Tag 59: ( 11.12.14) Tucson – Eloy

Distanz: 112.5 km / Gesamt: 4743 km / Fahrzeit: 4 Std. 57 Min. / Durchschnitt 22.7 km/h

Vormittag 15, Nachmittag 24 Grad, ganzer Tag sonnig, oft leichter Rückenwind,

Adventsgeschichten

Steve, mein toller „Warmshowers Gastgber“ der mir zusammen mit seiner Frau Christine viel mehr als nur eine „warme Dusche“ offerierte, begleitete mich heute Morgen auf den ersten 35 Kilometern durch Tucson und führte mich auf guten Radwegen aus dieser 300’000 Einwohnerstadt.

Sonnenkolektoren im Einsatz.

Sonnenkollektoren im Einsatz.

Keine Geranien im Garten, dafür schöne Kakteen.

Keine Geranien im Garten, dafür schöne Kakteen.

Weihnachtsdeko in der Wüste.

Weihnachtsdeko in der Wüste.

Ich wusste bis heute nicht, dass Miss Piggy zur "Weihnachtsfamilie" gehört.

Ich wusste bis heute nicht, dass Miss Piggy zur „Weihnachtsfamilie“ gehört.

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Schöner Radweg durch Tucson.

Als wir an der Stadtgrenze ankamen war es Zeit sich zu verabschieden. Dies ist mit der Hoffnung verbunden diese tollen Menschen bald mal wieder zu treffen.

Goodby Steve, Thank's for all and I hope to meet you and Christine again!!!

Goodby Steve, Thank’s for all and I hope to meet you and Christine again!!!

Meine weitere Fahrt sah auf der Karte nicht sehr spektakulär aus. Alles auf einer Parallelstrasse zur Interstate 10. Ruhig, wenig Verkehr und rechts der Strasse die Eisenbahn. Strahlender Sonnenschein und leichter Rückenwind machten die Fahrt auch an einem Donnerstag zu einer richtigen Sonntagsfahrt. Leider konnte ich nicht so nahe am Flugzeugparkplatz vorbeifahren wie dies mein Arbeitskollege Stefan wünschte. Da war von meiner „Frontage Road“ einfach kein vernünftiger Zugang zum „Parkplatz“, wo die im Moment nicht mehr im Betrieb stehenden Flugzeuge aus der ganzen Welt im trockenen Wüstenklima abgestellt werden. Immer in der Hoffnung das die Maschinen wieder eingesetzt werden können. Ich habe sie in der Ferne dann doch noch erspäht und konnte nur ein leider unscharfes Foto schiessen. Der Umweg von gut 18 Kilometer war mir dann aber zu weit.

Leider nicht "scharf" aber der Beweis, ich habe sie gesehen!

Leider nicht „scharf“ aber der Beweis, ich habe sie gesehen!

Kurze Zeit später begegnete ich einem Langstreckenradler. Er heisst Joe und ist auf einem Charityride nach Mexiko. Er erzählte, dass er das schon zum elften Mal mache und bei seinen Fahrten jeweils Geld für Krebskranke Kinder sammle. Wer „Joe Do Painado 1500 Miles“ in Google eintippt, findet unter anderem ein Video seiner Sammelaktionen. Es war eine kurze aber nette Begegnung mit einem engagierten Menschen. Leider hat er heute die falsche Route gewählt und wurde auf der Autobahn von der Polizei gestoppt und gnadenlos vom Pannenstreifen verbannt. Im Raum Casa Grande ist das Fahren auf dem Pannenstreifen nämlich nicht erlaubt. Er musste also über den Zaun klettern und durch tiefen Matsch zur nächsten Strasse wandern. Sein Fahrrad sah entsprechend aus. Wir wünschten und gegenseitig noch viel Glück und Erfolg auf der Weiterreise und fuhren weiter.

Joe, der Charityrider für Krebskranke.

Joe, der „Charityrider“ für Krebskranke.

Es ging leicht bergauf und am Picachio Peak sah ich im Schatten eines Baumes zwei Radfahrer warten. Ich hielt an und sprach mit den beiden. Ein Paar das es offensichtlich im Leben nicht immer einfach hatte. Beide waren vom Alkohol und wohl auch Drogenkonsum gezeichnet. Sie waren mit ihren zwei Fahrrädern, einem Anhänger und drei kleinen Hunden dort und suchten Leute, die ihnen etwas spendeten. Ich sprach mit den beiden gut eine halbe Stunde. Sie waren begeistert von meiner Tour und erzählten mir, dass sie nach Las Vegas wollten, dies im Moment aber nicht gehe, da die Frau nächste Woche in Tucson einen Arzttermin habe. Es war offensichtlich, dass sie nicht wirklich gesund war. Stolz erzählten mir die beiden, dass sie nicht obdachlos seien, sondern in Tucson eine Wohnung hätten. Leider sein das Geld aber nach Bezahlung der Miete jeweils aufgebraucht. Da sie trotzdem lieber unterwegs waren als zu Hause herumzusitzen, machten sie immer wieder ausgedehnte Fahrradtouren und fragten die Vorbeifahrenden um finanzieller Unterstützung. Das klappe ganz gut und so seien sie zufrieden. Ich gab ihnen einen Zustupf, so das für das Abendessen und die Übernachtung im nahen State Park gesorgt war. Die beiden bedankten sich herzlich und als sie erfuhren, dass ich auf meiner Reise auch Geld für Kokou sammle, waren sie restlos begeistert. Die Frau erzählte mir, dass sie nach einem Überfall, bei dem ihr das halbe Ohr abgeschnitten und ein Schraubenzieher in den Kopf gerammt wurde, auch eine Art epileptische Anfälle habe. Zum Glück werde es langsam besser. Sie umarmte mich und zeigte mir ihre Arme: „Siehst du, ich bekomme gleich Hühnerhaut. Super dein Projekt.“ Ich war wirklich gerührt. Die beiden hatten es nicht leicht im Leben und trotzdem strahlten sie so viel positive Energie und Lebensfreude aus.

Nicht immer auf der "Sonnenseite" und doch voller Lebensfreude und Zuversicht.

Nicht immer auf der „Sonnenseite“ des Lebens und doch voller Lebensfreude und Zuversicht.

Diese beiden Begegnungen mit aussergewöhnlichen Menschen waren heute ganz klar meine persönliche „Adventsgeschichte“.
In diesem Sinne wünsche ich auch euch zu Hause möglichst besinnliche und komerzfreie Adventstage.

Ein Kommentar

  1. Dank WiFi in jedem Hotel/Motel kann ich täglich die spannenden Berichte und Fotos lesen auf unserer Reise von Denver nach San Francisco (ganz bequem im Auto…). Wir sind gerade in Kingman, Arizona, ca. 350 km nordwestlich von Eloy. Leider lässt unsere Reiseplanung kein wirkliches Treffen zu, wir sind aber immerhin virtuell ziemlich nahe…

    Weiterhin unfallfreie und genussvolle Fahrt, es ist ja nicht mehr sooooooooooooooo weit!

    Viele Grüsse

    Georg

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