Rückreise: 13.06.2021 Lido di Spina – Ravenna und Heimreise per Bahn

Routendarstellung und GPS Daten: (Bilder und Kommentare im Link sind von anderen Komoot Nutzern)

Distanz: 32 km (Lido die Spina – Ravenna Bahnhof) / Total: 493 km
Mit nicht aufgezeichneten Fahrten zum Bahnhof Winterthur und Fahrten zum Einkaufen, haben wir wahrscheinlich doch noch 500 km geschafft 😉

Nachdem wir nun zwei Tage das Nichtstun genossen hatten, hiess es heute Morgen wieder einmal packen, denn wir mussten nun die Rückfahrt angetreten.

Der Campingplatz lag gleich bei einem Naturschutzgebiet, wo wir wieder Flamingos und andere Seevögel beobachten konnten. Den Sonnenuntergang haben sie auch ganz schon rot gemacht.

Wir waren uns bewusst, dass das Reisen mit Fahrrädern immer eher eine nervenaufreibende Angelegenheit ist und die europäischen Bahnen haben in der Vergangenheit alles dafür getan, dass die Sache trotz Internet und anderen Hilfsmitteln eher noch mühsamer wird. Es ist z.B. nicht möglich, über eine App einen Platz für ein Fahrrad im grenzüberschreitenden Verkehr zu buchen. In Italien sind praktisch alle Schnellzüge für Fahrräder gesperrt, ausser man klappt sie Zusammen und verstaut sie in einer Tasche. Das können wir zwar im Notfall mit unseren Rädern tun, aber es ist immer ein ziemlicher Stress, die zusammengeklappten Liegeräder und das ganze Gepäck in der kurzen Zeit des Zugaufenthalts zur richtigen Türe zu bringen, da in solchen Zügen ja immer reserviert werden muss.
Aus diesem Grund haben wir uns entschieden mit Regionalzügen von Ravenna nach Mailand zu fahren. Ab dort wollten wir dann versuchen einen Fahrradplatz im EC nach Zürich zu reservieren.
Zuerst mussten wir aber nach Ravenna radeln. Kurz nach dem Campingplatz führte uns die Route auf die relativ stark befahren Hauptstrasse Richtung Ravenna. Wir fragten eine Polizistin die gleich dort an der Einmündung stand, ob es einen besseren Weg gebe. Aber sie verneinte. „Es gibt schon einen andern, touristischen Weg, aber der geht durch den Wald und hat keinen guten Belag. Aber die Hauptstrasse ist auch gefährlich. Zum Glück ist heute Sonntag und es fahren fast keine Lastwagen.“
Das reichte uns als Erklärung. Wir wollten spätestens in zwei Stunden in Ravenna sein und hatten noch gut 30 km vor uns. Also auf die Hauptstrasse und eine schnelle Kadenz finden!

Wir hatten Glück. Teilweise fast kein Verkehr und meist einen guten Seitenstreifen.

In Ravenna hatten wir genug Zeit unsere Tickets zu kaufen. So waren wir bis Mailand schon mal bedient. Die Idee in Bologna oder Mailand noch eine Nacht zu verbringen und erst am Montag zu Hause zu sein haben wir verworfen. Wir waren gerade so im Heimreisemodus und wollten das hinter uns bringen.
Der Regionalzug von Ravenna nach Bologna beeindruckte uns schon ziemlich. Gute Haken um die Fahrräder aufzuhängen, so dass auch der Schaffner ein zustimmendes „Daumen hoch“ gab als er sah, wie ich die Räder platzierte.

So könnte ein Multifunktionsabteil auch bei uns aussehen. Dazu fuhr der „Regionalzug“ wie der Monitor anzeigte mit beeindruckenden 157 km/h und die Distanz zwischen den Stationen waren erstaunlich lange. Bei uns nennt man so etwas „Interregio“.


Wir genossen die Fahrt und waren schon bald in Bologna. Einen Vorteil hat es ja, wenn die Fahrpläne nicht gut aufeinander abgestimmt sind. So hatten wir in Bologna genug Zeit um uns um die Fahrradreservation von Mailand nach Zürich zu kümmern. Leider hat es nicht gereicht. Mehr als 25 Minuten versuchte das Team hinter dem Schalter mir eine Fahrradreservation auszustellen. Irgend etwas klemmte im System, oder war es das Unvermögen des gesamten Teams?
Was solls, wir mussten weiter. Zum Glück fanden wir im „Regionale Veloce“ noch zwei Plätze für unsere Räder. Auf der Fahrt nach Mailand entschlossen wir uns, die Sache mit dem grenzüberschreitenden Zug zu vergessen und statt dessen einen weiteren Regionalzug nach Chiasso zu nehmen. Ab dort dann einen EC der in Chiasso startete nach Zürich.

Also hatten wir in Milan nochmals Zeit etwas Verpflegung einzukaufen und den schönen Bahnhof zu bestaunen, denn wir hatten ja wieder 50 Minuten Umsteigezeit.
In Chiasso angekommen ging ich zum Billettschalter, denn für die Velos musste eine Reservation am Schalter gemacht werden. Online nicht möglich!
Ihr könnt es euch denken, der Schalter war geschlossen! Also zurück auf das Perron, wo der Zug bereits 10 Minuten vor Abfahrt bereit stand. Eine kurze Diskussion mit dem Zugpersonal endete in der Erkenntnis, dass wir zwar bis Lugano mitkommen könnten, dort müssten wir aber vielleicht in einen anderen Zugteil, der dort angehängt wird, umsteigen. Sie hatten offenbar keinen Überblick, was nun wo reserviert ist. Das war mir nun definitiv zu viel! Seit drei Wochen bemühte ich mich um eine Fahrradreservation, war in Winterthur, Ravenna und Bologna am Schalter und nun sollten wir in Lugano wieder aussteigen.
„In diesem Fall klappen wir die Räder zusammen und nehmen sie als Gepäck mit!“ erklärte ich dem verdutzen Zugspersonal und ging mit erhöhter Pulsfrequenz Richtung Wagen, wo wir einsteigen wollten. Wir sattelten ab, verstauten die Packtaschen im Gepäckabteil, montierten die Sitze ab und begannen die Räder zusammenzuklappen. Ein dritter Zugbegleiter kam auf mich zu uns sagte, ich könnte die Räder nun doch ohne zu falten im 3. hintersten Wagen transportieren. Es war zu spät! Ich kochte vor Wut, weil es mittlerweile so umständlich geworden ist, Fahrräder über grössere Distanzen mitzunehmen. Vor allem die neuen Fernverkehrszüge sind eine reine Plage. Alles eng, schmale Gänge, Gepäckplätze irgendwo weit weg von der Eingangstüre. Wer so etwas plant und bestellt reist offenbar höchstens mit einem Aktenkoffer. Wirklich schade.

Damit wir nicht noch in einem weiteren Wagen Barbara’s Rad deponieren mussten erlaubte uns der Zugchef, das Rad zwischen den Sitzen zu deponieren. „Um diese Zeit kommen sowieso nicht mehr viele Leute. Es hat sicher genug Platz.“ Da hatte er natürlich recht.
Unterwegs plauderten wir noch etwas mit dem Zugchef und er erzählte uns, dass er auch schon seit Jahren in ganz Europa mit dem Fahrrad unterwegs ist und die Situation auch sehr unbefriedigend finde. Wir fachsimpelten noch über diverse Fahrrad- und Bähnlerthemen und zum Schluss war es doch noch eine gute Reise.

Über den Damm von Melide

Arth im schönsten Abendlicht

Dass dann in Zürich Abend um 22 Uhr unsere Weiterreise mit ausgefallenen S Bahnen, welche sich gut für Fahrradtransport eignen, nochmals neu geplant werden musste, passte ins Bild, dass wir heute auf dem Abschnitt Chiasso Winterthur hatten. Ich muss leider sagen, dass der Schweizer Abschnitt der gesamten Bahnreise der mit Abstand mühsamste war.
Immerhin waren wir um 23 Uhr, 14 Stunden nachdem wir vom Campingplatz losgefahren waren, wieder zu Hause.

Unser Fazit:

Es war wieder eine wunderschöne und abwechslungsreiche Reise, die auch untrainiert gut zu bewältigen war. Die relativ kurzen Etappen gaben uns immer genug Zeit, so dass wir stressfrei unterwegs waren. Das Wetter machte einmal mehr mit und wir fuhren gerade mal 10 Minuten in leichtem Nieselregen. Nur an einem Tag trug ich am Morgen einen Windstopper, die restlichen Tage war bereits vom Morgen bis Abend T-Shirt und Shorts die richtige Ausrüstung.
Ein überwiegender Teil der Strecke war auf Radwegen oder sehr verkehrsarmen Nebenstrassen. Der Untergrund hat da und dort einige Anforderungen an die Fahrtechnik gestellt. Das Fahren auf weichen Schotter oder Sandabschnitten mit Gepäck ist nicht zu unterschätzen.
Auch landschaftlich war es sehr abwechslungsreich und kulinarisch sowieso perfekt. Sowohl die österreichische als auch die italienische Küche versorgt Radler ganz gut.
Das ich die Route im Vorfeld mit Hilfe der Website „Komoot“ gut geplant habe und die Etappen auf dem Navi „Sigma ROX 12“ gespeichert hatte, erwies sich gerade bei den Fahrten über Feldwege als sehr hilfreich. Und wenn ein geplanter Weg mal nicht fahrbar war, konnte mit den offline Karten auf dem Navi rasch eine Alternative gefunden werden.
Die Gegend ist sicher eine Reise wert. Wir hoffen, es hat euch beim Lesen auch etwas Spass gemacht und wir konnten bei euch die Lust auf eine ähnliche Reise wecken.

Der letzte Blogeintrag wird vorbereitet. Danke für euer Interesse und natürlich die Kommentare über die wir uns immer sehr freuen.

Ein Kommentar

  1. Wie immer ist dein Blog sehr informativ und spannend zu lesen. Auch sind die fotos absolut wunderbar! Reisen ist immer aufregend, unvorhersehbar und kann so stressig sein, aber es ist immer ein lohnendes Abenteuer und eine Lernerfahrung! Danke, daß ihr uns noch wieder mitgenommen habt!

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