Die letzte Woche haben wir unsere Räder beim Besitzer des „Albergo Terrazze sul Mare“ in seiner Garage eingestellt. So sind wir mit „leichtem Gepäck“ für ein paar Tage nach Malta geschippert. Die Fähre würde zwar Fahrräder mitnehmen, aber nach den Erfahrungen mit dem Rad im Frühjahr 2024 haben wir darauf verzichtet. Malta eignet sich nicht wirklich für Fahrradtouren. Und damit sind wir auch schon beim Thema: Was sollen wir vom Besuch halten? Irgendwie bin ich ratlos bzw. es gibt so unterschiedliche Aspekte, die mir durch den Kopf gehen.
Da ist der starke Tourismus vor allem im Grossraum Valletta, der sich unter anderem auch am unbegrenzten Bauboom zeigt.


Ein neues Appartementhaus wird neben dem anderen hochgezogen und so verliert, mit Ausnahme der Altstadt von Valletta, die Gegend ihr Gesicht.

Es entsteht ein architektonischer Einheitsbrei und für Einheimische gibt es kaum bezahlbare Mieten, da viele Wohnungen für die lukrativere Kurzzeitvermietung umgenutzt werden. Es werden Massen von Touristen mit Billigfliegern ein- und ausgeflogen. Entlang der Wasserftont reiht sich ein Restaurant an das nächste und alle versuchen die Touristen mit „Happy Hour“ Angeboten anzulocken. Das die Insel Malta, im Gegensatz zur Schwesterinsel Gozo kaum für Landwirtschaft geeignet ist und alles importieren muss, sowie die Tatsache, dass das Wasser immer knapper wird und auch die Strasseninfrastruktur den überbordenden Verkehr kaum bewältigen kann, wären gute Gründe sich in Bezug auf das touristische Wachstum Gedanken zu machen. Und wir sind mitten drin! Wir wissen nicht so recht, was wir davon halten sollen.
Ers gibt aber zum Glück auch viel Positives.

Da ist vor allem die Jahrtausende alte Geschichte zu erwähnen, die viele beeindruckenden Bauwerke hervorgebracht hat.



Und dann sind da auch die schönen Küstenabschnitte mit unzähligen, traumhaften Badestränden.


Das grosse Gastroangebot in Malta ist auch geprägt, von alle den kulturellen Einflüssen, welchen die Insel in der Vergangenheit ausgesetzt war. Malta ist auch heute noch ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen. Vor allen der Nahe Osten, Afrika und Indien sind, neben der englischen Kolonialgeschichte, sehr präsent. Dazu eine junge Generation die auch neue Trends aufnimmt und so entdeckten wir im Stadtteil Slima ein tolles veganes Restaurant, das uns zweimal ein ganz abwechslungsreiches Abendessen zubereiteten.
Nach zwei Nächten zügelten wir nach Rabatt.

Die Stadt liegt im Zentrum der Insel Malta und ist bei Touristen vor allem wegen ihren schön erhaltenen Altstadt und der Medina beliebt.



Von hier aus machten wir auch eine Wanderung entlang der Südküste. Hier ein paar Bilder.





Der Transport in Malta ist übrigens mit öffentlichen Bussen recht einfach und preiswert. Die App Tallinja ist ungemein hilfreich und führt einem immer zur richtigen Bustation und zeigt die besten Verbindungen und Abfahrtszeiten.

Wenn es mal gar nicht passt mit öffentlichem Verkehr sind neben Taxis die Fahrdienste UBER und BOLT omnipräsent. Es ist also nicht nötig hier ein Auto zu mieten. Die Strassen sind so schon genug verstopft.
Für die letzten zwei Nächte wechselten wir noch auf die kleine Schwesterinsel Gozo. Die kurze Fährüberfahrt war ziemlich stürmisch, verlief aber problemlos.

In Victoria hatten wir ein tolles Hotel direkt beim Busterminal.

Gleich um die Ecke kamen wir in die Altstadt …


und in wenigen Minuten waren wir auf der Zittadelle, welche eine bewegte Geschichte hinter sich hat.

Von hier aus unternahmen wir auch eine wunderschöne Küstenwanderung an der Nordküste.



Gozo ist um einiges ruhiger als Malta und die Insel hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Für mich, zumindest um diese Jahreszeit, ein guter Mischung aus Tourismus und Ruhe, so dass wir uns richtig wohl fühlten.
Am Sonntagmittag ging es dann mit der stündlich verkehrenden Schnellfähre in nur 45 Minuten direkt von Gozo in den Hafen von Valletta, wo um 18h unsere Fähre nach Pozzallo ablegte. Wir liessen eine Insel hinter uns, die uns am Anfang mit ihren Touristenmassen, verstopften Strassen und überfüllten Bussen etwas Ratlos machte, zum Schluss mit den schönen Küstenwanderungen und der ruhigeren Atmosphäre auf Gozo wieder versöhnte.

So oder so sind wir froh, Morgen wieder radeln zu können.