Etappe 67 km, Total 123 km
Heute Morgen genoss ich zuerst ein reichhaltiges Frühstück. Nicht nur kleine Süssspeisen wie sonst in Italien üblich. Eier, Speck, Aufschnitt, Käse, Früchte, Müsli, alles war aufgetischt. Ich konnte also richtig Kalorien bunkern und die waren heute auch nötig. Die Küste Kalabriens bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke, aber diese müssen hart erarbeitet werden.




Die Dörfer liegen oft in der Höhe und so sind die Strassen entsprechend steil. 10% und mehr Steigung waren heute immer mal wieder zu bewältigen. Das war mit ein Grund, warum ich diese Tour nicht mit dem Lieger fahren wollte, denn steile Aufstiege sind mit unseren Liegen doch um einiges anstrengender, als mit dem Mountainbike. Dafür musste ich aber auch auf den unschlagbare Komfort eines Liegerads verzichten. Nach zwei Stunden meldet sich jeweils meine Sitzfläche und ich wünsche mir jeweils einen „Liegestuhl“. Die Schultern sind auch eher verkrampft und die Hände beginnen immer wieder zu kribbeln. Aber was solls, alles hat seine Vor und Nachteile.

Immerhin haben sich die vielen Stunden den auf dem Hometrainer in den Wintermonaten bezahlt gemacht. Konditionell konnte ich heute trotz 970 Höhenmeter mit 20kg. Gepäck nicht meckern. Es lief rund. Die grosse Bandbreite an Gängen die ich „Black Beauty“ beim Refit spendiert habe, haben sich auch ausbezahlt. So konnte ich auch die steilsten Rampen im Sitzen bewältigen.



An einer solchen Steigung winkte mir ein älteres Paar zu. Offensichtlich Touristen, welche zu Fuss unterwegs waren. Es gab einen „Daumen hoch“ und ich hielt kurz für einen „Schwatz“ an. Die Frau musterte mein Rad und fragte erstaunt, ob ich denn kein „E“ hätte. „Doch“ antwortete ich, „aber das E heisst Energie und steckt in meinen Oberschenkeln“. Wir unterhielten uns kurz und bestätigten uns gegenseitig, wie schön diese Gegend doch sei und dazu perfektes Wetter.



Ich radelte weiter und gewann rasch an Höhe. Das kleine Bergdorf Nicotera überraschte mich. Enge steile Gassen und pitoreske Häuser machten den Anschein, als ob hier die Zeit still zu stehen schien. Im Dorf führten sehr steile Gassen hinunter ans Meer und ich war froh, diese Gassen nicht in der anderen Richtung fahren zu müssen. Da hätte ich wohl aufgeben müssen.






Unten am Meer war dann Zeit für eine kleine Stärkung. Im Dorf hatte ich mir für 4.50 Euro eine Cola, eine Fanta und ein Mortadellasandwich gekauft. Da kann man nicht klagen. Ich liebe diese kleinen Läden, wo man sich an der Fleisch- und Brottheke etwas aussuchen kann, und alles wird frisch zubereitet.
Im Gebiet um San Ferdinando gibt es einen grossen Hafen. Offensichtlich auch viel Lastwagen Verkehr, denn die Strassen waren teilweise in einem sehr schlechten Zustand. Es erforderte meine ganze Aufmerksamkeit, all diesen Schlaglöchern auszuweichen. Länger als ursprünglich geplant fuhr ich dann auf der Strada_Stadale 18 mit dem schönen Namen „Tirrenica-Inferiore“. Entgegen dem Namen war es recht entspannt zu fahren, denn oft hatte es einen breiten Seite streifen und vor allem kaum Schlaglöcher.

Für einen Besuch am Lido die Palmi vernichtete ich noch einmal 50 Höhenmeter. Heute musste ich einfach zumindest die heissen Füsse im Meer abkühlen.
In der Zwischenzeit war mir auch das Getränk ausgegangen aber ich war überzeugt, in Lido di Palmi kein Problem zu haben, kühle Getränke zu finden. Das wäre fast ins Auge gegangen, denn hier ist definitiv noch nicht Saison. Fast alles ist noch geschlossen. Zum Glück fand ich eine kleine Bar und konnte meinen Flüssigkeitsbedarf wieder auffüllen, den zum Übernachtungsziel nach Palmi waren es noch 8 km bergauf.


Dort angekommen bezog ich mein Zimmer in einem B&B und startete die Ankunftsroutine. Verschwitzte Kleider auswaschen, duschen, Recherchen was es zu sehen gibt. Ehrlich, für Sehenswürdigkeiten muss man wohl nicht nach Palmi. Oder ich habe sie nicht gefunden. Dafür ist es ein wirklich authentischer Ort und zu Essen werde ich auch hier sicher etwas gutes finden.


Nachtrag: Das mir dem Essen war sehr schwierig, denn an Montagen scheinen alle Köche die Küche geschlossen zu lassen. Für eine einfache Pizza hat es dann doch noch gereicht.

/wir genießen deine Reise in vollen Zügen! Deine Geschichten und deine tollen Fotos! Bravo! Wir sind einen großen Teil deiner Strecke auch geradelt und du weckst bei uns wunderschöne Erinnerungen.