Tag 49: (01.12.14) Marfa – Van Horn

Distanz: 122.1 km / Gesamt: 3861.7 km / Fahrzeit: 6 Std. 43 Min. / Durchschnitt 18.2 km/h

Morgens 5, Mittags 10 – 12 Grad, fühlte sich viel kälter an, starker Gegenwind, ganzer Tag sonnig,

Auf der weissen Linie

Der heutige Tag begann vielversprechend. Blauer Himmel und noch kühl, aber ich war mir sicher, es würde bald wärmer werden. Es war acht Uhr als ich startete, denn es stand ein langes Stück einsame Strasse auf dem Programm. Zwischen Marfa und dem Ziel Van Horn gibt es 120 Kilometer Einsamkeit. Nur unterbrochen vom kleinen Nest Valentine, in dem es aber weder ein Geschäft noch eine Tankstelle gibt. Also musste das Getränk und die Verpflegung gut geplant sein. Als ich losfahren wollte erblickte ich Richtung Paisano Pass ein seltsames Wetterphänomen. Die grüne, mit Steppengras bewachsene Hügelkette über die ich gestern gekommen war, schien wie dick verschneit. Es waren jedoch nur Wolken, die sich wie ein Bettlaken über die Berge legten. Ein ganz spezieller Anblick.

Schneeberge? Nein nur eine Wolkendecke.

Schneeberge? Nein nur eine Wolkendecke. (Kontrast auf dem Foto zum besseren Erkennen erhöht)

Blick zurück bei der Ausfahrt aus Marfa.

Blick zurück bei der Ausfahrt aus Marfa.

Bei der Ausfahrt aus Marfa dann nochmals ein Hinweisschild, das es auf einer sehr langen Strecke ganz sicher keine Versorgungsmöglichkeit gebe.

Alles klar? Es gibt ..... NICHTS!

Alles klar? Es gibt ….. NICHTS!

Die Strasse war leider nicht mehr so gut wie gestern und der Rollwiderstand und der kühle Gegenwind machten mir zu schaffen. Nur nicht nervös werden, die Trittfrequenz möglichst hoch halten und Meile für Meile zurücklegen, ich hatte ja genug Zeit. Es war aber bald klar, dass dies ein harter Tag werden würde. Die weisse Linie zwischen Fahrbahn und Pannenstreifen erwies sich als die Stelle auf der Strasse, wo der Rollwiderstand am geringsten war. Also versuchte ich heute wenn immer möglich genau dort zu fahren. Dabei natürlich auch immer einen Blick im Rückspiegel um weiter rechts zu fahren, sobald ein Fahrzeug auftauchte.

Eine echte Herausforderung bei dem Wind immer auf der Linie zu bleiben.

Eine echte Herausforderung bei dem Wind immer auf der Linie zu bleiben.

Nach etwa 25 Kilometer wartete ein Zug auf den Gleisen, die fast den ganzen Tag parallel zur Strasse verliefen. Ich hielt an, machte einige Fotos und plauderte etwas mit dem Lokführer, der hier einen Kreuzungszug abwarten musste. Er heisst Chris und erzählte mir das er jeweils einen Streckenabschnitt von 200 – 300 Meilen befahre ( 320 – 480 km). Heute würde er noch bis Alpine fahren und dort übernachten. Morgen dann wieder zurück nach El Paso. Die Strecke ist nicht sonderlich weit, aber die Güterzüge müssen oft lange an den Kreuzungsstationen warten, so das die Durchschnittsgeschwindigkeit recht tief ist. Eigentlich wollte ich ja ein Foto von ihm machen aber als ich heute im Motel die Fotos für den Blog aussortierte, war keines auf der Speicherkarte. Das ging wohl im Gespräch und im kalten Wind vergessen. Ich schrieb Chris noch die Blogadresse auf, damit es sich zumindest das Foto anschauen könnte. Sorry, ich hab’s vermasselt.

Der Zug von Chris mit seinen 74 Wagen. Die meisten doppelstöckig mit grossen Containern beladen. Sorry Chris, i did not take a picture with you :-(

Der Zug von Chris mit seinen 74 Wagen. Die meisten doppelstöckig mit grossen Containern beladen. Sorry Chris, i did not take a picture with you 😦

Ich fuhr weiter und musste mir bald eingestehen, das die Sache mit wärmerem Wetter und weniger Wind wohl ein Wunschtraum bleiben würde. Also machte ich mich an die Arbeit und spulte Meile für Meile ab. Endlich kam ich an eine Bezirksgrenze. Da besteht immer eine Möglichkeit, das sich der Strassenbelag bessert, da die Bezirke (County) für die normalen Strassen zuständig sind. Hier hatte ich Glück und so wurde nach 30 Kilometer wurde der Belag wieder besser. Sofort zeigte mein Tacho bei gleichem Wind und Kraftanstrengung 5 -6 km/h pro Std. mehr an.

"Belagswechsel" an der County Line

„Belagswechsel“ an der County Line

Leider änderte sich das dann später wieder, so dass ich heute von den 120 Kilometer gut 80 Kilometer auf wirklich rauem Belag und somit möglichst auf der weissen Linie fuhr.

Valentine, das einzige Nest unterwegs. Naja, nicht wirklich attraktiv.

Valentine, das einzige Nest unterwegs. Naja, nicht wirklich attraktiv.

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Dieser Fesselballon, der zu einer Wetterstation gehört sehe ich seit gestern Mittag. Heute, rund 60 Kilometer später fahre ich endlich an ihm vorbei.

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In Sachen „Routenwahl“ war es heute einfach: Immer geradeaus!

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So sieht die Cowboyunterkunft 2014 aus.

 

Noch eine Unterkunftsform.

Noch eine Unterkunftsform.

In dieser Gegend hat es viel Tumbleweed. Das ist ein „runder“ Busch der vom Wind über die riesigen Grasflächen geblasen wird. Leider hat dieser Busch auch kräftige Dornen und ist somit bei Radfahrern nicht gerne gesehen. Ich hatte Glück und schaffte es heute ohne Platten durch diese Dornengegend.

Tumbleweed wird vom Zaun zurückgehalten, so dass es riesige Berge davon gibt. Bis der Wind dreht.

Tumbleweed wird vom Zaun zurückgehalten, so dass es hier eine riesige Wand davon gibt. Bis der Wind dreht.

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So sieht ein einzelner Büschel aus.

 

Der Wind nahm am Mittag eher noch zu und fühlte sich immer kühler an. Die Mittagspause fiel entsprechend kurz und kalt aus. Einfach Flüssigkeit und Kalorien rein und weiter.

Die Suche nach Windschatten bei der Mittagsrast.

Die Suche nach Windschatten bei der Mittagspause.

Es war wirklich hart und ich war froh, als ich in der Ferne vor der Bergkette kurz nach drei Uhr endlich das Ziel Van Horn ausmachen konnte. Ich stiess einen Freudenschrei aus, auch wenn ich wusste, das es noch immer 16 Kilometer waren. Aber das Ziel war in Sicht. Es dauerte noch gut eine Stunde und kostete viel Kraft, bis ich mich gegen den immer stärkeren Wind wirklich bis nach Van Horn gekämpft hatte.

Blick auf Van Horn aus 16 km Entfernung!

Blick auf Van Horn aus 16 km Entfernung!

In Van Horn traf ich nur wenige Minuten nach meinem Reisepartner Kyle ein, der ja die letzten zwei Tage eine andere Route genommen hatte. Wir teilten uns heute wieder ein Motelzimmer und waren beide froh, nach diesem anstrengenden und kalten Tag eine warme Dusche nehmen zu können. Voraussichtlich bis Las Cruzes fahren wir wieder zusammen.

Ein Kommentar

  1. I enjoyed meeting you next to my train. You have some great pictures! Be careful and have a great trip. I would love to see your country as well. Chris

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