noch einen schönen Leuchtturm, der leider kein Lichtsignal mehr ausstrahlt.

Leuchtturm in Port Bolivar.

Leuchtturm in Port Bolivar.

Durch diesen Fotostop verpasste ich eine Fähre um Sekunden und musste bei zunehmenden Wind gut 25 Minuten auf die nächste Überfahrt warten.

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Das Pferdchen wartet auf die Fähre …

 

... und füht sich ich dor wohl zhen all den "Grosen

… und füht sich ich dort zwischen all den „Grossen“ wohl.

Auf der Fähre sprach mich eine Frau an: „Ich habe nur ein Wort: unglaublich!“ sagte sie. „Bei dem Wetter mit dem Rad unterwegs?“ Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie auch schon in Europa und ein kurzes Stück in der Schweiz war. Sie erinnerte sich an gute Zugverbindungen in Europa und beklagte, das sie von Houston bis New Orleans mit dem Zug 16 Stunden brauchte, mit dem Auto das aber in 6 Stunden schaffe. Die Passagierzüge müssten eben immer den Güterzügen Platz machen und würden so dauernd herumstehen. Und an die Autobahnvignette die sie für einige Kilometer in der Schweiz kaufen musste, erinnerte sie sich auch noch.
So war es eine kurzweilige Überfahrt und danach raste ich im Regen und mit Rückenwind die letzten 8 Kilometer zum Hotel. Schon um halb zwei am Mittag kam ich an und war froh es geschafft zu haben. Kurz danach begann es immer stärker zu Regnen und der Wind nahm so stark zu, dass ich mich später auf dem Weg zum Supermarkt in der Nähe wirklich gegen den Wind stemmen musste. Im Supermarkt hatte ich schon fast das Gefühl, mein Kalender sei nicht aktuell. Die Verkäufer_innen trugen alle rote „Samichlauskappen“ und aus den Lautsprechern schepperte es Weihnachtslieder. Ich hoffe, bei euch zu Hause ist es noch nicht ganz so schlimm.
Gut nun an einem warmen und trockenen Ort zu sein. Morgen ist ein Ruhetag an dem ich die nächste Woche planen werde. Also gibt es auch keinen Blogbeitrag. Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche und am Dienstagmorgen könnt ihr hoffentlich einen Bericht mit vielen „Sonnenfotos“ lesen 🙂
Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Tag 32: (14.11.14) Orange – Winnie

Distanz: 86.74 km / Gesamt: 2555.74 km / Fahrzeit: 4 Std. 34 Min. / Durchschnitt 19.0 km/h

Morgens 6, Nachmittags 10 Grad (es fühlte sich deutlich kälter an), ganzer Tag bedeckt,

Die Hälfte der Strecke ist geschafft 🙂

Heute habe ich nun also etwa die Hälfte der errechneten Strecke zurückglegt. Ein gutes Gefühl, auch wenn die letzten drei Tage auf Grund der Wettersituation schon ziemlich an die Substanz gingen. Die Kälte und der Wind rauben ungemein Energie und jeder zusätzliche Effort der wegen starken Windböen oder „doofen Hunderennen“ nötig wird, scheint die Muskeln leer zu saugen. Zudem muss ich bei dem Wetter extrem aufpassen, mich nicht zu erkälten. Dann wäre eine Zwangspause unumgänglich. So freue ich mich jeweils schon kurz nach dem Start auf die warme Dusche am Ziel. Im Moment ist die Reise vor allem eine Sache der eigenen Einstellung. Sich nur nicht verrückt machen lassen von Wind, Kälte und Hunden, die mich nach wie vor täglich mehrmals zu einem Sprint herausfordern.
Zudem muss ich in der Planung Tag für Tag vorgehen und das Wetter im Auge behalten. Morgen will ich nach Galveston an der Küste. Am Samstag soll es noch bis am Nachmittag trocken sein und für Sonntag ist der ganze Tag Regen angesagt. Also Zeit für einen Ruhetag und dann kann ich ja in aller Ruhe die diversen Footballgames live am TV verfolgen (gäll Kaufi) und mir einen gemütlichen Tag im warmen Zimmer machen. Zum Glück haben die Klimageräte auch ein Heizfunktion!!!

Heute ging es erst um 9 Uhr auf die Strasse. Es war mir vorher einfach zu kalt und im Bett war es sooo angenehm.

Da es im Motel nicht's gab, heute das Frühstüch an der Tankstelle.

Da es im Motel nicht’s gab, heute das Frühstück an der Tankstelle.

Eigentlich wäre die Sache ja einfach gewesen: Einfach ab Orange auf die Strasse 73 und über Port Arthur nach Winnie fahren. Das Navi hat mir aber im „Radfahrermodus“ einen Umweg angezeigt und Port Arthur umfahren. Vermutlich wegen der Brücke in Port Arthur, dachte ich mir und folgte der vorgeschlagenen Route. Aber schon nach wenigen Kilometern musste ich feststellen, dass die Route wohl für Mountenbikes ohne Gepäck gedacht war, denn sie wollte mich auf eine Kies-Lehmpiste lotsen. Also habe ich umgekehrt und bin auf dem Seitenstreifen der „73“ Richtung Port Arthur gefahren.

Port Arthur: Viele grosse Fabriken für da Öl- und Gasgeschäft der Gegend.

Port Arthur: Viele grosse Fabriken für das Öl- und Gasgeschäft der Gegend.

In „Bridge City“, ja sie haben den Namen nicht einfach so gewählt, kam ich zu einer ersten Brücke bei der der Seitenstreifen aufhörte zu existieren und die beiden Fahrspuren zusätzlich verengt waren. Es war klar, das hier nicht genug Platz für zwei Autos (oder gar ein Lastwagen) und ein Velo am Rand vorhanden war. Ich wartete eine Lücke ab, stieg kräftig in die Pedale und plazierte mich selbstbewusst in der Mitte der rechten Fahrspur, so dass sicher keiner auf den Gedanken kam, sich an mir vorbeizuquetschen. Die Pulsfrequenz stieg an und das war gut so, denn ich brauchte diese zusätzliche Energie um die Trittfrequenz möglichst hoch zu halten. Ich wollte die Brücke, die zum Glück nur etwa 300 Meter lang war, rasch hinter mich bringen. Geschafft, ein Stossgebet und Dank an die Schutzengel! Kurz darauf fuhr ich auf den Parkplatz eines Walmart und wollte mir die kommende, lange Brücke nochmals auf „google earth“ anschauen. Es sah nicht gut aus und eine junge Frau die an einem Verkaufsstand auf dem Parkplatz arbeitet bestätigte mir, „Da gibt es keinen Seitenstreifen, höchstens 10 cm.“ Als Aufmunterung fügte sie noch hinzu: „Ich habe jeweils schon mit dem Auto Angst auf dieser Brücke, denn die fahren da wie verrückt. Speedlimit 75 Miles“. (=120 km/h)
Das sah wirklich nicht gut aus, aber gab aber keinen anderen Weg. Also fuhr ich auf dem Parkplatz herum und als ich einen älteren Herrn zu seinem Pick-Up mit grosser Ladefläche gehen sah, sprach ich ihn an. „Fahren sie nach Port Arthur? Ich suche jemand der mich über die Brücke mitnimmt. Es ist wohl zu gefährlich an der Seite mit dem Velo zu fahren.“ „Nein“, antwortet er, „ich gehe nur zur Bank, aber es hat schon einen Seitenstreifen, man kann da sicher auch mit dem Velo fahren.“

Ich war hin und her gerissen, wem ich nun glauben sollte und beschloss die 2 km bis zur Brücke zu fahren. Dort angekommen stellte ich fest: Das ist nun definitiv zu gefährlich! Die Brücke ist lang, extrem steil, höchsten 40 cm Seitenstreifen und alle rasen wie verrückt darüber.
Also musste ich hier jemanden finden der mich mitnimmt. Ich stellte an den Strassenrand und hielt den Daumen in die Luft. Bei den vielen Pick-Up’s würde sich sicher jemand finden. Schon nach gut 5 Minuten hatte ich Erfolg. Ein junger Mann in einem alten Pick-Up fuhr rechts ran und fragte, „Willst du über die Brücke?“ „Ja, das ist mir zu gefährlich.“ „Ok, lad auf.“ sagte er trocken. Er war nicht sehr gesprächig aber immerhin konnte ich meine Sachen verladen. „Du musst auf die Ladefläche, der Beifahrersitz ist belegt.“ Kein Problem. Ich kauerte mich neben mein Pferdchen und schon ging die Fahrt los.

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Seht ihr links den kleinen weissen Seitenstreifen? Das passte nicht.! Also mussten das Pferdchen …

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… und ich auf die Ladefläche.

 

Er beschleunigte in einem Affentempo und raste über die Brücke, fuhr dort rechts ran und lies mich abladen. „Danke, du hast meinen Tag gerettet“ sagte ich zu ihm und schon war er weg. Ich jubelte innerlich es so doch geschafft zu haben und schaute nochmals auf die Brücke zurück.

Es war die richtige Entscheidung!

Es war die richtige Entscheidung!

Später lotste mich das Navi nochmals von der „73“ weg, da es aber immer Strassen mit mind. 3 Ziffern waren hoffte ich auf durchgehenden Teerbelag. So war es auch und ich wieder einmal auf einer Reise „über Land“.

Idylle am Strassenrand.

Idylle am Strassenrand.

In Fannette ass ich bei einem Asiaten dann eine prima Reisplatte mit Huhn, so das für den Rest der Fahrt wieder genug Energie vorhanden war. Im Motel das übliche Ritual: warme Dusche und Wäsche waschen, damit für morgen auch wieder eine Garnitur warme Ersatzkleider vorhanden ist, falls gegen Mittag mal trockene Kleider nötig werden. Wie gesagt: Eine Erkältung kann ich mir im Moment nicht leisten!

Tag 31: (13.11.14) Lake Charles – Orange (TX)

Distanz: 99 km / Gesamt: 2469 km / Fahrzeit: 5 Std. 29 Min. / Durchschnitt 18.01 km/h

Morgens 5, Nachmittags 4 Grad, morgen Regen, später bedeckt, ganzer Tag kräftiger, kalter Wind aus Norden (heute hatte ich alles, Gegen- Seiten und zum Schluss noch etwas Rückenwind)

Texas!!!

Nummer 5 ist der grösste!

Nummer 5 ist der Grösste!

Texas, auf diese Grenze habe ich mich lange gefreut. Schon in der Vorbereitung zur Tour war klar, das Texas für die Reise zu einem „Schlüsselstaat“ werden wird. Irgendwo in der Mitte und riesengross. Er wird mich die nächsten drei Wochen „beschäftigen“, denn es gilt je nach Routenwahl zwischen 1500 – 1700 Kilometer zurückzulegen bevor ich das nächste „Grenzfoto“ in New Mexiko machen kann.
Der heutige Tag war wettermässig wieder eher einer der Kategorie „darauf kann man verzichten“. Wenigstens war’s angekündigt und so konnte ich mich mental darauf einstellen. Trotzdem, wenn man sich dann am Morgen bei 5 Grad und Regen startklar macht, kann man sich schöneres vorstellen. Dazu der Wind der frontal auf mich zukam. Zum Glück war es verkehrsmässig ganz gut. In der Gegenrichtung stauten sich die Autos auf drei Spuren, aber in meine Richtung war nicht viel los. Auch heute wieder, danke Louisiana, gute Strassen und aufmerksame Autofahrer die hinter mir warteten bis Platz zum überholen war. Nach gut 10 Kilometern überholte mich ein Auto, fuhr rechts ran. Der Fahrer öffnete die Seitenscheibe und grüsste mich. Es war offenkundig, dass ich sein Interesse geweckt hatte. Also hielt ich neben ihm an und der rief entzückt herüber: „Mann, was für ein Fahrrad. So etwas habe ich noch nie gesehen. Fantastisch!“ Er stieg aus und wir plauderten etwas. Er wollte genau wissen woher, wohin und warum ich das mache. Warum ich nicht mit dem Auto fahre. Ich erklärte ihm, das ich das Glück hätte „Zeit“ zu haben und man mit dieser Reiseform das Land ganz anderes und intensiver erlebe. Er war so begeistert und sagte immer wieder „That’s great man!“ Als ich ihm anbot für ein Foto auf’s Velo zu sitzen hat er sich fast überschlagen vor Freude. Er machte auch von mir Fotos und ich glaube, er hat heute Abend zu Hause was zu erzählen.

a happy man

A happy man!

Mich freute seine Freude und ich sagte mir, auch wenn es ein „sch.. Wetter“ ist hat es sich gelohnt aufzustehen. Ich habe ihm mit meiner Vorbeifahrt eine Freude gemacht. Was will man mehr.
Dann ein kleines Frühstück bei „Wendys“, aber so richtig essen mochte ich nicht. Offenbar schlug mir das Wetter und die doch knapp 100 km lange Etappe etwas auf den Magen. Zum Glück hörte es bald auf zu Regnen und als ich die Regenhose ausziehen konnte, stieg die Motivation und langsam fand ich den Rhytmus.
Oft führte die Route durch lange gerade Waldschneisen, bei denen links und rechts verstreut immer wieder einzelne Häuser mit bellenden und manchmal jagenden Hunden auftauchten. Zum Glück liefen die zwei „Verfolgungsjagten“ die ich heute mit den Hunden „spielen“ musste problemlos ab. Der Pfefferspray war aber schon entsichert. Hier sehe ich keine kompakten Siedlungen wie wir es gewohnt sind sondern einfach hier und dort ein einsames Haus und dann lange NICHTS.

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So sieht die „Quartierstrasse“ aus.

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Das nächste Ziel sieht man schon lange im Voraus.

 

Es blüht wieder nach dem letzten Waldbrand.

Es blüht wieder nach dem letzten Waldbrand.

Idylle am Strassenrand.

Idylle am Strassenrand.

Die Leute müssen wohl einen guten Einkaufszettel schreiben, denn da gibt es keinen Laden um die Ecke und die Schulbusfahrten der Kinder dürften auch etwas länger dauern als bei uns. Bei Strassenkreuzungen dann oft eine kleine Ansammlung von Gebäuden: Tankstelle und Kirchen. Bei einer Baptistenkirche sah ich heute folgenden „Werbeslogan“: „Werde Organspender, spende dein Herz Jesus“. Ich bin definitiv im „Bibelgürtel“ der USA angekommen!

Wer kennt noch die "Gulf" Tankstellen die es früher auch bei uns gab?

Wer kennt noch die „Gulf“ Tankstellen die es früher auch bei uns gab?

Wegen der fehlenden Möglichkeit auf direktem Weg nach Orange zu fahren, musste ich Richtung Norden bis Deweyville ausweichen um eine Strasse zu finden, auf der ich mit dem Velo fahren durfte.
So überquerte ich um halb zwei den „Sabine River“ und somit die Staatsgrenze zu Texas.

Auf der Grenzbrücke musste ich mich dünn machen, als er hier vorbeidonnerte.

Auf der Grenzbrücke musste ich mich dünn machen, als der hier vorbei donnerte.

Was für eine Begrüssung: Der Seitenstreifen frisch geteert und sehr breit. Wenn das so weitergeht bin ich zufrieden mit Texas.

Mein Pferdchen und ich hatten einen grossen Streifen nur für uns :-)

Mein Pferdchen und ich hatten einen grossen Streifen nur für uns 🙂

Da gab mir nochmals richtig Kraft und ich beschloss das Mittagessen sausen zu lassen, den bald führte mein Weg Richtung Süden und das war bei dem Wind genau das Richtige. Zudem wollte ich nicht riskieren, nochmals in den Regen zu kommen. Also mit „Powerade“ etwas Energie nachschütten und kräftig in die Pedale treten. Mit manchmal über 25 km/h „flog“ ich meinem heutigen Ziel entgegen. Ich hatte am Morgen via Handy ein Motel in Orange gebucht. Also sah ich mich schon fast unter der warmen Dusche als ich dort vorfuhr. Das gleich gegenüber ein grosser Truckstop mit Restaurant war, machte die Sache für mich noch komfortabler, da sich die Verpflegungsbedürfnisse von Lastwagenfahrern und mir im Moment ziemlich gleichen. So musste ich für die Verpflegung nicht weit gehen.

Hier werden in 10 Reihen die Laster betankt.

Hier werden in 10 Reihen die Laster betankt.

Die Dame an der Rezeption erklärte mir dann, das meine Buchung für ein Einzelzimmer trotz Buchungsbestätigung die ich per Mail erhalten hatte, nicht geklappt habe. Sie seinen ausgebucht und das Internetportal hätte das „Überbucht“. In diesen Motels wohnen vor allem Arbeiter für ein paar Tage oder Wochen, bis siezum nächsten Auftrag weiterziehen. Sie bemühte sich eine Lösung zu finden und konnte mir ein Doppelzimmer anbieten. Dies war sogar noch günstiger als mein gebuchtes über’s Internet. Am Abend konnte ich nach einigen Telefonaten diese Buchung zum Glück wieder stornieren.
Die Dame an der Rezeption interessierte sich sehr für meine Reise. Sie fand es auch komisch, das ich zu Hause kein eigenes Auto hätte. Hier ist das unvorstellbar. Klar bei dieser Siedlungspolitik, wo alle verstreut leben. Wir plauderten noch etwas und sie war erstaunt, das man in der Schweiz nicht auch englisch sprach. Soviel zum Thema „Allgemeinbildung in den USA“. Immer wieder erschreckend!
Das Internet im Motel läuft auch nicht, so dass ich die wichtigen Recherchen bezüglich Wetter und Routenwahl nur eingeschränkt mit dem Handy machen kann. Den Blog sende ich aus dem „Deny’s“. Leider sieht es wettermässig noch einige Tage kalt aus und am Wochenende soll es Regnen.
Mal sehen wohin mich das führt.

Tag 30: (12.11.14) Lafayette – Lake Charles

Distanz: 122.7 km / Gesamt: 2370 km / Fahrzeit: 6 Std. 39 Min. / Durchschnitt 18.5 km/h

Morgens 7, Nachmittags 10 Grad, morgen Regen, später bedeckt, ganzer Tag kräftiger, kalter Wind aus Norden (meist Seitenwind)

Kälteeinbruch

Liebe Blogleser_innen ich habe es gewusst: Die NSA oder sonst ein Geheimdienst der USA liest diesen Blog mit. Ich habe mich ja gestern ziemlich über die Strassenzustände hier beschwert. Das muss jemand hier mitbekommen haben, denn heute war alles anders. Die müssen über Nacht die Strassen in Stand gestellt und gereinigt haben. Heute habe ich zum Thema Strassen, Sauberkeit und Belag aber auch rein gar nicht’s auszusetzen. Ich bin bis auf wenige Abschnitte den ganzen Tag auf feinstem, sauberen Teerbelag gefahren. War mal kein Seitenstreifen vorhanden, haben die Autos hinter mir gewartet, bis es auf der Gegenfahrbahn Platz zum Überholen gab. Kein Drängeln oder knappes Vorbeifahren wie gestern. Die Hunde welche mich anbellten waren entwender hinter einem Zaun, an einer Kette angebunden oder wussten wo die Grundstücksgrenze war und blieben auf ihrem Land. Es wäre fast schon idyllisch gewesen, wäre nicht der Wetterumsturz gekommen. Schon gestern Abend kündigten kalte Windböen an, das etwas im Gang ist und heute Morgen war der Herbst, oder eben fast schon Winter da. Den ganzen Tag kalter, starker Wind aus Norden. Die USA erleben in diesem Jahr einen extrem frühen Wintereinbruch. Im Norden des Landes liegt schon Schnee und das vier Wochen früher als normal. Genau diese kalte Luft h at nun leider auch den Weg zu uns nach Louisiana gefunden und machen mir das Fahren nicht wirklich einfacher. Dass dann heute kurz nach meiner Abfahrt auch noch Regen einsetzte hätte ich nicht wirklich gebraucht. Also Regenzeug hervorkramen, montieren und weiter. Jeder der in dieser Ausrüstung und bei solchen Temperaturen schon mal länger mit dem Rad unterwegs war weiss, was das bedeutet. Egal wie angeblich „atmungsaktiv“ deine Jacke auch ist, irgendwann ist die Körpertemperatur zu hoch und die produzierte Feuchtigkeit kann nicht mehr entweichen. Folglich setzt sich diese in deinen Kleidern fest und du wirst langsam von innen her nass. Dazu die Kälte und Wind und schon ist man weit davon entfernt zu sagen, dass man sich wohl fühlt.
Trotzdem musste ich weiter und war froh unter diesen Umständen wenigstens gute Strassen zu haben. Nach gut einer Stunde lies dann der Regen zum Glück nach. Ich begegnete einer Gruppe Fernradfahrern aus Montreal. Sie sind zu dritt und schon einige Monate unterwegs. Wir plauderten am nur kurz am Strassenrand, da wir alle fanden, wenn man herumsteht ist es noch viel kälter. Sie wollen weiter bis nach Südamerika.
Die Fahrt führte heute wieder an grossen Feldern und kleinen Ortschaften vorbei.

Auf dem Land sieht mal viele sehr einfache Häuser.

Auf dem Land sieht mal viele sehr einfache Häuser.

Ob die eine gute Heizung haben?

Ob die eine gute Heizung haben?

Das alte Haus von ...

Das alte Haus von …

Geerntet wird mit grossen Maschinen.

Geerntet wird mit grossen Maschinen.

Plötzlich tauchte eine Brücke auf. Ich dachte, das diese wie hier sonst üblich über eine Strasse oder Eisenbahnlinie führen würde. Oben angekommen sah ich, dass ein grosser Fluss darunter durchfloss und genau in diesem Moment kam ein Schubschiff angefahren. Die Eisenbahnbrücke, die viel niedriger parallel zu Strasse war, wurde kurzerhand weggedreht und dasRiesenschiff milimetergenau duch die Lücke. Beeindruckend wie das passte.

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Da blieb nicht viel Platz ….

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… für ein ziemlich grosses Schiff.

Am Flussufer

Am Flussufer

Ansonsten gibt es heute nicht wirklich viel Spannendes zu berichten. Kalte Velofahrten wollen einfach erledigt werden. So auch diese und ich war froh, bei Einbruch der Dunkelheit endlich das Motel erreicht zu haben und eine warme Dusche nehmen zu können. Mit meinem Plastiksack voll verschwitzter Wäsche suchte ich dann die in Motels übliche „Gästewaschmaschine“. Heute leider Fehlanzeige: „Nein, das haben wir nicht.“ sagte die Dame an der Rezeption. Also dann, Handwäsche gibt ja auch warm. Ich hoffe mal das alles bis Morgen trocken wird, denn die Sachen brauche ich sicher die nächsten paar Tage und wärmeres Wetter ist im Moment nicht in Sicht.

Für Morgen wollte ich mal eine entspannte 60 – 70 km Etappe planen. Aber auch das klappt nicht. Da hier in Lake Charles für Velofahrer kein Weg über den Fluss führt (nur Autobahnen und da darf ich nicht fahren) muss ich einen grösseren Umweg in Kauf nehmen. Also wieder ein hunderter vor mir. Ich hoffe mal der Wind und die Temperaturen werden nicht noch schlechter, aber die Vorhersagen stehen nicht gut. Naja, ich kann’s nicht ändern. Also dann, rasch ins Bett, gut schlafen und morgen möglichst fit wieder an den Start.

Tag 29: (11.11.14) Morgan City – Lafayette

Distanz: 128.5 km / Gesamt: 2247.3 km / Fahrzeit: 6 Std. 36 Min. / Durchschnitt 19.5 km/h

Morgens 21, Nachmittags 27 Grad, bedeckt, hohe Luftfeuchtigkeit, zum Teil kräftiger Seitenwind

Just a hard day!

Das war nun einer dieser Tage, wie sie auf einer solchen Tour eben auch vorkommen. Kurz: Es hat keinen Spass gemacht! Es war einfach nur harte Arbeit und ein dauernder Kampf. Ich wusste im Vorfeld, dass es auch solche Tage geben wird und ein Kollege hat mir geraten in solchen Momenten einfach zu denken, „auch das ist noch besser als im Büro“. Er lag falsch! Heute wäre es auch bei einem harten Tag im Büro definitiv entspannter gewesen. Der Grund lag vor allem in den katastrophalen Strassenverhältnissen auf der heutigen Etappe. Das es keine „Topetappe“ werden würde, war mir schon bei der Routenwahl klar, aber irgendwie musste ich einfach mal nach Norden kommen um ab Lafayette dann wieder Kurs Richtung Westen einschlagen zu können.
Den Start habe ich mir selber etwas vermasselt. Am Morgen habe ich den Wecker zwei mal abgestellt und schon war ich erst um 8 Uhr fahrbereit. Ich wollte möglichst auf dem Seitenstreifen des „Hwy 90“ fahren, was gestern ja mehrheitlich recht gut geklappt hat.

Heute war das anders. Schon die Fahrt aus „Morgan City“ hatte es in sich. Eine grosse Brücke, sehr schmaler und extrem verschmutzter Seitenstreifen mit viel Verkehr. Also habe ich alle verfügbaren Blinklichter eingeschaltet und bin kräftig in die Pedale getreten um den Abschnitt rasch hinter mich zu bringen. Immer in der Hoffnung, dass der Zustand der Verschmutzung abnimmt, fuhr ich weiter. Leider kam es noch schlimmer. Ich war mitten im „Kerngebiet“ derZuckerrohrernte unterwegs. Heute sah ich drei grosse Zuckerfabriken die beliefert werden müssen. Nein da ist nichts mit „Zuckerrohrzügen“ wie bei uns nach Frauenfeld.

 

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Vom Feld ….

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… über die Ernte …

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… bis zur Fabrik. Ich war heute mitten im „Zuckerrohrland“.

Hier wird alles auf Lastwagen geladen und diese rasen dann in einem „Affentempo“ zur Fabrik. Dass sie dabei einen Teil ihrer Ladung verlieren ist klar. Also sieht der Seitenstreifen in etwa so aus:

Zuerst nimmt man einen sehr rauen Teerbelag, gräbt viel Löcher bis zu 30 cm Tiefe hinein, lässt den Belag aufplatzen und die Risse durch Gras bewachsen, anschliessend werden zerstückelte Autoreifenteile in allen Grössen und möglichst mit viel Drahtgeflecht verteilt und grosszügig Glasscherben darüber gestreut. Nun fährt man mit einem Kieslaster mit halb offener Ladeklappe darüber und verteilt grossflächig Kies im Durchmesser von plus 1 cm und garniert das ganze mit 3 cm dicken Zuckerrohrstengeln. Schon hat man den Mix, der heute oft meine Unterlage war.

Das war nicht der schlimmste Teil!

Das war nicht der schlimmste Teil!

Jetzt ist der Moment gekommen der Firma „Schwalbe“ zu danken, dass sie mit ihrem Modell „Schwalbe Marathon plus“, den ich montiert habe, einen Reifen produzierte, der das alles ohne Platten überstanden hat. Ich habe es nicht zu träumen gewagt und die Reifen immer wieder abgesucht und den Reifendruck geprüft. Tadellos!
Markus von „Fateba“: Wenn je einer deiner Kunden auf diese Reise geht, lass ihn nicht ohne den „Marathon plus“ losfahren!

Ich wollte dieser Unterlage entkommen und suchte mir einen Weg auf einer Nebenstrasse. Schön ruhig und idyllisch, bis zur ersten Siedlung.

Diese Szene erinnerte mich etwas an "Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn"

Diese Szene erinnerte mich etwas an „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“.

Da wurde das Thema „wer ist schneller, Velofahrer oder Hund“ wieder topaktuell. Ich habe das Duell gewonnen und der Jäger gab nach etwa 300 Meter auf. Mein Puls erreichte aber eine Frequenz, die nicht über zu lange Zeit so gefahren werden kann, schliesslich bevorzuge ich die „fettverbrennungs Pulszone“, die ganze Reise soll ja auch noch einen Nebeneffekt haben.
Also wieder zurück auf die 90. Den Blick konzentriert immer etwa 30 – 40 Meter vor mir auf die Strasse gerichtet, um einen möglichst guten Weg durch all diesen Unrat zu finden. Wenn es keinen Ausweg gab, Blick in den Rückspiegel, kann ich auf die Fahrbahn ausweichen? Wenn nicht, Augen zu und durch. Ich habe gestern Nachmittag als es so richtig gut lief, der Tacho über 23 km anzeigte und die Musik im Kopfhörer im Takt mit der Trittfrequenz harmonierte einige Freudenschreie ausgestossen, um meinem guten Gefühl, diese Reise erleben zu dürfen, Luft zu machen. Auch heute habe ich oft geschrien, die Wörter fingen auch mit „F“ an, endeten aber nie mit „reude“.
Ich habe dies Strassenzustände wirklich verflucht. Der Hammer kam, als aus dem Seitenstreifen unvermittelt ein Kiesbett wurde. Für mich nicht mehr fahrbar. Die Fahrspuren mit dichtem Verkehr belegt, also umkehren und eine Stelle suchen, wo ich über’s Gras auf die Nebenstrasse kam.

Irgendwo hat der Seitenstreifen einfach aufgehört zu exisieren.

Irgendwo hat der Seitenstreifen einfach aufgehört zu exisieren.

Irgendwie, mit viel Kraftaufwand und mental durch die dauernd hohe Konzentration ziemlich erledigt, schaffte ich es um halb 5, froh ohne Panne durchgekommen zu sein, ins reservierte Motel.

Mit der netten Dame an der Anmeldung habe ich noch kurz über die Strassenzustände in Louisiana gesprochen. „Ja, ich weiss, schon die Autofahrspur ist schrecklich, aber erst der Nebenstreifen. Im Moment ist halt auch noch Zuckerrohrernte, dann ist es besonders schlimm. Aber das Schlimmste hast du nun wohl hinter dir.“
Ich hoffe das sie recht behält. Morgen nochmals ein langer Tag Louisiana. Es ist viel Wind und kühlere Temperatur angesagt. Ich offe trotzdem es bis „Lake Charles“ zu schaffen. Dann ist die Grenze zu Texas schon fast in Reichweite. Mal sehen wie sie dort ihre Strassen im Schuss halten.

Wenn auch kein "Haldengut, Lager, kallt aus der Zapfsäule im "Paddy's". Diese Bier hat heute besonders gut geschmeckt.

Wenn auch kein „Haldengut, Lager kalt“, aus der Zapfsäule im „Paddy’s“. Diese Bier hat heute besonders gut geschmeckt.

Fazit: Darauf kann man getrost verzichten!

Tag 28: (10.11.14) New Orleans – Morgan City

Distanz: 137.3 km / Gesamt: 2118.8 km / Fahrzeit: 6 Std. 55 Min. / Durchschnitt 19.87 km/h

Morgens 17, Nachmittags 25 Grad, Wind aus Nord (= teils Gegenwind, zum Teil böig).

Solofahrt

Heute war also mein erster Tag an dem ich alleine unterwegs war. Ich habe mir nach drei Ruhetagen ein weiteres Ziel gesetzt. Wenn alles klappt, wollte ich es bis „Morgan City“ schaffen.
Also war klar, das ich früh starten müsste. So war der Wecker auf 05.30 Uhr gestellt. Trotzdem schaffte ich es mit duschen, packen und alles klarmachen erst um 07.15 Uhr auf das Rad. Die Fahrt aus New Orleans sollte gemäss „Google Maps“ locker auf dem Damm am Mississippi starten. Leider war es schon nach 4 Kilometer mit dem super Teerbelag zu Ende und ein tiefer Kiesweg machte die Weiterfahrt mit einem schwer beladenen Tourenrad unmöglich.

Solostart auf dem noch gut geteerten "River Trail".

Solostart auf dem noch gut geteerten „River Trail“.

Abschied von New Orleans unter den beeindruckenden Brücken.

Abschied von New Orleans unter den beeindruckenden Brücken.

Also musste ich auf die lokalen Strassen ausweichen. Viel Verkehr und noch mehr Lastwagen machte die Fahrt nicht einfach. Nach einer Stunde standen erst 14 Kilometer auf dem Tacho. Ich begann zu zweifeln, ob ich es bis zum geplanten Ziel schaffen würde. Um 17.30 Uhr ist es hier schon richtig dunkel und dann sollte man definitiv am Ziel sein.
Ich suchte eine neue Route auf dem Handy und entschied mich rasch möglichst auf den „Hwy 90“ zu kommen und hoffte auf einen guten Seitenstreifen. Die Entscheidung hat sich zum Glück als richtig erwiesen. Fast den ganzen Tag fuhr ich heute wieder auf der „90 West“. Das ist genau die Richtung in die ich will. Der Seitenstreifen war von unterschiedlicher Qualität und oft musste ich mir im Zentimetebereich einen Weg durch all den Abfall, die Unebenheiten, Glasscherben etc. suchen. Es hat geklappt. Keinen platten Reifen heute!

Auf solchen Seitenstreifen ist es nicht immer einfach zügig und pannenfrei vorwärts zu kommen.

Auf solchen Seitenstreifen ist es nicht immer einfach zügig und pannenfrei vorwärts zu kommen.

Sicher gibt es idyllischer Strassen aber im Moment zählt für mich eher „Meilen machen“. Ein weiterer Vorteil auf diesen Strassen: NO DOGS!
Das macht das Fahren doch einigens entspannter, wenn man nicht dauernd von Hunden angebellt oder gar verfolgt wird.
So war heute mal Zeit die Kopfhörer zu montieren und etwas Musik zu hören. Es wurde ein „Swiss Day“. Von „Patent Ochsner“, „Züri West“, „Sina“ bis zu „Stefan Eicher“ haben mich alle auf der Reise begleitet und ich konnte laut und falsch mitsingen, den es war ja niemand da der hätte reklamieren können. Es war ein anderes Fahren ohne Barbara im Rückspiegel, aber daran werde ich mich in den nächsten Tagen gewöhnen.
Ich fuhr durch ein riesiges Gebiet mit grossen Zuckerrohrfeldern und Sümpfen.

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Die Strassen müssen hier kilometerlang auf Stelzen gebaut werden. Ich habe mal 16 km gemessen.

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Links und recht der Strasse viel Wasser.

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Oft erinnert es ein bischen an einen „Märchenwald“.

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Viele Brücken und oft war die Strasse kilometerlang auf „Stelzen“ gebaut.

Heute habe ich neben den leider üblichen toten Tieren am Strassenrand auch einige tote Eulen gesehen. Es macht einem auch nach mehr als 2000 km immer wieder traurig, wieviele Tiere hier dem Verkehr zum Opfer fallen. Zum Glück gibt es auch positive Erlebnisse. Ein süsser Waschbär am Strassenrand, der sich von meiner Vorbeifahrt nicht stören liess.
Ansonsten war es das was ich erwartet habe und wie es auch die nächsten Tage weitergehen wird. Meilen machen und eine gute Route zu finden steht für die nächsten Tage im Vordergrund.

Hier ein "Röhrenlager" in amerikanischen Dimensionen. Es gibt viel zu verlegen.

Hier ein „Röhrenlager“ in amerikanischen Dimensionen. Es gibt viel zu verlegen.

Im Moment plane ich so zwei, drei Tage voraus und beobachte das Wetter um zu sehen, was möglich ist. Zuviel Gegenwind kann die Pläne schnell unmöglich machen. Für Morgen ist Lafayette das Ziel. Es wird wieder mehrheitlich auf dem „Hwy 90“ nach Norden gehen. Leider ist kein Südwind in Sicht. Ok, dann muss ich mich auf dem Rad halt etwas mehr hinlegen und in die Pedale treten.
Apropos Unterkunft: War heute wieder keine Frage: 46 Fr. inkl. Pool zum Abkühlen und die Muskeln zu entspannen sowie WLAN für den Blog und ein Frühstück. Da bleibt das Zelt sauber verpackt in der Tasche.

Und die paar Kilometer die Barbara zu 2000er fehlten habe ich heute auch noch zurückgelegt. Also noch gut 3000 vor mir.

Tage 25 – 27: (07. – 09.11.14) Rückflug und Ruhetage in New Orlenas

keine Bikekilometer, der Mietwagen war im Einsatz 😉

Die letzten 3 Tage waren vor allem vom Thema „Abschiednehmen“ geprägt.

Wir hätten beide nicht gedacht, dass uns die Trennung hier so schwer fallen würde. Wir konnten in den letzten vier Wochen, in einer für uns neune Situation, wieder einmal so viele Erlebnisse auf unserem gemeinsamen Lebensweg machen, wie wir es uns in der Hektik des Alltags zu Hause nicht vorstellen konnten. Es waren vier Wochen gemeinsames Abtauchen in eine neue Erfahrungswelt. Alles um uns hat sich auf simple Sachen reduziert. Gute Routenwahl, oder wenn es mal nicht so optimal war, sich damit abzufinden. Auf den Körper achten, die Belastungen richtig einteilen. Verpflegung, wenn sie auch nicht immer unseren Wünschen entsprach. Das Wetter, der Wind. Dabei aufeinander acht geben, rücksichtnehmen, sich unterstützen.
Wir durften einmal mehr erleben, dass wir uns auch in solchen Situationen gegenseitig gut unterstützen und gemeinsam ein Ziel verfolgen können. Dafür sind wir sehr dankbar.
Umso schwerer war es dann zu akzeptieren, dass Barbara hier an diesem Punkt die Reise beenden muss. Sie wäre bereit und sicher bestens in der Lage gewesen, diese bis nach San Diego weiter zu führen, aber beruflich war das nicht möglich.
So haben wir uns ein Mietwagen genommen um die nötigen Sachen zu besorgen, damit Barbara’s „Pferdchen“ möglichst ohne Transportschaden zurück nach Hause kommt.

Barbara's Pferdchen wird für die Reise gut verpackt.

Barbara’s Pferdchen wird für die Reise gut verpackt.

Bereits unser erster Versuch bei einem Veloladen einen stabilen Transportkarton zu bekommen war erfolgreich. Dort konnte ich mir gleich noch Ersatzschläuche und einen Blinker, der auf dem Helm montiert wird, besorgen. Denn die Reise geht ja noch weit und ich will von den Autofahrern möglichst früh gesehen werden.
Am Freitagabend gingen wir dann noch gemeinsam in’s French Quarter, an die berühmte Burbon Street.

Canal Street in New Orleans.

Canal Street in New Orleans.

Naja, wer den Trubel und viele angeheiterte Partygänger mag, dem dürfte es gefallen. Wir haben dann etwas abseits in einem ruhigeren Lokal noch die kulinarischen Spezialitäten der kreolischen Küche genossen. Eine Band spielt guten, traditionellen Jazz. Doch so ganz unbeschwert geniessen, das schafften wir dann doch nicht.

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Burbon Street. Wer’s mag. Es gibt aber gemütlichere Plätze in New Orleans.

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Letzter gemeinsamer Abend auf der Reise. Wir waren nicht wirklich „entspannt“.

Nachdem wir uns am Flughafen verabschiedet hatten und ich allein ins Motel zurückgekehrt war, konnte ich mich endlich wieder dem Blogschreiben widmen. Eine gute Ablenkung.
Am Sonntag dann ein Moment auf den ich mich schon lange gefreut hatte. Ich konnte ein Footballspiel der „New Orleans Saints“ gegen die „San Francisco 49er“ im Superdom besuchen.

Vor dem Station.

Vor dem Station.

Das Station und die Atmosphäre waren wirklich beeindruckend. Hühnerhaut!

Ich habe mich in den "Saints Farben" schwarz-gold ins Stadion begeben. (na Max, zufrieden?)

Ich habe mich in den „Saints Farben“ schwarz-gold ins Stadion begeben. (na Max, zufrieden?)

Mit gut 70 000 anderen Fans in einer beeindruckenden Halle. Obwohl so viele Leute dort waren lief alles sehr gesittet ab, kein Schieben und Drücken, breite Wege und alles bestens organisiert. Dazu eine Fankultur wie ich sie mir bei uns auch wünsche. Alle stehen für ihr Team ein, aber die „gegnerischen Fans“ werden mit Respekt und freundschaftlich behandelt. Keine Hooligans, keine Situation wo man sich unwohl fühlte. Einfach Spass am Sport und dem gemeinsamen Erlebnis. Viel Patriotismus, der uns etwas fremd ist, aber dieser Spieltag stand unter dem Motto „Danke an all unsere Militärs, die mit ihrem Einsatz die Freiheit der USA und der Welt verteidigen.“ So sieht man das hier und da ist die Wahrnehmung und der Stellenwert der Militärs nicht mit derjenigen in Europa zu vergleichen.

Salute to the military

Salute to the military

Das Spiel verloren die lokalen „New Orleans Saints“ dann in der Nachspielzeit.

Dieser Spielzug brachte die "Saints" in die Nachspielzeit.

Dieser Spielzug brachte die „Saints“ in die Nachspielzeit.

Zum Glück gab es einige Punkte, da ein Sponsor, ich vermute mal er wäre gerne selber im Stadion gewesen, nicht die Meilen, sondern das Resultat diese Spiels als „Einsatz“ bekannt gab. So sind von diesem nun knapp 90 US Dollar fällig :-)) Heute also mal „Punkte für KOKOU“.
Auf dem Rückweg genoss ich noch einmal die Fahrt über den Mississippi und bestaunte die verschieden grossen Schiffe auf dem Fluss. Vor allem die „Schubverbände“ sind beeindruckend. Da werden bis zu 8 motorlose Lastbarken „zusammengebunden“ und von einem Schubschiff wird dann das „Paket“ auf dem Fluss manövriert.

Schubverband unterwegs flussabwärts.

Schubverband unterwegs flussabwärts. (das kleine weisse Schiff schiebt alle Barken)

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Auch grosse Kreuzfahrtschiffe fahren bis New Orleans.

Morgen geht es nun endlich wieder auf’s Rad. Ich bin froh, den es kribbelt in den Oberschenkeln und es ist immer noch ein langer Weg bis an den Pazifik.

Tag 24: (06.11.14) Bay St. Louis – New Orleans

Distanz: 122.5 km / Gesamt: 1981,5 km / Fahrzeit: 7 Std. 32 Min. / Durchschnitt 16.29 km/h

Morgens 22, Nachmittags 28 Grad, Wind aus Nord – Osten, zum Teil böig. hohe Luftfeuchtigkeit

New Orleans erreicht!

Heute stand also noch Barbara’s Abschlussetappe auf dem Programm. Das diese dann nochmals alle Register zog, hätten wir am Morgen noch nicht gedacht. Gut gelaunt machten wir uns schon um halb acht auf die Räder. Da wir knapp 100 km vor uns hatten, mussten wir rechtzeitig losfahren. Im Moment wird es hier so um halb sechs Uhr dunkel, und dann wollten wir nicht noch in New Orleans unterwegs sein. Wir wussten das die Fahrt in die Stadt nicht ganz so einfach sein würde.
Zudem war klar, das diese Etappe in Sachen Verpflegung so geplant werden muss, wie eine Wanderung in den „bündner Alpen“. Man muss immer davon ausgehen, das die Restaurants und Läden geschlossen haben oder weit und breit keine vorhanden sind und man so alles für den Tagesbedarf dabei haben muss.

Zum Mittagessen einen "Dreigänger": Sandwich mit Huhn, Thon und Schinken "Kunststoffkäse"

Zum Mittagessen ein „Dreigänger“: Ein Sandwich mit Huhn, eines mit Thon und eines mit Schinken „Kunststoffkäse“

Wir fuhren dem Strand entlang los und hielten uns an die aus anderen Blog’s bekommen Tipps.
In dieser Gegend wird einem immer wieder bewusst, dass die Menschen hier dauernd mit der Gefahr eines Hurrikans rechnen müssen. Trotzdem wundern wir uns über die teilweise leichten Holzkonstruktionen, mit denen hier den Kräften der Natur getrotzt werden soll.

Schaut nicht wirklich hurrikansicher aus.

Schaut nicht wirklich hurrikansicher aus.

Ob dieses Bauform dem  nächsten Wirbelsturm tretzten kann?

Ob diese Bauform dem nächsten Wirbelsturm wiederstehen kann?

Auf ruhigen Nebenstrassen durchquerten wir so eine weite Sumpflandschaft. An der Strasse fast immer ein Wasserlauf, Hecken, Wald und zwischendrin Wassertümpel. Einmal konnte ich gerade einer Schildkröte zuschauen, die sich im Gras sonnte und bei unserem Näherkommen rasch im Wasser untertauchte.

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Mississippi und Louisiana sind hier von vielen Flüssen und Sümpfen durchzogen…

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Viele Häuser stehen einsam in einer kleinen Lichtung hinter Bäumen. Die nächsten Nachbarn sind meist ausser Sichtweite. Die Häuser selber sehen oft sehr einfach aus. Wenn ich mir vorstelle, wie man sich in einer dunklen Nacht an einem so abgelegenen Ort fühlen muss, kann ich mir plötzlich vorstellen, dass auch ich gerne eine geladene „Winchester“ an der Wand hätte. Auf jeden Fall wäre diese „ländlich, ruhige Wohnlage“ nichts für mich.
Ansonsten verlief die Fahrt recht ereignislos und die Kilometer bis zur Grenze nach Louisiana, irgendwo im Niemandsland nach einer Brücke,  konnten wir recht zügig hinter uns bringen.

Tatsächlich, wir stehen an der Grenze zu Louisiana!

Tatsächlich, wir stehen an der Grenze zu Louisiana!

Bereits um 12.15 Uhr hatten wir 60 km geschafft. Noch 40 bis ins Ziel, da würden wir noch vor 4 Uhr im Motel eintreffen.

Das ländliche Gebiet liegt hinter uns.

Das ländliche Gebiet liegt hinter uns.

Es sollte anders kommen. Je näher wir New Orleans kamen, desto öfter schaute ich auf’s Navi. Wir wollten einfach einen guten und sicheren Weg in diese Stadt finden, von der viele Blogschreiber raten, man soll sie velomässig am besten „links liegen lassen“. Wir haben es nicht getan, unter anderem auch weil Barbara ab hier am Samstag nach Hause fliegt. Nach der heutigen Erfahrung können wir dem Rat aber nur zustimmen: Lasst die Finger von New Orleans, wenn ihr mit dem Velo unterwegs seid!
Es würde zu weit führen alles im Detail zu erklären, nur soviel: Wir haben uns sowohl in Sachen Strassenbelag als auch in puncto Fahrzeuge oft an jenen  Teil unserer Hochzeitsreise zurückgesetzt gefühlt, als wir im rauen Belutschistan (Pakistan) unterwegs waren. Schlaglöcher, aufgerissene Strassen, kilometerlange Abfalldeponien usw. Sicher, vieles sind noch immer Zeugnisse aus der Zeit der Zerstörung durch den Hurrikan Kathrina im Jahr 2005, trotzdem haben uns diese Strassenverhältnisse und die wenigen Zugänge zur Stadt zu schaffen gemacht. Wir haben uns versucht mit dem Navi den besten Weg zur Unterkunft zu suchen, leider zeigt aber auch „Google Earth“ manchmal nur die halbe Wahrheit. So mussten wir zum Beispiel einmal umkehren, weil die Brücke über die wir fahren sollten, für Velos schlicht zu gefährlich war und schon waren wieder 15 Zusatzkilometer auf dem Tacho.

So etwas war uns schlicht zu gefährlich. Also wieder umkehren. (es gibt wieder Zusatzmeilen für Kokou, wenigstens das.)

So etwas war uns zu gefährlich. Also wieder umkehren. (Das gibt wenigstens Zusatzmeilen für Kokou)

Irgendwie, nachdem wir die Räder bei gewissen Brücken auch geschoben haben, haben wir es dann zur Fähranlegestelle am Mississippi bei der Canal Street geschafft. Unser Motel liegt auf der anderen Seite des Flusses in Algiers und wir müssen vom „French Quarter“ mit einer alten, engen und nicht „liegeradtauglichern“ Fähre übersetzen.
Wir waren , von der langen Fahrt, dem vielen Verkehr und den Umwegen nach mehr als 7 Stunden auf dem Rad, schon ziemlich müde. Da treffen wir zum ersten mal auf wenig hilfsbereite und eher mürrische Amis, die für die Fähre arbeiten. „Nein ihr könnt die Räder hier nicht einladen, sondern müssten um das Gebäude und die Rampe nehmen.“ Also alles wieder zurück, die beladenen Räder wieder Treppen hinunter tragen und den Weg zur Rampe suchen. Bis wir das geschafft hatten, legte die Fähre gerade ab. Also noch einmal 30 Minuten warten. Wir waren schlicht sauer und konnten nicht verstehen, warum wir nicht den anderen Zugang nehmen konnten. Aber so sind die Angestellten nun mal gedrillt und dann gibt es keine Ausnahmen. Punkt!

Schade, nach so vielen freundlichen und hilfsbereiten Begegnungen setzte die Fährcrew auf Barbara’s letzten Metern einen negativen Schlusspunkt. Es war bereits dunkel als wir uns den Weg durch die nur sehr spärlich beleuchteten Strassen zum Motel suchten und dieses müde, aber glücklich es doch gesund geschafft zu haben, erreichten. Zum Glück konnte ich in der Nähe noch etwas zu essen auftreiben, denn heute haben wir mangels Möglichkeiten und später wegen Zeitdruck sehr spartanisch gelebt.
Morgen heisst es dann, Barbara’s Rückflug vorzubereiten, zu packen und das Velo flugbereit zu machen. Aber vorher einfach noch etwas ausruhen, nach einer letzten, gemeinsamen Etappe!
Nach 1981.5 km in 21 Fahrtagen haben wir per Rad das Motel in New Orleans, das bereits vor Monaten gebucht wurde, punktgenau und gesund erreicht. Ehrlich, ich hatte meine Zweifel ob das mit dem Startpunkt Key West bis New Orleans in dieser Zeit und ohne Radtourenerfahrung wirklich klappt.
Barbara, du hast mich mächtig überrascht. DANKE das du mich auf diesem Weg begleitet hast!!! Ich werde dich im Rückspiegel vermissen!!!

Tag 23: (05.11.14) Biloxi – Bay St. Louis

Distanz: 57 km / Gesamt: 1859 km / Fahrzeit: 3 Std. 57 Min. / Durchschnitt 14.46 km/h

Morgens 25, Nachmittags 28 Grad, leichter Wind aus Osten, hohe Luftfeuchtigkeit, ganzer Tag bedeckt

ride the bordwalk

Das war's heute auch fast schon. Immer dem Strand entlang.

Das war’s heute auch fast schon. Immer dem Strand entlang.

Wie ihr schon an den Fakten oben gesehen habt, war heute ein lockerer Tag. Nicht wirklich viel Distanz, nicht wirklich schnell, nicht sonderlich aufregend. Genauso war’s. Wir haben uns nach dem gestrigen gemütlichen Abend zum Starten etwas Zeit gelassen. In Ruhe aufstehen, alles bereit machen, mit Anja telefonieren, etc.

Start im Casino Parkhaus.

Start im Casino Parkhaus.

Die Routentipps auf dem Blog „Cracyguyonabike“, auf dem ich schon viele Infos bekommen habe, haben dringend davon abgeraten, ab Biloxi auf dem Hyw 90 zu fahren. Zu viel Verkehr, kein Platz an der Seite und durchgehend ein hoher Randstein, der für Velofahrer jeden Fluchtversuch vor aggressiven oder unaufmerksamen Autofahrern verhindert. Wir haben den Rat befolgt und uns auf dem Fussgängerweg ganz dem Strand entlang Richtung „Bay St. Louis“ auf den Weg gemacht.

Wie auf der Skipiste. Die "Pistenfahrzeuge" im Einsatz.

Wie auf der Skipiste. Die „Pistenfahrzeuge“ im Einsatz.

Im Blog war noch von vielen Löchern und schiefen Betonplatten auf dem „Bordwalk“ die Rede. Wir haben aber heute fast durchgehend einen tadellosen Belag vorgefunden. Es geht halt mal immer etwas rauf und runter und schlängelt sich um jedes Hindernis, aber mehrheitlich war er so breit, dass wir heute gemütlich nebeneinander herfahren konnten. Barbara bemerkte so gegen Mittag, dass sie nun während der Fahrt gerne ein Nickerchen machen würde, es sei gerade so entspannt. Naja, wie entspannt das Fahren auf dem Lieger ist, wenn die Fahrerin schläft wollten wir nicht testen und machten einen „Powernap-Stop“ am Jachthafen von Gulfport.

Am Hafen von Gulfport.

Am Hafen von Gulfport.

Danach weiter dem weissen Strand entlang. Wir sind heute tatsächlich unglaubliche 44 Kilometer auf dem Trottoir einen weissen Sandstrand entlang geradelt. Der Strand fast durchgehend menschenleer. Ab und zu Vögel und ganz vereinzelt Menschan am Wasser.

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Auch sie nahmen es heute gelassen.

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Noch einer, nur für Robyn.

Wir hatten sogar Zeit um uns für ein Foto langsam anzuschleichen.

Wir hatten sogar Zeit um uns für ein Foto langsam anzuschleichen.

Diese Fahrt entspricht einer Strecke die etwas länger ist als von Winterthur nach Weinfelden, immer einen weissen Strand neben sich, immer auf dem Trottoir. Könnt ihr euch das wirklich vorstellen?
Als Abschluss noch die wunderschöne Brücke über die „Bay St. Louis“ mit guten Radweg und sehr moderater Steigung. Also so wie gewünscht.

Die elegant geschwungene Brücke über die "Bay St. Louis".

Die elegant geschwungene Brücke über die „Bay St. Louis“.

Parallel dazu verläuft die Eisenbahnbrücke und für ein Foto haben sie sogar einen Zug darüber fahrenlassen.

Parallel dazu verläuft die Eisenbahnbrücke und für ein Foto haben sie sogar einen Zug darüber fahren lassen.

Wir haben diesen lockeren Tag genossen und uns mental schon mal auf Barbara’s morgige Schlussetappe eingestellt. Es stehen uns nochmals knapp 100 gemeinsame Kilometer bevor, aber näher an New Orleans haben wir auf unserer geplanten Route kein Motel mehr gefunden. Also sind wir hier in den Startlöchern um Morgen früh loszufahren damit wir New Orleans möglichst vor dem Abendverkehr erreichen.

Wir genossen diese gemeinsame Fahrt. Bald geht's alleine weiter.

Wir genossen diese gemeinsame Fahrt. Bald geht’s alleine weiter.

Wie gesagt, von einer Fahrt auf dem Trottoir einem weissen Stand entlang gibt es nicht wirklich aufregendes zu berichten. Deshalb mache ich auch schon Schluss.

Fazit: Wir fühlten uns wie Strandtouristen an der Adria, die mit dem Mietvelo von „Giovanni“ etwas der Beach entlang „cruisen“. Mit einer Langstreckenfahrt hatte das heute nichts zu tun!

Tag 22: (04.11.14) Dauphine Island – Biloxi

Distanz: 105.2 km / Gesamt: 1802 km / Fahrzeit: 5 Std. 47 Min. / Durchschnitt 18.1 km/h

Morgens 16, Nachmittags 25 Grad, Wind aus allen Richtungen, nicht stark

Let’s play

Zuerst ein Nachtrag zu Gestern:
Wir haben heute mit Schrecken festgestellt, dass wir euch gestern ja die 1000. Meile unterschlagen haben! Also etwa ein Drittel der Reise nach San Diego ist geschafft! Wir haben es selber nicht bemerkt und erst heute erkannt, dass wir kurz vor der Grenze zu Alabama bei Km 1609.34 die 1000 Meilenmarke erreicht haben. Also liebe Sponsoren, pro zugesagtem Rappen wären das jetzt genau 10 Franken die ihr schon mal auf die Seite legen könnt 🙂

Heute ist „Spieltag“. Wir haben wiederum über 100 km in die Pedalen getreten, nur um uns hier in Biloxi, einem Ort in dem Spielcasinos in den USA erlaubt sind,  in einem solchen zu vergnügen und eine richtig harte Runde Poker zu spielen!
Nein, natürlich nicht! Wer uns kennt weiss, dass wir Realisten genug sind zu wissen, das wir mit unseren bescheidenen Spielerfähigkeiten hier nur verlieren würden. Eine ganz andere, pragmatische Überlegung hat uns heute ins „Harrah’s“ nach Biloxi geführt. In Casinohotels kann man in den USA bekanntlich gut und günstig übernachten, da die Casinos hoffen, die Gäste dann beim Spieltisch abzocken zu können. Wer hier übernachtet und nicht spielt hat fast immer gewonnen. Wir zogen heute sogar noch den Jackpot, doch dazu später.

Wir hatten eine ruhige und erholsame Nacht im „Gulf Breeze Motel“ in Dauphine Island, so dass wir am Morgen bereits recht früh fit waren und um 07.20 Uhr mit frische geölten Ketten in den neuen Tag gestartet sind.

Ein Bootshaus. (typisch Amerika: Hauptsache die Fasade stimmt)

Bootshäuser in Dauphine Island. (typisch Amerika: Hauptsache die Fasade stimmt)

Bereits bei der ersten Brücke die kurz nach dem Start zu passieren war, wurden unsere Muskeln und Herzfrequenz auf „Betriebstemperatur“ gebracht. Das war gut so, denn wir hatten am Morgen noch etwas Gegenwind und gut 100 km vor uns. Da sollte man rasch in die Gänge kommen.

Unsere heutige Aufwärmrunde.

Unsere heutige Aufwärmrunde.

Die drei warten an der Brücke.

Die Drei warten an der Brücke. Die Pelikane segelten neben der Brücke nur etwa 5 Meter an uns vorbei.

Ich hatte in den diversen Radfaherblog’s immer wieder von fiesen „Hundeattacken“ vor allem in den Südstaaten gelesen. Alabama gehört dazu und ist seinem Ruf gerecht geworden. Heute haben wir bereits einige Situationen erlebt, in denen die Hunde, oft zu zweit, bellend auf uns zugerannt kamen. Ja wir sind keine Hundeflüsterer und stehen sowieso eher auf Katzen, aber das kümmert die Hunde gar nicht. Trotzdem haben wir uns auf diese Situation vorbereitet:

Phase 1: Hund laut anrufen: „Stopp!“  „go home!“
(Mit Vorteil in der Landessprache rufen, vielleicht versteht er das ja)

Phase 2: Sollten die Hunde nicht reagieren und den Angriff fortsetzen kommen unsere „Waffen“ zum Einsatz.
Seit beginn der Reise hängt an unseren Bremshebeln immer griffbereit ein Pfefferspray. Dieser würde die Hunde hoffentlich im letzten Moment noch abschrecken. So jedenfalls wird es empfohlen und diverse Radler schreiben häufige über so erfolgreich abgewehrte Attacken. Wichtig: Immer Reserve dabei haben, denn schon nach der nächsten Kurve lauert vielleicht ein neuer Angreifer und wenn dann dein Spray leer ist ….
Wir haben uns das zu Herzen genommen und sind auch mit Reserve ausgerüstet. Man kauft den Pfefferspray übrigens am einfachsten in einem grossen Sportgeschäft in der Abteilung „Outdoor“.
Heute mussten wir den Spray nicht einsetzen, da unsere Kommandos offenbar überzeugend waren. Einmal haben sich mir zwei recht grosse Hunde, ohne zu bellen von schräg hinten genähert. Zum Glück hat sie Barbara, die hinter mir fuhr, gesehen und konnte mich warnen. Ein lautes „STOP“ zeigte seine Wirkung und sie blieben stehen. Wir waren erleichtert, denn mit den beiden hätte es ungemütlich werden können. Sorry, davon gibt es leider keine Fotos, irgendwie kamen wir nicht dazu 😉

Dafür ein ruhiges Landschaftsbild aus der Gegend der bellenden Hunde.

Dafür ein ruhiges Landschaftsbild aus der Gegend der bellenden Hunde.

Schon um 11 Uhr waren wir an der Staatsgrenze zu Mississippi. Also anhalten und Beweisfoto machen.

Das ging aber schnell. Alabama's Südgrenze in 24 Std. durchradelt.

Das ging aber schnell.
Alabama’s Südgrenze in 24 Std. durchradelt.

Dann weiter auf Hyw 90 Richtung Pascagoula. Der Seitenstreifen war grauenvoll. Überall aufgerissen, wellig und es fuhr sich wie auf einer Testpiste für Stossdämpfer. Wir entdeckten zum Glück eine Parallelstarsse und suchten uns auf dieser den Weg bis zur Brücke über den Pascagoula River.

Heute mal Bilder die zeigen, dass auch hier nicht alle in Palästen wohnen.

Heute mal Bilder die zeigen, dass auch hier nicht alle in Palästen wohnen.

Aber auch bei einfachen Häusern hat das Auto seinen Platz.

Aber auch bei einfachen Häusern hat das Auto seinen Platz.

Auf den Nebenstrassen ist ein Grossteil der Häuser einfach.

Auf den Nebenstrassen ist ein Grossteil der Häuser oft klein und „zusammengeflickt“.

Bei unserem Mittagsrast in einem grossen „Buffet Restaurant“, das gut besetzt war, waren wir wieder einmal die Attraktion. „Was, ihr seit von Key West bis hier mit dem Fahrrad gefahren?“ Ungläubig schaute uns der Besitzer an und erzählte das er diese Strecke bis Miami letztes Jahr mit dem Auto gefahren sei, da er eine Kreuzfahrt machte. Das sei wirklich weit und er hätte einige hundert Dollar alleine für Benzin gebraucht. „Ja das haben wir auch“, sagte ich, „an Plätzen wie diesen. Das sind unsere Tankstellen“. Er bedankte sich noch das wir bei ihm gegessen haben und zum Abschied kamen noch zwei Mitarbeiterinnen vor die Tür um uns eine sichere Reise zu wünschen.

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Die Fischerei ist in der Gegend ein wichtiger Erwerbszweig.

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Achtung: jetzt Lücke im Verkehr abwarten, Anlauf nehmen und links halten, schliesslich müssen wir nach Biloxi und dahin geht es nur auf den beiden linken Spuren!

Nach der Brücke wurde der Hyw 90 richtig gut fahrbar. Feiner Teerbelag und genügend Platz auf der Seite machten das Fahren zum Vergnügen. Wir lehnten uns in den Sitzen zurück und nahmen die Sonnebrillen ab, um mit einer intensiven Phase „Kampfsünnelä“ den weissen Ringen in unseren Gesichtern etwas die „Bläse“ zu nehmen. Unser aktueller Look „Model Waschbär“ gefällt uns nämlich nicht so recht.
Kurz vor dem Ziel dann noch die Anfahrt zur „Biloxi Bay Bridge“. Auch dies hat dank guter Recherche  in anderen Radlerblogs prima geklappt. Man kann die Brücke per Rad in Fahrtrichtung „Ost – West“ nämlich nur auf der linken Seite befahren. Da die Strasse in der Mitte mit einer Betonmauer getrennt ist, muss man schon einige Strassen vorher nach links in die Seitenstrassen von „Ocean Springs“ abbiegen und die Brücke dann von dort aus anfahren. Dies hat uns wiedereinmal durch unerwartet schöne Strassen geführt.

Strasse in Ocean City

Strasse in Ocean City

Ein Bestattungsunternehmen. Wohl für gehobenere Ansprüche.

Ein Bestattungsunternehmen. Wohl für gehobenere Ansprüche.

Die Brücke selbst: 1A! Genauso müssen Brücken gebaut sein. Ein sicherer, breiter und sauberer Weg für Fussgänger und Velofahrer. Die alte Brücke wurde beim Wirbelsturm „Kathrina“ zerstört und so haben wir nun das Vergnügen auf dieser neuen Brücke nach Biloxi zu fahren.

 

So sollte es immer sein.

So sollte es immer sein.

Beim Hotel stellte sich die Frage: Wo ist die Rezeption? Es schien nur einen Eingang via das Parkhaus zu geben. Also sind wir mit den Rädern mal da reingefahren. Zum Glück kam uns ein Mitarbeiter des technischen Dienstes auf seinem kleinen Fahrzeug entgegen. Wir fragten ihn, wie wir denn zur Anmeldung kommen. Er schaute uns an, fand die Velos sehr speziell und bat uns ihm zu folgen. „Ich fahre euch voraus.“ Er führte uns durch das Parkhaus direkt vor die Anmeldung. Danke, das hätten wir so nie gefunden, denn die Autorampe war uns zu steil. Nach der Anmeldung schoben wir wie üblich die Velos Richtung Lift. Da plötzlich kam die ältere Dame die mir die Zimmerkarte ausgestellt hatte ziemlich aufgeregt auf uns zu: „Ihr könnt die Räder nicht auf’s Zimmer nehmen! Ihr müsst die draussen im Parkhaus abgeben.“ Ok, dass hat uns ja niemand gesagt. Da mischte sich schon ein zufällig vorhergehender Gast ein. „Das ist doch kein Problem. Wieso sollen die Räder nicht auf’s Zimmer?“ „Nein das geht nicht!“ sagte die Dame nochmals in bestimmten Ton. Wir wollten uns nicht auf eine Diskussion einlassen und drehten die Räder Richtung Parkhaus als ein Mann in schwarzem T-Shirt auf uns zu: „Kein Problem, ihr könnt mit den Rädern auf’s Zimmer.“ sagte er. Ich erklärte ihm, die Dame sei dagegen. „Nein, wirklich, wir erledigen das.“ entgegnete er, „Darf ich ihnen helfen“. Nun dämmerte mir, das er und der Herr neben ihm, der schon etwas in sein Funkgerät sagte, wohl zur Security des Hotels gehörten. Also wieder umgedreht und zurück zum Lift. Der Herr war behilflich beim platzieren der Räder , entschuldigte sich nochmals und gab Barbara zwei Karten für ein Gratisessen am Buffet.

Entschuldigung angenommen ;-)

Entschuldigung angenommen 😉

Also wenn sich diese Nacht für uns nicht lohnt: Hotelpreis: 36.95 Fr. für beide, dazu gesponsortes Abendbuffet inkl. gratis Wein und Bier.!
Nach dem guten Essen führte der Weg zurück zum Hotelzimmerf natürlich wie in solchen Häusern üblich durch das Spielcasino mit unzähligen blinkenden und klingelnden Automaten. Wenn wir schon so günstig schlafen und gratis essen können, so können wir doch mal 10 Dollar in die Maschine schieben. Also spielten wir mit 40 Cent Einsätzen eine Weile und plötzlich begann die Kiste zu Blinken und spuckte doch tatsächlich 55 Dollar aus. Abzüglich Einsatz war nun auch das Hotelzimmer bezahlt. Wir wollten das Glück nicht noch mehr strapazieren und lösten den Gewinn ein.

So sehen entspannte Radler aus, die es sich gut gehen lassen. ... und das alles umsonst!

So sehen entspannte Radler aus, die es sich gut gehen lassen. … und das alles umsonst!

Fazit: Wir „spielten“ heute mit Hunden, Rezeptionistinnen und Spielautomaten und haben immer gewonnen! Nur das Buffet hätte uns fast geschlagen! (Zum Glück können wir das Morgen wieder abstrampeln.)

Tag 21: (03.11.14) Pensacola – Dauphine Island

Distanz: 112.15 km / Gesamt: 1696.8 km / Fahrzeit: 5 Std. 49 Min. / Durchschnitt 19.27 km/h

Morgens 12, Nachmittags 25 Grad, Rückenwind 🙂

sweet home Alabama!

Nach 16 km Florida haben wir die erste Staatengrenze verdient!

Nach 1615 km quer durch Florida haben wir die erste Staatengrenze verdient!

Ja heute war es soweit: Wir haben Florida durchquert und nach gut 1615 Kilometer die Grenze zu Alabama erreicht! Zum Glück sind die kommenden Durchquerungen der Bundesstaaten, mit Ausnahme von Texas,  nicht mehr so lange. Nach einem kleinen Abschnitt Alabama werden wir schon Morgen Mississippi erreichen.

Heute starteten wir um halb acht, aber nur um bereits im nächsten IHOP (international house of pankakes) einen Frühstückstop einzulegen, denn in unserer Unterkunft gab es nur amerikanischen Kaffee (= mehr oder weniger braunes Wasser) und Tee. Das reicht für eine Tagestour als Startprogramm aber auf keine Weise und so besorgten wir uns die nötigen Kalorien halt an einem anderen Ort. Wiedereinmal musste ich beim Blick in die Speisekarte den Kopf schütteln. Da wird doch unter der Rubrik „Frühstück“ tatsächlich ein „T-Bone Steak“ mit „French Toast“ angeboten.
Ich versuchte es dann mit der Version 2 Eier, Modell „Sonnenseite oben“ (=Spiegelei) zwei Speckstreifen und zwei Pankakes. Diese waren aber so süss, dass ich nach dem ersten kapitulieren musste. Da hatte Barbara mit der Vegiomlette eindeutig besser gewählt. Dann habe ich noch telefonisch abgeklärt, ob die Fähre heute in Betrieb ist und nach der positiven Antwort das Motelzimmer in Dauphine Island gebucht. Da der Wind auch noch die Richtung gewechselt hatte und uns heute von hinten unterstützen würde, stand einer gemütlichen Sonntagsfahrt an einem Montag nichts mehr im Wege.

An diesem Platz hätten wir auch noch gerne gefrühstückt.

An diesem Platz hätten wir auch noch gerne gefrühstückt.

Die Fahrt aus Pensacola verlief erstaunlich ruhig und meist war ein Seitenstreifen vorhanden. Über zwei Brücken erreichten wir schliesslich „Cotton Bayou“ und konnten von nun an einfach noch geradeaus fahren.
Auf der Seite zum offenen Meer hin folgte ein riesiger Hotelbunker dem nächsten. Sie waren sich alle zum verwechseln ähnlich und irgendwie langweilig. Für alle die die Geschichte von „Asterix und Obelix“ gelesen haben wissen, wie eine „Trabantenstadt“ aussieht. Genauso sah es hier aus.

Wir genossen den Rückenwind, konnten einen Gang höher schalten und einfach ab in Richtung Südwesten radeln.

Gute Strasse, genug Platz, Rückenwind. Alles was wir brauchen.

Gute Strasse, genug Platz, Rückenwind. Alles was wir brauchen.

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Nicht nur auf Sand, auch auf Stelzen gebaut.

Nach und nach nahmen die Hotelbunker ab und machten schmucken Ferienhäusern Platz. Diese waren, wie überall an der Golfküste, mehrheitlich auf einem Holzgerüst gebaut, um im Falle einer Überflutung weniger Schaden zu nehmen. Der Verkehr wurde ebenfalls weniger und wir genossen die lockere Fahrt. Plötzlich wie aus dem Nichts tauchte eine Tafel mit der Aufschrift: „Dead End“ auf. „Nein, nicht schon wieder“ fuhr es mir durch den Kopf, als wir an einer Schranke standen, welche die letzte Siedlung hier Bewachte und jedem Fremden den Zutritt verwehrte. Das Navi kannte keine Gnade und zeigte mir, dass wir einen Abzweigung vor 10 km. verpasst hatten. Aller Ärger machte die Sache auch nicht besser und wir mussten gegen den starken Wind zurückfahren. Die nächsten gut 45 Minuten kosteten viel Kraft und wir waren froh, als wir den Abzweigpunkt erreicht hatten. Wir konnten uns wenigstens damit motivieren, wieder ein paar Zusatzmeilen für Kokou gefahren zu sein.

Nun liess ich die Karte auf dem „Handy-Navi“ kaum mehr aus den Augen. Wenn wir dieses Tempo durchhalten konnten, würden wir noch die Fähre um 16.15 Uhr erreichen. Wir hatten also ein klares Ziel und das spornt bekanntlich an. Plötzlich sah ich, wie Barbara im Rückspiegel immer weiter abfiel. Ich stopte und warten bis sie aufgeschlossen hatte. „Mein Vorderreifen ist platt.“ rief sie als sie in die Nähe kam. „Das darf doch nicht wahr sein, schon wieder. Uns war klar, dass so die Fähre nicht mehr sicher erreicht werden konnte. Da dies ein Reifen mit grünem „Wunderslime“ war, versuchten wir es einfach einmal mit aufpumpen. Das klappte prima und der Reifen blieb bis ins Hotel dicht, so dass wir die Fähre noch erreichten.
Euch allen zu Hause die uns für den heutigen Tag die Daumen gedrückt haben damit alles klappt ein herzliches DANKE. Das haben wir wirklich gebraucht!

Ziel erreicht

Ziel erreicht

 

Diese kleine Fähre erspart uns 130 km Umweg!

Diese kleine Fähre erspart uns 130 km Umweg!

Schon lange habe ich mir im Rahmen der Vorbereitung, beim Lesen der verschiedenen Blogs, diesen Moment auf der Fähre vorgestellt und nun waren wir „on board“!

Wir habens geschafft: auf der Fähre!

Wir habens geschafft: auf der Fähre!

Kein Nebel, kein Sturm, kein Motorschaden hat die Überfahrt für uns, im Gegensatz zu vielen „Vorausfahrern“ behindert. Wir waren auf dem Schiff und der Zeitplan bis New Orleans scheint perfekt aufzugehen.

Die zwei dürfen sich mal ausruhen!

Die zwei dürfen sich mal ausruhen!

Auf diesen Plattformen in der "Mobile Bay"  wird Erdgas gefördert.

Auf diesen Plattformen in der „Mobile Bay“ wird Erdgas gefördert.

just nice

just nice

In Dauphine Island sind wir im einfachen, aber sehr sauber und gut geführten „Gulf Breeze Motel“ untergekommen. Also beste Voraussetzungen um uns gut zu erholen um für die morgige Etappe nach Biloxi bereit zu sein. Dies wird die drittletzte Etappe für Barbara. Schade das die gemeinsame Fahrt bald zu Ende geht.

Tag 20: (02.11.14) Fort Walton Beach – Pensacola

Distanz: 84 km / Gesamt: 1584.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 03 Min. / Durchschnitt 16.57 km/h

Morgens 11, Nachmittags 20 Grad, Wind im Verlauf des Tages nachlassend, schräg von vorn  GPS Track wie von uns gefahren    /  GPS Track empfohlene Variante

just miles

Heute startete der Tag wieder kalt und windig. Aber wir freuten uns auf eine lange Fahrt durch schneeweisse Sanddünen auf „Santa Rosa Island“. Zumindestens „Google Maps“ hatte uns diesen Weg vorgeschlagen.
Doch schon nach 4 Kilometern kam die Ernüchterung. Eine Warntafel, ein Gitterzaun und ein Wachhäuschen machten klar, das dieser Teil der Dünen für andere reserviert war. Nein hier besteht keine Gefahr, das deutsche Pauschaltouristen mit dem Strandtuch schon am Morgen alle guten Plätze besetzten, hier wird schweres Geschütz aufgefahren! Das ganze Gebiet wird von der „US Air Force“ beansprucht. Hier werden die Jungs offenbar auf Einsätze im Sand trainiert und dabei soll keiner zuschauen. Für uns bedeute das, wieder 4 Kilometer zurück und auf dem Highway 98 Richtung Pensacola. Nicht wirklich schön auf dieser Strasse, aber zumindest teilweise war ein Seitenstreifen vorhanden. Also etwas Sicherheit. Hier rasen die Autos mit 65 Meilen, also knapp 120 km/h (und oft schneller) an uns vorbei. Zum Glück war heute Sonntag und so war der Verkehr gegenüber der Woche doch weniger stark und vor allem waren kaum grosse Lastwagen unterwegs. Wer also eine Velotour in den USA plant, tut gut daran Samstage und Sonntage wenn immer möglich als „Fahr-“ und nicht als „Ruhetage“ zu planen.

Hallo Anja: Auf der eintönigen Fahrt auf dem Hwy 98 ist uns das aufgefallen: Liäbi Grüäss a Wohngruppä Andorra i dä EPI.

Hallo Anja: Auf der eintönigen Fahrt auf dem Hwy 98 ist uns das aufgefallen: Liäbi Grüäss ad Wohngruppä „Andorra“ i dä EPI.

Was uns in den letzten Wochen auch aufgefallen ist sind endlose Baustellen. Sie beginnen mit einer Tafel „road work ahead“, dann folgen oft grosse orange Pilonen, welche die Fahrbahn verengen, meist auf der Seite der Rad- und Pannenstreifen, dann eine Hinweistafel dass bei Anwesenheit der Bauarbeiter die Geschwindikeitsbussen doppelt so hoch ausfallen wie sonst und dann folgt Kilometerweit nichts! Kein Arbeiter, keine Baumaschine, nur halb aufgerissene Strassen. So auch heute. Mehr als 10 Kilometer fuhren wir an einer Baustelle entlang. Oft war der Seitenstreifen aufgeraut und mit unseren beladenen Fahrrädern kaum fahrbar. Wenn wir Glück hatten, war rechts noch ein Teil der Oberfläche intakt und wir hatten 40 bis 50 cm akzeptable Fahrbahn, aber leider nicht immer.

Da sind wir ja schn mal zufrieden. Oft war alles aufgeraut = unfahrbar!

Da sind wir ja schon mal zufrieden. Oft war alles aufgeraut = unfahrbar!

So war die Fahrt nicht sonderlich attraktiv und wir planten in Navarre über die Brücke auf den vorgelagerten Küstenstreifen zu fahren. Doch die Fahrbahn war einspurig, eng und erschien uns in Sachen Verkehr zu unsicher. Auf dem sehr schmalen Fussgängerweg kamen wir mit unseren Rädern auch nicht durch: zu eng!

Kein Platz für unsere Räder!

Kein Platz für unsere Räder! Hier hätten wir die Fahrbahn nehmen sollen um auf den Gulf Island National Seashore zu gelangen. Das haben wir leider verpasst. Danach kam keine Brücke mehr 😦 

Wir hatten den Eindruck, dass je wohlhabender eine Region war, desto schlechter war die Infrastruktur für Fahrradfahrer. Was wir seit Panama City bis hier an der Esmeralda Coast gesehen hatten, war bis jetzt der absolute Tiefpunkt in Sachen Fahrradstreifen oder fahrbaren Trottoirs.
Die Gegend rühmt sich zwar mit den schönen weissen Sandstränden und den vielen teuren Hotels als Top Feriendestination, aber ist offensichtlich nur für den Autofahrer gedacht.

Entlang der "Esmeralda Coast"

Entlang der „Esmeralda Coast“

Also blieben wir auf dem Hyw 98 und machten kurz vor der grossen Brücke, die uns nach Pensacola bringen würde, eine späte Mittagspause. Im Restaurant noch schnell ins Internet, eine Unterkunft für heute Abend gebucht, die letzten warmen Sachen ausgezogen da es nun angenehm warm wurde und so konnten wir die letzten Kilometer in sommerlichem Outfit entspannt zurücklegen. Die Brücke über die Pensacola Bay hatte zum Glück einen breiten Seitenstreifen auf dem wir sicher die lange Überfahrt machen konnten.

Bereit zur Überfahrt?

Bereit zur Überfahrt?

Der Schattenfahrer auf der Brücke.

Der Schattenfahrer auf der Brücke.

Die Tafel am Brückengeländer irritierte uns ein wenig: Wie sollten wir hier weiterkommen, falls wir einen Platten einfangen würden und das Flicken auf der Brücke offensichtlich unter Androhung von Busse nicht erlaubt war? Zum Glück hatten wir ja gestern das „Pannenkontingent“ schon ausgeschöpft und blieben heute davon verschont.

Was wäre wenn ....?

Was wäre wenn ….?

Die Fahrt durch die Altstadt von Pensacola brachte für uns eine angenehme Überraschung. Viele alte, sehr liebevoll gepflegte Häuser. Dazu perfektes Sonnenlicht, so dass alles in einem speziellen Glanz erschien. Die Stadt soll gemäss Wikipedia bereits 1559 gegründet worden sein und ist somit die erste Siedlung von Europäern auf dem Gebiet der heutigen USA.
Da wir das Hotel nur wenige Kilometer westlich der Altstadt gebucht hatten, konnten wir uns trotz tief stehender Sonne, wir haben ja seit heute auch Winterzeit, etwas Zeit für eine kleine Rundfahrt durch den „Historic District“ mit den Rädern nehmen. (Hier ein paar Bilder)

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Wir haben in Pensacola noch ein neues Strassenschild kennen gelernt.

Wir haben in Pensacola noch ein neues Strassenschild kennen gelernt.

Morgen wird dann ein „Schlüsseltag“, denn wir müssten bis um 5 Uhr die letzte Fähre von „Fort Morgan“ nach „Dauphin Island“ erreichen und zudem muss die Fähre auch noch fahren. Diese Fähre wird leider oft eingestellt, sei es wegen technischer Probleme oder wegen stärkeren Winden. Hoffen wir also das Morgen alles klappt. Sollte das aus irgend einem Grund nicht gehen, können wir New Orleans im geplanten Zeitraum nicht mehr erreichen und müssten die letzte Strecke per Mietwagen zurücklegen. Also drückt uns die Daumen und ich hoffe, dass ich euch morgen, Internetzugang vorausgesetzt, von unserer erfolgreichen Ankunft in „Dauphin Island“ berichten kann.
Euch allen einen guten Start in die neue Woche.

Fazit: Zuerst die Arbeit (Hyw98) und dann das Vergnügen (Altstadt Pensacola)

Übernachtung: Suburban Extendet Stay, Pensacola

Tag 19: (01.11.14) Panama City Beach – Fort Walton Beach

Distanz: 84 km / Gesamt: 1500.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 31 Min. / Durchschnitt 15.17 km/h

Ganzer Tag kalt (Morgen 9, Nachmittag 16 Grad, ), böiger Gegenwind mit 40 in Böen 60 km/h  GPS-Track

Gegenwind

Der heutige Tag lässt sich kurz in einem Wort zusammenfassen: Gegenwind.

– Tatsächlich viel Wind genau aus der Richtung, in die wir wollten
– Temperatursturz am Morgen nur 9 Grad (mit dem Wind fühlte es sich eher wie 3 Grad an)
– Heute hat uns der Pannenteufel eine Lektion erteilt.

Bereit den "Kampf" gegen Kälte und Wind aufzunehmen.

Bereit den „Kampf“ gegen Kälte und Wind aufzunehmen.

Wir sind heute extra früh aufgestanden, denn wir wussten aus dem Wetterbericht, nicht nur die Teilnehmer des IRONMAN Wettkampfs in Panama City Beach, sondern auch wir mussten uns auf sehr unangenehme Wetterverhältnisse einstellen. Schon die Kleiderauswahl erwies sich als nicht ganz einfach. Nach diversen Versuchen standen wir um 8 Uhr in der Montur „kurze Winterausfahrt an einem kühlen aber schönen Januartag“, startbereit vor dem Hotel.
Nun einfach alles ruhig angehen, Tritt für Tritt und sich mit dem Gegenwind langsam einpendeln. Der Start gelang gut und wir waren froh eine Trittkadenz gefunden zu haben, die uns nicht zu sehr anstrengte und trotzdem gegen den Wind 15 -17 km/h möglich machte. So fuhren wir auf der „98“ Richtung Westen. Kurz vor dem zweiten Stop entdeckten wir das Schild „Eden Garden State Park“. Das tönte für uns gut, konnten wir doch damit rechnen, zu mindestens eine warme Toilette und evtl. sogar einen kleinen Besucherraum zu finden, in dem wir uns aufwärmen konnten. Bei solchen Temperaturen unterwegs zu sein, empfinde ich als sehr anstrengend. Das grösste Problem für mich ist jedoch, dass ich trotz kalten Temperaturen durch die Anstrengung ins Schwitzen kommen, dadurch die Leibchen am Oberkörper feucht werden, was wiederum ein unangenehmes Kältegefühl auslöst.

In der Hoffnung uns aufwärmen zu können, haben wir am Parkeingang 4 Dollar Eintritt bezahlt.
Naja, so richtig toll war das dann nicht. Im Garten stand ein schönes Haus, draussen Bäume mit „spanisch Moos“ und viel Schatten im Park.

Haus im "Eden Garden SP"

Haus im „Eden Garden SP“

Nach einem kurzen Rundgang und Toilettenbesuch hatten wir genug gesehen und waren froh auf der „98“ zumindest nicht im Schatten fahren zu müssen.
Mittagspause legten wir in einem originellen Restaurant mit dem Namen „the caf“ ein. Wir genossen die besondere Atmosphäre und für einen Moment hatten wir fast das Gefühl, in Mexiko zu sein.

In Mexiko?

In Mexiko?

Frisch gestärkt ging es wieder auf die Strasse. Langsam hatte auch die Sonne ihre Kraft entfaltet und wir konnten immerhin gut 15 Grad messen.
Bald erreichten wir Destin. Ein hübsch herausgeputzter Ort, aber irgendwie unwirklich, nach all den vielen auch armen Gebieten die wir in den vergangenen Tagen gesehen hatten. Hier sah alles perfekt aus und zumindest die Fassaden machte einen tadellosen Eindruck.
Das ganze Gebiet das wir durchquerten schien erst einige Jahre alt zu sein. Da und dort wurde noch gebaut und die ermöglichte einen guten Einblick in die auch heute noch übliche „einfache Spanplattenbauweise“ mit der selbst im Jahr 2014 hier noch Häuser gebaut werden. Einfache Holzständerkonstruktionen, als Wände Pressholzplatten, darüber eine Plastikfolie als Schutz und zum Schluss einen schönen Putz aufgetragen. Fertig ist die (Alb-) Traumvilla. Wir wollen uns lieber nicht vorstellen, wie dieses Gebiet in 30-40 Jahren aussehen wird. „Minergie“ oder ähnliches ist hier mehr als nur ein Fremdwort.

Villen in allen Stielrichtungen

Villen in allen Stilrichtungen

Aber nur für "Auserwählte"

Aber nur für „Auserwählte“

Ohne Verputz ist die Bauweise sichtbar.

Ohne Verputz ist die Bauweise sichtbar.

Diese Parzelle ist noch zu haben. Intressenten können sich melden. Gegen Provision werden wir vermitteln. :-)

Diese Parzelle ist noch zu haben. Intressenten können sich melden. Gegen Provision werden wir vermitteln. 🙂

Auch dies kann gefallen.

Auch dies kann gefallen.

Eigentlich waren wir mit unserem Vorwärtskommen ganz zufrieden und als wir in Destin die Brücke hinüber nach Fort Walton befuhren, freuten wir uns schon auf einen frühen Feierabend. Als ich nach der Brücke einen Blick in den Rückspiegel machte, war sofort klar,dass Barbara ein Problem hatte. Tatsächlich, ihr Hinterreifen war PLATT! So ein Ärger! Bereits die ersten Pumpversuche machten klar, hier würde der grüne Superslime nicht mehr helfen. Also Rad ausgebaute und den Reifen inspiziert. Tatsächlich, wieder so ein kleiner Metallspiess wie ich ihn vor einigen Tagen auch mal hatte. Pinzette hervorgeholt, Übeltäter empfernt, neuen Schlauch eingesetzt, Rad wieder montiert und Gepäck aufgeladen. Während dem Gepäckladen stopte ein Auto bei uns am Strassenrand. „Wie gehts euch? Habt ihr Probleme?“ fragte ein freundlicher Mann um die 30. „Nein, danke, es ist alles ok. Wir haben soeben einen Platten geflickt und fahren jetzt weiter“ antworteten wir. „Na dann ist ja gut“ sagte er, „ich hab euch gesehen und wollte nur nachschauen, ob alles ok ist. Eine gute Fahrt!“ Er stieg ins Auto und fuhr in die Gegenrichtung davon. Der muss uns also auf der gegenüberliegenden Strassenseite gesehen haben, ist mangels Wendepunkt über die Brücke gefahren, hat dort irgendwo gewendet nur um zu uns zurückzukommen und seine Hilfe anzubieten. Solche Erlebnisse freuen uns immer wieder und wir frage uns, wie würden denn wir zu Hause reagieren? Thank’s für diese netten Gesten.

Auf der Brücke im Wind. (kurz danach der erste Platten)

Auf der Brücke im Wind. (kurz danach der erste Platten): Fahnen sagen mehr als Worte!

Nur noch 6 km. bis zum Hotel. Da kommt Freude auf! Trotz kaltem und zum Teil sehr heftigem Wind haben wir also das Ziel vor Augen. Nach nur 600 Meter Fahrt ruft Barbara hinter mir schon wieder „Hinterreifen ist platt“. Das gibt s doch nicht, fuhr es mir durch den Kopf. Also das Ganze nochmal! Wir hatten beide wirklich keine Lust mehr zumal wir an dieser Stelle dem kalten Wind schutzlos ausgeliefert waren. Es half nichts, wir musste dies Schlauch nochmals wechseln. Bevor der neue eingesetzt wurde, habe ich den Pneu nochmals sorgfältig nach möglichen Ursachen abgesucht. Tatsächlich, ich konnte nochmals eine kleines Metallstück spüren und mit der Pinzette entfernen. Wir nahmen also den letzten Schlauch aus unserem Vorrat und setzten diesen erfolgreich ein, so dass wir das Hotel nach einem anstrengenden Tag um halb sechs Uhr Abends erreichten.
Morgen gibts Programm nach Ansage. Es soll etwas weniger Wind haben und so hoffen wir, zumindest bis Pensacola zu kommen.

Fazit: Ein Supertag zum Kiten, Windsurfen, Segeln, aber Fahrradfahren? Wer kommt auf diese Idee?

Übernachtung: Best Western, Fort Walton Beach

Tag 18: (31.10.14) Ruhetag in Panama City Beach

sonnig aber stärkerer Wind aus Westen, am Nachmittag 21 Grad

meet the boss

Eigentlich gibt es von einem Ruhetag an der Beach nicht wirklich viel zu berichten. So auch bei uns. Es hiess ausschlafen, ausspannen, Wäsche machen, nächste Tage planen, Lesen, noch fehlende Blogberichte schreiben, am Strand windschattensuchen und sich dort hinlegen, im Pool etwas schwimmen, im Sprudelbad die Muskeln lockern und das war’s auch fast schon.

Aber nur fast. Heute haben sich die Routen von uns und meinem Bereichsleiter der mit seiner Frau per Wohnmobil die USA in West – Ost Richtung durchquert, gekreuzt. Vor einigen Monaten haben wir im Gespräch festgestellt, dass wir ja im Herbst 2014 zur gleichen Zeit in den USA unterwegs sind und fast entgegengesetzte Routen fahren. Folglich mussten sich diese Wege ja kreuzen und so haben wir uns unsere Reisefortschritte  gegenseitig mitgeteilt und konnten uns so heute treffen. Wir haben bei einem gemeinsamen Mittagessen eine gemütliche Zeit zusammen verbracht und wünschen an dieser Stelle Brigitte und Hans weiterhin eine gute Fahrt und noch schöne Tage in Florida. „was nice meeting you“

 

meet the boss

meet the boss at the beach

Tag 17: (30.10.14) Port st. Joe – Panama City Beach

Distanz: 92 km / Gesamt: 1416.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 31 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h

Morgen bedeckt und kalt (16 Grad, Bise), nachmittags 24 Grad, böiger Gegenwind
GPS-Track

cool down

Der Tag startete heute bereits mit einer für uns in letzter Zeit unwichtigen Frage: Was müssen wir anziehen um uns nicht wie auf einer „Spätherbstvelotour bei Ostwindlage im Schweizer Mittelland“ zu fühlen. Barbara machte da schon mal vieles richtig und setzte auf das „Zwiebelprinzip“, bei mir dauerte es etwas länger.
Es war sowieso kein gelungener Start in den neuen Tag. Für Barbara’s Geschmack bin ich heute zu spät aufgestanden, das Frühstück war mässig und als ich ihr nach exakter Ortsbestimmung unseres Hotels verkünden musste, dass es statt der vorausgesagten 78 km auch heute wieder 90 km werden würden, da sackte bei ihr die Stimmung und Motivation in den Keller.

Auf einer so langen und anstrengenden Reise gehören auch solche Momente dazu. Die körperlichen wie auch psychischen Anstrengungen fordern ab und zu eine Pause um die Batterien aufladen zu können. Aber dieser Tag ist erst morgen und so „müssen“ wir halt auch heute die Taschen wieder anschnallen, uns auf die Lieger setzen und losradeln. In solchen Momenten wissen wir beide, warum wir nie mit einem Tandem auf lange Reise gehen würden! So fährt jeder für sich, macht sich so seine Gedanken und die Schönheiten der Landschaft treten mal für einen Moment in den Hintergrund.

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Wir haben auf dieser Reise einen eigenen bestimmten Rhythmus für Toiletten-, Trink- und Dehnungspausen und dieser wird auch heute eingehalten. Beim ersten Stop musste ich tief in meine Satteltasche greifen und die warmen „Beinüberzieher“ sowie eine Jacke hervorholen, die ich eigentlich erst weiter im Westen für nötig erachtete. Aber im Moment zieht gerade eine Kaltluftfront bis tief in den Süden der USA und wird uns die nächsten drei Tage kühlere Temperaturen und vor allem auch kräftige Gegenwinde bescheren. Offenbar wollen die Wettergötter Barbara auf den letzten Tagen doch noch zeigen das hier nicht immer eitel Sonnenschein herrscht.

Wir kommen in "Touristengebiet". Restaurant in "Mexico Beach".

Wir kommen ins „Touristengebiet“. Restaurant in „Mexico Beach“.

Die Fahrt verlief soweit ganz gut, dem kühleren Wetter und der Stimmung sowie dem Wind mussten wir aber tempomässig Tribut zollen. Wieder durch lange Waldpartien und dann während 8 Meilen absolutes Fotografier- und Anhalteverbot. Wir fuhren entlang der „Tyndall Air Force Base“ und über uns kurvten und dröhnten verschiedene, zum Teil riesige Kampfjets auf ihren Trainingsrunden. (Nein dazu gibt es auch für die Aviatikfans keine Fotos. Wir wollten uns nicht mit den Jungs auf eine Diskussion über das Fotografierverbot einlassen. Vermutlich wurden wir als suspekte Radler sowieso auf dem ganzen Abschnitt mit Drohnen überwacht.)
Gegen Mittag war Panama City erreicht und wir wurden velofahrtechnisch nochmals richtig auf die Probe gestellt. Kein Seitenstreifen und eine zweispurige Strasse mit ziemlich rücksichtslosen Autofahrern. Das Trottoir, welches uns in solchen Fällen jeweils als „Notausgang“ zur Verfügung steht, war schlicht „unfahrbar“. Es bestand aus zerbrochenen, schief und krumm verlegten Betonplatten und mittendrin standen immer wieder Stromleitungsmasten oder Verkehrsschilder, so dass wir mit den Liegern zu breit waren. Also war nochmals volle Konzentration, selbstbewusstes Auftreten und Nervenstärke gefragt. Wir haben’s irgendwie geschafft und uns dann bei KFC am Lunchbuffet gestärkt. Mit dem Essen stieg die Stimmung und draussen machte die Sonne ihre Arbeit, so dass wir nach einem kühlen Morgen die wärmenden Sachen wieder ausziehen konnten. Dazu fanden wir auf dem Navi ganz in der Nähe einen „Fluchtweg“ von der Strasse 98 die hier wirklich kaum fahrbar ist. Über kleinere Seitenstrassen haben wir uns durch Panama City durchgearbeitet und kurz vor der grossen Brücke, die rüber nach Panama City Beach führt, meldet Barbara: „Platten hinten!“

Nebenstrasse in Panama City

Nebenstrasse in Panama City mit eigenem Seitenstreifen: Erholung pur nach Verkehrsstress

Also haben wir die Satteltaschen abgeladen, das Rad optisch kontrolliert aber nichts gefunden. Sie fuhr aber buchstäblich auf den Felgen. Sollen wir den Schlauch wechseln oder auf das grüne Wundermittel vertrauen, ob das Loch nach dem Aufpumpen wieder dicht wird? Wir setzten auf die zweite Variante und hatten Erfolg. Tatsächlich scheint der Schlauch wieder ok und wir schafften es ohne Probleme bis zum Hotel.

Die Luft nach steiler Brückenauffahrt bei Barbara zwar drausen aber der Hinterreifen hält dicht.

Die Luft nach steiler Brückenauffahrt bei Barbara zwar draussen aber der Hinterreifen hält dicht.

Bei der Einfahrt an der Hotelmeile stellten wir bald fest das dies hier einer dieser Retortenorte ist, wie sie überall auf der Welt an schönen Stränden hingestellt werden. Riesige Hotels, viele Restaurants und Souvenierläden, Fahrrad- und Mofavermietungen, Vergnügungsparks, schlicht Auswechselbarkeit.

Es gibt Tage, an denen steht einiges "Kopf"

Es gibt Tage, an denen steht einiges „Kopf“ (an der Einfahrt zur „Front Beach Road“)

Es offenbarte sich auch, woher unsere zusätzlichen 10 km in der Routenplanung kamen. Die Hotels an der „Beach Front Rd“ erstrecken sich auf mindestens 10 km. Wenn nun in der Grobplanung nur mal die Strasse als Ziel eingegeben wird, unser Hotel aber ganz am anderen Ende liegt, so kommen da halt einige Kilometer dazu. Aber weil die Sonne schien, es wieder warm und wir auf der „Zielgeraden“ waren, liessen wir uns nicht mehr stressen und fuhren die letzten 40 Min. gemütlich zum Hotel. Immer wieder wurden wir von sportlichen Rennradfahrern überholt. Einmal rief einer sogar „Grüäzi“. Da wurde mir klar, es muss hier am Wochenende der „Ironman Florida“ stattfinden. Mein Arbeitskollege Roger Kern hatte sich ja genau hier vor einem Jahr für den Wettkampf in Hawaii qualifiziert. Diesmal ist er aber nicht dabei und bereitet sich schon auf den Wettkampf in Hawaii vor. Wir müssen dann nach dem morgigen Ruhetag am Samstagmorgen einfach schauen, wie wir trotz für den Wettkampf abgesperrter Strassen wieder gut von hier wegkommen. Aber zuerst ist jetzt mal Pause!

Hier ist Auftanken angesagt. Sollte wohl klappen .-)

Hier ist Auftanken angesagt. Sollte wohl klappen 🙂

Ich weiss, ein weiteer kitschiger Sonnenuntergang. Schön finde ich es trotzdem.

Ich weiss, ein weiterer kitschiger Sonnenuntergang. Schön finde ich es trotzdem.

Übrigens: Weil wir heute trotz „kühlem Start“ wieder einen so guten gemeinsamen Rhythmus gefunden haben, haben uns die Amis doch tatsächlich die von mir „verpennte“ Stunde geschenkt! Ohne es zu bemerken sind wir in der „Central-Standard-Time-Zone“ angekommen und können so die Uhren um eine Stunde zurückstellen. (Aber nur bis Sonntag, dann endet auch hier die „Tageslichtsparzeit“ wie die Sommerzeit hier genannt wird.)
Übernachtung: Beachcomber by the Sea, Panama City Beach

Tag 16: (29.10.14) Panacea/Ochlockonee Bay – Port St. Joe

Distanz: 105 km / Gesamt: 1334.65 km / Fahrzeit: 5 Std. 27 Min. / Durchschnitt 19.2 km/h

neblig, ganzer Tag bedeckt, feucht, morgens 24 nachmittags 27 Grad, kaum Wind
GPS – Track

A hard day

Die vergangen Nacht im doch kleinen Zelt war unruhig und der Schlaf bei weiten nicht so erholsam, wie man sich das nach einer anstrengenden Etappe wünscht. Wir übten uns heute Nacht also im „synchron-schlafseiten-wechseln“ und der Disziplin „nicht von der Schlafmatte rutschen“. Ich muss gestehen, wir waren nicht wirklich erfolgreich. Seit mehr als 26 Jahren schlafen wir auf Campingplätzen grundsätzlich in Campingbussen oder Wohnmobilen und wir können euch auch erklären warum: Es schläft sich dort 1000 mal besser als in einem kleinen Zelt auf einer zu schmalen Matte!
Da ich aber auf dem Fahrrad keinen Wohnwagen hinter mir herziehen kann und ich damit gerechnet habe, auf der Reise ab und zu mal auf einem Campingplatz übernachten zu müssen, habe ich mir ein kleines, leichtes „2-er Zelt“ gekauft. Grundsätzlich nicht schlecht und mit 1.7kg. auch nicht zu schwer, aber eben, ein Zelt und dazu ein kleines und damit werde ich nie richtig glücklich werden.

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Nebelmorgen am Campingplatz: Gemütlichkeit sieht anders aus:

Irgendwann zeigte dann die Uhr, dass es nun langsam Morgen. Trotz zu wenig Schlaf sehnt man sich in solchen Momenten den Morgen herbei! Wir krochen also aus dem Zelt, ab unter die Dusche und bereit machen für einen neuen Tag. Wieder lag dichter Nebel über uns und das Zelt und alles was draussen war, war in der Nacht durch die hohe Luftfeuchtigkeit richtig nass geworden. So gut es ging, haben wir versucht die Sachen abzutrocknen und sauber einzupacken. Um 9 Uhr noch immer dichter Nebel. Wie in den letzten Tagen also noch zu gefährlich um loszufahren. So haben wir eine gute Stunde bei einer Tankstelle auf der anderen Strassenseite gewartet, etwas gegessen, mit einem Einheimischen geplaudert und etwas getrunken.

Unsere "Startrampe" heute morgen: Brücke über die "Ochlockonee Bay"

Unsere „Startrampe“ heute morgen: Brücke über die „Ochlockonee Bay“

Als sich der Nebel endlich soweit lichtete, das wir losfahren konnten, war es bereits wieder 10 Uhr und heute waren ja nochmals 105 km auf dem Programm. Also wieder, hohe Kadenz und Windschattenfahren. Heute lief das weniger flüssig als gestern. Den anstrengenden Tag mit den vielen Kilometern und der Hitze sowie die schlechte Nachtruhe hinterliessen in unseren Muskeln ihre Spuren. Zum ersten mal auf der Reise hatten wir am Morgen richtig „schwere“ Beine. Trotzdem versuchten wir so gut es ging möglichst 20 – 25 km zu Fahren, eine kurze Trink- und Essenspause einzulegen, die Muskeln zu dehnen und weiter zu fahren.
Bald schon kamen wir, nach einigen Tagen im Landesinneren, wieder an die Küste. Diesmal an die „Gulf Coast“. Das ist einer dieser Orte wo Hurrikan’s regelmässig auf Land treffen und oft viel Wasser und Wind mit sich bringen. Das schlägt sich auch in der Bauart der Häuser hier nieder. Wer am Wasser baut, verzichtet schon mal auf Keller und Erdgeschoss, da man diese sonst nur alle Jahre wieder auspumpen und reinigen müsste. Man verwendet hier eine jahrtausende alte Baumethode, die schon die Pfahlbauer am Bodensee entwickelten.

 

Pfahlbauern auf amerikanisch.

Pfahlbauer auf amerikanisch.

 

Eine weiter Variante.

Eine weiter Variante. Hübsch oder?

Ihr seht, es gibt also auch einige Sachen, welche die Amis vom alten Europa gelernt haben.
Die Fahrt heute eher unspektakulär. Oft fuhren wir der Küste entlang, oder in Waldschneisen, wie gehabt.

Fast ein bischen Bodensee?

Fast ein bisschen Bodensee?

An der Apalachiacola Bay

An der Apalachiacola Bay

Wie gesagt, die Beine waren heute schwer und wir waren froh das es heute zum ersten Mal auf der Reise fast den ganzen Tag bedeckt war. Die Temperatur war mit 27 Grad schon hoch genug, die Luftfeuchtigkeit hatte schon bald das Nivau „Sauna mit zu vielen Aufgüssen“ erreicht. Da hätte uns eine herunterbrennende Sonne wohl den Rest gegeben. Aber wie gesagt, es blieb bedeckt und auf der ca. 9 km langen Brücke über die „East Bay“ vor Apalachicola begann es dann auch noch zu Regnen. Abkühlung wie bestellt!

 

Wieder mal auflangen Brücken.

Wieder mal auf langen Brücken (… und die Oberschenkel brennen).

Apalachicola entpuppte sich im Zentrum als schmucker kleiner Ort mit schönen alten Häusern. Der Ort war gerade dabei sich besonders festlich zu schmücken, denn am kommenden Wochenende findet hier das bedeutendste „Seafood Festival“ in Florida statt. Tja, so lange können wir leider nicht bleiben und ihr müsst die Fische, Krebse, Muscheln und was hier in der Gegend noch so aus dem Meer gefangen wird halt selber essen.

Schnucke Häuser

Schmucke Häuser

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Die Frau von der örtlichen Post wollte unbedingt ein Foto von uns machen:  Hier ist es!

Die Frau von der örtlichen Post wollte unbedingt ein Foto von uns machen:
Hier ist es!

Apropos Essen: Heute haben wir uns hier einmal ein richtig gediegenes „Spätmittagessen“ im „Eulenkaffee“ gegönnt. Nicht zu vergleichen mit den immer gleichen geschmacklosen Sandwiches von der Tankstelle. Nein, heute wurde weiss gedeckt, die Stoffserviette hervorgeholt und feine Pasta serviert.

Vor der Paste natürlich einen gesunden Salat.

So sieht eine gediegene Radlerpause aus.

Wir hatten das nötig und wohl auch verdient, damit wir die verbleibenden 35 km noch gut über die Runden brachten. Nun haben wir s geschafft, sind wieder auf Kurs und werden Morgen mit knapp 80 km wieder einen ruhigeren Tag haben. Und übermorgen? RUHETAG! Wir freuen uns darauf.

Macht übrigens Spass! Mit dem Liegerad auf dem Hotelflur zum Zimmer fahren :-)

Macht übrigens Spass!
Mit dem Liegerad auf dem Hotelflur zum Zimmer fahren 🙂

Fazit: It was a hard day!

Übernachtung: Mainstay Suites, Port St. Joe

Tag 15: (28.10.14) Perry – Panacea /Ochlockonee Bay

Distanz: 137.8 km / Gesamt: 1229.65 km / Fahrzeit: 6 Std. 54 Min. / Durchschnitt 20.0 km/h :-))

sonnig, morgens 18 nachmittags 30 Grad, kaum Wind, GPS-Track inkl. Umweg!

Extra-MILES4KOKOU

Heute sind wir früh aufgestanden, denn gemäss Routenplanung stand uns heute eine Etappe von 105 km. bevor. Im Wissen das die Kilometer, die wir nach 13.00 Uhr abspulen, wegen der Hitze jeweils fast doppelt so anstrengend sind, wollten wir früh losfahren. Aber auch heute wieder NEBEL! Schlicht zu gefährlich bei diesen Bedingungen zu starten. Das wir gut gesehen werden ist für uns überlebenswichtig! Also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und uns nochmals für eine Stunde ins Bett gelegt. Energie auftanken kann ja nicht schaden. Um halb zehn schafft es die Sonne, den Nebel langsam zu „verbrennen“ und die Sicht ist so gut, dass wir starten können.

Der Wasserturm von Perry taucht aus dem Nebel auf. Zeit um loszufahren.

Der Wasserturm von Perry taucht aus dem Nebel auf. Zeit um loszufahren.

Routenwahl? Kein Problem, immer gerade aus! So sind wir aus Perry raus gefahren und nach etwa drei Kilometer kam mir noch der Gedanke, ob wir wohl auf der richtigen Strasse sind? Gedanken kommen und gehen. So auch dieser. Was soll an der Strasse schon falsch sein. Wir radelten unbekümmert weiter und schlugen ein gutes Tempo an. Der „A-Train“ (Artho – Zug) war in voller Fahrt. Im morgendlichen Übermut ständig 23 – 24 km auf dem Tacho, da kommt Freude auf.

The "A-Train"

The „A-Train“

Nach etwa 30 km legten wir einen ersten Verpflegungsstop ein. Trinken, was kleines Essen, Muskeln dehnen. Das übliche Programm. Spasseshalber frage ich Barbara, „soll ich mal auf dem Handy überprüfen, ob wir überhaupt auf der richtigen Strasse fahren?“ Nehme mein Handy hervor und: Schock! Wir fahren seit dem Start in Perry auf der Strasse nach Tallahassee, also zu weit nördlich. Genau in diese Gegend wollte ich nicht!

Nein, es darf doch nicht wahr sein!

Nein, es darf doch nicht wahr sein!

Erstens sind dort die Strassen für Radler schlecht und zweitens entgeht uns ein toller Teil der „Gulf Coast“. Es dauerte einen Moment bis ich begriff, dass ich bereits ein zweites mal auf der Tour navigatorisch einen „Riesenbock“ geschossen hatte. Recht schnell war klar, zurück ist keine Alternative. Da sowohl für heute und auch Morgen Etappen über 100 km geplant waren, konnte dieser Umweg das ganze Konzept durcheinander bringen und uns allenfalls gar den geplanten Ruhetag in Panama City Beach zunichte machen.
In Sekundenbruchteilen durchlief ich das ganze „SARAH-Prinzip“ das Psychologen für die Bewältigung von unerwarteten Ereignissen als Grundmuster definiert haben und das wohl jeder in einen Firmenkurs zum Thema „Umgang mit Veränderungen“ in den letzten Jahren mal gehört, wenn das Management der Belegschaft mal wieder einen Kurswechsel schmackhaft machen wollte.
Die Buchstaben SARAH stehen ja bekanntlich für die 5 Phasen, wie wir Menschen mit unerwarteten Ereignissen umgehen. Das war heute bei mir exemplarisch der Fall:
S = surprise = Überraschung = genau so war es!
A = anger = Wut = ja das hatte ich, und nicht zu wenig
R = resistance = Wiederstand, nicht wahr haben wollen = das wollte ich, aber GPS war gnadenlos
A = acceptance = Akzeptieren = was blieb mir anderes übrig
H = hope = Hoffnung = Die kam mit einem neuen Routenvorschlag auf den (Handy-) Navi

Also, wenn wir noch etwa 15 km weiterfuhren, dann auf kleinen Nebenstrassen nach Süden abbogen, konnten wir wieder auf die ursprünglich geplante Route stossen. Es würde die heuteige Etappe um etwa 30 zusätzliche Kilometer verlängern. Da haben wir an die vielen „Miles4Kokou“ Sponsor_innen gedacht und wie dringend Elisabeth und Kokou auf jeden Beitrag angewiesen sind und die Entscheidung war klar. Wir radeln heute unseren „Supertag“ und machen diesen Umweg, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.
Es ging auf kleinen sehr ruhigen Nebenstrassen Richtung Süden. Viel Farmland, das aus dem Waldgebiet gerodet wurde.

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Auf Umwegen: Fast ein bisschen wie bei uns „über Land“.

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Autofreier Sonntag!!! 🙂 Wer weiss noch wie das war?

Zum Glück kaum Verkehr und Barbara rief einmal: „Wie an einem Autofreien Sonntag“. (Sorry, alle die nach den 70er geboren sind, haben diese tolle Erfahrung leider nicht mehr machen können. Da konnte man am Sonntag auf der Autobahn mit den Velos fahren!!! Wär doch mal wieder Zeit für so was, oder?) Genauso wie damals fühlten wir uns. Die Strasse für uns, die Sonne von oben und noch viele Meilen vor uns.

Endlich: Zurück auf der 98. Von Perry kamen wir, nach Newport wollten wir.

Endlich: Zurück auf der 98.
Von Perry kamen wir, nach Newport wollten wir.

Der Rest des Tages, unspektakulär. Da wir soviele km machten, wollten wir uns heute statt des geplanten Campingplatzes ein Motel gönnen. Doch das einzige im Ort war voll besetzt, also nochmals 7 km bis zum Fluss und um 18.30h fuhren wir kurz vor Sonnenuntergang endlich auf den Campingplatz.

Das haben sie heute ganz schön gemacht.

Das haben sie heute ganz schön gemacht.

 

Die Rezeption war schon geschlossen. Schnell Moskitospray eingesetzt, das Zelt aufgestellt und noch etwas aus unserem Vorrat gegessen. Anschliessen einen ersten Blogentwurf ins iPad getippt, abschicken klappt mangels Internetzugeng heute nicht mehr. Also deshalb für euch liebe Blogleser-innen:

Morgen zwei auf einen Streich: Gute Nacht!

Fazit: Im Zeitalter von GPS Handys dem inneren Kompass zu vertrauen ist zumindest auf einem Fahrrad unvernünftig! Für Elisabeth und Kokou ist aber jede Zusatzmeile etwas wert 🙂

Übertnachtung: Holiday Campground, Panacea

Tag 14: (27.10.14) Cross City – Perry

Distanz: 74.00 km / Gesamt: 1091.85 km / Fahrzeit: 3 Std. 33 Min. / Durchschnitt 20.8 km/h

sonnig, morgens 18 nachmittags 30 Grad, kaum Wind (GPS-Strecke)

Alte Zeiten

Heute lag wieder einmal Nebel über der Stadt, als wir uns langsam auf den Weg machen wollten.

Morgens um halb 9.

Morgens um halb 9.

Zum Glück hatten wir heute nur eine kürzere und flache Etappe vor uns, so dass wir mit der Abfahrt etwas warten konnten, bis sich der Nebel gelichtet hatte. Als wir so gemütlich die Räder startklar machten, kam ein Zimmernachbar und fragte wiedereinmal nach dem „woher und wohin“. Ich musste mich richtig konzentrieren ihn zu verstehen, denn in dieser Gegend wird die Aussprache, auch für geübte USA Reisende, langsam aber sicher schwierig zu verstehen. Als ich ihm sagte, wir seien unterwegs nach New Orleans entgegnete er: „Da müsst ihr zuerst einmal lernen, wie man das ausspricht. Das heisst nicht New Orleans sondern N’arlins“. Alles klar?
Die Fahrt begann verheissungsvoll auf einem separaten Fahrradtrail und als wir gerade  einen guten Rhythmus aufgenommen hatten, kam mitten im Nirgendwo das abrupte Ende. Bei der letzten Kreuzung kein Hinweis das wir nun in eine Sackgasse fahren würden.

Nicht wirklich motivierend am Morgen.

Nicht wirklich motivierend am Morgen.

Also Räder umgedreht und wieder einen Kilometer zurückgefahren. Von nun an ging es auf dem Seitenstreifen der Strasse 27 oder 19 oder 98 entlang. Es spielt keine Rollewelche Nr. man wählt, denn diese Strasse trägt alle drei Bezeichnungen gleichzeitig.

1 Strasse = 3 Bezeichnungen

1 Strasse = 3 Bezeichnungen

Die Fahrt war ziemlich ereignislos. Wie schon gestern fuhren wird durch eine grosse Waldschneise, in der Regel geradeaus, alle paar Kilometer mal eine kleine Richtungsänderung und das war’s denn auch schon. Nach gut 25 km sahen wir in Johnesboro eine kleine Ansammlung von Häusern im angrenzenden Wald verstreut, an der Strasse eine Tankstelle mit Shop.

Schmucke Kirche am Strassenrand

Schmucke Kirche am Strassenrand

Das war perfekt um die Getränke und Verpflegung aufzustocken. Auf dem Vorplatz trafen wir auf einen anderen Radfahrer. Er war mit einem Fahrrad mit Starrlauf und ohne Gangschaltung unterwegs, hatte auf dem Gepäckträger eine Kiste und am Rücken ein alter Rucksack mit Aluminiumgestell aus den 70er. Wir plauderten kurz zusammen und er erzählte, dass er von Alabama aus auf dem Weg nach Key West sei. Er arbeite dort im Winter jeweils auf Schiffen als Fischer oder auch in Bootswerkstätten. So pendelt er hin und her und fährt jeweils im Frühjahr mit dem Rad zurück nach Alabama zu seinem Sommerjob. Wir konnten nicht erfahren ob er dies aus purer Freude so machte oder aus finanziellen Überlegungen. Auf jeden Fall wirkte er sehr entspannt und mit sich und der Welt zufrieden. Ich habe ganz vergessen ihn um ein gemeinsames Foto zu bitten und schon war er weg. Ein Wanderarbeiter wie in alten Zeiten, der sich aufmacht, neue Arbeit zu suchen.

Da fährt er, auf der Suche nach Arbeit.

Da fährt er, auf der Suche nach Arbeit.

Wir fuhren weiter und kamen zügig voran. Nichts was uns ablenkte. Nichts als Wald links und rechts, Autos und Lastwagen die an uns vorbeirauschten und alle paar Minuten ein Holztransporter, die mit zum Teil abenteuerlich geladenen Holzstämmen an uns vorbei donnerten. In dieser Gegend hat die Forstwirtschaft eine grosse Bedeutung.

Laut, schnell und manchmal sehr nah!

Laut, schnell und manchmal sehr nah!

Wir warteten auf die nächste, in der Karte verzeichnete Ortschaft „Salem“. Dort wollten wir nochmals einen Halt einlegen und kühle Getränke nachladen. Doch nach dem Ortsschild sahen wir nicht mehr als verlassene Häuser und Motels. Offenbar hat dieser Ort in den letzten Jahren seine Existenzgrundlage verloren. Die Autos fahren heute oft weiter nördlich auf den schnelleren Autobahnen quer durch’s Land. Wer hier durchfährt sieht offenbar keinen Grund mehr anzuhalten. Die Autos sind in den letzten 30 Jahren immer besser und die Reichweite grösser geworden, warum also in Salem einen Stop einlegen?
Der Besitzer des Motels musste das wohl auch eines Tages einsehen. Als wir so durch das verlassene Motel streiften dachte ich mir, wie das wohl gewesen ist, als der Besitzer von hier fortging? Hat er die Zimmer damals überhaupt abgeschlossen? Es kam ja sowieso niemand mehr. Die Buchstaben mit denen früher ein besonderer Rabatt oder das Frühstück auf der „Stecktafel“ am Strassenrand angekündigt wurden, lagen nutzlos unter dem Vordach und langsam nahm die Natur diesen Platz wieder für sich ein.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

old times

old times

Hier einige Bilder des Motels welches seine guten Zeiten schon lange hinter sich hat.

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Ja vieles in dieser Gegend erinnert an längst vergangene Zeiten. Die alten Restaurants, sofern sie nicht zu den internationalen Fast Food Ketten gehören, die viele ärmlichen Häuser die oft etwas schief und mit Blechdächern bedeckt am Wegrand stehen, bis zu den Menschen, ihren Frisuren und der Kleidung. Hier im tiefen Süden der USA scheint die Zeit manchmal in den 70er stehen geblieben zu sein.

Perry, wo wir übernachten, ist ein regionales Zentrum in dem es wieder viele Geschäfte, Fast Food Restaurants, Motels etc gibt.

Perry: Willkommen im hier und jetzt.

Perry: Willkommen im hier und jetzt.

Die nächsten zwei Tage heisst es dann nochmals „Meilen machen“ um dann an der Golfküste in der Gegend von Port St. Joe wieder in dichter besiedeltes Gebiet zu kommen. Dann gibte es wieder mehr Übernachtungsmöglichkeiten um die Etappen flexibler gestalten zu können.

Fazit: Heute fuhren wir nicht nur fast ausschliesslich durch den Wald, sondern haben uns auch ein bisschen auf eine Zeitreise begeben.

Übernachtung: Days Inn, Perry

Tag 13: (26.10.14) Gainesville – Cross City

Distanz: 84.63 km / Gesamt: 1017.85 km / Fahrzeit: 4 Std. 39 Min. / Durchschnitt 18.1 km/h

sonnig, morgens kühl, 16 nachmittags 28 Grad, kaum Wind

Zum ersten Mal!

Heute haben wir viele „zum ersten Mal“ erlebt.
Zum ersten Mal sind wir heute bei Mc Donalds gewesen.
Zum ersten Mal haben wir unterwegs einen Reifenwechsel machen müssen.
Zum ersten Mal haben wir auf einer Fahrradtour die 1000 km Marke geknackt.

Bereits gestern auf dem Gainesville-Trail bemerkte ich, das bei meinem Vorderrad der Reifendruck nachgelassen hatte. Nicht weiter schlimm, das war schon mal in Miami Beach so und nach ein paar kräftigen Stössen mit der Pumpe hat der Reifen einige hundert Kilometer dicht gehalten. Aber heute Morgen war klar, die von uns in die Reifen eingefüllte grüne „Dichtungsflüssigkeit“ konnte diesmal den Luftverlust nicht mehr genügend unterbinden. Deshalb als Frühsport heute mal „plattenflicken“ im Hotelzimmer. Der Übeltäter war bald gefunden. Ein ganz fieses, dünnes aber sehr spitzes Drahtstück hatte sich durch den von der Firma „Schwalbe“ so hoch gelobten „unplattbaren“ Reifen gebohrt.

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Der Reifenkiller!

Dabei hatte er auch den Schlauch ziemlich grosszügig aufgeschnitten, so dass die Dichtungsmasse statt das Loch abzudichten, ausfloss. Ich war also schon am Morgen mit einer ziemlichen „Sauerei“ konfrontiert aber versuchte trotzdem den Schlauch am Leben zu erhalten, denn die Reise ist noch weit und Ersatzschläuche für meine Reifengrösse sind hier nicht einfach aufzutreiben.
@ Markus von „Fateba“: Ich hoffe du hast in der Zwischenzeit Nachschub bekommen, falls du mir welche rüberschicken musst 😉
Also Flicken drauf, aufgepumpt, Satteltaschen auf die Pferde und los.

startklar

startklar

Ja, ohne Frühstück. Wir waren in einem dieser lausigen Motels, die dir am Morgen nur einen abgestandenen Kaffee aus einer Thermoskanne anbieten. Also liessen wir es gleich bleiben und besorgen uns beim nächsten „Food Store“ etwas für den Start in den neuen Radlertag. In Gainesville ist mit der „Universityt of Florida“ eine der grössten UNI’s der USA zu Hause. Das UNI Gelände ist riesig, wie eine eigene Stadt. Da heute Sonntag nicht viel los war hatten wir eine ruhige Fahrt auf den „UNI-Strassen“. Kaum Autos unterwegs, nur die „University Police“ fuhr mit ihrem Streiffenwagen eine Runde. Ja, sogar eine eigene Polizei gibt es auf dem Gelände. Wir hatten richtig spekuliert und einen schönen, sonnigen Platz entdeckt, wo wir an diesem sonnigen, aber noch kühlen morgen unser Frühstück geniessen konnten.

Hätten wir gewusst, was gerade auf uns wartete, wir hätten zusätzlich noch mindestens einen „Snickers“ verdrückt. Kaum waren wir auf der Ausfallstrasse, ging es los: Hügel rauf und wieder runter, Hügel rauf und wieder runter, ….. und diesmal reden wir nicht von „Bodenwellen“ sondern von diesen kurzen, aber knackigen Anstiegen die lange genug sind, dass du mit dem Schwung der vorangegangenen Abfahrt die Gegensteigung max zu einem Drittel schaffst. Der Rest ist pure Kraftanstrengung. Dies ging einige Kilometer so weiter und als es langsam weniger Hügel wurden, leuchtete uns ein gelbes „M“ entgegen. Barbara begann hinter mir mit ihrer „Papageienhupe“ wie wild zu quicken. Das ist für mich ein sicheres Zeichen, dass ich anhalten muss, da es sich offenbar um ein Notfall handelt. „Fahren wir zum Mäc?“ rief sie von hinten und das machte die Sache nur noch ernster. Wer sie kennt weiss, dass sie nicht unbedingt auf diese Kette mit dem gelben „M“ steht, aber wenn das ihr Wunsch war, so musste sie schon ziemlich am „Anschlag“ sein. Also rechts raus, bei „M“ rein und mal kühle Kalorien reinschütten. Es gab wirklich gute  Frappes, es hatte einen sauberen „Bathroom“ (so nennt man die Toilette, auch wenn man dort nicht wirklich badet) und die Fahrräder konnten wir durch die Scheiben im Blick behalten. „A perfect place.“

Rettung beim grossen M

Rettung beim grossen M

Danach wurde es zum Glück immer flacher und wir kamen in einen guten Rhythmus. In Newberry, einem kleinen verschlafenen Nest, entdeckten wir dann auch das Spielzeug der „Jungs“ in dieser Gegend. Da es hier offensichtlich genügend Schlamm und Matsch gibt, bauen sie Fahrzeuge um genau auf diesem Untergrund „Rennen“ durchführen zu können. Dies offenbar bevorzugt am Wochenende, denn heute kamen uns viele solcher Monster auf Anhängern entgegen.

Newberry hat sich für Halloween herausgeputzt.

Newberry hat sich für Halloween herausgeputzt.

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„Spielzeug“ für grosse Jungs

Ansonsten viel geradeaus, auf Stassen die in breiten Schneisen schnurgerade durch Wälder führten. Leider war der frische Duft von Baumharz nur allzuoft vom Verwesungsgestank der vielen überfahrenen Tiere überdeckt.

Immer geradeaus!

Immer geradeaus!

Kilometer um Kilometer spulten wir ab. Meist nach 20 km legen wir einen Stop ein, trinken oder essen etwas und dehnen unsere Muskeln, damit wir für die nächste Etappe wieder fit sind.

Für Robyn: Ich habe heute extra für dich nochmals einen Vogel aufgenommen: Einen "Sommervogel",

Für Robyn: Ich habe heute extra für dich nochmals einen Vogel aufgenommen: Einen „Sommervogel“,

Bald mussten wir jedoch einen unplanmässigen Stop einlegen. Mein Reifenflick vom Morgen hatte nicht gehalten. Ein schwammiges Fahrgefühl machte sich bemerkbar und bei der Kontrolle war klar, der Schlauch muss gewechselt werden.

Dauerte noch 15 Min. Das kann noch verbessert werden!

Dauerte noch 15 Min. Das kann noch verbessert werden!

Nach 975 km bin ich zufrieden. Wenn dies die Kadenz der Reiffenpannen ist, so kann ich nicht klagen.
Bald nach dem Reifenwechsel galt die besondere Aufmerksamkeit dem Gesammtkilometerzähler und kurz nach Überquerung des Suwannee River war es soweit. Die ersten 1000 km der Tour waren vollendet!

1000 km geschafft!!!

1000 km geschafft!!!

 

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Willkommen in der Heimat der „Dixy Music“.

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Also anhalten, Erinnerungsfoto machen und ein bischen stolz sein, dass es bis jetzt so gut geklappt hat. Während wir so am Strassenrand stehen und uns freuen stopt ein Auto gleich neben uns und ein Mann um die 60 steigt aus. „Seit ihr Langstreckenfahrer“ will er wissen? „Ja“ antworten wir und dass wir uns gerade über den ersten 1000er freuen. Er hätte sich das gedacht, sagte er. Er sei vorhin an uns vorbeigefahren und da er auf der Internetplatform „Warmshowers“ Übernachtungsmöglichkeiten für Radfahrer anbiete, sei er umgekehrt und wollte nun wissen, ob wir für heute Nacht schon ein Schlafplatz hätten, sonst könnten wir gerne zu ihm kommen und ob wir „Warmsohwers“ kennen? Wir erklärtem ihm, dass wir selber Gastgeber bei „Warmshowers“ sind, für heute aber ein Motel gebucht haben. Wir plauderten noch eine Weile zusammen am Strassenrand und er fragte nach unserer Adresse, falls er es doch einmal noch schaffe in die Schweiz zu kommen. Wir gaben ihm unsere Visitenkarte, so kann er uns auf „Warmsohwers“ finden. Er verabschiedete sich und wünschte uns, wie schon so viele zuvor, eine sichere Reise. Wir finden es wirklich bemerkenswert, das er extra umgekehrt und zu uns zurückgefahren ist, nur um uns bei sich einen Schlafplatz anbieten zu können.

Die letzten 17 km verliefen problemlos und wir checkten im „Carriage Inn“. Da unsere Pferdchen im Zimmer keinen Platz fanden, stellte uns das nette Besitzerpaar die abschliessbare Wäscherei und den Werkraum zur Verfügung.
Nebenan gab’s dann in einem urigen „Dixi Dinner“ noch etwas zu essen und jetzt heisst es: Gute Nacht!

"Gute Nacht John Boy" (wer von euch kennt noch die "Waltons" aus der Fernsehserie der späten 60er?)

„Gute Nacht John Boy“ (wer von euch kennt noch die „Waltons“ aus der Fernsehserie der späten 60er?)

Fazit: heute keines

Wichtiger Hinweis:
Liebe Arbeitskollegen, da ihr morgen Montag ohne mich ans Oktoberfest geht wünsche ich euch schon mal „Prost“ und passt auf euch auf. Es ist wichtig in allen Lebenslagen immer das richtige „Mass“ zu finden 😉

Tag 12: (25.10.14) Silver Springs – Gainesville

Distanz: 78.95 km / Gesamt: 933.22 km / Fahrzeit: 4 Std. 52 Min. / Durchschnitt 16.2 km/h

sonnig, morgens kühl, 16 nachmittags 28 Grad, bereits am Vormittag zunehmende stärkerer Wind aus Norden, hat uns bis Hathrow zügig eingebremst (siehe Durchschnittsgeschwindigkeit)  GPS-Track

A green ride!

Da bei der gestrigen Hotelübernachtung kein Frühstück inbegriffen war, stärkten wir uns heute im „Denys“, einem in den ganzen USA weit verbreiteten „Family Restaurant“. Wer sich als Europäer denkt, ein Frühstück zu bestellen könne doch nicht so kompliziert sein, hat sich getäuscht. Was hier unter der Abteilung „Breakfast“ aufgelistet ist, ist schon erstaunlich. Steaks scheinen ein übliches Frühstück zu sein. Dazu natürlich Pancake’s, Omletts, Speck, Würstchen und Eier in allen möglichen und uns für uns oft auch etwas gewöhnungsbedürftigen Varianten. Wenn man sich dann mal für eine Frühstücksvariante entschieden hat und selbstbewusst darauf wartet das die Kellnerin die Bestellung aufnimmt, wird einem genau beim Bestellvorgang klar, das man die Ami’s noch immer nicht versteht. Die Frage der Kellnerin lautet nämlich: „Wie hätten sie die Eier den gerne gekocht?“ Was für eine Frage denkt sich der Europäer, auf dem Bild in der Speisekarte waren doch Spiegeleier abgebildet. Sagt jetzt einfach nicht „mirror eggs“, damit würdet ihr euch komplett unmöglich machen. Es stehen nämlich folgende Varianten zur Auswahl: „scrambled eggs“ kann man noch verstehen und sind Rühreier, „upside down“ bedeutet, das der Koch mit einem Spiegelei beginnt, das aber nach der halben Kochzeit in der Pfanne umdreht, also nur wenig bis kein flüssiges Eigelb mehr übrig bleibt das Ei dafür auf beiden Seiten von Eiweiss umhüllt ist. Dann gibt

Das Frühstück muss abgearbeitet werden!

Das Frühstück muss abgearbeitet werden!

es auch noch die Variante „sunny side up“, was unserem Spiegelei entspricht und wenn man „over easy“ bestellt, dann ist das wie ein Spiegelei, dass aber über dem Eigelb noch eine dünne Schicht Eiweiss hat. Das Eigelb dazwischen ist im Gegensatz zum „upside down“ noch flüssig. Alles klar? Wir wollten ja nur ein Frühstücksei bestellen.
Wenn man wie wir schon einige Tage in den USA unterwegs ist und sich auf die neuen Begebenheiten einlässt, kann man sich ein solche Frühstück durchaus schmecken lassen, vorausgesetzt, man hat an diesem Tag vor, durch gewisse sportliche Aktivitäten einige dieser Kalorien gleich wieder zu verbrennen. Wer das nicht vorhat und auf seine Figur achten will: Finger weg vom amerikanischen Breakfest!
Bei mir lag dann heute Morgen folgendes auf dem Teller: 2 Spiegeleier, zwei Stück Speck, 2 Würstchen, zwei in Butter gebratene, dicke Scheiben Toast die mit Traubenzucker bestreut waren und ein Topf Ahornsirup. Ich habe es gegessen, genossen und wieder abgestrampelt. Aber an abnehmen ist so aber sicher nicht zu denken 😦
Auch heute war unser Routenplan relativ einfach. Zuerst knapp 50 km genau Richtung Norden bis Hawthorne und dort links auf den „Hawthorne – Gainesville Trail“ einbiegen und die 26 km auf dem Trail geniessen.

Nach 870 km durch den "Orangensstaat" Florida konnten wir heute zum ertsen mal frisch gepressten Orangensaft genossen.

Nach 870 km durch den „Orangensstaat“ Florida konnten wir heute zum ersten mal frisch gepressten Orangensaft geniessen.

Bevor wir in den Trail abbogen, mussten wir uns zur Stärkung etwas zu Essen besorgen. Barbara wartete auf einem Parkplatz bei den Fahhrrädern, während ich mich auf im Tankstellenshop nebenan auf die Suche nach geeigneten Kalorien und Ballaststoffen machte. Als ich etwas später zum Parkplatz zurückkehrte, war Barbara schon im Gespräch mit einem Herrn, der ihr zum Abschied auch noch einen „Flyer“ seiner Kirche in die Hand drückte und sie herzlich zum nächsten Gottesdienst einlud. Marketing an jeder Ecke.

Robyn, du hast ja im Kommentar nach Vögeln gefragt. Diesen haben wir Heute nur für dich aufgenommen! Grüässli Götti und Gotti.

Robyn, du hast ja im Kommentar nach Vögeln gefragt. Diesen haben wir heute extra für dich aufgenommen! Grüässli Götti und Gotti.

Über den Trail nach Gainesville, der nur für Pferde, Fussgänger und Radfahrer geöffnet ist, habe ich schon im Vorfeld der Reise in verschiedenen Blog’s gelesen und freute mich auf diesen Abschnitt ganz besonders. 26 km ohne brummende Motoren die von hinten heranbrausen, nebeneinander fahren und plaudern, dazu durch einen „1000 Wunderwald“ mit Bäumen und Moorlandschaften wie aus einem Märchen radeln, was will man mehr. Wir haben diese Fahrt sehr genossen.

 

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Links und…

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rechts vom Trail. Fantastische Wasserlandschaft.

Fahrradfreude pur!

Fahrradfreude pur!

Bei jedem Stop bei dem wir diese wunderbare Landschaft, die sich uns auch noch im besten Licht präsentierte, bewunderten, bekamen wir auch Besuch von den Mücken. Also schnell den Mückenspray hervorgeholt, aufgetragen und festgestellt, dass die Mücken nicht wirklich verstanden haben, was auf der Spraydose versprochen wurde. Sie sollten uns in Ruhe lassen! Also sind die Stops bis auf die Foto und Filmaufnahmen eher kurz ausgefallen. Um euch aber einen Eindruck von diesem Trail zu geben, haben wir uns aber trotz Mückenattaken mit einem Lächeln in Pose gestellt! Wir hoffen ihr wisst das zu schätzen 🙂

Sieht doch trotz Mückenangriffen recht entspannt aus, oder?

Sieht doch trotz Mückenangriffen recht entspannt aus, oder?

Das war`s dann auch schon fast für heute. Zum Glück war der Pool im Motel nicht geschlossen, obwohl er wahrscheinlich auch eine gründliche Reinigung vertragen könnte. Also nur ein kurzes Schwimmen, Dehnen und dann im Zimmer unter die Dusche.

Fazit: Der Abschnitt von Hawthorne bis Gainesville war wirklich besonders schön. Grün und Natur pur. Wir haben die Fahrt genossen und konnten unterwegs Barbara’s „Halbzeit“ feieren. Sie hat nun schon über die Hälfte auf dem Weg nach New Orleans hinter sich gebracht. SUPER!
Wir freuen uns auf die Zweite.

An dieser Stelle mal ein Wort zu euren Kommentaren bzw. privaten Mails an uns: Ihr wisst gar nicht wieviel diese uns bedeuten und wie motivierend es für uns ist zu lesen, dass euch unsere Geschichten aus der „neuen Welt“ unterhalten, Spass machen, den Alltag versüssen etc. Da wir bereits viel Zeit ins Radeln, Fotografieren und Blogschreiben investieren, können wir die einzelnen Kommentare nicht auch noch verdanken oder speziell beantworten. Deshalb hier mal an euch alle: DANKE, es macht echt Freude zu sehen, dass es euch gefällt. Bis Morgen!
Übernachtung: Gainesville Lodge, Gainesville

 

 

 

 

Tag 11: (24.10.14) Orange City – Silver Springs

Distanz: 102.29 km / Gesamt: 854.26 / Fahrzeit: 5 Std. 39 Min. / Durchschnitt 18.0 km/h

sonnig, morgens kühl, 16, nachmittags 30 Grad, leichter Wind, wechselnde Richtung
gps – Track

Kein Bad heute 😦

Wir hatten für heute Abend ein Motel in Silver Springs reserviert. Das heisst also, etwa 100 km bis zum Motel mit dem kühlen Pool. Schon am Morgen freuen wir uns darauf.
Die Fahrt aus Orange City heraus war nicht ganz einfach, aber wir fanden eine schöne Route, die uns über verschiedene Quartierstrassen aus der Stadt hinaus führte.

Rolling hills, da wir der Puls am Morgen schon mal auf  Betriebstemparatur gebracht.

Rolling Hills, da wird der Puls am Morgen schon mal auf Betriebstemperatur gebracht.

Hier macht "morgenradeln" Spass.

So macht „morgenradeln“ Spass.

Es war noch etwas kühl und so kamen zum ersten mal auf der Tour die Windstopperjacken und langen Ärmel zum Einsatz. Weiter ging es auf einer Parallelstrasse zum Highway, auf der kaum Verkehr herrschte und auf der wir die Fahrt richtig geniessen konnten. Nach den letzten Tagen an denen wir oft mit starkem Verkehr zu kämpfen hatten, war dies die reinste Erhohlungstour. Nach gut 38 km. hatten wir die letzte Kreuzung für den heutigen Tag erreicht. Jetzt hiess es nur noch links abbiegen und 62 km Geradeaus auf dem Highway 40 und schon sind wir am Ziel.
Genau an dieser letzten Kreuzung sind wir auf eine kuriose Verkaufsbude gestossen. Ein Chaos in dem sich wohl nicht einmal das Genie zurechtfindet. Tausende Tontöpfe, Skulpturen, Metallfiguren, dazu wurde auch Honig, Früchte und Gemüse verkauft. Er blieb uns ein Rätsel, nach welchem Konzept der Inhaber diesen Laden führte, aber irgendwie hatte das Ganze schon etwas faszinierendes.

Kuriositäten am Strasenrand.

Kuriositäten am Strassenrand.

Auf dem Hyw 40 fuhren wir dann nach Westen. Zum ersten Mal auf der Tour fuhren wir einen längeren Abschnitt in die Himmelsrichtung, in der unsere Ziele New Orleans bzw. San Diego liegen.
Nach eine Mittagspause bei einem der vielen Seen entlang der Strasse passierten wir bald den „Juniper Springs State Park“.

Idyllischer Rast an einem der unzähligen Seen entlang der Strasse.

Idyllischer Rast an einem der unzähligen Seen entlang der Strasse.

Wir hatten also bereits um 14.00 Uhr knapp 70 km hinter uns und wollten uns ein erfrischendes Bad, die Temperaturen waren wieder auf über 30 Grad geklettert, gönnen. Also rechts abbiegen, beim Eingangshäuschen die 10 Dollar Eintrittsgeld bezahlen und runter zur „Swimmarea“ bei den Quellen. Beim Autoparkplatz dann die Tafel das ab hier auch Fahrräder verboten waren. Wir wollten aber die Räder mit dem ganzen Gepäck nicht beim Parkplatz, ausserhalb unserer „Überwachungszone“ stehen lassen. Im Gegensatz zu einem Auto können wir nämlich unsere Sachen nicht wirklich abschliessen. Wir stiegen also vom Rad und schoben es auf dem breiten Weg zu der Badestelle hinunter. Dort war kaum Betrieb und wir erspähten bereits einen tollen Platz, wo wir unsere Räder an einen Baum binden könnten und sie dort vom Badebereich gut im Blick hatten. Kein Mensch weit und breit, also wen könnte das schon stören?
Wir haben die Rechnung ohne die Parkaufsicht gemacht. Eine Dame kam auf uns zu und machte uns klar, dass wir keine Fahrräder in diesem Bereich bringen könnten. „Ja, das haben wir schon gesehen, aber wir haben halt alle unsere Wertsachen drauf und deshalb schieben wir die Räder hier und würden sie gerne dort drüben an den Baum binden. Wir werden auch sicher niemanden stören.“ Es nütze alles Argumentieren nichts, Regeln sind Regeln und sind dazu da, nach dem Buchstaben eingehalten zu werden. Wir haben Fahrräder und die gehören nicht hierher. Punkt.
Wir regten uns über diese engstirnige Interpretation der Regel „keine Fahrräder hinter diesem Punkt“ ziemlich auf. Doch was soll`s? Ich habe Barbara gesagt, das die Dame höchstwahrscheinlich in der Vergangenheit mal in der US Army gedient hat. Dort hat sie dann vor allem eines gelernt: Setze jeden Befehl um, egal wie sinnlos und blöd er auch ist. Hirn ausschalten und dann geht’s dir gut! Das wirkte nach.

Also drehten wir unsere Fahrräder um und schoben sie wieder auf den Parkplatz zurück, setzten uns drauf und fuhren zum Eingang zurück. Dort legte ich der Dame mein Eintrittsticket, dass sie mir vor 5 Min. verkauft hatte, wieder auch die Theke und sagte ihr, ich hätte gerne das Geld zurück. Wir könnten nicht baden, da wir die voll beladenen Räder nicht nach unten schieben dürften. Alles abladen und tragen war klar keine Option. „Yes, no bikes behind the parkin lot“ sagte sie in stoischer Ruhe und gab mir problemlos die 10 Dollar zurück.
Halb so schlimm, in 30 km waren wir im Motel mit POOL 🙂
Die heutige Etappe führte auch durch den „Ocala National Forest“ und wie es schien, sollten hier auch Bären unterwegs sein.

Ja wo sind sie denn?

Ja wo sind sie denn?

Bären in Florida? Wikipedia weiss dazu Genaueres. Auf jeden Fall tauchte tatsächlich etwa 200 Meter vor uns ein Bär aus dem Wald auf, schaut sich kurz um, keine Autos, nur weit entfernt zwei Radfahrer, so trottet die Bärenmutter gefolgt von zwei Jungtieren vor uns über die Strasse und verschwindet wieder im Wald. Ein wunderschöner Augenblick, zu kurz um ein Foto zu machen, aber lange genug um noch lange in Erinnerung zu bleiben.
Wir spulten die letzen Kilometer problemlos ab und konnten vor vier Uhr im Hotel einchecken.

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Genug Flüssigkeit ist ein Muss!

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Wir hassen diese „Gitterbrücken“. Darauf fährt es sich wie auf „Eiern“.

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Er lebt vom Verkauf von kühlem Bier und lebenden Fischködern. Das nenn ich mal „kundenorientiert“.

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Blick auf den St. Johns River.

Ab jetzt wieder das normale Ritual, absatteln, Pferdchen in den Stall stellen, kühles Bier und Wasser besorgen, Badehose anziehen und zum Motelpool gehen. Denn ein bisschen schwimmen und Dehnungsübungen im Pool haben sich als prima Regeneration bereits bewährt. Zwei Damen lagen in den Liegestühlen und versuchten ihre Sonnenbräune noch etwas zu intensivieren. Als wir den Poolbereich betraten und uns zum Schwimmen bereit machten, sagten sie zu uns, das wir den Pool nicht benutzen könnten. Die Angestellten hätten ein chemisches Reinigungsmittel in den Pool geschüttet und somit sei nun das Baden für die nächsten 24 Std. verboten. So ein Mist! Wir kochten nicht nur weil die Sonne noch ziemlich kräftig vom Himmel strahlte, nein es war heute bereits das zweite mal, das uns ein erfrischendes Bad kurz vor dem Eintauchen verwehrt wurde.

So sieht das verwehrte "Radlerparadies" nach 100 heissen Kilometern aus.

So sieht das verwehrte „Radlerparadies“ nach 100 heissen Kilometern aus.

Wir können euch sagen, dass wir das nicht wirklich lustig finden und hoffen, dass dies nun der negative Aussreisser in Sachen „Kundenfreundlichkeit“ war, die hier doch sonst doch immer so gross geschrieben wird. Wenn das so weitergeht, werde ich wohl nicht darum herumkommen mir einen amerikanischen Rechtsanwalt zu nehmen und eine exorbitante Schadenersatzklage wegen entgangener „Badefreuden“ anzustrengen. Sollte ich diese dann auch noch gewinnen, könnten wir ja wieder mal das Thema „frühzeitige Pensionierung“ genauer betrachten.

Fazit: Du sitzt erst im Bad, wenn dir das Wasser bis zum Hals steht!
(Radlerweisheit von F Fredy Artho Okt. 2014)

Übernachtung. Days Inn, Silver Springs / Ocala

Tag 10: (23.10.14) Orange City: Ruhetag

Distanz: 17.01 km / Gesamt: 751.9 km / Fahrzeit: 1 Std. 01 Min. / Durchschnitt 16.7 km/h

sonnig, 27 Grad,

Ruhetag

Also meine Lieben, wie der Titel schon sagt war heute Ruhetag. Das gilt natürlich auch für den Blogschreiber. Ich halte mich also kurz.

Wir haben heute den Blue Springs State Park, gleich um die Ecke, besucht. Das ist ein Ort wie er in Florida oft vorkommt und bei dem unterirdische Quellen kristallklares Wasser in ein Becken pumpen, von wo aus es in die Sumpflandschaft abfliesst. An diesen Quellen ist das Wasser rund ums Jahr etwa 23 Grad warm, was die „Manatees“(Seekühe) dazu verleitet hier den Winter zu verbringen. Leider haben wir heute keine dieser besonderen Säugetiere gesehen. Aber wir haben kein Risiko gescheut, uns ins alligarorenverseuchte Wasser gewagt, sind mit dem Kanu in den Sumpf hinausgefahren, nur um euch diese Bilder bieten zu können!

Und das ist ein Teil der Ausbeute. Have a good one, und bis Morgen.

Spiegelbild

Spiegelbild

Relax, es hat noch genut Fische!

Relax, es hat noch genug Fische!

  

Zwillingsbäume

Zwillingsbäume

Floridas Sümpfe

Floridas Sümpfe

Halloween Deko? Nein Natur pur!

Halloween Deko?
Nein, Natur pur!

Die Warnung war da!

Die Warnung war da!

Wir habens doch gemach! Nein Spass, das war 300 Meter vom Schild entfernt an einer erlaubten Stelle. Wir hofften, das die Alligatoren auch lesen konnten.

Wir habens doch gemacht!
Nein Spass, das war 300 Meter vom Schild entfernt an einer erlaubten Stelle. Wir hofften, dass die Alligatoren auch lesen können.

Hier haben wir ihn vom Kanu aus erwischt. Distanz zum Tier unter 10 Meter.

Hier haben wir ihn vom Kanu aus erwischt. Distanz zum Tier unter 10 Meter.

So nah, ein echtes Erlebnis. Zum Glück waben wir das Kanu nich gekenntert.

So nah, ein echtes Erlebnis. Zum Glück haben wir das Kanu nicht gekentert! Viel spannender als das Augenzwinkern in den Everglades.

Tag 9: (22.10.14) Titusville – Orange City

Distanz: 94.25 km / Gesamt: 734.8 km / Fahrzeit: 5 Std. 33 Min. / Durchschnitt 16.9 km/h

sonnig, 30 Grad, Nachmittags böiger Gegenwind, gps-Track

Der Navigator entschuldigt sich.

Da habe ich gestern Abend Barbara bei der Routenplanung für heute eine etwas kürzere Etappe versprochen und nun stehen schon wieder über 94 km auf dem Tacho. Es ist mir noch immer ein Rätsel wie es zu dieser Fehleinschätzung kam und so etwas sollte einem ausgebildeten Skipper doch nicht passieren! In der Annahme, dass wir heute nur etwa 60 km. fahren würden, gönnten wir uns etwas längeren Schlaff. Das war auch gut so, denn an eine Abfahrt um 07.30 Uhr wie in den letzen Tagen war nicht zu denken. Dichter Nebel hatte sich über unsere Gegend gelegt und im Wetterbericht der TV- Morgenshow, die jeweils im Frühstücksraum ausgestrahlt wird, wurde den Autofahrern vorsichtiges Fahren und genügen Abstand ans Herz gelegt. Wir verzichteten darauf  auf der Strasse die Einhaltung dieser Empfehlung zu überprüfen, denn nach dem gestrigen Tag wünschten wir uns einfach eine etwas entspanntere Fahrt.
So warteten wir bis die Sonne den Nebel verbrannt hatte und machten uns um viertel nach neun, bei strahlendem Sonnenschein, auf die Reise. Zuerst direkt nach Westen.

Die Landschaft veränderte sich gegenüber den letzten Tagen dramatisch. Bald war links und rechts der Strasse viel Grün, Wassertümpel, kleine Flussläufe, Sumpfgebiet. Wir erwarteten jeden Augenblick, einen Alligator neben der Strasse zu entdecken, leider aber ohne Erfolg.

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Westlich von Titusville

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Wasserlandschaft

Dafür hatten wir heute einige Begegnungen mit Tieren, auf die wir gerne verzichtet hätten. Sie kündigten sich jeweils schon im voraus am Geruch an. Tote, überfahrene Tiere aller Art. Gürteltiere, Vögel, ein Waschbär, eine Katze und sogar eine Schildkröte. Sie alle wurden Opfer dieser Raserei durch ein lebendiges Ökosystem. Kein Zaun schützt die Tiere vor dem Verkehr und das macht schon nachdenklich.
Bald bemerkte Barbara, dass sie heute weniger schwitzte als üblich, jedoch gleich viel getrunken hatte wie immer und somit die Zeit für einen Toilettenbesuch gekommen war. Das traf sich gut, fuhren wir doch gerade im Ort „Christmas“ ein.

Das kann doch nur Gutes bedeuten, oder ...

Das kann doch nur Gutes bedeuten, oder …

In einem Ort mit diesem Namen mussten sicher viele hilfsbereite Menschen wohnen. Wir fuhren also beim lokalen Campingplatz vor und Barbara fragte, ob sie die Toilette benutzen dürfte. Die Antwort kam uns vor wie in der Weihnachtsgeschichte von Maria und Josef. Trotz grösster „Not“ wurden wir abgewiesen. „No, just for guests“ sagte die Dame. Upps, das kam uns aber gar nicht „weihnachtlich“ vor. Wir fanden zu Glück bald darauf eine Tankstelle und die Sache nahm ein gutes Ende.

In Christmas sind wir dann nach Norden abgebogen und haben beim „Christmas Fort State Park“ einen kurzen Besuch gemacht. Dort war ein altes Fort aus der Zeit um 1830 nachgebaut und mit anderen Gebäuden in einem Park mit wunderbaren, alten und mit viel „spanisch Moos“ behangen Bäumen platziert worden. Fast ein kleines „Ballenberg“. Wir bestaunten die schönen Bäume, gingen etwas umher und füllten unsere Energiespeicher mit einem zweiten Frühstück.

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Fort Christmas State Park

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„Ballenberg“ in Florida?

Vor der Abfahrt noch ein Blick auf die Routenplanung im Handy und die ernüchternde Erkenntnis, dass es bis zum Ziel nicht wie gedacht noch 40, sondern gut 70 km sein werden. Naja, das liess sich nun auch nicht mehr ändern und wir traten wieder in die Pedale. Auf einer sehr idyllischen, fast verkehrsfreien Strasse ging es nach Norden. Immer wieder kleinere und grössere Ansammlungen von Häusern, viel etwas vernachlässigt waren oder auch zum Verkauf standen. Offenbar kämpfen die Leute in dieser Gegend mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In solchen Situationen kann ja die Kirche Trost spenden, und das tut sie hier fast schon „inflationär“. Auf geschätzte 10 Häuser kam eine christliche Kirche, jede mit ihrem eigenen „Werbeslogan“. Eine bot am Sonntag „Gottesdienst – Essen – Spiel und Spass“ an, eine andere hatte das absolute Hammerangebot im Programm: „free ticket to have“ stand auf dem Schild und das man sich dafür nur bei ihnen einschreiben müsse. Wir verzichteten im Moment auf dieses Angebot, denn wir sind schon froh, wenn sich die Schutzengel hier auf der Erde um uns kümmern, ein Gratisticket in den Himmel erschien uns noch etwas zu früh.
Für die Schutzengel gab es am Nachmittag in einem Baustellenbereich dann nochmals etwas Arbeit, aber zum Glück fanden wir bald einen „Betonplattenweg“, der kilometerlang neben der Hauptstrasse verlief und auf dem wir zwar nicht so schnell, aber sicher dem Ziel entgegen fahren konnten.

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Auf dem Betonplattenweg: nicht schnell aber sicher!

Die letzten 10 km haben mich dann auch noch „Lügen gestrafft“. Ich hatte Barbara zu Hause vor der Reise in fester Überzeugung versprochen, dass es auf dem Weg von Key West bis New Orleans nur auf den Brücken Steigungen gebe, sonst sei alles flach. Seit heute weiss ich, das es im zentralen Florida auch kleine Hügel gibt. Zwar kein Vergleich mit dem Tösstal, aber wenn man schon 80 kam mit Gepäck in den Beinen hat, wird jede kleine Steigung zum Berg.

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Ok, Schnee können wir uns nur schlecht vorstellen, aber „Hill“? Zumindest für müde Radler geht das in Ordnung.

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Noch so ein unerwarteter Anstieg! Wenigstens das Licht hat gepasst.

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So fährt eine Langstreckenradlerin: selbstbewusst und immer das Ziel vor Augen!

Da Ganze noch mit schönem Gegenwind garniert und dann wird der Moment, wo man bei der Motelrezeption die Bremsen zieht und die Pferdchen abgesattelt werden doppelt schön.

Irgendwo unterwegs ein idyllisches Plätzchen.

Irgendwo unterwegs ein idyllisches Plätzchen.

Fazit: Ich habe Barbara mit falschen Distanzangaben (ungewollt) auf eine kurze Tour eingestellt und ihr am Schluss noch überraschenderweise Hügel serviert: Sorry, war nicht meine Absicht.
Und was hat sie gemacht? Kein Murren, kein Klagen sondern mit der stoischen Ruhe einer Langstreckenradlerin die Kilometer in die Pedalen gedrückt. Danke und Bravo, der Ruhetag morgen ist mehr als verdient!
Übernachtung: Days Inn Orange City Deland