Tag 3: (16.10.14) Key Largo – Cutler Bay

Distanz: 68.6 Km. / Gesamt 234.56 Km / Fahrzeit: 4 Std. 49 Min., viel Gegenwind
Durchnitt 14.24 km 😦  GPS – Track

Workout!

Heute war Fitnesstraining angesagt. Die Strecke von Key Largo nach Cutler Bay, südlich von Miami, ist nicht wirklich spektakulär und verläuft mehrheitlich schnurgerade zwischen grossen Zäunen, welche die Krokodile vom Überqueren der Strasse abhalten sollen.
Aber der Reihe nach. Ich hatte ja geplant, nicht auf der A1 nach Miami zu fahren, sondern den Umweg über die „Card Sound Rd.“ zu nehmen, da dort massiv weniger Verkehr ist. Auf der A1 fährt fast der gesamte Verkehr der von und nach den Key’s unterwegs sind. Beim Frühstück auf der Terrasse im Motel habe ich beobachtet, wie sich gerade ein Radler auf sein voll bepacktes Reiserad setzte und den Helm montierte. Bereit für die nächste Etappe. „Hier entschwindet gerade viel Tourenerfahrung und lokales Wissen“ fuhr es mir durch den Kopf. Also bin ich rasch zu ihm hin, habe ihn freundlich begrüsst und nach seinen Plänen gefragt. „I’m on the way to Key West“, sagte er und als er erfuhr dass wir von dort kommen und uns nun Gedanken zum besten Weg nach Miami machen, stieg er sofort wieder vom Rad, setzte seinen Helm ab und holte sein Handy hervor. Er empfahl mir, nicht die von mir geplante Route zu nehmen, da es auf dieser Strasse kaum einen Seitenstreifen habe. Zur Illustration zeigte er mir Bilder dieses Abschnitts auf seinem Handy. Die A1 sei aber kein Problem, wohl stark befahren aber immer mit einem breiten Seitenstreifen. Ich bedanke mich und gab ihm den Tip auf dem Weg beim Milemarker 80 doch im Midway Cafe vorbeizuschauen. Ich  erzählte im vom netten Lokal, der freundlichen Bedienung und dem guten Essen. „Das passt perfekt, ich werde wohl gerade zu meinem zweiten Frühstück dort sein“ sagte er, setzte den Helm auf und radelte los.
Als wir dann auch startklar auf den vollgepackten Rädern sassen kam eine Motelnachbarin auf uns zu, mit der wir gestern im Pool etwas geplaudert hatten. Sie konnte es nicht fassen das wir wirklich nur mit den Rädern und nicht noch zumindest mit einem Begleitfahrzeug unterwegs waren und bis nach New Orleans wollten. „Phantastisch,  und das alles ohne Benzin zu verbrennen! Have a safe trip“ rief sie uns hinterher als wir losfuhren.

schon bald ein Ritual: Sandwichbunkern für unterwegs

Schon bald ein Ritual: „morgendliches Sandwichbunkern“ für unterwegs

Solche spontane und unkomplizierte Begegnungen und Gespräche geniesse ich jedes mal wenn ich in den USA unterwegs bin. Da könnten wir „verschlossenen Schweizer“ sicher noch etwas dazu lernen.
Die ersten Kilometer führten uns an dem typisch amerikanischen „Ausfallstrassenmix“ vorbei, Fast Food in allen Variationen, Tankstellen, Einkaufszentren, Immobilien- und Rechtsanwaltsbüros, etc.
Dann führte uns die erste Brücke über den Lake Surprise und wir hatten die Key’s nun hinter uns. Von nun an gab es ausser Mangrovengebüschen links und rechts der Fahrbahn für lange Zeit nicht mehr viel zu sehen.

Für Gilbi (hast du hier ein zweites Standbein eröffnet?)

Für Gilbi
(hast du hier ein zweites Standbein eröffnet?)

Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt tauchte auf unserer Strassenseite ein privater Bootshafen mit Reparaturwerkstatt auf, „Zutritt nur für Bootseigner“. Das waren wir zwar wirklich nicht, trotzdem wäre eine Toilette willkommen gewesen. So fuhren wir auf das Gelände und ich ging ins Büro, um artig zu fragen, ob wir zwei Velofahrer nicht doch die „Restrooms“ benützen könnten. Die ältere Dame machte es kurz: „Nein, das ist nur für Bootseigentümer und Marineangestellte!“ Auf die Frage, wo denn die nächste Möglichkeit wäre meinte sie: 20 Meilen (36 km) Richtung Norden . Upps, das ist mit dem Velo aber gar weit. Ich setzte einen flehenden Blick auf, erklärte ihr noch einmal das ich mit meiner Frau und dem Fahrrad unterwegs sei und damit seien 20 Meilen zur Toilette doch ziemlich weit. „Wirklich keine Ausnahme?“ fragte ich. Das hat gewirkt, ohne etwas zu sagen zeigte sie mir mit einer Handbewegung an, das wir die Toiletten nun doch benutzen düefen aber dann zurück auf die Strasse. Mehr wollten wir auch nicht und waren froh und erleichtert, so dass wir uns bald darauf auf dem Seitenstreifen wieder konzentriert dem zum Teil kräftigen Wind entgegenstellen konnten.

Mittagsrast am Rande der A1

Mittagsrast am Rande der A1

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Wer hier im „1 Floor“ wohnt, hat sicher öfters nasse Füsse, (… und schwimmender Besuch in der Küche?)

Ereignislose 40 Km später erreichten wir dann den „Miami – Dade Bikeway“. Dies ist eine etwa 50 Km lange „Velobahn“ die entlang einer separaten Busstrasse von Homested bis nach Downtown Miami führt. Ja, ihr habt richtig gelesen, da gibt es eine zweispurige Strasse auf der nur Linienbusse verkehren dürfen und gleich nebenan auf der ganzen Länge ein breiter Veloweg!

Velobahn!

Velobahn!

Das wären doch mal etwas, das sich die „Velostadt“ Winterthur genauer ansehen sollte. Einen kleinen Haken hat die Sache leider schon. Bei jeder querenden Strasse ist ein Lichtsignal installiert und mangels Induktionsschaufe muss man als Velofahrer immer auf den Ampelknopf drücken, damit es grün wird. Flüssiges fahren sieht anders aus!
Dennoch haben wir unser Ziel die Region „Cutler Bay“ um gut vier Uhr Nachmittags erreicht und im zweiten Anlauf auch ein Motel gefunden, das uns ein Zimmer im „1 Floor“ (heisst zwar übersetzt 1. Stock, es ist jedoch das Parterre gemeint) anbieten konnte. Wir haben nämlich bereits gemerkt das wir viel ruhiger schlafen, wenn unsere Pferdchen bei uns im Zimmer stehen und das geht im „1 Floor“ nun wirklich besser, als wenn wir sie noch hochtragen müssen. Also wird das Erdgeschoss in Zukunft unsere bevorzugte Etage werden.

Blogger at work

Blogger at work

Fazit: Unspektakuläre Landschaft, Gegenwind, also fast wie ein Workout im Fitnessstudio
Übernachtung: La Quinta Inn + Suites Miami Cutler

4 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei
    Das sieht ja anstrengend aus. Vor allem hier von meinem Büro aus. Fredi, deine Berichte sind super geschrieben und interessant. Freue mich bereits auf alle weiteren.
    Lieben Gruss an dich und gib Barbara einen hug von mir.
    Urs

  2. Ich habe gerade eure ersten 3 Fahrtage „mitgemacht“, toll. Was ich mir hier gar nicht so richtig vorstellen kann ist die grosse Hitze, das müsste man wohl selbst erleben/erleiden….ich wünsche euch also für die folgenden Tage schönes, aber etwas weniger heisses Wetter und einen hübschen Rückenwind!

  3. Hey ihr zwei Abenteurer, seit Samstag sitzen wir jeden Abend am Computer um eure neusten Erlebnisse mit Spannung zu lesen. Sind fast ein wenig neidisch auf euren Mut und diese Abenteurlust. Hut ab!! Macht weiter so! Werden euch auf Tritt und Tritt begleiten.
    Eure Lattmann’s

  4. hallo ihr beiden – jetzt haben wir tatsächlich den anfang verpasst! umso spannender, jetzt zu lesen, dass ihr gut unterwegs seid – gänd sorg und schreibt weiterhin so fleissig – wir freuen uns jetzt schon aufs wiedersehen! olivier und esther

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