Tag 8: (21.10.14) Sebastian – Titusville

Distanz: 95.6 km / Gesamt: 640.5 km / Fahrzeit: 5 Std. 20 Min. / Durchschnitt 17.9 km/h

bedeckt, 26 Grad, kaum Wind  GPS-Track

David gegen Goliath

Der heutige Tag hatte nur ein Ziel: Meilen machen! Wir wollten unbedingt bis Titusville kommen um uns für die nächsten paar Tage eine gute Ausgangslage zu verschaffen, den Weg nach Westen nun endlich einzuschlagen. Doch der Reihe nach.
Wir verstehen es mittlerweile meisterhaft, die amerikanischen Begrüssungsformeln zu erwidern und zu einem Anknüpfungspunkt von Gesprächen zu nutzen. Das freundliche „good morning, how are you“ der Dame im Frühstücksraum erwiderte ich mit einem ebenso netten, „wunderbar und vielen Dank das Sie uns ein so gutes Frühstück vorbereitet haben“. Sie freute sich und meine Antwort war ernst gemeint, denn wir hatten heute neben Müsli, Joghurt, Toast und Beagels auch die Auswahl von Rühreiern und Speck. Genau das Richtige um eine Grundlage für eine lange Tagesetappe zu legen. (Sorry lieber Veganer-innen, aber es gibt Tage, da tun einem solche Sachen einfach gut.) An dieser Stelle noch eine Bemerkung zum Preis: Wir übernachteten im „Best Western“ zu zweit inkl. Frühstück für 54.- sFr. Bei solchen Konditionen ist es klar, dass das Zelt eingepackt bleibt und nur im Notfall zum Einsatz kommt.

Also der Smalltalk im Frühstücksraum ging weiter und bald kam ein weiterer Motelgast dazu. Eine Frau um die 60. Ich fragte sie, wann den nun die Wahlen stattfinden würden, da wir am Strassenrand immer so viele Werbetafeln sehen.
(Ja wenn ich mir das Foto jetzt in Ruhe  ansehe, sehe ich das Datum auch, also verkneift euch die Kommentare.)

So sieht es im Moment am Strassenrand aus. Es gibt Sitze für alle möglichenund unmöglichen Behördentätigkeiten zu vergeben. Vom Senatorensitz, über Richter bis zur Schulpflege. Alles in einem Wahlgang. Ob alle wissen was sie tun?

So sieht es im Moment am Strassenrand aus. Es gibt Sitze für alle möglichenund unmöglichen Behördentätigkeiten zu vergeben. Vom Senatorensitz, über Richter bis zur Schulpflege. Alles in einem Wahlgang. Ob alle wissen was sie tun?

„Genau heute in 2 Wochen“ antwortete sie und holte zu einer längeren Erklärung aus. Es würden 50% der Mitglieder des Unterhauses neu bestimmt und 1/3 derSenatorensitze. Sie ging noch weiter in die Details und erklärte mir stolz, das diese Frage wohl viele Amerikaner nicht so genau hätten beantwortenkönnen. Da sie aber Lehrerin für Politik sei, kenne sie sich da gut aus. Sie machte noch weiter Erklärungen zum Thema Regierung, Verantwortung der einzelnen Bürger, zum obligatorischenKrankenversicherungsgesetz „Obamacare“ und vielem mehr. Es war schnell klar, das sie sicher die Republikaner wählen würde und für sie machte es sich bei Ihren Aussagen zu den verschiedenen Theman recht einfach. Vieles war schwarz / weiss, gut /böse und der wichtige Hinweis, das dieses Land ja gegründet worden sein, damit die Einzelnen die Freiheit finden könnten. Da müsse sich doch nun die Regierung nicht ins Leben der Bürger einmischen. In ihrem Denken gab es wohl wenig Platz um sich auf andere Meinungen einzulassen und irgendwie kam diese undifferenzierte Haltung auch aus der Schweizer Politlandschaft bekannt vor. Ich hielt mich mit meiner persönlichen Meinung vornehm zurück, denn ich hatte keine Lust mich schon beim Frühstück auf eine politische Grundsatzdiskussion einzulassen. Roger Federer fand sie aber super und da hatten wir schon eine Gemeinsamkeit.

Als wir unsere Räder vor dem Hotel gepackt hatten, kam die Dame vom Frühstücksraum vor die Türe. „Was und ihr habt all dieses Gepäck dabei? Ihr wollt wirklich bis New Orleans?“ Sie schaute uns ungläubig an. Als wir abfahren wollten frage sie noch: „Do you have a gun?“, „Nein“ sagte ich „aber ein gutes Herz, das wird uns schützen“. Wir wünschten ihr einen „wonderfull day“ winkten ihr zum Abschied fuhren los.
Es war uns schon im Vorfeld klar, das der heutige Tag kein „Zuckerschlecken“ werden würde. Einerseits standen knapp 100 km auf dem Etappenblatt und andererseits mussten wir fast die ganze Strecke die Strasse „1“ nehmen. Diese ist in diesem Abschnitt recht stark befahren und hat leider oft wenig Platz am Strassenrand. Wir fühlten uns oft in einem Kampf, „David gegen Goliath“ und versuchten uns so gut es ging mit unseren Fahnen und Blinklichtern bemerkbar zu machen.

"1 Nord" heute war es oft einfach mental anstrengend aauf dieser Strasse.

„1 Nord“: Heute war es oft einfach mental anstrengend auf dieser Strasse.

 

Zum Glück standen diese Monster nur am Strassenrand.

Zum Glück standen diese Monster nur am Strassenrand.

Konzentriert auf der Strasse. Wasserturm im Hintergrund beachten: Ja wir sind in Amerika!

Konzentriert auf der Strasse. Wasserturm im Hintergrund beachten: Ja wir sind in Amerika!

Bei einem Veloladen am Strassenrand kauften wir noch zwei zusätzliche Blinker, damit wir nun auch im hektischen, amerikanischen Rhythmus blinken konnten.

Wenigstens hatten wir ab und zu auf der rechten Seite schöne Ausblicke und Rastmöglichkeiten, um uns vom konzentrierten Fahren auf der „1“ etwas zu erholen.

Bilder direkt vom Strassenrand:

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Dabei sahen wir viele Tiere, dessen Namen wir nicht alle kennen. An zwei Stellen konnten wir heute von der Strasse aus sogar Delfine beobachten, die im Fluss miteinander spielten und uns ab und zu die Rückenflossen zeigten. Grosse Sprünge gab es natürlich nicht zu sehen, schliesslich waren wir in der freien Natur und nicht im „Sea World“.

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Delfine geniessen den ruhigen Nachmittag.

Wir genossen den Anblick wie diese Delfingruppe so ruhig miteinander umherschwamm. Die Idee, die Badehose anzuziehen um hier mit den Delfinen zu schwimmen, haben wir nach dem Studium des Warnschilds dann wieder verworfen.

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Die Frage: Schwimmen mit Delfinen ist damit geklärt!

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Pelikan im Landeanflug

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Seeadler ? Wer weiss es?

So ging die Fahrt gegen halb 4 Uhr zu Ende. Wir sind froh, wohlbehalten hier in Titusville angekommen zu sein. Ab Morgen erhoffen wir uns ruhigere Strassen und weniger Verkehr, denn wir werden die Küste nun verlassen und Richtung Nordwesten, etwas östlich an Orlando vorbei nach Deland fahren. Nun beginnt also die Durchquerung von Florida und wir sind gespannt, wie sich die Landschaft verändern wird. Wir hoffen, dass auch das Wetter weiterhin auf unserer Seite ist. Trocken, nicht zu heiss und einen anständigen Rückenwind, das würden wir die nächsten Tage mal bestellen.

Fazit: Wir hatten heute einen wirklich ungleichen Kampf auf der Strasse zu kämpfen und sind froh, dass es dank unserer Aufmerksamkeit, Geduld, sowie diversen Schutzengeln gut gelaufen ist. Den Spruch den ich heute vor einer Baptistenkirche am Strassenrand gelesen habe, hätte ich nämlich schon nur aus Gewichtsgründen nicht umsetzen können. Dort stand: „For every Goliath, there is a stone“. Soviele Steine hätte ich heute gar nicht transportieren können!

Übernachtung: Best Western, Titusville

Tag 7: (20.10.14) Port St. Lucie – Sebastian

Distanz: 73.3 km / Gesamt: 544.94 km / Fahrzeit: 4 Std. 6 Min. / Durchschnitt 17.6 km/h

Sonne pur, 31 Grad, am Nachmittag Seitenwind auffrischend, GPS-Track

kleine „heile Welten“

Heute sind wir etwas später gestartet, denn wir haben uns heute eine kürzere Strecke vorgenommen. Die ersten paar Kilometer mussten wir auf einer stark befahrenen Strasse zurücklegen und freuten uns nach ca. 7 km nach rechts an die Küstenstrasse abbiegen zu können. Doch irgendwie hatten wir uns das etwas anderes vorgestellt. Die Strasse war schmal und trotzdem noch häufig befahren. Wenn uns ein Auto entgegenkam, mussten diejenigen hinter uns warten, da es beim besten Willen keinen Platz zum überholen. Somit waren wir also schon früh gefordert, alle Sinne auf vollem Betriebsmodus zu halten. Wenn es mal für einige Moment ruhig war auf der Strasse,  konnten wir uns in dieser besonders feinen Gegend umsehen. Die Häuser und Gärten waren allesamt gross und gut gepflegt. In jedem zweiten Garten waren, vermutlich südamerikanische, Arbeiter damit beschäftigt den Rasen sowie die Bäume und Büsche zu pflegen.

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Also nicht vergessen: bald ist Halloween. Wer schmückt den Briefkasten am schönsten? Die Amis haben schon mal vorgelegt 😉

 

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Ein fantastischer Baum (Stamm beachten) vor schmuckem Haus.

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Noch ein schönes Exemplar und Gärtner an der Arbeit.

Dann fielen uns plötzlich besondere Plakate in den Vorgärten auf. Ich habe ja schon erwähnt das hier bald Abstimmungen stattfinden. In dieser Gegend formierte sich offenbar der Widerstand gegen ein Eisenbahnprojekt. Die Anwohner fürchteten sich, wie es scheint, gewaltig vor den Folgen die ein stärkerer Bahnverkehr für ihre jetzt so ungestörte und idyllische Wohnlage hätte.

War hier ein "SVP Plakatmaler" am Werk?

War hier ein „SVP Plakatmaler“ am Werk?

Die Eisenbahnlinie führt etwa 300 Meter hinter den Häusern vorbei. Als später ein Güterzug die Strecke befuhr, begann er mit einem eindrücklichen Hupkonzert jeden in der Nähe der Bahnlinie auf sein Kommen aufmerksam zu machen. In den USA ist das korrekte Bedienen der lauten Signalhörnern offenbar ein ganz wichtiger Punkt im „Lokführerausbildungsprogramm“. Nur so ist es zu erklären, wie sie es schaffen, solche Lokkonzerte zu veranstalten. Ich glaube hier müssten auch mal gewisse „Signalhorn-bestätigungs-bestimmungen“ überprüft werden. So habe ja sogar ich als Bähnler gewisses Verständnis, wenn sich die Anwohner nicht gerade über mehr Züge freuen.

In der herausgeputzten Stadt Fort Pierce haben wir dann bei einer kleinen Bäckerei mit Cafe einen Halt gemacht und uns mir Süssigkeiten für die Weiterfahrt gestärkt. Barbara wollte ja nicht nochmals in einem solchen Hungerast wie gestern  „fahren“. Die Taktik hat sich bewährt. Sie fühlte sich den ganzen Tag fit und die Durchschnittsgeschwindigkeit konnten wir auch etwas anheben.

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Downtown Fort Pierce

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Downtown Fort Pierce

Nördlich der Stadt konnten wir dann endlich wieder über eine Brücke auf die vorgelagerten Inseln um dort auf guten und mit Radstreiffen ausgestatteten Strassen weiter zu fahren. Im „Avalon State Park“ haben wir über die Mittagszeit die Rad- gegen die Badehosen getauscht und uns im Atlantik etwas abgekühlt.

all you need ...

all you need …

Während ich mir von einem Pensionär, der mit drei langen Ruten vom Strand aus fischte,  erklären lies was man denn so alles fangen könne, tauchtem am Himmel plötzlich seltsame, weisse Punkte auf. Sie kamen immer näher und als ich den Fischer fragte, was das den sei, sagte er: „Das ist jetzt ganz neu. Ich habe das im Sommer hier bei einer Airshow zum ersten mal gesehen. Da fliegen einige Flugzeuge in einer bestimmten Formation und stossen in genau berechneten Abständen Rauch aus. Diese Punkte ergeben dann Buchstaben und Worte“. Wir sahen fünf Flugzeuge die nebeneinander her flogen und dieses Rauchwölklein ausstiesen und versuchten die Botschaft zu erkennen. Da der Wind aber bereits wieder etwas stark wehte, verblassten die Buchstaben bald. Was wir erkennen konnte war “ … SAVE MONEY“ Das ist doch wirklich verrückt oder?

5 Flugzeuge haben das in den Himmel geschriegen. (Kontrast im Bild für bessere Lesbarkeit erhöht)

5 Flugzeuge haben das in den Himmel geschriegen. (Kontrast im Bild für bessere Lesbarkeit erhöht)

Nach dem Bad lagen noch 34 km vor uns und die konnten wir zügig zurücklegen. Fast auf der ganzen Strecke fuhren wir dabei an Wohngebieten vorbei, die rundum eingezäunt und an der Zufahrt mit Schranken und Pförtnerhaus bewacht waren. Alles was nicht in die eigene, heile Welt passt, kann man so draussen lassen.

Zutritt nur für Bewohner und autorisierte Gäste.

Zutritt nur für Bewohner und autorisierte Gäste.

Um zum Festland zurückzukommen, mussten wir nochmals eine steile und schmale Brücke überqueren. Die Frage „fahren oder schieben“ wurde uns von höchster Stelle abgenommen.

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WALK BIKES ACROSS steht auf dem Schild im Gebüsch, na dann schieben wir halt.

Wir haben die Räder brav hoch geschoben, uns auf dem höchsten Punkt aber schnell drauf gesetzt und sind  mit Schwung hinuntergesaust. Liegeräder können nämlich konstruktionsbedingt nicht  hinuntergeschoben werden 😉

tolle Aussicht von der Brücke

tolle Aussicht von der Brücke

Kurz vor der Ankunft in unserem Motel dann das übliche Ritual: kaltes Wasser und Bier einkaufen, damit man im Motel rasch in den „Relaxmodus“ wechseln kann. Vor dem Geschäft sind wir auf ein US Radlerpaar getroffen. Sie waren einiges jünger als wir und mit viel weniger Gepäck unterwegs. Echt „easy“ eben. Sie erzählten, dass sie Ende August in Washington gestartet sind und nun bald ihr Ziel Miami erreichen werden. Auch sie erzählten begeistert von vielen tollen Begegnungen mit wildfremden Menschen und das sie immer viel Hilfe bekommen hätten. Jetzt müssten sie aber noch runter zum Fluss. Sie zeigten uns ein kleines Fischernetz, das sie heute an der Strasse gefunden haben. Damit wollten sie noch etwas für heute Abend fangen und falls es dann nur kleine Fische seinen, so würden sie diese an einen dieser vielen Fischereigeschäfften in der Gegend als „Köderfische“ verkaufen. Wir wünschten ihnen viel Glück dabei und eine sichere Reise.

Fazit: Wir sind heute auf viele „heile Welten“ gestossen. Auf die mit den gepflegten Gärten und der Angst vor lauten Zügen, auf die vom Fischer, der schon den ganzen Tag am Strand verbringt, den Wellen zuschaut und mit sich zufrieden ist, auf die der eingeschlossenen Bewohner, die sich offenbar nur hinter Mauern sicher fühlen und auf die der beiden jungen Biker, die jede Nacht irgendwo in einer ruhigen Ecke ein Schlafplatz suchen und sich so über all die tollen Erlebnisse und Begegnungenauf ihrer Reise freuen.

Übernachtung: Best Western Plus, Sebastian

Tag 6: (19.10.14) Lake Worth – Port St. Lucie

Distanz: 90.91 / Gesammt: 472.62 km / Fahrzeit: 5 Std. 45 Min. / Durchschnitt 15.8 km/h

Sonne pur, 31 Grad, am Nachmittag Seitenwind auffrischend   GPS-Track

4 Füsse, tausende gemeinsame Kilometer, 23 Jahre Ehe und zwei wundervolle Töchter:
life is great!

Diese Füsse tragen uns schon 23 Jahre auf unserer gemeinsamen Reis durchs Leben.

Diese Füsse tragen uns schon 23 Jahre auf unserer gemeinsamen Reise durchs Leben.

Heute war ein ganz besonderer Tag. Barbara und ich durften uns über 23 Jahre gemeinsame Ehe freuen und wir taten dies wie in den vergangenen gemeinsamen Jahren auch. Die Etappe beinhaltete einiges vom Erfolgsrezept unserer vergangenen Ehejahre. Wir hatten ein gemeinsames Ziel vor Augen, im Wissen dass es nicht immer einfach sein wird und wir die gegenseitiger Aufmunterung brauchen würden wenn einer von uns mal Mühe hatte die notwendige Kadenz zu treten um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Auch haben wir uns vor herannahenden Gefahren gewarnt oder sind auf einigen Abschnitten mit etwas mehr Abstand gefahren, damit jeder sein Tempo fahren konnte und wir haben uns in der Führung abwechselten, damit der andere sich mal im Windschatten des Partners erholen konnte. Auf unserer Hochzeitskarte stand damals „Die Reise beginnt …“  Wir sind noch immer gemeinsam unterwegs, sowohl als Paar als auch im Sinne dieser physischen Reise durch die USA. Dafür sind wir beide dankbar und freuen uns auf die nächsten Jahre.

Wir sind wieder früh losgefahren um die Kühle des Morgens für die ersten Kilometer nutzen zu können. Das machte sich auch heute wieder bezahlt, denn so bis 10 Uhr bringt uns das Radeln kaum ins Schwitzen und an einem Sonntag wie heute sind die Strassen um diese Zeit noch recht leer, was uns gut vorankommen lies.

 

Oft teilten wir am Morgen die Strasse nur mit Rennradfahrern auf der Sonntagsrunde.

Oft teilten wir am Morgen die Strasse nur mit Rennradfahrern auf der Sonntagsrunde.

Bereits nach wenigen Fahrminuten hörte ich im noch fast menschenleeren Stadtzentrum in Lake Worth von der Parallelstrasse her ein lautes Reifenquitschen, ein Knall und sah im Augenwinkel, wie zwei Autos seitlich ineinander prallten. Stosssstangen und Blechteile lagen auf der Strasse. Da hatte wohl einer das Rotlicht missachtet. Ich beobachtete die Szene kurz und als ich sah wie beide Lenker offensichtlich unverletzt aus den Autos stiegen und auf einander zugingen, fuhr ich weiter. Es wurde uns aber wieder einmal klar wie schmal der Grad zwischen „gut ankommen“ und „verunglücken“ manchmal ist. Eine Sekunde abgelenkt und schon kann es zu spät sein. Wir stellten also all unsere Sensoren wieder auf volle Empfangsleistung und genossen trotzdem die ruhige Fahrt durch diese offensichtlich sehr reiche Gegend.

Schattentheater am Morgen.

Schattentheater am Morgen.

Wir sind heute oft nicht ganz an der Küste gefahren, da auf dieser Strasse der Rhythmus oft von „Stop“ Schildern unterbrochen wird. Da wir uns mit 90 Km die bisher längste Strecke vorgenommen hatten und im für heute vorgebuchten Motel eine schöne Poolanlage abgebildet war, wollten wir unbedingt frühzeitig ankommen, um auch den Rest des Körpers in der Badehose noch etwas „anbräunen“ zu können. Ihr könnt euch ja sicher selber ein Bild davon machen, mit welch unterschiedlichen Bräunungsgraden unsere Körper im Moment geschmückt sind.

Wir fuhren heute also oft auf der 2-3 Spurigen Schnellstrasse A1.

Warten auf "grün" und dann volleKraft in die Pedale.

Warten auf „grün“ und dann volle Kraft in die Pedale.

 

Meist war ein Radstreifen markiert und weil es Sonntag war, waren auch fast keine Trucks unterwegs. Die Mittagspause machten wir, wie im automobilen Amerika üblich, an einer Tankstelle. Diese sind nämlich, wie schon Dres Balmer in seinem Veloreisebuch „Route 66“ beschreibt, für uns Radler ein Segen. Hier hat es einen klimatisierten Raum um sich abzukühlen und erfrischende, gut gekühlte Getränke. Eines davon hat es Dres Balmer besonders angetan und auch wir sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen. Immer wenn sich die „Power“ in den Waden und Oberschenkeln verabschiedet, also „Ade“ gesagt hat, ist es höchste Zeit ein „Power-ade“ zu trinken. Ihr glaubt es kaum, aber es wirkt. Barbara hatte um die Mittagszeit einen ziemlichen Durchhänger. Sie fühlte sich kraftlos und es kam ihr vor, als würde sie dauernd gegen starken Wind ankämpfen, obwohl es zu dieser Zeit noch windstill war. Offenbar rächte es sich nun, dass wir sowohl gestern Abend als auch heute Morgen (kein Frühstück im Motel) mit dem Essen nicht genügend Energiereserven gebunkert haben. Diesem Thema müssen wir ab sofort mehr Aufmerksamkeit schenken! Nach einem Sandwich, Banane, Nüssen und dem super „Powerade“ sowie einem kurzen Mittagsschläfchen im Palmenschatten kehrten die Kräfte wieder zurück.

Auftanken!

Auftanken!

 

Diese Truppe brauchte kein "Power - ade"

Diese Truppe brauchte kein „Power – ade“

Während unserer Rast fuhr ein Mann in unserem Alter auf einem alten, aber soweit gepflegten Fahrrad zu uns hin. Obwohl er einen sauberen Eindruck machte war unschwer zu erkennen, dass er wohl in einer wirtschaftlich schwierigen Lage steckte. Vermutlich ohne Job und Arbeit. Er fragte ob ich ihm nicht 50 Cent’s geben könnte. Vermutlich dachte er, dass wir Radfahrer selber nicht allzu reich seien, sonst würden wir ja mit einem Auto unterwegs sein. Ich gab ihm ein paar Dollar und er freute sich riesig. Dann wieder die Frage nach dem „wohin“. Aber diesmal hörten wir eine verblüffend andere Antwort, die ich ihm auch sofort glauben konnte. „New Orleans, von da bin ich mit meinem Fahrrad auch hierher gefahren“ erzählte er. Ob wir Tipps bräuchten, er uns helfen könnte. Und ja in den verschiedenen Parks könne man prima wild Campen, man müsse halt einfach aufpassen und das Zelt erst im Dunkeln aufzustellen, damit einem die Ranger nicht sehen. Es sei auch sehr schmutzig auf der Strasse und wir würden viel Platten haben. Er habe sich ja extra spezielle Reifen und ein grünes Dichtmittel in den Schlauch gefüllt, das habe prima geholfen. Ich sagte ihm, wir hätten ebenfalls gute Reifen drauf und in Key West die Reifen mit derselben grünen Dichtmasse befüllt. Da huschte ein Lächeln über sein Gesicht: „That’s good man, god bless you and have a safe Trip“. Er drehte sich um und fuhr davon.
Auch wir machten uns wieder auf die Strasse und nahmen bei zunehmender Hitze und Wind von schräg Vorne die letzten 35 km in Angriff.

Viele Schilder künden Abstimmungen an, unter anderem zum Thema "Marihuana zu med. Zweck"

Viele Schilder künden Abstimmungen an, unter anderem zum Thema „Marijuana zu med. Zweck“

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Immer gelassener fährt Barbara auch die viel befahrenen Brücken. Respekt!

Im Motel angekommen war es Zeit für eine erfrischende Dusche, ein leichtes muskellockern im Sprudelbad und einigen Längen schwimmen im Pool. In die Sonne liegen, dösen und sich darüber freuen, dass unsere gemeinsame Reise bis jetzt so prima verlaufen ist.

Übernachtung: Best Western, Port St. Lucie

Tag 5: (18.10.14) Fort Lauderdale – Lake Worth

Distanz: 70.78 / Gesammt: 381.7 km / Fahrzeit: 4 Std. 13 Min. / Durchschnitt 16.8 km/h

blue sky , windstill 🙂
GPS-Track

Masslosigkeit

Heute waren wir schon wieder früh „on the road“ und da man sich im Motel 6, mangels Angebot, nicht mit so läppischen Sachen wie „frühstücken“ herumschlagen muss, gelingt der frühe Start noch besser. Kurz nach Sonnenaufgang, das ist hier im Moment so um 07.15 Uhr, waren wir auf der Strasse.

imageBei beiden Velos haben wir zu den normalen Rücklichtern noch die „Blinklichter“ montiert. Die Amis stehen darauf! Es muss einfach etwas blinken, sonst wirst du übersehen, haben wir schon mehrmals gehört. Je wilder es flackert, umso besser. Also haben auch wir das Beste gegeben und den Blinkmodus so eingestellt, das du zu Hause schon von der ersten Polizeistreife an den Strassenrand zitiert werden würdest und du dir eine lange Rede anhören müsstest, dass in der Schweiz das Blinken an Fahrrädern verboten sei. Selbst an Barbaras Helm haben wir die Blinker eingeschaltet und sind so im Lichte der aufgehenden Sonne Richtung Norden gefahren. Zuerst mussten wir die Region um den Flughafen durchqueren. Wir waren auf 4-spurigen Strassen unterwegs und froh das heute Samstag ist und somit kein grosser Berufsverkehr unterwegs war. Unser Route führte gar in einem Tunnel unter der Rollbahn des Flughafens durch. Das genau in diesem Bereich noch Fahrspuren wegen Bauarbeiten gesperrt waren, gab uns die Möglichkeit hinter die Bauabschrankung zu fahren und so diesen Teil gut geschützt vom Verkehr zu befahren. Schon nach einer halben Stunde war verkehrstechnisch das „schlimmste“ überstanden und Barbara war froh, dass wir diesen Teil gestern mit dem etwas früheren Ende nicht auch noch fahren mussten.
Bald fuhren wir wieder auf der A1A, der Beach entlang durch Fort Lauderdale. Es war noch nicht ganz 9 Uhr und das Schaulaufen war bereits in vollem Gange.

Flagge zeigen am Beachwalk

Flagge zeigen am Beachwalk

Ein wahrer Riese

Ein wahrer Riese …

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… mit unglaublichem Stamm. (das Schild ist NICHT für den Baum gemeint)

Da wurden die mehr oder weniger natürlich gestählten, oder dann eben dank plastischer Chirurgie optimierten, jungen und auch ältern Körper in längeren oder kürzeren Leggins und (zu)eng sitzenden T-Shirt’s zur Schau gestellt. Auf dem Trottoir war vor lauter Jogger kaum mehr ein durchkommen. Aber die Ausrüstung immer „on the top“. Egal was einem im Sportgeschäft für unnötiges Zubehör angeboten wird, hier wird es getragen.
Viele Jogger und Walker grüssten uns im vorbeifahren freundlich und vor lauter Zurufen wie „that’s fantastic, have a safe trip, i love your bike“, „Daumen hoch“ (= „like“ Zeichen der Generation facebooke) etc. wussten wir manchmal kaum mehr, wohin wir zurückwinken sollten. Wir wollten ja nicht überheblich wirken, aber den einen oder anderen Gruss haben wir heute sicher nicht erwidert.

Ich habe es heute kurz mal wieder mit einem "normalen" Velo versucht: unbequem, ich bleibe beim "Lieger"

Ich habe es heute kurz mal wieder mit einem „normalen“ Velo versucht: unbequem, ich bleibe beim „Lieger“

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für „Strässe“: Ich hatte leider keine Zeit für einen fishingtrip

Je nördlicher wir kamen, desto ruhiger wurde es und je ruhiger es wurde, desto grösser wurden die Häuser und Boote um uns herum. Wir fuhren heute den ganzen Tag auf den der Küste vorgelagerten Inseln, welche durch Brücken mit dem Festland verbunden sind. Somit ist rechts von uns jeweils die endlos erscheinende Sandbeach, links der „Intracoastal Waterway“. Wer es sich nicht so genau vorstellen kann sucht am besten auf Google Earth nach „Fort Lauderdale Beach“ und schaut sich die (Wasser-) Landschaft mal von „oben“ an.
Also genau da sind wir heute durchgefahren und haben über die Dimensionen, welche die Villen und Boote hier annahmen, nur noch gestaunt und uns so unsere Gedanken gemacht. Dafür hat man auf dem Rad ja genügend Zeit und auch das macht den Reiz dieser Reiseform aus. Eines ist für uns aber klar: Gerechtigkeit sieht anders aus!
Hier einige Bilder von unserer Fahrt heute Morgen:

irgendwie "too much"

irgendwie „too much“ (Limosine hinter dem Tor beachten)

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Grundsätzlich haben wir die Fahrt aber genossen. Der Verkehr auf diesen Strassen war bereits viel ruhiger als gestern und mit jeder Meile Richtung Norden nahm es noch etwas ab. Es ging durch parkähnliche Gartenlandschaften und oft im Schatten von grossen Bäumen voran.
In „Del Ray“, in dem viele Wochenendausflügler unterwegs waren,  legten wir unsere Mittagspause ein. Wir hatten die Bikes noch nicht abgestellt fuhr eine Frau auf dem Rennrad zu uns hin: „Hy, are you travelling?“ fragte sie freundlich. Sie habe uns zusammen mit ihrem Mann vorher auf der Strasse gesehen und ihr Mann habe gesagt, „schau mal die beiden mit dem vielen Gepäck, die sind sicher auf einer Reise.“ Desshalb wollte sie es von uns nun genau wissen. „Wow! that’a great“ etwas Smalltalk und ein herzliches „safe travel“. Solche kurzen Gespräche gab es unterwegs auch heute wieder bei vielen Gelegenheiten. Eigentlich stehen wir kaum mehr als eine Minute an einem Ort und schon kommen Leute auf uns zu und bestaunen die Räder, fragen woher und wohin und finden die Reise allesamt „fantastic“.

Ja an dieser Beach legen die Meeresschildkröten ihre Eier ab, und die Amis schalten sogar die Strassenbeleuchtung aus, um die Tiere nicht zu stören. Wer hätte das gedacht?

Hier an der Beach legen die Meeresschildkröten ihre Eier ab, und die Amis schalten sogar die Strassenbeleuchtung aus, um die Tiere nicht zu stören. Wer hätte das gedacht?

Da wir heute um einiges flüssiger vorwärts kamen hatten wir bereits um zwei Uhr Nachmittags das Etappenziel fast erreicht. Also galt nun unsere volle Aufmerksamkeit der nächsten öffentlichen „Beach“. Dies sind tolle Orte mit so Sachen wie WC-Anlagen, Duschen, gutem Strandzugang und oft auch der Möglichkeit Snacks und kühle Getränke zu kaufen. Am „Ocean Ridge Hammock Park“ fanden wir all das. Die Dame bei der Zufahrt zum Gelände liess uns mit den Fahrrädern kostenlos einfahren, Autos zahlen 5 Dollar. Meine Frage ob wir die Bikes mit dem Gepäck nicht bei ihr neben dem Häuschen abstellen könnten, damit niemand was wegnimmt, verneinte sie. Sie könne wirklich dafür keine Verantwortung übernehmen, aber wir könnten die Räder einfach oben abschliessen und es werde sicher nichts wegkommen. Sie fürchtete sich vermutlich im Falle eines Diebstahls von exorbitanten Schadenersatzklagen die wir gegen sie führen könnten. Also nahmen wir die Pferdchen nach oben, stellten sie in den Schatten, nahmen die Satteltaschen mit den Wertsachen mit und machten sie mit unserem 5 Meter Stahlseil am Geländer fest.Nach zwei Stunden an der Beach, wir waren nur kurz im warmen Wasser (Jellyfish = Quallengefahr), trafen wir die Pferdchen und die Satteltaschen mit den Kleidern wohlbehalten und von einer kleinen Echse bewacht wieder.

unser Wächter

unser Wächter

Anschliessend nahmen wir noch die letzten 9 km zum Motel unter die Räder.
Übernachtung: Scandia Lodge, Lake Worth

Fazit: Wir haben heute viel Masslosigkeit gesehen:
Häuser, Boote, Auto’s, Brustimplantate und dann noch einen masslosnen Sommertag. Ihr müsst euch das so vorstellen: Das ist wie wenn die Wärmestrahlen des ganzen Schweizersommers 2014 an einem Tag über euch ausgeschüttet würde, dazu ein endloser Sandstrand, blauer Himmel und am Abend empfindet man eine Dusche bei der nur der kalte Wasserhahn aufgedreht wird nicht als kalt sondern erfrischend. Ja so ist das hier!
Ich weiss, auch ich bin masslos gemein es euch so genau mitzuteilen, aber ich freue mich eben riesig, den Sommer doch noch gefunden zu haben 🙂

Tag 4: (17.10.14) Miami CutlerBay – Fort Lauderdale, Airport Area

Distanz: 76.32 / Gesmt 310.88 km / Fahrzeit: 5 Std. 21 Min. / Durchschnitt 14.26
sonnig, am Nachmittag heiss, wenig Wind
GPS-Track

City survival training!

Na ja liebe Blogleser ich weiss, die nackten Zahlen dieser Etappe sehen nach einem richtig faulen Tag aus. Kein Gegenwind und nur ein Schnitt von 14.26? Geht den Artho’s schon nach vier Tagen der Saft aus? Keine Angst, das war heute nicht das Problem, der Rhythmus wurde heute einfach dauernd unterbrochen. Wir haben nicht mitgezählt wie oft wir heute unseren schwer beladenen Pferdchen beim Anfahren die Sporen geben mussten, gefühlt war es aber alle 200 Meter.
Wir haben uns für heute ja mal 84 km vorgenommen und wollten so gegen 3 Uhr ankommen. Also sind wir früh aufgestanden und haben beim ersten Tageslicht das Motel verlassen. Um 7.30 Uhr waren wir schon unterwegs. Zuerst ging es wieder wie gestern auf dem Bike Trail am Busway entlang Richtung Miami.

"warm up" auf dem Busway

„warm up“ auf dem Busway

An die vielen Querstrasse hatten wir uns ja bereits gestern gewöhnt und es gelang mir immer besser die Ampelknöpfe, die oft einen Meter neben der Radroute stehen, schon beim „anbremsen“ elegant zu drücken, so dass wir uns sofort in eine gute Startposition für die sehr kurzen Grünphasen begeben konnten. So kamen wir langsam dem Stadtzentrum von Miami näher und die ersten Hochhäuser zeichneten sich am Horizont ab. Der Verkehr auf der Strasse neben dem Busway wurde immer stärker und wir waren froh hier so gut geschützt zu sein. Aber wie das so im Leben und auf Reisen ist, wenn man es sich so richtig gemütlich eingerichtet hat, kommt etwas, das den Frieden stört. Bei uns war das heute ein Strassenschild „End Bike Trail“ :-((
Uns fehlten aber noch immer gut 18 km bis zur Strasse A1A, die uns ab Downtown Miami der Küste entlang nach Norden führen wird.
In diesem Moment kamen mir die Worte des Bikers von gestern Morgen in den Sinn: „Wenn der Bike Trail endet, beginnt die Metrorail. Dies ist eine Hochbahn und unter ihrem Trasse führt ein Radweg fast bis zur Küstenstrasse.“
Wir entdeckten ein kleines Schild „Bike 1 North“. Das musste es sein. Wir folgten dem Pfeil und befanden uns, bevor wir das richtig realisierten, in einem Umsteigebahnhof Bus / Monorail mitten auf dem Perron. Klar das solch frevelhaftes Verhalten im Land der Security nicht lange unbemerkt bleibt. Ein Security Mann kam auf uns zu und sagte freundlich aber bestimmt, dass wir hier auf dem Perron nicht Radfahren dürften, „wegen all der Kinder und so, Sicherheitsgründe halt“. Als ob ich das als „Bähnler“ nicht gewusst hätte! Vielmehr haben wir den Übergang vom Radweg zum Perron irgendwie verpasst. Wir stiegen sofort von den Rädern und erklärtem dem netten Mann das wir nur den Radweg suchen würden und gleich da hinten wäre ein Schild gewesen, welches uns hierher lenkte. Ob er den wisse wo der Radweg Richtung Downtown weitergehe. „Bike Trail?“ allein das Wort schien ihm nicht wirklich bekannt zu sein, aber freundlich wie die Amis sind rief er sofort einen Kollegen zu Hilfe. Leider hatte auch der keine Ahnung. Die beiden gehörten offensichtlich zur Abteilung „Miami nichts weiss“. Wir bedankten uns für die (erfolglosen) Bemühungen und machten uns selber auf die Suche. Irgendwo unter dieser Monorail musste das doch sein. Siehe da, gleich über der Strasse entdeckten wir das gesuchte Schild, den passenden Radweg dazu und fuhren im Schatten der Hochbahn dem Zentrum entgegen.

unter der Metrorail : Schattenfahren :-)

unter der Metrorail : Schattenfahren 🙂

Es war nicht immer ganz einfach die oft verwinkelten Auffahrten nach einer grossen Kreuzung wieder zu finden, aber die Brückenpfeiler der Bahn waren ein sicherer Wegweiser. Danke nochmals unbekannter Biker von Key Largo, dieser Tip war heute Gold wert!

die letzten Meter "Radlerparadis" Downtown voraus!

Die letzten Meter „Radlerparadis“ Downtown voraus!

Dann war aber auch diese Herrlichkeit vorbei und es blieb uns nichts anderes übrig als uns in Downtown Miami den nötigen Platz und Respekt zu verschaffen. Eigentlich lief es recht gut und das Hupen das wir ab und zu im Nacken hörten, interpretierten wir als aufmunterndes „Hallo Biker, good job“. So war die Sache viel erträglicher. Nur einmal haben wir uns kurz verfahren (ca. 600 Meter) dafür konnten wir am Umkehrpunkt „Brickell Key“ diese imponierende Aussicht geniessen.

Panorama Downtown Miami (Tipp: Fotos zum vergrössern anklicken, anschliessend mit der Pfeiltaste zurück wieder zur ursprünglichen Blogansicht wechseln.)

Panorama Downtown Miami (Tipp: Fotos zum vergrössern anklicken, anschliessend mit der Pfeiltaste „zurück“ wieder zur ursprünglichen Blogansicht wechseln.)

Zurück auf der A1A ging es über eine Brücke nach Miami Beach direkt in den Art Deco District. Es war gerade Zeit für ein Mittagessen und das haben wir dann stilecht in einem dieser schön hergerichteten, aber schon etwas in die Jahre gekommenen Restaurants genossen. Preis / Leistung / Qualität, war alles erstaunlich gut und wenn man nach einem anstrengen Bikermorgen bei mittlerweile 31 Grad beim Softgetränk einen gratis „Refill“ bekommt, sitzt man am rechten Platz.

Refill pleas!

Refill please!

Vor unserer Weiterfahrt hat uns spontan ein junger Türke angesprochen. Er sei auch mit dem Bike unterwegs und auf dem Weg nach Südamerika. Er hat unsere Räder bestaunt und wollte von uns und den Pferdchen ein Foto machen. Klar darf er.
Etwas später wollten wir auch von uns ein gemeinsames Foto vor dieser Kulisse und fragten einen Secuitymann ob er nicht für uns abdrücken würde. Er fühlte sich wohl richtig geehrt und ging mit Eifer an die Sache, stellte uns nochmal anders hin und suchte einen anderen Aufnahmewinkel. „Now it’s just perfekt!“stellte er befriedigt fest und wollte dann alles über unsere Reis wissen.

Sein "perfektes Bild"

Sein „perfektes Bild“

Woher, wohin und „das ist ja unglaublich, fantastisch, jeder sollte so etwas mal machen, und dazu noch ein Charity Projekt“ jetzt war er vollends aus dem Häuschen. Er rief eine Kollegin die in der Nähe stand zu sich, gab ihr seinen Fotoapparat und bat uns mit ihm zusammen und den Rädern für das Foto zu posieren. Also noch einmal in eine fremde Kamera gelächelt: We are getting famous! Er erzählte seiner Kollegin was wir vor hatten und diese fragte nur ungläubig, wer den das alles bezahle? „He is retired“ erklärte er ihr in vollem Ernst. Da musste ich intervenieren, „nein, nein, noch nicht pensioniert, nur ein Auszeit“. (Also wenn das noch öfters vorkommt überlege ich mir das mit dem pensionieren nochmals. Liebe Arbeitskollegen, ihr könnt euch mal vorsichtig darauf einstellen, dass meine Rückkehr Anfang Januar also noch nicht zu 100 % gesichert ist.) Der Rest der Etappe? Ein dauernder Kampf um Platz auf der Strasse, vorbei an gesichtslosen Monsterhotelblöcken auf der einen und fantastischen Villen mit gigantischen Booten auf der anderen Seite der Strasse.

Kleines Häuschen mit Boot im Garten,. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Kleines Häuschen mit Boot im Garten,. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Unterwegs haben wir bei einem öffentlichen Strandzugang mit WC und Dusche von diesen Sachen gebrauch gemacht. Wir stellten uns einfach unter die kalte Dusche und konnten so in den nassen Kleidern die Hitze wieder besser ertragen.

Beachpanorama: Das Schwimmen haben wir  heute noch verschoben, aber das kommt schon bald.

Beachpanorama: Das Schwimmen haben wir heute noch verschoben, aber das kommt schon bald.

Gegen 4 Uhr hatten wir genug. Die vielen Stop an Go’s, zu wenig Platz, viel konzentriertes Lenken und in den Rückspiegel schauen, dazu die Hitze. Das alle hat uns doch geschafft und so fuhren wir 10 Km vor dem geplanten Ziel bei einem „Motel 6“ das rechts am Strassenrand auftauchte vor, buchten wieder ein „1. Floor Room“ und konnten direkt vom Parkplatz ins Zimmer fahren. Geschafft nun nur noch absatteln, ein kühles Bierchen (oder Wasser) und noch eine Runde im Pool für die Dehnungsübungen.

Fazit: Miami liegt hinter uns :-))
Übernachtung: Motel 6, Dania Beach, Fort Lauderdale

Liebe „Blogkommentator_innen“: An dieser Stelle einen herzlichen Dank für eure positiven und aufmunternden Kommentare. Sie freuen und motivieren uns auch weiterhin fleissig in die Pedale zu treten und die Tasten zu bearbeiten.

Tag 3: (16.10.14) Key Largo – Cutler Bay

Distanz: 68.6 Km. / Gesamt 234.56 Km / Fahrzeit: 4 Std. 49 Min., viel Gegenwind
Durchnitt 14.24 km 😦  GPS – Track

Workout!

Heute war Fitnesstraining angesagt. Die Strecke von Key Largo nach Cutler Bay, südlich von Miami, ist nicht wirklich spektakulär und verläuft mehrheitlich schnurgerade zwischen grossen Zäunen, welche die Krokodile vom Überqueren der Strasse abhalten sollen.
Aber der Reihe nach. Ich hatte ja geplant, nicht auf der A1 nach Miami zu fahren, sondern den Umweg über die „Card Sound Rd.“ zu nehmen, da dort massiv weniger Verkehr ist. Auf der A1 fährt fast der gesamte Verkehr der von und nach den Key’s unterwegs sind. Beim Frühstück auf der Terrasse im Motel habe ich beobachtet, wie sich gerade ein Radler auf sein voll bepacktes Reiserad setzte und den Helm montierte. Bereit für die nächste Etappe. „Hier entschwindet gerade viel Tourenerfahrung und lokales Wissen“ fuhr es mir durch den Kopf. Also bin ich rasch zu ihm hin, habe ihn freundlich begrüsst und nach seinen Plänen gefragt. „I’m on the way to Key West“, sagte er und als er erfuhr dass wir von dort kommen und uns nun Gedanken zum besten Weg nach Miami machen, stieg er sofort wieder vom Rad, setzte seinen Helm ab und holte sein Handy hervor. Er empfahl mir, nicht die von mir geplante Route zu nehmen, da es auf dieser Strasse kaum einen Seitenstreifen habe. Zur Illustration zeigte er mir Bilder dieses Abschnitts auf seinem Handy. Die A1 sei aber kein Problem, wohl stark befahren aber immer mit einem breiten Seitenstreifen. Ich bedanke mich und gab ihm den Tip auf dem Weg beim Milemarker 80 doch im Midway Cafe vorbeizuschauen. Ich  erzählte im vom netten Lokal, der freundlichen Bedienung und dem guten Essen. „Das passt perfekt, ich werde wohl gerade zu meinem zweiten Frühstück dort sein“ sagte er, setzte den Helm auf und radelte los.
Als wir dann auch startklar auf den vollgepackten Rädern sassen kam eine Motelnachbarin auf uns zu, mit der wir gestern im Pool etwas geplaudert hatten. Sie konnte es nicht fassen das wir wirklich nur mit den Rädern und nicht noch zumindest mit einem Begleitfahrzeug unterwegs waren und bis nach New Orleans wollten. „Phantastisch,  und das alles ohne Benzin zu verbrennen! Have a safe trip“ rief sie uns hinterher als wir losfuhren.

schon bald ein Ritual: Sandwichbunkern für unterwegs

Schon bald ein Ritual: „morgendliches Sandwichbunkern“ für unterwegs

Solche spontane und unkomplizierte Begegnungen und Gespräche geniesse ich jedes mal wenn ich in den USA unterwegs bin. Da könnten wir „verschlossenen Schweizer“ sicher noch etwas dazu lernen.
Die ersten Kilometer führten uns an dem typisch amerikanischen „Ausfallstrassenmix“ vorbei, Fast Food in allen Variationen, Tankstellen, Einkaufszentren, Immobilien- und Rechtsanwaltsbüros, etc.
Dann führte uns die erste Brücke über den Lake Surprise und wir hatten die Key’s nun hinter uns. Von nun an gab es ausser Mangrovengebüschen links und rechts der Fahrbahn für lange Zeit nicht mehr viel zu sehen.

Für Gilbi (hast du hier ein zweites Standbein eröffnet?)

Für Gilbi
(hast du hier ein zweites Standbein eröffnet?)

Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt tauchte auf unserer Strassenseite ein privater Bootshafen mit Reparaturwerkstatt auf, „Zutritt nur für Bootseigner“. Das waren wir zwar wirklich nicht, trotzdem wäre eine Toilette willkommen gewesen. So fuhren wir auf das Gelände und ich ging ins Büro, um artig zu fragen, ob wir zwei Velofahrer nicht doch die „Restrooms“ benützen könnten. Die ältere Dame machte es kurz: „Nein, das ist nur für Bootseigentümer und Marineangestellte!“ Auf die Frage, wo denn die nächste Möglichkeit wäre meinte sie: 20 Meilen (36 km) Richtung Norden . Upps, das ist mit dem Velo aber gar weit. Ich setzte einen flehenden Blick auf, erklärte ihr noch einmal das ich mit meiner Frau und dem Fahrrad unterwegs sei und damit seien 20 Meilen zur Toilette doch ziemlich weit. „Wirklich keine Ausnahme?“ fragte ich. Das hat gewirkt, ohne etwas zu sagen zeigte sie mir mit einer Handbewegung an, das wir die Toiletten nun doch benutzen düefen aber dann zurück auf die Strasse. Mehr wollten wir auch nicht und waren froh und erleichtert, so dass wir uns bald darauf auf dem Seitenstreifen wieder konzentriert dem zum Teil kräftigen Wind entgegenstellen konnten.

Mittagsrast am Rande der A1

Mittagsrast am Rande der A1

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Wer hier im „1 Floor“ wohnt, hat sicher öfters nasse Füsse, (… und schwimmender Besuch in der Küche?)

Ereignislose 40 Km später erreichten wir dann den „Miami – Dade Bikeway“. Dies ist eine etwa 50 Km lange „Velobahn“ die entlang einer separaten Busstrasse von Homested bis nach Downtown Miami führt. Ja, ihr habt richtig gelesen, da gibt es eine zweispurige Strasse auf der nur Linienbusse verkehren dürfen und gleich nebenan auf der ganzen Länge ein breiter Veloweg!

Velobahn!

Velobahn!

Das wären doch mal etwas, das sich die „Velostadt“ Winterthur genauer ansehen sollte. Einen kleinen Haken hat die Sache leider schon. Bei jeder querenden Strasse ist ein Lichtsignal installiert und mangels Induktionsschaufe muss man als Velofahrer immer auf den Ampelknopf drücken, damit es grün wird. Flüssiges fahren sieht anders aus!
Dennoch haben wir unser Ziel die Region „Cutler Bay“ um gut vier Uhr Nachmittags erreicht und im zweiten Anlauf auch ein Motel gefunden, das uns ein Zimmer im „1 Floor“ (heisst zwar übersetzt 1. Stock, es ist jedoch das Parterre gemeint) anbieten konnte. Wir haben nämlich bereits gemerkt das wir viel ruhiger schlafen, wenn unsere Pferdchen bei uns im Zimmer stehen und das geht im „1 Floor“ nun wirklich besser, als wenn wir sie noch hochtragen müssen. Also wird das Erdgeschoss in Zukunft unsere bevorzugte Etage werden.

Blogger at work

Blogger at work

Fazit: Unspektakuläre Landschaft, Gegenwind, also fast wie ein Workout im Fitnessstudio
Übernachtung: La Quinta Inn + Suites Miami Cutler

Tag 2: (15.10.14) Knights Key – Key Largo

 

Distanz: 85.9 km. / Gesammt 166.4 / Fahrzeit 5 Std. 18.Min. / Durchschnitt 16.19 km/h
GPS-Track

Hitzestau!

Die Nacht im Zelt war ziemlich warm, auch wenn wir auf die Montage des Überzelt’s verzichtet haben und so nur im Moskitonetz schliefen. Obwohl wir früh aufgestanden sind, dauerte es doch recht lange bis wir um 9.15 Uhr endlich auf die Strasse kamen. Die Photosession war mitschuldig, musste aber sein!

7 Mile Bridge: Die letzten 13.5 Km gestern Abend

7 Mile Bridge: Die letzten 11.2 Km gestern Abend

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Am Campingplatz: nice place

Hier gibt es definitiv noch Verbesserungspotential. Durch die späte Abfahrt hatten wir dann schon von Anfang an „Betriebstemperatur“. Wie gestern brannte auch heute die Sonne erbarmungslos auf uns Bleichgesichter und da heute der Wind Pause machte, fühlte es sich noch viel heiser an als gestern. Die Anzeige am Fahrradtacho kletterte bis auf 47 Grad. Klar, das war in der Sonne gemessen aber eben genau dort sitzen wir auch. Wir haben also jedes Grad mitbekommen. So lautete das Moto auch heute: regelmässig Tankstellen aufsuchen und im Shop Flüssiges besorgen.

Abkühlen!

Abkühlen!

Landschaftlich wie gestern, mit weitem Blicken übers Meer und an Mangroven vorbei kamen wir langsam aber stetig gegen Norden voran.Heute hatte es viele Baustellen, so dass wir die abgetrennten Radwege oft nicht fahren konnten und immer wieder auf die Hauptstrasse auf den Pannenstreifen ausweichen mussten.

Diese Tafen haben wir heute oft vermisst.

Diese Tafeln haben wir heute oft vermisst.

Das hatten wir ja gestern bereits geübt und so fühlten wir uns immer sicherer, auch wenn die Stellen manchmal gar eng wurden. Gegen 14 Uhr hatten wir nun wirklich Hunger, aber schon seit gut einer Stunde suchten wir vergeblich nach einer Verpflegungsmöglichkeit. Da tauchte beim Milemarker 80 wie eine Fatamorgana das „Midway Cafe“ auf. Es soll genau auf halbem Weg zwischen Miami und Key West liegen.

Unser Paradis heute Mittag!

Unser Paradis heute Mittag!

Solches „Reiseführerwissen“ war uns im Moment aber völlig egal. Wichtig war einzig und allein, dass wir hier auf ein wunderhübsches Cafe mit einer tollen Speisekarte gestossen waren. Die Inneneinrichtung liebevoll zusammengestellt, die beiden Frauen die das Cafe führten ausgesprochen freundlich. Man spürt schon beim Eintreten das hier ein Lokal mit viel Liebe betrieben wird. Mit einem Frappe kühlten wir uns zuerst mal ab und mit den leckeren „homemade Wrap’s“ füllten wir die Kohlenhydratspeicher wieder auf. Als wir aus dem Lokal traten wurde es noch besser: ein lang herbeigesehnter Platzregen, tropisch warm aber eben nach dieser Hitze doch erfrischend, kühlte uns ab. So waren wir für die letzten 30 Km gut gerüstet und haben diese  recht locker abgespuhlt. Im Hotelpool haben wir dann noch die nötigen Dehnübungen gemacht und freuen uns jetzt auf den Schlaf in einem gekühlten Zimmer.

unsere "Pferdchen" dürfen heute auch ins kühle Zimmer.

unsere „Pferdchen“ dürfen heute auch ins kühle Zimmer.

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Da lässt es sich doch gut erholen

Fazit: ganz schön gegrillt Heute
Übernachtung: Bayside Inn, Key Largo

Tag 1: (14.10.2014) Key West – Knights Key

Distanz: 80.5 km, Zeit 5 Std. 20 Min. Durchschnitt 15 km/h
Gegenwind mittel
Route: GPS-Track

The beauty and the beast

So nun geht es also wirklich los. Zum Start der Tour sind wir zum „Southernmost Point“ in Key West gefahren. Das ist der Ort in den USA wo Kuba (90 Meilen) näher ist als der nächste „Walmart“. Und weil das so ungewöhnlich ist, wollen sich alle vor dieser „Boje“ fotografieren lassen. Dafür stehen die Touristenscharen dann schon am Morgen geduldig in der Schlange. Für solche Zeitverschwendung haben wir natürlich keine Zeit, denn es warten die ersten gut 80 km auf uns und der Wind ist, wie gestern von den beiden Liegerafahrern angekündigt, gegen uns. Also haben wir uns kurz neben die Boje gestellt, einen netten Ami gefragt ob er mal ein Foto machen könnte und los gings: „San Diego, wird machen uns auf den Weg!“.

Southernmost Point: südlichster Punkt an der US Ostküste

Southernmost Point:
südlichster Punkt an der US Ostküste

Die auf Null gestellten Kilometerzähler werden an den Rädern montiert und wir suchten uns den besten Weg hinaus aus Key West. Nach einigem „zick-zack“ haben wir die A1 gefunden. Die nächsten Tage werden wir für gut 650 Kilometer mehrheitlich dieser Strasse entlang immer weiter nach Norden fahren.
Der Wind machte uns mehr zu schaffen als erwartet und die Sonne brannte ebenfalls erbarmungslos vom Himmel. Da rächte es sich nun, dass in der Schweiz der Sommer 2014 „nicht stattfand“ und uns so die entsprechenden Hitzerfahrung fehlt. „Coppertone 50“ heisst unsere Waffe gegen den Sonnenbrand und die Creme setzten wir mit amerikanischer „Grosszügigkeit“ (grenzt fast schon an Verschwendung) ein. Wo möglich wird der Körper auch mit Stoff bedeckt. Zum Glück haben wir vor zwei Tagen noch „Armlinge“ mit UV Schutz gekauft, die wir nun gerne anziehen, damit wir nicht am ersten Tag schon geröstet werden.

Armlinge mit UV Schutz und Coppertone 50: Kampg gegen die Sonne

Armlinge mit UV Schutz und Coppertone 50:
Kampf gegen die Sonne

Die Fahrt Richtung Norden führt uns häufig auf einem separaten Radweg etwas abseits der Strasse durch Mangrovenwälder. Es riecht etwas modrig vom Brackwasser, dafür spenden die Büsche etwas Schatten. Vor uns liegen immer wieder Gruppen von Leguanen in der Sonne, die sich beim Näherkommen aber sofort in die Mangrovenbüsche zurückziehen, so das an fotografieren gar nicht zu denken ist.
Plötzlich taucht am Radweg ein Schild auf „Cafe / Lime Pie“.  Das kommt uns gerade recht. Erstens müssen wir dringend Wasser nachschütten, denn wir haben bereits einige Liter verdunstet, zweitens schaden etwas Kalorien auch nicht, den diese werden fortlaufend verbrannt und wenn das Ganze noch in einer schönen, schattigen „Gartenbeiz“  genossen werden kann, macht das die Entscheidung anzuhalten noch einfacher.

fast wie am Radweg im Tösstal: schattige Gartenbeiz

Fast wie am Radweg im Tösstal: schattige Gartenbeiz

Nach dieser Stärkung fühlten wir uns fit für die erste grosse Brücke auf der Tour. Leider gibt es da oft keine separaten Bereiche mehr für Velofahrer und man muss sich auf dem Pannenstreiffen mit den Autos und Trucks die Brücke teilen. Zum Glück sind die meisten Fahrer rücksichtsvoll, vor allem die Trucks weichen wenn immer möglich grosszügig aus.

share the road

„share the road“

Wir machen uns so gut es geht „sichtbar“: Warnweste um die grosse Tasche auf meinem Gepäckträger, Fahnen am Rad und Barbara hat zusätzlich noch ein längeres pinkfarbenes Tuch befestigt. Dieses flattert mutig im Wind und macht uns so noch früher sichtbar. Nach weiteren „Tankstops“, die wir zum nachfüllen von Wasser und Powergetränken einlegen mussten, stand „kurz“ vor dem Ziel die grösste Herausforderung an: 7 Mile Bridge. Also eine gut 11.2 km lange Brücke, schmaler Seitenstreifen, in der Mitte noch ein „Hügel“, damit die Schiffe unter der Brücke passieren können. Barbara wollte die Brücke ohne vorherigen Erholungsstop anfahren, denn sie wollte es einfach hinter sich bringen und hat das prima gemeistert. Am Ende eines langen und anstrengenden Tages haben wir das Zelt aufgestellt und uns anschliessend vor dem Abendessen noch mit einem Bad im warmen Atlantik belohnt.

Noch viele freie Plätze. Die Saison startet erst im Dezember.

Noch viele freie Plätze.
Die Saison startet erst im Dezember.

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Wir lassen uns die Pasta in schöner Umgebung schmecken!

Fazit:
The beauty = tolle Landschaften und Weitblick
The beast = kommt von hinten, röhrt oft beeindruckend und lässt einem an einer Brückenwand sehr verletzlich erscheinen.
Übernachtung: Knights Key Campground

 

13.10.2014: letzte Vorbereitugen

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der letzten Vorbereitungen. Zuerst der Körper: Das bedeutet, noch mal so lange im Bett liegen bleiben wie man will, gemütlich das Frühstück geniessen, ausgiebig im Pool baden, an der Sonne liegen etc.

Blüte vor der Zimmertüre

Blüte vor der Zimmertüre

Der Namer versprichti nicht zuviel: Paradise Inn

Der Name verspricht nicht zuviel: Paradise Inn

Anschliessend mussten wir aber doch auch ans Material denken. Wir haben unsere Reifen als zusätzlichen Pannenschutz mit einer grünen Flüssigkeit befüllt, die im Falle eines Lochs den Reifen von innen her abdichten soll. Mal sehen ob das funktioniert. Um die Masse im Reifen gut zu verteilen, haben wir gleich noch eine kleine Rundfahrt im alten Teil der Stadt gemacht. Viele schöne alte Häuser, aber auch einige die mehr als einen Eimer Farbe nötig hätten. An die Energie die benötigt wird um diese Bretterbuden auf die hier üblichen „Minusgrade“ herunter zu kühlen wagen wir schon gar nicht zu denken.

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Hübsches Blumengeschäft …

 

Blumenladen an der Simeon Street

… an der Simeon Street

Dann fuhren wir noch ganz ans Ende von Key West zum Ford Zachary Taylor Historic State Park.
Eine Befestigungsanlage aus der Zeit um 1845 das bis 1947 als Bollwerk gegen möglichen Angreifer in Betrieb war. Heute gibt es ausser dem weiten Blick aufs Meer hinaus nicht wirklich viel zu sehen.

Fort Zachary Taylor

Fort Zachary Taylor

Die Picknickplätze auf dem Areal sind jedoch sehr schön angelegt und einige Strandabschnitte laden zum Baden ein.
Dort haben wir dann den Ort gefunden, um die wichtige Startzeremonie vorzunehmen. Das Hinterrad meines Grasshopper musste das Wasser des Atlantik spüren. Ich habe mein Pferdchen also da runter getragen und vorsichtig in den Sand gesetzt, schliesslich soll mein Lieger ja nicht als eine vom Salzwasser zerfressene Rostlaube am Pazifik ankommen. Kaum waren die Bilder gemacht, tauchten zwei Parkranger auf. Höflich aber bestimmt haben sie uns klargemacht, dass in der Picknickarea nicht mit dem Fahrrad gefahren werden darf. Ich habe die beiden aufgeklärt, das dies ganz wichtiger Moment sei, um den Start zu einer Reise quer durch die USA symbolisiere. Dazu müsse das Rad eben kurz an den Strand. Das hat sie sofort überzeugt. Sie wünschten eine gute Reise und setzten ihren Patrouillengang fort.

Weiter östlich kann die Radreisen nicht mehr starten.

Weiter östlich kann die Radreisen nicht mehr starten.

Auf der Fahrt zurück zum Hotel haben uns noch zwei Männer um die 65 zu sich gerufen. „Kommt schnell zu uns, wir fahren auch Liegedreirad.“ Wir sind zu ihnen über die Strasse und die zwei hatten ihre helle Freude an unseren Rädern. Sie haben alles genau inspiziert und es war uns sofort klar, das wir es hier mit richtigen „Experten“ zu tun haben. Das wir auf unseren Bikes noch vom Lenker aus bedienbare Blinklichter montiert haben, hat aber selbst die Amis verblüfft. Sie wollten natürlich sofort wissen welche Marke das ist und wo man so etwas bekommen kann. Anschliessend haben sie uns ihren Fahrzeugpark gezeigt. Zwei „Renntrikes“, also dreirädrige Liegeräder die sehr tief, und damit aerodynamisch konstruiert sind. Dann zwei gemässigte Trikes mit etwas höherer Sitzposition und noch zwei Trikes in der E-Bike Ausführung. Zu Hause in Dalles Texas, wo sie wohnen, wären noch mehr solcher Teile erklärten sie, inkl. ein Velomobil (vollverschaltes Liegerad). Auch hier also, typisch amerikanische Materialschlacht. Die beiden wünschten uns eine gute Reise. Wir bedankten uns, denn jeden guten Wunsch können wir gebrauchen. Morgen geht’s nun richtig los.

 

12.10.14: Angekommen

Die erste Nacht in Homestad (südlich von Miami) haben wir in einem sehr ruhigen Motel verbracht. Trotzdem wollte das mit dem Schlaf  nicht so recht klappen. Wie es scheint,  wird das mit dem Jetlag mit fortschreitendem Alter auch nicht besser.  Müde genug wären wir nach dem Flug und den letzten Tagen ja gewesen.

Hier im Nachgang noch einige Bilder vom Samstag:

ready to fly

 

Winglets (für Hollä)

Winglets (für Hollä)

FAY hat sich genau in der Flugroute bewegt und zwang uns zum Umweg!

FAY hat sich genau in der Flugroute bewegt und zwang uns zum Umweg!

 

All unser Gepäck hatte im Mietwagen platz!

All unser Gepäck hatte im Mietwagen platz!

Nach der ganzen Reise muss Barbara ziemlich „alt“ ausgesehen haben. Es gelang ihr nämlich im „Denys“ problemlos ein „Menue 55+“ zu bestellen. Diese Seite der Speisekarte wäre ja eigentlich den Senioren vorbehalten. 😉

Schlaflose Nächte können ja auch für manches gut sein. So konnte ich meine bereits zu Hause gekaufte „pre paid US SIM Karte“ mal in mein Handy stecken und versuchen Verbindungen aufzubauen. Telefon und SMS klappten auch problemlos, beim Internet wurde es dann schon schwieriger. Zum Glück gab s im Motel „free wifi“, so dass ich mit dem i-Pad recherchieren konnte, welche Einstellungen ich im Handy anpassen musste, damit das auch mit dem Datenverkehr (MMS, Internet usw.) klappt. Ich habe also heute Nacht also ungefragt gelernt, wie man einen APN Zugang manuell einrichtet, wo man die „Proxyserver URL“ findet etc. Fakt: Seit heute um 04.30 Uhr Ortszeit ist mein Handy über eine US – SIM mit dem grossen Netz verbunden.

Unser Tagesziel heute: Key West erreichen und Fahrräder startklar machen!
Ziel ist erreicht!
Da am Morgen noch etwas Zeit blieb, haben wir einen kurzen Abstecher in den Everglades NP gemacht. Ein Besuch im Visitor Center sowie im Bereich „Royal Palm Area“ zwei kurze Rundgänge konnen wir noch machen.  Die Moskitos waren recht zahm und haben uns auch ohne Spray kaum belästigt. Tiere? Na ja es war um die Mittagszeit, also viele haben wohl gewusst dass wir eigentlich nach Key West, dem Aufenthaltsort von Ernest  Hemmingway wollen und gleich mal eine „Siesta“ eingelegt.

Eine recht grosse Floridaschildkröte ist zwar zum Teil neben den Besucherwegen entlang geschwommen, hat sich aber nicht ins rechte Licht gerückt.  So ist es dann vorwiegend bei den Pflanzenfotos geblieben,

hat still gehalten

Schattenspender

nice Gator

I See you

… nur ein Aligator hat uns mal „zugezwinkert“

Dann die ganze Strecke runter nach Key West. Wir haben die Strasse diesmal zwar durch die Frontscheibe, aber mit dem Blick des Velofahrers angeschaut. Wo gibt es Engstellen, wo wird gebaut, was wären für Alternativen möglich? Schliesslich wollen wir für die Rückfahrt per Rad möglichst wenig Überraschungen erleben. Kurz nach halb fünf haben wir dann den Mitewagen am Flughafen Key West zurückgebracht.

Bikes are ready

Bis wir soweit waren, ist Schweiß geflossen.

Alles Gepäck ausgeladen, die Boxen geöffnet (hurra alle Bikes sind ohne Schaden angekommen, danke Emil) und dann die Räder wieder zusammengebaut. Nach gut zwei Stunden im Schatten des Parkhauses (danke das uns die Security nicht weggeschickt hat) waren zwei Liter Schweiss vergossen, die Räder gepackt, das Verpackungsmaterial entsorgt und so konnten wir die ersten 6 Kilometer bis zum Hotel unter die Räder nehmen.
Dem Sonnenuntergang entgegen. Dass nennen wir mal einen würdigen Empfang.

great welcome to Key West

was für ein Empfang

… und morgen werden wir einfach das Hotel, den Pool, die nähere Umgebung geniessen und noch so richtig ausspannen, bevor am Dienstag dann die Reise wirklich beginnt.

just relax

 

 

on the way

So nun sind wir also unterwegs, und die lange geplante Reise hat mit dem Flug LX64 nach Miami definitiv und ziemlich pünktlich begonnen.

Diesen Bericht schreibe ich nun irgendwo zwischen Island und Kanada, 11’000 Meter über dem Atlantik. Wir können die Aufmerksamkeit des Kabinenpersonals heute sogar noch etwas länger geniessen 🙂 Wie der Pilot erklärt hat nehmen wir wegen eines Hurrikane über den Bahamas einen Umweg, fliegen etwas nördlicher als üblich und dann der US Ostküste entlang Richtung Süden.
In der Woche vor dem Abflug schien die Zeit nur so zu rasen. Noch dies und das sollte erledigt oder besorgt werden; Bankgeschäfte klären, Einzahlungen, ein letzter Check der Materialliste, finales Einpacken, letzte Gartenarbeiten, Arbeitsübergabe im Büro, sich von Freunden und Familie verabschieden etc. Die Liste war definitiv länger als die zur Verfügung stehende Zeit.
Fredys Matelialberg
Trotzdem konnten wir heute recht entspannt und begleitet von unseren Töchtern Anja und Julia zum Flughafen und uns in Ruhe verabschieden. We will miss you!
Am Check-In in Kloten war heute Hochbetrieb und wir waren froh, unser Gepäck bereits gestern Abend abgegeben zu haben. Die Nähe zum Flughafen bringt eben auch Vorteile. Schnell mal ein Vorabend-Check-In hätten sich wohl viele unserer Mitreisenden nicht leisten können. Es wird auffallend viel französisch gesprochen in der Kabine und die mussten heute wohl alle lange an den Schaltern warten.
Wir haben unser Gepäck gestern mit Hilfe meines Bruders fachgerecht verpackt, die Fahrräder in einen Karton gesteckt, mit Folie umwickelt und mit „Vorsicht Glas“ Bändern beschriftet. Die müssen einfach gut ankommen.
Die Bikes in der Wickelmaschine
Zu den Rädern lagen auf dem „Sperrgepäckwagen“ dann noch eine Nylontasche sowie ein Karton. Total haben wir inkl. Räder gut 70 Kilo aufgegeben. Hoffentlich ist unser Mietwagen in Miami genug gross, so dass wir alles verstauen können. In 5 Std. werden wir genaueres wissen.
Ach ja, und ganz herzlichen Dank für all die lieben Grüsse und guten Wünsche die wir kurz vor Abflug noch erhalten, aber nicht mehr beantwortet haben.
So und nun ist Schluss mit Schreiben, schliesslich sollte ich meinem Arbeitskollegen Roger Kern ja wieder mal die Daumen drücken. Er kämpft in diesem Moment am IRONMAN auf Hawai um eine gute Platzierung. Ich wünsche ihm, dass all sein Training und seine Disziplin mit einem für ihn guten Wettkampf belohnt wird. Und dann noch einen herzlichen Glückwunsch an alle die heute 40ig wurden ; -)

Mittlerweile gut angekommen, mehr dazu morgen, gute Nacht.

Noch 5 Tage

In den letzten Tagen konnte ich auf der „to to liste“ wieder so einiges abarbeiten. Die Fahrräder haben bei „Fateba“ noch einen letzten Check bekommen. Das Team um Markus hat einen guten Job gemacht. Die Schaltung ist mit neuem Öl gefüllt, so dass sich all die vielen Zahnräder für die 14 Gänge in der Nabenschaltung so richtig wohl fühlen. Den Bremsen wurden neue Beläge verpasst, schliesslich werde ich diese auf 5000 Kilometer öfters mal betätigen müssen und dann sollen sie ihre Arbeit wie erwartet erledigen können. Das Schuhwerk (sprich Reifen) meines Liegers wurde ebenfalls erneuert. Ich habe mir die neuen Schwalbe Marathon plus montieren lassen. Gemäss Hersteller sollen dies „unplattbar“ sein. Ich bin gespannt und werde darüber akkribisch Buch führen. Hoffen wir mal, das ich am Ende der Tour sagen kann: Kompliment, nicht zu viel versprochen!

Unsere Radtaschen sind soweit gepackt und abgewogen. Ab und zu werfen wieder mal einen Blick hinein und überlegen, ob wir dies oder das noch zu Hause lassen könnten. Schliesslich muss jedes Kilo zu viel mit Muskelkraft vorwärts bewegt werden. Die Tatsache dass wir im Notfall fehlende Teile in der Regel in den USA problemlos kaufen können, erleichtert uns den Entscheid das Eine oder Andere wieder auszupacken. Auf vielen Veloblogs habe ich gelesen, das vor allem die Greenhorns (wie wir) auf ihrer ersten Tour zu schwer bepackt waren und schon bald einen Teil des Ballast wieder nach Hause schicken mussten. Barbara ist bei 11 kg angelangt. Ein guter Wert! Natürlich hat sie auf das Beauty Case, die Highheels, das kleine Schwarze usw. verzichtet, aber schliesslich planen wir ja auch keine ausgiebigen Partynächte sondern brauchen vorwiegend funktionale Klamotten.

Bei mir sind es mit Zeltausrüstung inkl. Matten und Schlafsäcke für beide, Fotoapparat, GoPro, iPad mit allen Ladekabeln sowie Veloersatzteilen inkl. 1 Ersatzreifen nun etwa 21 Kg. Somit also schon nahe an der „Schmerzgrenze“. Mal sehen ob sich für die finale Packversion bis am Freitag noch etwas optimieren lässt.

Und dann war da am 26.09. noch das Kokou-Fest in Zürich. Ich war zusammen mit Barbara dort und wir hatten die Gelegenheit Kokou und seine Frau Elisabeth sowie das Leitungsteam des Vereins „Freundinnen und Freunde von Kokou“ persönlich kennen zu lernen.

Treffen mit Elisabeth und Kokou am 26.09.2014

Treffen mit Elisabeth und Kokou am 26.09.2014

Ich habe an diesem Anlass auch das Sponsoringprojekt kurz vorgestellt und viele positive Rückmeldungen bekommen. Kokou und Elisabeth haben über den aktuellen Stand ihres Spitals sowie die Zukunftspläne berichtet. Es war sehr eindrücklich aus erster Hand mehr über ihre Arbeit in Togo zu hören. Sie schilderten eindrücklich iher Alltag in der Klinik nördlich von Lome und mit welchen Schwierigkeiten sie immer wieder konfrontiert sind. Beeindruckt hat mich auch das persönliche Engagement mit welchem sie sich für eine Verbesserung der Lebenssituation der Patienten vor Ort einsetzen. Neu werden sie auch eine gynäkologische Abteilung eröffnen um schwangere Frauen während der Schwangerschaft und Geburt betreuen zu können. Auch bei den Vereinsmitgliedern habe ich viel Engagement und positive Energie gespürt. Ich bin mehr denn je überzeugt mit diesem Sponsoringprojekt eine gute und wichtige Sache unterstützen zu können und das jeder Franken sehr direkt zugunsten der Betroffenen eingesetzt wird. In diesem Sinne war das Fest für mich eine gute Erfahrung und wird mir Unterwegs ab und zu als „Motivationsspritze“ dienen, wenn es mal nicht so rund läuft oder de Motivation etwas in den Keller sackt. Also, wer es noch nicht gemacht hat, es ist nie zu spät sich noch als Sponsor anzumelden! Einfach ein Mail an liegerad@gmx.ch senden, den eingesetzten Betrag in Rappen pro Meile angeben und schon ist du dabei.

In den nächsten zwei Tagen muss nun im Büro noch die Übergabe an meinen Stellvertreter über die Bühne und dann darf ich die geschäftlichen Gedanken bis ins neue Jahr in der Betriebszentrale Ost lassen.
Danke Kollegen, echt nett von euch mir all das abzunehmen!

Noch 4 Wochen

In 4 Wochen sitzen wir um diese Uhrzeit schon im Flieger. „SWISS LX64“ von Zürich nach Miami!
Ich kanns kaum erwarten!
(Mein näheres Umfeld vermutlich auch nicht, habe ich sie doch in den letzten Monaten sicher etwas gar oft mit diesem Thema „unterhalten“.)
Vor nicht allzulanger Zeit erschien es mir noch ewig zu dauern, bis wir die Fahrräder einpacken und losfliegen können. Nun habe ich plötzlich das Gefühl, dass es doch noch das eine oder andere zu erledigen gilt. Die Fahrräder müssen noch zum grossen Service, einige Ersatzteile sind zu beschaffen, das „flugzeugtaugliche Probeverpacken“ der Räder wurde noch nicht erledigt…
Auf meinem Smartphone ist noch immer nicht alles so konfiguriert wie ich das haben wollte, mein Umgang mit dem neuen Fotoapparat beschränkt sich mangels Einarbeitung auch mehrheitlich auf den Modus „automatische Belichtung“ und das mit den angepeilten Trainingskilometern hat in diesem Regensommer ebebfalls nicht ganz geklappt. Zumindest eine 2-tägige 200 km Trainigsfahrt mit Vollgepäck und Übernachtung im Zelt konnten Barbara und ich Mitte August mal durchführen. Danach hatten wir nur noch Zeit für kürzere Feierabendfahrten. Dass muss nun wohl genügen. Wir haben zum Glück aber ein gutes Gefühl und sind nach wie vor überzeugt, dass wir das mit unseren Liegerädern schon schaffen werden.

P1000401

Dem Walensee entlang Richtung Sargans, die Regenfront im Nacken!

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Testnacht im kleinen MSR Zelt. Nur 1.7 kg und Platz für zwei 🙂

In den letzten Tagen und Wochen konnte ich mein Sponsoringprojekt „MILES 4 KOKOU“ bekannt machen. Familie, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen haben sich in den letzten Tagen auf „liegerad(at) gmx.ch“ gemeldet und mir ihre Zusagen zu einem Sponsoring geschickt. Allen an dieserStelle schon mal herzlichen Dank. Im Moment würden bei erfolgreicher Durchquerung etwa 1500 Fr. für das Spital in Togo zusammenkommen. Das hat also ganz toll angefangen und geht hoffentlich noch weiter. Also nicht vergessen und eine Sponsorenzusage machen!
So nun noch schnell zum Veloladen um einen Servicetermin festzulegen und die notwendigen Ersatzmateialien zu beschaffen.