Tag 64: (16.12.14) Yuma – El Centro

Distanz: 100.7 km / Gesamt: 5144.5 km / Fahrzeit: 5 Std. 12 Min. / Durchschnitt 19.3 km/h

Vormittag 12, Mittag 23, Nachmittag 13 Grad, Morgen bedeckt, ab 15.00 Uhr Regen, kein Wind

Kalifornien, hier bin ich!!!

So langsam erlebe ich fast jeden Tag einen weiteren Meilenstein. Heute war es die Grenze nach Kalifornien. Somit bin ich also auf meiner Reise im achten und letzten Bundesstaat angekommen.

Meine letzter Bundesstaat auf dieser Reise.

Meine letzter Bundesstaat auf dieser Reise.

Der Coloradoriver bildet hier die Grenze und gleichzeitig konnte die Uhr nochmals um eine Stunde zurückgestellt werden. Der Zeitunterschied zur Schweiz beträgt somit -9 Stunden.

Der Colorado ist hier nach der gewaltigen Wasserentnahme nur noch ein Rinsal im Vergleich zum Grand Canyon.

Der Colorado ist hier nach der gewaltigen Wasserentnahme nur noch ein Rinsal im Vergleich zum Grand Canyon.

Ein neuer Bundesstaat bedeutet auch immer wieder neue Gesetze. Hier in Kalifornien sind die Regeln was das Fahren auf der Interstate betrifft wieder sehr streng und oft unklar. Das Fahren auf dem Pannenstreifen ist erlaubt, sofern es keine andere Strasse gibt. Das ist jedoch ein dehnbarer Begriff.

Das gefällt einem eingfleischten "Pannenstreiffenfahrer" natürlich gar nicht.

Das gefällt einem eingefleischten „Pannenstreifenfahrer“ natürlich gar nicht.

Also war heute immer genaues Routenstudium nötig. Wo bin ich gerade, gibt es zur nächsten Ausfahrt eine Alternative zur Autobahn? Ist diese geteert oder wie hier oft nur eine Sandpiste? Ich wollte vermeiden, mit der Polizei zu diesem Thema auf der Autobahn diskutieren zu müssen. Allenfalls hätten sie mich einfach über den Zaun in den Sand gesetzt und das macht mit einem beladenen Rad sicher keinen Spass. So fuhr ich immer mal wieder ein Abschnitt auf der Autobahn und bei der nächsten Ausfahrt wieder auf der Nebenstrasse, die sich dann vielleicht wieder „auflöste“ oder in eine andere Richtung abbog. An so einer Kreuzung war ich unsicher, ob ich wieder auf die Autobahn sollte, denn die Nebenstrasse führte in einem sehr weiten Bogen Richtung Norden und hätte mir mindestens fünfzehn zusätzliche Kilometer beschert. Da kam auf einer einsamen Strasse ein Rentner auf seinem Mountainbike dahergefahren. Er hielt an und ich fragte ihn nach dem richtigen Weg. Er war Kanadier aus Alberta und verbringt jeweils den Winter in dieser Gegend. „Du kannst hier auf die Autobahn. Bleibe dort bis nach den Dünen, denn hier gibt es keinen anderen Weg.  Danach hat es dann wieder eine Parallelstrasse.“ Wir plauderten noch kurz über meine Reise und er interessierte sich wie es so sei, auf einem Liegerad zu fahren. Dann verabschiedeten wir uns und ich bog bei der Tafel “ keine Fahrräder hinter diesem Punkt“ auf die Interstate ab. Kurz darauf überholte mich ein Polizeiauto und reagiert nicht. Ein gutes Zeichen. Links und rechts der Autobahn türmten sich die Sanddünen auf. Man hat fast das Gefühl in der Sahara zu sein.

Mitten durch die Sandlandschaft führt der "All American Canal" der das Coloradowasser zu den Feldern in Kalifornien und Arizona leitet.

Mitten durch die Sandlandschaft führt der „All American Canal“ der das Coloradowasser zu den Feldern in Kalifornien und Arizona leitet.

Das könnte auch in Nordafrika sein.

Das könnte auch in Nordafrika sein.

Die Dünen am Fusse der Berge, die den aufgewirbelten Sand aufhalten ziehen sich bis zum Horizont hin.

Die Dünen am Fusse der Berge, die den aufgewirbelten Sand aufhalten, ziehen sich bis zum Horizont hin.

An meinem Mittagsrastplatz.

An meinem Mittagsrastplatz.

Als ich später auf die Nebenstrasse abbog wurde ich mit einem fürchterlichen Belag konfrontiert. Durch die Hitze die hier im Sommer herrscht, bildeten sich im Belag lauter kleine aber auch grosse Risse. Die „Platten“ stossen sich gegenseitig auf, so dass die Fahrt darauf sehr holprig wird.

An eine  Strasse habe ich eigentlich andere Erwartungen.

An eine Strasse habe ich eigentlich andere Erwartungen.

Da mussten wir gemeinsam durch, das "Pferdchen" und ich.

Da mussten wir gemeinsam durch, das „Pferdchen“ und ich.

Ein echter Härtetest für mein Material und zeitweise fürchtete ich, die Aufhängungen der Packtaschen würden das nicht mehr lange mitmachen. Gut 35 Kilometer musste ich auf dieser Strasse heute zurücklegen bevor der Belag wieder besser wurde.

Mein "Pferdchen" ist der wahre Held des heutigen Tages. Es hat das alles klaglos mitgemacht!

Mein „Pferdchen“ ist der wahre Held des heutigen Tages. Es hat das alles klaglos mitgemacht!

Plötzlich tauchte links am Strassenrand eine kleine Ansammlung von Palmen und ein kleiner See auf. Daneben gab es zwei betonierte Badebecken etwa 4×3 Meter, in denen warmes Grundwasser sprudelte. Natürlich ein Parkplatz und ein Campingplatz in der Nähe. Da schon einige Leute in den Becken am baden waren, hatte ich keine Lust mich dazu zu setzen und hatte ja auch noch 30 Kilometer vor mir.

Oase mitten im Sand.

Oase mitten im Sand.

Es ging wieder grossen Gemüsefeldern entlang und langsam wurden die Regenwolken immer dunkler und es begann gut 15 Kilometer vor dem Ziel zu regnen. Die Strasse wurde dadurch sehr rutschig und der Verkehr nahm zu, je näher ich El Centro kam. Also war höchste Vorsicht geboten und ich war froh als ich das Hotel erreichte und eine warme Dusche nehmen konnte. Kyle traf gut eine Stunde später ein. Auch er war nass und wegen fehlendem Schutzblech auch noch ziemlich mit Erde vollgespritz. Also musste zuerst sein Fahrrad und der Anhänger abgespritzt werden, bevor diese ins Zimmer gestellt werden konnten. Nun hängen unsere Kleider zum trocknen an der Stange, den morgen ist nochmals Regen angesagt. Zudem wird es kühler und wir haben einen langen Anstieg vor uns. El Centro liegt 12 Meter unter dem Meeresspiegel und das „Minimalziel“ Morgen heisst „Boulevard“ und liegt auf etwas über 1000 Meter. Ich hoffe es wird nicht allzu nass und kalt. Für Donnerstag ist dann wieder besseres Wetter angesagt und das bleibt hoffentlich so, denn dann werde ich zusammen mit Kyle das Ziel, den Pazifik erreichen! Langsam geht die Reise zu Ende.

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